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Gott. Heißhunger nach JHWH?

Exodus – Auszug in die Freiheit, Teil 3/3
10.07.20162. Mose 33
SERIE - Teil 3 / 3Exodus – Auszug in die Freiheit
Weiß ich, was man über Gott wissen kann? Habe ich eine zu einfache Vorstellung von Gott? Habe ich gar eine falsche Vorstellung ...?

Mir hat der Gedanke sehr gut gefallen, den wir zu Beginn gehört haben: Wenn wir Gott groß machen, können Menschen diesen Gott besser sehen. Eigentlich ist das eine ganz logische Sache. Was man groß macht, kann man besser sehen.

Wenn wir in unseren Liedern und auch in der Art, wie wir sprechen, Gott groß machen und ihn loben, wenn wir unsere Erfahrungen, die wir mit Gott gemacht haben, anderen mitteilen, dann kann man diesen Gott besser erkennen. Ein Großteil unserer Mitmenschen wird dadurch aufmerksam auf diesen Gott.

Das ist für unsere Zeit und unsere Gesellschaft sehr wichtig. Der lebendige Gott, an den wir glauben und an dessen Hand wir uns festhalten, soll erkannt werden und Menschen sollen ihn annehmen.

Ich bin jemand, der viel von diesem Gott spricht. Und das nicht nur, weil es von mir erwartet wird oder aus beruflichen Gründen. Ich darf vollzeitlich im Dienst sein und an manchen Orten das Wort Gottes weitergeben. Ich rede von Gott aus Überzeugung.

Trotzdem frage ich mich manchmal, wenn ich in der Öffentlichkeit von Gott predige und auch dazu einlade – wir sind ja gerade in der Saison der Zeltmission, wo wir mit Zelten und Bussen unterwegs sind und jung und alt einladen, sich diesem Gott anzuvertrauen – ob ich wirklich das über Gott weiß, was man über ihn wissen kann.

Ob unsere Worte nicht viel zu klein sind, um Gott groß zu machen, und ob wir überhaupt in der Lage sind, diesen Gott persönlich zu erfassen. Vielleicht habe ich eine zu einfache oder sogar eine falsche Vorstellung von Gott. Vielleicht sollte ich ihn nicht einfach nur „Gott“ nennen. Er hat ja schließlich einen Namen: Jahwe.

Diesen Namen hat er Mose genannt. Wir sind ja gerade in der Bibellese in 2. Mose. In Kapitel 3, Vers 14 sagt Gott: „Ich bin der ich bin.“ Jahwe ist der Gottesname, den das Volk Israel mit größter Ehrfurcht gebraucht hat.

Die Herausforderung, Gott wirklich zu erkennen

Und ich frage mich: Kenne ich Gott wirklich?

Der Spruch, der über dem Juli steht, lautet: „Der Herr gab zur Antwort: Mose, ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen: Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“ (2. Mose 33,19)

„Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen: Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“

Ist Gott nicht ein Geheimnis für uns alle? Geht es euch nicht ähnlich wie mir, dass wir manchmal gar nicht so recht wissen, wie wir überhaupt über Gott reden sollen? Dabei spreche ich nicht von seinem äußeren Erscheinungsbild – das können wir uns ohnehin nicht vorstellen.

Auch die Zehn Gebote sind ja in 2. Mose Kapitel 20 aufgeführt. Dort hat Jahwe sehr deutlich gesagt, dass wir es gar nicht erst versuchen sollen, uns ein Bild von Gott zu machen.

Nein, ich rede nicht von seinem äußeren Erscheinungsbild, sondern von seinem Wesen. Und da muss man doch mehr sagen können, als dass Gott groß ist oder dass Gott lieb ist. Gott ist natürlich ein Gott der Liebe, oder dass Gott heilig ist.

Ich lese sehr gerne, wie Christen zum Beispiel in Fernost, in Afrika oder auch in Südamerika ihren Glauben leben. Ich weiß nicht, ob ihr solche Berichte von Missionaren lest, ob ihr das Open Doors Magazin bezieht und auch Nachrichten aus der ganzen Welt hört, wie mutig Christen auftreten und manche ihrer Widersacher durch dieses starke Zeugnis überzeugt werden.

Da wird Gott groß gemacht und Gott wird gesehen.

In manchen Ländern, die zum Beispiel vom Islam geprägt sind, wenn wir an den Iran denken, gibt es große Erweckungen. Viele kommen zum Glauben in unseren Tagen. Gott fährt eine gewaltige Ernte ein.

Im letzten Jahrzehnt kann man sagen, sind weltweit mehr Menschen zum Glauben an Jesus gekommen als in allen Jahrhunderten zuvor. Das ist doch eine gute Nachricht.

Die Diskrepanz zwischen globaler Erweckung und Westeuropa

In den letzten zehn Jahren sind mehr Menschen dazugekommen. Natürlich ist die Weltbevölkerung so groß wie nie zuvor – größer als in allen Jahrhunderten vor uns. Es gibt eine Explosion von Evangelisation und eine Explosion von Gemeindegründungen. Aber aus irgendeinem Grund scheint Westeuropa davon ausgenommen zu sein.

Es geschieht viel in dieser Welt. Gott tut sein Werk, und Gott ist heute noch derselbe, wie er immer war. Dennoch spüren wir hier nicht sehr viel davon. Manchmal schäme ich mich bei Berichten, die ich zum Beispiel über Nordafrika höre. Oder wenn man von China hört, wie die Gemeinden dort geradezu explodieren, kratze ich mich am Kopf und frage mich: Was ist los bei uns? Was fehlt uns?

Vielleicht müssten wir einfach mehr nach Gott hungern. Wenn ich an unsere Einsätze denke und daran, wie man am mobilen Treffpunkt viel mit Menschen auf der Straße redet, dann muss man feststellen: Etwa ein Viertel aller Deutschen zwischen zwölf und fünfundzwanzig Jahren – und da hast du es mit vielen jungen Leuten am Bus zu tun – glaubt vielleicht noch an den Gott der Bibel. Nicht einmal jeder Zwanzigste kommt aus einem religiösen Elternhaus, mal Jugendliche von Einwandererfamilien ausgenommen.

Ist es so, dass dieser Landstrich hier zwischen Siegen und Wetzlar – und wir im Handelkreis gehören mit dazu – im vorletzten Jahrhundert eine echte Rückkehr des Glaubens erlebt hat? Damals sprach man von einer Erweckung. Das zeigte sich in vollen Kirchen, in der großen Leidenschaft, mit der die Menschen das Wort Gottes studierten, und darin, dass das Leben vieler radikal verändert wurde.

Man betete damals: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Heute sagt man eher: „Ich könnte mir vorstellen, dass es da oben etwas gibt.“ Das ist der Unterschied zwischen damals und heute. Von einer Generation „Gott“ muss man heute irgendwie von einer Generation „Ach Gottchen“ reden. Es fehlt heute der heilige Hunger. Mit so viel Gleichgültigkeit wird, wenn überhaupt, von Gott gesprochen.

Die Suche nach leidenschaftlicher Sehnsucht nach Gott

Und ich möchte heute unsere Leidenschaft einmal genauer betrachten: Wie verzweifelt sind wir eigentlich auf der Suche nach der Fülle in Gott, die er uns gerne schenken möchte?

In 2. Mose 33, dem Monatsspruch dieses Monats, der nächste Woche Dienstag in der Bibellese dran ist, wird uns gezeigt, wie innig das Verhältnis eines Mannes zu Gott sein kann. Man braucht nur zu sehen, wie Mose mit Jahwe redet. Mose ist der Mann, den Gott berufen hat. Anfangs fühlte er sich völlig überfordert, das Volk Gottes aus der Sklaverei in die Freiheit zu führen. Doch dieser Mann Gottes hat nach und nach, angefangen beim Dornbusch, diesen Gott immer näher kennengelernt.

Auf dem Berg Sinai hatte Mose bereits eine vierzigtägige Unterredung mit Gott. Vierzig Tage und Nächte waren die beiden intensiv miteinander im Gespräch. Ich weiß, wie lange deine stille Zeit dauert. In dieser Zeit hatten sich die Israeliten jedoch ein goldenes Kalb ausgedacht und anfertigen lassen. Das war gestern in Kapitel 32 dran: der Bund vom Sinai, bei dem Gott Mose die zehn Gebote anvertraute, die er dem Volk weitergeben sollte.

Diesen Bund kann man mit einer Hochzeit zwischen Gott und Israel vergleichen, bei der sich beide die Treue gelobten. Doch schon in den Flitterwochen sprangen die Israeliten mit einem anderen ins Bett. Sie fertigten aus Schmuckstücken und Ohrringen dieses goldene Kalb an und beteten diese Figur an – ein Kalb statt des lebendigen Gottes. Welch armselige Vorstellung von Gott oder welch armseliger Ersatz! Dabei hatten sie gerade die Größe Gottes am Berg erfahren, diesen rauchenden Berg – ein großes Erlebnis, das das Volk durchaus in Furcht und Schrecken versetzt hatte.

Als Mose vom Berg zurückkommt, ist er frustriert, weil er dieses Theater mitansehen muss. Jahwe ist verstimmt, das wird in diesen Kapiteln sehr deutlich. Das Volk ist untreu, und 3000 Israeliten sterben – das ist vielleicht gar nicht so bewusst, aber eine Folge dieses Fremdgehens. Das lesen wir in 2. Mose 32,27. Am Ende von Kapitel 32 haben sich ihre Festgesänge in Klagelieder verwandelt. Das ausgelassene Feiern ist plötzlich völlig umgeschwenkt, der Schmuck ist weg, und die Tafeln des Zeugnisses liegen in Stücken auf dem Boden.

Das ist die Ausgangslage in 2. Mose Kapitel 33.

Mose sucht Gottes Gegenwart trotz des Versagens des Volkes

Da wollen wir jetzt mal die ersten Verse lesen, Zweite Mose Kapitel 33, zunächst die Verse eins bis drei und dann ab Vers zwölf.

Da heißt es in Zweite Mose 33: Und der Herr, oder auch Jahwe, redete zu Mose: „Gehe, ziehe von hier hinauf, du und das Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, in das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe. Deinen Nachkommen will ich es geben. Und ich werde einen Engel vor dir hersenden und die Kanaaniter und die Ammoniter und die Hethiter und die Perisiter, Hewiter und Jebusiter vertreiben, in ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Und ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen, denn du bist ein halsstarriges Volk, damit ich dich nicht auf dem Wege vernichte.“

Und dann Vers zwölf: Mose nun sagte zum Herrn: „Siehe, du sagst mir, führe dieses Volk hinauf, aber du hast mich nicht erkennen lassen, wen du mit mir senden wirst. Wo du doch selbst gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, ja, du hast Gunst gefunden in meinen Augen. Nun, wenn ich also Gunst gefunden habe in deinen Augen, dann lass mich doch deine Wege erkennen, so dass ich dich erkenne, damit ich Gunst finde in deinen Augen, und bedenke, dass diese Nation dein Volk ist.“

Hier hören wir die Seele knurren von einem, der nach Gott hungert.

Ich möchte einmal über die Auswirkungen sprechen, über drei Folgen von heiligem Hunger. Drei Folgen, die es haben wird, wenn wir neu zurückfinden zu diesem Verlangen nach Gott.

1. Heiliger Hunger gibt sich nicht alleine mit Segen zufrieden

Der erste Punkt, den ich ableiten möchte, stammt aus den Versen zwölf und dreizehn. Heiliger Hunger gibt sich nicht allein mit Segen zufrieden.

Was Jahwe Mose anbietet, ist eigentlich sehr attraktiv. Mose, geh voran, und du wirst erfolgreich sein – das ist doch eine Zusage, über die man sich freuen kann. Gott verspricht: Ich löse mein Versprechen ein, deine Feinde werde ich auslöschen, ich verspreche euch eine sagenhafte Zukunft in einem Land, das von Milch und Honig fließt. Bist du dabei?

Die meisten von uns würden sagen: Was will man noch mehr? Segen Gottes und Erfolg – also Segen, der sich in Erfolg zeigt – und darüber hinaus eine Zukunft im Himmel, prima. Den meisten genügt das. Ich glaube, dass wir an dieser Stelle sehr genügsam sind. Wir sind gesegnet und freuen uns über den Segen, den Gott uns schenkt. Dieser kann sich materiell auswirken oder in Gesundheit. Wir wissen, dass wir errettet sind und in den Himmel kommen. Das ist das, was Gott Mose zusagt: Du wirst Erfolg haben, und ich werde dich in das Land bringen, das von Milch und Honig fließt. Das können wir durchaus mit der himmlischen Herrlichkeit vergleichen, dem Ziel, auf das wir zusteuern.

Ohne heiligen Hunger erhältst du auch Segen, und ohne heiligen Hunger erhältst du auch Antworten auf deine Gebete. Ohne heiligen Hunger hast du auch eine Ahnung von Gott. Aber eines hat Gott absichtlich vorenthalten. Er sagte: Es wird euch gut gehen, doch ich selbst werde nicht mitgehen. Das ist eine kleine Nebenaussage, die man vielleicht schnell überliest, aber Mose hat sie nicht überhört. In Vers drei am Ende heißt es: Ich selbst werde nicht mitgehen. Das macht Mose stutzig.

Heiliger Hunger lässt dich die Gegenwart Gottes vermissen. Du wirst sagen: Da fehlt etwas. Das ist der erste Punkt: Heiliger Hunger gibt sich nicht allein mit Segen zufrieden.

Natürlich sind wir beschenkt. Wir sind geistig beschenkt, wenn wir darüber nachdenken, wie viel Gnade uns in unserem Herrn, dem Sohn Gottes, Jesus Christus, begegnet ist. Natürlich sind wir gesegnet.

John Piper schreibt: Bist du hungrig nach Gott? Wenn wir nicht wirklich Sehnsucht danach haben, dass die Herrlichkeit Gottes sichtbar wird, dann liegt das nicht daran, dass wir bereits einen großen Schluck davon genommen und satt sind. Es liegt vielmehr daran, dass wir so lange am Tisch dieser Welt genascht haben, dass unsere Seele mit kleinen Dingen vollgestopft ist und keinen Platz mehr hat für etwas Großes.

Der Grund dafür, dass wir hungrig sind, ist nicht, dass wir nichts gegessen haben, sondern dass wir es getan haben. Habt ihr euch das schon mal gefragt? Habt ihr euch am Tisch dieser Welt bedient und habt ihr deshalb keinen Hunger mehr? Vielleicht sind wir so auf „Meck Dreck“. Sind wir so mit dieser weltlichen Nahrung – jetzt mal im geistlichen Sinne gesprochen – aufgebläht, aber alles andere als ausgewogen ernährt? Hat das etwas damit zu tun?

Ich habe im Fernsehen einen Bericht gesehen von einem Mann, den sie nicht aus dem Haus rausbekommen haben, weil er so übergewichtig war. Ohne die Tür aufzubrechen und ohne einen Kran war da nichts zu machen. Es gibt das heute also schon ganz gut.

Was mich in diesem Bericht gewundert hat, war, dass der Arzt nach der Untersuchung sagte, der Mann sei zwar übergewichtig, leide aber an Unterernährung. Merkwürdig, oder? Ich dachte: Wie geht das? Einer, der 500 Kilo auf der Waage hat, leidet an Mangelernährung?

Nun, es besteht offensichtlich ein Zusammenhang zwischen Unterernährung und Fettleibigkeit. Manchmal bekommt dein Körper einfach nicht das, was er braucht, auch wenn du noch so viel isst. Es hat auch etwas damit zu tun, was du isst. Du kannst dich vollstopfen mit Mayonnaise-Salat, Muffins und Mikrowellen-Popcorn, was alles null Nährwert hat. Du wirst aussehen wie eine Wollproppen, aber du bist unterernährt.

Da frage ich mich, ob der Segen sich darin zeigt, dass es uns gut geht, dass wir so viele Fernsehsender zur Verfügung haben, dass wir die Übersicht verlieren und im Internet durch Information, aber auch durch Wohlstand, Mobilität und so weiter gesegnet sind, aber trotzdem in unserer Seele hungern. Dieser geistliche Hunger wirkt sich auch in der geistlichen Gesellschaft unserer Zeit hier in Westeuropa aus.

Ich frage mich, ob wir in unserer Christenheit nicht gleichzeitig Fettleibigkeit und Unterernährung beklagen müssen. Unser Land erlebt eine Völlerei – auch an religiöser Musik, an Büchern, an Sendungen. Predigten kannst du dir auf YouTube herunterladen, man muss ja gar nicht mehr zum Gottesdienst gehen. Das kannst du alles von zu Hause aus machen, ohne Gemeinschaft zu erleben oder ohne, dass dich jemand in deinem geistlichen Leben hinterfragt.

Christliche Radiosender, die neuesten Veröffentlichungen – einiges davon ist gutes Essen, selbstverständlich. Aber der allgemeine Zustand unseres Christentums sieht schlecht aus. Wir haben mehr zur Verfügung als je zuvor, aber das Wesentliche scheint zu fehlen. Das muss doch einen Grund haben, dass es bei uns in Westeuropa so aussieht, wie es aussieht.

In Frankreich weiß ich, wie viel der prozentuale Anteil der evangelikalen Christen ist: unter 1 Prozent. Und so viel mehr, glaube ich, ist es in Deutschland auch nicht – vielleicht irgendwie zwischen ein und zwei Prozent wiedergeborener Christen. Also jetzt nicht religiöse Menschen oder solche, die auch mal einen frommen Spruch draufhaben.

Was ist das Wesentliche? Mose sagt: Ich will nicht nur deine Hand, sondern ich will dein Angesicht. Ich will nicht nur deinen Segen, sondern ich will dich. Ich will nicht nur das Land, das du uns da versprichst, sondern ich möchte, dass dieses Land erfüllt ist von deiner Gegenwart, dass du diese Zukunft bestimmst.

Mose hatte bereits viel Zeit mit Jahwe verbracht, das habe ich erwähnt. Wir lesen, dass er regelmäßig in das Zelt der Begegnung ging. Wenn ihr hier in Kapitel 33 ab Vers 7 lest, seht ihr, dass Mose regelmäßig intensive Gemeinschaft mit Gott hatte. Er hörte Gott zu, war einfach mit Gott zusammen. Er ging in das Zelt der Zusammenkunft, und es heißt, dass die Leute zusahen.

Man erfährt nicht allzu viel über das Zwiegespräch von Gott und Mose, aber die Leute von außen, die es beobachteten und vielleicht auch dokumentierten, sahen, wie Mose in das Zelt der Zusammenkunft ging. Eine Wolke blieb darauf stehen, als Zeichen, dass die Gegenwart Gottes dieses Zelt erfüllte.

Und dann dieser schöne Satz in Vers 11: Und Jahwe redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet. Das war eine wirklich tiefe, intensive, offene, freundschaftliche Gemeinschaft, die Mose und Gott miteinander pflegten.

Mose hatte die gute Gewohnheit, die Begegnung mit Gott zu suchen. Wenn Jahwe ihm jetzt hier mitteilt: Ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen, macht sich Moses heiliger Hunger bemerkbar. Er sagt: Nein! Andere hätten gesagt: Ist in Ordnung, wir ziehen los. Wir treffen uns vielleicht mal irgendwann und irgendwo in diesem Land wieder.

Mose sagt: Nein, ich habe deine Güte gekostet, ich habe von deiner Herrlichkeit genippt, ich habe deine Freundlichkeit geschmeckt. Erfolg und Segen sind schön und gut, aber das ist nichts im Vergleich zur Schönheit deiner Majestät. Darauf möchte ich nicht verzichten. Segen verblasst gegenüber dem, was du bist als Gott. Meine Seele hungert nach dem lebendigen Gott.

Bist du hier mit heiligem Hunger, mit Leidenschaft, mit Sehnsucht, die dich dazu treibt, mehr von ihm zu wollen? Oder musst du dich manchmal dazu zwingen, in der Bibel zu lesen oder dich nicht so recht auf das Gebet konzentrieren zu können? Ist das ein Problem in deinem geistlichen Leben? Oder musst du dich sogar zwingen, hierher zu kommen und Gott anzubieten?

Manchmal geht es mir auch so. Ich muss mich überwinden. Wir haben noch nicht in der Bibel gelesen, stellen wir als Familie fest, dann macht man es noch schnell. Ich möchte mich hier schon auch unter dieses Wort stellen.

Geistlich gesehen bist du dazu gemacht worden, dich nach Gott zu sehnen. Körperlich wurdest du geschaffen, um physisch Hunger zu haben. Wenn du den Hunger nicht stillst, dann stirbst du. Und wenn unsere Seele, alle unsere Seelen, nach Gott verlangen, wenn wir diese Sehnsucht nicht erfüllt bekommen – oder auch die Menschen um uns herum, die Gott überhaupt nicht kennen –, dann sterben sie. Dann ist das ihr Ende.

Vielleicht haben wir uns tatsächlich den Appetit verdorben durch billige Ersatzstoffe, die diesen angeborenen Hunger unterdrücken. Die ganze Schöpfung seufzt nach dem Tag seiner Erscheinung, so lesen wir im Römerbrief Kapitel 8, Verse 22 und 23: Die ganze Schöpfung seufzt, verlangt nach dem Tag seiner Erscheinung.

Es gibt nicht nur knurrende Mägen in dieser Welt, sondern auch knurrende Seelen. Dieser Hunger der Seele kann nicht mit Beziehungen gestillt werden. So schön die Gemeinschaft selbst mit Glaubensgeschwistern ist, diese Sehnsucht kann auch nicht mit Erfolg gestillt werden.

Dieser Hunger der Seele kann nicht mit Berühmtheit oder dem, was die Welt sonst zu bieten hat, gestillt werden. Dieser heilige Hunger kann nur in Gott durch seine Beziehung zu Jesus Christus, unserem Herrn, gestillt werden.

Das ist der erste Punkt: Heiliger Hunger gibt sich nicht zufrieden allein mit Segen.

2. Heiliger Hunger geht so weit, dass man nie ohne Gott sein will

Der zweite Punkt ist, dass der heilige Hunger so stark ist, dass man nie ohne Gott sein will, niemals ohne ihn.

Jetzt lesen wir noch einmal die Verse 14 und folgende. Wie geht es weiter in diesem Text? Es heißt: „Er, Gott, antwortete: ‚Mein Angesicht wird mitgehen und dich zur Ruhe bringen.‘ Er aber sagte zu ihm: ‚Wenn dein Angesicht nicht mitgeht, dann führe uns nicht von hier hinauf.‘ Woran soll man denn sonst erkennen, dass ich Gunst gefunden habe in deinen Augen, ich und dein Volk? Nicht daran, dass du mit uns gehst und wir, ich und dein Volk, dadurch vor jedem Volk auf diesem Erdboden ausgezeichnet werden?“

Mose hatte eine wirkliche Last auf seiner Seele. Das wird auch am Ende von Kapitel 32 so deutlich, als er das Dilemma im Volk sieht und gerade aus der Gemeinschaft mit Gott mit den zehn Geboten in seiner Hand zurückkehrt. Er trug eine Bürde, wie die Alten gesagt haben. Mose trug eine Bürde für das Volk, eine Last, aber nicht nur für das eigene Volk, sondern auch für andere Völker – also Menschen, die Jahwe gar nicht kennen.

Woran sollen die Völker um uns herum erkennen, dass du unser Gott bist, wenn du gar nicht unter uns lebst? Er hatte also durchaus einen Blick über den eigenen Horizont hinaus, sehr viel weiter, auch für die Völker selbst in Kanaan, die wir vielleicht als Feinde des Volkes sehen. Wahrscheinlich haben wir auch keine positive Predigt über die Hewita oder Jebusiter gehört, aber Mose hatte ein Anliegen für diese Menschen. Woran sollen sie denn erkennen, dass du Gott bist? Er möchte, dass sie zur Erkenntnis kommen. Am liebsten will er, dass die ganze Welt Gott erkennt, so wie er ihn selbst erkennen durfte.

Jetzt ist Gott natürlich überall anwesend, selbstverständlich. Er ist in jedem Land für jeden erreichbar. Gott ist allgegenwärtig – das ist eine seiner Eigenschaften. Er ist da, wenn du zur tiefsten Stelle des Meeres tauchen würdest. Er ist da, wenn du auf den höchsten Berg dieser Welt klettern würdest. Gott ist allgegenwärtig. Er ist selbst da, wenn Alexander Gerst die Raumstation ISS bereist. Gott ist überall. Wir können vor Gott nicht fliehen. Heute war ja Psalm 139 in der Bibellese dran: Wohin sollte ich gehen? Und Gott ist überall. Das wird in diesem Psalm so schön deutlich.

Mose redet nicht von der unsichtbaren Gegenwart Gottes, sondern von der offenbarten Gegenwart Gottes. Gott ist allgegenwärtig, aber er hat sich entschieden, sich zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu zeigen. Gott offenbart sich. Er hat sich in seinem Sohn, dem Herrn Jesus, geoffenbart – zunächst nicht erkennbar, weil es in so bescheidenen Verhältnissen stattfand.

Und doch gab es schon am Anfang einige, die über die Herrlichkeit gestaunt haben, die von dieser Herrlichkeit überwältigt waren. Die Hirten fürchteten sich mit großer Furcht, als sie mitten in der Nacht dieses große Licht und die Ankündigung der Geburt Jesu durch die Engel mitbekamen.

Oder heute Morgen haben wir in der ersten Stunde vorgelesen bekommen, dass Jesaja in Jesaja 6 die Gegenwart Gottes erlebt. Sie zeigt sich derart machtvoll und herrlich, dass Jesaja nur noch schreien kann: „Wehe mir, denn ich bin verloren!“ (Jesaja 6,5). „Ein Mann von unreinen Lippen bin ich, inmitten eines Volkes von unreinen Lippen wohne ich, denn meine Augen haben den König, den Herrn der Herrlichkeit, den Herrn der Heerscharen, gesehen.“ Jesaja durfte so einen kleinen Blick in die Herrlichkeit Gottes tun und war überwältigt.

Dann sagt er: „Wehe mir!“ Das heißt also, eine Begegnung mit dem lieben Gott, wie ihn ja manche nennen, scheint nicht so harmlos zu sein, wie manche meinen. Denn Gottes Herrlichkeit deckt alles auf, was in unserem Leben alles andere als herrlich ist. Deswegen sagt Jesaja im Angesicht Gottes „Wehe mir!“ oder so wie Petrus bei seiner Berufung gesagt hat: „Herr, geh weg von mir!“ Nach diesem großen Fischzug sagt er: „Ich bin ein sündiger Mensch.“

Dieser Vergleich der Herrlichkeit, die sich auch in den Wundern zeigte, die Jesus getan hat, wo ein bisschen was von dieser Machtfülle Gottes zum Ausdruck kam, im Vergleich zu seiner eigenen Person – der Person Petrus –, führte zu der Erkenntnis: „Ich bin ein sündiger Mensch, geh weg, wir passen nicht zusammen.“

Somit ist die Herrlichkeit Gottes nicht harmlos, so wie die Frühlingssonne für den Schnee. Alles andere als harmlos ist, dass dieser Schnee vergeht. Und so vergehen wir in der Gegenwart eines heiligen Gottes als sündige Menschen.

So ist es mit uns, wenn Gottes Herrlichkeit klar wird in unserem Leben und alles aufdeckt, was nicht herrlich ist: unsere Lieblosigkeit, unseren Egoismus, wie selbstbezogen wir oftmals sind oder auch wenn einfach der Mangel an Gottvertrauen aufgedeckt wird. Dass wir oft so unser eigenes Ding tun.

Das kann man selbst in einem geistlichen Dienst, wie ich ihn tun darf, erleben. Da denkt vielleicht jemand, das sind ganz besondere Menschen, die im vollzeitlichen Dienst unterwegs sind. Ich persönlich habe hier auch eine Menge zu lernen, das will ich ganz offen sagen.

Es gab Zeiten, da kam ich mir unentbehrlich vor: Predigten, Evangelisation, Seelsorge, Jüngerschaft – in einem Takt wie bei einer Technoparty, so schnell ging das hintereinander. „Markus, kannst du hier ein Seminar halten? Markus, kannst du für mich beten? Markus hier, Markus da!“ Und dann denkt man: Was würde Gott ohne mich machen?

Dann war es 2008, die erste Satzstaffel, unser Sonntagabendtreff in Dillenburg, der von vielen Jugendlichen besucht wird und jede Woche im Winter stattfindet. Die erste Satzstaffel war vorbei. Dann hatte ich direkt anschließend die Bibelarbeiten bei den Dillenburger Jugendtagen – große Herausforderungen: drei Bibelarbeiten vor über tausend Jugendlichen. Und dann ohne Pause ging es direkt danach zum Christiwill nach Bremen, wo ich auch zwei Veranstaltungen mit Predigten hatte.

Plötzlich war es 2008, ich kann mich gut daran erinnern, da kam ich mir vor wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Irgendwann bist du am Ende. Dann habe ich Bälle fallen lassen, weil es mehr waren, als ich jonglieren konnte. Dann denkt man erst mal: Ich brauche mehr Ruhe.

Ich habe später erst erkannt: Ich brauche mehr Jesus. Da bist du so beschäftigt, so in deinem Betrieb – und das kann dein Beruf sein, den du ja sicher auch hast. Alles, was wir tun, sollen wir im Namen des Herrn tun, ob in deinem Dienst oder auch in meinem.

Dann denkst du: Urlaub! Jetzt kommt dir langsam die Urlaubszeit. Manche von euch, gut, viele sind gar nicht mehr im Beruf, aber manche sagen: Ich bin wirklich urlaubsreif. Ich freue mich darauf, mal ein paar Tage frei zu haben.

Brauchen wir wirklich einfach weniger Arbeit oder brauchen wir mehr Jesus? Ich habe meine Arbeit getan, aber ich habe ihn nicht wirken lassen. Ich habe es aus meiner Kraft getan, nicht aus seiner. Ich habe versucht, das Werk Gottes auszuführen, aber es funktionierte nicht.

Da musste ich den Herrn bitten, mir zu vergeben. Ich bin sehr dankbar, dass mir das so 2008, 2009 war, so im Herbst 2008, als wir „Jesus im Fokus“ in Dillenburg hatten. Dort hat jemand aus den USA mich auf den Sabbat hingewiesen und mir einige sehr hilfreiche Tipps gegeben, wie man seine Zeit gestaltet.

Der Sabbat ist ja nicht einfach ein Ruhetag. Das heißt ja nicht in den Zehn Geboten, wenn ihr das gelesen habt: 2. Mose 20. Sechs Tage sollst du arbeiten, und am siebten sollst du ruhen – das steht überhaupt nicht. Es heißt: „Du sollst ruhen.“ Der siebte Tag ist ein Sabbat des Herrn. An dem Tag sollst du dich in die Gemeinschaft mit Gott begeben – nicht alle Viere von dir strecken, sondern dich nach ihm ausstrecken.

Das ist Sabbat. Das habe ich da verstanden: Es geht nicht darum, ein gutes, ausgewogenes Maß zwischen Aktivität und Ruhe zu finden, sondern bei ihm neu aufzutanken.

Ich hatte ganz einfach zu wenig gebetet, und es ist mir klar geworden, wie wenig empfindsam ich auch für das Wirken des Heiligen Geistes geworden war in meinem Dienst. Und ich weiß durchaus, seitdem schätze ich die Gegenwart Jahwes viel mehr, auch wenn ich immer noch Lernender bin. Glaubt nicht, dass ich da nicht auch sehr schnell wieder in alte Fahrwasser zurückkomme.

Heiliger Hunger heißt, abhängig zu sein von Gott. Man ist einfach nicht bereit, vorwärts zu gehen ohne ihn.

Wann hast du das letzte Mal gesagt: „Gott, ich will nicht vorwärts gehen ohne dich?“ Wann hast du das letzte Mal zum Himmel geschrien: „Gott, lieber bleibe ich hier sitzen?“ Das hat Mose gesagt.

Ich liebe meine Heimatstadt Dillenburg, und ich liebe junge Menschen, die in Dillenburg leben. Bevor ich die ersten Ideen in Bezug auf einen Sabbat jemandem mitgeteilt habe, einem lieben Freund, habe ich zunächst ein halbes Jahr nur für diese Idee gebetet.

Gott hatte mir das irgendwie aufs Herz gelegt, so etwas anzufangen für junge Leute im Landkreis Dillkreis und darüber hinaus vielleicht. Aber ich habe erst mal mit niemandem darüber gesprochen, ein halbes Jahr lang nur dafür gebetet: „Herr, wenn du nicht vorangehst, dann gehe ich auch nicht. Wenn das nicht deine Absicht ist, dein Plan, und wenn du es nicht gebrauchen und erfüllen willst, dann will ich gar nicht erst anfangen.“

Einige von euch sind auch verantwortlich für andere. Vielleicht hast du in früheren Jahren Jugendarbeit gemacht oder in der Sonntagsschule mitgearbeitet. Du hast einen Aufseher der Gemeinde Gottes. Dann sammelt man so manches an Erfahrungen.

Manche von euch leben schon viel länger mit Gott als ich und hoffentlich gehört zu unserer aller Erfahrung, dass ohne Jahwe nichts geht. Egal wie lange wir schon Christen sind – ohne ihn geht nichts.

Diese Einsicht nenne ich geistliche Reife. Wenn man schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, kann es einem so gehen wie einigen Königen in Israel, zum Beispiel Asa.

Wir haben positiv angefangen: Asa, einer, der am Anfang Erfolg hatte, und Gott hat sich zu ihm gestellt, weil er gottesfürchtig war. Aber dann wurde er plötzlich ganz unbemerkt selbstgefällig.

Vor dieser Auswirkung von viel Wissen und viel Erfahrung bewahre uns Gott noch einmal. Es ist nicht eine Frage des Alters, sondern des Festhaltens an unserem Herrn.

3. Heiliger Hunger lässt uns Gott sehen und verändert uns

Und dann komme ich zu einem dritten und letzten Punkt: Was bewirkt heiliger Hunger in uns?

Heiliger Hunger lässt uns Gott sehen und verändert uns. Letztendlich verändert uns heiliger Hunger.

Lesen wir die Verse 17 und 18 noch einmal:
Der Herr antwortete Mose: „Auch diesen Wunsch, den du jetzt ausgesprochen hast, werde ich erfüllen, denn du hast Gunst gefunden in meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen.“ Er aber sagte: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen.“

Da sagt ihm der allmächtige Gott zu, dass er ihm seinen Wunsch erfüllen wird und dass er Gunst in seinen Augen gefunden hat. Mit anderen Worten: „Ich mag dich, Mose, du bist etwas Besonderes.“ Und doch reicht Mose das immer noch nicht. Das nenne ich heiligen Hunger.

Wenn Mose fordert: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen.“ Gott hat sich mittlerweile überreden lassen: „Gut, ich werde mit euch ziehen.“ Hätte Mose sagen können: „Alles klar, mehr wollte ich ja gar nicht.“ Aber nein, er bleibt dran: „Ich will deine Herrlichkeit sehen.“

Was ist es genau, die Herrlichkeit Gottes? Im Neuen Testament wird das Wort Doxa verwendet, das bedeutet Schönheit, Glanz. Es ist die gesamte Offenbarung von Gottes Eigenschaften: Gott ist unendlich, souverän, dreieinig, allwissend, treu usw. Die Herrlichkeit Gottes ist der Kern dessen, wer er ist. Das ist ein Wort, aber es umfasst unglaublich viel – unglaublich Großes, unglaublich Herrliches und unglaublich Schönes.

Die Herrlichkeit Gottes ist wie die Sonne. Gottes Absichten, seine Pläne, seine Rettung drehen sich auf der Umlaufbahn der Herrlichkeit Gottes.

Nun weiß ich nicht, worüber ich mich mehr wundern soll: über Moses Bitte oder über Gottes Antwort. Moses sagt: „Zeig mir deine Herrlichkeit.“ Und Gott sagt: „Okay, ich zeige sie dir.“ Das hätten wir nicht erwartet.

Lesen wir noch von Vers 19: Da heißt es: Er antwortete: „Ich werde alle meine Güte an deinem Angesicht vorüberziehen lassen. Das ist ja der Monatsspruch. Und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme.“

Dann sprach er: „Du kannst es nicht ertragen, mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“ Weiter sagte der Herr: „Siehe, hier ist ein Platz bei mir, da sollst du dich auf den Felsen stellen. Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde ich dich in die Felsenhöhle stellen und meine Hand schützend vor dich halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann werde ich meine Hand wegnehmen, du wirst mich von hinten sehen, aber mein Angesicht darf nicht gesehen werden.“

Gott sagt sozusagen: Ich zeige dir so viel, wie du ertragen kannst, nicht so viel, wie du willst. Es war schon ein großer Wunsch, den Mose geäußert hat, aber das wollte Gott Mose nicht zumuten.

Es geht hier um zweierlei. In Vers 19 sagt Jahwe: „Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorüberziehen lassen.“ Nicht all meine Herrlichkeit. Er sagt: „Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorüberziehen lassen.“ Und dann erst in Vers 22: „Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde ich dich in die Felsenhöhle stellen, meine Hand schütze vor dich halten, bis dass ich vorübergegangen bin.“

Und dann nimmt am Ende Jahwe die Hand weg. Mose sieht Gott von hinten. Ein schöner Rücken kann bekanntlich auch entzücken – allerdings lediglich von hinten. So lässt Gott Mose vollständig seine Güte sehen. Vollständig: „Ich werde dir meine Güte zeigen.“ Aber die Herrlichkeit Gottes, das heißt das große Ganze, würde Mose nicht überleben.

Jahwe offenbart uns allenfalls einen Teil seiner selbst. Und so können wir auch immer nur einen Teil erkennen. Wir werden in der Erkenntnis nie so weit kommen hier auf Erden, dass wir uns anmaßen, wir wüssten wirklich bis ins Letzte, wer Gott ist.

Das Verborgene steht bei dem Herrn, unserem Gott, so lesen wir in 5. Mose 29, aber das Offenbare gilt uns und unseren Kindern für ewig, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.

Hier unterscheidet Gott zwischen dem Verborgenen und dem Offenbaren. Das Verborgene werden wir nie erreichen hier auf Erden, aber das Offenbarte – da gibt es viel zu erforschen, viel zu erkennen, viel, an dem wir uns erfreuen können.

Vielleicht trägst du ähnlich wie ich eine ganze Akte mit dir herum, die so unter die Kategorie „verborgen“ fällt – eine Akte von unbeantworteten Fragen. Es gibt Geheimnisse, die keine Antwort haben. Vielleicht sind Dinge in deinem Leben geschehen, bei denen du dich fragst: Warum musste das passieren?

Ich habe auch so eine ganze Akte von unbeantworteten Fragen. Ich musste ein kleines Baby beerdigen, und zwar die schrecklichste Beerdigung, die ich erlebt habe. Nie habe ich so viele Tränen und so ein Wehklagen erlebt. Warum? Ich habe viele unbeantwortete Fragen und unbeantwortete Gebiete.

Wir wollen Gott sehen, wir wollen Gott verstehen, doch sein Angesicht und auch sein Ansinnen bleiben allzu oft verborgen. Gott zeigt uns gerade so viel, wie wir mit unserem begrenzten Hunger verarbeiten können.

Wir waren als eine Mitarbeitermannschaft einer Freizeit, die wir in Rehe waren, oben auf der Fuchskraute zum Essen. Damals war ein Buffet noch sehr erschwinglich. Dann haben wir gesagt: „Komm, da gehen wir zum Essen hin.“ Und einer meiner jungen Mitarbeiter, Anfang Zwanzig, hat gesagt: „Ich werde essen, bis ich platze. Ich werde noch mal zum Buffet gehen, noch mal, noch mal. Nun kostet ja alles dasselbe.“

Um es kurz zu machen: Er hat nicht einmal den ersten Teller leergekriegt. Unser Hunger ist begrenzt. Wenn es manchmal ginge, würden wir noch viel mehr essen, aber irgendwann geht es einfach nicht mehr. Also er, Konstantin, konnte einfach nicht mehr.

Gott will auch nicht, dass wir platzen, aber er möchte, dass etwas anderes geschieht. Das, was Paulus im 2. Korinther 3 sagt: „Wir alle schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn, und wir werden so verwandelt in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.“

Das heißt, wir werden verändert durch die Gegenwart Gottes. Es geht gar nicht darum, dass wir möglichst viele Erkenntnisse sammeln, die wir dann auch anderen weitergeben können. Es geht zunächst einmal um die Veränderung unseres Wesens, um in sein Bild umgestaltet zu werden.

Das ist das, was Gott erreichen möchte: einst gemacht zu sein mit ihm. Das heißt, dass wir in das Bild Gottes, das in Jesus Christus, unserem Herrn, Mensch geworden ist, gestaltet werden und ein Stück dieser Wesensart unseres Herrn Jesus Christus zutage tragen.

Das wird dein Leben mehr verändern als alles andere. Einige fragen sich ja: Warum kann ich mich nicht ändern? Das höre ich auch oft in der Jugendarbeit. „Ich würde mich gern ändern, aber ich kann mich nicht ändern.“ Vielleicht geht es euch als Älteren auch so: Warum kann ich mich nicht ändern?

Einige von uns werden sich tatsächlich nie ändern, weil sie keinen Hunger nach Gott haben. In seiner Gegenwart aber passiert etwas.

Der heilige Hunger lässt dich Lust haben auf mehr stille Zeit, lässt dich Lust haben, Zeit mit ihm zu verbringen. Da wird sein Wort süß, und der Lobpreis wird lebendiger.

Und noch etwas geschieht: Je mehr du nach Gott hungerst, desto weniger Appetit hast du auf Dinge, die mit Gott konkurrieren. Da lässt du den Fernseher aus, und du wirst lieber Zeit mit Gott verbringen – auf einem Spaziergang. Die Lust auf andere Dinge vergeht.

Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus als Ziel des heiligen Hungers

Ich komme zum Schluss. Wir sind beim Herrn Jesus angekommen, in dem sich Gott offenbart.

Diesen Jesus hat Paulus gepredigt. Nochmals, weiter in 2. Korinther Kapitel 4, heißt es: „Denn Gott, der gesagt hat: Aus Finsternis soll Licht leuchten, er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“

Das fasst im Grunde genommen alles noch einmal zusammen. Er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.

Lasst uns seine Gegenwart suchen. Das ist ein Lernprozess, und ich glaube, selbst mit 90 Jahren ist man noch nicht zu alt, um zu lernen. Egal, wer du bist oder wie alt du bist – lasst uns das Lernen, seine Gegenwart zu suchen.

Es beginnt mit dem einfachen Kommunizieren mit Gott, mit dem Suchen seiner Gegenwart. Mit der Zeit entwickelt sich daraus eine Gemeinschaft mit Gott und mündet schließlich im Einssein mit Gott in Jesus Christus.