I. Eine besondere Situation (26-30)
Ort
Vor gut 6 Monaten erschien der Engel Gabriel dem Zacharias im Tempel
(Lk.1,19). Es war eine würdige Umgegend, denn Zacharias war dabei im
Tempel das Räucheropfer darzubringen.
Natürlich war Zacharias über die Massen erstaunt, denn das hätte er
nicht erwartet. Doch könnte man sich kaum einen geeigneteren Ort
vorstellen, als der Tempel, denn dort rechnete man mit der besonderen
Gegenwart Gottes.
Ganz anders ist aber der Ort, an dem Gabriel der Maria begegnet.
Maria lebte in Nazareth im Land Galiliä. Diese Gegend galt nicht
gerade als eine bevorzugte Lage.
Denn, als Philippus dem Natanael erzählte, dass Jesus aus Nazareth,
der sei, welcher Mose verkündete, sagte Nathanael zu ihm:
Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Joh.1,46b.
Und die Pharisäer sagten zu Nikodemus:
Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche
und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf. Joh.7,52.
In Galiläa wohnte nämlich ein Mischvolk, welches sich nach der
Verschleppung mit anderen Völkern vermischt hatte.
Gerade aus dieser unwürdigen Gegend hat sich Gott eine Frau
ausersehen, mit der er grosses vorhat.
Maria
Maria ist verlobt mit einem Mann namens Joseph, der zum Geschlecht
David's gehört, dessen Bürgerort Bethlehem ist.
Diesem Haus David ist der König verheissen, welcher für ewig regieren
wird.
Maria war also mit diesem Joseph verlobt und sie war Jungfrau.
Mehr wird über die beiden nicht berichtet. Obwohl sie eine sehr
wichtige Aufgabe im Heilsplan Gottes erfüllen, wird nicht näher auf
die beiden Eingegangen.
Anwendung
Wir haben keinen Grund Maria in besonderer Weise zu verehren. Wäre sie
für uns von besonderer Bedeutung, so würden wir in der Schrift mehr
von ihr erfahren.
Wir sollen aber nicht Menschen verehren und Anbeten, mögen sie noch so
bedeutend gewesen sein. Allein Gott sollen wir ehren und anbeten.
Die Begegnung
Nun wird der Engel Gabriel zur Maria gesandt. Er begrüsst sie mit:
Sei gegrüßt, du Begnadete! der Herr ist mit dir!
Maria ist erschrocken, aber aus dem Text geht eigentlich nicht hevor,
dass sie über die Erscheinung erschrocken war, sondern über die Worte.
Es kann durchaus sein, dass Gabriel in menschlicher Gestalt erschienen
ist, denn Maria erschrickt über die Rede des Engels und überlegt, was
dieser Gruß für eine Bedeutung hat.
Der Engel beruhigt Maria, und sagt ihr, sie solle sich nicht fürchten
und er beantwortet ihr auch gleich die Frage die sie bewegt bezüglich
des Grusses, indem er sagt:
denn du hast Gnade bei Gott gefunden.
Maria hat Gnade gefunden von Gott. Warum wissen wir nicht und Gabriel
scheint es ihr auch nicht gesagt zu haben. Hauptsache, sie hat Gnade
bei Gott gefunden.
II. Eine besondere Ankündigung (31-33)
Was mit Maria geschehen wird
Der Engel sagt ihr aber nun, was es bedeutet, dass sie Gnade bei Gott
gefunden hat.
Sie wird ein Kind empfangen in ihrem Mutterleib und einen Sohn
gebähren, den sollte sie Jesus nennen.
Der Sohn wird also im Mutterleib empfangen, d.h. dass das Leben
bereits im Mutterleib beginnt.
Hier geschieht nun das, was wir bereits in Gen.3,15 lesen:
Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen
deinem Samen und ihrem Samen; der soll dir den Kopf zertreten, und du
wirst ihn in die Ferse stechen.
Hier wird das einzige Mal vom Samen der Frau gesprochen. Dieser Same,
dieser Nachkomme, der wird der Schlage den Kopf zertreten, d.h. der
wird den Satan besiegen.
Diesen Vers aus dem 1. Mose 3,15 nennt man deshalb das
Protoevangelium.
In Maria findet dieses Wort nun seine Erfüllung. In ihr wird dieser
Nachkomme nun gezeugt.
Auch Jesaja weisst deutlich auf dieses Ereignis hin, indem er sagt:
Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau
ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.
Jes.7,14.
Auf diesen Immanuel hat ganz Israel gewartet.
Wer dieses Kind ist
Dieser wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden.
Ihm wird der Thron Davids gegeben werden und er wird König über das
Haus Jakob sein für alle Zeiten, denn sein Königtum wird kein Ende
haben.
Dieser König würde bereits dem David verkündigt und ganz Israel
wartete auf ihn. Viele erhofften sich dadurch die Befreiung vom
römischen Joch und die Errichtung des davidischen Königreichs.
So sagte der Prophet Nathan zu David:
Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst,
will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen
wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. ... Aber dein Haus und dein
Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll
ewiglich bestehen. 2.Sam.7,12+16.
Nun hat Jesus während seinem Leben das Königreich noch nicht sichtbar
aufgerichtet. Ist nun Jesus ein König oder nicht? Hören wir doch was
Jesus selber sagt, denn Pilatus stellt ihm diese Frage:
Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte
ihn: Bist du der König der Juden? / Jesus antwortete: Sagst du das von
dir aus, oder haben dir's andere über mich gesagt? / Pilatus antwortete:
Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir
überantwortet. Was hast du getan? / Jesus antwortete: Mein Reich ist
nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener
würden darum kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; nun
aber ist mein Reich nicht von dieser Welt. / Da fragt ihn Pilatus: So
bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein
König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die
Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Joh.18,33-37.
Jesus ist also eindeutig König und sein Reich, wo seine Herrschaft für
alle sichtbar wird, wird noch kommen. Aber die an ihn Glauben, die
wissen, dass er der wahre König ist. So lesen wir beispielsweise in
der Offenbarung:
Die werden gegen das Lamm kämpfen, und das Lamm wird sie überwinden,
denn es sit der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die
mit ihm sind, sind die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.
Offb.17,14.
Jesus ist tatsächlich der wahre König und er wird sein Königreich
endgültig aufrichten. Selbst über sein Kreuz liess Pilatus in
hebräischer, lateinischer und griechischer Schrift schreiben:
Jesus von Nazareth, der König der Juden. Joh.19,19.
Evangelisation
Gehörst Du zu diesem König? Vielleicht erscheint dir diese Frage etwas
banal oder gar abstrakt.
Dies ist sie aber keineswegs, denn es ist von grosser Bedeutung ob ich
zu diesem König gehöre oder nicht. Denn nur wer zu diesem König
gehört, der wird auch an seinem Königreich teilhaben.
Wie können wir jetzt aber zu diesem König kommen. In der Offenbarung
lesen wir:
Diese sind's die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre
Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des
Lammes. Offb.7,14.
Dies meint, dass sie an Jesus glauben, der für unsere Sünden am Kreuz
gestorben sind.
Ist Dein Leben mit Gott in Ordnung? Sind deine Sünden vergeben? Bist
du ein Königskind?
III. Eine besondere Empfängnis (34-38)
Wie es geschehen wird
Maria stellt nun eine Frage, die uns sicherlich auch auf den Lippen
gelegen wäre:
Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? V.34.
Diese Frage ist durchaus berechtig, denn Maria kennt noch keinen Mann.
Natürlich hat Maria in diesem Moment nicht vergessen, dass sie mit
Joseph verlobt ist, warum sagt sie dann, dass sie von keinem man
weiss?
Dieses Wort, welches hier benutzt wird braucht man dazu, um die
geschlechtliche Beziehung zu beschreiben. So heisst es beispielsweise
bei Adam und Eva:
Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger Gen.4,1a.
Dies meint Maria, wenn sie sagt, ich kenne noch keinen Mann. Ich habe
also noch keinen Mann erkannt, wie soll ich dann ein Kind bekommen
können?
Gabriel hat diese Frage auch so verstanden, denn er beschreibt ihr
nun, wie sie das Kind empfangen wird, eben nicht dadurch, dass sie
Joseph erkennt, sondern:
Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird
dich überschatten
Der Höchste wird an dir Handeln, denn er wird ja auch Sohn des
Höchsten genannt werden.
Gott selbst wird also den Nachkommen in den Leib der Maria legen. Und
wie wird dies geschehen?
Das können wir sicherlich nicht schlüssig beantworten. Nur eines
können wir vom Wesen Gottes sehen, was uns vielleicht helfen kann zu
verstehen wie dies geschehen ist.
Gott ist ein Schöpfergott. Er hat die ganze Welt erschaffen. Wie hat
er das gemacht? Gott schafft durch sein Wort! Er spricht und es
geschieht.
So lesen wir bereits im ersten Kapitel der Bibel:
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Gen.1,3.
Der Psalmist macht dieses Zusammenhang deutlich indem er sagt:
Denn wenn er spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da.
Ps.33,9.
So stelle ich mir vor, dass Gott sprach und nun geschieht, was er
gesprochen hat, indem der heilige Geist über sie kommt und die Kraft
Gottes sie überschattet.
Deshalb wird nun das Heilig sein, was geboren wird, deshalb wird es
Gottes Sohn genannt werden, denn Gott hat es geschaffen.
Wäre der Herr Jesus nicht geschaffen von dem Heiligen Geist, sondern
nur Erfüllt mit dem Heiligen Geist, so wäre er ein bloßer Mensch, ein
sündiger Mensch gewesen (vielleicht der größte Prophet, aber nie und
nimmer der eingeborene Sohn Gottes).
Nicht wegen irgendwelcher ausgezeichneten Taten oder wegen einer
später über ihn sich ergießende Gnade wird er Gottes Sohn heißen,
sondern weil er der ewige Sohn Gottes wesensmäßig von Ewigkeiten her
war - darum ist er auch auf Grund Seiner wunderbaren, durch den
Heiligen Geist aus Gott geschehenen Zeugung bei der Menschwerdung der
Sohn Gottes geblieben.[1]
2 Gott ist nichts unmöglich
Um Maria in ihrem Glauben zu stärken berichtet Gabriel, dass Elisabeth
auch schwanger geworden ist, obwohl sie in hohem Alter steht und als
unfruchtbar gilt.
Du siehst, bei Gott ist kein Ding unmöglich.
IV. Eine besondere Bereitschaft
Maria stand bestimmt sofort vor Augen, was es für Folgen haben könnte,
wenn sie nun schwanger wird, ohne dass sie verheiratet ist.
Das hätte sie den Tod kosten können. Sie hätte als Hure verachtet
werden können. Ihr ganzes Leben wäre verpfuscht gewesen.
Joseph wollte sie denn ja auch verlassen.
Maria sagte trotz allen Folgen, die auf sie warteten:
Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. V.38
Der Bibelausleger Besser sagt dazu:
Maria hat die Frau wieder zu Ehren gebracht. Der Unglaube der Eva hat
Sünde und Tod gebracht - der Glaube der Maria dagegen zum Erlöser von
Sünde und Tod verholfen.[2]
Anwendung
Hier tun wir in der Tat gut daran, wenn wir Maria nachahmen. Ihrem
Beispiel der der Selbstverleugnung folgen.
Sind wir bereit für unseren Herrn Opfer zu bringen?
Sind wir bereit uns mit allem was wir haben in seinen Dienst zu
stellen wie Maria?
## Schluß
Gott ist auf die Erde gekommen. Dieses scheinbar unbedeutende Ereignis
in Nazareth hat bis heute die Welt beeinfluss.
Und wir dürfen uns darüber freuen, dass Jesus wirklich der wahre Sohn
Gottes ist. Paulus schrieb den Philippern:
Er (Christus), der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen
Raub, Gott gleich zu sein, / sondern entäußerte sich selbst und nahm
Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als
Mensch erkannt. Phil.2,6-7.
Ist das nicht grossartig!?
Amen
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[1]Wuppertaler, S. 22.
[2]Wuppertaler, S. 24.

