
Studiengänge in Deutschland sind meistens so aufgebaut, dass man zu Beginn des Studiums im ersten Semester verschiedene Grundlagenkurse belegen muss. Darauf folgen dann unterschiedliche Aufbaukurse.
Ich kann mich gut daran erinnern, als ich am Bibelseminar Bonn mit dem Studium begann. Ganz am Anfang hatten wir das Fach „Grundlagen biblischer Dogmatik“. Dabei ging es wirklich um die Grundlagen. Im Laufe der nächsten Semester wurden die einzelnen Bereiche dann durch Aufbaukurse vertieft.
Die Christen in Korinth müssten eigentlich schon längst in den Aufbaukursen sitzen. Doch in unserem heutigen Bibeltext muss Paulus sie zurück in den Hörsaal rufen, wenn es um die Grundlagen für den Gemeindebau geht. Leider waren die Christen in Korinth in vielerlei Hinsicht noch sehr unreif, obwohl sie schon lange dabei sind. Ich habe den Eindruck, dass Paulus ihnen in unserem heutigen Text noch einmal ganz grundsätzliche Wahrheiten über den Gemeindebau Gottes vermitteln möchte.
Das Thema meiner Predigt lautet: Gemeindebau richtig verstehen.
Gemeindebau richtig verstehen. Fünf Punkte habe ich heute mit uns vor, zu besprechen. Es ist ein etwas längerer Text, aber ich glaube, dass all diese Wahrheiten, die wir hier im 1. Korinther 3 finden, auch für uns als Gemeinde in unserer jetzigen Situation sehr, sehr wichtig sind.
Die zentrale Rolle Gottes im Gemeindebau
Im ersten Punkt meiner Predigt geht es um die zentrale Person beim Gemeindebau. Kommt, wir lesen die Verse fünf bis sieben. Da schreibt der Apostel Paulus an die Christen in Korinth Folgendes:
Was ist denn Apollos und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben. So ist weder der, der pflanzt, etwas, noch der, der begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt.
Warum startet Paulus mit dieser Frage: Was ist denn Apollos und was ist Paulus? Das Problem in Korinth war, dass die Korinther angefangen hatten, Mitarbeiter zu hypen, Prediger schon fast anzuhimmeln. Und genau das kritisiert Paulus.
In Vers 4 sagt er: Denn wenn einer sagt, ich bin des Paulus, der andere ich des Apollos, seid ihr dann nicht menschlich? Das ist doch völlig unreif, sagt Paulus, wenn ihr so einen Fokus auf Menschen legt in der Gemeinde. Deshalb möchte Paulus jetzt eigentlich klarstellen, worum es wirklich geht.
Was ist denn Apollos und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat. Es ist der Herr, der gibt. Gleich dreimal in diesen drei Versen liegt der Fokus auf Gott: Vers 5 – wie der Herr einem jeden gegeben hat, Vers 6 – Gott aber hat das Wachstum gegeben, Vers 7 – sondern Gott, der das Wachstum gibt.
Paulus möchte deutlich machen, dass Gott in der Gemeinde im Fokus steht und nicht die Mitarbeiter. Ja, Gott gebraucht Mitarbeiter als menschliche Werkzeuge, definitiv. Paulus illustriert das hier in Vers 6 anhand eines Bildes aus der Landwirtschaft: Paulus hat gepflanzt, Apollos hat begossen. Das sind notwendige Tätigkeiten.
Aber du kannst noch so viel pflanzen und noch so viel gießen – das, was kein Landwirt in der Hand hat, ist, ob es wirklich aufgeht und Leben entsteht. Und genauso ist es im geistlichen Bereich. Paulus sagt: Ich habe gepredigt, Apollos hat die Nacharbeit gemacht, aber das, worum es hier eigentlich geht, liegt gar nicht in der Hand von Mitarbeitern. Es ist Gott, der das Wachstum schenkt.
Würde der Geist Gottes nicht handeln, liebe Gemeinde, würde sich kein Mensch hier bei uns bekehren, kein einziger. Daraus schließt Paulus dann in Vers 7 die Schlussfolgerung: So ist weder der, der da pflanzt, etwas, noch der, der da begießt, sondern Gott, der das Wachstum schenkt.
Die Korinther haben einen so falschen Schwerpunkt gesetzt – auf menschliche Rhetorik, auf Prediger, auf ihre Wortwahl. Paulus sagt: Sie sind einfach nur Werkzeuge, sie stehen überhaupt nicht im Fokus. Es gibt nur eine Person, die beim Gemeindebau wirklich im Zentrum stehen muss, und das ist Gott. Alle Ehre gebührt Gott allein.
Liebe Gemeinde, es ist heute der letzte Sonntag in einem sehr, sehr vollen Jahr, im Jahr 2025. Das möchte ich auch zum Anlass nehmen, um ein kleines bisschen das vergangene Jahr mit uns gemeinsam zu reflektieren.
Wir hatten in diesem Jahr sehr viele wunderbare Kennenlernabende. Wir haben ein Gemeindewachstum erlebt, wie wir es so noch nie erlebt haben – und dafür gebührt alle Ehre Gott.
264 Personen sind in diesem Jahr zu uns in die Gemeinde gekommen – 264! Bitte denkt nicht, dass Zahlen unwichtig sind. Gott sind Zahlen sehr wichtig, weil hinter jeder Zahl eine Seele steckt. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einem Namen, dessen Name jetzt im Buch des Lebens ist. Deshalb sind Zahlen wichtig, auch wenn wir uns damit auf keinen Fall brüsten wollen. Das ist nicht der Anlass, dass ich sie erwähne.
140 Personen sind in diesem Jahr in unsere Gemeinde gewechselt, und 140 Personen haben sich taufen lassen – so viel wie noch nie in unserer Gemeindegeschichte. Ich erinnere mich an die Kennenlernabende, ihr auch? Da sitzt du einfach hier und fühlst dich völlig tatenlos. Doch Gott ist am Werk, und wir sehen es, wie reihenweise Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen und Herkünften zum Glauben kommen.
Der Herr hat sie aus der Macht der Finsternis herausgerissen und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes. Dessen durften wir in diesem Jahr Zeugen sein. Jeder Kennenlernabend hat mich persönlich so erstaunt. Geistlich toten Menschen hat Gott eine Antenne gegeben, sodass sie plötzlich das Evangelium verstanden haben.
Aber Gott war am Werk: Er hat erwählt, er hat gerufen, er hat gerettet, und er bringt sie auch ans Ziel. Es geht um ihn. Deshalb ist er die zentrale Person im Gemeindebau.
Vers 7: So ist weder der, der pflanzt, etwas, noch der, der begießt, sondern Gott, der das Wachstum schenkt.
Ich möchte uns gemeinsam einladen, dass wir dieses Wachstum in diesem Jahr auch feiern – in dem Sinne, dass wir Gott alle Ehre geben mit den Worten aus Psalm 115, Vers 1: Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre wegen deiner Gnade und wegen deiner Treue.
Das ist unser Herr, Halleluja! Soli Deo Gloria! Wir wollen ihm danken und klarstellen, dass das kein menschlicher Verdienst ist. Hier ist Gott am Werk, und der Heilige Geist, der Menschen retten möchte, rettet Menschen. Deshalb wollen wir Gott allein die Ehre geben. Mitarbeiter sind immer nur Werkzeuge.
Der Teamgedanke im Dienst der Gemeinde
Dennoch sind Mitarbeiter wichtig. Nachdem Paulus in diesem Text klargestellt hat, dass die zentrale Person im Gemeindebau Gott ist, geht er im nächsten Schritt auch auf die Mitarbeiter ein. Das führt uns zum zweiten Punkt in Paulus’ Grundlagenkurs zum Gemeindebau: dem notwendigen Teamgedanken beim Gemeindebau.
Am Anfang von Vers 8 heißt es: „Der aber pflanzt und der begießt sind eins.“ Paulus will damit nicht sagen, dass ein und dieselbe Person erst gepflanzt und dann begossen hat. Wir wissen das ja aus dem Kontext. Paulus war derjenige, der gepflanzt hat, und Apollos, ein anderer Mitarbeiter, war derjenige, der begossen hat.
Paulus macht jetzt deutlich: Auch wenn verschiedene Mitarbeiter mit unterschiedlichen Gabenschwerpunkten und Tätigkeitsfeldern gebraucht werden, sind wir eins. Wir sind keine Konkurrenten. Warum muss Paulus das in Korinth deutlich machen? In Korinth haben sich Lager gebildet, Fanclubs um die Mitarbeiter herum.
Ich gehe noch einmal kurz zurück zu Kapitel 1, Verse 11 und 12. Da schreibt Paulus: „Denn es ist mir durch die Hausgenossen der Chloe über euch bekannt geworden, meine Brüder, dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich meine aber dies: dass jeder von euch sagt, ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi.“
Paulus kommt in Kapitel 3 noch einmal auf diese Lagerbildung zu sprechen und macht deutlich: Das ist völlig irrsinnig, denn der da pflanzt und der da begießt sind eins. Ihr könnt doch nicht mich und Apollos gegeneinander ausspielen, wir sind ein Team.
Das ist so wichtig, dass wir uns auch als Team betrachten. Wir arbeiten auf demselben Acker und brauchen einander. Es ist absurd, uns gegeneinander auszuspielen.
Ich habe euch mal ein Bild von einer Großbaustelle mitgebracht. Bei einem solchen Bauprojekt sind ganz verschiedene Gewerke am Werk. Das macht nicht eine Firma allein. Es gibt die Heizungsinstallateure, die irgendwann zum Einsatz kommen, die Elektroinstallateure, die ganz andere Arbeiten erledigen, und die Fliesenleger, die am Ende dazukommen.
All diese verschiedenen Gewerke sind keine Konkurrenten, denn sie bauen an ein und demselben Gebäude. Sie sind ein Team mit verschiedenen Aufgaben. Dasselbe Prinzip gilt für den Gemeindebau.
Wir arbeiten alle an ganz unterschiedlichen Punkten, und Gott begabt ganz unterschiedlich. Aber das, was uns allen klar sein muss, ist: Wir sind ein Team. In der Gemeinde gibt es keine Konkurrenz. Wir gehören zusammen.
Liebe Mitarbeiter der Evangelischen Freikirche in Köln-Ostheim: Ich dachte mir, ich nutze einfach mal diesen letzten Gottesdienst im Jahr, um euch im Namen der Pastoren wirklich von Herzen für euren Dienst in diesem Jahr zu danken. Ich weiß, ihr macht es nicht für uns, ihr macht es für Jesus. Genau für ihn solltet ihr es auch tun.
Aber wir brauchen alle Ermutigung, und ich bin bewegt von unseren Mitarbeitern in der Gemeinde. Ich bin so bewegt von unseren Diakonen und ihrem Einsatz, ich bin so bewegt von unseren Mitarbeitern im Hintergrund.
Wisst ihr, wir haben in diesem Jahr den vierten deutschen Gottesdienst eingeführt. Das war eine enorme Zusatzbelastung. Ich hoffe, uns ist klar, dass die ersten Mitarbeiter hier die Techniker und Musiker sind. Sonntag für Sonntag sind sie schon um halb acht, manchmal um sieben hier zum Soundcheck.
Sie gehen nach dem dritten Gottesdienst irgendwann um 14:30 Uhr, und einige von ihnen kommen dann wieder zum 18-Uhr-Gottesdienst. Das ist ein Sonntag voller Einsatz für den Herrn. Ich denke, heute ist es Zeit, ihnen auch mal zu danken. Lasst uns das mit einem Applaus zeigen.
Bis hierhin in diesem Jahr waren über 400 Menschen in unseren Glaubensgrundkursen, über 400 Menschen, die betreut wurden. Alleine hätte das niemand geschafft. Gott hat uns allen die Kraft gegeben, auch wenn wir manchmal dachten, die Kraft sei am Ende. Gottes Kraft ist es nicht, und er gibt Kraft im jeweiligen Moment. Das ist etwas sehr, sehr Bewegendes.
Die verschiedenen Dienste und Projekte in der Gemeinde – wir arbeiten alle an derselben Sache. Schaut mal: Der Reinigungsdienst ist hier tätig. Unsere Schwester Irina Schneider ist manchmal samstags um sechs Uhr morgens hier und wischt alles, damit wir am Sonntag ankommen und die Atmosphäre stimmt.
Die Ordner und das Welcome-Team begrüßen die Gottesdienstbesucher herzlich auf dem Parkplatz. Wir sagen nämlich: Unsere Predigt beginnt auf dem Parkplatz. Da beginnt die Predigt schon. Es ist so wichtig, dass wir sie haben.
Die Techniker sorgen dafür, dass das Wort gehört wird und ins Internet kommt, wo es Menschen hören können. Der Moderator holt uns ab und führt uns in den Gottesdienst ein, die Musiker richten uns aus. Der Pastor predigt das Wort Gottes, aber er konnte sich nur so gut vorbereiten, weil viele fleißige Spender im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass wir Pastoren Vollzeit beschäftigen können. So können sie sich ganz dem Bibelstudium widmen.
Das ist auch das Ergebnis vieler treuer Spender im Hintergrund. Hinzu kommen die Diakone und Sekretärinnen, die uns als Pastoren so entlasten. Dann wirkt der Heilige Geist, sodass die Predigt einschlägt, Menschen angesprochen werden und wir sie in die Cafeteria nach unten einladen können. Dort haben Schwestern den Kuchen vorbereitet. Auch das gehört zum Team.
Dort wird eine angenehme Atmosphäre geschaffen, damit wir den Gottesdienst Teil 2 im Untergeschoss fortsetzen können. Dann laden wir die neuen Interessierten zum Glaubensgrundkurs ein. Dort gibt es Mitarbeiter, die alles vorbereitet haben. Seelsorger treffen sich unter der Woche mit Menschen, die Hilfestellung brauchen.
Und bei alldem wird die nächste Generation nicht vergessen. Jeden Freitag sind die Kinderstundenleiter treu vorbereitet und bringen unseren Kindern das Wort Gottes. Die Jungscharleiter, die Teenieleiter, die Jugendleiter – wir sind alle eins, wir sind ein Team.
Die verschiedenen Projekte lassen sich nicht gegeneinander ausspielen, auch nicht, wenn ein Team schon in dem Raum ist, den wir eigentlich gebucht haben, und wir aufgrund der Raumnot hier auch mal gegenseitig anecken. Dann machen wir uns in dem Moment deutlich: Wir sind eins.
Es ist schön, dass andere Projekte und Dienste hier in der Gemeinde auch gut laufen. Paulus sagt: „Der aber pflanzt und der begießt sind eins.“ Deshalb möchte ich uns alle ermutigen.
Euch als Mitarbeiter: Wir gehen als Team in das Jahr 2026. Wir packen gemeinsam an, wissend, dass wir total vom Herrn abhängig sind. Wir sind alle eins. Trotzdem sieht Gott dabei auch jeden einzelnen Mitarbeiter. Das führt uns zum dritten Punkt.
Die individuelle Belohnung für den Dienst in der Gemeinde
Die individuelle Belohnung beim Gemeindebau
Ich lese die Verse 8 bis 15: „Jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit, denn Gottes Mitarbeiter sind wir, Gottes Ackerfeld, Gottes Bau seid ihr. Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als weiser Baumeister den Grund gelegt, ein anderer aber baut darauf. Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut, denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf dem Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klar machen, weil er im Feuer offenbar wird. Und wie das Werk eines jeden Einzelnen beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen. Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“
Paulus spricht hier von der individuellen Belohnung beim Gemeindebau. Jeder Christ wird für seine Arbeit einen Lohn bekommen. Bei dieser Belohnung geht es nicht um das Heil, das möchte ich deutlich machen. Niemand bekommt das Heil, weil er dient. Das Heil kann man sich nicht durch gute Werke erarbeiten, und man kann es sich auch nicht durch gute Werke sichern.
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe eine Zeit lang geglaubt, dass wenn ich mich richtig im Gemeindedienst oder Predigtdienst einbringe, mein Heil ein bisschen sicherer ist. Dein Heil wird durch deinen Dienst aber nicht sicherer. Dein Heil ist allein aufgrund dessen sicher, was Christus für dich vollbracht hat. Allein aufgrund seiner Zusage ist dein Heil sicher.
Aber die Werke, die wir jetzt für ihn tun, sind die Folge, weil wir geschaffen worden sind zu guten Werken. Für diese Werke bekommen wir eine Belohnung.
Paulus spricht von der individuellen Belohnung in Vers 8: „Jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.“ Das individuelle „Jeder“ wird hier betont – jeder bekommt seinen Lohn.
Der Gedanke, der hier zugrunde liegt, wird in Vers 9 geschildert: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“ Wir arbeiten sozusagen in Gottes Firma, und Gott sorgt dafür, dass seine Mitarbeiter belohnt werden.
Dann spricht Paulus in Vers 10 konkret über den Gemeindebau in Korinth. Paulus hat die Gemeinde in Korinth gegründet und das Glaubensfundament gelegt. Dieses Fundament ist Jesus Christus. Es gibt kein anderes Fundament für die Gemeinde.
Dort, wo eine Gemeinde anfängt, auf etwas anderes zu bauen als allein auf Jesus Christus, wird sie früher oder später eine große Schieflage bekommen und kaputtgehen. Es gibt kein anderes Fundament außer Jesus Christus.
Paulus sagt: „Ihn habe ich euch gepredigt in Korinth, ich habe die Grundlage gelegt als ein weiser Baumeister.“ Architektonisch steht hier im Griechischen, dass Paulus das Fundament gelegt hat. Das Fundament war solide, es war Christus.
Jetzt denkt Paulus das Bild vom Bau weiter und sagt: Mit dem gelegten Fundament ist der Bau ja noch nicht abgeschlossen. Jetzt geht es darum, wie ich auf dem Fundament baue.
Ab Vers 12 heißt es: „Wenn aber jemand auf den Grund, also auf das Fundament, Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu oder Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Denn der Tag wird es klar machen, weil er im Feuer offenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen. Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden erleiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“
Paulus sagt: Beim Gemeindebau geht es darum, mit welchem Material du baust. Er nennt hier zwei Kategorien von Materialien: drei wertvolle und drei wertlose Materialien. Sie sind übrigens auch nach der Brennbarkeit angeordnet, denn Paulus spricht von einem Feuer, das die Qualität unseres Dienstes am Ende offenbaren wird.
Welchen Charakter hat unser Dienst? War er kostbar für Gott, wertvoll für den Gemeindebau, oder war unser Dienst eigentlich nur Stroh? Dann wird nichts bleiben.
Hier geht es nicht um das Heil. Selbst die, die nur mit Stroh gebaut haben, werden am Ende gerettet werden, aber sie bekommen keinen Lohn.
Bei dem Feuer geht es nicht um ein Feuergericht, das die Gemeinde trifft. Es geht auch nicht um ein Fegefeuer, wie die katholische Kirche fälschlicherweise annimmt. Hier geht es um Gottes durchdringende und aufdeckende Bewertung unseres Dienstes.
Eckhart Schnabel schreibt: „Das Ziel dieser Prüfung durch Feuer ist nicht Bestrafung, Vernichtung oder Reinigung beziehungsweise Läuterung, sondern die Offenbarung der Qualität der Beteiligung an der Auferbauung der Gemeinde.“
Gott wird deinen und meinen Dienst am Ende beurteilen, im sogenannten Preisgericht. Dabei geht es nicht um Himmel oder Hölle, denn das Preisgericht ist für Christen. Dort wird der Dienst bewertet, wie wir ihn getan haben.
Auch wenn dieser Text uns keine Bewertungskriterien nennt, müssen wir sagen, dass gesamtbiblisch zwei Dinge bewertet werden: Was haben wir getan und wie haben wir es getan?
Diese beiden Fragen – was haben wir getan und wie haben wir es getan – sind entscheidend.
Bei der Frage, was wir getan haben, geht es Gott gar nicht unbedingt darum, dass bestimmte Dienste mehr belohnt werden. Die Bibel macht deutlich, dass Gott jeden kleinsten Dienst sieht und belohnt.
Jesus sagt: Schon wer ein Glas Wasser mit der richtigen Einstellung weitergibt, wird nicht unbelohnt bleiben. Gott ist detailliert in der Sicht dessen, was wir alles für ihn tun. Er führt Buch über unsere guten Werke, die wir tun, nachdem wir gläubig geworden sind.
Jesus sagt in Matthäus 10, Vers 41 zum Beispiel: „Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen.“
Vielleicht sagst du, du kannst nicht predigen – das musst du auch nicht. Aber Jesus sagt: „Wer einem Prediger Gastfreundschaft erweist, bekommt den gleichen Lohn wie ein Prediger.“ Also jeder Dienst wird gesehen, jeder Dienst ist wichtig.
Deshalb stellt sich uns sehr wohl die Frage, ob wir tätig sind. Vergraben wir unsere Talente oder sind wir tätig und sammeln uns, wie Jesus uns auch dazu einlädt, Schätze im Himmel?
Aber dann wird eben auch bewertet, wie wir uns im Dienst getan haben. Man kann Dienste aus sehr unterschiedlichen Motiven tun.
Man kann hier in der Gemeinde einen Dienst tun, damit man von Menschen gesehen wird. Das ist ein ichsüchtiges Motiv, um Anerkennung zu bekommen, damit Leute einem auf die Schulter klopfen. Dafür wird es keinen Lohn geben.
Das haben die Pharisäer auch gemacht, und Jesus sagt, sie haben ihren Lohn schon gehabt. Da gibt es keinen Lohn mehr von Gott.
Es gibt zwei Motive, die für Gott so wichtig sind für unseren Dienst: Treue (1. Korinther 4) und Liebe (1. Korinther 13). Das sind die Kernbewertungskriterien für unseren Dienst.
Einige von uns sind hier seit Jahrzehnten in der Nachwuchsarbeit tätig, absolut treu – sie werden ihren Lohn bekommen.
Immer wenn du einfach aus Liebe zu Gott und zum Nächsten etwas machst, das ist Gold in Gottes Augen, das ist kein Stroh. Das rechnet Gott dir an, und du wirst einen Lohn dafür bekommen.
Aber es gibt eben auch eine falsche Motivation. Deshalb sagt Paulus: „Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“ Das heißt, der heutige Predigttext ist für uns sowohl Ermutigung als auch Ermahnung.
Die Ermutigung besteht darin, dass jeder von uns für seinen treuen Dienst belohnt wird.
Ich stelle mir vor, wenn wir irgendwann vor Jesus stehen, dann werden wir sagen: „Eigentlich bist du allein Lohn genug.“ Das ist die richtige Haltung.
Wenn wir vor Jesus stehen, werden wir sagen: „Eigentlich brauche ich nichts anderes, ich habe dich.“ Und Jesus wird sagen: „Ja, ich weiß, aber ich gebe dir trotzdem etwas, weil du mir treu gedient hast.“
Ich möchte vor allem unsere Mitarbeiter heute ermutigen, die sich auch im Jahr 2025 so vorbildlich eingesetzt haben.
Jesus hat alles gesehen: jedes Seelsorgegespräch, das du geführt hast, er hat es gesehen, als du um sieben Uhr zum Soundcheck warst am Sonntag. Jesus hat es gesehen, er schreibt es sich auf.
Wenn Jesus sagt, jedes Glas Wasser, das weitergegeben wird, werde ich dir belohnen, dann wird er jede Minute deines Dienstes hier in der Gemeinde belohnen.
Er hat gesehen, wie du die Toiletten geputzt hast, als kein anderer Mensch hier war. Er hat gesehen, wie du auch im Jahr 2025 am Freitagabend den Kindern mit so viel Liebe das Wort Gottes gebracht hast. Er hat es gesehen.
Ich kann mir vorstellen, dass du in diesem Jahr öfter mal an deine Grenzen gekommen bist. Einige Mitarbeiter sind wirklich an ihre Grenzen gekommen, weil so viel lief.
Aber ich will euch ermutigen: Es hat sich alles gelohnt. Es hat sich alles gelohnt. Jesus hat deinen Dienst gebraucht.
Er hat auch jede Stunde gesehen, die du auf deinen Ehemann verzichtet hast.
An dieser Stelle möchte ich besonders acht Frauen unserer Gemeinde hervorheben – unsere Pastorenfrauen. Ihr Lieben, wir acht waren dieses Jahr teilweise wirklich alle am Limit.
Die, die es am meisten zu spüren bekommen haben, sind unsere Ehefrauen. Sie haben uns treu unterstützt. Dafür haben sie heute Applaus verdient.
Ich möchte aber nicht nur die Pastorenfrauen hervorheben. Auch die Frauen der Diakone und der Bereitschaftsleiter sind viele Ehefrauen, die ihre Männer treu unterstützt haben.
Jesus sieht das. Jesus sieht jede Stunde, in der du allein mit den Kindern zu Hause warst und dich nach deinem Mann gesehnt hast. Jesus wird es dir vergelten.
Zugleich ist dieser Text aber auch eine Ermahnung zur Selbstreflexion.
Aus welchen Motiven diene ich? Diene ich wirklich in der Gemeinde oder bin ich einfach nur Konsument?
Ein Nachteil einer großen Gemeinde ist, dass du dich einfach hinsetzen kannst und alles läuft auch ohne dich. Das kann dazu führen, dass du ein Konsumentenchrist wirst.
Dafür wird es aber keinen Lohn geben.
Kann es sein, dass du auf Kosten anderer lebst und dich gar nicht an den Spenden beteiligst? Ja, wir sagen immer, das Spenden ist freiwillig, das stimmt. Aber wenn du nicht spendest, bekommst du auch keinen Lohn. Das sagt der Text.
Wenn du dich nicht am Bau des Reiches Gottes beteiligst und wirklich etwas gibst, dann gibt es keinen Lohn. Das ist Stroh, das ist nichts, das ist ein 0815-Christsein, aber nicht Vollgas für das Reich Gottes.
Es gibt Menschen, die hier ganz viel geben, die dafür spenden, dass es im Winter warm ist, dass das Licht an ist, dass wir Missionen unterstützen können, dass wir Pastoren bezahlen können.
Kann es sein, dass du einfach nur auf Kosten anderer lebst und nie etwas gibst oder immer nur ein kleines Bisschen aus deinem Überfluss?
Ich möchte dich nicht nur ermahnen, sondern dich ermutigen mit den Worten Jesu: Sammle dir Schätze im Himmel.
Du wirst Gott erleben, wenn du anfängst, großzügig zu geben und dich mit deiner Kraft und Zeit hier einzubringen.
Ich möchte nicht irgendwann vor Jesus stehen und einfach nichts bekommen. Ich glaube, dir geht es genauso, oder?
Wie gerne wollen wir aus Liebe zu Jesus ihm etwas geben, weil er alles für uns getan hat.
Dazu will ich dich ermutigen und heute herausfordern, vielleicht noch einmal ganz neu den Vorsatz zu treffen: 2026 gehe ich „all in“. Ich werde mich einbringen, weil die Investition in die Ortsgemeinde das Sinnvollste ist, was du tun kannst.
Jesus sagt: „Ich werde meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“
Das heißt, das Einzige, was weltuntergangssicher ist, ist die Gemeinde.
Ein amerikanischer Pastor hat es einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: Die Hoffnung für diese Welt ist die Ortsgemeinde.
Weil Gott seine Ortsgemeinde gebrauchen will, um das Evangelium zu verbreiten.
Das heißt, das Sinnvollste, was du im Jahr 2026 tun kannst, ist, dich in den Dienst der Ortsgemeinde zu stellen. Geh „all in“ mit deiner ganzen Familie, denn das hat Bestand in einer unsicheren Welt.
Eine ernste Warnung für die Gemeinde
Paulus spricht dann aber auch eine Warnung aus. Damit kommen wir zum vierten Punkt: die eindringliche Warnung beim Gemeindebau, in Vers 16 und 17.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.
Paulus spricht hier von einem Tempel. Das kennt man aus dem Alten Testament. Im Alten Testament war der Tempel der Ort der Gegenwart Gottes. Paulus wendet das im Neuen Testament auf die Gläubigen an. Wichtig ist aber hier zu verstehen, dass er nicht den einzelnen Gläubigen meint. Den einzelnen Gläubigen meint er in 1. Korinther 6, wenn es heißt: Wisst ihr nicht, dass eure Leiber der Tempel des Heiligen Geistes sind? Dort ist jeder einzelne Gläubige gefragt.
Hier nennt er die Gemeinde als Ganzes, die ja aus einzelnen Menschen besteht, den Tempel. Das heißt: Im Alten Testament war der Tempel als Gebäude Gottes besonderes Zuhause. Im Neuen Testament ist die Ortsgemeinde Gottes Zuhause. Da, wo die Gläubigen zusammenkommen, da ist Gott unter ihnen, da ist Gott zuhause.
Deswegen ist der Tempel der Gemeinde Gottes für Gott so kostbar. Gott nimmt es sehr persönlich, wenn jemand den Tempel angreift. Es war schon bei Saulus so: Saulus hat die Gemeinde verfolgt, und Jesus sagt: Warum verfolgst du mich? Deshalb sagt Paulus hier in Vers 17 die folgende Warnung:
Denn wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.
Mit anderen Worten: Wisst ihr, was Paulus hier sagt? Wenn jemand der Ortsgemeinde Schaden zufügt, der bekommt ein gewaltiges Problem mit Gott. Das ist das, was der Text sagt. Von der Auslegung her ist nicht ganz klar, was es bedeutet, „den wird Gott verderben“. Aber klar ist: Das ist eine sehr, sehr ernste Warnung.
Eckhart Schnabel schreibt: Wer die Gemeinde mit den säkularen Werten der urbanen Elite Korinths leiten will und Streit, Konkurrenz und Spaltungen nicht nur toleriert, sondern ganz bewusst in den Vordergrund stellt, der baut nicht auf, sondern ab. Er zerstört den von Gott und seinem Geist begonnenen Bau.
Paulus geht also davon aus, dass die Gemeinde von Gemeindemitgliedern, das heißt von innen, zerstört werden kann.
Am 15. April 2019 hat die Kathedrale Notre Dame in Paris Feuer gefangen. Ich glaube, wir können uns alle noch gut an diese Bilder erinnern. Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber mir tat es regelrecht weh, dieses wunderschöne Gebäude voller Feuer und Flammen zu sehen. Das nimmt einen emotional mit, wenn wunderschöne Kirchengebäude zerstört werden – in diesem Fall durch Feuer.
In Deutschland hört man Berichte, dass mehr und mehr Kirchengebäude angegriffen werden, dass Farbanschläge auf Kirchengebäude verübt werden. Aber ich glaube, dass der größte Schaden, den wir in unserem Land erleben, nicht ein äußerer Schaden am Gebäude der Kirche ist. Der größte Schaden ist die liberale Theologie in den Kirchen, die linkspolitische Haltung der evangelischen Kirche, mit der sie sich regelrecht selbst zerlegt.
Das ist eigentlich der viel größere Schaden. So schlimm der Schaden am Gebäude auch ist – das möchte ich überhaupt nicht relativieren.
Aber lassen wir jetzt mal die da draußen außer Acht. Hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht, dass Gott es sehr, sehr ernst nimmt, wenn du der Ortsgemeinde Schaden zufügst? Das ist eine Warnung, die wir ab und zu mal hören müssen.
Wodurch entsteht Schaden an der Ortsgemeinde? Schaden an der Ortsgemeinde entsteht dadurch, dass man Spaltungen und Parteiungen fördert, dass man Gruppen um sich schart, die eine andere Lehre vertreten, als die diese Gemeinde hier vertritt. Dadurch entstehen Irrlehren und Spaltungen in der Ortsgemeinde, und Jesus nimmt das sehr, sehr ernst.
Wenn es dir einfach nur darum geht, dass deine persönliche Agenda hier durchgesetzt wird, deine persönlichen Vorlieben, deine Positionen, die jeder hören muss, dein Frust über die Probleme, die auch das zahlenmäßige Wachstum manchmal mit sich bringt – wenn du damit hausieren gehst und Leute um dich schart, dann schadest du der Ortsgemeinde. Ist dir das bewusst? Jesus nimmt das sehr ernst. Das ist das, was der Text sagt: den wird Gott verderben. Viel schlimmer kann man es nicht ausdrücken.
Aber ich glaube, das, was der Gemeinde noch viel, viel mehr schadet, ist die persönliche Sünde, wenn wir uns mit ihr zufrieden geben und in ihr leben.
Warum? Das macht Paulus ein wenig später in Kapitel 5 deutlich. Dort zeigt er, dass, wenn ein Gemeindemitglied einfach in Sünde lebt, es wie Sauerteig ist, der die ganze Gemeinde durchsäuert.
Vielleicht denkst du, wenn du deine Lieblingssünde pflegst, dass das einfach nur eine Sache zwischen dir und Gott ist. Ja, das auch – und in erster Linie zwischen dir und Gott. Aber bist du dir dessen auch bewusst, dass dein persönliches Leben in Sünde Schaden auf die ganze Gemeinde bringt?
Es ist wichtig, dass wir uns dessen bewusst machen. Jesus nimmt das sehr, sehr ernst. Vielleicht ist es heute dran, für dich wirklich ins Licht zu gehen, mit Sünde zu brechen und zu sagen: Herr, ich will deinem Leib nicht schaden. Ich will, dass dieser Tempel heilig ist, und weil ich ein Teil dessen bin, will ich meinen Beitrag dazu leisten.
In Korinth waren es weltliche Haltungen, die Schaden anrichteten. Um diesen Schaden zu verhindern, braucht es dringend eine andere Denkweise. Damit kommen wir zum letzten Punkt meiner heutigen Predigt.
Die veränderte Denkweise für den Aufbau der Gemeinde
Die veränderte Denkweise beim Gemeindebau
Vers 18: Niemand betrüge sich selbst. Wenn jemand unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, so werde er töricht, damit er weise wird. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott, denn es steht geschrieben: „Der die Weisen fängt in ihrer List.“ Und wieder: „Der Herr kennt die Überlegungen der Weisen, dass sie nichtig sind.“
Wie ist der Text zu verstehen? Paulus warnt die Korinther hier vor Selbstbetrug. Ja, es ist möglich, als Christ von seinem eigenen Herzen völlig betrogen zu werden, so dass man Dinge für richtig hält, die Gott für falsch hält. Auch als Christ ist das möglich, denn unser Herz ist so trügerisch.
Paulus sagt, der Selbstbetrug besteht darin, dass man sich für weise hält oder Dinge für weise hält, die in Gottes Augen überhaupt nicht weise sind. Und genau das war das Problem in Korinth. Wer in den Augen der Welt weise sein will, der ist in Gottes Augen töricht. Aber wer in den Augen der Welt töricht ist, der ist in Gottes Augen weise.
Deshalb sagt Paulus: „Wenn jemand unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, so werde er töricht.“ Das meint, setze seine Hoffnung ganz auf das Kreuz. Das Kreuz ist eine Torheit im Denken dieser Welt. Setze also deine Hoffnung ganz auf das Kreuz, damit du weise wirst.
Die Weisheit dieser Welt ist in Gottes Augen töricht. Das belegt Paulus noch einmal mit zwei Schriftzitaten. Dann kommt er zur Schlussfolgerung und zum abschließenden Appell in Vers 21: „So rühme sich denn niemand im Blick auf Menschen, denn alles ist euer, es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukunftiges, alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“
Paulus sagt hier abschließend noch einmal: Hört auf, Menschen zu halten. Niemand rühme sich irgendeines Menschen. Das haben wir bereits öfter im ersten Korintherbrief gehört. Aber die Begründung, die Paulus hier nennt, überrascht uns.
Paulus begründet seinen Appell mit den Worten: „Denn alles ist euer.“ Das ist so ein typischer Vers, den man nicht aus dem Kontext reißen darf. Wenn du nur diesen Vers nimmst, kannst du das ganze Konzept von Eigentum einfach über Bord werfen. Du stiehlst und sagst: „In der Bibel steht, alles ist euer, das ist ja auch meins, was ich mir hier nehme.“ Nein, nein, nein, Moment, das will der Text nicht sagen.
Die Entscheidung liegt immer im Kontext. Wie ist es zu verstehen? Warum sagt Paulus: „Rühmt euch nicht eines Menschen, denn alles ist euer“? Paulus nimmt hier Bezug auf die Parolen der Korinther. Was haben die Korinther hereingerufen? „Ich gehöre zu Paulus, ich gehöre zu Apollos.“
Paulus sagt: Das ist falsch. Nicht du gehörst zu Paulus, sondern Paulus gehört dir, und Apollos gehört dir. Sie sind dir gegeben als Diener. In dieser Hinsicht ist der Satz zu verstehen: „Denn alles ist euer.“ Bindet euch nicht an Menschen, haltet sie nicht fest. Ihr steht nicht unter der Herrschaft von Menschen. Ihr steht einzig und allein – das macht er am Ende deutlich – unter der Herrschaft Christi.
Wenn ihr zu Christus gehört, wenn er euer Herr ist, dann sind alle Dinge in eurem Leben zu eurem Nutzen. Seien es Menschen, sie sind nicht eure Herren, sie sind eure Diener. Seien es Lebensumstände, Gegenwärtiges, Zukunftiges, Leben und Tod – alles ist von Gott gebraucht, um euch in eurer Heiligung weiterzuführen. Alles muss euch dienen.
In dieser Hinsicht macht Paulus deutlich: „Alles ist euer.“ Alles ist von Gott dazu bestimmt worden, dass es euch dient in eurem Glaubensleben. Am Ende macht er deutlich in Vers 23: „Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“
Das ist eine interessante Aussage: „Christus aber ist Gottes.“ Das ist keine ontologische Aussage über das Wesen Christi, als wenn er weniger Gott ist als Gott der Vater. Das ist eine funktionale Aussage. Christus hat sich dem Vater unterordnet. Obwohl er genauso Gott ist wie der Vater, hat er sich dem Vater unterordnet im Heilswerk und ist ans Kreuz gegangen mit den Worten: „Nicht mein Wille, Herr, sondern dein Wille, mein Vater, geschehe.“
Paulus sagt zu den Korinthern hier mit anderen Worten: Ihr denkt viel zu klein. Ihr hängt euch an Menschen. Ihr lasst andere Dinge euer Leben regieren, ihr lasst weltliche Dinge euer Leben regieren. Ihr gehört Christus, und wenn Christus euer Herr ist, dann wird alles andere euch dienen.
Wisst ihr, liebe Gemeinde, wir gehen jetzt in ein neues Jahr. Und ich weiß nicht, ob es dir so geht wie mir. Ich weiß nicht, was das neue Jahr mit sich bringt. Ich habe da nicht unbedingt ein gutes Gefühl. Wirtschaft und Weltpolitik verbreiten ja jetzt auch nicht gerade totalen Optimismus für 2026.
Aber wisst ihr was? Wir als Christen können wirklich sagen von ganzem Herzen: Alles wird gut, alles wird gut. Warum? Weil Jesus der Herr ist, weil er die Geschicke lenkt in dieser Weltgeschichte und in deinem Leben. Und wenn Jesus der Herr ist, dann ist das so befreiend.
John Stott definiert diese Herrschaft Jesu wie folgt: Wenn Jesus wirklich unser Herr ist, lenkt er unser Leben, und wir gehorchen ihm voller Freude. Wir unterstellen ihm tatsächlich jeden Bereich unseres Lebens: unser Zuhause und unsere Familie, unsere Sexualität und Ehe, unseren Beruf oder unsere Arbeitslosigkeit, unser Geld und unseren Besitz, unsere Ambitionen und unsere Freizeit.
Wenn Jesus der Herr ist, dann ist er Herr über alle Bereiche unseres Lebens. Zu dieser Herrschaft will ich dich heute auch noch einmal neu einladen. Dass du heute am letzten Gottesdienst 2025 dieses Jahr abschließt mit einem ganz klaren Bekenntnis: Jesus ist mein Herr. Und für ihn will ich leben.
Ich werde dich am Ende der Predigt einladen, hier ans Kreuz zu kommen, während wir das letzte Lied singen. So kannst du das auch symbolisch sichtbar zum Ausdruck bringen: Jesus ist mein Herr, und ihm möchte ich dienen.
Arcis Brol macht deutlich, was für eine Freiheit das mit sich bringt. Die Ironie der neutestamentlichen Herrschaftslehre besteht darin, dass der Mensch nur in der Knechtschaft unter Christus wahre Freiheit entdecken kann. Und zu dieser Freiheit möchte ich dich einladen.
Aber diese Freiheit findest du nur, wenn Jesus dein Herr ist. Wenn du das heute im Glauben ergreifen willst, wenn du das auch vielleicht noch einmal neu als Christ zum Ausdruck bringen willst, darfst du das tun, indem du jetzt nach vorne kommst, während wir dieses Lied singen.