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Wie zwei Gottesmänner glauben

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 16/33
22.06.2025Römer 4,1-8
SERIE - Teil 16 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Wie kann Gerechtigkeit vor Gott wirklich erlangt werden? Nicht durch eigene Leistungen, sondern allein durch Glauben – so wie Abraham und David es vorgelebt haben. Abraham vertraute Gottes Verheißung, obwohl aussichtslos, und David erkannte seine Schuld und suchte Vergebung. Was bedeutet es, dass uns Gerechtigkeit ohne Werke angerechnet wird? Und wie kann das auch heute dein Leben verändern?

Einführung in das Thema der Rechtfertigung durch Glauben

Ja, wir sind im Römerbrief und wollen weitermachen. Wir sind jetzt bei Kapitel vier angekommen. Wenn ihr mögt, steht doch noch einmal auf. Wir werden vier Verse lesen: Römer 4,1-8.

Was wollen wir sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, erlangt hat? Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden wäre, hätte er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

Wer aber Werke verrichtet, dem wird der Lohn nicht aufgrund von Gnade angerechnet, sondern aufgrund der Verpflichtung. Wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.

Ebenso preist auch David den Menschen glücklich, dem Gott ohne Werke Gerechtigkeit anrechnet: Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden zugedeckt sind. Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.

Amen. Nehmt gerne Platz.

Rückblick auf die Rechtfertigung durch Glauben im Römerbrief

Im vorherigen Kapitel, im dritten Kapitel des Römerbriefes, hat Paulus erneut betont, dass der Glaube an Jesus Christus als das stellvertretende Sühnopfer der einzige Weg für unsere Errettung ist. Wer die Bibel hat, kann gern noch einmal nachlesen. Dort schreibt er: „So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes“ (Römer 3,28).

Das hat zwei Folgen.

Die erste Folge: Wenn es nicht deine Taten sind, die dich vor Gott gerecht machen, dann bleibt auch kein Raum für Eigenlob. Stimmt das? Deshalb schreibt Paulus im Vers 27 des dritten Kapitels: „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.“ Wenn dem so ist, dass du vor Gott aufgrund deines Glaubens und nicht aufgrund deiner Leistung Rechtfertigung erlangst, dann folgt daraus, dass kein Raum da ist, dich selbst in den Vordergrund zu stellen. Stattdessen gehören Ruhm und Lob dem, der dich rechtfertigt, nämlich Jesus Christus.

Die zweite Folge davon, dass wir nur durch Glauben gerecht werden, ist, dass auch die Heiden denselben Zugang zur Rettung haben wie die Juden. Auch das macht Paulus im dritten Kapitel zum Ende hin klar, in den Versen 29 und 30: „Oder ist Gott nur der Gott der Juden und nicht auch der Heiden? Ja, freilich auch der Heiden, denn es ist ja ein und derselbe Gott, der die Beschnittenen aus Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben rechtfertigt.“

Das hat viele aufgewühlt, denn sie meinten, dass Werke eine zentrale Rolle in der Erlösung eines Menschen spielen, zum Beispiel das Befolgen des Gesetzes hinsichtlich der Beschneidung. Nur wer das Gesetz und das Werk der Beschneidung befolgt, könne vor Gott gerecht sein.

Paulus kommt jetzt und sagt: „Hey, wenn es aus Glauben allein ist und nicht aufgrund von Werken, dann haben auch die Heiden, die Unbeschnittenen, Zugang zur Erlösung.“ Halleluja! Das heißt, das Evangelium ist für alle Menschen, egal aus welchem Hintergrund sie auch kommen.

Widerstand gegen das Evangelium und die Beispiele Abrahams und Davids

Nun hat Paulus doch einige Kritik einstecken müssen. Wir wissen das auch aus den anderen Briefen, in denen er das Evangelium von Jesus Christus, dieses Gnadenevangelium, darlegt. Überall, wo es verkündet wurde, entstand auch Widerstand.

In Kapitel vier bringt Paulus nun zwei Beispiele an: Abraham und David. Er erklärt, dass das Prinzip des Glaubens auch schon im Alten Testament galt.

Abraham und David waren keine gewöhnlichen Männer in der Geschichte Israels, sondern sie spielten beide eine außergewöhnliche Rolle. Abraham war der Stammvater der Nation und Freund Gottes. Er war der Vater aller Glaubenden, durch dessen Nachkommenschaft die ganze Erde gesegnet werden soll.

David war ein Mann nach dem Herzen Gottes und der Vorfahre des Messias. Er war der auserwählte und gesalbte König Israels, unter dessen Herrschaft das Reich eine nie dagewesene Blütezeit erlebte.

Wenn nun auch für diese beiden Gottesmänner gilt, dass sie nicht durch Werke, sondern durch Glauben gerechtfertigt wurden, wer kann dann noch sagen, dass es irgendeinen anderen Weg zur Erlösung gibt als allein diesen?

Das ist das Argument, das Paulus hier vorträgt. Er zeigt uns am Beispiel von Abraham und David, dass die Rechtfertigung allein durch Glauben sowohl im Alten als auch im Neuen Bund der Weg zum Heil ist. Es ist immer derselbe Weg: nicht durch Werke, sondern allein durch Glauben.

Abraham als Vorbild des Glaubens

Schauen wir uns zunächst Punkt Nummer eins an: Abraham. Abraham glaubte Gott. Für alle Generationen Israels bis heute ist Abraham Vater und Vorbild. Hätte man Mose, David oder Elija gefragt, alle hätten bezeugt: Abraham ist unser Vater.

Als Abraham noch in Ur Chaldea lebte und heidnische Götter anbetete, trat Gott plötzlich in sein Leben. Er war bereits fünfundsiebzig Jahre alt, kinderlos und ohne Aussicht auf Nachkommen, als Gott ihm eines Nachts den Sternenhimmel zeigte. Er führte ihn hinaus und sprach: „Sieh doch zum Himmel, Abraham, und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst.“ Dann sagte er zu ihm: „So soll dein Same sein.“

In Kapitel zwölf des ersten Buchs Mose wird uns berichtet, wie Gott Abraham schon früher begegnet war. Damals, als er noch in Ur Chaldea wohnte, forderte Gott ihn auf: „Geh hinaus aus diesem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich will dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Du sollst ein Segen sein.“

Weiter heißt es: „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde.“ Ganz schlicht und einfach steht die Reaktion Abrahams: „Da ging Abram, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.“ Er verließ sein angestammtes Zuhause. Er glaubte und handelte im Vertrauen auf die Worte Gottes.

So sehen wir, dass Abraham nicht nur im Alten Testament eine herausragende Rolle spielt, sondern auch das Neue Testament greift ihn immer wieder auf und zeigt, welch besonderer Mann er war. Denken wir zum Beispiel an das Matthäusevangelium. Die ersten Verse des Neuen Testaments beginnen so: „Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Dann beginnt der Stammbaum. Wo beginnt er im Matthäusevangelium? Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob, Jakob zeugte Juda und seine Brüder.

Dreimal wird Abraham in der Bibel „Freund Gottes“ genannt. Jakobus zitiert denselben Vers, den Paulus aus dem Alten Testament zitiert. In Jakobus 2,23 heißt es: „Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Jakobus fügt hinzu: „Er wurde ein Freund Gottes genannt.“

Paulus zeigt in Kapitel vier, dass auch für diesen geistlichen Helden kein anderer Weg zur Errettung bestand als allein durch den Glauben. Auch für Abraham galt, was der Apostel in den ersten Kapiteln des Römerbriefs ausführlich über jeden Menschen sagte, nämlich dass auch Abraham ein erlösungsbedürftiger Sünder war.

Paulus schreibt: „Was wollen wir denn sagen? Hat Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, etwas erreicht, das seine Gerechtigkeit vor Gott begründet? Was hat Abraham ohne Gott erreicht?“ Liebe Juden, liebe Christen, heute schaut euch den großartigen Glaubensvater an, mit welch großer Kühnheit er den Worten Gottes vertraute. Doch es ist nichts, was er zu seiner Gerechtigkeit vorweisen kann. All das, was er geleistet hat, macht ihn nicht in sich selbst gerecht. Denn schon damals war jeder Mensch böse.

Oft hören wir: „Na ja, die guten alten Zeiten, damals war alles besser. Die Äpfel waren dicker, der Schnee war höher, die Sonne schien wärmer – oder auch nicht.“ Es regnete mehr, sagt man heute, früher regnete es mehr. Oft wird sich nach den alten Tagen gesehnt und gesagt, damals war es gut. Wirklich?

Schon über die ersten Menschen heißt es in Kapitel sechs des ersten Buchs Mose: „Als aber der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen sehr groß war auf der Erde und alles Trachten der Gedanken seines Herzens allezeit nur böse war.“ Das waren die Menschen, die zu Abrahams Zeiten lebten. Selbst Abraham war davon nicht ausgenommen.

Gott schaute nicht vom Himmel herab und fand den einen, der sich von all den anderen abhob. Nein, auch Abraham brauchte Erlösung von seiner Schuld. Auch für ihn galt: „Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts. Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“

Was hat also Abraham nach dem Fleisch, also aus sich selbst heraus, wenn es um die Frage der Gerechtigkeit vor Gott geht, erlangt? Die Antwort lautet: nichts.

Die Rechtfertigung Abrahams durch Glauben

Paulus liefert nun den Beweis in Vers 3 und argumentiert dabei mit der Schrift. Er fragt: Was sagt die Schrift? Er zitiert: „Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“

Gott zeigte Abraham in der Nacht den Himmel voller Sterne und versprach ihm, so viele Nachkommen zu haben wie die unzählbare Menge der Himmelskörper. Obwohl Abraham damals kinderlos war, vertraute er dem Wort des Herrn. Als der Herr zu ihm sagte: „Verlass dein Zuhause“, tat Abraham, was Gott ihm sagte. Dieses Vertrauen, dieser Glaube an das Wort Gottes, wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

Lassen wir uns kurz überlegen, was das bedeutet: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Das heißt erstens, dass Gott die Initiative ergriff. Es heißt: Abraham aber glaubte Gott. Gott wurde aktiv, gab ihm eine Verheißung und erwählte ihn aus vielen. Was tat Abraham? Er antwortete im Glauben und Vertrauen – mehr nicht. Er glaubte, was Gott ihm sagte.

Abrahams Erlösung, Errettung und Rechtfertigung bestehen also nicht darin, dass Gott auf Abraham reagierte, weil er ihn als etwas Besseres als die anderen sah. Nein, es war andersherum: Abraham reagierte auf Gott. Gott trat in sein Leben, erwählte ihn, rief ihn beim Namen und gab ihm die Verheißung. Abraham tat nichts anderes, als das im Glauben anzunehmen.

Und das ist auch bei dir nicht anders. Wie bist du zum rettenden Glauben an Jesus Christus gekommen? Darüber dürfen wir heute Morgen kurz nachdenken. Gott ergriff die Initiative. Er sandte dir Menschen, durch die er zu dir sprach. Er führte dich in eine Versammlung, ließ dich die Bibel lesen und öffnete deine Ohren für das Evangelium. Du hast darauf im Glauben und Vertrauen reagiert. Die Initiative geht von Gott aus.

Das zweite, was wir aus diesem Satz lernen – „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ –, ist, dass die Gerechtigkeit ihm zugerechnet wird. In Römer 5, zu dem wir später kommen, lesen wir, dass jeder Mensch grundsätzlich eine Zurechnung von Sünden auf sein Konto bekommt. Durch die Sünde des einen, nämlich Adam, heißt es in Kapitel 5, Vers 19: „Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen, also Adam, die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht.“

Wir werden in unseren Sünden geboren und haben einen negativen Kontostand. Wir sind alle in Adam schuldig. Aber es gibt nicht nur diese eine Zurechnung im negativen Sinn. Die Bibel lehrt uns hier, dass es auch weitere Zurechnungen für den gibt, der glaubt, nämlich: Durch den Glauben wird uns die Gerechtigkeit Christi zugerechnet, und unsere Sündhaftigkeit wird Christus zugerechnet.

Das ist eine ziemliche Rechnerei, aber eine positive. Dein negativer Kontostand, der dich ungerecht vor Gott dastehen und unter seinen Zorn fallen lässt – aufgrund deiner Schuld, die du von Adam geerbt hast und die du durch deinen Ungehorsam gegenüber Gott bestätigst –, dieser negative Zustand wird durch den Glauben an Christus transferiert. Deine Schuld wird Christus zugerechnet, er bezahlt für dich, und seine Gerechtigkeit wird dir zugerechnet.

Deshalb ist das Kreuz so zentral. Dort hat Jesus den Preis für deine Sündhaftigkeit bezahlt, und dir wird durch den Glauben die Gerechtigkeit Christi angerechnet. Abraham glaubte, mehr nicht, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Gott hat ihn angesehen, ihn zugerechnet und ihn als gerechten Menschen durch den Glauben betrachtet.

Das dritte, was wir hier lernen, ist, dass der Glaube das Mittel ist, durch das diese Gerechtigkeit zu dir kommt. Noch einmal der Satz: „Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Der Glaube ist also das Mittel, um diese göttliche Gerechtigkeit Christi zu empfangen.

Der Glaube ist nicht die Ursache dieser Gerechtigkeit. Gott sagte nicht: „Oh Abraham, du hast viel Glauben, deshalb werde ich dich gerecht machen.“ Nein, der Glaube ist nur der Kanal, durch den die Gerechtigkeit Christi in dein Herz fließt.

Auch für uns bedeutet das, dass der Glaube das Instrument ist, durch das Gott uns für gerecht erklärt. Der Glaube bewirkt nicht die Erlösung, sondern ist das Mittel, durch das Gott sie vollbringt.

Praktische Lehren aus Abrahams Beispiel

Nun, was lernen wir aus dem Beispiel Abrahams?

Lassen Sie mich mit zwei kurzen Gedanken versuchen, dies auf unsere heutige Zeit zu übertragen.

Das Erste, was wir lernen, und was offensichtlich ist, ist, dass es ein untauglicher Versuch ist, wenn wir meinen, durch unsere guten Werke gerettet werden zu können. Abraham war ein guter Mann, ein großartiges Vorbild für alle Frommen, und dennoch konnte er nicht durch seine Leistungen erlöst werden. Wenn dies schon bei Abraham nicht funktionierte, wie viel weniger bei uns, die wir nicht so fromm und gottesfürchtig sind wie er.

Das Zweite, was wir lernen, ist, dass uns das Beispiel Abrahams ermutigt und sogar auffordert, dem Evangelium von Jesus Christus zu glauben. Denn das tat Abraham auch. Jesus sagt in Johannes 8: „Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte. Und er sah ihn und freute sich.“ Hier wird deutlich, dass Abraham an den kommenden Messias glaubte.

Wir wissen auch aus den Worten Jesu, dass Abraham wirklich gerettet ist. Jesus sagte in Matthäus 8: „Viele werden kommen vom Osten und vom Westen und werden im Reich der Himmel mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch sitzen.“ Mit anderen Worten: Abraham ist gerettet aufgrund seines Glaubens – aber nicht durch irgendwelche Fähigkeiten, nicht durch Frömmigkeit oder gute Werke. Er hat an dasselbe Evangelium geglaubt, an den kommenden Messias, genauso wie wir es heute tun.

Das heißt für dich: Glaube an Jesus Christus, sage deine Leistungen ab, die du meinst erbringen zu müssen, um Gott wohlzufallen, und vertraue allein auf das vollbrachte Werk, das Jesus Christus am Kreuz von Golgatha zur Bezahlung deiner Schuld geleistet hat.

Du wirst durch den Glauben Gerechtigkeit von Christus empfangen. Jesus hat Abraham gerettet, er wird uns retten, und dieses Beispiel zeigt uns: Er kann jeden retten. Amen!

David als Beispiel für Rechtfertigung ohne Werke

Und zweitens David. Paulus fährt fort und führt uns ab Vers 6 eine weitere große Persönlichkeit der Bibel vor Augen, die auch ohne Werke gerechtfertigt wurde: David. David war ebenfalls besonders. Er vereinte eine ganze Nation. Einerseits war er Hirte und repräsentierte somit, wenn wir so wollen, die arbeitende Klasse.

Auf der anderen Seite war er Musiker, Poet und Dichter. Man kann sagen, er verkörperte auch die Künstler und Intellektuellen im Land. Zudem war er Soldat und besiegte Goliath. Er stand für militärische Stärke. Er war sogar Prophet und sprach Gottes Wort, wie wir es in den Psalmen niedergeschrieben haben. Er war der große König Israels.

Paulus schreibt nun in Vers 6 Folgendes: "Ebenso preist auch David den Menschen glückselig, dem Gott ohne Werke Gerechtigkeit anrechnet." Dann zitiert er aus einem Psalm: "Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden zugedeckt sind. Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünden nicht anrechnet."

Auch David wusste, so Paulus, dass seine Werke ihn nicht rechtfertigen. Im Gegenteil, seine Taten verdammten ihn. Sein Ehebruch mit Bathseba und der von ihm veranlasste Mord an ihrem betrogenen Ehemann lasteten wie Blei auf seiner Seele. Zunächst versuchte er, dies zu verheimlichen, doch die Schuld seines Handelns war da.

Erst als er seine Sünde vom Blut Christi bedeckt wusste, war er frei von der Anklage und preiste sich glücklich. Dabei war keines seiner Werke der Grund, der dies erreichte. Es war keine Tat, auf die er sich berufen konnte, damit Jesus oder Gott ihn von seiner Schuld reinwuschen.

Stattdessen war er sich seiner Schuld bewusst. Psalm 51, dieser Bußpsalm, lässt uns bis heute erzittern. Dort heißt es: "An dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen, damit du Recht behältst, Gott, wenn du redest, und rein dastehst, wenn du richtest." Weiter heißt es: "Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen."

Und in Vers 9: "Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee." Ysop war der Zweig, mit dem der Hohepriester das Blut des unschuldigen Lammes, des unfehlbaren Lammes, auf den Altar sprengte, damit dieses Blut Reinigung von Sünden brachte.

David wusste, dass er das vergossene Blut eines unfehlbaren Lammes brauchte. Er betete zu Gott: "Reinige du mich mit Ysop, sei du der, der das unfehlbare Opferlamm bereithält, damit ich Vergebung von meiner großen Schuld erfahre."

Die Befreiung von Schuld durch Gottes Vergebung

Viele Menschen – vielleicht auch du heute Morgen – tragen eine Bürde auf ihren Schultern. Eine Schuld, die sie noch nicht bekannt haben, die sie schon lange mit sich herumtragen, vielleicht sogar seit Jahren.

Ein junger Pastor in den Zwanzigern, relativ zu Beginn seines Dienstes, hatte ein Seelsorgegespräch. Zu ihm kam eine sechzigjährige Frau, die ihm offenbarte, welches böse Gewissen sie auf ihrer Seele trug. Vierzig Jahre zuvor, als sie zwanzig war, wurde sie von einem Untermieter im Haus ihrer Eltern vergewaltigt. Als Reaktion schlich sie sich des Nachts in das Zimmer dieses Vergewaltigers. Dort war eine Gasheizung, und sie drehte auf eine Weise am Gashahn, dass dieser Mann in der Nacht starb. Die Flamme war ausgegangen und verbrauchte nicht das einströmende Gas.

Am nächsten Tag kam die Polizei und untersuchte den Fall. Sie gab zu Protokoll, dass die Flamme wohl vom Wind ausgeblasen worden sei. Vierzig Jahre lebte diese Frau mit dieser Sünde, diesem Mord, unbekannt und belastet.

Leidest du heute Morgen unter Schuldgefühlen wegen einer vergangenen Handlung? Ist Schuld dein beständiger Begleiter? Kehren deine Gedanken immer wieder zu diesem einen Punkt zurück, der dich so furchtbar belastet? Du sehnst dich nach echter Erlösung.

Weißt du, wonach du dich sehnst? Du sehnst dich nach Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nach Freiheit vom bösen Gewissen. Schau, was David dich und mich lehrt. In Vers 7 heißt es: „Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeit vergeben ist.“ Er preist den Menschen glücklich, dem Gott ohne Werke Gerechtigkeit anrechnet.

Hör zu, da ist etwas Kostbares für dich vorhanden. Du fragst dich vielleicht: Wie werde ich meine heimliche Schuld los? Du mühst dich schon seit Jahren mit guten Werken und wunderbaren Taten ab, aber der Fleck auf der Seele verschwindet nicht. Jetzt kommt Jesus mit seinem Evangelium und sagt dir: Es gibt eine Möglichkeit, dass Gott dir Gerechtigkeit anrechnet – ohne Werke.

„Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeit vergeben ist.“ Das Wort „vergeben“ bedeutet hier, wie ein Lexikon sagt, aus der Verantwortung für rechtliche oder persönliche Konsequenzen für ein Vergehen entlassen zu sein – entlassen, frei.

Mit anderen Worten: Deine Sünden werden entlassen, weg. Es ist dasselbe Wort, das Jesus in Matthäus 13 verwendet, wo es heißt, dass Jesus die Volksmenge entließ und in ein Haus ging. Das bedeutet, er trennte sich von der Menge.

So will und so tut es Gott auch: Er trennt dich von deinen Sünden, er entlässt sie. Das kann nur Gott, das kann kein Mensch. Wir Menschen verbinden die Bestrafung eines Täters immer mit der Bestrafung des Täters, um Gerechtigkeit zu erlangen.

Nur Gott kann deine Schuld so von dir trennen, dass dich keine Strafe mehr trifft – und das nicht durch Werke, die du leistest, sondern indem du dem glaubst, der für dich am Kreuz bezahlt hat. Gott trennt die Sünde vom Sünder, indem er sie auf Christus legt.

In 1. Petrus 2,24 heißt es: „Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen, auf dem Holz, damit wir den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen.“ Das ist das eine, was David lehrt: Deine Sünden sind vergeben durch den Glauben an Jesus.

Nicht nur vergeben, sondern auch zugedeckt. Vers 7 sagt weiter: „Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden zugedeckt sind.“ Das erinnert uns an den Hohenpriester, den wir schon vor einigen Wochen betrachtet haben.

Am Tag der Versöhnung sprengte er das Blut eines Opfers auf den Gnadenstuhl, den Sühnedeckel der Bundeslade, in der die zehn Gebote verschlossen waren. Diese zehn Gebote klagen den Sünder, den Menschen, an. Israel steht draußen, der Priester geht hinein, und die zehn Gebote klagen dich an, weil du diese Gebote nicht gehalten hast.

Dafür gibt es den Sühnedeckel, und dieser wurde mit Blut besprengt, sodass Gott, dessen gerechter Zorn auf den Menschen ruht aufgrund der Übertretungen der Gebote, nun nicht mehr das Gebot sieht, das den Menschen anklagt. Stattdessen ist darüber eine Abdeckung, der Sühnedeckel, besprengt mit Blut.

So ist es auch mit deiner Schuld. Da ist kein Werk, das draufgesprengt wird, sondern Blut wird darauf gesprengt – und das reicht. Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde (1. Johannes 1,7).

Also: Deine Sünden sind entlassen, deine Sünden sind bedeckt. Sie werden nicht einmal angerechnet. Vers 8 sagt: „Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.“

Vom Rechnen hatten wir eben schon gehört. Wir kennen das aus der Buchhaltung. Früher konnte man im Krämerladen anschreiben lassen, erzählt man mir. Das war vor meiner Zeit, liebe junge Leute, nicht dass ihr denkt, ich sei schon so alt – das habe ich auch nur vom Hörensagen vernommen.

Aber ja, so war das: Man konnte anschreiben lassen. Soll ich mal fragen, wer sich daran erinnert? Nein, wir wollen hier keine Umfrage machen. Aber ja, man konnte anschreiben lassen. Doch eines Tages, wenn der Kunde wieder zum Krämer ging und erneut zehn Eier holen wollte, sagte der Kaufmann irgendwann: „Jetzt Schluss, jetzt muss erst mal beglichen werden, bevor es Neues gibt.“

Schulden wurden festgehalten, weil sie bezahlt werden müssen. Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Schuld nicht anrechnet. Deine Schuld wird von Jesus beglichen.

 Psalm 103,12 sagt: „Sofern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt.“ Er wird nicht eines Tages vor dir stehen und deine Schuld wieder rauskramen und sie dir vorhalten.

 Jeremia 31 sagt: „Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten“, spricht der Herr, „denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken.“

In Jesus Christus ist uns wirklich vergeben. Bei ihm ist es nicht wie bei manchen Menschen, die wir um Verzeihung bitten. Sie sagen zwar: „Ja, ich nehme deine Entschuldigung an“, aber irgendwie spürst du, dass es nicht wirklich ins Herz gesackt ist. Und sie halten dir deine Vergehen dann doch noch irgendwann vor, wenn es gerade passt.

Gott wird dies nicht tun. Deswegen kann David sagen: „Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.“ Hier spüren wir etwas. Hier ist wahres Glück zu finden – glückselig.

Die Welt bietet uns manches, aber sie kann uns unsere Schuld nicht nehmen. Was sie kann, ist uns betäuben, sodass wir die Schuld nicht mehr wahrnehmen. Sie kann auch Tünchen überstreichen, aber im Kern rottet es weiter.

Auch unsere guten Taten können uns von unserer Schuld nicht reinigen oder befreien oder uns von ihr trennen. Nur der Glaube an Jesus Christus kann dir die Last von den Schultern nehmen.

Deshalb der Appell an uns alle heute Morgen: Bring ihm deine Sündenlast, bekenne sie ihm, glaube, dass er dafür am Kreuz Sorge getragen hat.

David und das Bekenntnis der Schuld

David schreibt in Psalm 32, der hier zitiert wird, über die Folgen seiner Schuld, die aus seiner Sünde gegenüber Bathseba und ihrem Ehemann entstanden ist. Er beginnt mit den Worten: „Wohl dem, dessen Übertretung vergeben ist, dessen Sünde zugedeckt ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet und in dessen Geist keine Falschheit ist.“

Als er seine Sünde verschwiegen hatte, verfielen seine Gebeine durch sein Gestöhnen den ganzen Tag. Er beschreibt: „Denn deine Hand lag schwer auf mir, Tag und Nacht, so dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürr wird.“

Schließlich bekannte er Gott seine Sünde und verbarg seine Schuld nicht. Er sprach: „Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen.“ Daraufhin vergab Gott ihm seine Sündenschuld. In diesem Moment wurde David wieder ein glückseliger Mensch.

Gibt es heute Morgen einen Grund, Jesus für seine Vergebung zu danken? Dann sage Amen.

Schlussgebet

Vater im Himmel, wir danken dir für das großartige Erlösungswerk. Herr Jesus, du bist für uns ans Kreuz gegangen.

Wir danken dir für die Vorbilder Abraham und David, die uns heute Morgen daran erinnern, dass auch wir unsere Schuld bekennen sollen.

Ich möchte dich für Menschen bitten, die jetzt durch die Worte, die sie gehört haben, an diesen blinden Fleck, an diesen schwarzen Fleck auf ihrer Seele erinnert wurden. Herr, ich bitte dich, dass du auch ihnen den Mut schenkst sowie das Vertrauen und den Glauben zu dir. So können sie die Dinge, die sie quälen, benennen, vor deinen Thron bringen und dort Vergebung empfangen.

Ich danke dir, Herr, für dein Blut, das du vergossen hast. Es rechtfertigt den Sünder und schenkt uns Hoffnung durch das Evangelium.

Ich bitte dich um eine Veränderung unserer aller Herzen, dass wir nicht mauern oder zurückhalten, sondern sagen: Herr, hier sind wir. Bitte reinige du uns.

Ich danke dir für deine Kraft, die in deinem Blut ist. Amen.