Einführung in ein unerwartetes Thema
Ja, schönen guten Morgen, mein Name ist Jürgen Fischer aus Berlin-Spandau. Ab und zu tauche ich hier auf, meistens mache ich Apostelgeschichte, heute jedoch nicht. Heute gibt es ein Thema, bei dem ich Anfang des Jahres nicht gedacht hätte, dass ich mal darüber mit euch sprechen würde.
Es gibt Themen, die sind überhaupt nicht auf dem Schirm, und dann kommen sie einfach so ins Leben. Und dann denkt man sich: Mann, da müsste man mal eine Predigt darüber halten. Das Predigtthema heute lautet Nahtoderfahrungen.
Nahtoderfahrungen sind nicht unbedingt ein biblisches Thema. Deshalb gibt es heute auch etwas weniger Bibelverse. Trotzdem ist es ein Thema, bei dem ich glaube, dass es sich lohnt, einfach mal darüber nachzudenken.
Ich habe drei Gründe, warum ich es mit euch besprechen möchte.
Grund Nummer eins: Ich habe meine Meinung dazu geändert. Ich werde gleich sagen, was ich vorher glaubte, aber jetzt habe ich eine neue Meinung.
Punkt Nummer zwei: Nahtoderfahrungen liefern starke Indizien dafür, dass es ein Bewusstsein des Menschen gibt, ein Sein des Menschen, also so etwas wie eine Seele, die unabhängig vom Gehirn ist – also von dem, was hier oben tickert. Ich denke, dieser Gedanke könnte für den Einstieg in ein Gespräch mit Menschen, die gar nichts mit dem Glauben zu tun haben, eine ganze Menge bringen. Das denke ich persönlich. Ihr werdet am Ende sehen, warum ich glaube, dass es solche Einstiegsmöglichkeiten gibt.
Und drittens: Ich finde das Thema Nahtoderfahrungen einfach unglaublich ermutigend. Denn das, was die Leute in dem Moment erfahren, in dem sie klinisch tot sind und trotzdem etwas erleben, was sie eigentlich gar nicht erleben dürften – weil hier oben ja nichts mehr tickt –, das, was sie da hören und erleben, klingt ein Stück nach Paradies oder nach Vorhölle. Und zwar egal, aus welcher Religion man kommt, sie erleben alle dasselbe. Ich finde mich und meinen Glauben darin wieder, und es macht total Spaß, darüber nachzudenken. Boah, werde ich mir merken.
Also, drei Gründe: Erstens, ich habe meine Meinung geändert. Zweitens, wenn du mindestens eins mitnimmst, kannst du das als Einstieg nehmen für Gespräche mit Leuten, die überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben. Drittens, vielleicht ermutigt dich das Thema so wie mich.
Wandel der eigenen Sichtweise auf Nahtoderfahrungen
Punkt eins: Ich habe meine Meinung geändert.
Was sind Nahtoderfahrungen? Es handelt sich um Erlebnisse, die Menschen machen, die eigentlich klinisch tot sind. Diese Erfahrungen werden als außergewöhnlich real und gleichzeitig als außerkörperlich wahrgenommen. Man verlässt also den Körper, bleibt aber irgendwie präsent und erlebt in diesem merkwürdigen Zustand – „Aha, ich liege da unten, aber ich bin hier oben“ – verschiedene Eindrücke.
Das, was den Körper verlässt, nenne ich in dieser Predigt „Seele“. Wer sich mit der Bibel gut auskennt, weiß, dass es eigentlich eine Kombination aus Seele und Geist ist, aber das ist jetzt mal egal. Bei einer Nahtoderfahrung ist also hier oben „Ich“ – und dann passiert etwas. Menschen verlassen ihren Körper und machen eine außerkörperliche Erfahrung. Das ist eine Nahtoderfahrung.
Vor etwa 30 Jahren habe ich mich schon einmal mit Nahtoderfahrungen beschäftigt. Das macht ja jeder irgendwie, man hört davon und liest mal einen Artikel und denkt sich: „Ja, was ist denn das?“ Damals dachte ich, dass das, was die Leute erleben, die letzten Zuckungen eines sterbenden Gehirns kurz vor dem endgültigen Blackout sind.
Warum habe ich das geglaubt? Ich bin Naturwissenschaftler und Theologe, aber damals war ich noch mehr Naturwissenschaftler. Ich hatte von Studien gelesen, bei denen Epilepsie-Patienten durch Elektroden, die ins Gehirn eingeführt wurden, stimuliert wurden. Dadurch konnte eine außerkörperliche Wahrnehmung induziert werden. Die Patienten erhielten einen Stromschlag und sahen sich plötzlich von außen.
Ich dachte mir: „Na ja, dann ist das bei einer Nahtoderfahrung genauso. Da zuckt es noch ein bisschen im Gehirn und dann sieht man sich von außen.“ So war mein Denken vor 30 Jahren.
Ich gebe zu, es gab noch andere Geschichten, die dafür verantwortlich waren, dass ich mich nicht weiter mit dem Thema beschäftigt habe. Das sind Geschichten, die in christlichen Kreisen kursieren. Es gibt tausend Bücher mit Titeln wie „Ich war im Himmel“. Ich habe da mal reingelesen, aber viele waren entweder super skurril und hatten meiner Meinung nach nichts mehr mit der Bibel zu tun, oder sie wurden nach einigen Jahren still und heimlich als erfunden vom Markt genommen. Das hat mich nicht dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen – bis vor ein paar Monaten.
Vor ein paar Monaten hörte ich ein Interview. Es gibt auf YouTube Kanäle, auf denen spannende Interviews geführt werden. Einer dieser Kanäle ist die Sean Ryan Show. Dort wurde John Burke interviewt. John Burke ist Autor von Büchern über Nahtoderfahrungen.
Das Spannende an John Burke ist, dass er Ingenieur war und sich erstmals am Totenbett seines Vaters mit dem Thema beschäftigte. Dort lag ein Buch, das er las, während er am Krankenhausbett saß. Er dachte sich: „Wenn an diesen Nahtoderfahrungen irgendetwas dran ist, dann muss es ja noch mehr geben.“
Dieser Ingenieur stellte fest: Bingo, ich lebe in Santa Barbara, das gerade das Epizentrum der Nahtodforschung ist. Er machte sich auf die Suche, schaute sich die Studien an und ging das Thema als Ingenieur an. Er untersuchte es nicht nur, sondern bekehrte sich, wurde Pastor und schrieb Bücher über Nahtoderfahrungen.
Ich habe dieses Interview gelesen – ich höre mir keine Interviews mehr an, lasse sie transkribieren und von ChatGPT kurz zusammenfassen. Ich fand es super spannend. Und wer mich kennt, weiß, was ich dann tue: Ich lese Bücher.
Also begann ich, mehr zu lesen und zu hören. Dabei stellte ich fest, dass der Stand, den ich vor 30 Jahren hatte, vor allem auf einem Buch von Raymond Moody basierte. Dieses Buch mit dem Titel „Life after Life“ wurde 1975 geschrieben.
Seit dieser Zeit hat sich auf dem Gebiet der Nahtoderfahrungen und der Nahtodforschung enorm viel getan. Die Datenlage heute ist eine ganz andere als damals, als ich das letzte Mal geschaut habe.
Heute kann man sagen: Wir haben weit über tausend Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften zu diesem Thema. Es gibt ein „Handbook of Near Death Experiences“, in dem 50 Forscher und Forscherteams aufgeführt sind, die über sechzig Studien mit Tausenden von einzelnen Beispielen anführen können.
Ihr merkt schon, der Wissenschaftler in mir hat das gelesen und fand das richtig spannend. Warum das so ist, erkläre ich am Ende noch einmal.
Das, was man im letzten Jahrhundert für ein eher schräges und seltenes Phänomen hielt, ist inzwischen ziemlich gut beschrieben. Je tiefer man in das Thema eintaucht, desto interessanter wird es.
Wenn man die Fakten aus all diesen Einzelberichten nebeneinanderlegt und sie statistisch, signifikant und wissenschaftlich auswertet, dann ergibt sich daraus ein guter Beweis für ein Leben nach dem Tod – mindestens jedoch für eine Form von Existenz, die nach dem klinischen Tod weitergeht.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Relevanz
Warum ist das interessant? Nun ja, vielleicht kennt ihr Leute, klassische Atheisten. Die kommen dann und sagen, wenn wir ein bisschen über das Leben nach dem Tod sprechen, so etwas wie: „Ja, ja, früher haben die Menschen an eine Seele geglaubt und an ein Leben nach dem Tod. Aber weißt du, heute sind wir aufgeklärt, heute haben wir die Wissenschaft. Deshalb kannst du das ganze Gerede von wegen Seele und Leben nach dem Tod getrost ins Reich der Mythen verbannen. Wir sind Materie. Was bleibt, ist Futter für die Würmer und ein Fotoalbum – mehr gibt es nicht.“
Ich weiß nicht, ob du solche Leute kennst. Aber jetzt kannst du sagen: „Stopp, mein Freund! Wenn dich Wissenschaft wirklich interessiert, dann behaupte nicht so einen Blödsinn. Beschäftige dich mal ein bisschen mit Nahtoderfahrungen. Da scheint es noch, wissenschaftlich betrachtet, mehr zu geben, als du denkst.“
Und keine Sorge, ich weiß, dass Nahtoderfahrungen nur nah am Tod sind. Und auch keine Sorge: Ich weiß, dass du jemanden, der nicht glauben will, auch damit nicht überzeugen wirst, okay?
Auf der anderen Seite gehe ich immer mal wieder auf eine Beerdigung. Und wisst ihr was? Die Frage, ob es nach dem Tod weitergeht, ist, wenn du auf einer Beerdigung bist, plötzlich keine rein theoretische Frage mehr, über die man auch mal reden könnte. Das wird super existenziell.
Am Grab, wo du da stehst, hast du dieses Loch vor dir. Du hast ein bisschen Erde in der Hand, die du hineinwirfst, und vielleicht sagst du so etwas wie: „Asche zu Asche und Staub zu Staub.“ Da möchtest du wissen, dass der, der da drin liegt, nicht nur Futter für die Würmer ist. Du möchtest wissen, dass es Hoffnung gibt.
Und dafür braucht es ein Fundament, eine Grundlage.
Weil die Frage, ob es nach dem Tod weitergeht, für jeden von uns irgendwann zentral wird. Du wirst sterben – das ist herrlich, oder? Das kann ich dir mit absoluter Sicherheit sagen, außer der Herr kommt vorher wieder. Aber ansonsten, wenn ich diesen kleinen Passus weglasse: Du wirst sterben. Vielleicht nicht heute, aber vielleicht morgen oder übermorgen. Oder in hundert Jahren – hundert ist ein bisschen weit, aber ihr versteht, was ich meine.
Wir können ganz sicher sein, dass uns diese Frage „Geht es nach dem Tod weiter?“ irgendwann beschäftigen wird.
So, das war mein erster Punkt: Ich habe meine Meinung geändert. Und immer, wenn ich meine Meinung ändere, finde ich es gut, es anderen Leuten zu sagen.
Nahtoderfahrungen als Hinweise auf ein unabhängiges Bewusstsein
Zweitens liefern Nahtoderfahrungen starke Indizien für ein vom Gehirn unabhängiges Bewusstsein. Zunächst wissen wir, dass es sie gibt. Außerdem wissen wir inzwischen, dass sie bei weitem nicht so selten sind, wie man früher dachte. Es ist nur so, dass Menschen selten von sich aus über Nahtoderfahrungen sprechen. Man muss gezielt nachfragen. Das ist ein Ergebnis der Nahtodforschung.
Wenn du jemanden wiederbelebst, musst du ihn gleich danach fragen. Relativ schnell werden Details vergessen. Das hat verschiedene Gründe, unter anderem auch Verdrängung. Ein Grund, warum Menschen selten über solche Erfahrungen sprechen, liegt darin, dass manche Nahtoderfahrungen negativ sind. Es gibt höllische Nahtoderfahrungen, das heißt sehr real empfundene Erlebnisse von extremer Panik, Visionen von dämonischen Wesen, verzweifelten Seelen, Dunkelheit, Kälte oder brennender Hitze.
Betroffene berichten vom Gefühl, in den Abgrund gezogen zu werden, von Geräuschen wie Klagen, Weinen oder Zähneknirschen. Solche Erfahrungen sind sehr unangenehm. Es ist logisch, dass man sie so schnell wie möglich vergessen möchte. Du wachst nicht nach einer Operation auf und sagst: „Hey, darf ich dir von meiner Nahtoderfahrung erzählen? Ich war gerade in der Hölle.“ Das macht man nicht. Etwa zwanzig bis fünfzig Prozent aller Nahtoderfahrungen sind, wie gesagt, höllisch. Die Dunkelziffer ist hoch. Diese Erfahrungen werden extrem schnell verdrängt.
Was für diese höllischen Nahtoderfahrungen gilt, trifft allgemein auf Nahtoderfahrungen zu. Menschen reden selten darüber – und nicht nur, weil sie negativ sind. Wenn Menschen anfangen, ihre Erlebnisse zu beschreiben, merkt man förmlich, wie grandios das Erlebte ist. Ihnen fehlen oft die Worte. Niemand möchte für komisch gehalten werden, weil er etwas beschreibt, was er nicht in Worte fassen kann. Deshalb sprechen Menschen eher selten darüber. Man muss wirklich gezielt nachfragen.
Ich beziehe mich hier nur auf positive Nahtoderfahrungen. Ich hoffe, wir alle wollen auf der Seite des „toten Reichs“ herauskommen. Wenn man gezielt nachfragt, ähneln sich die Berichte. Das ist das Spannende. Es ist nicht so, dass jeder etwas ganz Eigenes erlebt, wie wenn man ins Kino geht und jeder seinen eigenen Film sieht. Bei der Auswertung der Erfahrungen stellt man fest, dass es große Überschneidungen gibt. Viele Menschen erleben Ähnliches.
Viele Menschen mit Nahtoderfahrungen verlassen den Körper, sehen und hören, was im OP-Saal geschieht. Man muss sich das so vorstellen: Du liegst da, bist klinisch tot, und deine Seele verlässt den Körper. Sie bewegt sich mehr oder weniger frei im Raum oder im Krankenhaus, sieht, was passiert, und kann es später beschreiben.
Eine der deutlichsten Erfahrungen, die ich gelesen habe: Eine Seele bewegt sich nach oben, bis oberhalb des Ventilators im Raum, sieht dort einen Aufkleber und kann diesen Aufkleber nach der Wiederbelebung beschreiben. Man kann ihn von unten nicht sehen, aber als Seele, die oben schwebt, schon. Das erleben viele Menschen.
Noch einmal: In diesem Zustand der Nahtoderfahrung erleben sich die Menschen weiterhin als Person. Das ist keine Einbildung, denn sie können Dinge mit großer Genauigkeit beschreiben, die sie eigentlich nicht hätten wissen dürfen. Sie berichten, wie sie selbst wiederbelebt wurden, wie an ihnen operiert wurde oder welche Gegenstände sich im Krankenhaus befanden. Diese Details sind so präzise, dass man nur sagen kann: Das geht nicht, du warst doch gar nicht dabei. Das geht weit über das hinaus, was du wissen konntest.
Ein zweites Phänomen, das mich sehr fasziniert, ist das Bewusstsein selbst. Etwa drei Viertel der Patienten beschreiben ein weit über das Normale hinaus aktiviertes Bewusstsein, also ein verbessertes Seh- und Hörvermögen. Jetzt denkt man vielleicht: „Ist ja schön, wenn ich keine Brille mehr brauche.“ Aber das ist viel mehr.
Es ist vor allem deshalb interessant und wichtig, weil es das genaue Gegenteil dessen ist, was man normalerweise erlebt, wenn das Bewusstsein verändert wird. Es gibt veränderte Bewusstseinszustände: Träumen, Drogenkonsum, Halluzinationen oder Psychosen. Bei all diesen Zuständen wird das Bewusstsein verändert, aber nie werden die Sinne geschärft. Man ist eher im Traum, nicht wacher, oder in der Psychose durcheinander und nicht klarer.
Nur bei Nahtoderfahrungen berichten die Menschen, dass sie in einem Maß hör- und sehfähig waren, wie nie zuvor. Fast so, als wäre die Seele unser Körper eine Art Einschränkung, und jetzt, wo die Seele herausgeht, kann sie endlich wirklich etwas erleben – ohne den „blöden“ Körper.
Das geht so weit, dass ich euch etwas völlig Verrücktes erzählen möchte: Blindgeborene machen eine Nahtoderfahrung und können währenddessen die Menschen im OP-Saal beschreiben. Sie beschreiben Personen, die sie nie zuvor gesehen haben, und was diese anhaben.
Jetzt denkt man vielleicht: „Na ja, was ist daran so besonders?“ Die Mediziner unter euch wissen, wann sich das Sehzentrum entwickelt. Es entwickelt sich nach der Geburt durch Sehen. Wenn man kleinen Kindern die Augen abklebt – kennt ihr das, wenn Kinder schielen? Dann muss man das stärkere Auge abkleben, damit sich das schwächere Auge entwickelt. Das Sehzentrum im Gehirn entwickelt sich also in den Monaten nach der Geburt.
Wenn du blind geboren bist und von Anfang an nichts siehst, hast du kein Sehzentrum. Wenn so jemand stirbt und eine Nahtoderfahrung macht, sieht er plötzlich. Es gibt eine Geschichte, in der eine Frau zum ersten Mal ihre Mutter sieht und diese beschreibt. Allerdings ist die Erfahrung sehr beängstigend und faszinierend, was da möglich ist.
Über die Hälfte der Patienten trifft während einer Nahtoderfahrung auf verstorbene Menschen. Ich möchte euch eine Geschichte erzählen: Ein kleiner Junge stirbt und trifft während seiner Nahtoderfahrung auf seine Schwester. Er wird wiederbelebt und bringt seinen Eltern Grüße von seiner Schwester mit.
Das wäre an sich schon nett, wenn die Eltern nicht wüssten, dass sie noch nie mit dem Jungen über die verstorbene Schwester gesprochen haben. Sie dachten, sie würden später darüber reden, wenn er mit dem Tod besser umgehen kann – aber jetzt noch nicht. Doch der Junge ist lebendig und sagt: „Ich bringe euch Grüße mit.“ Und nicht nur das: Er kennt den Namen der Schwester, von der er nie gehört hat.
Solche Geschichten faszinieren mich und machen Lust, weiterzulesen. Man könnte noch viel mehr erzählen, aber dafür fehlt mir jetzt die Zeit. Ihr müsst selbst ein bisschen recherchieren. Es macht Spaß, sich damit zu beschäftigen.
Man könnte auch davon sprechen, dass Menschen durch einen Tunnel gehen. Etwa die Hälfte der Menschen mit positiven Nahtoderfahrungen beschreibt einen Ort, der für mich ziemlich nach Paradies klingt. Nicht Garten Eden, sondern Paradies, wie es in der Offenbarung beschrieben wird. Manche beschreiben sogar eine Stadt, die an Offenbarung 21 erinnert. Das ist absolut beeindruckend.
Und das sind keine Christen, die das beschreiben. Es sind Menschen aus verschiedenen Kulturen. Es ist nicht so, dass ein evangelikaler Christ stirbt und dann seine eigenen religiösen Vorstellungen beschreibt. Das hätte mich auch nicht sonderlich fasziniert.
Was ebenfalls großartig ist: Diese Nahtoderfahrungen führen bei vielen Menschen zu einer Veränderung ihres Lebens. Dreiviertel der Menschen, die eine Nahtoderfahrung machen, werden wieder lebendig und räumen ihr Leben komplett auf. Sie fangen quasi neu an, ihr Leben anders zu leben.
Das unterscheidet sich sehr von anderen Erfahrungen, wie etwa Drogenkonsum. Drogen beeinflussen den Verstand, aber niemand kommt nach Drogenkonsum zu Bewusstsein und sagt: „Jetzt muss ich mein Leben aufräumen.“ Im Gegenteil, oft denkt man: „Wo kriege ich neue Drogen her?“ Bei Nahtoderfahrungen ist das ganz anders.
Die Menschen kommen zurück mit einem anderen Bewusstsein vom Leben. Sie haben ein anderes Gespür dafür, was wichtig und richtig ist. Ich glaube, das liegt an dem Besten, was man bei einer Nahtoderfahrung erleben kann. Viele Berichte gehen in die Richtung, dass Menschen einem Licht begegnen, das Liebe ist, oder dass sie einem Gott begegnen, der Licht und Liebe ist.
Jetzt wird es spannend: Diesem Gott, der Licht und Liebe ist, begegnen Menschen über Kulturgrenzen hinweg. Ein Inder erlebt während einer Nahtoderfahrung nicht das, was er erwarten würde. Er trifft nicht auf Krishna mit blauer Haut oder auf Shiva mit drei Augen, sondern auf ein Lichtwesen, von dem ein ungewöhnlicher Friede ausgeht.
Das ist das, was die Menschen beschreiben: etwas, das eigentlich nicht in ihr eigenes Konzept passt. Dinge wie Reinkarnation oder die Befreiung der Seele aus dem Rad der Wiedergeburt spielen bei Nahtoderfahrungen keine Rolle.
Ein Fünftel aller Menschen, die eine Nahtoderfahrung machen, können explizit beschreiben, dass sie Jesus begegnet sind. Sie wissen, dass es Jesus ist – detailgetreu bis zu den Malen an den Händen.
Ein kleiner Einschub: Kein einziger Moslem begegnet während einer Nahtoderfahrung Mohammed. Es gibt keine konsistente Tendenz, immer genau der religiösen Figur zu begegnen, die man kennt. Wenn man einer religiösen Figur begegnet, ist es oft Jesus – sehr spannend.
Und wisst ihr, was dieser Gott, der Licht und Liebe ist, mit einigen dieser Menschen macht? Er führt mit ihnen einen Lebensrückblick durch. Er geht mit ihnen ihr Leben durch und fragt: „Wie hast du gelebt?“
Man kann sich anschauen, worum es bei diesem Lebensrückblick geht. Es ist immer dasselbe Thema, das im Mittelpunkt steht: Liebe. Die Frage lautet: Hast du geliebt? Hast du die Möglichkeiten, die du hattest, genutzt, um andere Menschen zu lieben und ihr Leben zu bereichern? Hast du dich in ihr Glück investiert?
Das ist der Schwerpunkt, den Menschen beschreiben, die so eine Erfahrung machen. Wenn es einen Lebensrückblick gibt, dann ist die Frage nicht: Wie gut hast du wirtschaftet? Was hast du erlebt? Wo warst du im Urlaub? Die Frage ist immer: Wie habe ich Liebe gelebt?
Als Christ lese ich das und denke: Das passt. Markus 12 sagt: Was ist das größte Gebot? Da heißt es: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen lieben, mit deiner ganzen Seele, deinem ganzen Verstand und mit deiner ganzen Kraft.“ An zweiter Stelle steht: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.
Jesus selbst verschärft das noch und sagt: „Ihr sollt andere lieben, wie ich euch geliebt habe.“ Das ist das Neue Testament. Liebe andere so, wie ich dich geliebt habe, als ich für dich am Kreuz gestorben bin. Das ist das, was Gott will.
Und jetzt treffen Menschen in einer Nahtoderfahrung auf eine Person, die ziemlich nach Jesus aussieht, oder auf einen Gott von Liebe und Licht, und dieser stellt die Frage: „Hast du geliebt?“ Da fühle ich mich als Christ ganz schön bestätigt. So ging es mir jedenfalls. Ich fühlte mich ziemlich bestätigt – das kann ich nicht anders sagen.
Ermutigung trotz biblischer Zurückhaltung
Und so kommen wir zu dem dritten Punkt, den ich euch weitergeben möchte. Warum ist das Ganze für mich wichtig, obwohl es ein Thema ist, zu dem die Bibel eigentlich nichts sagt? Natürlich kann ich in die Bibel Nahtoderfahrungen hineininterpretieren. Vielleicht ist es so, wenn Paulus diese kryptischen Dinge in 2. Korinther Kapitel 12 sagt, wo er – oder doch nicht er – im Paradies oder irgendwo war, dass das eine Nahtoderfahrung war.
Paulus hat ja genügend Erfahrungen gemacht, bei denen er fast gestorben wäre. In Lystra wurde er gesteinigt, man hielt ihn für tot, warf ihn vor die Stadt, und er stand wieder auf. Vielleicht war das eine Nahtoderfahrung. Aber eigentlich schweigt die Bibel über dieses Thema.
Warum ermutigt mich das dann? Ich war selbst überrascht. Du liest, und während du liest, passiert etwas in dir. Du denkst dir: Wow, das hat mir gutgetan, mich damit zu beschäftigen. Und keine Angst, ich weiß schon: Auch wenn es Bücher gibt, die sagen, wie der Himmel ist, ist jemand, der eine Nahtoderfahrung macht, natürlich nicht im Himmel. Der neue Himmel und die neue Erde beziehungsweise die Hölle gibt es noch nicht. Wir warten noch auf eine Neuschöpfung, wir warten noch auf das endgültige Gericht – das ist alles Zukunft.
Das, was die Leute beschreiben, ist, wenn überhaupt, ein Blick ins Totenreich. Aber bereits das Totenreich hält für uns Gläubige ganz, ganz viel Trost bereit. Ich mache das gerade in meinem Podcast, vielleicht ist es euch aufgefallen, wir sind gerade bei Lukas 16. Dort ist genau so eine Szene beschrieben, Lukas 16, Verse 22 und 23:
„Es geschah aber, dass der Arme starb“ – das ist das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus, vielleicht auch eine Beschreibung davon. Es wird sehr detailliert darüber berichtet: „Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sah er Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß.“
Lazarus ist in Abrahams Schoß. Das ist ein Ort der Freude, des Trostes, des Angekommenseins und der Erfüllung. Der reiche Mann, der unbarmherzig war und sich ein Leben lang nicht um den armen Lazarus kümmerte, der quasi vor den Toren seiner Villa lag, findet sich an einem Ort der Qual wieder.
Wir merken: Bereits das Totenreich ist zweigeteilt. Das heißt, wenn du tot bist und auf der anderen Seite ankommst, weißt du um dein Schicksal. Du brauchst danach nicht mehr zu raten, wohin es geht. Du wirst es in dem Moment wissen. Du wirst dich wiederfinden an einem Ort des Trostes, wo Gott dir begegnen wird und sagen wird: „Hey, hier bist du sicher, hier ist es gut für dich.“ Oder du wirst dich an einem Ort der Qual wiederfinden.
Es ist diese schöne Seite, die der Herr Jesus am Kreuz hängend dem bußfertigen Mitgekreuzigten mitgibt. Wenn er in Lukas 23 sagt: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Merkt ihr? Paradies ist die gute Seite des Totenreiches. Da müssen wir hin, da wollen wir hin.
Und dann gibt es die andere Seite, wo die Bibel sagt: Komm da besser nicht hin, spar dir das. Pass auf, dass du in diesem Leben die richtigen Entscheidungen triffst, damit du nicht auf der falschen Seite aufwachst.
Ich gebe zu, dass mich diese Berichte vom Paradies sehr berührt haben. Ich habe sie gelesen, und sie waren so tröstlich. Ich muss euch erklären, warum sie mich getröstet haben. Das ist erst einmal komisch, denn eigentlich müsste es doch reichen, die Bibel zu lesen.
Ich habe euch ein Bild mitgebracht, damit ihr mich versteht: Ich gehe gern mit meiner Frau italienisch essen. In Haselhorst gibt es tatsächlich so etwas wie einen Geheimtipp. Wenn du gerne italienisch essen gehst, frag mich nach der Predigt.
Nun könnte man diesen Geheimtipp auf zwei Arten kennenlernen: Du könntest auf Google Maps gehen und die Bewertungen lesen. Dort steht dann zum Beispiel: „Umwerfender kleiner Weinladen mit Feinkost und großartiger Gastronomie. Wir sind regelmäßig dort. Das Essen, der Wein und alles rundherum sind außergewöhnlich ansprechend und lecker, uneingeschränkt empfehlenswert.“
Das kannst du lesen, oder du fragst mich. Und ich schwärme dir ein bisschen von der Pinza vor, die sie dort machen. Pinza ist etwas Ähnliches wie Pizza, aber nicht dasselbe. Ich würde dir vom netten Service erzählen, von den Tischen draußen mit Blick auf die Havel. Ich würde dir vom Vitello Tonnato vorschwärmen und von den Weinen – hey, es ist eine Weinhandlung, da muss ich eigentlich nichts sagen, oder?
Ich würde einfach ein bisschen vorschwärmen. Und wenn ich in diese Berichte der Nahtoderfahrungen hineinschaue, dann ist das für mich ein bisschen so: Die Bibel ist wie die Google-Rezension. Sie ist wahr und toll, aber da berichtet jemand, macht ein bisschen was, erlebt Sachen, schnüffelt irgendwo rein, probiert etwas und denkt sich: Wow, da ist es mir fast egal, ob das genau so bei mir sein wird. Aber da kommt etwas rüber, so ein Vibe, wo du sagst: Yeah, das will ich.
Deshalb diese Predigt.
Für alle Kritiker, die jetzt hier sitzen und sich fragen, wie man eine Predigt über Nahtoderfahrungen halten kann: Ich weiß, dass all das Erlebte sehr subjektiv ist, wenn es um die Bewertung geht, ist mir das völlig klar. Mein Weltbild entscheidet natürlich stark darüber, wie ich das Erlebte interpretiere.
Wenn ein Esoteriker eine Begegnung mit einem Licht hat, von dem Frieden ausgeht, deutet und interpretiert er das anders als ich. Und jetzt kannst du dich fragen: Ist das nicht gefährlich, wenn Gott so jemanden so etwas erleben lässt?
Ich sage: Na ja, ich würde mal sagen, es ist nicht gefährlicher als all das Gute, das Gott jeden Tag dem Menschen schenkt. Versteht ihr? Das ist auch nur eine andere Form von Güte, mehr nicht.
Gott lässt jeden Tag die Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte. Was du daraus machst, ob du hinter der Sonne den Schöpfer der Sonne siehst oder einfach nur sagst: „Hey, warm, schön“, das bleibt dir überlassen.
Aber könnten diese Erfahrungen nicht auch dämonischen Ursprungs sein? Auch hier kann ich nicht in letzter Konsequenz für alles, was berichtet wurde, das ausschließen. Wir brauchen da noch mehr Forschung. Ich will ganz ehrlich sein: Man muss mit anderen Fragestellungen rangehen, um das endgültig für alles ausschließen zu können.
Ich gebe offen zu, dass ich nicht einmal ein Problem damit hätte, wenn einige dieser Berichte gar nicht wahr sind, wenn sich jemand sie einfach nur ausgedacht hat.
Jetzt fragst du dich vielleicht: Warum hast du damit kein Problem? Und vielleicht überfordere ich dich jetzt, aber jetzt kommt bei mir der Naturwissenschaftler durch. Jetzt kommt der Typ durch, der sagt: Statistische Signifikanz.
Habe ich nur ein, zwei, drei Berichte, also Einzelgeschichten, die aufgeblasen werden, jemand macht dazu ein Video, und das findet dann auf YouTube in einer Echokammer tausendfache Verstärkung, dann wäre ich auch ganz vorsichtig. Damit kannst du mich jagen.
Aber wenn wir fünf Berichte nebeneinanderlegen und Statistik machen, dann fallen diese ganzen anderen Sachen raus. Dann bleibt in der Mitte etwas stehen, wo ich sage: Du bist für mich – nicht als Theologe, ich glaube, ich stehe hier heute mehr als Naturwissenschaftler – für mich als Naturwissenschaftler wird das spannend.
Ich denke mir: Wow, ist das nicht großartig? In den letzten 30 Jahren sind Leute aufgestanden mit so einem Hardcore-Atheismus, die nichts weiter behaupten als, dass wir nur Materie sind. Und in der gleichen Zeit schenkt uns Gott auf der anderen Seite so ein paar Ideen, dass wir genau das Gegenteil sein könnten.
Das macht mir einfach nur Spaß, versteht ihr? Da kann ich als Christ nur feiern und sagen: Gott gibt mir die Munition in die Hand, mit der der neue Atheismus mir quasi die Beine wegziehen will, um ihm zu sagen: Nee, Freund, das, was du behauptest, stimmt einfach nicht.
Also ich bin an dieser Stelle einmal mehr darin bestärkt worden, den Weg mit Jesus weiterzugehen.
Und wie gesagt, wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was Leute im Zustand des klinischen Todes erlebt haben, dann will meine Seele dorthin.
Meinen Körper können die Würmer haben, ist mir völlig egal. Oder das Feuer ist mir auch egal. Ich will diesem Gott der Liebe begegnen, ich will Jesus sehen, ich will dieses andere Leben haben, von dem diese Leute berichten.
Es ist so anders, es fühlt sich so viel besser an, es fühlt sich erfüllender an, es scheint so viel reicher zu sein, dass all die, die wieder zurückgehen, in ihrem Bericht schreiben: Muss ich wirklich zurück?
Dann werden sie gefragt: Wollt ihr wieder zurück? Nein, nicht so, andersherum: Ihnen wird gesagt, ihr müsst wieder zurück. Und viele sagen: Nein, ich will nicht.
Das muss so gut da sein, und deswegen ...
Abschluss und Einladung zur Reflexion
Das ist kein biblisches Thema, okay? Und wenn du sagst, ich kann nichts damit anfangen, ja, das kann dir auch bei einer anderen Predigt passieren.
Aber vielleicht ist es etwas, das dich im Herzen berührt und wo du sagst: Wow, mein Wunsch wäre, lasst uns mit diesem Wissen, dass das Beste noch kommt – auch wenn manche Leute einen komischen Blick darauf werfen –, gemeinsam weiter Richtung Ewigkeit zu gehen. Lasst uns Liebe lernen, lasst uns Liebe leben, lasst uns Liebe zum Zentrum unseres Lebens machen!
Für alle, die hier sitzen und sagen: „Wow, ich weiß eigentlich noch nicht genau, auf welcher Seite ich rauskommen werde. Für diesen Gott, der Liebe und Licht ist, habe ich noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Da ist noch etwas offen in meinem Leben.“
Und wenn ich heute auf dem Weg nach Hause mit dem Motorrad verunfalle, dann weiß ich vielleicht nicht, wo ich die Augen aufmache – dort, wo der reiche Mann war, in diesem Ort der Qual, oder dort, wo Lazarus in Abrahams Schoß ist.
Wenn du so jemand bist, sprich mich an. Ich möchte dir gerne erklären, wie das ist mit dem Glauben, mit Jesus, mit Bekehrung und mit Nachfolge. Oder wende dich an die Leute, die hier sitzen, denen du vertraust und die genau diese Erfahrung gemacht haben: dass es sich in diesem Leben lohnt und auch im nächsten, Jesus zu vertrauen. Amen!
