
Das Christkind kommt?!
Liebe Gemeinde, ich möchte euch ganz herzlich begrüßen. Ebenso heiße ich alle Gäste willkommen, die heute hier sind.
Das erste Lied, das wir heute singen, heißt „Tochter Zion“. Am Ende des Gottesdienstes wird eine Kindersegnung stattfinden. Wie der Name schon sagt, ist es unser Anliegen, Gott um Segen für die Kinder zu bitten.
Heute ist der dritte Advent. In der Adventszeit bereiten wir uns auf Weihnachten vor. An Weihnachten feiern wir, dass Gottes Sohn als hilfloses Kind geboren wurde. Dreißig Jahre später sollte er am Kreuz für uns sterben.
All dies war notwendig, damit die Kinder, aber auch jeder von uns, wieder in eine Beziehung mit Gott, dem Vater, treten kann. Ich denke, es gibt keinen größeren Segen, als in einer intakten Beziehung zu Gott leben zu dürfen.
Eröffnung und Einstimmung auf den Gottesdienst
Ich möchte jetzt gerne gemeinsam mit uns aus dem Gottesdienst beten.
Herr Jesus, wir möchten dir danken, dass du ein Kind geworden bist, damit wir wieder in eine Beziehung zu dem lebendigen Gott treten dürfen. Wir danken dir auch für die Adventszeit und bitten dich von Herzen, dass wir wirklich mehr verstehen dürfen, wer du bist – das Kind in der Krippe.
Ich möchte dich außerdem bitten, die Predigt jetzt zu segnen. Schenke uns, dass unsere Herzen wirklich offen sind für dein Reden. Amen.
Als Nächstes wollen wir jetzt ein Kinderlied singen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass wir beim Singen die Maske tragen.
Nach diesem Kinderlied dürfen die Kinder in die Kinderstunde gehen. Sebastian wird dann hier vorne für die Predigt kommen.
Wir singen jetzt das Lied „Ich wollt, ich wär ein Hirtenbub gewesen“.
Beobachtungen und persönliche Eindrücke zum Gottesdienst
Du spielst ein schönes Lied auf meiner Flöte, wenn ich dir, Herr Jesus, heute singe, so laut ich kann. Ich hab dich lieb, will immer an dich denken, und ich weiß, du freust dich daran.
Ich habe fast den Verdacht, dass der Kindergottesdienst gerade besser besucht ist als der normale Gottesdienst – insgesamt eine schöne Menge. Schön, dass ihr da seid! Heute auch mal Grüße an alle auf der Couch, denn ich glaube, das sind doch relativ viele.
Gute Besserung an alle, die sie brauchen können. Schön, dass wir uns trotzdem über Gottes Wort zusammenfinden können.
Adventszeit und die Bedeutung des Wartens
Jetzt ist gerade wieder die Zeit, in der es bei uns zuhause am Morgen ein Ritual gibt. Ich vermute, dass es bei vielen Familien ähnlich ist, besonders bei Kindern, die irgendwo noch ein Stück Kind geblieben sind oder die sich über kleine Geschenke freuen.
Man möchte etwas, das an der Wand hängt, öffnen und sich daraus etwas herausholen – oft eine Schokolade oder, in exklusiveren Ausgaben, auch andere kleine Geschenke.
In unserer Gemeinde gab es kürzlich eine schöne Aktion für die Frauen. Dabei bekommt jede morgens ein Überraschungspäckchen, das sie öffnen und gespannt anschauen. Es ist wie ein Adventskalender.
In den letzten Jahren lief das bei uns so ab, dass der Papa noch zur Hilfe gerufen wurde, weil die Päckchen weit oben hingen. Jetzt muss Papa eher aufpassen, dass der Kalender nicht schon vor dem 24. Dezember leergefuttert ist und alles weg ist.
Warum gibt es eigentlich den Adventskalender? Weil die Kinder 24 Tage lang auf Weihnachten warten. Jeden Tag gibt es eine kleine Schokolade als Vorfreude auf das große Fest. Dabei hoffen alle, dass es dann noch ein paar mehr Geschenke gibt.
Alle warten eigentlich auf den 24. Dezember. In Franken und allgemein im süddeutschen Raum bringt in der Regel nicht der Weihnachtsmann oder Santa Claus die Geschenke, sondern das Christkind, wie es dort so schön heißt.
Die Frage nach dem Kommen des Christkinds
Deswegen stellt sich heute die Frage: Kommt das Christkind?
Gerade in dieser Zeit, in der wir unterwegs sind und Weihnachtsmärkte sowie viele andere Veranstaltungen abgesagt wurden, erscheint diese Frage besonders passend. Alle warten darauf, weil sie beschenkt werden möchten.
Wenn man älter wird, wünscht man sich vom Christkind vielleicht nicht mehr wie meine Jungs jetzt Lego Technik, Bruder Bulldogs oder Ähnliches. Stattdessen hofft man eher auf ein bisschen Gemütlichkeit, Zeit mit der Familie, Erholung und gutes Essen. Ein paar Plätzchen, ohne auf die Figur zu achten, gehören da für mich auch dazu.
Vielleicht hoffst du ja auch auf das Christkind, auf Weihnachten als ein Fest der Liebe. Ein Fest, um zur Ruhe zu kommen, Zeit mit den Liebsten zu verbringen, das Leben zu genießen und Frieden zu finden.
Nicht nur im persönlichen Umfeld, sondern auch in der Welt wünscht man sich Ruhe, Entspannung und eine Zeit, in der man vom Leben etwas mitnehmen kann.
Unterschiedliche Erfahrungen mit Weihnachten
Und dann gibt es ja auch die andere Fraktion, die Weihnachtsmuffel. Für sie bedeuten Geschenke mehr Stress als Genuss. Je nachdem, in welchem Beruf man tätig ist, ist die Adventszeit oft die stressigste Zeit des Jahres.
Vielleicht ist in deiner Familie auch nicht alles in Ordnung, und Weihnachten ist eben gerade nicht das Fest der Liebe und der Freude. Vielmehr ist es ein Fest, das ordentlich Zündstoff birgt und Potenzial für den nächsten großen Familienstreit und Crash bietet.
Und ja, was ich vorhin schon angedeutet habe: Irgendwie liegt zum zweiten Mal in Folge über der Weihnachtszeit eine ganz komische Stimmung. Das liegt an der Corona-Pandemie, die die Welt durcheinanderbringt. Vielleicht bringt sie auch das Zwischenmenschliche durcheinander. Jeder merkt irgendwo, dass wir vom Frieden ganz weit entfernt sind, dass sich Fronten eher verhärten, statt zusammenzuwachsen.
Vielleicht, wenn wir diesen Schmerz kennen, ist dieser Schmerz ein Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach mehr. Nach einer besseren Welt, nach Frieden. Eigentlich ist es auch irgendwo das Warten auf das Christkind, auch wenn man selbst vielleicht gar nicht mehr so daran glaubt.
Aber es ist das Warten darauf, dass irgendwie alles wieder in Ordnung kommt, dass das, was als Last über der Welt und über dem persönlichen Leben liegt, doch besser wird. Das ist das Warten auf das Christkind.
Ursprung und Bedeutung der Adventstradition
Warum tun wir das eigentlich?
Als kurze Randbemerkung: Das Ganze wurde im 16. Jahrhundert als eine etwas verzögerte Folge der Reformation eingeführt. Es war tatsächlich eine protestantische Tradition, bei der man sagen wollte, dass Christus – auch der Name Christkind – die Kinder beschenkt. Dabei sollten die Geschenke eigentlich nur ein Hinweis auf ein viel größeres Geschenk sein und an dieses erinnern.
Christus heißt auf Griechisch „der Retter“ oder im Hebräischen „Messias“. Vielleicht hat man das auch schon einmal gehört: „der Gesalbte“. Mit diesem Namen war die große Hoffnung des ganzen Volkes verbunden, die Hoffnung auf bessere Zeiten und ein besseres Leben.
Genau diese Hoffnung hatte das Volk Israel damals, in dessen Zeit Christus geboren wurde. Sie hofften darauf, dass das Leben irgendwann die Last verlieren würde, dass Frieden einkehren und alles besser werden würde.
Warum hatten sie diese Hoffnung mit dieser einen Person verbunden? Warum war das so präsent in ihrem Leben?
Das ist ganz einfach: Viele Propheten waren in diesem Volk unterwegs und hatten ihnen genau solche Verheißungen gegeben. Sie sagten voraus, dass einmal jemand kommen sollte – eine Person, die Ordnung schaffen und Frieden bringen würde.
Die Verheissung eines Friedensfürsten
Eine Verheißung davon können wir in Jesaja 9 nachlesen. Wir haben sie letzten Sonntag schon einmal kurz angeschaut: Jesaja 9, Verse 5 und 6. Das war eine der Verheißungen, die das Volk Israel hatte.
Dort heißt es, Jesaja schaut in die Zukunft und verkündet etwas, das noch kommen wird. Dabei spricht er jedoch quasi in der Gegenwart. Es heißt: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben. Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und er heißt Wunderrat, Gottheld, Ewig-Vater, Friedefürst.“ Seine Herrschaft wird groß sein, und des Friedens wird kein Ende sein auf dem Thron Davids und in seinem Königreich. Denn er wird Stärke und Schutz durch Recht und Gerechtigkeit bringen – von nun an bis in Ewigkeit. So wird es geschehen durch den Eifer des Herrn Zebaoth.
Hier war also eine Verheißung gegeben, dass jemand kommen wird, der vom Namen her schon der Friedefürst ist. Der Wunsch ist, dass auf seinem Thron, also in seinem Regierungskonzept, der Friede ganz groß geschrieben wird und dass dieser Friede kein Ende nimmt.
Diese Hoffnung zieht sich weiter durch das allerletzte Buch des Alten Testaments, das Buch des Propheten Maleachi. Dort sind viele Verheißungen immer wieder eingestreut, in denen Gott zusagt: Ja, dieser Messias, dieser Gesalbte, wird kommen, um Frieden zu schaffen. Er wird zu seinen Verheißungen stehen.
Die lange Wartezeit und die Situation Israels zur Zeit Jesu
Nach dem Propheten Maleachi geschah über 420 Jahre lang nichts mehr. Diese Zeitspanne war die Situation, in der das Volk Israel um die Zeitenwende stand. Die Zeitenwende bezeichnet den Übergang der Zeitrechnung von vor Christus auf nach Christus.
Seit über 420 Jahren hörte man nichts mehr von Propheten, keine Botschaft mehr von Gott. Die Verheißungen waren vorhanden, doch alles sah ganz anders aus, als würde sich etwas erfüllen. Israel stand unter Fremdherrschaft, damals von den Römern, und wurde als Volk zweiter Klasse behandelt. Es wurde unterdrückt und unterjocht, ohne Hoffnung.
Trotzdem wartete dieses Volk irgendwie auf einen Befreier. Vielleicht vergleichbar mit dem Warten mancher Kinder heute auf das Christkind. Die Hoffnung war, dass irgendwann jemand kommt, der diese Last vom Volk nimmt, die Fremdherrschaft beendet, in diesem Fall die Römer aus dem Land vertreibt und ein Friedensreich errichtet.
Mit dieser Hoffnung war ein Name verbunden: ein König, der mit gezogenem Schwert die Schlachtreihen entlangreitet, das Volk eint und in die Freiheit führt. Wer gerne Filme schaut, kennt vielleicht solche Szenen. Zum Beispiel in Braveheart, wo der junge Mann vor der Schlachtreihe steht und ihnen erklärt, warum es sich lohnt, jetzt für die Freiheit Schottlands zu kämpfen.
Er scheiterte zwar, aber wenn ihr diese Szene kennt, schaut sie euch vielleicht mal auf YouTube an. Sie weckt wirklich Hoffnung. Und genau das, glaube ich, war es, wonach sich Israel sehnte: nach so einem starken Mann, der sie einen würde, mit ihnen in den Krieg zieht und sie in die Freiheit führt, sie befreit.
Ich glaube, diese Sehnsucht ist auch tief in uns verankert.
Die menschliche Sehnsucht nach einem Retter
Jedes gute Märchen, jeder gute Film hat irgendwo diesen Helden – den Helden, der die Welt rettet und alles wieder in Ordnung bringt. Das ist der Prinz, der am Ende kommt und Schneewittchen rettet oder Dornröschen aus dem Schlaf küsst, oder was auch immer.
Wir sehnen uns danach, dass irgendwann alles wieder gut wird. Wir haben Sehnsucht nach Menschen wie Robin Hood, der für die Armen kämpft und für Freiheit eintritt. Viele Hoffnungen setzen wir in Politiker und andere Menschen, weil wir denken, dass sie alles irgendwann gut machen werden.
Warum hatten wir als Menschheit so große Hoffnungen, zum Beispiel in Persönlichkeiten wie Martin Luther King oder Nelson Mandela? Wir hofften, dass mit ihnen alles besser werden würde. Vielleicht projizieren wir diese Hoffnung auch auf andere Menschen und erwarten Rettung von ihnen.
Uns geht es nicht viel anders als den Juden damals. Auch wir wünschen uns einen Superhelden, der alles klärt. Wir sehnen uns nach einem guten König – einem König, der die Probleme unseres Volkes und vielleicht der ganzen Welt anpackt und in Ordnung bringt.
Die Geburt Jesu als Erfüllung der Hoffnung
In dieser Situation, in der Israel diese Sehnsucht hatte – vielleicht hattest du sie auch –, kommt die Geburt von Jesus hinein. Dazu wollen wir uns jetzt einige Verse aus Lukas 2 ansehen.
In Lukas 2,8 heißt es: In der gleichen Nacht hielten einige Hirten draußen auf dem freien Feld Wache bei ihren Herden. Plötzlich trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und das Licht der Herrlichkeit Gottes umstrahlte sie. Sie erschraken sehr und hatten Angst.
Doch der Engel sagte zu ihnen: „Ihr müsst euch nicht fürchten, denn ich bringe euch eine gute Nachricht, über die sich das ganze Volk freuen wird. Heute Nacht ist in der Stadt Davids euer Retter geboren worden. Es ist der Messias, der Herr. Ihr werdet ihn daran erkennen, dass ihr ein Kind findet, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt.“
Plötzlich waren sie von ganzen Herrscharen des Himmels umgeben, die alle Gott lobten und riefen: „Ehre und Herrlichkeit Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, auf denen sein Wohlgefallen ruht.“
Als die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: „Kommt, wir gehen nach Bethlehem und sehen uns an, was da geschehen ist, was der Herr uns sagen ließ.“
Schnell brachen sie auf und fanden Maria und Josef und auch das Kind, das in der Futterkrippe lag. Als sie es gesehen hatten, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Alle, mit denen sie sprachen, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten berichteten.
Maria aber bewahrte das Gehörte in ihrem Herzen und dachte immer wieder darüber nach.
Die Hirten gingen dann wieder zu ihren Herden zurück. Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Es war genau so gewesen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte.
Die Bedeutung der Hirtenbotschaft
Die meisten haben die Geschichte schon einmal irgendwo gehört. Wahrscheinlich ist sie eine der bekanntesten Erzählungen aus der Bibel: die Weihnachtsgeschichte mit den Hirten auf dem Feld, die die Botschaft von den Engeln erhalten.
Vielleicht ist uns die Bedeutung dieser Nachricht für die Hirten gar nicht mehr bewusst. Das Volk hatte über Jahrhunderte darauf gewartet, dass der Messias kommt – dieser eine Retter, dieser Superheld, der das Volk in Freiheit führen würde. Und genau diese Botschaft erhalten die Hirten jetzt: Der Messias ist geboren.
In Vers 11 heißt es: „Heute Nacht ist in der Stadt Davids euer Retter geboren, es ist der Messias.“ Hinter dieser Aussage steckt eine große Botschaft. Die Engel sagen nämlich: Es ist genau der, der euch seit Jahrhunderten verheißen wurde, um sein Volk zu retten.
Das war nicht einfach nur eine nette Szene, die wir in Krippenspielen nachstellen. Das war sensationell: Der Retter ist da, endlich! Er ist da, um euch in die Freiheit zu führen – der Befreier.
Die Hirten gehen also zu dem Ort, an dem das Kind geboren wurde. Was finden sie vor? Ein Kind in der Krippe. Das wirkt zwar schön romantisch, war aber wahrscheinlich eher ein stinkender Stall – ein Ort, an dem man wohl kaum ein Kind auf die Welt bringen möchte. Anna, kurz davor, das ist wahrscheinlich nicht der bevorzugte Ort für eine Geburt.
Das Kind ist klein, hilflos und völlig verarmt. Soll das der Retter sein? Soll das derjenige sein, der seit Jahrhunderten verheißen wurde, Israel zu retten? Dieses Kind in der Krippe, in diesem stinkenden Stall, ist eine große Herausforderung für jeden realistischen und vernünftigen Menschen.
Wie kann dieses Kind der Retter der Welt sein? Passt dieser Ort zum König? Passt er zu diesem großen Messias, zu diesem Retter Israels? Und warum werden gerade die Hirten informiert? Wäre es nicht besser gewesen, Generäle oder andere einflussreiche Personen zu benachrichtigen, die ihn bei seiner Mission hätten unterstützen können?
Warum gerade die Hirten? Das ist eine Herausforderung, das zu glauben. Ich denke, es war für die Hirten erst einmal eine große Herausforderung, und ganz sicher war es auch für die Klugen und Schlauen der damaligen Zeit schwierig zu verstehen.
Und diese Herausforderung besteht auch heute noch – für die Klugen und Schlauen unserer Zeit.
Die Lebensgeschichte Jesu als Herausforderung
Wenn wir das Leben dieses Kindes weiter betrachten, wird die Herausforderung eher größer als kleiner. Denn wir sehen wenig Anzeichen dafür, dass es eine große Anhängerschaft hinter sich versammeln konnte. Im Gegenteil: Schon als Kind muss es mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen, weil der regierende König in Israel ihn töten lassen will. Dieser König veranlasst sogar einen Massenmord an den Kindern Bethlehems, nur um ihn zu vernichten.
Das Kind wird von einem großen Teil des Volkes abgelehnt. Nach seinem Tod wird es noch viel mehr verachtet, besonders von den Führern des Volkes. Sein eigenes Volk, das er befreien will, bringt ihn als Schwerverbrecher ans Kreuz – für Vergehen, die er nie begangen hat. Er stirbt durch eine Hinrichtungsmethode, die für die schlimmsten Verbrecher reserviert ist.
Wo ist dieser Befreier der Welt? Er ist ganz anders, als Israel es erwartet hat. Es ist ein Retter, der keine Ehre sucht. Dort, wo er zum König gemacht werden soll, geht er hin – doch am Ende hängt er als König am Kreuz. Es scheint, als habe er nicht die Befreiung gebracht, die man sich erhofft hatte. Vielleicht hat er niemanden gerettet.
Auch heute, in unserer Zeit, ist die Botschaft, dass mit Christus der Retter in die Welt gekommen ist, für alle, die die Welt realistisch betrachten, eine große Herausforderung. Denn jeder merkt, dass die Welt nicht wirklich in Ordnung ist. Jeder spürt die Probleme am eigenen Leib.
Wo ist also dieser Retter? Wo ist das, was in den letzten zweitausend Jahren geschehen ist, das die Welt besser oder gut gemacht hätte?
Jesus als Retter der Verlorenen
Und jetzt ist das Interessante, wenn wir das Leben von diesem Kind in der Krippe, von Jesus, weiterverfolgen: Er ist diesen Weg scheinbar ganz bewusst gegangen. Er hat ihn ganz bewusst so gesucht.
Er beruft zum Beispiel auch einen Herrn Lotri, wie wir sagen würden, zu einem seiner Jünger, zu einem seiner engsten Nachfolger, zu einem, der in seinem engsten Kreis ist. Zacchaeus heißt der. Er war ein Zöllner. Das waren damals die Verachtetsten in Israel. Er hat mit den Römern Geschäfte gemacht und oft ordentlich in die eigene Tasche gewirtschaftet. Und so ein Berufener für sich.
Da sind auch wieder alle klugen, schlauen und führenden Menschen des Volkes sofort an der Stelle und sagen: Wie kann der sich mit dem einlassen? Der geht bei dem sogar zum Essen. Sie sind völlig schockiert.
Jesus hat eine Antwort für sie. Die können Sie in Lukas 19, Vers 10, nachlesen. Dort antwortet Jesus diesen Leuten: „Der Menschensohn“, ein anderer Name für ihn, „ist gekommen, um Verlorene zu suchen und zu retten.“
Also wählt er sich bewusst diese Armen, Schwachen und Kranken aus, die selbst verloren sind. Die will er retten.
Und das wollen wir Menschen natürlich nicht sein. Das wollten die Menschen damals nicht sein, und das wollen wir heute auch nicht: verloren, krank.
Ich brauche doch niemanden, der mich von meinen Problemen befreit, ich brauche jemanden, der mich von meinen Umständen befreit.
Das, was Israel damals erhofft hat, war, jemanden zu bekommen, der sie von ihren Umständen befreit – von den Römern, von den bösen Nachbarn, von den Unterdrückern. Davon müssen sie gerettet werden, aber doch nicht von sich selbst.
Das haben sie selbst in der Hand. Und die meisten im Volk Israel haben damals das eigentliche Problem nicht erkannt. Sie haben jemanden für die Umstände gesucht.
Und wir suchen heute, glaube ich, auch jemanden für die Umstände.
Wir suchen jemanden, der uns vielleicht ein bisschen mehr Geld verschafft, um uns von einer vermeintlichen Armut zu retten. Wir suchen jemanden, der uns von Krankheit rettet. Wir suchen jemanden, der uns von anderen Menschen um uns herum rettet. Wir suchen jemanden, der uns von unseren Nachbarn rettet und vielleicht jemanden, der uns von den Politikern rettet.
Was auch immer du denkst und meinst, dort liegt unsere Hoffnung.
Aber wir sehen genauso wie die Menschen damals am eigentlichen Problem vorbei, nämlich daran, dass man selbst Teil des Problems ist.
Dass das Problem eben nicht einfach nur die Umstände sind, sondern das eigene Leben.
Dass das Problem ist, dass ich, wenn ich ehrlich bin und Rechenschaft ablege über mein Leben, mein Leben selbst nicht so gelebt bekomme, wie ich es leben sollte und wie ich es vielleicht sogar gerne leben würde.
Dass ich daran scheitere, dass ich sogar an meinen eigenen Maßstäben scheitere und vielleicht an denen, die gut und richtig sind, noch viel mehr scheitere.
Dass das Problem ist, dass ich mit meinen Mitmenschen oft nicht so umgehe, wie ich umgehen sollte und wie ich es eigentlich gern tun würde.
Wer hat nicht vielleicht seiner Frau oder seinem Mann gegenüber schon Worte geäußert, die man eigentlich gar nicht sagen wollte, die man selbst danach vielleicht bereut hat, sich geärgert hat?
Oder sein Bruder, seine Schwester, Menschen, die man vielleicht liebt, weil man eigentlich weiß, ich will dem Menschen Gutes tun. Und dann nimmt man sich vor: Das passiert mir nicht wieder. Und dann, zack, ist es schon passiert.
Einmal schlecht gelaunt aufgestanden und schon wieder losgelegt.
Wer kennt das nicht und scheitert daran, dass die Wurzel des Problems nicht einfach nur die anderen Menschen sind? Sie ist viel tiefer.
Ich bin das Problem.
Und weil das das Problem von jedem Menschen irgendwo ist, gibt es so viele Probleme, wenn Menschen aufeinandertreffen.
Das ist, was die Bibel letztendlich auch Sünde nennt.
Sie redet davon, dass Gott den Menschen an sich gut geschaffen hat und ihm alles mitgegeben hat, um gut zu leben.
Das ist es, dass Gott den Menschen geschaffen hat.
Aber wir Menschen haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, so zu leben.
Wir haben uns bewusst gegen Gott gewandt, haben ganz bewusst gesagt, dass wir ihn nicht als König brauchen, und sind bis heute davon überzeugt, dass wir unser Leben selbst besser leben können, als Gott es gedacht hat.
Die Bibel beschreibt das ganz am Anfang mit dem Sündenfall.
Dort drücken wir Menschen nichts anderes aus, als dass wir sagen: Wir wissen es besser. Wir wissen besser, wie wir leben sollen.
Und seitdem erleben wir eine Menschheitsgeschichte, die davon geprägt ist, wie es aussieht, wenn wir Menschen meinen, ohne Gott besser leben zu können.
Krieg, Streit, Mord, Lügen, Betrug, Verletzungen sind zutiefst Ausdruck davon.
Sie bringen zum Vorschein, was Sache ist, weil wir Tag für Tag aneinander schuldig werden.
Und das Tragische ist, dass wir ähnlich wie Israel dieses Problem nicht wirklich wahrhaben wollen.
Wir sehnen uns nach einem Problemlöser, weil wir denken, er würde die Umstände ändern.
Aber wir wollen gar nicht wissen, wovor uns der Problemlöser eigentlich retten muss.
Wir sehnen uns nach einem König, aber sein Regierungsprogramm wollen wir nicht ernst nehmen.
Mit dem können wir nichts anfangen.
Im Gegenteil, wir werden sogar an diesem König selbst schuld, weil wir ihn ablehnen, weil wir seinen guten Plan für unser Leben ablehnen.
Israel hat Jesus damals bewusst abgelehnt, und das tun wir heute auch Tag für Tag.
Wir wollen ihn nicht als König haben, obwohl er ein total liebevoller König ist und eben gerade kein Tyrann.
Obwohl er mit seinem ganzen Leben bewiesen hat, dass er wirklich in der Lage ist, ein Friedensreich zu schaffen.
Und was wir Menschen damit letztendlich zum Ausdruck bringen, ist eine Rebellion gegen diesen König.
Wir sind es, die Feindschaft suchen mit diesem König.
Sie geht nicht von ihm aus, sondern von uns.
Er bietet ein Friedensreich an, wir wollen aber gar nicht Teil davon sein.
Denn dieses Friedensreich passt nur – oder in dieses Friedensreich passt nur, wer sich von seinen eigenen Problemen retten hat lassen.
Das, was die Bibel letztendlich Sünde nennt: dass wir Menschen gegen diesen Retter leben, dass wir Menschen gegen Gott stehen, dass wir Menschen selbst Tag für Tag nicht leben, wie es eigentlich richtig ist.
Und dass wir davon in allererster Linie Rettung brauchen.
Dieses Problem erkennt dieser Messias und packt es deshalb an der Wurzel an.
Deshalb wird er wirklich zum Retter.
Warum? Weil er ans Kreuz geht.
Und sein Leben eben nicht entlang der Schlacht führt, um ein Volk in die Freiheit zu führen, das das Friedensreich selbst wieder zerstören würde, weil sie nach wie vor leben würden wie zuvor.
Sondern weil er erkennt, dass zuerst diese Schuld ausgelöscht werden muss.
Weil diese Menschen ein neues Herz brauchen, verändert werden müssen.
Deshalb stirbt Jesus selbst, bezahlt und macht den Weg frei, dass wir Teil seines Volkes werden können, seines Friedensreiches, wo er in Freiheit führt.
Er will am Kreuz nicht unsere Probleme, unsere Umstände lösen.
Sondern er will die Wurzel verändern, deine Schuld bezahlen, die Trennung, die zwischen ihm und uns bestanden hat, wegnehmen und den Weg freimachen.
Die Bedeutung der Hirten als erste Empfänger der Botschaft
Ich glaube, dass er deshalb zu den Hirten kommt, weil sie bereit für diese Botschaft waren. Ich denke, sie hatten eher das Gefühl, einen persönlichen Retter zu brauchen.
Im Gegensatz dazu standen die Herren der Paläste und Reichen, die zunächst an sich selbst dachten und an die Veränderung, die sie selbst brauchen.
Für die Hirten ist es deshalb eine große Botschaft, dass dieser Retter geboren wurde. Sie können mit großer Freude weglaufen, sich freuen und Gott dafür ehren und loben, weil ihr Retter da ist.
Für sie ist die Botschaft klar: Ja, das Christkind kommt – nein, es ist schon gekommen! Die großen Fragezeichen, die Israel bewegten, sind für sie gelöst.
Für die Hirten hat dieses Christkind das größte Geschenk gebracht, das es je gab: sich selbst, um für sie ans Kreuz zu gehen.
Weihnachten als Fest der Freude und Versöhnung
Und deshalb nennen wir Weihnachten ein Fest der Freude, weil dieser wahre König kommt, um sein Volk zu retten. Er kommt, um sich mit seinem Volk zu versöhnen und das wahre Problem anzugehen: die Macht der Sünde, die alles kaputtmacht und letztendlich auch diese Welt zerstört.
Er weiß, dass es nichts bringt, wenn er nur ein paar Menschen irgendwie anführt und den Krieg gewinnt. Denn diese Menschen würden innerhalb kürzester Zeit wieder zu einem Volk werden, das sich entzweien, streiten und miteinander kämpfen würde. Deshalb weiß er, dass er zuerst die Menschen verändern muss, bevor mit ihnen ein Friedensreich gebaut werden kann.
Das Problem des Einzelnen muss zuerst angegangen werden. Und genau das tut Jesus mit seinem ganzen Leben. Das Christkind kommt anders, als erwartet – anders, als du es dir vielleicht vorstellst. Jesus will, wenn er für dich kommt, sich um dein Leben kümmern, um deine persönliche Schuld.
Die Frage für dich ist: Was erwartest du dir von Jesus Christus? Erwartest du ein paar schöne Geschenke, den großen Sozialrevolutionär, jemanden, der endlich die Welt in Ordnung bringt? Oder erwartest du jemanden, der dich ganz persönlich rettet, der dich von Schuld befreit und dein Leben verändert, sodass du Teil sein kannst von dem wirklichen Friedensreich?
Siehst du, dass Jesus zunächst deine Schuld begleichen muss? Das wahre Christkind wird uns an Weihnachten ganz persönlich entgegenkommen, damit wir in Beziehung mit ihm treten können.
Die Einladung zur Umkehr und zum Glauben
Als Jesus begann, im Land umherzuziehen und den Menschen seine Botschaft vom Friedensreich zu verkünden, gab er ihnen auch eine Anleitung, wie man Teil dieses Reiches werden kann. Dies ist im Markus-Evangelium nachzulesen, im ersten Kapitel, Vers 15. Dort heißt es: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen.“
Mit diesen Worten spricht Jesus genau von diesem Friedensreich. Gleichzeitig nennt er die Bedingungen, um daran teilzuhaben. Es heißt: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“
Jesus macht deutlich, dass es genau eine Sache braucht, um vor Gott dazugehören zu können: die eigene Schuld zu bekennen. Diese Schuld ist die Rebellion gegen Gott, das Nicht-Akzeptieren Jesu als wahren König. Es bedeutet, einzugestehen, dass wir ihn nicht als Herrscher anerkennen wollten.
Darüber hinaus ist es notwendig, daran zu glauben, dass sein Sterben auf Golgatha uns wirklich rettet und verändert. So wird man Teil dieses Friedensreiches, das Jesus aufbaut – nicht durch Gewalt, sondern indem er Menschen und ihre Herzen verändert. Dies ist etwas, wozu wir selbst nicht fähig sind.
Weihnachten als persönliches Fest der Rettung
Wenn wir das verstanden haben, dann bekommt Weihnachten seinen wahren Sinn. Dann beschenkt uns das Christkind wirklich, wenn wir so wollen, nicht nur am 24. Dezember.
Darüber hinaus kann Weihnachten für uns ein Fest werden, an dem wir uns daran erinnern dürfen, dass er als mein persönlicher Retter auf die Welt gekommen ist. Dass er für mich gestorben ist und für mich bezahlt hat. Der Sinn seines Kommens bestand darin, die Trennung zwischen mir und diesem König wegzuräumen, Menschen mit Gott zu versöhnen und Menschen miteinander zu versöhnen, weil sie von Gott her verändert werden.
Wenn du das schon lange als Realität hast, dann möchte ich dir auch mitgeben, dass Weihnachten dich vielleicht wieder ganz bewusst daran erinnert, dass du nicht eine Befreiung von den Umständen deines Lebens brauchst. Gerade in der Zeit, in der wir leben, klagen viele über die belastenden Umstände. Wir brauchen aber nicht eine Befreiung von den Umständen, sondern eine Befreiung von unseren eigenen Herzen, von dem, was in unserem Fleisch steckt.
Wir müssen auf Gott hingewiesen werden und unsere Hoffnung in ihn setzen. Dann können uns die Umstände nicht mehr so viel anhaben und nicht mehr alles zerstören. Wir sind in ihm geborgen und gegründet, weil der Kern unseres Lebens feststeht und nicht mehr aus der Spur gebracht werden kann, wenn wir in ihm geborgen sind.
Wenn wir an Weihnachten denken, dürfen wir wissen, dass die großen Probleme unseres Lebens gelöst sind. Alles andere sind Randthemen, so sehr sie uns auch belasten mögen. Vielleicht müssen wir diesen Fokus wieder auf den Kern lenken, damit wir uns wieder an das Wahre und das Richtige orientieren. Und das ist für dich und mich gelöst.
Die Hoffnung auf Jesu Wiederkunft und das zukünftige Friedensreich
Und darüber hinaus darf Weihnachten uns auch die Hoffnung schenken auf das, was Jesus versprochen hat: nämlich, dass er eines Tages wiederkommen wird.
Mit denen, die diese Versöhnung erfahren haben, wird er ein sichtbares Friedensreich errichten. In diesem Reich wird jeder, der ihn als König kennt und darin leben möchte, teilhaben. Es wird ein Reich sein, in dem es keinen Krieg, keine Krankheit, keine Trauer und kein Leid mehr geben wird. Dort wird Jesus als Friedenskönig regieren – ein König, der so weit geht, sein Leben für sein Volk zu geben. Er ist ein König, der nicht alles daran setzt, sich selbst zu schützen.
Heute Morgen bin ich zufällig auf einer Nachrichtenseite über einen Artikel gestolpert. Ich habe ihn nicht gelesen, aber es ging um die neue Panzerlimousine von Olaf Scholz. Dort wurde vorgestellt, wie gepanzert und geschützt das Fahrzeug ist. Das ist natürlich nichts gegen Olaf Scholz persönlich, aber ich fand diesen Kontrast sehr eindrucksvoll.
So regieren wir Menschen oft: Wir schützen uns selbst als Herrschende. Jesus hingegen macht sich total verletzlich – als Kind in der Krippe und als der, der ans Kreuz geht. Dieser König, der sich selbst aufgibt, wird eines Tages wiederkommen, um zu regieren. Und zwar so, dass er sich selbst für sein Volk hingibt.
Das ist ein gigantischer Unterschied zu allem, was wir kennen. Ich freue mich sehr darauf und habe großes Vertrauen, dass er alles gut machen wird.
Jesus kommt wieder – nicht als Kind in der Krippe, sondern als König der Könige, der wohl regieren wird, wie es auch im Jesaja heißt.
Das ist eine wunderbare Verheißung, und ich freue mich darauf. Weihnachten und auch der Advent dürfen uns daran erinnern.
Amen!