Einleitung: Die Herausforderung des liberalen Christentums
Stell dir eine Religion vor, bei der es hauptsächlich darum geht, wie du dich fühlst. Jesus wird dort als eine Art menschlicher Lehrer gesehen, dessen Ideen man teilweise zustimmt, während andere als überholt betrachtet werden. Ethisch ist alles erlaubt, was gut tut und niemandem schadet.
In dieser Religion gilt die Bibel als ein historischer Text unter vielen – eine Art antikes Reisejournal. Darin haben Menschen damals hilflose Versuche unternommen, ihre Erfahrungen mit Dingen zu beschreiben, die sie nicht einordnen konnten.
Der Fokus liegt vor allem auf dem Diesseits und darauf, die Gegenwart für uns erträglicher zu machen. Was nach dem Tod kommt, weiß eh niemand. Wenn man es wüsste, dann wäre es bestimmt tröstlich und positiv.
Es gibt keinen Glauben an Wunder oder Übernatürliches. Falls es Gott gibt, dann ist das eine Art unpersönliche, mystische Naturkraft.
Wie würdest du diese Religion nennen? Sicher fallen dir viele Begriffe ein, die in Richtung Buddhismus, Mystik oder New Age gehen, aber bestimmt nicht Christentum.
Und genau das ist ein viel größeres Problem, als du gerade denkst.
Um die Nachfolge zu verteidigen, mache ich Hashtag Bibelfit. Heute endlich die Frage, die seit Monaten hier in Kommentaren und Nachrichten diskutiert wird: Markus, wie gehe ich mit liberalem Christentum um? Warum ist das inzwischen das größte Problem der Christenheit in Deutschland?
Persönliche Erfahrungen und Beobachtungen im Theologiestudium
Ganz kurz zu meiner Geschichte: Nachdem ich mich damals als junger Mann bekehrt hatte, wollte ich ein gottgefälliges Leben führen. Ich dachte damals, dass ich Theologie studieren und Missionar werden müsse, um ein guter Christ zu sein. Das stimmt natürlich nicht, und ich bin damals vom Regen in die Traufe geraten.
Einmal war ich froh, dass ich an namhaften Universitäten endlich meinen Durst nach Wissen stillen konnte und jedes Theologiebuch verschlang, das ich in die Hand bekam. Aber andererseits war das Umfeld an manchen Studienorten teilweise wirklich problematisch. Manche Pfarramtsanwärter legten Tarotkarten. Manche Theologiestudentinnen kannten, Achtung, jetzt wird es derb, die Genitalien ihrer Praktikumsbetreuer besser als das Inhaltsverzeichnis ihrer eigenen Bibel. Verheiratete Professoren schliefen mit Studenten, und alle fanden das irgendwie lustig. Manche Dozenten haben in ihren Vorlesungen ganz selbstverständlich die Naivität von Gottes Wort ausgelacht.
Wir damals – ja, wir brauchten überhaupt keinen Corona-Lockdown. Von uns Nachwuchstheologen ist sowieso kaum jemand zum Gottesdienst gegangen. Ich will fair bleiben: Das ist nur ein Ausschnitt, aber dieser Ausschnitt ist real und leider keine Übertreibung.
Für diese Missstände machen viele Beobachter zu einem großen Teil das liberale Christentum verantwortlich. Darauf wollen wir hier in diesem Video jetzt eingehen: Was hat das miteinander zu tun? Welche überraschenden Merkmale gibt es, woran du es erkennst? Und am Ende: Was ist die Lösung und wie können du und ich verhindern, dass unsere Kirchen nicht nur menschenleer, sondern auch inhaltlich leer bleiben?
Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, dass solche christlichen Videos auf Social Media nicht verborgen werden. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe mal rasch auf dein Handy. Auf YouTube danke ich allen, die jede Woche hier die Glocke drücken – das ist so ein technisches Ding, damit solche christlichen Inhalte in Social Media nicht verborgen bleiben.
Vielen Dank!
Die Schwierigkeit, über liberales Christentum zu sprechen
Ich möchte etwas mit dir teilen, das auf den ersten Blick wie eine Lappalie oder abstrakte philosophische Gedankenspielerei erscheinen mag. Doch es handelt sich um ein ernstes und wichtiges Thema. Dutzende Nachrichten von dir und anderen haben mich dazu bewegt, darüber zu sprechen.
Anfangs war ich etwas zögerlich, denn ich möchte diese Sendungen nicht im Stil von „Herzlich willkommen zu unserer neuen Folge von Heresie der Woche“ gestalten. Außerdem solltest du wissen, dass es Menschen gibt, die dieses Thema buchstäblich ihr Leben lang studieren und sich dennoch nicht trauen, etwas dazu zu sagen.
Ich selbst habe nun seit Monaten darüber nachgedacht, wie ich damit umgehen soll. Soll ich etwas sagen, das nur unvollständig und einseitig sein kann? Oder soll ich gar nichts sagen? Deshalb habe ich die Leute hier in der Community gefragt. Eure Antwort war eindeutig: Besser unvollkommen anfangen, als perfekt scheitern.
Das Ergebnis ist ein unvollkommenes und einseitiges Video. Ich habe das Bedürfnis, mich dafür ein Stück weit zu entschuldigen. Vielleicht liegt das auch im Wesen der Sache selbst, denn wir sprechen hier über etwas, das so einseitig ist – das liberale Christentum –, dass es nur unvollkommen dargestellt werden kann.
Und genau das ist der Punkt: Das liberale Christentum ist nicht einfach nur eine andere Ausprägung des Christentums. Je nach Ausprägung fürchte ich, dass es überhaupt kein Christentum mehr ist.
Drei Beispiele zur Verdeutlichung der Problematik
Das ist eine außerordentlich harte Aussage: Liberales Christentum ist kein Christentum. Diese Aussage ist sehr streng, und ich möchte versuchen, sie ausführlich zu begründen.
Du kannst dir das anhand von drei einfachen und anschaulichen Beispielen vorstellen.
Beispiel 1:
Beispiel 1: Markus – der klassische Christ
Ich, Markus, bin Christ. Es gibt bestimmte Dinge, an die wir Christen glauben. Zum Beispiel, dass es einen persönlichen Gott gibt, der im Weltgeschehen eingreift. Oder dass Jesus der Christus ist, der für deine und meine Vergehen zu Tode gefoltert wurde, um uns vor dem jüngsten Gericht zu retten. Zudem glauben wir, dass dieser Christus am 9. April 30 in der Jerusalemer Oststadt von den Toten auferweckt wurde. Und vieles mehr.
Es gibt aber auch Dinge, die wir Christen tun, die nicht zwangsläufig christlich sind. Und das ist völlig in Ordnung. Zum Beispiel: Ich, Markus, bin Christ, ich höre gern Worship-Musik und esse gerne Erdbeeren. So weit, so gut. Nur deshalb bin ich nicht christlich, weil ich diese Sachen mache. Als Christ esse ich Erdbeeren, aber Erdbeeren zu essen ist deshalb nicht christlich. Verstanden?
Das bedeutet, es gibt viele Dinge, die Christen tun und die du auch bei Christen siehst, die aber nicht christlich sind. Und das ist okay. Das müssen wir nur gedanklich klarkriegen. Und das führt uns zum Beispiel zu Punkt Nummer zwei.
Beispiel 2: Julia – die Nicht-Christin mit gegensätzlichen Überzeugungen
Das hier ist Julia. Julia würde sich im Traum niemals als Christin bezeichnen – nie im Leben. Sie behauptet Dinge, die das völlige Gegenteil vom biblischen Christentum sind.
Sie vertritt das Gegenteil von dem, was Christen seit über zweitausend Jahren geglaubt haben, das Gegenteil von dem, was in der Bibel steht, und das direkte Gegenteil von dem, was Jesus sagt. Wie viele Muslime behauptet Julia, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden ist. Wie viele New-Ager behauptet sie, dass es kein jüngstes Gericht gibt – zumindest nicht wirklich. Und wie viele Atheisten behauptet Julia, dass es keinen Gott gibt.
Wie gesagt, ich persönlich halte die christliche Variante für deutlich überzeugender und bin tief davon überzeugt, dass Julias Gegenpositionen falsch sind. Aber das ist ein freies Land, zum Glück, und jeder kann tun, was er möchte.
Zufälligerweise hört Julia auch gerne Worship-Musik. Das ist zwar nicht typisch für jemanden mit ihren Überzeugungen, aber ihr Musikgeschmack ändert nichts daran. Also, was soll's.
Noch einmal: Julia würde sich selbst im Traum niemals als Christin bezeichnen. Sie will auch gar keine sein. Und zufällig macht sie manchmal Dinge, die Christen wie ich ebenfalls tun. So weit, so gut.
Beispiel 3: Tom – der selbsternannte liberale Christ
Und jetzt kommt das ganz große Problem mit dem dritten und letzten Beispiel. Das hier ist Tom. Tom ist ein bisschen besonders. Er ist erst mal so ähnlich wie Julia. Er hört ab und zu auch ganz gern Worship-Musik. Aber er behauptet auch Dinge, die das völlige Gegenteil sind von dem, was Christen seit über zweitausend Jahren geglaubt haben. Das Gegenteil von dem, was in der Bibel steht, das direkte Gegenteil von dem, was Jesus sagt.
Das heißt, da gibt es unüberbrückbare Differenzen, die auch mit gutem Willen gar nicht aufgelöst werden können, weil sie das komplette Gegenteil vom Christentum sind. In dieser Hinsicht ist er so ähnlich wie Julia.
Aber und jetzt schlägt es dreizehn: Tom möchte, dass du ihn einen Christen nennst. Also nochmal, ja? Tom behauptet, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dass es kein Jüngstes Gericht gibt, dass die Welt nicht untergeht und dass es keinen persönlichen Gott gibt. Trotzdem möchte er, dass du ihn einen Christen nennst.
Damit behauptet er, dass das, was er macht, tatsächlich christlich wäre. Das ist bizarr, denn wenn Tom nicht zufälligerweise einige Dinge tun würde, die Christen auch tun, und sich nicht selbst als Christ bezeichnen würde, dann würdest du in hundert Jahren nicht auf die Idee kommen, ihn für einen Christen zu halten. In hundert Jahren nicht.
Im Gegenteil, in manchen Ländern, in denen Christen verfolgt werden – und das kann ich auch gut verstehen – nutzen verfolgte Christen vor Gericht manchmal diese Ausrede: „Ja, ich meine ja was ganz anderes, ich glaube ja was ganz anderes, ich nutze nur deren Wörter, ich bin ja kein Christ“, um so der Strafe zu entgehen. Wie gesagt, das kann ich sehr gut verstehen, um nicht als Christ gezählt zu werden.
Und dass jemand in Deutschland das umgekehrt macht, das ist bizarr. Damit ist die Verwirrung komplett, denn das schlägt dem Fass den Boden aus. Er kommt in christlicher Aufmachung daher. Tom will auch gern als christlich gesehen werden. Aber alles, was Tom von sich gibt, ist im Kern genau antichristlich und mit dem Christentum von vorne bis hinten überhaupt nicht vereinbar.
Und das, ihr Lieben, ist ein riesengroßes Problem.
Die Tragweite des Problems liberaler Theologie
Und warum das Problem dahinter noch viel größer ist, als du denkst, zeige ich dir am Ende dieses Videos.
Genau das erkennen viele hier in der Community im liberalen Christentum – und ich fürchte, zu Recht.
Stell dir jetzt mal vor, das stimmt wirklich. Dann ist das ein extrem ernstes Thema mit weitreichenden Konsequenzen. Denn es handelt sich um Dinge, die oberflächlich betrachtet vielleicht irgendwie christlich aussehen und bei denen man beide Augen zudrückt.
In Wahrheit sind sie aber das genaue Gegenteil vom Christentum. Außenstehende denken, dass diese Dinge etwas mit Jesus zu tun haben, doch tatsächlich führen sie völlig von Jesus weg.
Als ahnungsloser 08/15-Bürger – so wie es mir damals passiert ist – könnte man denken, dass diese Dinge zum Himmel hinführen. Aber in Wirklichkeit führen sie vom Himmel weg.
Wenn das so wäre, dann wäre das Etikettenschwindel in höchstem Maße. Es wäre ein trojanisches Pferd. Ein Wolf im Schafspelz.
Dann müssten du und ich wirklich gut darin sein, das zu erkennen.
Es geht also um christliche Inhalte, die plötzlich über Nacht säkularisiert werden. Plötzlich erinnern sie mehr an einen New-Age-Podcast, als dass sie irgendeine Ähnlichkeit mit dem haben, was du in der Bibel findest.
Historische Vordenker und deren Einfluss
Jetzt gibt es einige, die mit dir zusammen gerade dieses Video hier schauen und sich mit den Vordenkern der liberalen Theologie beschäftigen wollen. Dazu gehören Personen wie Steiermacher, Fichte, Bauer, Strauss, Ritschl, Harnack und vielleicht auch einige aus den Schriften von Bultmann, je nachdem.
Alle, die ich gerade aufgezählt habe, sind kluge Menschen, die einiges Kluges gesagt haben. Dennoch haben sie auch folgenschwere Fehler gemacht, die bis heute irrsinnige Auswirkungen haben. Mit diesen Auswirkungen wollen wir uns beschäftigen. Sie wirken bis heute in den Köpfen und Herzen immer mehr einflussreicher Meinungsbildner nach. Dort finden sich Vorstellungen, die als Christentum verkauft werden, aber tatsächlich das Gegenteil davon sind.
Deshalb wollen wir jetzt keine Literaturschlacht führen. Stattdessen wollen wir auf Beobachtungen eingehen, die du und andere aus der Community gemacht haben, sowie auf Fragen, die gestellt wurden.
Wir gehen es folgendermaßen an: Du und ich schauen uns im Schnelldurchlauf einige markante Punkte an. Bei jedem Punkt betrachten wir zuerst, was das biblische Christentum dazu sagt. Zweitens sehen wir, was im liberalen Lager behauptet wird, das oft das genaue Gegenteil darstellt. Drittens zeige ich dir, wie du diesen Nebelschleier durchschauen kannst und woran du es im Alltag kurz und praktisch erkennst. Viertens besprechen wir, wie du darauf eingehen kannst und besonders, was die Lösung ist.
Das werde ich dir gleich am Ende dieses Videos zeigen. Danach gibt es noch den schlechten Witz der Woche.
Die Vermeidung klarer Aussagen im liberalen Christentum
Das übergreifende Motiv von alldem ist, den biblischen Gott nicht mehr ernst zu nehmen. Ebenso wird die unsichtbare Welt und unsere Auswirkungen darin ignoriert. Stattdessen soll das biblische Christentum zertrümmert werden. Manche Einzelteile davon werden herausgenommen, um daraus eine eigene Religion zu bauen, die einem dann besser gefällt.
Damit kommen wir zum ersten Punkt: Liberales Christentum und liberale Aussagen sind verwirrend. Was meine ich damit?
Zunächst einmal sagt Jesus: Macht meine Botschaft bekannt. Er fordert dazu auf, sie von den Dächern zu verkünden. An einer anderen Stelle sagt Jakobus: Euer Ja soll ein Ja sein und euer Nein ein Nein. Im Propheten Jesaja steht zudem: Wehe denen, die Weißes Schwarz und Schwarzes Weiß nennen.
Im biblischen Christentum gibt es also einen ständigen Aufruf zu Klarheit und zu klaren Aussagen.
Wie sieht es dagegen im liberalen Christentum aus? Anders.
Eine kleine Geschichte: Eine meiner größten Enttäuschungen im ganzen Theologiestudium war folgendes. Jeder Theologiestudent kennt ein Standardwerk, das Antworten geben soll. Es geht darum, wie man eine Gemeinde gründet, wie alles zusammenhängt, warum Christen tun, was sie tun, was die Begründungen sind und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Das Buch soll die Zusammenhänge wirklich erklären. Es soll das inhaltliche Standardwerk sein.
Ich war sehr gespannt und habe mich besonders auf die Kapitel zum Abendmahl und zur Taufe gefreut, weil ich diese Themen vorher nicht so ganz verstanden hatte. Doch als ich das Buch dann gelesen hatte, erinnere ich mich genau: Ich war entsetzt, absolut entsetzt. Einige hier kennen das Buch.
Die Grundhaltung des Buches war so etwas wie: „Tja, dann mache ich einfach mal drauflos, und danach können wir überlegen, warum ich das so gemacht habe.“ Das war die Grundhaltung. Ich könnte viele Beispiele nennen, mache das jetzt aber aus Zeitgründen nicht, weil ich dich mag.
Ich habe es mir so vorgestellt: Du sitzt in einem abstürzenden Flugzeug. Der Kapitän setzt sich hinter das Steuer und sagt: „Tja, ich kann ja auch nicht fliegen, ich setze mich einfach mal dahinter, mache irgendwas, und im Nachhinein können wir ja mal nachspüren, warum ich das gemacht habe. Ich weiß es auch nicht, aber wir können uns darüber austauschen.“
Alter, das ist dein Job! Du musst es wissen! Wer, wenn nicht du? Das ist total krass. Für mich ist darin nichts anderes zu erkennen als eine völlige Arbeitsverweigerung als Führungskraft und in einer Leitungsposition. Das ist eine absolute Vermeidung von Verantwortung.
Dieses Buch vermeidet jegliche klare Aussagen und schiebt damit die Verantwortung weg. Die wollen damit nichts zu tun haben.
Ein anderes Beispiel: Ich frage einen liberalen Christen – reales Beispiel – ich frage ihn: „Komme ich in den Himmel?“ Er antwortet: „Ich hoffe schon.“ Dabei denke ich: Du hast Theologie studiert, sieben Jahre deines Lebens. Hast du nicht mehr zu sagen als einfach nur ein „Ich hoffe schon“?
Was ist das für eine Antwort? „Komme ich in den Himmel?“ – „Ich hoffe schon. Schönen Tag noch.“ Stell dir das mal bei einem weltlichen Beruf vor: Ich gehe zu einem Unfallchirurgen und sage: „Ich wurde angeschossen, werde ich es überleben?“ Und der Unfallchirurg antwortet: „Tja, wünsche ich dir, mach’s gut.“
Du bist derjenige, der das maßgeblich mit beeinflussen kann. Du sollst meine Schusswunde behandeln. Du sollst mir doch sagen, wie ich in den Himmel kommen kann.
Boah, darüber könnte ich noch viel reden, aber wir wollen zum nächsten Punkt kommen.
Viele liberale Christen nehmen sich mit dieser unklaren Sprache völlig aus der Verantwortung heraus. Das ist aus meiner Sicht in vielen Punkten eine komplette Arbeitsverweigerung.
Erkennungsmerkmale unklarer Aussagen im Alltag
Punkt drei: Woran erkennst du das? Ganz einfach daran, dass du aus ihren Antworten nicht schlau wirst.
Das fängt mit harmlosen Beispielen an und wird dann immer ernster. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Pfarrer, der mal bei uns in der Abizeit in die Schule kam. Wir haben ihn damals als Abiturienten gefragt: Warum gibt es eigentlich Leid in der Welt?
Er begann, eine Geschichte zu erzählen von jemandem, der krank ist, leidet und am Ende stirbt. Nach ein paar Minuten war seine Geschichte zu Ende, und er saß nur da und starrte uns an. Ich weiß noch, das hätten wir nicht machen sollen, aber wir in der Abistufe haben uns damals bestimmt zwei Wochen lang über diesen Typen lustig gemacht. Warum? Weil das keine Antwort war. Das war eine Anekdote, aber keine Antwort.
Ganz häufig findest du bei liberaler Theologie auch eine unpersönlich-passive Rede, eine Formulierung wie: „Das Abendmahl vollzieht sich.“ Nichts vollzieht sich. Gar nichts. Entweder du und ich feiern ein Abendmahl, oder nicht. Ein Abendmahl ist doch kein Automatismus, der ohne Menschen irgendwie passiert, und wir kommen einfach dazu. Das ist also eine Fehldarstellung. Es läuft doch nicht auf Autopilot.
Ganz häufig gibt es in liberaler Sprache auch Nominalisierungen, zum Beispiel „das Erbeten des Segens“ statt „Wir bitten um Segen“. Sehr oft nutzen sie das Wort „als“, sodass sie Sätze sagen wie „dieses als solches“ und so weiter. Die Lebensäußerung „als“ ist zum Beispiel eine ganz, ganz häufige Formulierung, bei der man erst einmal übersetzen muss und sich überlegen, was das eigentlich heißt. Ich habe es nicht gleich verstanden.
Schließlich – und das ist vielleicht der schwierigste Punkt von diesem ganzen ersten Teil – nehmen sie häufig Begriffe und biegen sie um. Begriffe wie Erlösung, Auferstehung oder Himmel. Sie verwenden diese Begriffe in der liberalen Theologie, meinen aber damit ganz andere Dinge als Christen seit zweitausend Jahren und Jesus selbst.
Ein anderes Beispiel ist das Wort „Glaube“. Viele liberale Christen verstehen darunter eine innere Kraft in sich selbst, statt dem, was die Bibel und das Neue Testament meinen: nämlich ein Festklammern an Jesus für den Tag des Jüngsten Gerichts. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Oder auch ein berühmter Philosoph, der vor Kurzem geäußert hat: „Ja, ich kann nicht glauben, aber ich glaube an Christus.“ Das klingt alles cool, da wurde dann gefeiert: „Oh, er ist Christ, er ist einer von uns.“ Aber wenn du dir das Interview und seine Schriften genau ansiehst, erkennst du, dass er mit dem Wort „Christus“ etwas völlig anderes meint als die neutestamentlichen Autoren und die Augenzeugen der Auferstehung mit Jesus gemeint haben.
Ich denke, das ist linguistischer Ladendiebstahl. Es werden Begriffe geklaut, die nicht ihre sind, und sie werden völlig zweckentfremdet.
Ich wollte im Studium immer fragen: Ihr meint mit diesen Begriffen sowieso etwas komplett anderes als jeder normale Mensch. Warum nehmt ihr nicht einfach eure eigenen Begriffe? Warum klaut ihr die von christlichen Menschen und verwirrt jeden, der das hört? Das leuchtet mir nicht ein.
Darauf kommen wir am Ende von dem Video zurück. Jedenfalls ist der grundlegende Eindruck bei sehr vielen liberalen Theologen: Je mehr sie sagen, desto weniger weißt du eigentlich.
Praktische Tipps zum Umgang mit unklaren Aussagen
Viertens: Wie kannst du jetzt auf diesen Punkt eingehen? Versuche, die Person konkret darauf festzulegen. Mach in aller Wertschätzung deutlich, dass Gefühle keine Argumente sind und Anekdoten ebenfalls keine Argumente darstellen.
Ein Lösungsvorschlag wäre ein Rollenspiel. Wenn zum Beispiel ein liberal geprägter Theologe oder Christ beginnt, weitschweifige Antworten mit vielen umständlichen Satzkonstruktionen, Fremdwörtern und Vokabeln zu geben, die du kaum einordnen kannst, dann mache ein Rollenspiel.
Gehe auf ihn zu und sage etwas wie: "Hey, zehn Menschen auf der Straße kommen auf dich zu und fragen: Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Bitte kreuze an." Oder etwas Ähnliches, zum Beispiel: "Ist Sex oder Ehe erlaubt? Bitte ankreuzen, ja oder nein."
Leg dich einfach darauf fest. Viele liberale Theologen werden das häufig nicht machen wollen. Warum? Weil die liberale Theologie in dieser Verwirrung lebt. Und das ist etwas, das schwierig ist.
Subjektivismus und die Relativierung von Wahrheit
Nächster Oberpunkt: Subjektivismus. Dieser hängt eng mit dem vorherigen Thema zusammen.
In der Bibel heißt es immer wieder, dass Jesus auch sagt: „Fürchtet Gott!“ Paulus schreibt dazu: Nicht wir sind der Mittelpunkt unserer Predigt, sondern Christus, der Herr. Wir sind nur eure Diener aus Liebe zu Jesus, schreibt er.
Wie sieht es dagegen in der liberalen Theologie aus? In der liberalen Theologie habe ich den Eindruck, dass praktisch alles irgendwie als Meinung dargestellt wird. Es gibt keine absoluten Autoritäten mehr, sondern nur noch verschiedene Auffassungen. Das ist tatsächlich bizarr.
Es ist, als ob du ein säkulares Beispiel nehmen würdest: Manche sagen, die Erde sei eine Kugel, andere behaupten, sie sei eine Scheibe, und ich persönlich hoffe, dass sie ein Dreieck ist. So etwas ist doch unsinnig.
So redest du doch in keinem anderen Bereich deines Lebens. Warum willst du ausgerechnet dort, wo es wirklich darauf ankommt, nur über Meinungen und Eindrücke sprechen? Das ergibt doch keinen Sinn.
Fokus auf Gefühle und Wohlfühlen statt auf klare Antworten
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es oft um abstrakte Gefühle geht. Es dreht sich mehr um Fragen und das Wohlfühlen als darum, wirklich klare Antworten zu verlangen. Das ist schwierig.
Dies führt dazu, dass wesentliche Kernbestandteile des Christentums zum Abschluss freigegeben werden. Dadurch entsteht Raum für Uminterpretationen und wilde Spekulationen – das ist Etikettenschwindel. Gleichzeitig ist es auch eine Form der Realitätsverweigerung.
Ein Beispiel dafür sieht man oft bei liberalen Christen, die Sätze sagen wie: „Mein Jesusbild ist so und so.“ Ich war wirklich überrascht, als mir jemand sagte, sein Jesusbild sei, dass Jesus Vegetarier gewesen sei. Ich dachte: Wie kommst du darauf? In der Bibel steht doch, dass er Fisch gegessen hat und auch das Osterlamm. Woher nimmst du das, wenn nicht aus deinen eigenen Gefühlen oder deinem Wunschdenken? Vielen ist gar nicht klar, wie absurd das ist.
Stell dir das mal bei jeder anderen historischen Persönlichkeit vor. Wenn ich sagen würde: Mein Bild von Angela Merkel ist, dass sie Leistungssportlerin ist, würdest du sagen: Angela Merkel ist keine Leistungssportlerin. Da hast du einfach ein falsches Bild von ihr.
Oder wenn ich sagen würde: Mein Bild von Barack Obama ist, dass er Analphabet ist. Der Typ hat mehrere tausend Seiten in Büchern geschrieben. Hast du mal seine Reden gehört? Er ist vieles, aber nicht Analphabet.
Oder wenn ich behaupten würde: Mein Bild von Nelson Mandela ist, dass er nie zornig ist. Oder: Mein Bild von Martin Luther ist, dass er nie etwas Antisemitisches gesagt hätte. Wovon redest du da eigentlich? Aus allen historischen Quellen ist glasklar, dass es anders ist.
Du kannst dich auf den Kopf stellen, drei Stunden lang meditieren und sonst was für Gefühle haben – das ändert nichts. Jesus ist einfach nicht so. Der Jesus, dem du am Tag des Jüngsten Gerichts gegenübertreten musst, ist anders, als wir uns das manchmal wünschen. Punkt.
Erkennungsmerkmale im Alltag: Beispiele aus Gesprächen
Drittens: Woran erkennst du das im Alltag? An folgendem realen Beispiel.
Ich frage einen liberalen Pfarrer: „Hey, ist Sex ohne Trauung okay?“
Der Pfarrer antwortet: „Ich persönlich denke zu Sex, warte, warte, warte, Moment mal, wie jetzt, du persönlich? Willst du mir jetzt deine Schlafzimmergeschichten erzählen oder so? Darum geht es doch jetzt gar nicht. Die Frage ist, ob es für Gott okay ist oder nicht.“
Dann redet er weiter: „Also meine persönliche Haltung zu Sex ist… warte mal, warte mal, stopp, Thema verfehlt! Es geht nicht um dich, es geht um den biblischen Gott. Ist es für den okay oder nicht? Ja oder nein?“
„Wenn ihr mich fragt…“
„Wir fragen dich nicht! Es geht nicht um dich, verstehst du das nicht?“
Liebe Zuschauerin, lieber Zuhörer, so etwas kannst du daran erkennen, dass sich viele ganz, ganz häufig mehr auf die Form und auf den Sprecher beziehen als auf den Inhalt. Das zeigt aus meiner Sicht leider mal wieder, dass viele wichtige Dinge nicht ernst genommen werden. Denn viele ernste Themen werden auf Abstand gehalten. Es geht mehr darum, unbeteiligt zu sein.
Das erkennst du im Alltag auch an Formulierungen wie „Mein Himmel sieht so oder so aus“ oder wenn Leute sagen „Mein Gottesbild“, „Mein Jesus“. Entschuldige, das ist völlig irrelevant. Wichtig ist, was der echte Jesus sagt, dem du dich am Jüngsten Gericht stellen musst.
Jeden Tag schreiben mir Leute auf Instagram, in sozialen Medien und Ähnlichem sowas wie: „Markus, was ist deine Meinung zu Thema X?“
Klar, ich freue mich über das Vertrauen, aber das ist doch völlig egal, was meine Meinung ist. Ganz im Ernst, in aller Selbstkritik: Keine Sau interessiert sich dafür, was ich denke, und das ist richtig so. Ich bin nicht der moralische Richter des Universums, und das ist auch gut so. Meine Meinung und ein Blumentopf – immerhin ist ein Blumentopf schon mal ein Blumentopf.
Das Zauberwort dabei ist: Wenn Leute sagen „für dich“ oder „für mich“, steckt dahinter in der Rhetorik eine sogenannte „snuck premise“, eine versteckte Ausgangshypothese. Sie suggeriert, dass es überhaupt Gegenstände oder Inhalte gibt, die nur für dich gelten können.
Das ist etwas, was wir einsehen müssen: Es geht nicht um dich oder mich als Person. Auch bei liberalen Theologen geht es nicht darum, was sie als Person denken. Sie sollen das Sprachrohr Gottes sein und versuchen, den Gläubigen begreiflich zu machen, worum es Jesus geht und wie wir alle Jesus nachfolgen können.
Die Ursache für diese Meinungen und Anekdoten ist leider häufig, ganz, ganz häufig, dass viele liberale Christen die Bibel einfach nicht kennen, weil sie sie nicht lesen.
Viertens: Wir wollen Leuten, die sich um diese Aussagen herumdrücken und sie einfach auf subjektive Meinungen zurückziehen, im Gespräch diesen Ausweg nehmen. Wir wollen nicht fragen: „Ist das und das okay?“ oder „Was denkst du dazu?“
Sondern wir wollen gleich fragen: „Was sagt der biblische Gott zu Thema XY?“
Wenn dann so etwas zurückkommt wie: „Na ja, ich glaube so und so“, dann sollte man einfach zurückfragen:
„Warum sollte ich dir das glauben? Und was ist mit den Gegenargumenten zu deiner Position?“
Dann schau mal, was passiert.
Priorität des Jenseits gegenüber dem Diesseits
Ganz häufig geht es beim liberalen Christentum mehr um die Gegenwart und das Diesseits als um die Zukunft und das Jenseits. Was meinen wir damit? Jesus sagt ganz deutlich, dass es ihm ums Jenseits geht. Das könnte gar nicht klarer sein.
Vielleicht kennst du diesen Augenzeugenbericht, in dem jemand aus der Menge zu Jesus ruft: „Lehrer, sag doch meinem Bruder, mein Bruder soll unser Erbe gerecht mit mir teilen.“ Jesus weist ihn zurück und sagt: „Bin ich etwa euer Richter oder euer Vermittler an Erbstätigkeiten?“ Danach folgt die Erzählung vom reichen Scheunenbesitzer. Das zeigt ganz deutlich, dass Jesus immer wieder in verschiedenen Schattierungen und Ausformulierungen sagt: „Sammelt euch Schätze im Himmel.“ Jesus ist nicht für das Diesseits da. Seine Einstellung ist so etwas wie: Das Diesseits könnt ihr behalten, es geht wirklich darum, dass ihr eure Augen aufs Jenseits richtet. Das ist für Jesus ganz wichtig.
Punkt zwei: In der liberalen Theologie wird Jesus ganz häufig für alle möglichen Themen des Diesseits eingespannt. Diese Themen können andere, nichtchristliche Gruppen häufig genauso gut oder sogar besser vertreten. Sobald es hauptsächlich um Sachen geht wie soziale Randgruppen, soziale Gleichheit, Umweltschutz, Work-Life-Balance oder Entspannung im Alltag, ist das zwar alles richtig und wichtig, aber darum geht es im Christentum überhaupt nicht.
Häufig haben du und andere den Eindruck geschildert. Einer hat es so formuliert: „Mein Pfarrer ist ein verkappter Sozialpolitiker.“ Ja, das klingt etwas derb, aber dahinter steckt der nicht unberechtigte Eindruck, dass manche Leute ihr geistliches Amt missbrauchen. Wenn sie nicht zufälligerweise Talar tragen würden, könnte man sie genauso gut mit dem Stadtrat oder dem Landrat von um die Ecke verwechseln. Das ist ein Problem.
Drittens: Woran erkennst du das im Alltag? Du erkennst es daran, wie der Kalender einer Gemeinde aussieht, wie der Haushalt einer Kirche gestaltet ist und worüber Prediger und Pfarrer predigen. Ist das tatsächlich ein verkappter Sozialpolitiker oder jemand, der die Leute vor der Hölle retten möchte? Diese Prioritätensetzung kennst du. Du kannst sie an den Predigtthemen und an der Ausrichtung der Gemeinde relativ gut erkennen.
Viertens: Wie kannst du darauf eingehen? Ganz einfach, indem du mal fragst: „Was ist das unaufgebbar Christliche, das wir nirgendwo anders finden?“ Also noch einmal: das unaufgebbar Christliche. Denn wenn wir das nicht könnten, was würden wir dann machen?
Deswegen denke ich, dass der Corona-Schock für viele Kirchen und Gemeinden auch ganz heilsam war. Plötzlich wurde klar, dass vieles, was wir gemacht haben, häufig überhaupt nichts mit dem Kern des Christentums zu tun hatte, sondern Randthemen oder parachristliche Dinge waren. Das war nicht nur schlecht, sich darauf zurückzubesinnen.
Am Ende des Tages bringt das Thema uns zurück zum Jenseits. Frag einfach mal jemanden, der liberale Theologie vertritt, ganz konkret und direkt: „Was passiert, sobald ich sterbe?“ Falls dich die biblische Antwort darauf interessiert, gibt es hier auf diesem Kanal eine eigene Videoreihe zum Thema des biblischen Jenseits. Drücke dazu einfach die Glocke, dann wirst du benachrichtigt.
Die Vernachlässigung der vertikalen Beziehung zu Gott
Ganz häufig werden in der liberalen Theologie vertikale Aspekte ausgeblendet. Vertikal bedeutet hier die Beziehung zwischen Gott und Mensch, also dass Gott immer mit im Blick ist. Dies spielt jedoch oft keine entscheidende Rolle.
Wie ist das im biblischen Christentum? Im biblischen Christentum muss man sich das Vaterunser anschauen. Dort heißt es: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Man sieht sofort, dass es im biblischen Christentum um Gott geht. Jesus sagt ganz deutlich, dass wir wollen müssen, was Gott will, nicht das, was menschlich ist.
Gott richtig zu erkennen und ein angemessenes Verhältnis zu ihm zu haben, ist absolut zentral im biblischen Christentum. In der Bibel selbst wird Gott mit Eigennamen oder mit dem Begriff „Gott“ über zehntausendmal genannt. Zwei Bezeichnungen für Gott gehören zu den zwanzig häufigsten Wörtern in der hebräischen Bibel.
Auch bei moralischen Entscheidungen, selbst bei solchen, die scheinbar nur zwischen Menschen stattfinden, ist Gott immer mit im Boot. Sünde und moralische Vergehen sind eindeutig etwas gegen Gott. So heißt es im Psalm: „Gegen dich und gegen dich allein habe ich mich versündigt.“
Wie sieht es dagegen bei liberalen Theologen aus? Dort wird meist alles auf einer horizontalen Ebene gesehen, also zwischen Mensch und Mensch, als ob Gott gar nicht im Bild wäre – zumindest nicht ernsthaft oder in letzter Konsequenz.
Woran erkennt man das? Zum Beispiel daran, wenn jemand sagt: „Mir geht es ums christliche Menschenbild.“ Dann fragt man sich: Was genau soll das heißen? Soll das Erbsünde bedeuten? Soll es heißen, dass der Mensch von Kindesbeinen an vollkommen böse und unfähig ist? Was genau ist mit dem „christlichen Menschenbild“ gemeint und woher stammt es?
Wenn jemand so etwas sagt, etwa in einer Prüfungssituation, müsste man sich zusammenreißen, um es nicht direkt zu kritisieren.
Umgekehrt habe ich aus eigener Erfahrung erlebt, wie ich mit einer liberalen christlichen Gruppe im Gespräch war. Die Frage lautete: „Was würde dir fehlen, wenn du nicht Christ wärst?“ Aus biblisch-christlicher Perspektive ist die Antwort klar: Versöhnung – Versöhnung mit Gott, Versöhnung vor dem Tag des Jüngsten Gerichts, um dem Zorn, der kommen wird, zu entgehen.
Meine Antwort war also Versöhnung. Die Gruppe – oder zumindest ein, zwei Personen, die dafür zuständig waren – antworteten darauf in etwa: „Ich könnte mich auch nicht so gut mit anderen Menschen versöhnen, mit denen ich mich gestritten habe, wenn ich nicht Christin wäre.“
Da dachte ich: Was? Ich habe dann noch einmal klargestellt, was ich meine. Die Reaktion war nicht direkt belächelnd, aber man wusste nicht so recht, was man damit anfangen sollte. Aus dem Kontext wurde ganz klar, dass alles, was dort diskutiert wurde, nur auf die Beziehung zwischen Mensch und Mensch bezogen wurde.
Ein vielleicht noch größeres Problem ist das in der akademischen Theologie.
Die Herausforderung der akademischen Theologie in staatlichen Universitäten
Weißt du, wenn du in Deutschland an staatlichen Universitäten lehrst oder forschst, Paper schreibst und Ähnliches, dann sind staatliche Unis in Deutschland weltanschaulich neutral. Das ist erst mal gut und richtig, und ich bin auch dafür.
Der Punkt ist aber: Wenn du an der staatlichen Uni etwas Theologisches machst, musst du das weltanschaulich neutral tun – zumindest bis zu einem gewissen, ernsthaften Ausmaß. Und die Frage ist: Wie willst du das machen?
Deswegen müssen viele theologische Disziplinen in der Praxis die Arbeitshypothese annehmen, so zu arbeiten, als ob es Gott nicht gäbe – aecideus non daretor. Und das ist natürlich schwierig. Das ist richtig schwierig und in der Kirchengeschichte sehr problematisch.
Wenn du versuchst, Ereignisse wie die Auferstehung Jesu, die Himmelfahrt oder Pfingsten so zu erklären, dass auch ein säkularer, atheistischer Historiker ihnen zustimmen würde, ohne mit der Wimper zu zucken, dann musst du natürlich versuchen, diese Ereignisse so zu erklären, als ob es Gott nicht gäbe. Dabei handelt es sich aber um Ereignisse, in denen Gott in die Geschichte eingegriffen hat.
Wenn du das liest – manche kirchengeschichtliche Werke sind da skurril, ja bizarr. Auch in der systematischen Theologie, wo es darum geht, Glaubensinhalte verständlich zu machen, was du und ich hier hoffentlich tun, wird es schwierig.
Nimmst du in der systematischen Theologie die Verbindlichkeit heraus, dass es einen Gott gibt, der eindeutig sagt, was gilt und was nicht gilt, dann endest du häufig damit, wie in einem säkularen Philosophiestudium: Du schaust dir an, was der Theologe A sagt, was der Theologe B sagt, stellst beide gegenüber und dann: Tschüss, komm, wir gehen nach Hause. Eine ernsthafte Beschäftigung mit der Frage „Was gilt denn jetzt wirklich?“ findet oft nicht statt.
Völlig skurril wird das Ganze in den Bibelwissenschaften, im Alten und Neuen Testament. Wenn du die neutestamentlichen Schriften untersuchen willst, als ob es Gott nicht gäbe – wie ein atheistischer Historiker –, was du zwar machen kannst, aber als Christ irgendwie komisch findest, dann kommen ganz seltsame und bizarre gedankliche Konstrukte heraus.
Das ist einer der entscheidenden Gründe, warum man viele Jahre lang in der Theologie von einer sogenannten Spätdatierung des Neuen Testaments ausging. Leute dachten ernsthaft und behaupteten, die neutestamentlichen Augenzeugenberichte seien im dritten oder zweiten Jahrhundert geschrieben worden. Das ist archäologisch und historisch vollkommen widerlegt und absoluter Nonsens. Das ist eine der Folgen dieser Haltung.
Der entscheidende Punkt ist – und das ist etwas, was mir im Theologiestudium damals extrem schwergefallen ist und erst zum Ende hin richtig klar wurde –, dass du dir ständig vor Augen halten musst: Das, was du in einem akademischen, staatlichen Theologiestudium machst, ist nur eine Arbeitshypothese, aber nicht die Realität.
Du machst das, was du machst, um an einer staatlichen Uni studieren zu können – unter der Arbeitshypothese, als ob es Gott nicht gäbe. Aber das ist eben nicht die Realität. Das heißt, du musst eigentlich jedes Mal umschalten, wenn du die Türschwelle zur Uni überschreitest. Und wenn du wieder rausgehst, musst du wieder umschalten.
Es gibt sehr viele Leute, die Theologie studieren und an genau diesem Spagat zerbrochen sind. Ich selbst hatte damit auch meine Schwierigkeiten. Das war nicht witzig.
Ich möchte dir mal illustrieren, wie wichtig das ist: Stell dir vor, du bist jetzt verheiratet. Die meisten Leute, die diese Videos schauen, sind Frauen, deswegen nehme ich ein weibliches Beispiel.
Du sitzt im Sommer mit deinem Ehemann auf einer Parkbank. Corona ist mal nicht Thema. Plötzlich fragt dein Ehemann dich: „Sag mal, Schatz, wenn ich jetzt Single wäre, hättest du was dagegen, wenn ich zu dieser heißen Frau im Minirock hingehe und sie nach einem Date frage?“
Du denkst erst, ähm... Dann fragt er weiter: „Naja, wie ist das?“ Du überlegst und denkst dir: „Also wäre es irgendwie schon möglich.“ Und dann steht der Typ auf und sagt: „Okidoki, dann mache ich das mal.“
Du willst ihm eigentlich nur hinterherrufen: „Warte doch mal! Du bist doch überhaupt kein Single, wie kommst du denn darauf?“
Das ist etwas, was wir uns ganz häufig vor Augen halten müssen: Diese Arbeitshypothesen, die wir in einem staatlichen, säkularen Umfeld einnehmen müssen, sind nachvollziehbar – aber es sind eben nur Arbeitshypothesen.
Die Frage ist, ob es sinnvoll ist, diesen gedanklichen Spagat jedes Mal hinzukriegen, nur dafür, dass du an der staatlichen Uni bist. Ja oder nein – eine berechtigte Frage!
Weginterpretation von Wundern und Übernatürlichem
In der liberalen Theologie geht es häufig darum, etwas für das eigene Leben zu lernen. Deshalb werden Wunder und Übernatürliches oft weginterpretiert. Es entstehen dann Aussagen wie: „Das sind Erfahrungen, die Menschen damals gemacht haben.“ Häufig schwingt dabei ein unausgesprochenes „Na ja, die Menschen haben sich das halt so gedacht, weil sie es nicht besser wussten“ mit.
Oder es wird gesagt: „Das ist nur übertragen gemeint, was in der Bibel steht.“ Oder: „Das und das hat eine natürliche Ursache.“ Solche Dinge werden also entweder wegerklärt oder ganz geleugnet – was letztlich dasselbe bedeutet.
Ganz entscheidend ist dabei, dass bei vielen liberalen Denkern die physische Auferstehung Jesu überhaupt keine Rolle spielt. Sie wird entweder als unwichtig betrachtet – so etwa von der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese hat gesagt, ob das Grab voll oder leer ist, sei nicht wichtig. Dabei muss man doch fragen: Wenn das Grab voll ist, ist Jesus nicht auferstanden. Dann gibt es keine Auferstehung. Wovon reden wir dann eigentlich? Dann ist Jesus tot und liegt noch im Grab.
Viele liberale Theologen verleugnen die Auferstehung sogar ganz.
Wie man damit umgehen kann? Indem man sich genauer mit dem biblischen Gott und dem Übernatürlichen auseinandersetzt. Das ist wirklich wichtig. Dafür kannst du dir hier kostenlos mein neues Kurzbuch „Kein Gott ist auch keine Lösung – Tipps für deine Gespräche mit Nichtchristen“ mitnehmen.
In diesem Buch erkläre ich Schritt für Schritt und ganz einfach, was es mit dem biblischen, christlichen Gott auf sich hat und wie Übernatürliches funktioniert. Es ist verständlich für Menschen, die keine Theologiekenntnisse haben und vielleicht nur ein oder zwei Bücher im Jahr lesen. Du kannst dir das Buch auch als Hörbuch kostenlos holen.
Es hat bereits Tausenden Menschen geholfen. Den Link dazu findest du gratis in der Videobeschreibung.
Und nun zum nächsten großen Oberpunkt.
Moralische Verpflichtung und Gottesfurcht im Christentum
Keine Gottesfurcht und niedrigere Moral
Moral spielt im Christentum schon immer eine ganz große Rolle. Jesus sagt an mehreren Stellen: Fürchtet Gott. In einigen ganz frühen Gerichtsakten aus dem römischen Reich findet sich eine Beschreibung eines Ermittlers, der Christen unter Folter verhört hat. Er wollte herausfinden, wer diese Christen eigentlich sind, worum es ihnen geht und was sie tun.
Hör dir an, wie er das beschreibt, was er herausgefunden hat: Die Christen trafen sich gewöhnlich an einem bestimmten Tag vor Sonnenaufgang. Dort versammelten sie sich und sangen Christus wie einem Gott einen Wechselgesang. Sie brachten ihren Wechselgesang dar. Außerdem verpflichteten sie sich durch Eid dazu, nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen, wie der Ermittler zunächst vermutete, sondern im Gottesdienst dazu, keinen Diebstahl, keinen Raubüberfall, keinen Ehebruch zu begehen, kein Versprechen zu brechen und eine angemahnte Schuld nicht abzuleugnen.
Das heißt, in den frühen christlichen Gottesdiensten gab es eine öffentliche Verpflichtung, einen öffentlichen Schwur darauf, sich besonders moralisch zu benehmen. Dazu heißt es auch in Sprüche 28: „Ohne Gottes Weisung verwildert ein Volk, doch es blüht auf, wenn es Gottes Gesetz befolgt.“
Dagegen findest du bei der liberalen Theologie immer liberalere Einstellungen zu Sex – und nicht nur zu Sex, sondern grundsätzlich: Kein Verzicht, keine Selbstzurückhaltung, im Gegenteil eine Überbetonung von Gefühl. Was ich fühle, ist auf einmal alles und rechtfertigt fast alles.
In all den Jahren habe ich, Markus, es nie erlebt, dass schlechte Lehre mit hohen moralischen Maßstäben einherging – ganz im Gegenteil. Das erkennst du im Alltag in ausgesprochenen oder unausgesprochenen Sätzen wie „Hauptsache, es geht uns miteinander gut.“ Dahinter steckt ganz häufig ein „Hauptsache, es geht mir gut. Ich muss mein Leben leben, ich muss meine Wahrheit leben“, also Selbstfindung als oberster Maßstab.
Wie kann man darauf eingehen? Das ist schwierig. In einer vernünftigen Welt würden wir ein ganz normales Gespräch dazu führen, aber in der Praxis läuft das häufig anders.
Von liberalen Denkern wird oft gelehrt, dass Gott Liebe sei und nur Liebe. Die Folge ist, dass viele Leute, die im liberalen Christentum unterwegs sind, gar kein schlechtes Gewissen mehr haben. Das schlechte Gewissen ist aber genau das, was wir brauchen. Christsein beginnt mit einem schlechten Gewissen – das ist wirklich wichtig.
Eine kurze Geschichte am Rande: Dafür wurde ich als Theologe aus mehreren landeskirchlichen Chatgruppen rausgeworfen, weil ich es gewagt habe zu sagen, dass Gott wütend sein kann und dass Jesus unser Richter beim jüngsten Gericht ist. Wenn du wissen willst, ob ich das biblisch richtig begründet habe oder nicht, dann drück einfach die Glocke, dann wird dir das Video auch angezeigt.
Am Ende des Tages: Wenn der Gott, zu dem du betest, dir nie widerspricht, dann führst du ein Selbstgespräch. Wie können wir dem entgegenwirken? Indem wir bei uns selbst anfangen, indem wir unsere eigene Bibel lesen und uns selbstkritisch hinterfragen: Folgen wir dem Gott der Bibel – ja oder nein?
Nächster großer Oberpunkt
Das Menschen- und Jesusbild in der liberalen Theologie
In der liberalen Theologie gibt es häufig ein seltsames Menschenbild und ein ebenso seltsames Jesusbild. Oft wird behauptet, dass Menschen irgendwie nicht wirklich sündig sind, Jesus nicht Gott in Menschengestalt wäre und das Sühneopfer problematisch sei.
Jesus selbst spricht jedoch davon, dass er Gott ist und gekommen ist, um die Schuld der Menschen wegzunehmen. Einer der frühesten Texte im Neuen Testament drückt eindeutig aus, dass Jesus Gott in Menschengestalt ist, der auf die Erde gekommen ist, um unsere Sünden wegzunehmen. Das ist ganz zentral, oder?
Im Vaterunser geht es im Urtext ganz zentral um ein Schuldeingeständnis. Warum das so ist, erkläre ich in wenigen Wochen hier auf diesem Kanal. Wie gesagt, drücke gern die Glocke, dann wird dir auch dieses Video angezeigt.
Dagegen findest du in der liberalen Theologie etwas ganz, ganz anderes. Wenn dort von Jesus die Rede ist – und das ist häufig nicht der Fall, denn ich habe schon Bücher von liberalen Theologen gelesen, in denen Jesus gar nicht vorkommt – dann wird oft differenziert zwischen Jesus und Christus. Das ist für mich so, als gäbe es einmal Markus und einmal Voss, je nachdem, wie man gerade aufgestanden ist. Das ist alles ein bisschen skurril.
Sie sagen häufig, dass es Jesus gibt, aber Jesus wird nur als Mensch gesehen – und zwar nur als Mensch. Wenn Jesus als Mensch thematisiert wird, dann meist nur als ein Vorbild. Du denkst jetzt vielleicht: Ist Jesus für sie etwa nur ein vorbildlicher Mensch? Ja, genau das denken sie. Jesus ist für sie nicht das, was er für dich und mich ist. Ich halte das für falsch.
Du fragst dich vielleicht: Wofür wurde er dann eigentlich gekreuzigt? Das ist genau die richtige Frage. Viele liberale Theologen sehen das Kreuz als eine Art großen Justizirrtum, der einem menschlichen Lehrer widerfahren ist. Sie können mit der Idee eines stellvertretenden Sühneopfers überhaupt nichts anfangen.
Manche von ihnen gehen sogar so weit, das Kreuz als einen „kosmischen Kindesmissbrauch“ zu bezeichnen. Sünde wird in ihren Augen häufig gar nicht als ernsthaftes Problem angesehen. Sie trennt uns nicht von Gott, der oft als eine Art liebende, mystische Naturkraft beschrieben wird. Vielmehr sehen sie Sünde als nichts anderes als unsere Scham und unser persönliches Schuldgefühl. Wenn wir aufhören, uns schuldig zu fühlen, dann gibt es auch keine Sünde mehr.
Da muss Jesus sich doch fragen: Bin ich für euch eine Witzfigur? Wenn es möglich wäre, alle Sünde auf der Welt einfach dadurch wegzunehmen, dass wir aufhören, uns schuldig zu fühlen, wozu musste er sich dann nackt bei fast Minusgraden zu Tode foltern lassen? Das ist aus meiner Sicht ein absolut unrealistisches, überpositives Menschenbild.
Dann kommen solche New-Age-Sätze wie dieser, den ich mit eigenen Ohren in einer landeskirchlichen Predigt gehört habe. Zieh es dir mal rein:
Zitat aus der Predigt im Sonntagmorgen-Gottesdienst:
„Wir müssen lernen, dass wir geliebt und akzeptiert sind oder uns einfach selbst annehmen. Wir müssen unser eigenes Christusbewusstsein finden. Was ist das? Und unser Menschenbruder Jesus kann uns auf diesem Weg ein Stück weit begleiten.“
Es ging noch ein bisschen krasser weiter, aber wir belassen es erst einmal dabei. Ich weiß nicht, was damit genau gemeint ist. Wenn du es weißt, schreib es gern in die Kommentare. Das würde mich interessieren.
Wie kannst du darauf eingehen? Halt dir selbst klar vor Augen: Jesus ist nicht das Abziehbild für jede Gefühlsregung, auch nicht für religiöse Gefühle. Wir müssen bei dir und bei mir anfangen. Du und ich – wir müssen den echten Jesus der Bibel vor Augen haben: die echte historische Person aus Fleisch und Blut, den echten Gott in Menschengestalt. Das für dich selbst klarzukriegen, ist nicht leicht.
Wie gesagt, nimm dir dazu gern mein Buch „Jesus und mein Gott“ mit. „Kein Gott ist auch keine Lösung“ kannst du dir gratis mitnehmen, Link in der Videobeschreibung. Hörbuch, alles mit biblischen Stellen belegt. Schau selbst, ob das adäquat und richtig ausdrückt, was du in der Bibel findest oder nicht.
Ich gehe jetzt aus Zeitgründen weiter zum nächsten Punkt, der direkt damit zusammenhängt, nämlich zum nächsten großen Oberpunkt: ein extrem seltsames Gottesbild.
Ein extrem seltsames Gottesbild in der liberalen Theologie
Weißt du, im biblischen Christentum redet Jesus von einem Gott, der mit ganz konkreten Eigenschaften und einer Persönlichkeit beschrieben wird. Dieser Gott greift wirklich in die Geschichte ein. Lies nur, was Jesus zum Thema Sintflut sagt, was er zu Sodom und Gomorra sagt, was er zum brennenden Dornbusch sagt, was er zu den Männern und dem Brot vom Himmel sagt und was er zu Jona und dem großen Fisch sagt.
Und das – by the way – sind Dinge, die Jesus im Neuen Testament sagt. Dagegen behaupten liberale Theologen, dass Gott nicht wirklich in die Geschichte eingreift und dass es nichts Übernatürliches gibt.
Eine Geschichte aus meinem Leben: In einer Theologievorlesung ging es um Exodus 20. Dort sind die Israeliten am Berg Sinai und bekommen die Zehn Gebote. Gott ist da, es gibt viel Blitz und Donner. Es heißt: „Als die Israeliten den Donner und den Klang des Hornes hörten, als sie die Blitze und den rauchenden Berg sahen, zitterten sie vor Angst und zogen sich vom Fuß des Berges zurück.“
Klar, denn Gott wirkt in diesem Moment, und Gottes Gebote kommen auf die Erde. Da sagte einer der liberalen Theologieprofessoren, bei denen ich in der Vorlesung war, mit völliger Selbstverständlichkeit – nicht etwa als Vermutung oder Diskussionsangebot, sondern als Tatsache: Es seien einfach nur ein paar Schafhirten gewesen, die einen Vulkanausbruch erlebt hätten und sich eingebildet hätten, dass das Gott sei.
Das war für ihn vollkommen klar.
Wenn es Gott gibt, dann ist er in den Augen vieler liberaler Denker eine Art unpersönliche mystische Naturkraft. Das erkennt man an Behauptungen wie: „Wir wissen nicht, was damals geschah. Jesus sagt uns, was damals geschah.“ Wie gesagt, wir Christen sind die Nachfolger von Jesus. Was Jesus sagt, ist für uns gültig und bindend. Daran wollen wir uns halten.
Wenn jemand sagt, dass das, was Jesus behauptet, nicht gültig und nicht bindend ist, kann er das machen – es ist ein freies Land. Aber dann ist er eben kein Christ.
Viele liberale Denker versuchen, das, was Jesus sagt, abzulehnen oder wollen unbedingt natürliche Erklärungen für Übernatürliches finden. Ganz häufig steckt dahinter eine Art Panentheismus. Das bedeutet, dass sie eine Verschränkung von Gott und Welt sehen.
Was damit gemeint ist, kann ich in einem eigenen Video später erklären. Wie gesagt, drückt gern die Glocke dazu. Letztlich bedeutet es aber, dass es eigentlich keinen persönlichen Gott gibt.
Wie kannst du damit umgehen? Bring es ans Tageslicht. Frag einfach nach. Frag zum Beispiel einen liberalen Theologen oder einen liberalen Christen: „Du, das klingt, als ob du ausschließt, dass diese Ereignisse durch Gott gewirkt wurden. Wie kommst du zu dieser Annahme?“
Schau mal, was passiert. Denn vieles, was die liberale Theologie macht, lebt im Verborgenen, im Impliziten und im Angedeuteten. Bring es ans Tageslicht.
Umgang mit der Bibel im liberalen Christentum
Und damit kommen wir zum vorletzten Punkt: Wie geht die liberale Theologie speziell mit der Bibel um?
Jesus sagt dazu: „Himmel und Erde werden vergehen, bevor auch nur ein Iota im Gesetz vergeht.“ Mit „Gesetz“ meint er das, was wir heute als Altes Testament bezeichnen. Ein Iota ist der kleinste griechische Buchstabe; heute könnte man es mit einem Komma vergleichen.
Immer wieder zitiert Jesus das Deuteronomium und beruft sich darauf, wo Gott mehrfach erklärt, wie wir mit seinen Worten umgehen sollen. Dort steht immer wieder: Du darfst auf keinen Fall irgendetwas wegnehmen. Diese Warnung wird im letzten Buch der Bibel in aller Schärfe wiederholt: Wehe dem, der etwas wegnimmt.
Deshalb haben Christen häufig eine gesunde Ehrfurcht vor der Bibel. Jeder ernstzunehmende Leiter bemüht sich, die Bibel so umfassend wie möglich zu studieren. Nicht so im liberalen Christentum. Dort entsteht oft der Eindruck, den du und andere geschildert haben, dass aus der Bibel nur die positiven Stellen herausgezogen werden, die zur eigenen Ideologie passen. Negatives oder Unpassendes gilt einfach nicht, wird als falsch verstanden, nur übertragen gemeint oder Ähnliches.
Doch wenn etwas völlig anderes gemeint wäre als das, was dort steht, warum sollte Gott es dann nicht anders sagen? Natürlich gibt es Übersetzungsfehler auf unserer Seite – ich meine den Urtext. Aber warum sollte Gott A sagen, wenn er damit A meint, und nicht einfach gleich A sagen? Das ergibt keinen Sinn.
Diese Haltung: „Die Bibel ist eigentlich ganz anders zu verstehen, und damit ist etwas völlig anderes gemeint als das, was dort steht, was man als ungebildeter Mensch irgendwie sehen würde“ – ich weiß nicht. Dieses Argument, dass etwas nur übertragen gemeint sei und gar nicht so gemeint ist, kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe gerade ein Déjà-vu zur Schlange im Paradies. Das habe ich alles schon mal gehört.
Damals im Paradies hieß es auch: „Das gilt nicht so, das ist ein ganz anderer Kontext für dich.“ Das wurde nicht geändert. Ich habe oft das Gefühl, dass bequeme und angenehme Aussagen, die dem gesellschaftlichen Mainstream entsprechen, hervorgehoben werden.
Deswegen könnte es daran liegen, dass auch die akademische liberale Theologie häufig nur mit wenigen Jahren Verzögerung auf große Trends aus den säkularen Geisteswissenschaften aufspringt. Das Problem dabei ist, dass solche Trends, solche Mainstream-Meinungen und gesellschaftlicher Konsens sich ändern können.
Momentan ist der gesellschaftliche Mainstream in der Theologie in Deutschland sehr links, was eigene Probleme mit sich bringt. Die liberale Theologie fällt dem zum Opfer. Aber was, wenn der gesellschaftliche Mainstream in Deutschland mal wieder sehr rechts wird? Das haben wir hier alle schon erlebt, zum Beispiel zur Nazizeit.
Damals waren liberale Theologen die Ersten, die behaupteten, Jesus sei der erste Arier gewesen, und versuchten, den deutschen Christen theologisch einen Unterbau für diese Ideologie zu geben. Was dann?
Das ist ernst gemeint, denn wenn es kein fixes, absolutes Zentrum gibt, wie sollen wir dann schlechten gesellschaftlichen Strömungen widerstehen?
Dazu kommt eine Entschärfung der Bibel. Es heißt dann häufig: „Na ja, wir lesen die Bibel falsch.“ Aber woher sollen wir wissen, dass wir die Bibel falsch lesen?
Ein Beispiel: Es wird behauptet, Jesus sei Vegetarier gewesen, weil er Brot gegessen hat. Wie kommt man darauf? Jesus hat ja auch Fisch und Fleisch gegessen.
Oft sucht man sich eine Bibelstelle heraus, um diese gegen andere Stellen aufzuwiegen oder gegeneinander zu stellen. Das führt zu der Annahme, eine Stelle sei richtig und die andere falsch. Das ist problematisch.
Noch problematischer ist die Frage: Warum sollte ausgerechnet deine Bibelstelle die richtige sein und die andere falsch? Es könnte genauso gut umgekehrt sein.
Damit wird deutlich, dass das ganze Schema, einzelne Bibelstellen gegeneinander auszuspielen, problematisch ist. So funktioniert das nicht.
Ich habe den begründeten Verdacht, dass es vielen liberalen Christen und Theologen gar nicht wirklich um die Bibel geht. Das erkennt man daran, was viele liberale Christen heute von der Bibel kennen.
Jeder kennt den Ausspruch: „Gott ist Liebe“ und „Du sollst nicht richten.“ Das ist allgegenwärtig, und damit hört es oft auf.
Dies ist ein Auswuchs der liberalen Theologie: Häufig gibt es keine Vorstellung von den biblischen Gesamtzusammenhängen. Das bedeutet, dass Nebensächlichkeiten, die eigentlich nur Randdetails sind, herausgegriffen und daraus eine komplette Theologie aufgebaut wird.
Wichtige Themen hingegen werden völlig ignoriert oder zumindest faktisch übergangen.
Ich möchte dir ein Beispiel geben, um die Größenordnung zu verdeutlichen. Kennst du „Romeo und Julia“?
Dort klettert Romeo auf einen Balkon, um Julia anzuschwärmen. Stell dir vor, jemand würde sagen: „Das ist kein tragisches Liebesdrama, keine Tragödie und kein Theaterstück, sondern eine architektonische Bauanleitung des Balkons“, nur weil dieser Balkon an zwei Stellen erwähnt wird.
Oder stell dir vor, jemand behauptet, „Hänsel und Gretel“ sei eine botanische Studie des Waldbodens, weil der Wald darin vorkommt.
Das ist doch bizarr. Mit säkularen Texten würden wir so etwas niemals machen. Da stellt sich wirklich die Frage, ob wir noch alle Tassen im Schrank haben.
Aber mit der Bibel passiert das ständig. Das ist absurd.
Deshalb sollte man direkt zurückfragen: Was machst du mit Bibelstellen, die etwas anderes aussagen? Warum sind diese übertragen gemeint, während deine Bibelstellen nicht übertragen gemeint sind?
Man sollte dies wirklich hinterfragen und begründen lassen.
Und noch einmal zur Erinnerung: Gefühle sind keine Argumente, Anekdoten sind keine Argumente, und der Wunsch, dass etwas so sein soll, ist erst recht kein Argument.
Umgang mit der Bibel grundsätzlich
Letzter Punkt: Die Bibel grundsätzlich
Wie geht die liberale Theologie grundsätzlich mit der Bibel um? Das biblische Christentum bekräftigt, dass die Schriften, die für die frühen Christen gemeint waren – also das, was wir heute Altes Testament nennen – gültig und verbindlich sind.
Schauen wir noch einmal in einen der frühesten Texte im Neuen Testament, zum Beispiel in das Glaubensbekenntnis in 1. Korinther 15. Dort ist sogar zweimal die Rede davon, dass alles „nach der Schrift“ geschehen soll. Der Stellenwert der heiligen Schriften wird immer wieder unterstrichen.
Dazu kommt Jesus, der immer wieder sagt: Haltet euch an die Schriften. Er spricht davon, Gottes Gebote zu halten und nicht menschliche Traditionen. Er fordert dazu auf, sich an dem zu orientieren, was Gott sagt. Wie gesagt, in ein paar Wochen bringe ich ein eigenes Video dazu heraus, in dem ich erkläre, wie Jesus den Umgang mit den heiligen Schriften beschreibt.
Im liberalen Christentum hingegen findet man häufig eine Verleugnung der Inspiration der Bibel. Noch mehr wird infrage gestellt, ob die biblischen Schriften überhaupt irgendeine Autorität besitzen. Manchmal wird das offen ausgesprochen, manchmal ist es unterschwellig impliziert. Die Bibel wird dann nicht mehr als Gottes Wort angesehen, sondern eher als ein antikes Reisejournal, geschrieben von wohlmeinenden Menschen aus der Antike, die ihr Bestes gaben, um ihr Verständnis von Gott auszudrücken. Aber sie sprechen nicht für Gott, auf keinen Fall.
Viele liberale Theologen sehen die Bibel als eine Art Roadmap dafür, was ihre Vorfahren so gut gemacht haben, wie sie konnten. Doch sie gehen davon aus, dass das, was neu ist, irgendwie besser sein muss. Das ist jedoch nicht selbstverständlich. Unsere Vorfahren wussten es damals nicht besser – aber wir wissen es natürlich besser.
Die Bibel wird so betrachtet als unsere Antwort auf Gott, statt als Gottes Antwort auf unsere menschliche Sünde. Das heißt, die Bibel wird von Gottes Lager in unser eigenes hineingestohlen. Sie wird gesehen wie verschiedene Fossilien, die übereinander liegen, aber für uns keine Bedeutung haben sollen. So etwas, das man als Archäologe distanziert untersuchen kann. Danach geht man nach Hause, trinkt seinen Kaffee und schaut sein Fußballspiel oder was auch immer.
Die Paulusbriefe gelten dann als optionale Kolumnen, und Jesus wird als jemand gesehen, der unverbindliche Meinungsvorschläge gibt. Es scheint, als ginge es mehr um die Autoren als um das, was sie sagen.
Grundsätzlich geht es im liberalen Christentum nach meinem Eindruck so, dass bei biblischen Schriften eher im Zweifel gegen den Angeklagten entschieden wird. Es herrscht nicht nur eine normale, gesunde Skepsis, sondern deutlich mehr als bei jedem anderen historischen Dokument.
Ich hatte damals im Theologiestudium den Eindruck, dass es fast ein Wettbewerb war, wer am kritischsten und aggressivsten mit den biblischen Texten umgehen kann. Wie kannst du dich da am meisten hervortun? So war mein Eindruck, nachdem ich jahrelang Papers, Artikel und Hausarbeiten gelesen und selbst geschrieben hatte. Die Frage war: Je aggressiver, desto besser.
Deshalb waren später viele Tausend Menschen überrascht, als ich gezeigt habe, dass die neutestamentlichen Schriften den Maßstäben der historischen Forschung absolut standhalten. Mehr noch: Sie sind mindestens genauso glaubwürdig wie jeder andere historische Augenzeugenbericht aus der Zeit.
Wenn es dich interessiert, nimm dir gern das Buch mit. Den Link findest du in der Videobeschreibung. Dort gibt es auch das Hörbuch gratis.
Woran erkennt man das jetzt in der liberalen Theologie?
Erkennungsmerkmale in der liberalen Theologie
In extremer Ausprägung ist es fast ironisch, dass viele liberale Theologen dann mit exkommunizierten Kirchenvätern, mittelalterlichen Mystikern oder auch nichtchristlichen Schamanen kommen, die als Autoritäten gelten. Sie nehmen Gott häufig nur dort an, wo dies der zeitgenössischen Gesellschaft entspricht. Alles andere wird abgelehnt.
Das heißt, der neue Gott ist am Ende die zeitgenössische Gesellschaft, die gutmeinende Gemeinschaft, das Selbst und natürlich auch die Selbstverwirklichung. Der Eindruck, der häufig entsteht – und den du und Anne ebenfalls beschrieben habt –, ist, dass die Bibel vielen liberalen Theologen irgendwie peinlich ist. Deshalb findet man unter liberalen Christen auch kaum Bibelstudium. Das ist wirklich schwierig.
Ich würde behaupten, dass von den Menschen, mit denen ich damals Theologie studiert habe, und von denen, die damals ihr Examen gemacht haben, kaum ein Viertel die Bibel mehr als zweimal komplett durchgelesen hat. Dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, absolut nicht.
Aber das ist der Punkt: Wer die Bibel hat, sie aber nicht liest, hat keinen Vorteil gegenüber einem Analphabeten, einem Menschen in einem Drittweltland, der keine Bibel besitzt, oder verfolgten Christen, die zwar eine Bibel haben, sie aber nicht benutzen dürfen. Es ist genau dasselbe.
Ein Schreiben, das gegenstandslos ist, existiert de facto nicht. Wenn die Bibel gegenstandslos gemacht wird, dann ist das dasselbe. Das ist schwer.
Praktische Hinweise zum Bibellesen und Bibelstudium
Wie gehst du jetzt im Alltag damit um?
Das ist am schwierigsten zu erkennen – dieser Punkt, dieser letzte Punkt. Denn dafür musst du die Bibel selbst schon ein paarmal durchgelesen haben.
Dafür habe ich Dutzende Tools entwickelt, die dir bei deinem Bibelstudium helfen. Sie haben schon hunderten Menschen vor dir geholfen. Du kannst einfach auf meine Website gehen, markusfoss.net. Dort kannst du dir kostenlos alles mitnehmen, was du möchtest. Es ist alles kostenfrei.
Es muss auch nicht unbedingt meine Tools sein, das ist völlig egal. Hauptsache, du liest jeden Morgen und jeden Abend zwei Kapitel in deiner Bibel. Das kann jeder von uns machen. Dafür brauchst du kein Studium, kein Geld auszugeben, gar nichts. Es gibt kostenlose Apps dafür.
Einfach machen. Du verbringst deine Zeit sowieso mit irgendetwas. Warum also nicht mit etwas Sinnvollem?
Universalismus und die Frage der Rettung
Ein Nachsatz zum Thema Universalismus: Häufig glauben liberale Christen und liberale Theologen an eine Form des Universalismus. Das bedeutet, dass entweder Jesus nicht der einzige Weg zu Gott ist, oder sie sagen zwar, dass Jesus der einzige Weg ist, aber trotzdem wird er am Ende alle retten. In diesem Fall wird das Bekenntnis, dass Jesus der einzige Weg sei, zu einer überflüssigen Lippenbekenntnis.
Das Thema Allversöhnung, Köhlerglaube und ähnliche Fragen – also ob alle Menschen gerettet werden oder nicht – ist sehr wichtig. Deshalb werden wir in der nächsten Folge von „Nachfolge verstehen“ ausführlich darauf eingehen. Das machen wir ganz in Ruhe.
Wie gesagt, drückt gern die Glocke, dann wird euch das Video dazu auch angezeigt.
Fazit und abschließende Gedanken
So, jetzt hast du eine Tapferkeitsmedaille verdient. Ich mache gleich noch den schlechten Witz der Woche, aber lass uns vorher ein kurzes Fazit ziehen.
Ja, zunächst einmal: Jeder, der das Video bis hierhin geschaut hat und noch lebt, bekommt jetzt einen Masterabschluss in Theologie. Der kommt nächste Woche per Post. Nicht Spaß, pass auf.
Wir könnten jetzt noch so viel mehr dazu sagen. Aber war das lieblos, was ich gerade gesagt habe? Vielleicht, kann sein. Liberale Christen sagen manchmal, dass Liebe der höchste Maßstab ist. Aber was ist mit Wahrheit und was ist Liebe an sich?
Ich glaube, dass manche Menschen einen falschen Begriff von Liebe haben. Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Sie hat auch etwas mit Opfern zu tun – mit Opfern für etwas Höheres. Deshalb kann es manchmal auch einfach liebevoll sein, in Wahrheit Kritik an einer Sache zu üben. Und wie liebevoll ist es denn schon, Wahrheit nicht auszusprechen?
Die Wahrheit ist, dass manches von dem, was liberale Theologie bei uns heute in Mitteleuropa im 21. Jahrhundert hervorgebracht hat, nicht viel mehr ist als eine Mischung aus New-Age-Mystizismus und Humanismus, verkleidet mit christlichen Elementen. Diese Art von Etikettenschwindel wurde zur Kunstform perfektioniert.
Dazu musst du wissen, dass das welthistorisch ein ganz kleiner Punkt ist und eigentlich auch nur bei uns hier in Mitteleuropa und in manchen Gegenden der Vereinigten Staaten der Fall ist. Liberales Denken ist geografisch eine absolute Minderheit. Die meisten Christen auf der Welt können mit solchen Behauptungen, die du jetzt hier in diesem Video gehört hast, überhaupt nicht viel anfangen.
Die andere Frage ist aber, ob das nur eine Phase ist. Das ist die Frage: Ist liberale Theologie, ist liberales Denken, ist liberales Christentum gekommen, um zu bleiben?
Hm, und das fängt mit dir und mir an. Das ist etwas, da habe ich selbst noch viel zu lernen. Deshalb hör mir gut zu: Bevor du und ich anderen Menschen gegenüber den Mund aufmachen, wie Christsein gelebt werden soll, müssen wir das selbst auf die Reihe bekommen.
Deswegen steht hier unten auch „Mach dich Hashtag Bibelfit“. Da ist nicht nur ein Slogan, da steckt etwas dahinter. Die Kernfrage dabei für dich ist: Willst du Gottes Segen für den Weg, den du sowieso schon gehst? Oder willst du den Weg gehen, den Gott segnet? Das ist ein Unterschied.
Und das muss immer die Messlatte sein, an der wir uns alle messen lassen. Findest du in Sprüche 12, wo es heißt: „Ein Idiot hält alles, was er tut, für richtig, dagegen hören Weise auf klugen Rat.“ Sind wir bereit, uns Dinge vorschreiben zu lassen, die unbeliebt sind und die wir nicht mögen?
Und das ist der Punkt. Die Frage ist ja nicht nur, ob wir uns mit Jesus identifizieren, sondern auch umgekehrt: Identifiziert Jesus sich mit uns? Weißt du, Gott ist lebendig und er wird nicht ewig passiv bleiben.
Du und ich, wir sollten beide keine Fans sein von Fake-Christentum. Sorry, das funktioniert so nicht. Fake-Christentum ist so viel von der Verkleidung, von der Etikette des Wahren, dass es aussieht wie Christentum und deshalb Leute hineinlockt. Aber im Inneren enthält es so viel Falsches, dass seine Anhänger gar nicht aus der Hölle herauskommen können.
Fake-Christentum ist in mancher Hinsicht sogar gefährlicher als gar kein biblisches Christentum. Denn solange bei uns Menschen unser gottgegebenes Sehnen nach Wahrheit nicht erfüllt ist, suchen wir wenigstens weiter. Aber stell dir mal vor, wir bleiben dabei stehen – und es ist falsch.
Überleg dir, wen du als Gemeinde einstellst: als Pastor, als Leiter, als Ältester, als Jugendmitarbeiter usw. Frag sie nach ihrem Glauben! Ich habe das immer wieder erlebt in theologischen, christlichen und kirchlichen Zusammenhängen, wenn es darum ging, dass eine neue Person in eine Leiterschaftsrolle berufen werden sollte.
Im Auswahl- und Bewerbungsverfahren galt es oft als verpönt, denjenigen nach seinem Glauben zu fragen. Das ist doch eine einfache Frage, ja? Frag einfach etwas wie: „Hey, was sind die letzten beiden Bibelübersetzungen, die du durchgelesen hast, und warum ausgerechnet diese?“
Oder stell den Leuten eine kluge Testfrage. Lass sie mal einfach ausführen: Was genau, konkret, spezifisch glaubt der Kandidat, passiert in der Taufe? Was genau, konkret, spezifisch passiert im Abendmahl? Was genau denkt er, ist die Bibel – und was nicht?
Er soll auch sagen, was er denkt, was die Bibel nicht ist. Wer und was genau, konkret und spezifisch ist Jesus – und wer und was genau nicht?
Die Antworten auf diese Fragen werden dir Bände erzählen. Denn das sind genau die Stellen, wo das Jenseits auf das Diesseits trifft und wo die sichtbare und die unsichtbare Welt sich überschneiden.
Und das ist der gemeinsame Nenner im liberalen Christentum: Menschenfurcht statt Ehrfurcht vor dem biblischen Gott. Deshalb wird ein eigenes Gottesbild ganz häufig dort gebastelt, wo es nicht mehr für nötig gilt, den biblischen Gott zu respektieren.
Also halte dir immer wieder vor Augen: Ehrfurcht vor dem biblischen Gott ist der Anfang von Weisheit.
Abschließender Tipp und Verabschiedung
Bevor wir also mit dem schlechten Witz der Woche schließen, hier ein abschließender Tipp: Lerne den biblischen Gott kennen, finde heraus, wofür wir Christen im Kern stehen und vor allem warum.
Mach dich fit – ich weiß, mach dich hashtag Bibelfit. Aber mal ernsthaft: Ja, mach dich fit für solche kniffligen Situationen, die dich vorher verwirrt haben. Dafür kannst du dir hier die Gesprächstipps mitnehmen, als Spickzettel. Sie haben schon Tausenden Menschen geholfen, klarer zu sehen und liebevoll sowie gelassen in solche Situationen hineinzugehen.
Dank der Hilfe der Spender-Community – vielen Dank euch! – kann ich das nämlich hundertfach verschenken. Klick dafür einfach auf den Link in der Videobeschreibung.
In jedem Fall: Schön, dass du da bist. Ich bin Markus Voss, und das war jetzt ein Input zum Thema Nachfolge verteidigen, um Nachfolge auch zu verstehen und zu leben. Mach dich hashtag Bibelfit.
Dazu lade ich dich jetzt ein, die Glocke zu klicken, denn damit bekommt Social Media ein Signal, dass solche Inhalte hier tatsächlich geschaut werden und nicht verborgen werden. Vielen Dank dafür.
Der schlechte Witz der Woche
Und damit enden wir mit dem schlechten Witz der Woche.
Eine Neubekehrte sitzt im Gemeindehaus und liest zum ersten Mal ihre Bibel. Sie ruft aus: „Halleluja, wie groß ist unser Gott, dass er das Rote Meer teilt, damit das Volk Israel hindurchlaufen konnte.“
Ein liberaler Theologe kommt vorbei und erklärt geduldig, dass es sich dabei vermutlich um ein Naturphänomen handelte. Außerdem war das Rote Meer damals nur knöchelhoch.
Darauf springt die Früchtbekehrte auf und ruft noch lauter: „Halleluja, wie groß ist unser Gott, dass er die gesamte Armee des Pharao in nur knöchelhohem Wasser ertränkt hat!“
Denk mal darüber nach.
Okay, wir sehen uns im nächsten Video. Ich freue mich auf dich.
