Einordnung des neuen Abschnitts im Markusevangelium
Guten Abend, ich begrüsse alle herzlich, auch die, die über den Livestream zugeschaltet sind.
Wir stehen in Markus 3, ab Vers 7. Aber wir wollen doch noch ein wenig auf einige Punkte im Text davor zurückkommen. Zuerst lese ich Markus 3, ab Vers 7 bis 19. Darf ich bitten?
Aber Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Und eine grosse Menge aus Galiläa folgte ihm nach, auch aus Judäa und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan. Und die aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen in grossen Scharen zu ihm, weil sie gehört hatten, wie viel er tat. Und er befahl seinen Jüngern, ihm ein kleines Schiff bereitzuhalten, um der Volksmenge willen, damit sie ihn nicht bedrängten. Denn er heilte viele, sodass alle, die eine Plage hatten, sich an ihn herandrängten, um ihn anzurühren. Und wenn ihn die unreinen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder, schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes! Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machen sollten.
Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte, und sie kamen zu ihm. Und er bestimmte zwölf, die bei ihm sein sollten und die er aussandte, um zu verkündigen, und die Vollmacht haben sollten, die Krankheiten zu heilen und die Dämonen auszutreiben: Simon, dem er den Beinamen Petrus gab; und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, denen er den Beinamen Boanerges gab, das heisst Donnersöhne; und Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon, den Kananiter, und Judas Iskariot, der ihn auch verriet.
Wir haben letztes Mal versucht, uns eine Übersicht zu verschaffen über Markus 1,1 bis 3,6. Den Gedankenverlauf haben wir vor uns gestellt, und wir haben gesehen, wie der Herr Jesus eingeführt wurde durch Johannes den Täufer, wie er dann seinen Dienst begann, öffentlich bereits ab Markus 1,14 und 15. Wir begannen, die ersten Jünger zu berufen, und wie Tagesabläufe aussahen. Dann kam diese Linie von der Heilung des Aussätzigen bis hin zu dem ersten Mordkomplott in Markus 3, Vers 6.
Wir haben gesehen, dass diese ganze Linie, dieses Wunder der Heilung eines Aussätzigen, eine absolute Sensation war. Das hat die Führerschaft in Israel dazu gezwungen, Stellung zu nehmen: Wer ist dieser Mann aus Nazareth? Wir haben gesehen, dass sie in einer ersten Phase eine Untersuchung gemacht haben, indem sie einfach zugehört haben. Dann haben sie in einer zweiten Phase begonnen, Fragen zu stellen, und der Herr hat alles beantwortet. Aber schliesslich haben wir gesehen, kamen sie zum Schluss: Er muss sterben.
Markus 3, Vers 6, lese ich nochmals: Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten sogleich mit den Herodianern Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.
Jawohl, wir haben letztes Mal gesehen: Das war genau im Jahr 30, also ein Jahr nach dem Beginn des öffentlichen Dienstes. Und von da an ging es noch vierzig Jahre bis zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Also eine ganz dramatische, einschneidende Zeit.
Wir haben auch letztes Mal gesehen: Ab diesem Moment hatten die Opfer in Jerusalem keine Kraft mehr. Ich habe an dieser Stelle aus dem Talmud den Traktat Joma erwähnt, das ist der Traktat über den Jom Kippur, den Versöhnungstag. Und dort heisst es in 39b, dass in den vierzig Jahren vor der Zerstörung des Tempels das Opfer von Jom Kippur von Gott nicht mehr angenommen wurde. Das heisst, das Los für den Bock für Gott kam nicht mehr in die rechte Hand, und die rot gefärbte Schnur, die man um die Hörner des Sündenbockes band, wurde nicht mehr weiss.
Das habe ich letztes Mal aber nicht gesagt, darum jetzt ein paar Ergänzungen. Der Bezug besteht zu Jesaja 1. Können wir kurz aufschlagen? Liest du, Urs, Jesaja 1,18?
Kommt doch! Wir wollen miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiss werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Karmesin, sollen sie weiss wie Wolle werden.
Jawohl, das hat man immer wieder erlebt, dass eben am Jom Kippur die rot gefärbte Schnur um die Hörner des Sündenbockes sich in Weiss veränderte, nachdem der Sündenbock in der Wüste über eine Klippe abgestürzt war und starb, um nie mehr die Schuld Israels zurückzubringen. Da wurde diese Schnur weiss. Aber der Talmud sagt: In den vierzig Jahren, also ab Markus 3, Vers 6 bis zum Untergang von Jerusalem und des Tempels, hat sich dieses Wunder nie mehr ergeben. Die Schnur blieb rot, und zwar karmesinrot. Das ist genau die Farbe des arteriellen menschlichen Blutes. Man wusste also: Wir haben Blutschuld auf uns. Und Gott vergibt nicht mehr. Das war unglaublich.
Und wenn man dann denkt, in Matthäus 27, da sind wir dann schon im Jahr 32, vor Pilatus hat die Volksmenge gerufen: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder. Also die, die vor Pilatus waren, die haben gewissermassen die Verantwortung für den Justizmord übernommen und dieses Blut auf sich herabgeschworen. Etwas Schreckliches.
Aber etwas ganz Wunderbares ist der letzte Vers im Propheten Joel für die Zukunft. Kleine Propheten, Hosea, und dann kommt Joel. Und Joel beschreibt die grosse Drangsalzeit, die noch kommen wird, und dann die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit und was dann geschieht. Und da lesen wir Joel 4,20-21 bitte.
Juda aber soll ewig bewohnt werden und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht, und ich werde sie von ihrem Blut reinigen, von dem ich sie nicht gereinigt hatte; und der Herr wird wohnen bleiben in Zion.
Ja, eindrücklich. Also Gott verheisst: Es geht hier um die Wiederherstellung Israels in der Zukunft. Israel hat eine herrliche Zukunft als Nation verheissen. Und Gott sagt: Ich werde sie von ihrem Blut reinigen, und zwar von dem Blut, von dem ich sie nicht gereinigt hatte. Wer eine Übersetzung hat, wo es ein bisschen anders klingt, kann wissen: Die Elberfelder hat auch da wieder die Übersetzung absolut getroffen. Ich werde sie von ihrem Blut reinigen, von dem ich sie nicht gereinigt hatte. Und der Herr wird in Zion wohnen, der Jesus wird König sein in Jerusalem.
Also ganz eindrücklich, wenn man diese heilsgeschichtliche Linie von Markus 3, Vers 6 sieht, über die vergangenen zweitausend Jahre bis in die Zukunft. Dieser Zusammenhang ist gewaltig.
Der Einschnitt im Evangelium und die Enttäuschung des Knechtes
Und jetzt ist uns also klar geworden: Markus 1,1 bis 3,6 ist ein Teil im Markus-Evangelium, der in sich abgeschlossen ist. Er zeigt also das Kommen des Dieners, seinen vollkommenen Dienst, aber dann auch die Verwerfung durch die Führerschaft.
Und nun beginnt ab Kapitel 3, Vers 7 ein neuer Teil. Da muss man gut auf solche literarischen Kennzeichen achten. Das findet man immer wieder in der Bibel, dass der Heilige Geist ganz bestimmte Redewendungen benutzt, um biblische Bücher einzuteilen. Und zwar geht es jetzt darum, dass der Herr Jesus ab diesem Moment sich zurückzieht.
Aber Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück, und eine grosse Menge aus Galiläa folgte ihm nach, auch aus Judäa und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan, und die aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen in grossen Scharen zu ihm, weil sie gehört hatten, wie viel er tat.
Ja, also, der Herr zieht sich zurück. Er wird von der Führerschaft verworfen, und er zieht sich zurück. Und hier beginnt der zweite Teil in Markus 3, Vers 7, und der wird dauern bis Kapitel 5, Vers 43.
Und dann kommt der dritte Teil in Kapitel 6. Lies du, wie es dort beginnt:
Und er zog von dort weg und kam in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgten ihm nach.
Ja, da gibt es wieder einen Einschnitt, und wieder geht es darum, dass der Herr weggeht und sich also weiter zurückzieht. Und dieser Teil geht dann, der dritte Teil, von Markus 6 bis Kapitel 7, Vers 21.
Lesen wir noch als Beispiel Markus 7, Vers 24, da beginnt der vierte Teil im Markus-Evangelium:
Und er brach auch von dort auf und begab sich in die Gegend von Tyrus und Sidon und trat in das Haus, wollte aber ...
Danke, das reicht schon.
Also auch da: Der Herr geht weg. Das ist gewissermassen wie ein Refrain im Markus-Evangelium. Der Herr wird verworfen, er geht weg. Er erlebt weiter Verwerfung, er geht weg. Das zieht sich so durch das Evangelium hindurch. Und wir werden später dann schauen, wie die weitere Einteilung des Markus-Evangeliums ist.
Es ging mir einfach darum, klarzumachen: Markus 3,7, das ist ganz wichtig, dass es da heisst, Jesus zog sich mit seinen Jüngern zurück. Eine tiefe Enttäuschung war das für ihn. Wenn man sich denkt: Er kam, er begann zu predigen, und zwar wie niemand anders. Wir haben gesehen, es wurde bezeugt: Niemand spricht so mit dieser Autorität, wie er gesprochen hat. Und trotzdem wird er verworfen.
Eine tiefe Enttäuschung war das für den Herrn, und wir lesen prophetisch etwas davon in Jesaja 49. Das ist eines der fünf Gottesknechtgedichte im Propheten Jesaja, also fünf Gottesknechtgedichte über den Messias. Dort wird gesagt, dass der Messias tief enttäuscht werden sollte durch seinen Dienst.
Jesaja 49,3 liest du, Urs:
Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche. Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht. Doch steht mein Recht bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen. Israel aber wurde nicht gesammelt; und doch wurde ich geehrt in den Augen des Herrn, und mein Gott war meine Stärke.
Ja, mal ein bisschen.
Also Gott, der Vater, sagt zu seinem Sohn: Du bist mein Knecht. Genau das ist das Thema des Markus-Evangeliums. Und er sagt: An dir werde ich mich verherrlichen. Und tatsächlich haben wir gesehen in Markus 1,1-3,6, wie Gott durch den vollkommenen Knecht auf dieser Erde verherrlicht worden ist.
Aber dann hören wir die Stimme des Knechtes: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt. Das war das Resultat. Die Führerschaft und dann auch ein grosser Teil des Volkes haben den Herrn abgelehnt. Das war eine tiefe Enttäuschung, und der Herr hat das wirklich tief empfunden.
Er ist vollkommener Mensch geworden, aber das bedeutet nicht nur, dass er so tief empfinden konnte wie wir, sondern noch tiefer. Denn wir sind alle durch die Sünde von Kind auf in unseren Gefühlen einer gewissen Verhärtung unterworfen worden. Und der Herr hat viel tiefer die Dinge empfunden als wir. Darum war diese Enttäuschung riesig.
Aber dann kommt der Trost, nämlich ab Vers 6. Urs, jetzt kommt nämlich der Trost des Vaters an den Sohn.
Ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis ans Ende der Erde.
Ja, also der Herr sagt ja: umsonst abgemüht. Und in Vers 5 wird dann erklärt, was das bedeutet. Er ist der Knecht Gottes, um Jakob zu ihm zurückzubringen. Der Plan war, dass durch die Predigt des Herrn Jesus — und wir haben gesehen in Markus 1,15, er sagte: Tut Busse und glaubt dem Evangelium — sie alle umkehren sollten. Jakob, das Volk Israel, sollte zu Gott umkehren. Aber es ist nicht geschehen: um Jakob zu ihm zurückzubringen, und Israel ist nicht gesammelt worden.
Da hätte er auch all diese vielen Juden, die damals im Ausland lebten, schliesslich nach Israel zurückbringen sollen, ins Land der Väter. Wir sehen ja, wie viele Juden damals im Ausland waren, wenn wir die Apostelgeschichte lesen. Der Apostel Paulus geht in der Mittelmeerwelt von einem Ballungszentrum zum anderen, von einer Grossstadt zur anderen. Und was sucht er als Erstes in einer Stadt? Die Synagoge.
Aber es gab Juden, die im Ausland Handel trieben, und die waren dort festgesetzt. Eine Ausnahme war bei den Missionsreisen des Apostels Paulus, wo er gerade keine Synagoge fand: Philippi. Was fand er dort? Ja, einen jüdischen Frauenkreis.
Ja, aber eben: Die hätte er aus dem Ausland alle dann sammeln sollen. Und dann sagt aber Gott zu ihm in Vers 6: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten, also für die Umkehr Israels zu sorgen, damit Israel wieder richtig aufgerichtet wird. Das ist zu wenig, du hast noch mehr Aufträge: und die Bewahrten von Israel zurückzubringen, die aus der Diaspora, aus der Zerstreuung, heimzubringen.
Und dann sagt er: Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde. Das sollte also die Chance werden für alle nichtjüdischen Völker, dass die Botschaft von dem vollkommenen Knecht, der in diese Welt kam, um sein Leben als Lösegeld zu geben, wie das in Markus 10,45 gesagt wird, als Inhalt oder Kurzzusammenfassung seines Auftrages, dass eben diese Erlösung in der ganzen Welt verkündigt werden sollte.
Und wir können heute 2026 etwas entspannt, zurückgelehnt, zurückschauen über 2000 Jahre Weltmission, und diese Botschaft hat wirklich alle Nationen der Welt bis heute erreicht. Das war der Trost: Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt.
Und jetzt sehen wir eben in diesem Licht Markus 3,7 und 8 ganz anders. Lies nochmals:
Aber Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Eine grosse Menge aus Galiläa folgte ihm nach, auch aus Judäa und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordan, und die aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen in grossen Scharen zu ihm, weil sie gehört hatten, wie viel er tat.
Das Meer als Bild der Völker und die Weite der Anziehungskraft
Ja, also erstens heisst es, er zieht sich zurück an den See. Übrigens: Auf Griechisch ist das Wort für See dasselbe Wort wie für Meer. Im Griechischen des Neuen Testaments und auch im Hebräischen des Alten Testaments benutzt man dasselbe Wort für See oder Meer. Auf Deutsch hat man das genau definiert: Ein Meer ist ein Gewässer ohne Abfluss. Ein See ist dagegen ein Gewässer mit Zufluss und Abfluss. Diese Unterscheidung wird in der Bibel nicht gemacht, und darum ist das für die Symbolik hilfreich.
Wofür steht der See Genezareth? Jesaja 17. Wir lesen Jesaja 17,12-13: Wehe, ein Toben vieler Völker, die toben wie das Meer, und ein Rauschen von Völkern, die wie mächtige Wasser rauschen. Die Völker rauschen gleich den grossen Wassern. Wenn er sie aber schilt, so fliehen sie weit davon und werden dahingejagt wie Spreu auf den Bergen vor dem Wind und wie wirbelnder Staub vor dem Sturm.
Jawohl, also: Das Getümmel vieler Völker wie das Brausen der Meere, so brausen sie; das Rauschen von Völkerschaften wie das Rauschen gewaltiger Wasser, so rauschen sie. Völkerschaften rauschen wie das Rauschen vieler Wasser. Es ist klar: Das Meer ist ein Bild der Völker, der Nationen, der Welt. Und zwar sind die Nationen der Welt durch die ganze Geschichte hindurch eben wie das Meer. Das Meer kann nie ruhig sein, immer ist es aufgewühlt. Und so ist die ganze Geschichte eine Geschichte des Aufgewühltseins. Nationen sind aufgewühlt, militärisch, kriegerisch. Sie sind aufgewühlt sozial durch Unruhen, Ungerechtigkeit von Reichen gegen die Armen, Aufstände der Armen gegen die Reichen und eben all die Probleme, nicht nur sozial und militärisch, sondern auch wirtschaftlich und so weiter, die bewirken, dass die Völker ständig in Unruhe sind. Wir haben nie in der Geschichte eine Zeit erlebt, in der es plötzlich einfach so ruhig war.
Also werden die Völker in der Bibel durch das Meer symbolisiert. Und jetzt zieht der Herr sich zurück an das Meer von Galiläa, wie der See Genezareth auch genannt wird. Das heisst: Der Herr Jesus wurde von der Führerschaft Israels abgelehnt, und jetzt wendet er sich den Heiden zu. Das ist der Trost des Vaters.
Und dass diese Symbolik nicht nur einfach Symbolik ist, sehen wir jetzt ganz krass: Welche Leute kommen da, um ihn zu hören? Ganz viele. Können wir zusammentragen, woher sie kommen? Oder gehen wir der Reihe nach? Genau, aber gehen wir der Reihenfolge nach.
Aus Galiläa. Was ist Galiläa, ganz kurz? Man kann das ganz einfach kurz erklären: eine verachtete Gegend in Israel. Ja, und wo? Im Norden, also Nordisrael ist Galiläa. Gut, die kamen von Galiläa aus Nordisrael, und dann von Judäa, das wäre Südisrael, genau, und zwar auch noch von Jerusalem. Das ist die Hauptstadt, und sie befindet sich eben in Judäa, die jüdische Hauptstadt.
Aber weiter heisst es: von Idumäa. Was ist denn das, Idumäa? Ja, das ist ein anderer Name, man kann sagen, die griechische Aussprache für Edom. Und was bedeutete das damals, welches Gebiet? Wie? Du sagst Iran, habe ich richtig verstanden? Nein, nicht Iran. In Jordanien, wo? Ja, genau. Der Jordan geht ja ins Tote Meer, und dann südlich vom Toten Meer, am Südende, dort beginnt auf der jordanischen Seite eben das rötliche Gebirge von Edom. Edom heisst ja Rot, und diese roten Berge südlich vom Toten Meer runter in Jordan werden in der Bibel Edom genannt.
Aber Edom hat sich damals noch weiter ausgebreitet auf heute israelisches Gebiet, in die Negev-Wüste, also nicht nur auf der jordanischen Seite, sondern auch auf der Westseite in Israel. In der Negev-Wüste war Idumäa, Edom. Aber wir sind die Edomiter, die Nachkommen von Esau, also Nichtisraeliten, und die kamen von dort. Heiden also, von ihrer Herkunft her Heiden. Und es war so: Ein König der Makkabäer um ungefähr 100 vor Christus hat die Edomiter gezwungen, jüdisch zu werden.
Ja, das ist noch ein wichtiger Punkt, denn manchmal, wenn man mit orthodoxen Juden spricht, haben sie sehr deutlich vor sich, wie in der vergangenen Geschichte sogenannte Christen, wie die katholische Kirche, Juden gezwungen hat, zum Katholizismus überzutreten und sich taufen zu lassen. Als Beispiel: 1492 war ja das Edikt in Spanien, alle Juden müssen Spanien sofort verlassen, sind nicht mehr erwünscht, Spanien soll judenrein sein, ausser sie lassen sich katholisch taufen. Da mussten ja die Juden in grossen Mengen fliehen. Ja, und das ist nur so ein Beispiel. Und das ist denn sehr gegenwärtig, quasi für sie ist Christenheit die Geschichte der katholischen Kirche. Sie können oft gar nicht unterscheiden zwischen evangelikalen Christen und der katholischen Kirche. Sie sehen also einfach: Wir wurden immer wieder gezwungen, Religion zu wechseln.
Da muss man sagen: Aber das gibt es in der jüdischen Geschichte auch. Und zwar hat eben dieser Makkabäer-König Hyrkanus um 100 vor Christus die Edomiter zum Judentum gezwungen. Und dann besonders die Oberschicht, die hat sich dann eben auch durch Heirat mit der Oberschicht in Judäa verbunden, und die haben sich dann mehr ins Judentum eingebunden. Aber das gilt nicht einfach für das ganze Volk. Die haben sich vielleicht beschneiden lassen und gewisse Riten mitgemacht. Ja, also das ist so eine ganz komische Sache.
Aber jetzt sieht man: Die kommen aus Idumäa in grossen Mengen, um den Herrn Jesus zu hören, den Messias. Und weiter: Was ist der nächste geographische Punkt? Noch vorher: von jenseits des Jordan. Ja, wo jenseits? Ja, das ist Jordanien, und zwar besonders das Gebiet der Dekapolis. Es gab ja zehn Städte, die einen ganz besonderen Status hatten im Römischen Reich, und neun Städte der Dekapolis waren im heutigen Jordanien. Da lebten auch Juden, aber die Mehrheit der Bewohner der Dekapolis waren ethnisch von welcher Herkunft? Wie? Das waren Nabateer, also Nachkommen von Ismael, also Araber. Weiter wohl auch Aramäer und griechische Siedler, ja, also richtige Mischbevölkerung von jenseits des Jordan. Also Dekapolis. Ich habe gesagt, neun Städte waren dort, eine Stadt der Dekapolis war im heute israelischen Gebiet, nämlich, ist nicht klar, Beit She'an südlich vom See Genezareth. Das war eine Stadt der Dekapolis auf der anderen Seite, also auf der israelischen Seite heute.
Gut, aber merkt man: Auch da muss man rechnen mit vielen Nichtjuden, die kamen, um zu hören. Und dann, Ueli, du hast es schon längst gesagt: Tyrus und Sidon, Städte, die wir auch heute kennen. Wo sind die? Wie? Tyrus gibt es immer noch? Ja, ja, ja, aber Neu-Tyrus gibt es eben, aber das alte Tyrus, ja, ja, das wurde ausgelöscht, genau. Aber das ist wo, wurde schon gesagt? Libanon, Südlibanon, ja? Und Sidon auch übrigens, Hochburgen der Hisbollah heute.
Ja, und ethnisch: Was sind das für Leute, die Libanesen? Wo kommt das libanesische Volk her? Wie? Phönizien, ja. Und was sind Phönizier mit einem Namen, der viel bekannter ist? Phönizier nennt man die Kananiter im Libanon. Ich war in Israel, das war ja ursprünglich das Land Kanaan. Das sind Kananiter, diese Ureinwohner. Die sind nach der Sintflut von Babel eben ausgewandert und haben das Gebiet von heute Israel und Libanon besiedelt, bis sogar nach Syrien. Und die libanesischen Kananiter, die nennt man später in der Geschichte Phönizier. Also das sind keine Araber, wie eben die Nabateer, Nachkommen von Ismael. Ismael ist ein Semit, ja, und die Aramäer sind auch Semiten, aber die Libanesen sind ja, von wem stammt Kanaan ab? Wie? Nein, Kain wäre ja noch vor der Sintflut. Aber nach der Sintflut, wo man das ganz einfach nachschauen kann: Völkertafel, 1. Mose 10. Dort wird Noah und seine drei Söhne erwähnt, Sem, Ham, Japheth und deren Söhne, im Ganzen siebzig Namen. Man nennt dieses Kapitel die Völkertafel. Das ist Gottes Missionsdokument im Alten Testament. Dort wird nämlich nach Babel und der Völkerzerstreuung wegen der Sprachenverwirrung werden diese Namen aufgelistet, und nachher beginnt 1. Mose die Geschichte mit Abraham. Und dann wird der Fokus gelegt auf die Geschichte Israels.
Und jemand könnte denken, Gott hat die Völker vergessen. Nie hat er sie vergessen. Darum gibt es 1. Mose 10. Dort haben wir die Namen, die siebzig Namen, von denen aus die ganze Welt sich bevölkert hat. Und also von dort aus geht der Gesamtstammbaum. Und heute übrigens kann man mit Gentests beweisen, auch die Aborigines und die südamerikanischen Indianer, die sind alle eine Familie und gehen zurück auf der Männerlinie auf drei Männer. Das kann man heute mit Gentests zeigen. Und zwar ist das eben Sem, Ham und Japheth. Ja, und Gott hat dieses Dokument mit den siebzig Namen gegeben, um zu zeigen: Ich habe die Völker nie vergessen. Aber Israel wurde auserwählt, damit aus diesem Volk der Messias käme. Und wenn der Messias kommen würde, dann würde Gott sich wieder in besonderer Weise den Völkern zuwenden. Und da sehen wir bereits jetzt die Ansätze. Die kommen aus Tyrus und Sidon, die Kananiter, und eben in 1. Mose 10, dort findet man Ham. Und einer seiner Söhne heisst eben Kanaan. Das sind Hamiten, Libanesen sind Hamiten.
Warum sie arabisch sprechen und nicht kananitisch, also phönizisch, was ist der Grund? Ja, die Verbreitung des Islam. Also im siebten Jahrhundert nach Christus, nach dem Tod von Mohammed, kamen die ersten Muslime aus der saudischen Halbinsel, haben den ganz nahen Osten erobert und später ganz Nordafrika, und die haben ihre Sprache aus der saudischen Halbinsel diesen Völkern aufgedrängt. Und so ging eben im Libanon ihre Sprache verloren, eben Phönizisch. Und Phönizisch ist nichts anderes als ein kanaanäischer Dialekt, ganz nahe bei Hebräisch. Also wenn man Hebräisch kann, kann man ziemlich ohne Probleme auch phönizische Inschriften übersetzen. Das zeigt, die konnten sich verständigen. Ja, und das ist alles aufgedrängt.
Aber hier sehen wir noch diese Phönizier, die damals eben Phönizisch, eine verwandte Sprache von Hebräisch, gesprochen haben, und darum konnten die das auch, konnten die auch Juden verstehen. Aber in welcher Sprache hat der Herr da wohl gepredigt? Wie? Aber dann hätten es die meisten nicht verstanden. Griechisch, ja klar. Der Herr hat Hebräisch gesprochen, er hat auch Aramäisch gesprochen. Beide Sprachen waren in Israel damals lebendige Sprachen, und er hat auch Griechisch gesprochen, zum Beispiel wenn er vor Pilatus war, Johannes 19, und Pilatus fragte: Bist du ein König? und so weiter, dann müssen wir uns im Klaren sein, dass der Herr Griechisch gesprochen hatte. Das war also sehr verbreitet damals in Israel, dass auch nicht besonders gebildete Leute zwei- oder dreisprachig waren. Ziemlich normal.
Ja, und so kann man also denken, bei dieser Predigt, wo also Tausende kamen aus ganz Israel und eben darüber hinaus Jordanien und Libanon, dass der Herr dann Griechisch gesprochen hat, die Verkehrssprache von damals, das Englisch von damals, und die konnten das Wort verstehen. Und was hat sie so angezogen? Ja, das steht so im Markus-Evangelium. Und Markus beschreibt in seinem Evangelium so, um ihm wieder zu zeigen: Er ist der vollkommene Knecht. Und darum muss man beim Lesen immer wieder so auf solche Formulierungen achten, die man nur bei Markus findet. Da sieht man: Ich habe das bei mir speziell angestrichen, wie vieles er tat. Also sein Handeln, sein hingebungsvolles Handeln, das hat die Menschen angezogen, um das Wort zu hören. Da sehen wir den Zusammenhang zwischen Wort und Tat.
Gut, jetzt gehen wir aber noch ein bisschen zurück, habe ich gesagt. In Markus 3,1-6 haben wir diese Geschichte letztes Mal behandelt. Es war Sabbat, der Herr hat jemanden geheilt mit einer starren Hand, verdorrten Hand, und der Herr wusste ganz genau, dass die Führerschaft da auf ihn lauerte, um zu sehen: Heilt er jetzt am Sabbat, bricht er das Sabbatgebot? Und wir haben letztes Mal schon gesehen: Das war ja eigentlich gar keine Arbeit. Wenn der Herr sagt: Streck deine Hand aus, und er streckt seine Hand aus, und sie ist geheilt, das war die Anstrengung. Für den Herrn ist das überhaupt keine Anstrengung gewesen. Aber das wurde quasi als Arbeit eines Arztes angesehen und quasi am Sabbat nicht erlaubt.
Aber der Herr hat dort ihnen, bevor er geheilt hat, die Frage gestellt in Vers 4: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu töten? Da hat er natürlich Bezug genommen auf das, was die Rabbiner eigentlich auch gelehrt haben. Am Sabbat ist das Gebot, Leben zu retten, ein höheres Gebot als das Gebot, den Sabbat als Ruhetag einzuhalten. Gott hat ein rituelles Gebot gegeben für Israel, und übrigens nur für Israel. 2. Mose 31 sagt ausdrücklich: Das ist das Zeichen des Bundes von Gott. Der Sabbat ist das Zeichen des Bundes von Gott mit den Kindern Israel, nicht mit allen Völkern, nicht mit der Gemeinde. 2. Mose 31 sagt mit Israel. Und es ist ein rituelles Gebot, nur Israel muss diesen Sabbat einhalten, nicht die anderen Völker.
Und nun haben die Rabbiner selber gesehen: Das Gebot, Leben zu retten, ist höher als das rituelle Sabbatgebot. Und das ist auch der Grund, warum man Babys wickelt und pflegt, auch am Sabbat. Die lässt man nicht in den schmutzigen Windeln am Sabbat. Ich habe letztes Mal auch gesagt: Und gute Väter stossen auch die Kinderwagen am Sabbat selbstverständlich. Er sagt: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu töten? Und übrigens, im zweiten Jahrhundert vor Christus, als der Makkabäer-König Antiochos Epiphanes in Israel gewütet hat und am Sabbat Juden abgeschlachtet hatte, diese Zeit wurde prophezeit in Daniel 11, eine schreckliche Zeit, hat sich alles so erfüllt, und da haben Juden sich nicht gewehrt am Sabbat und haben sich abschlachten lassen. Dann haben die Makkabäer zusammen besprochen: Wie ist das eigentlich? Man ist zum Schluss gekommen: Das ist falsch. Auch am Sabbat muss man Leben retten. Wir können uns nicht einfach von den Feinden abschlachten lassen am Sabbat, sondern das ist ja die Aufgabe des Staates. Der Staat hat das Schwert bekommen, nach Römer 13, und damit eine Armee und eine Polizei. Die Aufgabe der Armee ist es, ein Volk zu schützen vor den Feinden. Die dürfen nicht einfach abgeschlachtet werden.
Dann hat man erkannt und beschlossen: Das Gebot, Leben zu erhalten, ist höher als das rituelle Sabbatgebot, und darum kämpft seither die Armee Israels auch am Sabbat. Ja, und der Herr sagt also hier klar: Ist es erlaubt, Gutes zu tun, Leben zu retten oder zu töten? Und sie schweigen. Sie steigen gar nicht auf die Diskussion ein.
Ja, Samuel, ja, das ist eine gute Frage. Wir kommen gleich darauf zurück. Aber es hat schon den Grund gehabt, warum ich bisher gesagt habe, dass ein rituelles Gebot, das Sabbatgebot, gebrochen werden darf, wenn ein höheres Gebot eben verlangt, Leben zu schützen, Leben zu retten. Ja, aber wir kommen auf den Punkt gerade zu sprechen. Nun ist es so: Sie haben geschwiegen, sind nicht auf die Diskussion eingegangen, und dann hat der Herr geheilt. Aber was wird Überraschendes gesagt in Vers 5? Lies nochmals den ersten Satz.
Und indem er sie ringsumher mit Zorn ansah, betrübt wegen der Verstocktheit ihres Herzens, sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus. Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wieder gesund wie die andere.
Ja, der Herr war zornig. Wie können wir diesen Zorn einordnen? Wir kommen auf das andere Thema zurück, es ist alles auf dem Radar. Ja, wie können wir das einordnen? Der Herr ist zornig. Ein heiliger Zorn, also den gibt es, und wir wissen, wie Mose empfunden hat, als er vom Berg herabkam mit den Tafeln des Gesetzes, und er sah das Volk, das eben die Sünde des goldenen Kalbes, den Götzendienst, begangen hatte. Und er sieht: Alles für nichts. Israel hat bei der mündlichen Verkündigung Gottes vom Sinai herab, hat Gott die zehn Gebote mündlich verkündigt und Israel gesagt: Alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun. Und Mose, im Zorn zerschlägt er die Tafeln. Und das war heiliger Zorn. Das war übrigens nicht ein unbeherrschter Zorn. Heiliger Zorn ist nie unbeherrscht. Wenn er unbeherrscht ist, dann stimmt es nicht mehr. Aber es war ein heiliger Zorn, und im Neuen Testament werden wir sogar aufgerufen als Befehl, zornig zu sein. Wo? Wo wird befohlen, dass wir zornig sein sollen? Ja, wo steht das? Ja, schlagen wir doch auf: Epheser. Und zwar liest du Urs ab Vers 25, und du stoppst, wenn ich stopp sage. Kapitel? Kapitel 4, Vers 25.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind untereinander Glieder.
Ja, und jetzt kommt es. Zürnt ihr, so sündigt nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn.
Das reicht, das reicht, das reicht. Also noch wörtlicher: Du liest mir meinen Schlachter vor, nicht wahr? Zürnt und sündigt nicht! Das sind zwei Imperative, zwei Befehlsformen. Zürnt, also seid zornig, und in einem Atemzug: und sündigt nicht. Also man kann zornig sein und sündigen. Und wenn die Beherrschung verloren ist, dann ist es Sünde, eindeutig. Aber der heilige Zorn bedeutet, dass man eben nicht sündigt. Und jetzt ganz wichtig der nächste Satz: Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, gebt auch nicht Raum dem Teufel.
Danke. Also hier wird aber gewarnt vor Zorn. Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Jetzt muss man sich in der Bibel besonders anstreichen: Welches Wort? Euer Zorn. Das ist der Zorn, der eben nicht die Ehre Gottes sucht, sondern im Kontrast dazu das, was wir wollen. Und das geht nicht. Dieser Zorn wird von der Bibel verurteilt. Also: Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Aber wenn es vorher heisst: Zürnt und sündigt nicht, dann ist eben gemeint, dass, wenn zum Beispiel der Herr Jesus von Menschen gelästert wird und wenn da Gläubige das irgendwie einfach so locker ertragen, ohne innerlich einen Schmerz zu empfinden, eben von Zorn, das heisst nicht dreinschlagen, aber ähnlich einen Zorn empfinden über dieses Unrecht, ja, da muss man sich fragen: Was für eine Beziehung ist da zum Herrn? Darum wird gesagt: Zürnt und sündigt nicht, und gleich gewarnt: Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn.
Und das ist auch wichtig für Ehepaare, dass also alles noch am gleichen Abend geregelt wird, wenn etwas war. Aber nicht nur für Ehepaare. Eben, das zeigt: Da muss man nicht Wochen warten oder Tage warten, sondern das muss man in Ordnung bringen. Und eine ganz wichtige Stelle für Männer: Männer haben eine höhere Konzentration von einem Hormon, welches? Testosteron. Und das hilft, um noch energischer sein zu können, und das kann dann eben auch die Tendenz zu einem Zorn erleichtern. Da warnt uns die Bibel eben. Es ist aber keine Entschuldigung, sondern man muss das Hormon beherrschen, nicht das Hormon uns. Und Jakobus 1,19-20. Bist du es?
Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; denn der Zorn des Mannes vollbringt nicht Gottes Gerechtigkeit.
Ja, also das ist eine Warnung. Das ist eben nicht der Zorn, der heilige Zorn. Der Zorn des Mannes wirkt niemals das, was vor Gott recht und gut ist. Darum muss man sich diese Stelle ganz besonders merken.
Ja, aber zurück zu Markus 3,5. Der Jesus blickte auf sie mit Zorn. Aber das zeigt auch seine Liebe zu jeder Person, die da war. Er schaut sie an und ist innerlich so traurig und so enttäuscht über diese Verstockung, dass sie nicht bereit waren, seine Belehrung, wie man die Tora richtig auslegt, wie man das Sabbatgebot richtig auslegt, anzunehmen. Und ich habe ja schon angedeutet: Im Lauf der jüdischen Geschichte musste man immer wieder lernen. Als diese Sache war in der Zeit der Makkabäer und man gemerkt hat: Das geht nicht, Israel darf sich nicht am Sabbat abschlachten lassen als Nation. Da haben wir etwas falsch verstanden. Die Armee muss kämpfen, auch am Sabbat.
Das ist übrigens so erklärbar, warum die Operation Brüllender Löwe an welchem Tag begonnen hat. Wie? 28. Februar, das war ein Sabbat, als der Vierzigtagekrieg gegen Iran begann. Man muss hier klar sein: Der Iran hat seit Jahren einen Countdown aufgestellt, der abzählt die Tage bis zur totalen Vernichtung Israels. Iran ist ein Staat, der jahrelang laut gerufen hat: Tod Amerika, Tod Israel. Und so ging der Vierzigtagekrieg eben am Sabbat los. Und da haben die Feinde gedacht: Dann sicher nicht. Aber das ist jetzt erklärbar, warum das möglich ist, und eben, das wurde im Laufe der Zeit erkannt, und die Auslegung verbessert. Aber jetzt ist der Herr Jesus da, und er erklärt eben, was richtig ist und wie man die Gebote auslegen muss. Aber sie sind so verstockt und wollen gar nichts von ihm annehmen.
Ja, also das ganz bewusste Verwerfen, das kommt dann noch in Kapitel 3 im Zusammenhang mit der Lästerung des Geistes. Aber da sehen wir auf jeden Fall, da wird betont, dass es eben eine Verstocktheit des Herzens war. Und diese Verstocktheit des Herzens kann dann schliesslich zur endgültigen Verwerfung führen. Aber das kommt eigentlich noch in Kapitel 3. Es ist auch ein Weg. Und jetzt verstehen wir eben, wie der Herr das empfunden hat, diese Enttäuschung, dass sie nichts von ihm annehmen wollen. Und da wollte ich eben auch noch zurückkommen auf den Abschnitt Kapitel 2,23-27. Das haben wir schon betrachtet, aber nicht alle Punkte, die wir noch betrachten sollten. Lies nochmals Urs 2,23:
Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, auf dem Weg die Ähren abzustreifen. Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Sieh doch, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel litt und er und seine Gefährten Hunger hatten, und wie er zur Zeit des Hohepriesters Abiatar in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote ass, die niemand essen darf als nur die Priester, und auch denen davon gab, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat wurde um des Menschen willen geschaffen, nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Ränder übergelassen werden sollten, nach 3. Mose 23,22. Da wird ausdrücklich gesagt, für die Armen soll man etwas überlassen. Und wir haben letztes Mal gesehen, da sind wir in der Zeit eben gerade nach der Gerstenernte. Und jetzt gingen der Herr und die Jünger da an den Kornfeldern vorbei, und das war also absolut korrekt, dass die Jünger da Ähren abpflückten. Aber Rabbiner haben das so ausgelegt: Ähren abpflücken ist eigentlich dasselbe wie die Arbeit des Erntens. Sie haben das gleichgesetzt. Und zweitens: Die Ähren eben so zu zerreiben, das ist eigentlich dasselbe wie Dreschen. Also haben sie geurteilt: Das ist nicht erlaubt, die Jünger, die ernten und dreschen am Sabbat.
Aber wir sehen: Das Problem ist schon mal, wie sie es überziehen. Etwas so pflücken ist nicht dasselbe wie ernten. Und Ähren so zu zerreiben ist nicht dasselbe wie dreschen. Ist nicht dasselbe. Aber wenn man verschiedene Dinge, die ähnlich sind, eben gleichsetzt, dann bekommt man im Denken ein Problem. Man muss unterscheiden können.
Aber noch mehr: Der Herr verweist dann auf 1. Samuel 21. Das ist diese Geschichte: David war auf der Flucht als der verworfene König. Merken wir den Zusammenhang? So wie der Herr Jesus damals der verworfene Messias war. Und dann kam er zur Stiftshütte, und dort hat der Hohepriester, der Vater von Abiatar, hat ihm die Schaubrote gegeben, die nur Priester essen dürfen, nach 3. Mose 24 gegeben, und zwar weil es ein Notfall war. Die waren hungrig auf der Flucht, da hat er ihnen das gegeben, weil das Gebot, Leben zu erhalten, höher ist als das rituelle Gebot, man darf keine Schaubrote essen als Nichtpriester.
Darum sagt der Herr in diesem Beispiel: Seht, es gibt eine Überhöhung, und das muss man beachten, um das Sabbatgebot richtig auszulegen. Und er sagt ihnen, er stellt ihnen eine Frage: Wie heisst die? Habt ihr nie gelesen? Kleine Hausaufgabe mit der Handy-Konkordanz: Alle Stellen heraus suchen, wo der Herr auch anderswo diese Frage stellt: Habt ihr nie gelesen? Wiederholt sagt der Herr das? Also weist man immer darauf: Habt ihr die Bibel nicht gelesen? Und jetzt ist es so, im Griechischen kann man eine Frage stellen, so dass man gleich weiss, wie man antworten muss, also mit Nein oder mit Ja. Und hier ist es so, die Frage ist so formuliert, dass erwartet wird, dass sie sagen: Ja. Also wenn der Herr sagt: Habt ihr nie gelesen? erwartet er nicht, dass sie sagen: Nein, das haben wir also 1. Samuel 21, das haben wir immer ausgelassen bis jetzt. Nein, aber die Frage ist: Habt ihr nie gelesen? Ja, ihr habt es doch gelesen, und trotzdem versteht ihr das nicht.
Und da sehen wir den Herrn Jesus als eben den höchsten Lehrer, der erklärt, wie man die Bibel verstehen muss. Aber die Pharisäer haben eine eigene Auslegungstradition aufgebaut, die sogar in Widerspruch kam mit dem Wort Gottes selbst. Und der Herr wollte ihnen helfen, aber sie wollten seine Belehrung nicht. Und da sehen wir also auch wieder so ein Beispiel, wie ein Gebot eben durch ein höheres Gebot überboten werden kann. Zum Beispiel in der Corona-Zeit, da gab es die Frage: Darf man das Gebot des Staates überhaupt akzeptieren, Christen dürfen jetzt nicht singen im Gottesdienst? Das war ein echtes Problem, und manche haben das als Gewissensproblem empfunden. Der Staat sagt, man darf nicht singen. Nun, die Begründung war ja die: Wenn man singt, werden eben die Krankheitserreger stärker verbreitet, und das könnte schwächeren Leuten ein Problem sein.
Und jetzt im Rückblick muss man natürlich betonen: Da gab es natürlich politische Richtungen, die damals genau ihre Agenda durchziehen wollten, auf üble Art und Weise. Aber es gab auch eben Führungsleute im Staat, die haben sich gesagt: Wir wissen nicht, wie die Krankheit wirklich funktioniert. Und jetzt versuchen wir es mal. Also da muss ich schon sagen, unser Corona, Mr. Corona Koch, der hat im Nachhinein noch gesagt: Wir wussten nicht, wie man damit umgehen soll. Und darum haben wir damals auf einen Staat geschaut, der totalitär ist, und wir haben ihm abgeschaut, wie man es macht. China. Aber der hat das zugegeben. Schlimm ist, solche, die nichts zugeben. Der hat das zugegeben: Wir wussten nicht, wie. Aber die Sache war: Es kann sein, wenn man singt, dass dadurch mehr Menschen krank werden.
Dann gab es aber solche, die sagten: Nein, unmöglich! Also Singen ist ein Gebot. Gott hat eine singende Gemeinde gewollt. Also wenn wir dieses Gebot des Staates achten, dann begehen wir eine Sünde. Damals habe ich argumentiert mit dieser Stelle: Nein, wenn es geht, Leben zu retten, ist dieses Gebot höher als das Gebot: Wir müssen singen. Aber eben, ob es korrekt war, ob der Staat wirklich die gute Grundlage hatte, das so zu verlangen, das ist eine ganz andere Frage. Aber im Moment waren alle überfordert, weil niemand konnte wirklich wissen, was wie und wie gefährlich oder wie ungefährlich usw. Aber das Grundprinzip war: Man konnte damals beruhigen mit dem Wort Gottes. Nein, wir begehen keine Sünde, wenn wir für eine begrenzte Zeit nicht singen, weil wir versuchen, Leben zu retten. Und das ist das Prinzip von hier.
Und ich hatte das eben schon in meiner Jugend – ist fast zu viel gesagt –, aber so Anfang Zwanziger, als ich Student war, am Konservatorium, ich hatte einen israelischen Komponisten als Lehrer für Komposition. Er hat uns beigebracht, wie man Akkorde, wie man Harmonien miteinander verbindet, und das sind ganz strenge Gesetze. Dann kann das vorkommen, wenn man komponiert, dass eine gewisse Verbindung von Akkorden eine bestimmte Regel verletzt, weil man eine andere Regel befolgen will. Das gibt es also, dass in der Musik die Regeln der Komposition einander widersprechen. Und dann hat mir ein israelischer Lehrer erklärt: Dann gilt das stärkere Gesetz, und das überbietet das andere. Dann darf man ausnahmsweise eben diesen Fehler machen in der Komposition, weil ein anderes Gesetz eben das so fordert. Und das war für mich damals, das ist mir geblieben. Es ist wirklich ein biblisches Prinzip, das der Herr uns auch hier lehrt.
Aber jetzt hat Samuel uns eine ganz knifflige Frage gestellt. Wirfst du sie nochmals in den Raum? Ja, jetzt ist natürlich der Unterschied: Jetzt geht es hier um ein moralisches Gebot, nicht zu lügen. Und da kann man natürlich jetzt nicht argumentieren: Ja, dann gibt es ein Gebot, das eben höher ist, und dann darf man lügen. Der Herr bringt diese Beispiele, wo ein Gebot ein anderes überbietet, da, wo es um rituelle Gebote geht, dass man an einem bestimmten Tag ruht. Das ist nicht etwas, was mit Gottes ewiger Gerechtigkeit zusammenhängt, sondern Gott hat gesagt: So will ich es, und darum muss man es so tun. Aber wenn es eben darum geht, nicht zu lügen, da geht es darum, wie Gott in sich selber ist, sein Wesen. Und der lange Rede kurzer Sinn: Also wir können nicht moralische Gebote so durch andere überbieten, und zwar sagen: Ja, in einem bestimmten Fall ist zum Beispiel Unzucht erlaubt. Nein, diese Situation gibt es nicht. Und ich will jetzt gar nicht eine Geschichte darum erzählen, aber es gibt manchmal so komplizierte Fälle im Leben.
Ja, zum Beispiel wenn ein Rentnerpaar in Deutschland, ein Rentnerpaar, nicht Ehepaar, sich sagt: Ja, wir kriegen mehr Geld vom Staat, wenn wir nicht heiraten. Und es reicht einfach nicht sonst. Also dann ist es in diesem Ausnahmefall erlaubt, dass wir zusammenleben dürften. Geht nicht, nie! Und so ist es auch: Wie ist es mit dem Lügen? Man kann dann verweisen auf Rahab, die Hure, die hat gelogen. Da hat sie die Spione Israels versteckt, und das war richtig, aber sie hat dann auch gelogen. Und wir müssen uns natürlich überlegen: Was war das für eine Frau? Die Frau kam aus dem tiefsten Sumpf heraus, das war eine Hure, aber die hat sich bekehrt und hat den wahren Gott erkannt und eine Umkehr erlebt. Aber dass sie da gelogen hat, das war noch ein Rest aus ihrem alten Leben. Und da können wir nicht die Lüge Rahabs gutheissen.
Aber es ist so, dass der Herr sagt in Matthäus 10, wir sollen einfältig sein wie die Tauben und klug wie die Schlangen. Also die Tauben, die sind ebenso einfältige, treue Tiere in ihrem Wesen, und klug sein wie die Schlangen, das heisst eben: Als Bibelkuriere in die Sowjetunion gingen und der Zöllner fragte: Haben Sie Bibeln dabei? Ja, man muss die Wahrheit sagen. Ja, man muss nicht allen alles erzählen. Und dann war zum Beispiel eine Antwort: Sie können nachschauen. Da müssen Sie selber nachschauen, und wenn Sie sie nicht im Pneu fanden, dann haben Sie sie nicht gefunden. Ja, und so gibt es eben Möglichkeiten, wie wir uns in ganz schwierigen Situationen des Lebens mit viel Weisheit ausdrücken können, ohne dass wir lügen und ohne dass wir ein Unrecht tun. Das ist einfach gesagt eine Situation wie jetzt, aber es ist wirklich so: Der Herr kann uns in ganz, ganz schwierigen Situationen des Lebens so eine Weisheit geben, um genau dem zu entsprechen, einfältig wie die Tauben, also ohne zu sündigen und trotzdem ganz raffiniert und klug.
Und so muss man eben nicht einfach raffiniert sein, sondern den Herrn bitten, dass er in solch ganz schwierigen Ausnahmesituationen einem die Weisheit und die richtigen Worte gibt. Ja, dann wollen wir aber noch ganz kurz schliessen. Wir sind nämlich nur ein, zwei Verse weit gekommen, aber haben doch weiter gelesen, und ich möchte noch Verse 9-12 kurz erklären. Also diese riesigen Mengen und eben viele Heiden oder mit heidnischer Abstammung kommen, um den Herrn zu hören. Und das war so gewaltig, also das Interesse war so gross, dass der Herr richtig bedrängt wurde. Und sie haben gedrückt und gedrängt da am See. Und dann hat der Herr gesagt zu den Jüngern, sie sollen ein Boot für ihn bereithalten. Und so konnte er sich ein paar Meter vom Strand weg bewegen und war nicht mehr erreichbar für die Volksmenge.
Und der Herr hat all diese Kranken geheilt und auch seine Macht über die bösen Geister bewiesen, aber vor ihnen hat er keine Hilfe angenommen. Also Gott will keine Hilfe durch die Finsternis. Auch wenn die Dämonen, die haben ja allen klargemacht, sie wussten, wer der Herr Jesus ist und sagten: Du bist der Sohn Gottes. Aber der Herr will diese Hilfe nicht. Und so wollte auch Paulus das nicht, in Philippi, da hat ja eine Wahrsagerin verbreitet: Das sind Knechte Gottes des Höchsten. Aber das hat Paulus richtig wehgetan innerlich, und darum hat er dann diesen Dämon ausgetrieben. Also er hat diese Hilfe nicht angenommen, und so hat der Herr diese Hilfe auch nicht angenommen. Aber eben, er hat so praktische Mittel wahrgenommen: Was kann man machen, wenn man so bedrängt wird? Er musste diesen Abstand haben, und so müssen wir uns manchmal, wenn wir von Menschen gedrängt und gedrängt und gedrängt sind, eben diesen Abstand mit dem Schiff ein bisschen hinausfahren. Er hat sie nicht aufgegeben und wollte nichts mehr von ihnen zu tun haben, aber sich leicht abgrenzen, damit es überhaupt geht. Und das hat der Herr uns auch da als Vorbild gezeigt.
Ja, dann wollen wir nächstes Mal dann weiterfahren ab Vers 13 mit der Berufung der Apostel.
