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Hesekiel 14-15

Hesekiel 14,1-15,803.09.2000
SerieTeil 9 / 31Das Buch Hesekiel
Warum Gottes Antwort manchmal ausbleibt? Wer nur fragt, aber nicht umkehren will, hört erst mal Schweigen. Denn ein Herz ohne Gott bleibt unruhig – und leer.

Einleitung: Die innere Haltung vor Gott

Das Kapitel beginnt damit, dass Älteste aus Israel, die bereits nach Babylon weggeführt worden waren, zu Ezechiel kamen. Offensichtlich wollten sie den Propheten Fragen stellen. Aber Gott wusste genau, was ihre Gesinnung war. Und hier finden wir ganz grundlegende Antworten, nämlich Reaktionen Gottes auf Menschen, die aus reiner Neugier etwas wissen möchten, in Wirklichkeit aber gar nicht bereit sind, auf Gottes Wort zu hören.
Wir finden hier auch den Ausdruck, dass Männer ihre Götzen in ihrem Herzen aufkommen lassen. Das kommt in Vers drei, Vers vier und Vers fünf vor. Wir haben uns ja letztes Mal mit den falschen Propheten damals beschäftigt und gesehen, dass hier gesagt wird, sie weissagen aus ihrem eigenen Herzen. Und wir haben gesehen, dass das nicht einfach bedeutet, dass es nur ihre eigene Idee ist. Wir haben schon letztes Mal gesehen, dass das menschliche Herz entweder auf Gott ausgerichtet ist oder auf die Abgötter. Das menschliche Herz ist nie neutral.
Hier in Kapitel 14 sehen wir eben solche Leute, deren Herz ganz eindeutig auf die Götzen, auf die Abgötter ausgerichtet ist. Und da weigert sich Gott, sich von ihnen befragen zu lassen. Er kündigt ihnen sogar das Gericht an.
In Kapitel 3 finden wir etwas über das Wesen des menschlichen Herzens. Wer liest uns Kapitel 3, Vers 11? Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, das Gott getan hat, von Anfang bis zu Ende erfassen vermag.
Also: Gott hat dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt. Das macht aus, dass der Mensch, obwohl er so klein ist, nicht einfach in sich selbst aufgeht. Mit dem Herzen ist in der Bibel ja oft nicht nur die Blutpumpe gemeint, sondern das Zentrum der menschlichen Persönlichkeit. So klein wir als Menschen sind, so weit ist eigentlich das menschliche Herz.
Die Ewigkeit hat Gott darin hineingelegt. Das heißt: Das menschliche Herz kann keine Befriedigung in sich selbst finden. Es sucht nach Erfüllung. Allein Gott, der ewige Gott, kann das menschliche Herz ausfüllen. Und alles, was kleiner und geringer ist als Gott, kann das menschliche Herz nicht befriedigen.
Aber eben: Der Mensch versucht oft, es mit den Abgöttern zu füllen. Hier haben wir gewissermaßen den Schlüssel dafür, warum das menschliche Herz entweder auf Gott oder auf die Abgötter ausgerichtet ist. Es kann nicht einfach für sich allein stehen.
Augustinus hat das damals in seinen Bekenntnissen so schön ausgedrückt: Unruhig ist das Herz, o Herr, bis dass es ruht in dir. Das ist genau das Geheimnis des menschlichen Herzens.

Umkehr als Voraussetzung für Gottes Antwort

Und nun also hier Menschen, die nicht bereit sind, auf Gott zu hören, und Gott sagt: Da will ich mich auch nicht befragen lassen. Und bevor sie eigentlich ihre Frage überhaupt stellen können, gibt es drinnen schon eine Antwort, aber nicht die Antwort auf die Frage, sondern auf ihr eigentliches Problem.
Lest doch jemand einmal Vers 6: Darum sollst du zum Hause Israel sagen: So spricht Gott der Herr: Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen und wendet euer Angesicht von allen euren Gräueln.
Ja, also, Gott ruft sie zur Umkehr auf, und erst dann will er auf ihre Fragen eingehen. Mir ist auch wichtig, wenn jemand sagt, niemand sagt es so ausdrücklich, aber der Gedanke ist doch oft da: Wenn Gott mir zuerst all meine Fragen beantworten kann, dann will ich mich bekehren. Aber so handelt Gott nicht. Er deckt zuerst bei uns das Problem auf und will sehen, ob wir bereit sind, da zu kapitulieren.
Und dann gibt es aber auch die Gefahr. In Vers 9 sehen wir, dass dann ein Prophet trotzdem, ein Prophet, der nicht reden soll, trotzdem spricht. Dann liest nochmals jemand Vers 9: Wenn aber der Prophet sich bereden lässt und ein Wort redet, so habe ich, der Herr, diesen Propheten beredet, und ich werde meine Hand wider ihn ausstrecken und ihn aus dem Mittel meines Volkes Israel vertilgen. Und so soll er seine Schuld tragen; wie die Schuld des Fragenden, also wird die Schuld des Propheten sein, damit das Haus Israel nicht mehr von mir abirre und sich nicht mehr durch all ihren Frevel von mir abwende. Und sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein, spricht der Herr, der Herr.
Ja, danke. Also der Prophet, der spricht, obwohl er nicht sprechen soll, kommt auch unter das göttliche Gericht. Das ist sehr ernst. Man kann nicht einfach sprechen, wann es einem passt.
Aber was sicher auch noch zu sehen ist: Hier in unserem Zusammenhang sind wir bereits in eine Gerichtsphase über Israel gekommen. Israel hatte jahrhundertelang durch die Königszeit eine Gnadenzeit erlebt, und jetzt kommt die Zeit des Gerichts. Und Gott beantwortet jetzt nicht mehr die Fragen der Menschen, die gar nicht umkehren wollen.
Aber man kann das also nicht auf jede Zeit beziehen, dass man prinzipiell jemandem, der unredlich Fragen stellt, prinzipiell nicht antworten darf. Wie können wir das biblisch belegen? Nein, es ist einfach eine Behauptung gewesen von mir, oder? Ja, denken wir mal an die Evangelien.

Beispiele aus dem Neuen Testament für den Umgang mit heuchlerischen Fragen

War das un... Eine unehrliche Frage. Er war ja nicht bereit, das zu tun. Ja, das stimmt, das wäre ein Argument, also bei diesem jungen Mann, der Karriere gemacht hat. Aber irgendwie war er doch in einem Dilemma drin, oder? Also man merkt eine gewisse Ehrlichkeit, merkt man doch. Aber wie du sagst: Schlussendlich war er ja nicht bereit, dem Gebot des Herrn gehorsam zu leisten: „Verkauf alles, was du hast.“
Aber es gibt noch viel Ausgeprägteres. Jesus hat den Schriftgelehrten ja auch immer geantwortet, obwohl sie ganz klar in heuchlerischer Absicht fragten. Ja, das wird sogar ausdrücklich gesagt. Schlagen wir zum Beispiel auf Lukas 20. Man könnte ganz viele Beispiele bringen, so stellvertretend hier eins: Lukas 20, Vers 20. Lies mal, Peter.
Und sie beobachteten ihn und sandten auch Leute aus, die sich verstellten, als ob sie gerecht wären, auf dass sie ihn in seiner Rede fingen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Landpflegers überliefern möchten. Und sie fragten ihn und sagten: Lehrer, wir wissen, dass du recht redest und lehrst und die Person nicht ansiehst, sondern den Weg Gottes in Wahrheit lehrst. Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuern zu geben, oder nicht? Aber ihre Arglist wahrnehmend, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Zeigt mir einen Denar. Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie aber antworteten und sprachen: Des Kaisers. Der aber sprach zu ihnen: Gebt daher dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und sie vermochten nicht, ihn bei seinen Worten vor dem Volk zu fangen, und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.
Ja, und dann kommen die Sadduzäer, und die wollen ihn legen mit einer ausgeklügelten Situation, die es gar nicht gegeben hat. Aber sie wollen quasi die Lehre der Auferstehung ins Absurde führen. Der Herr geht darauf ein und widerlegt sie auf so bewundernswerte Art. Das ist sowieso ganz interessant, gerade in der letzten Phase seines Lebens: Da kommen so viele verschiedene Gruppen und versuchen, ihn nochmals mit Fragen zu legen, und er beantwortet alles. Sie haben keine Chance. Und dann stellt er eine Frage, und die können sie nicht beantworten. Und zwar eine Frage, die seine Gottessohnschaft betrifft, in Verbindung mit Psalm 110. Und niemand kann die Frage beantworten. Dann hört das auf.
Und schliesslich ist doch interessant, als Jesus dann vor dem Hohen Rat war und man sogar vor der Gerichtsverhandlung schon beschlossen hatte, wie es herauskommen sollte – etwas, was ganz gegen die talmudischen Gesetze geht. Das war absolut verboten, dass ein Gerichtsentscheid schon vor dem Gericht dastand. Und sowieso war die ganze Gerichtsverhandlung voller juristisch unakzeptabler Falschheiten. Und da wird dann Jesus gefragt, und er gibt keine Antwort. Verse 59 bis 62. Wer liest? Reinhold, vielleicht du? Sehschlecken mit weiter blickendem Auge. Welcher Vers? Verse 59 bis 62.
Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten falsche Zeugnisse gegen Jesus, damit sie ihn töteten. Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie doch nichts. Zuletzt traten zwei herzu und sagten: Er hat gesagt, ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen. Und der Hohe Priester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nicht auf das, was diese gegen dich bezeugen? Aber Jesus schwieg still.

Der Ausnahmefall des Schweigens und des Schwurs

Ja, er geht überhaupt nicht mehr auf die Fragen ein. Da haben wir jetzt wirklich den Punkt erreicht, jetzt war Schluss. Da sind wir gewissermaßen in einer Situation angelangt wie bei Hesekiel, wo Gott sagt: So, jetzt ist der Punkt gekommen, es wird nicht mehr gesprochen.
Allerdings ist es erstaunlich, wenn man einen Vers noch weiter liest, liest er noch weiter, schnell. Und der hohe Priester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen, den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels. Da zerriss der hohe Priester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert. Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.
Ja, ist ein. Jetzt hat er plötzlich doch gesprochen. Wie erklärt sich das? Ja, es ist so, dass nach 3. Mose 5 jemand vor Gericht unter göttlichen Schwur gestellt werden konnte. Und dann musste man antworten. 3. Mose 5 sagt nämlich: Wenn jemand die Stimme des Schwures hört, das ist quasi der Schwur des Richters, und dann nicht antwortet, dann ist er schuldig und muss sein Schuldopfer bringen. Und der Herr Jesus hat also keine Antwort mehr gegeben, aber in dem einen Fall, wo er ihn unter Schwur stellt, als oberster Richter, da musste er, weil er sich unter das Gesetz gestellt hatte, nach 3. Mose 5 antworten. Und dieser eine Ausspruch hat dann zu seinem Todesurteil geführt. Vielleicht ganz dramatisch eigentlich, sonst hätten sie ja nichts in der Hand gehabt. Also das einfach so, um das Gleichgewicht zu haben.
Hier bei Hesekiel geht es wirklich darum, diese Leute haben die Zeit vergehen lassen, und Gott antwortet nicht mehr. Aber er ruft sie doch noch einmal zur Umkehr auf.

Die innere Bereitschaft als Schlüssel zum Verstehen

Ich habe bis dahin eine Frage oder eine Bemerkung. Sonst gehen wir weiter zum nächsten Abschnitt.
Was ist eigentlich die wichtigste Bedingung, um die Gedanken Gottes heute noch zu verstehen? Hat jemand einen Gedanken dazu?
Man muss bereit sein, den Willen Gottes zu tun. Johannes 7. Ja, komm, schlag auf, Johannes 7. Johannes 17. Lies?
Wenn jemand seinen Willen, also Gottes Willen, tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede.
Jawohl, also diese Bereitschaft, den Willen Gottes zu tun. Und das ist ein sehr interessantes Wort. Dann bekommt der Mensch also eine innere Gewissheit von Gott, um zu wissen, dass das, was Jesus gelehrt hat, Gottes Wort ist.
Bei Calvin in seiner Institutio, das ist sein grundlegendes Lehrwerk, geht er sehr ausführlich darauf ein und nennt das das innere Zeugnis des Heiligen Geistes. Und er sagt: Ich bin zwar nicht sehr redegewandt, aber es wäre mir möglich, solche, die der Bibel widersprechen, mit Argumenten zum Schweigen zu bringen. Aber dann hätten sie immer noch nicht diese innere, völlige Gewissheit. Und die bekommt der Mensch erst durch den Heiligen Geist, durch dieses innere Zeugnis, dass er weiss: Es ist Gottes Wort, hundert Prozent. Das ist eine Gewissheit, die sogar noch weiter geht als das, was durch Beweise möglich ist.
Und das ist eigentlich im Prinzip genau das: So wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede. Das ist ein Werk Gottes im Herzen des Menschen. Das zielt genau auf unser Herz ab. Das heisst, in welchem Zustand wir herzensmässig vor dem Herrn stehen.
Ich denke, das ist es auch. Man hat oft viel Bibelwissen, und in diesem Wissen besteht dann doch manchmal ein Mangel. Es ist und bleibt die Frage des Herzens.
Ja, ja, wobei eben: Wir haben das letztes Mal ja betont, das Herz ist also nicht der Gegensatz zum Verstand. Das Herz in der Bibel ist das Zentrum des Menschen und umfasst in der Bibel, wenn man mit der Konkordanz durchgeht und das eindeutig findet, Verstand und Gefühl. Beides.
Diese Trennung von Verstand und Gefühl kommt eigentlich aus dem Heidentum. Das ist griechisches Denken, das ist kein richtiges Menschenbild. Das Innere des Menschen, wir haben letztes Mal gelesen aus Sprüche 4: Bewahre dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist, denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. Sprüche 4,23. Das ist das Zentrum, das, was den Menschen im Innersten zusammenhält, kann man sagen.
Gott wirkt aber eben dort im Herzen. Aber wenn das Herz eben auf Abgötter ausgerichtet ist, dann bekommt der Mensch diese Überzeugung nicht. Wenn der Mensch sein Herz auf Gott ausrichtet, dann wirkt er durch den Heiligen Geist darin. Aber es ist nicht ein Gegensatz, dass es eben im Herzen gewirkt wird. Das hat mit Verstand nichts zu tun.
Das heisst ja auch: Der Heilige Geist wirkt, dass wir aber Vater rufen, dass Gott also mehr noch werden möchte als nur Gott, sondern wirklich die Beziehung als unser Vater, eine innige Beziehung, dass es mit das Ziel ist. Ja, das bewirkt er eben, aber durch den Heiligen Geist in unseren Herzen, ganz genau.
Und so ist es auch. Das heisst, das lesen wir ja in Römer 8: Der Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Man kann auch umschreiben: Geist und Seele, das ist ein anderer Ausdruck für Geist und Seele. Gerade beim Begriff Geist ist ja die Verbindung zum Verstand naheliegend. Ja, und der Heilige Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Also der Verstand ist nicht irgendwie ausgeschaltet, gar überhaupt nicht. Das ist Römer 8,16. Man kann übersetzen: Der Geist selbst zeugt mit unserem Geist oder besser: Der Geist selbst bezeugt unserem Geist.
Eben, das hängt damit zusammen, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat.
Noch ein zweiter Punkt ausser Johannes 7,17 als Antwort auf die Frage von Reinhold: Sprüche 1,7. Das ist der Schlüsselvers für dieses Weisheitsbuch. Reinhold, willst du das lesen? Es ist kurz.
Ja gut, ich versuche es. Die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang; die Narren verachten Weisheit und Unterweisung.
Ja, also die erste Hälfte: Die Ehrfurcht vor dem Ewigen ist der Erkenntnis Anfang. Wenn wir echte Gottesfurcht haben und Gottes Majestät und Grösse vor uns sehen, dann werden wir zur göttlichen Weisheit geführt. Das ist die absolute Voraussetzung.
Und das ist auch wieder etwas, das sehr gegen den Zeitgeist geht. Und wenn wir denken, auch gegen den Zeitgeist in den Gemeinden, wie offen empfiehlt man gerade diesen Mangel an Gottesfurcht. Und das geht dann Hand in Hand mit Mangel an göttlicher Weisheit. Und man denke dabei an Hosea 4, wo es heisst: Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis. Das zerstört das Volk Gottes.
Also diese Gottesfurcht ist ganz entscheidend. Und wir sehen das bei manchen Gottesmännern in der Bibel, wie sie unter dem Eindruck der Majestät und Erhabenheit Gottes dann in einen Dienst geführt wurden. Das war so bei Mose, als Gott ihm im Dornbusch erschien, und seine Reaktion war: Er verhüllte sein Gesicht. Und unter diesem Eindruck der Heiligkeit Gottes wurde Mose in seinen grossen Dienst eingesetzt.
Oder denken wir an Jesaja, der in der Vision Gottes Herrlichkeit sah, im Allerheiligsten im Tempel. Die Seraphim um ihn her rufen ununterbrochen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen.“ Und Jesaja erschrickt. Und er sagt: Wehe mir, denn ich bin ein Mensch von unreinen Lippen, und ich lebe inmitten eines Volkes von unreinen Lippen. Und dann kommt plötzlich der Ruf Gottes: Wer wird für uns gehen? Und Jesaja sagt: Hier bin ich, sende mich. Aber wieder auch unter dem Eindruck der Heiligkeit und Erhabenheit Gottes.
Wir haben es auch gesehen bei Hesekiel. So fing doch sein Dienst an: Er hatte einen geöffneten Himmel, sah dann den Thronwagen Gottes und Gottes Erscheinung darauf. Hesekiel ist in Anbetung überwältigt und kniet vor Gott nieder. Dann kommt der Ruf zum Prophetendienst.
Also das sehen wir so durch die ganze Bibel hindurch, bis ins Neue Testament. Denken wir an Saul. Das hat also nicht mit Toronto-Segen zu tun, wenn er zu Boden fiel. Denn das war nicht eine Auslöschung des Bewusstseins, sondern er sah die Herrlichkeit Gottes und war so überwältigt. Er sah den ganzen Schmutz seines bisherigen Lebens. Das, was ihm früher Stolz und Gerechtigkeit als Gerechtigkeit erschien, das erkannte er plötzlich als ein schmutziges Kleid. Er sagte: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Aber wirklich unter dem Eindruck der Grösse und Majestät Gottes. Und dann wurde er eingesetzt für seinen Dienst.
Also das als ausführliche Antwort. Das sind so die Voraussetzungen, damit Gott uns seinen Willen in seinem Wort offenbart. Sonst noch etwas bis dahin?
Erkennt er die Herrlichkeit Gottes, dann bekennt er: Ich bin ein Mann von unreinen Lippen. Dann sehen wir die Reinigung, wie sie wirklich von Gottes Seite ausgeht, und dann hat er seine Sendung. Diese schöne Heilfolge: Gotteserkenntnis, dann folgt die Selbsterkenntnis. Dann braucht es aber das Bewusstsein für Sündenvergebung, und dann kann Gott uns berufen.
Aber unsere Zeit ist geprägt von einem gewaltigen Mangel an Gotteserkenntnis. Und das hat zur Folge, dass eben auch ein Mangel an Selbsterkenntnis da ist, dass man eigentlich gar nicht die Hoffnungslosigkeit des menschlichen Zustandes sieht, sondern man rühmt sich eigentlich der Grösse und der Leistung der Menschen in technischer, digitaler Hinsicht und so und sieht gar nicht mehr das Jämmerliche. Aber eben: Aus Mangel an Gotteserkenntnis gibt es auch keine Selbsterkenntnis.
Noch etwas bis dahin? Gut, dann gehen wir zum zweiten Abschnitt.

Gerechte Einzelne und die Grenzen von Stellvertretung

Gott erklärt Ezekiel: Wenn er beschließt, gegen ein Volk in einem Land gerichtlich vorzugehen, weil die Menschen gegen Gott gesündigt haben, dann kann es ja sein, dass darin gerechte Menschen vorkommen. Und es werden uns zweimal die Beispiele Noah, Daniel und Hiob genannt, in Vers 14 und auch in Vers 20. Da wird erklärt, diese Menschen könnten also nichts beitragen, dass die anderen verschont werden. Keine Stellvertretung, das ist die große Belehrung hier.
Wir fragen uns: Warum werden ausgerechnet diese drei Männer erwähnt, Noah, Daniel, Hiob? Da muss ja ein besonderer Grund dahinterstehen. Hat jemand eine Idee?
Es waren Gottesmänner, die an Gott geglaubt haben.
Das auf jeden Fall, alle drei Gottesmänner. Aber warum gerade? Ich meine, es hätte ja auch Abraham sein können oder Samuel ... Besonders die Gerichte? Wie? Gerichte? Ja, ja, ja. Kannst du das noch ein bisschen mehr ausführen, wegen der Gerichte? Also gerade in Verbindung mit Noah? Besonders vertraut an die? Wie? Besonders vertraut. Ja, aber man könnte ja viele andere Beispiele anführen, und wir müssen jetzt herausfinden, warum genau diese drei ausgesprochen. Das Stichwort Gericht, das hilft uns weiter.
Noah war der Einzige in seiner Familie, der überlebt hat, weil es ja ein sehr hartes Gericht war, das die ganze Menschheit vernichtet hat. Also gerade Noah war in einer Zeit, in der Gott die Menschheit richtete, und er konnte überleben. Aber auch bei Noah sehen wir: Er konnte nicht Stellvertreter sein für die anderen.
Ja, doch ist es ja so, dass er und sein ganzes Haus gerettet wurde, seine Familie. Hier heißt es aber Söhne und Töchter nicht im Hesekiel.
Ja, aber die waren nicht wegen der Gerechtigkeit Noas, sondern die waren ja alle gehorsam dem Befehl Gottes und gingen auch in die Arche. Also das Prinzip bleibt in der ganzen Bibel erhalten, wie Spurgeon es gesagt hat: Die Gnade fließt nicht im Blut. Also wenn wir bekehrt sind, wiedergeboren, unsere Kinder sind es nicht automatisch. Die müssen es selber tun. Und im Fall von Noah sehen wir: Er überlebte, weil er Gott glaubte, und seine Familie überlebte nicht wegen ihm, sondern auch wieder, weil sie geglaubt haben. Die ganze übrige Menschheit hatte keinen Nutzen daran, dass Noah gerecht war.
Auffallend ist bei diesen drei Namen, dass es ja drei verschiedene Zeitepochen waren: Noah, Daniel, Hiob. Ich weiß nicht, ob ich da jetzt richtig sehe, sie lebten in Umständen, die bestimmt nicht besser waren als ... Wir haben die geschilderte Situation hier unter die Säckchen. Das heißt, dass aus allen Epochen heraus treue Männer da sein können, die ihr Herz auf den Namen ausleuchten. Das ist eigentlich der tiefste Gedanke.
Man kann sagen, hier wird anhand der Heilsgeschichte ein Prinzip gezeigt. Es war damals so, es war damals so und damals so, und jetzt ist es immer noch so. Die Prinzipien lernen aus Heilsgeschichte. Das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.
Übrigens hat das vor einiger Zeit wieder ganz neu entdeckt, ich sage wieder, weil das in der Bibel eigentlich schon längst drin ist, dieses Prinzip, dass man, um ein Volk zu missionieren, den ganzen Heilsplan erzählen soll. Das ist sehr gut ausgearbeitet worden von New Tribes Mission. Das ist eine Mission, die sich spezialisiert hat auf die Erreichung von eingeborenen Stämmen, die bisher unberührt waren. Und die haben festgestellt: Wenn man ihnen dann das Evangelium erzählt und gleich mit dem Kreuz beginnt und so, dann kommen sie schon zum Teil zum Glauben, aber sie vermischen dann sehr schnell alles mit ihren Kulten. Also Synkretismus, Religionsvermischung, ist sehr schnell die Folge.
Und man hat dann gemerkt: Man muss anders vorgehen, und das hat große Erfolge gebracht. Man muss einfach die ganze Heilsgeschichte erzählen, von Anfang an. Also man beginnt mit 1. Mose 1, mit der Schöpfung, Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies, Noah, Sintflut usw. Man erzählt überhaupt nichts von den Evangelien. Und die erleben das ganz bewusst mit, und man geht weiter: Abraham, Opferung von Isaak, anstelle von Isaak kommt er wieder, Ägypten, Verschonung der Erstgeborenen durch das Lamm und sein Blut. Man geht bis ins Neue Testament, und dann wird erzählt, dass jetzt der Angekündigte gekommen ist, der schon im Paradies angekündigt war, der Same der Frau, der einmal der Schlange den Kopf zertreten wird. Und dann erzählt man, wie er gekreuzigt und verworfen wird.
Die Leute sind erschüttert. Man konnte erleben, dass ein Stamm dann wirklich so erlebte wie die Jünger damals: Alle Hoffnungen, die sie jetzt plötzlich gehabt haben, waren am Boden zerstört. Dann, bei der nächsten Lektion, wurde dann die Auferstehung behandelt, und das Beispiel von einem indonesischen Stamm im Regenwald: An diesem Abend bekehrten sich dann sofort hundert Leute. Aber die haben das erfasst, und dann konnte man ihnen sagen: Schaut, es war doch so, bei Abraham, bei Noah, da gab es als Rettungsmittel die Arche, dann bei Abraham, da gab es den Widder, in Ägypten, da gab es das Lamm, und nun hat Gott uns den Gekreuzigten und Auferstandenen gegeben.
Also dieses Prinzip, anhand der Heilsgeschichte das Handeln Gottes zu illustrieren und zu verwurzeln, das ist genau das, was wir auch hier haben, wenn auf Noah verwiesen wird. Eben: Die Menschheit wurde ausgerottet, aber Noah konnte nicht stellvertretend sterben, und sein gerechtes Leben konnte nicht stellvertretend für die anderen dastehen.
Wie war es bei Daniel übrigens?
Ja, denken wir doch an Nebukadnezars Traum. Niemand konnte ihn deuten, und dann? Wurden alle umgelegt. Da begann man, die ganze intellektuelle Oberschicht in Babylon abzuschlachten. Das war immer noch im Prozess, und dann kam er zu Daniel, denn er gehörte auch zu dieser Elite. Und er wurde gerettet. Aber warum? Er sagte: Halt, ich werde dem König Antwort geben. Er ging ins Gebet, Gott hat ihm das mitgeteilt, hat ihm die Weisheit gegeben. Also Daniel wurde gerettet durch seine eigene Gerechtigkeit. Gott hat es in anderer Weise nicht gesagt, nur Daniel; andere wurden massenweise abgeschlachtet, aber Daniels Gerechtigkeit konnte nicht die Intellektuellen von Babylon retten.
Und wie war es bei Hiob?
Bei Daniel denke ich gerade an Sprüche 11,8, da habe ich Sie noch einmal einstehen. Sprüche 11,8, ja. Der Gerechte wird aus der Trübsal befreit. Ein herrlicher Vers, hat in Bezug auf Daniel. Der Gerechte wird aus der Trübsal befreit. Aber du kannst es eben auch anwenden auf Noah.
Und bei Hiob, wie war es da? Er konnte seiner Familie nicht helfen.
Ja, seine zehn Kinder kamen um. Das heißt allerdings nicht, dass sie gottlos waren, aber eben seine Gerechtigkeit konnte nicht irgendwie schützend über der Familie stehen. Also hier lernen wir das Prinzip: Es gibt keine Stellvertretung.
Und trotzdem lehrt die Bibel aber die Stellvertretung. Aber es wird deutlich gemacht: Schon im Paradies hat Gott Adam und Eva Kleider gemacht aus Fellen, und da wusste man, jemand muss kommen, der stirbt an unserer Stelle. Also Stellvertretung doch.
Dann kommt das Opfer von Abel, und wir sehen: Abel brachte nicht irgendwelche Tiere, sondern die ganz auserwählten, schönsten Tiere, die er hatte. Also muss es ein ausgesprochener Auserwählter sein, der Stellvertreter. Dann gehen wir weiter bei Noah, er opferte nur reine Tiere. Es muss ein reines Opfer sein. Und dann kommen wir zu Abraham, und da sehen wir: Das Opfer sollte eigentlich ein Mensch sein, aber nicht Isaak, denn Isaak selber war auch ein Mensch, der gesündigt hatte. Es musste ein vollkommenes Opfer, ein völlig sündloses Opfer sein, und das waren sie alle nicht: Noah nicht, Daniel nicht, Hiob nicht.
Also, Erlösung durch Stellvertretung geht nur über den Tod eines Menschen, der noch nie gesündigt hat. So haben wir also diese beiden Linien: Es gibt keine Stellvertretung, und es gibt doch Stellvertretung.

Gericht, Gnade und die Grenzen menschlicher Rettung

Werde aus Hebräer 11,7, wo der Glaube Noas erwähnt wird, Hebräer 11,7: Durch Glauben bereitete Noah, als er einen göttlichen Ausspruch über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt eine Arche zur Rettung seines Hauses, durch welche er die Welt verurteilte und Erbe der Gerechtigkeit wurde, die nach dem Glauben ist. Auch hier wieder: von Furcht bewegt. Ja, das ist Gottesfurcht, genau.
Gut, es ist Zeit für Pause. Ich habe da noch einen Gedanken: Wie sieht das weite Neue Testament aus? Damals sieht man, wer gerettet werden konnte. Und wie sieht das weite Neue Testament aus? Wer hat da noch Verheißungen? Ich dachte da an Philadelphia, in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung, eine sehr schöne Verheißung: Weil du an meinem Namen festgehalten hast und mein Wort bewahrt hast. Da kommt diese engobare Verheißung, wer der richtigen Bewahrung vor der stündigen Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommt. Das ist also die Verheißung an die Gemeinde, vor dem kommenden Gericht der Drangsalszeit verschont zu bleiben, ja?
Das ist sehr interessant. Aber auch da können wir nicht stellvertretend. Wenn gläubige Eltern entrückt werden, hat das keinen Einfluss auf die Kinder, wenn sie nicht selber die Bekehrung erlebt haben. Ja, machen wir Pause, Viertelstunde, zwanzig Minuten.
Zu dem Problem der Stellvertretung können wir noch ein paar Verse lesen aus Psalm 49. Psalm 49,8; in der alten Elberfelder Vers 7. Wer liest uns das vor? Keineswegs vermag jemand, seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben; denn kostbar ist die Erlösung ihrer Seelen, und er muss davon abstehen auf ewig. Nächster Vers noch. Dass er fortlebe immerdar und die Grube nicht sehe.
Jawohl, also der Vers dazwischen, wir haben ja drei Verse gelesen, der Vers dazwischen ist eigentlich ein Klammersatz: Denn kostbar ist die Erlösung ihrer Seele, er muss davon abstehen auf ewig. Das ist ein Klammersatz, der eingeschoben ist. So müsste man lesen: Keineswegs vermag jemand, seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, dass er fortlebe immerdar und die Grube nicht sehe.
Und so eingeschoben wird erklärt: Erlösung ist so etwas Kostbares, darum kann der Mensch das nicht für seinen Bruder tun. Und die Antwort wird dann gegeben im Neuen Testament, 1. Petrus 1,18, indem er dieses wisset, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid, sondern durch das kostbare Blut Jesu Christi. Das kostbare Blut vermag eben die Erlösung, die kostbar ist, zu bewirken. Aber nur das Blut Jesu Christi, sonst kann es niemand. Dieses Prinzip, also man könnte Psalm 49,7-9 oder 8-10 hier über Hesekiel, letzter Abschnitt, setzen.
 Hohelied 8,6 und 8,7: Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz, wie einen Siegelring an deinen Arm; denn die Liebesgewalt ist so stark wie der Tod, und ihr Eifer ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Jahs. Große Wasser vermögen nicht, die Liebe auszulöschen, und Ströme überfluten sie nicht. Jetzt kommt’s: Wenn ein Mann all seinen Reichtum seines Hauses um die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.
Warum hast du diesen Vers angeführt? Warum? Es geht einfach mir darum, dass man sich durch nichts, durch keine guten Werke, den Himmel verdienen kann. Wenn ein Mann all seinen Reichtum, ich denke, in so Großkirchen aufgedrängt, gute Werke in die Götter kommt, nein, das ist unmöglich, sondern Erlösung nur möglich ist durch die Liebe Christi, das meinst du. Ja, ja, ja, schön.
Wir haben vier Typen von Gericht hier in Hesekiel 14. Können wir das kurz zusammentragen? Das sind wilde Tiere, ein Krieg oder ein Fest? Jawohl, man könnte das ein bisschen weiter fassen. Hunger ist gewissermaßen ein ökonomisches Problem, also ein Gericht durch eine katastrophale Ökonomie, Wirtschaft. An die wilden Tiere: Unter welchen Umständen kommt es nämlich dazu, dass plötzlich wilde Tiere massenweise auftreten, dass es eben zu einem Gericht für ein Land werden kann? Und sie auch nichts mehr zu fressen haben. Ja, und das hängt zusammen mit Naturkatastrophen. Man könnte sagen, mit einem ökologischen Ungleichgewicht, einer ökologischen Katastrophe. Das steht also auch stellvertretend überhaupt für ökologische Probleme.
Dann haben wir Krieg, das steht symbolisch für oder stellvertretend für politische Probleme. Und dann haben wir Pest, für Krankheit, also Gesundheitsprobleme, sanitäre Probleme. Und das sind diese Geißeln, die Gott gebraucht durch alle Jahrtausende bis heute. So können wir diese verschiedenen Arten von Gerichten Gottes auch heute ganz konkret noch erkennen. Und einmal greift Gott bei einem Volk ein durch diese Plage oder durch jene Plage, aber wir müssen unbedingt in diesen Dingen nicht einfach so schicksalshafte Entwicklungen sehen, sondern effektiv Gottes Hand.
Ist zu dem Kapitel sonst noch etwas zu bemerken? Ja, sonst gehen wir nämlich weiter zu Kapitel 15 mit dem Gleichnis vom Weinstock. Bruno, ein kurzes Kapitel von acht Versen.
Darf ich da noch mal etwas anknüpfen an dieses Schmerz, Hunger, böse Tiere, Pest, dieser Nachsatz, um Menschen und Vieh darin auszurotten, weswegen diese Gerichte. Und ich denke, wenn heute ein Unglück passiert, dann heißt es so schnell: Wenn es den Gott gäbe, wieso lässt er das zu? Und es ist oft so, dass die Selbstläufigen darauf keine Antwort haben. Ich denke, es kann eine Ursache davon sein, die in diesem Turm der achtzehn Arbeiter da in den Turm riss, weil Herr Jesus sagt: Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr ebenso sterben, das heißt, in euren Sünden sterben. Also immer wieder, das hat auch oft mit Gerichten etwas zu tun.
Eben da, wo gerade gefragt wird: Wo ist denn Gott?, müsste man das Ganze umkehren. Das ist ja gerade ein Zeichen, dass Gott in der Geschichte wirkt. Es ist genau das Umgekehrte: Wir können Gott gerade darin erkennen, sein Wirken. Aber souverän, manchmal fragt man sich, warum hat dieses Land und nicht unser Land? Das ist die Souveränität Gottes. Aber früher oder später kommt das Gericht, das wissen wir. Und wir wissen das auch aus der Offenbarung ganz ausdrücklich, dass gerade unsere Zivilisation, die, wenn man so denkt, die letzten Jahrzehnte so verschont worden ist im Vergleich zu Ländern der Dritten Welt, man denkt, warum die und nicht wir? Aber dann sehen wir in der Offenbarung gerade, dass unsere Zivilisation in einer ganz besonderen Weise durchgeschüttelt werden wird. Das ist noch künftig.
Und so muss man in der Souveränität Gottes Langmut, Gottes Geduld, Gottes Chance und Gnade sehen. Darauf müsste man auch eben hinweisen, dass es völlig unverdient ist, dass unsere Kultur gerade von solchen schweren Schlägen, wie sie andere Völker in den vergangenen Jahren erlebt haben, verschont geblieben ist, obwohl unsere Moral wirklich am Boden ist.

Das Bild des Weinstocks und die Sinnlosigkeit ohne Frucht

Gut, dann gehen wir zu Kapitel 15, Bruno. Und das Wort Jehovas geschah zu mir:
„Menschensohn, was ist das Holz des Weinstocks mehr als alles andere Holz, die Rebe, welche unter den Bäumen des Waldes war? Wird Holz davon genommen, um es zu einer Arbeit zu verwenden? Oder nimmt man davon einen Block, um irgendein Gerät daran zu hängen? Siehe, es wird dem Feuer zur Speise gegeben. Hat das Feuer seine beiden Enden verzehrt und ist seine Mitte versengt, wird es zu einer Arbeit taugen. Siehe, wenn es unversehrt ist, wird es zu keiner Arbeit verwendet; wie viel weniger, wenn das Feuer es verzehrt hat und es versengt ist, kann es noch zu einer Arbeit verwendet werden.“
„Darum, so spricht der Herr Jehova: Wie das Holz des Weinstocks unter den Bäumen des Waldes, das ich dem Feuer zur Speise gebe, so gebe ich die Bewohner von Jerusalem dahin. Und ich werde mein Angesicht wieder gegen sie richten. Aus dem Feuer kommen sie heraus, und Feuer wird sie verzehren. Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin, wenn ich mein Angesicht wieder gegen sie richte. Und ich werde das Land zur Wüste machen, weil sie Treulosigkeit begangen haben“, spricht der Herr Jehova.
Es geht um den Weinstock. Wofür steht der Weinstock in diesem Kapitel? Für die Frucht? Ja, aber womit wird er hier verglichen? Welcher Vers sagt das? Vers 6, ja, genau. Also: „So gebe ich die Bewohner von Jerusalem dahin.“ Der Weinstock steht für die Stadt Jerusalem.
Nun wird Hesekiel belehrt, was das Besondere am Holz des Weinstocks ist. Fassen wir das mit eigenen Worten zusammen. Es ist zu nichts zu gebrauchen, außer zum Verbrennen.
Nein, schon ein bisschen mehr. Das Holz hat doch eine Funktion, sonst hätte es Gott gar nicht erschaffen.
Um die Reben zu halten.
Wie?
Um die Reben zu halten.
Ach, das wäre zu wenig, dann verbrennt man es. Der eigentliche Nutzen ist ja, dass es Frucht bringt, Trauben. Ja, und darum müssen natürlich die Reben gehalten werden, selbstverständlich. Aber eben: Dieses Holz hat eigentlich keinen Nutzen, außer wenn dadurch Trauben und Frucht hervorgebracht werden. Und darum ist diese Pflanze ein ganz besonderes Bild für Frucht. Das Fruchtbringen steht so im Vordergrund, weil sein ganzer Existenzsinn im Fruchttragen besteht.
Wenn der Weinstock keine Frucht bringt, dann ist er sinnlos. Bei anderen Bäumen könnte man sagen: Ja gut, dann kann man noch irgendein Werkzeug daraus machen. In Vers 3 heißt es ja: Wird Holz davon genommen, um es zu einer Arbeit zu verwenden? Man könnte wenigstens einen Pflock daraus machen. Aber das kann man mit dem Holz des Weinstocks auch nicht. Und wenn es schon in gutem Zustand nichts wert ist, sagt Gott, dann erst recht nicht, wenn man es verbrennt. Dann hat es erst recht keinen Nutzen.
Damit will Gott illustrieren: Jerusalem, die auserwählte Stadt, die Stadt des Tempels. Dort stand ja damals der salomonische Tempel, und der sollte ein Zeugnis unter den Völkern sein: Es gibt nur einen Gott. Darum hatte Israel einen Tempel in Jerusalem. Aber Israel ist diesem einen Gott untreu geworden und dem Götzendienst verfallen. Dann sagt Gott: Jerusalem hat keine Existenzberechtigung mehr. Wenn keine Frucht gebracht wird, dann ist Jerusalem sinnlos.
Und was machen wir mit dem Holz des Weinstocks? Man kann es gerade noch zum Verbrennen brauchen. Darum muss Jerusalem verbrannt werden, was dann eben einige Jahre später geschehen ist. Im Jahr 586 ging Jerusalem samt dem salomonischen Tempel in Flammen auf. Man hat übrigens die Brandspuren von damals gefunden, und die kann man heute noch bei den Ausgrabungen in Jerusalem sehen.
Sogar die Brandspuren sind noch da vom Jahr 586 v. Chr. Ich habe auch schon einmal, ich glaube letztes Mal, darauf hingewiesen, ebenso auf die Pfeilspitzen der Babylonier aus dem Krieg damals. Auch die hat man sogar gefunden.
Es wird gesagt in Vers 4, in der Mitte: „Hat das Feuer seine beiden Enden verzehrt und ist seine Mitte versengt, wird es zu einer Arbeit taugen.“ Also da wird zuerst von den Seiten her verzehrt, und dann kommt die Mitte. Und so ist es eigentlich gewesen. Wir haben ja gesehen: Vor Hesekiel, im Jahr 605, wurde Jerusalem bereits von den Babyloniern eingenommen. Und dann im Jahr 597 nochmals; da kam dann Hesekiel in die Gefangenschaft. Und dann im Jahr 586 wurden der Tempel und alles verwüstet.
Also von den beiden Seiten her ist es bereits gekommen, aber die Mitte noch nicht. Das wird hier so quasi auseinandergehalten: die beiden Enden verzehrt und dann die Mitte versengt. So ist es auch mit Jerusalem gekommen, so in drei Phasen.

Der wahre Weinstock und die Frage nach der bleibenden Zugehörigkeit

Im Neuen Testament wird auch über den Weinstock gesprochen. Wo? Johannes 15. Schlagen wir das auf? Ja, ganz genau. Aber jetzt haben Sie ein Wort weggelassen. Ja, und jetzt sehen wir gerade, warum das so wichtig ist. Reinhold liest mal Johannes 15,1-6.
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Wie die Rebe von sich aus keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Vielleicht hat man sich schon gefragt, warum hier gesagt wird: Ich bin der wahre Weinstock. Dann muss es doch einen Gegensatz zum wahren Weinstock geben. Und da haben wir den Gegensatz: den Weinstock Israel, der keine Frucht gebracht hat und darum seine Sinnbestimmung verloren hat. Dann kam der Messias, der Christus, und er hat in seinem Leben für Gott Frucht gebracht. Darum ist er der wahre Weinstock.
Und er sagt: Alle, die sich zu mir halten, die sind Reben. Er sagt aber auch: Wenn nun eine Rebe an mir keine Frucht bringt, dann wird sie abgeschnitten. Jetzt könnte natürlich daraus folgen: Aha, dann können wiedergeborene Menschen wieder verloren gehen. Was sagt ihr dazu?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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