Sein Reich kommt!
Lukas 13,10-2129.12.2019
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Ein Vorgeschmack auf Frieden und Wohlstand
Wie schmecken Frieden und Freiheit? Für einige Deutsche in der amerikanischen Besatzungszone haben Frieden und Freiheit 1945 nach Schokolade und nach Pfefferminz geschmeckt, vor allem für die Kinder. Vielleicht zeigt er mal das Bild.
Wenn die amerikanischen Soldaten vorbeifuhren, dann kamen die Kinder angerannt und haben gerufen: Chocolate, please! Und für manche gab es dann Chocolate, Schokolade oder Kaugummi oder auch noch ganz andere Sachen, Apfelsinen und so weiter. Und das war der Geschmack des Friedens für diese Kinder.
Es war aber nur der Anfang. In den nächsten Jahren gab es ein Riesenförderprogramm, vor allem aus Amerika, den Marshallplan, der die Wirtschaft angekurbelt hat. Es gab Lieferungen von Nahrungsmitteln, das Land wurde wieder aufgebaut, die Wirtschaft brummte wieder, und schon bald konnte man sich im Laden wieder Schokolade und Kaugummi kaufen. Leute hatten wieder Geld in der Tasche, und sie konnten sich das leisten. Es gab innerhalb weniger Jahre einen Aufschwung und einen neuen Wohlstand und einen Frieden.
Wenn man zurückschaut, dann kann man sagen, dass diese Kaugummis und diese Schokolade eigentlich nur ein kleiner Vorgeschmack waren von dem, was da kommen sollte. Und es war ganz erstaunlich, wenn wir uns überlegen, dass die Amerikaner die Feinde waren und dass sie eigentlich hätten Vergeltung üben können, dass sie die Deutschen hätten knechten können für das, was Deutschland angerichtet hat im Dritten Reich. Aber stattdessen war das ein Wunder.
Und ganz ähnlich ist Gott zu uns gekommen, sein Sohn Jesus Christus. Wir haben uns gerade an Weihnachten daran zurückerinnert: Gottes Sohn, er kommt nicht als ein Richter, der Vergeltung übt, sondern als ein Helfer, als einer, der Frieden stiftet, als einer, der Heil bringt. Er schenkt den Menschen einen Vorgeschmack auf etwas viel Größeres. Nicht Chocolate, sondern Kostproben der kommenden Heilszeit, Kostproben von dem, was einmal kommen wird. Und das sehen wir besonders gut in dem Text, den wir uns heute anschauen, im Lukasevangelium: eine Kostprobe von der kommenden Heilszeit.
Und lasst uns das erst mal lesen in Lukas 13,21-21. Da lesen wir über Jesus: Er lehrte in einer Synagoge am Sabbat. Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte, und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit. Und legte die Hände auf sie, und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbattag. Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr Heuchler, bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte da nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?
Und als er das sagte, mussten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren, und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen.
Er aber sprach: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich es vergleichen? Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte, und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen.
Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis er ganz durchsäuert war.
Und Vater, wir wollen beten, dass wir dieses Wort tiefer verstehen und dass es uns den Glauben stärkt, dass dein Reich kommt und dass es unsere Freude größer macht an dem, was du tust, wie gut du bist, wie gut du für uns Menschen sorgst, und dass es unsere Vorfreude größer macht auf die kommende Heilszeit. Amen.
Wir wollen in drei Schritten durch diesen Text gehen. Wir sehen zuerst diese Kostprobe von der kommenden Heilszeit, von dem Heil, was Gott bringt, in den Versen 11 bis 13. Dann sehen wir in den Versen 14 bis 17, dass das eine Kostprobe ist, die nicht jedem schmeckt. Und zuletzt sehen wir, dass diese Kostprobe wirklich etwas ist, was etwas viel Größeres verheißt, die Verse 18 bis 21.
Die Begegnung mit der gekrümmten Frau
Der Abschnitt beginnt mit einer Kostprobe von Gottes Reich. Eine scheinbar hoffnungslos kranke Frau erfuhr an diesem Tag persönlich, dass es bei Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt und dass Jesus die Macht hat, jede Not zu wenden.
Jesus predigte wieder einmal an einem Sabbat. Das hat er oft getan. Er war häufig am Sabbat in den Synagogen und lehrte dort. Er nahm den Sabbat sehr ernst. Das Sabbatgebot lautet: Du sollst den Sabbat heiligen. Am Sabbat ist es Zeit, Gott anzubeten und auf sein Wort in besonderer Weise zu hören. Insofern ist es schon absurd, dass ihm immer wieder vorgeworfen wurde, er würde den Sabbat nicht ernst nehmen, ihn nicht wichtig nehmen, sondern mit Füßen treten.
An diesem Tag lehrte er wieder. Und er weicht ein wenig vom gewohnten Ablauf ab. Er hält diese Predigt nicht bis zum Ende, sondern sieht dort eine Frau. So scheint es in diesem Bericht: Er sieht eine Frau, die krank ist, und unterbricht.
Lukas schreibt über diese Frau nur diesen einen Satz, relativ nüchtern: Sie hatte seit 18 Jahren einen Geist, der sie krank machte, und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten.
Vielleicht bist du da vorher schon ein wenig darüber gestolpert. Vielleicht geht es dir so mit diesen Berichten in den Evangelien, wenn es um Geister oder Dämonen geht, dass du denkst: Gibt es denn so etwas überhaupt? Dämonen, Geister? Habe ich so etwas noch nie gesehen in Deutschland.
Wir müssen uns aber bewusst machen, dass hier Lukas schreibt. Lukas war ein Arzt, ein gebildeter Mann, der sich vorgenommen hat, wie er selbst berichtet, wirklich genau all dem nachzugehen, all den Geschichten, die um Jesus erzählt werden. Und er hat wirklich die Leute befragt, er hat genau nachgefragt: Was war da los? Er berichtet von kranken Menschen, die keine Dämonen hatten, die einfach krank waren. Er berichtet aber auch von solchen, die von Geistern dämonisiert waren. Ein gebildeter Mann.
Und auch heute wird noch davon berichtet, dass es Geister gibt. Ich habe vor einigen Jahren einen Prediger kennengelernt, der in Namibia und in Südafrika tätig war, Johannes Trauernicht heißt er. Ein ganz nüchterner Norddeutscher, ganz klare Botschaften, sehr evangelistisch. Dann habe ich ein wenig später seine Biografie gelesen und gedacht: Ja, gibt es denn das? Er berichtet, wie er in Südafrika Gemeinden gegründet hat und wie ihm dort immer wieder, nicht oft, aber doch immer wieder, Menschen begegnet sind, die dämonisiert waren, die Geister hatten.
Eine ganz dramatische Geschichte erzählt er von einer Frau, über der sie zwei Stunden gebetet haben. Diese Frau hat ihn dann angeschrien, beziehungsweise der Geist in ihr hat ihn angeschrien und gesagt, dass diese Frau als Kind dem Teufel geweiht wurde. Sie haben über diese Frau gebetet, und sie wurde frei. Der Geist verließ sie. Sie hat sich der Gemeinde angeschlossen, sie kam zum Glauben an Jesus Christus. Er hat das erlebt. Im Namen Jesu werden Menschen frei von Geistern.
Es passiert besonders häufig auf dem Missionsfeld, im Missionskontext, dort, wo das Evangelium noch gar nicht Fuß gefasst hat. Es wird immer wieder berichtet. Auch wenn wir im aufgeklärten Deutschland, in Europa, das vielleicht nicht so wahrhaben wollen: Aber in dieser Welt treiben Geister ihr Unwesen.
Und was hatte dieser Geist der Frau zugesetzt? Über achtzehn Jahre lang hat er sie schwer geplagt. Er hat sie niedergedrückt, er hat sie so bearbeitet, dass sie nur noch verkrümmt sich fortbewegen konnte, so steht es da. Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame, mit einem ganz schiefen Buckel. Vielleicht konnte sie auch nur noch krabbeln, sich durchs Leben schleppen.
Nach so einer langen Zeit des Leides hatte diese Frau ganz bestimmt keine große Hoffnung mehr, dass das noch einmal etwas wird auf dieser Erde, dass sie noch einmal gesund werden kann. Das können wir uns vorstellen. Irgendwann hat sie sich ganz bestimmt damit arrangiert, irgendwie. Und die Leute um sie herum wahrscheinlich noch viel schneller. Die haben sie gesehen und vielleicht gar nicht mehr beachtet. Vielleicht haben sie auch getuschelt hinter ihrem Rücken oder es ihr ganz offen gesagt: Was musst du verbrochen haben, dass du so einen Geist hast?
Alle hatten sich irgendwie damit arrangiert, nur einer nicht: Jesus. Er sieht diese Frau und ihre Not, und das bewegt ihn tief. Er predigt nicht weiter, sondern er wendet sich dieser Frau zu. Er geht zu ihr hin, er hat Mitleid.
Und dann tut Jesus das, was kein Freund tun konnte, kein Verwandter, auch kein Arzt und nicht einmal irgendein Exorzist konnte das tun, was Jesus jetzt tut. Er geht zu dieser Frau und sagt: Frau, sei frei von deiner Krankheit. Dann legt er ihr die Hände auf, und die Frau erhebt sich. Zum ersten Mal nach achtzehn Jahren steht sie aufrecht da, und sie erhebt ihre Hände zum Himmel: Gott sei Dank, ich bin gesund!
Jesus zeigt hier, wozu er gekommen ist. Haben wir an Weihnachten diese Botschaft von den Engeln gehört, die sie den Hirten auf dem Feld gebracht haben? Der Heiland ist da. Kommt und seht, der Heiland ist da. Heiland, Heil, der, der heil macht, das ist Jesus. Er macht gesund von aller Krankheit, er richtet auf.
Und wenn das schon erstaunlich war, dass die Amis vor einigen Jahrzehnten als Friedensbringer gekommen sind, dann ist es noch erstaunlicher, dass der Sohn Gottes kommt als Friedensbringer, als einer, der heil macht und nicht zerstört, und nicht richtet und nicht die Menschen zur Rechenschaft zieht.
Wir kennen alle diese Heilungsberichte und diese Austreibungen von Dämonen und so weiter, und vielleicht lesen wir darüber hinweg, weil wir das immer gelesen haben und so ist halt Jesus. Aber das ist schon ein Wunder. Ein unbeschreiblich großes Wunder, dass Gott so kommt.
Die Bibel lässt über Hunderte, über Tausende Seiten keinen Zweifel daran, dass wir das nicht verdient haben, sondern dass wir eigentlich verdient haben, dass uns Gott links liegen lässt, dass er uns bestraft, weil wir uns von ihm abgewandt haben, weil wir seinen Willen nicht getan haben, weil er uns so unwichtig war. Und dass die Folge von diesem Abfall von Gott, dass wir Gottes Willen nicht getan haben, die Zerbrochenheit dieser Welt ist: die Krankheit, aber auch die kaputten Beziehungen, ja selbst die Naturkatastrophen. All das ist gekommen. Es ist etwas kaputtgegangen, als wir Menschen uns von Gott abgewandt haben.
Und jetzt kommt dieser Gott. Wir haben es in Lukas schon in Kapitel 4 gesehen: Er nimmt diese Prophezeiung aus Jesaja 61 für sich in Anspruch. Jesus sagt: Ich bin es, der kommt, um zu trösten. Ich bin es, der die Gefangenen freimacht, der losbindet, was gebunden ist. Ich komme als euer Retter, ich mache euch heil.
Diese Frau hat eine Kostprobe davon bekommen, eine Kostprobe, wie das ist, wenn Gott heil macht. Sie wurde gesund von einem Moment auf den anderen. Die Krankheit weg, der Dämon weg, sie ist frei. Sie machte als Antwort das einzig Richtige: Sie lobte Gott von ganzem Herzen für dieses riesengroße Wunder.
Warum diese Geste Anstoß erregte
Und diese Kostprobe von Gottes Reich lehrt uns mindestens zwei Dinge.
Das Erste: Jesus hat Mitleid mit uns. Jeder Mensch hat in seinem Leben früher oder später Dinge mit sich zu tragen, schwere Dinge, die uns auch die Lebensfreude nehmen können. Das gilt weit mehr als nur für Krankheiten, aber bei Krankheiten sehen wir es besonders gut, vor allem dann, wenn die Krankheit nicht mehr weggeht und chronisch wird. Und wie viele denken dann, oder stehen dann in der Versuchung, auch als Christen zu sagen: Ja, interessiert denn Gott das nicht, mein Leid? Interessiert es ihn denn gar nicht, was ich hier für Nöte ausstehen muss?
Schau, was der Text uns zeigt: Jesus kümmert sich. Die Not ist ihm nicht egal. Dieser Frau lässt er die Predigt mal beiseite, und er geht hin und sorgt für sie. Und er sieht auch dich, und auch deine Not ist ihm nicht egal. Glaub niemals der Lüge, es würde ihn nicht kümmern. Er ist heute derselbe, wie er damals war. Jesus hat Mitleid mit uns.
Und dann das Zweite: Jesus hat die Macht zu heilen und zu befreien. Für Jesus ist es ein Leichtes, einen Menschen heilzumachen. Wir haben das gesehen: Er muss nur ein Wort sprechen, und es geschieht. Er muss sie nur berühren, und sie steht wieder gerade, diese Frau. Von dieser Gabe träumt bestimmt jeder Arzt. Das wär’s, da ließe sich viel Geld damit machen. Jesus gibt es kostenlos. Er gibt es dieser Frau aus Liebe, aus Mitleid, und er zeigt: Ich habe die Macht.
Glauben wir, dass Jesus wirklich diese Macht hat? Beten wir so, nicht nur für Leute, die ihn schnupfen haben, sondern auch für die, die vielleicht gelähmt sind oder die schlimme Krankheiten haben, mit dieser Erwartung: Ja, Gott kann heilen, und er tut heute noch Wunder. Wir wissen nicht, warum Gott manchmal heilt und manchmal nicht, aber eins wird hier ganz deutlich: Es liegt nicht daran, dass er nicht kann. Jesus hat die Macht, von Krankheit zu heilen, von Süchten zu befreien, Beziehungen wieder zu reparieren. Und deshalb dürfen wir ihn erwartungsvoll um sein Eingreifen bitten.
Aber eins sollten wir nicht vergessen: Jede Heilung und jedes andere Wunder ist eine Kostprobe. Es ist noch nicht das vollendete Reich Gottes. Es ist eine Kostprobe, ein Vorgeschmack auf das Heil, das er uns einmal schenken wird, ein wertvolles Zeichen seiner Liebe und Macht. Eine Kostprobe, ein Vorgeschmack auf das Heil.
Und nicht jeder von uns muss diese Kostprobe persönlich bekommen. Wir müssen das nicht selbst erlebt haben, um zu sehen, wie gut Gott ist. Ich möchte das mal mit einem vielleicht etwas begrenzten Bild umschreiben. So sind Bilder nun mal. Vor einigen Tagen hatten wir unsere Weihnachtsfeier des Brüderrats, und wie das sich gehört, gab es zu einem guten Weihnachtsessen auch einen Wein. Die Kellnerin brachte dann diesen Wein, und ein Mitglied des Brüderrats, der sich besonders gut damit auskennt, hat diesen Wein vorgekostet. Klammer auf: Der Wein war furchtbar. Klammer zu.
Aber stellen wir uns vor, er wäre klasse gewesen, dieser Wein, und er hätte ihn probiert und gesagt: Dieser Wein, der ist so wunderbar. Wir hätten ihn nicht alle vorher probieren müssen. Wir hätten uns alle freuen dürfen auf das gute Essen, die Weihnachtsgans, und dann gibt es ein volles Glas Wein. Darum geht es, nicht um die Kostprobe, sondern um das volle Glas Wein.
Und ganz ähnlich ist das mit dieser Heilung im Vergleich zum ewigen Heil. Eine Heilung, das ist etwas Schönes, und es ist schön für jeden. Es ist auch glaubenstärkend, wenn du das erleben darfst. Aber diese Frau ist wieder krank geworden, sie musste irgendwann sterben. Selbst die Menschen, die Jesus vom Tod auferweckt hat, sie mussten irgendwann noch einmal sterben. Aber sie haben gesehen: Wenn sie im Glauben gestorben sind, das ewige Heil. Das große Fest, das noch kommt, das noch aussteht, darum geht es. Das sind Kostproben für das ewige Heil, das wir alle bei Gott erleben, wenn wir auf Jesus vertrauen.
Eine Welt, in der wir nie wieder krank werden, so beschreibt es die Offenbarung. Eine Welt, in der nicht mehr geweint wird. Eine Welt, in der selbst der Tod nicht mehr ist. Da wird nicht mehr gestorben, da wird alles ganz heil sein.
Also dürfen wir erwartungsvoll beten für die Kranken, für die, die in Not sind. Aber wir haben noch etwas Besseres anzubieten: diese Aussicht, diese Botschaft von dem großen Heil, das Gott schaffen wird. Er ist jetzt schon dabei, und es wird ganz offenbar werden. Wir werden Gott sehen, so wie er ist. Wir werden eine enge Beziehung zu ihm haben, wie wir das jetzt noch gar nicht uns vorstellen können. Und es wird uns einfach gut gehen. Wir werden erfüllt sein und uns freuen.
Die Frage nach dem rechten Umgang mit Gottes Handeln
Jetzt sehen wir im Folgenden, dass nicht jeder mit dieser Kostprobe ganz einverstanden war. In Vers 14 kommt der Synagogenvorsteher, also so etwas wie der Gottesdienstleiter. Er kommt und beschwert sich. In Vers 14 lesen wir:
Da antwortete der Vorsteher der Synagoge, denn er war unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, und er sprach zu dem Volk: Sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbattag!
Also bitte, wo kommen wir denn da hin, wenn die Ordnung hier nicht eingehalten wird? Ihr könnt doch die ganze Woche heilen, aber doch nicht am Sabbat! Was für eine harte Reaktion, wie unbarmherzig! Hat er denn die Frau nicht gesehen in all den Jahren, wie sie geplagt war?
Jetzt kommt er und wendet Gottes Gesetz an. Er bezieht sich auf das, was geschrieben steht, zum Beispiel in 5. Mose 5: Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für den Herrn, deinen Gott; da sollst du keinerlei Arbeit tun.
Hat er nicht vielleicht doch einen Punkt gehabt, dieser Vorsteher? Er wollte ja nur das Gesetz gut anwenden. Jesus sagt: Nein. Jesus weist ihn sogar scharf zurecht, und er sagt: Ihr Heuchler! Er weist nicht nur diesen Vorsteher zurecht, sondern alle, die da um ihn herum noch dabei waren. Es war ganz bestimmt nicht nur dieser Vorsteher. Wir haben das auch im Lukasevangelium immer wieder gelesen: die Pharisäer und die Schriftgelehrten, die alle kamen und Jesus mit Gottes Wort überführen wollten, Gott selbst mit seinem Wort. Das ist unfassbar eigentlich.
Jesus widerspricht: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Sollte da nicht diese, die doch Abrahams Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst werden?
Also offensichtlich kannten die Pharisäer und Schriftgelehrten und auch dieser Vorsteher schon Ausnahmen für das Arbeitsgebot am Sabbat. Jesus packt sie da mit zwei entlarvenden Fragen. Ja, macht ihr das nicht auch, wenn euer Ochse und euer Esel am Sabbat Durst haben, dass ihr sie zur Tränke führt? Ist doch klar. Wahrscheinlich nicht nur, weil ihr Mitleid mit dem armen Vieh habt, sondern auch, weil ihr euer Einkommen sichern wollt. Ja, klar haben sie das gemacht. Sie kannten Ausnahmen für dieses Arbeitsgebot. Da, wo Not war, da haben sie das nicht so streng genommen. Und Gott tadelt sie dafür nicht; es ist genau in Ordnung, das zu tun.
Aber wenn die Fürsorge für die Tiere am Sabbat erlaubt ist, ist dann doch erst recht die für einen Menschen erlaubt, der in so einer Not ist. Wenn es möglich war, den Esel von der Krippe loszubinden oder den Ochsen, dann doch erst recht einen Menschen, der achtzehn Jahre lang vom Satan geknechtet worden war. Wenn die alltägliche Not der Tiere gestillt werden darf, dann doch erst recht eine Not, die über so lange Zeit eine gefühlte Ewigkeit da war. Es ist doch richtig, dieser Not am Sabbat zu begegnen.
Und noch etwas Wichtigeres hatte dieser Vorsteher übersehen: Hier hatte nicht einfach ein Arzt am Sabbat seine Arbeit gemacht. Hier war nicht einfach ein Patient in die Praxis gekommen, sondern hier hatte Gott gehandelt. Gott hat einen Menschen wiederhergestellt. Und es ist ganz interessant, dass dieser Gott im Kontext des Sabbatgebots in 5. Mose 5,15 als Grund, warum sie so feiern sollen und warum sie die Arbeit ruhen lassen sollen, sagt:
Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgestrecktem Arm. Darum hat der Herr, dein Gott, dir geboten, dass du den Sabbat halten sollst.
Am Sabbat sollten sich die Juden also daran erinnern, wie Gott sie aus der Sklaverei befreit hat, wie er sie gerettet hat, in ein neues Land geführt hat, wo Milch und Honig fließen. Und Gott tat nun das für diese Frau. Er befreite sie aus der Versklavung, er machte sie frei. Der Synagogenvorsteher und die Leute verstanden das nicht, dass es keinen passenderen Tag für dieses Wunder gab als den Sabbat, den Tag, an dem Gott die Freiheit den Menschen besonders wichtig macht. Gott zeigte einmal mehr, dass er ein starker Befreier ist.
Und wir sehen, dass dann in der Antwort darauf die Menschenmenge sich teilt. Es gab eigentlich nur zwei Gruppen am Ende dieser Ermahnung Jesu, die da stehen. Auf der einen Seite der Synagogenvorsteher und seine Leute. Was ist mit ihnen? Sie stehen da und sind beschämt über die Worte Jesu, die er spricht. Auf der anderen Seite eine große Volksmenge, die sich freut über dieses große Wunder, die versteht, dass das genau richtig war, dass Jesus das getan hat.
Lukas berichtet uns das immer wieder, wie diese Spaltung kam. Wir haben von Jonas Bültemann vor Kurzem gehört, dass Jesus über sich selbst sagt: Ich bin gekommen, um Trennung zu bringen, um zu trennen in die einen, die mich ablehnen, und die anderen, die das verstehen, die mich anbeten, die sich mir zuwenden.
Die Kostproben von Gottes Liebe und Macht, die er den Menschen gab, stellen sie vor eine Entscheidung. Würden sie glauben, dass er der Heiland ist, der Retter Gottes, der von Sünden erlösen kann? Oder würden sie weiter in der Auflehnung verharren, in der Rebellion gegen Gott?
Auch uns fordert diese Kostprobe heraus, uns zu positionieren. Wo stehen wir in all dem? Bist du bei denen, die das ablehnen? Ich meine, ich glaube nicht, dass jemand heute ein Problem hätte, wenn am Sonntag jemand geheilt wird. Wir würden sagen: Das ist doch klasse, ist doch gesund, kann er sich freuen. Aber vielleicht schauen wir trotzdem verächtlich auf diese Heilungen. Vielleicht zweifeln wir überhaupt daran, dass es das gab. Vielleicht sagen wir: Was soll es denn bringen? Und sehen nicht, dass Gott uns hier eine Kostprobe von seinem Reich gibt.
Vielleicht stehst du auf der anderen Seite und du merkst: Ja, genau, so ist unser Gott. So gut, so mächtig, so liebevoll. Zu diesem Gott will ich gehören. Das ist die Antwort, die wir geben sollen.
In gewisser Weise ist dieser Vers 17 ein Vorgeschmack auch auf das, was einmal kommen wird, wo wir alle vor Gott stehen und wo sich für jeden von uns daran entscheidet, wie wir zu Jesus stehen. Ob wir diese Heilszeit mitfeiern, ob wir dabei sind oder ob wir uns auch schämen müssen und dann für immer weggetan werden von Gott.
Alles entscheidet sich an deiner Beziehung zu Jesus. Lass dich rufen, leb dein Leben mit ihm, mit diesem wunderbaren Gott, der uns so viel Liebe zeigt, der uns seine ganze Macht zeigt. Geh nicht ins neue Jahr, ohne dich ihm wirklich anvertraut zu haben. Mach jetzt fest bei ihm. Sein Reich kommt, und es breitet sich aus, und noch ruft er Menschen hinein.
Das Reich, das wächst und durchdringt
Und genau das lehrt Jesus jetzt zum Schluss in den letzten Versen 18 bis 21: dass dieses Reich ein Reich ist, das sich ausbreitet, langsam vom Kleinen zum ganz Großen. Eine Kostprobe für etwas viel Größeres – das sehen wir hier.
Jesus gebraucht zwei Bilder. Wie so oft macht er es uns damit ganz anschaulich. Er vergleicht Gottes Reich zuerst mit einem Senfkorn: ein ganz kleines Körnchen, das irgendwo in den Garten gepflanzt wird. Und mit der Zeit geht es auf, wird immer größer und noch größer, bis irgendwann sogar die Vögel in diesem Baum nisten können und Schutz und Sicherheit finden.
Wie passend ist das gerade auch in der Weihnachtszeit, wenn wir uns überlegen, wie Gott in diese Welt gekommen ist: ein kleines Baby in der Krippe. Der Jesus in der Krippe hat noch keine Wundertaten vollbracht. Und doch kommen da zuerst die Eltern, dann die Hirten, ja sogar die Weisen aus dem Morgenland, und ihre Herzen werden verändert, als sie da Gott selbst sehen, der Mensch geworden ist. Das ist ein Wunder.
Und dann wächst dieser Junge heran und wird zu einem Mann. Er tut Wunder um Wunder, er bringt Zeichen des Heils, bringt Zeichen dieser kommenden Zeit. Er baut Gottes Reich, er fängt an, Menschen um sich zu scharen: erst diese zwölf Apostel, und dann kommen immer mehr Jünger dazu. Das Reich wächst zu einem zarten Pflänzchen heran.
Und die Frommen sagen: Das Pflänzchen machen wir mal lieber ganz schnell kaputt, bevor das noch groß wird. Und sie sagen: Weg mit diesem Jesus. Und sie bestechen einen seiner Jünger, dass er ihn an sie verkauft. Und dann schlagen sie ihn ans Kreuz auf Golgatha und denken: Das Unkraut haben wir beseitigt. Und sie erkennen nicht, dass genau das Gottes Plan ist.
Jesus sagt an anderer Stelle: Das Weizenkorn muss in die Erde fallen, und dann wird es aufgehen und gute Frucht bringen. Er hing dort am Kreuz für deine und für meine Schuld. Und wenn wir auf ihn vertrauen, dann kommen wir dazu in Gottes Reich.
Und da sehen wir, was passiert: Jesus steht wieder auf vom Tod, und die Apostel werden ausgesandt. Sie verkünden es erst in Jerusalem und bald schon viel weiter. Bald ist der ganze Mittelmeerraum vom Evangelium erfasst, hat sich das dort verbreitet. Missionare gehen weiter nach Asien, weiter nach Westeuropa, die Botschaft breitet sich aus auf der ganzen Welt. Was für ein Wunder! Die Botschaft von diesem kleinen Baby, das zum Mann wird, der am Kreuz stirbt für unsere Schuld.
Ist das nicht ein Wunder, dass diese Botschaft sich auf der ganzen Welt ausbreitet? Ja, was gibt es für eine bessere Illustration dafür, dass dieses kleine Korn zu einem Riesenbaum heranwächst? Und er wächst noch weiter, es wächst noch weiter sein Reich.
Jesus gebraucht das zweite Bild: Er sagt, es ist wie ein Sauerteig, der unter einem halben Cent Mehl gemischt wird. Und wenn du das so durchmischst, dann passiert es ganz zwangsläufig, dass alles durchsäuert wird. So ist es mit dieser Botschaft. Sie geht durch die ganze Welt und durchdringt die ganze Welt.
Und es ist erstaunlich: ohne Gewalt, ohne Waffen. Das Evangelium wird weitergesagt, und wo es verkündet wird, sind Menschen, die es glauben. Selbst in Nordkorea gibt es Menschen, die das glauben. Selbst in China, in Ländern, wo du denkst, da passt das Evangelium gar nicht rein, finden Menschen zum Glauben.
Das ist eine Verheißung für uns, die uns wirklich Mut machen soll. Diese Botschaft wird sich ganz zwangsläufig verbreiten auf der ganzen Welt, bis Gott sein Werk vollendet hat. Das wird passieren, es ist eine Verheißung.
Es ist gleichzeitig aber auch ein Auftrag, weil wir das auch sehen, weil Jesus uns das auch sagt: dass es nicht so ist, dass es sich auf eine ganz geheimnisvolle, mysteriöse Weise verbreitet, sondern er gebraucht dazu Menschen wie dich und mich. Er gebraucht Menschen, die diese Botschaft weitersagen.
Es ist ein Auftrag für uns, Jesus nachzutun, als seine Jünger ihm nachzufolgen. Menschen in der Liebe zu begegnen, mit der er Menschen begegnet ist, wie wir das hier als Kostprobe auch gesehen haben. Und Menschen auch das Wort zu bringen: Gott bringt euch Heil!
Denkt noch einmal an den amerikanischen Soldaten vom Anfang, der da den Kindern Chocolate und Kaugummis gebracht hat, als rückblickenden Vorgeschmack auf Frieden und Wohlstand. Und ganz ähnlich dürfen wir Menschen einen Vorgeschmack von Gottes Heil bringen.
Immer wieder gebraucht er auch heute noch Christen, um Wunder zu tun, was auch von Johannes Trauer nicht erzählt, der sogar Geister austreiben durfte. Und wir hören viele solcher Berichte. Aber in der ganzen Geschichte sind die spektakulären Wunder nicht die Regel, schon in der Bibel nicht.
Als Christen sollten wir uns vor allem danach ausstrecken, mehr von der Gesinnung von Jesus zu haben, Menschen mehr von dieser Liebe zu zeigen, Menschen in Barmherzigkeit zu begegnen. Sein Reich wächst auch dort, wo Christen krank bleiben, wo Christen vielleicht auch Außenseiter bleiben, aber doch diese Hoffnung haben auf die kommende Zeit. Ohne dass sich die Probleme von einem Tag auf den anderen komplett in Luft auflösen.
Es ist diese Woche wieder so deutlich geworden. Ich habe eine Dokumentation gesehen über den großen Evangelisten Billy Graham. Er hat unter anderem in Amerika große Evangelisationen gehalten, wo Menschen kamen, Schwarze und Weiße. Und dann fingen die Behörden an, sie zu trennen, mit Seilen nach Schwarz und Weiß.
Billy Graham hat persönlich eingegriffen und hat gesagt: Ich predige euch hier nicht, solange es diese Trennung gibt. Er hat diese Seile mit weggenommen und gesagt: Das kann nicht sein, dass ich hier die Botschaft von Versöhnung bringe, von einem ewigen Friedensreich, wo alle Nationen vereint sind, und hier machen wir Rassentrennung.
Es war keine übernatürliche Tat, es war nicht übernatürlich, aber es war doch ein Wunder. Es war spektakulär, dass Gott seinen Segen daraufgelegt hat, dass da Menschen, Schwarze und Weiße, zum Kreuz kamen, ihr Leben Jesus gegeben haben und sich in den Armen lagen. Die Bilder sind fantastisch.
Wo bist du gefragt, ganz praktisch, vielleicht auch mutig, Schritte der Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu gehen? Wo sind wir als Gemeinde gefragt, solche Schritte zu gehen? Wir haben ja so ein paar Leuchtturmprojekte. Wir haben die Einsätze im Rotlichtviertel, wo vor allem Frauen zu den Frauen dorthin gehen und ihnen von der Liebe Jesu etwas geben. Wir haben die Farsi-Gruppe. Aber legt Gott uns vielleicht noch mehr aufs Herz, wo wir Nächstenliebe üben können?
Das ist eine Denksportaufgabe für die nächsten Tage. Es ist Silvester, da kann man mal darüber nachdenken. Gute Vorsätze für das neue Jahr. Aber lasst uns auch mit Worten lieben und den Menschen Zeugnis geben von der Hoffnung, die in uns ist.
Sein Reich kommt, und es wächst weiter. Wer an Jesus Christus glaubt, wird noch viel mehr sehen und erleben als das, was wir jetzt schon sehen in der Bibel und auch in unserem eigenen Leben. All das sind Kostproben einer wunderbaren Ewigkeit, die uns erwartet.
Das müssen die Leute hören, das müssen wir uns auch selber immer wieder sagen: Vertraue darauf, glaube, sein Reich kommt.
Ich bete.
Gebet und Sendung
Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass Jesus in diese Welt gekommen ist und dass er nicht als unser Richter und als unser Ankläger gekommen ist, sondern dass du einen so genialen Heilsplan hast. Er ist gekommen und hat Kostproben von deinem Reich gebracht. Sie geben uns einen Vorgeschmack darauf, wie wunderbar es sein wird, wenn du alle Krankheit wegnimmst, alles Leid und allen Tod.
Und wenn wir dich sehen, wenn es wieder sein wird wie im Paradies, wenn wir mit dir zusammengehen können, ganz eng, so wie wir es uns noch nicht vorstellen können.
Wir beten, dass wir wirklich von dieser Hoffnung geleitet sind in diesem Leben, auf dieser Erde. Dass sie uns antreibt, dass sie uns froh macht und dass sie uns auch zu den Menschen treibt, die keine Hoffnung haben, die nur für dieses Leben denken und die so schlecht mit Leid und Schmerz umgehen können.
Wir beten, dass du uns zu wirklichen Botschaftern dieser Freudenbotschaft machst und uns auch mutig machst, die Schritte zu gehen, die es dazu braucht. Danke, dass dein Geist uns dazu fähig macht, dass wir das nicht einmal selbst bringen müssen, sondern dass du durch uns wirken willst.
Und wir beten: Gebrauche du uns in dieser Welt. Amen!
