Einleitung und bisheriger Verlauf
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 697
Das Gleichnis von den Weingärtnern, Teil 2
Er fing aber an, zu dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, verpachtete ihn an Weingärtner und reiste für lange Zeit außer Landes. Und zur bestimmten Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben.
Die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn leer fort. Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch den und behandelten ihn verächtlich und schickten ihn leer fort. Und er fuhr fort und sandte einen dritten; sie aber verwundeten auch diesen und warfen ihn hinaus.
Bis hierher waren wir gekommen.
Die lange Geschichte der Zurückweisung
Die Weingärtner sind nicht bereit, die Pacht zu bezahlen. Sie ernten die Frucht des Weinbergs, aber sie schicken die Knechte des Weinbergbesitzers mit leeren Händen wieder weg.
Wenn man das Gleichnis überträgt, dann geht es um den Umgang des Volkes Israel und dabei vor allem der Elite mit den Propheten Gottes. Johannes der Täufer war nämlich nicht die Ausnahme. Der Umgang mit ihm war einfach nur die logische Fortführung eines bereits eingeübten Musters. Schon über Generationen hinweg hatte man die Boten Gottes nicht nur ignoriert, sondern sie aktiv zurückgewiesen, verspottet und verfolgt.
So kann das Fazit über die Geschichte Israels kurz vor der Wegführung nach Babylon lauten: 2. Chronik 36,15-16. Und der Herr, der Gott ihrer Väter, sandte zu ihnen durch seine Boten, früh sich aufmachend und sendend, denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Aber sie verhöhnten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so stieg, dass es keine Heilung mehr gab.
Johannes der Täufer steht nicht isoliert da, sondern er ist nur das Ende einer langen Linie von Propheten, deren Botschaft unbequem war, weil sie zur Umkehr aufriefen. Deshalb wurden sie von denen verfolgt, die keine Buße tun wollten.
Merkt ihr: Die Tatsache einer jahrhundertelang zurückreichenden Rebellion gegen Gott macht das Gleichnis so richtig scharf. Es geht Jesus nicht um eine einzelne Fehlentscheidung. Es geht ihm um eine tief verwurzelte Haltung. Gott sendet seine Knechte, die Propheten, immer wieder geduldig, beharrlich, mitleidig und werbend. Doch das Volk und seine Obersten reagieren nicht mit Einsicht, sondern mit Verhärtung. Und so wächst die Schuld des Volkes mit jedem abgelehnten Propheten weiter und weiter an.
Der Sohn als letzte Sendung
Und jetzt steigert Jesus die Geschichte noch. Nach den Knechten kommt der Sohn. Und mit ihm die alles entscheidende Frage: Wenn die Propheten abgewiesen wurden, was wird mit dem Sohn geschehen? Gibt es jetzt Scheu, Einsicht, womöglich Buße?
Matthäus 21,37: Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Das ist der letzte Schritt, den Gott im Umgang mit dem Volk Israel geht. Zuletzt sandte er seinen Sohn. Eine letzte Chance für das Volk des alten Bundes auf Buße, Umkehr und Neuanfang. Und hinter all dem steckt die Hoffnung, dass sie es nicht wagen werden, mit dem Sohn so umzugehen, wie sie es mit den Propheten getan haben. Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Gott schickt seinen geliebten Sohn, wenn man so will, in die Höhle des Löwen.
Lukas 20,13: Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn senden. Vielleicht werden sie sich, wenn sie diesen sehen, scheuen.
Gott selbst geht davon aus, dass die Obersten des Volkes den Unterschied zwischen den Knechten und dem Sohn wahrnehmen werden. Wenn der Sohn kommt, wird deutlich sein, dass er mehr ist als nur ein weiterer Prophet. Er ist die abschließende Ansprache des Weinbergbesitzers an die Weingärtner.
Hebräer 1,1-2: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat.
Die Reaktion der Weingärtner und das Urteil
Wie werden die Weingärtner reagieren? Lukas 20,14: Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe; lasst uns ihn töten, damit das Erbe unser wird.
Immer wenn ich diesen Satz lese, frage ich mich, wie man auf so eine Schnapsidee kommen kann. Warum sollte der Tod des Erben dazu führen, dass die Weingärtner den Weinberg bekommen?
Matthäus 21,38: Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen.
Das hätten sie gern: den Erben töten und dann das Erbe an sich reißen. Das ist der Plan.
Matthäus 21,39: Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.
Sie werfen ihn zum Weinberg hinaus und bringen ihn um. Warum in dieser Reihenfolge? Wahrscheinlich, weil sie nicht wollen, dass der Leichnam ihren Weinberg unrein macht.
Lukas 20,15: Und als sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie ihn.
Aus ihrer Perspektive hatten sie den Weinberg jetzt sicher. Irgendwie gehen sie davon aus, dass dem Weinbergbesitzer das Schicksal seines Weinbergs und seines Sohnes, ganz abgesehen von den vielen Knechten, völlig egal ist.
Bis hierhin erzählt der Herr Jesus seinen Zuhörern das Gleichnis. Und jetzt stellt er ihnen eine Frage. Ich muss schmunzeln, weil ich den Eindruck habe, dass die Pharisäer und die Hohenpriester einfach nicht dazulernen. Einmal mehr sprechen sie sich selbst das Urteil.
Matthäus 21,40: Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun?
Gute Frage, eine, über die sich die Weingärtner auch hätten Gedanken machen sollen.
Lukas 20,15: Was wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun?
Wie wird der Weinbergbesitzer mit solchen Leuten umgehen, die ihm die Pacht vorenthalten, seine Knechte misshandeln und töten und sich auch vor seinem Sohn nicht scheuen?
Und wisst ihr was? Die Hohenpriester und die Pharisäer kennen die Antwort.
Matthäus 21,41: Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.
Sie haben völlig recht. Genau das wird Gott tun. Gott wird richten, und der Weinberg wird an andere Weingärtner verpachtet werden.
Anwendung und Schluss
Was könntest du jetzt tun? Bitte Gott darum, dass er dir zeigt, wo du glaubst, dass sündige Gedanken und Handlungen keine Konsequenz haben.
Das war’s für heute. Noch einmal mein Lieblingstipp: Lerne Bibelverse auswendig und nutze das Wiederholen, um über den Text nachzusinnen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
