Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 328: Die Speisung der Fünftausend, Teil drei.
Einführung in das Thema der Schwachheit und Gottes Kraft
Der Herr Jesus benutzt das Wunder der Brotvermehrung, um seinen Jüngern eine wichtige Lektion zu erteilen. Diese Lektion lautet ungefähr so: Wenn Gott dich gebrauchen will, um einer Welt das geistliche Manna Gottes zu geben, dann tue treu das, was Jesus dir aufträgt. Lass dich dabei nicht von der Größe der Aufgabe abschrecken.
Wenn du dich ein wenig inkompetent oder überfordert fühlst, ist das ganz normal. Mitarbeiter Gottes müssen keine Überflieger sein, denn sonst wird nicht deutlich, wer durch sie wirkt.
Dieses Prinzip vom schwachen Mitarbeiter wird für mich nirgends deutlicher als dort, wo Paulus zuerst von seiner Entrückung in den höchsten Himmel, dem dritten Himmel, spricht. Danach fährt er fort: 2. Korinther 12,7: „Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn im Fleisch gegeben, ein Engel Satans, der mich mit Fäusten schlägt, damit ich mich nicht überhebe.“
Zuerst erhält Paulus fast übermenschliche Offenbarungen. Doch dann bekommt er einen Dorn im Fleisch, damit er sich nicht überhebt. Paulus betont diesen Punkt sogar zweimal.
Die Lektion der Schwachheit bei Paulus
Warum handelt Gott so, dass er jemanden einerseits mit besonderen Erfahrungen beschenkt, ihn dann aber durch einen Engel Satans schwach macht? Die Lektion, die Paulus lernen muss – und die auch wir lernen sollten – ist wirklich ungemein wichtig.
Paulus betet, und dann hört er in 2. Korinther 12,9: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ Er sagt daraufhin: „Sehr gerne will ich mich nun viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.“ Gottes Kraft zeigt sich also gerade in unserer Schwachheit.
Diese Lektion müssen die Jünger lernen: Gottes Kraft entfaltet sich dort, wo wir schwach sind. Deshalb dürfen wir Schwachheit annehmen und umarmen. Paulus würde sagen: „Ich habe Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen, denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“
Lasst uns das wirklich glauben: Gottes Kraft kommt in unserer Schwachheit zur Vollendung. Es ist nicht so, dass wir geistlich am brauchbarsten sind, wenn alles gut läuft. Im Gegenteil: Gerade dort, wo unsere eigenen Ressourcen erschöpft sind, zeigt sich Gottes Kraft besonders. Wenn wir zum Beispiel mit fünf geliehenen Broten vor tausenden hungriger Menschen stehen – genau das sind die Momente, in denen Gott sich offenbaren will.
Die Bedeutung der Brocken nach der Speisung
Aber kommen wir zurück zu unserem Text: Johannes Kapitel 6, Vers 12.
Als sie aber gesättigt waren, spricht er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts umkommt.“
„Es soll nichts umkommen“ – das ist die Begründung des Herrn Jesus. Essen ist wertvoll, oder allgemein gesagt: Gottes Geschenke sind nicht dazu da, dass man sie verschwendet. Wenn Gott uns segnet, dann sollten wir darauf achten, dass nichts davon verloren geht.
Das klingt gut, aber was heißt das praktisch? Praktisch bedeutet es, dass im Dienst an anderen eine Belohnung für mich selbst steckt. Ich darf nicht verpassen, dieses Geschenk Gottes an mich zu entdecken und mitzunehmen.
Das, was die Jünger einsammeln, ist ja nicht für andere. Es ist primär für sie selbst. Jeder von ihnen hat am Ende einen Handkorb voller Brot und dazu noch Fische.
Markus Kapitel 6, Vers 43: „Und sie hoben auf an Brocken zwölf Handkörbe voll und von den Fischen.“
Die Gefahr, Gottes Geschenke zu übersehen
Jürgen, willst du damit sagen, dass wir in Gefahr sind, ein Geschenk Gottes zu übersehen? Ja, genau das möchte ich sagen. Diese Gefahr betrifft vielleicht vor allem die Fleißigen.
Es ist der Typ Christ, der seine Gaben einsetzt, die anstehenden Aufgaben treu erledigt, sich von Termin zu Termin hangelt und nicht auf den Gedanken kommt, die übrig gebliebenen Brocken einzusammeln.
Lasst uns die Speisung der Fünftausend nutzen, um uns daran zu erinnern, dass Gott kein knauseriger Sklaventreiber ist, dem wir dienen, nur um nicht in die Hölle zu kommen. Wir haben es mit einem guten Hirten zu tun, der uns auf grünen Auen lagert.
Um in unserer Geschichte zu bleiben: Gottes Fürsorge gilt nicht nur den anderen, die im Gras sitzen und sich satt essen, sondern auch uns, die wir ihnen Gottes Manna ausgeteilt haben.
Wenn wir im Dienst merken, dass wir die Freude verlieren, uns gehetzt fühlen oder ungerecht behandelt werden, dann liegt das vielleicht auch daran, dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, die Brocken aufzusammeln.
Praktische Wege, die Brocken aufzusammeln
Wie macht man das, die Brocken aufzusammeln? Drei Ideen aus meinem Leben – und es gibt bestimmt noch viel mehr.
Erstens: Genieße positives Feedback. Dabei geht es nicht darum, stolz zu werden und sich im Licht des eigenen Erfolgs zu sonnen – überhaupt nicht. Aber unter Christen gibt es auch das gegenteilige Denken: Sie halten sich für so unwürdig, dass jedes Lob an ihnen abprallt. Fast so, als wären sie es nicht wert, ein Dankeschön anzunehmen. Deshalb der erste Punkt: Genieße positives Feedback.
Mir fällt das ehrlich gesagt auch manchmal schwer. Wenn also jemand kommt und sich bei dir bedankt, dann tu das nicht einfach ab. Sage nicht: „Ach, das war doch nichts, das hätte jeder gekonnt.“ Höre stattdessen zu, genieße den Dank, freue dich. Dann kannst du zum Beispiel sagen: „Hey, danke! Dein Lob tut mir gerade richtig gut. Ich freue mich darüber, dass Gott mich benutzt hat, um dir zu dienen – noch ein Grund mehr, dankbar zu sein.“
Zweitens: Wenn wir anderen geistliche Speise austeilen, bleibt oft auch für uns eine Extraportion übrig. Das merke ich immer wieder beim Schreiben einer Predigt oder eines Podcasts. Da gibt es häufig Gedanken, die zwar nicht im Skript auftauchen, mich aber trotzdem bereichern. So ein Ping vom Heiligen Geist für mich persönlich.
Ihr ahnt schon, was ich dann tue: Genau, ich merke mir den Vers und lerne ihn auswendig. Das Wort will ins Herz, damit es über mein erneuertes Denken mein Leben prägt. Man muss nur vorsichtig sein, dass man vor lauter Aufgabenorientierung nicht vergisst, dass Gott uns auch persönlich beschenken will. Augen auf und pack die Brocken in deinen Handkorb.
Drittens: Wenn wir Gott dienen – und dabei spielt es keine Rolle, ob wir hinter dem Mischpult sitzen, im Kindergottesdienst mitarbeiten oder Gastgeber für einen Hauskreis sind – dann dürfen wir uns darüber freuen, dass Gott uns benutzt, um sein Reich zu bauen.
Viele Christen, die ich kenne, sind mir viel zu selbstkritisch. Gott freut sich über sie, aber sie freuen sich nicht über sich selbst. Ihr Blick ist immer auf das gerichtet, was noch nicht geklappt hat, was man noch besser hätte machen können, auf die eigenen Defizite. Dabei bleiben viele Brocken Freude einfach liegen.
Mein Tipp: Wenn dir etwas gelungen ist, feiere das ein wenig. Genieße die Freude daran, dass du Menschen zum Segen wurdest. Natürlich geht es dabei nicht um Selbstdarstellung – wir sind keine Narzissten. Aber wir sind Menschen, und meine Seele braucht Momente, in denen sie sich eingestehen darf, dass mein Leben wertvoll ist, dass ich meine Berufung lebe und dass ich einen ewigen Beitrag zum ewigen Reich Gottes leiste.
Glaub mir, solche Momente geben Kraft. Nicht umsonst heißt es so oft in der Bibel: „Freut euch!“ Wenn Gott durch uns andere Menschen segnet, dann dürfen wir uns freuen.
Abschlussgedanken und Ermutigung zum Nachdenken
So viel zu den Brocken, die wir auflesen sollen. Wie gesagt, es gibt bestimmt noch viele weitere Möglichkeiten. Das wäre auch ein gutes Thema für einen Hauskreis.
Lasst uns einfach darauf achten, dass wir im Dienst für andere immer als Beschenkte vom Platz gehen.
Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, wo du in der Gefahr stehst, in der Gemeinde zu dienen und dich zu wenig über die Resultate zu freuen.
Das war's für heute. Nimm dir heute noch Zeit, den Gottesdienst vom Sonntag nachzuarbeiten. Wo hat Gott dich angesprochen? Werde praktisch.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen!
