Zeitliche Einordnung
Wir haben in den letzten Bibelstudientagen begonnen, systematisch das
erste Buch Mose zu untersuchen, zunächst die Urgeschichte in 1. Mose 1-11,
dann das Leben Abrahams, Kapitel 12-25, und nun kommen wir also zu Isaak
und Jakob, Kapitel 25-36. Wenn hier steht, um 2.000 vor Christus, dann
meint das die Zeit nach 2.000 vor Christus. Abraham lebte – das kann man
sich gut merken – um 2.000 vor Christus und darauf folgten dann Isaak und
Jakob. Wir haben das Leben Abrahams gesehen bis Kapitel 25, Vers 11, wo er
dann starb mit 175 Jahren und von Isaak und Ismael begraben worden ist.
Jetzt kommen die Verse 12-18, die beschreiben die Entwicklung Ismaels, der
eben nicht zum Erbe ausersehen war, von dem aber die arabischen Stämme
abstammen, wozu auch Muhammad gehört. Muhammad kommt aus der ismaelitischen
Abstammungslinie und hat den Islam gebracht, das kommt aus dieser Linie
Abraham, Ismael. Und in diesen Versen wird uns gezeigt, wie Ismael sich
über zwölf Söhne freuen konnte, während Isaak, der dann beschrieben wird ab
Vers 19, vierzig Jahre lang auf seine von Gott geschenkte Frau warten
musste.
Isaak und Rebekka bekommen Kinder
Und dann mussten die beiden noch einmal zwanzig Jahre lang auf Kinder
warten. Obwohl diese Geschichte auf Gottes Führung und Allmacht gegründet
war, ging es nicht ohne Probleme und Warten. Als Antwort auf Gebet bekommen
sie dann schließlich doch Kinder. Ich lese Kapitel 25, 21: «Und Isaak bat
den Ewigen für seine Frau, denn sie war unfruchtbar. Und der Ewige ließ
sich von ihm erbitten und Rebekka, seine Frau, wurde schwanger.» Also ganz
klar eine Antwort auf Gebet und langes Warten. Heute geht man zum
Gynäkologen und dann kann er vielleicht etwas machen und es gibt Kinder.
Ich will jetzt nichts dagegen sagen, aber wir müssen auch merken, wie die
Zeit sich geändert hat. Je mehr Möglichkeiten wir haben um etwas zu machen,
umso weniger erfahren wir dann so unmittelbar das Wirken Gottes. Also ich
will nichts dagegen sagen, dass wir diese medizinischen Errungenschaften
haben, nur ist es vielleicht eine Erklärung dafür, dass Menschen heute
darüber klagen, dass sie Gott nicht so erleben, wie die Menschen das früher
getan haben. So vieles ist heute machbar, was man früher nur durch Gebet
bekommen konnte. Heute ist es auch was soziale Sicherheit und Versicherung
anbetrifft alles machbar, aber früher gab es nur eine Säule: das Vertrauen
auf Gott.
Und das taten Isaak und Rebekka und dann kamen sogar Zwillinge. Das war
eine doppelte Überraschung. Hier sehen wir wieder, dass der Jüngere von
Gott auserwählt wird. Ich lese Vers 22: «Und die Kinder stießen sich in ihr
und sie sprach: Wenn es so steht, warum bin ich dies? Und sie ging hin,
Jahwe zu befragen.» Das ist Rebekkas persönliches Gebetsverhältnis zu Gott.
«Und der HERR sprach zu ihr: Zwei Nationen sind in deinem Leibe, und zwei
Völkerschaften werden sich scheiden aus deinem Innern, und eine
Völkerschaft wird stärker sein als die andere, und der Ältere wird dem
Jüngeren dienen.» Jetzt wusste sie, Gott in seiner Souveränität hat den
Jüngeren gewählt. Das überrascht uns nicht mehr, nachdem wir schon so lange
durch das erste Buch Mose gegangen sind. Das haben wir schon gesehen bei
Kain und Abel, Sem anstatt Japhet, oder auch Abraham anstatt Haran oder
Nahor und auch Isaak anstelle von Ismael dem Älteren. Und hier eben auch:
Nicht Esau, sondern Jakob wird erwählt. Das ist Gottes Souveränität. Er
kann wählen und erwählen wie er will. Das finden wir in Römer 11, 11-13.
Im Weiteren finden wir Jakob, der Wert legt auf das Erstgeburtsrecht.
Denn er wusste, durch das Erstgeburtsrecht werde ich Stammvater des in der
Zukunft Segen bringenden Messias. Esau verachtete das. Als er da von der
Jagd zurückkam und sah das wunderbare Linsengericht, das Jakob am kochen
war, war er bereit, sein Erstgeburtsrecht für dieses Linsengericht zu
verkaufen. Gut, ich kann das schon wegen der Linsen nicht verstehen, aber
das ist ein anderes Thema. Aber was hier deutlich wird, Esau verachtete
diese Zukunftsverheißungen Gottes und er glaubte auch nicht an die
Bedeutung des Lebens nach dem Tod. Das sehen wir ausdrücklich in Vers 32:
«Und Esau sprach: Siehe ich gehe hin zu sterben und wozu mir da das
Erstgeburtsrecht.» Denn vieles von dem Segen des Erstgeburtsrechts sollte
ja erst viel, viel später in der Heilsgeschichte kommen. Das sollte erst in
der Auferstehung einmal erlebt werden. Und Esau sagte, was soll das? Jetzt
genieße ich das Leben, jetzt will ich dieses Linsengericht. Er will das
Momentane genießen. Hebräer 12, 16-17 kommentiert neutestamentlich die
innere Haltung von Esau: Dass nicht jemand ein Hurer sei oder ein
Ungöttlicher wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte.
«Denn ihr wisset, dass er auch nachher, als er den Segen ererben wollte,
verworfen wollte. Denn er fand keinen Raum für die Buße, obwohl er ihn
(d.h. den Segen) sehr mit Tränen suchte.» In 1. Korinther 15, 32 wird
gewarnt vor den Menschen, die sagen: «Lasst uns essen und trinken, denn
morgen sind wir nicht mehr.» Aber das ist genau das Motto, das viele Leute
in unserer Gesellschaft haben. Das momentane Genießen, aber irgendwelche
zukünftigen Verheißungen Gottes interessiert sie überhaupt nicht.
Die Archäologie hat in den vergangenen Jahren viele Texte aus dem 2.
Jahrtausend vor Christus ans Licht gebracht. Da hat man einen interessanten
Text aus Nuzi, wo ein gewisser Tupkitilla sein Erstgeburtsrecht für drei
Schafe verkaufte. Ich verweise hier auf das Standardbuch von Kitchen, einer
der führenden Altorientalisten in diesem Jahrhundert, er ist übrigens
Christ, also echter Christ, Ancient Orient and Old Testament, S. 154. Also
das zeigt uns, in dieser Zeit gab es das Prinzip, dass man das
Erstgeburtsrecht für etwas relativ Unbedeutendes verkaufen konnte. Dann
sind in diesem Text hier die vielen Wortspiele noch wichtig. Bei der Geburt
war es ja so, dass der Jüngere den Fersen hielt von seinem Bruder Esau und
so bekam Jakob den Namen Fersenhalter, Jaakov. Aber dieses Wort hat eine
Doppelbedeutung, denn es bedeutet gleichzeitig auch Betrüger und das
beschreibt dann sehr gut den Charakter und das Leben von Jakob.
Esau fiel bei seiner Geburt dadurch auf, dass er über und über behaart
war. Das hat ihm den Namen Esau, hebr. esav, eingebracht, das bedeutet der
Behaarte. Aber interessant ist, Esau geht später in die Gegend von
Südjordanien um dort zu wohnen und dieses Gebirge wird Seir genannt, das
heißt behaart oder rau. Das heißt nicht, dass diese Berge Haare haben, aber
sie sind rau. Esau war auch nicht nur behaart, sondern er war auch in
seinem Wesen eher ein rauer Mensch, ein Jägertyp. Dieses Gebirge Seir wird
erwähnt in Kapitel 32, 3, ein raues, unwirtliches Gebirge in Südjordanien.
Esau bekommt, als er da in Vers 30 die roten Linsen unbedingt wollte, den
Namen Edom. Edom heißt rot. Aber es ist noch ein anderes Wortspiel, denn in
Vers 25, schon bei der Geburt, heißt es: «Und der erste kam heraus, rötlich
am ganzen Leib.» Und später bekommt er eben den Namen Edom, weil er die
roten Linsen mehr schätzte als das Erstgeburtsrecht. Aber interessant ist
auch, dass in der Bibel auch Südjordanien, Esaus späteres Siedlungsgebiet,
Edom genannt wird und das sind auch ganz rote Felsen. Das erklärt übrigens
noch etwas, nämlich das Rote Meer. So wird das Meer genannt in Hebräer 11,
29. Aber das rote Meer ist überhaupt nicht rot, aber es war eben gelegen
neben dem Siedlungsgebiet von Edom und möglicherweise kam von daher diese
Bezeichnung Rotes Meer, weil es das Meer Edoms ist.
Isaak und Rebekka in Ägypten
Wir gehen weiter zu Kapitel 26. Es gibt eine Hungersnot im Land Kanaan.
Isaak kommt hier in Not und geht dann nach Gerar zu den Philistern, also in
den Westen, nach Westkanaan. Und dort erscheint ihm Gott in einer Vision
und warnt ihn, nach Ägypten hinabzugehen. Vers 26, 2: «Und der Ewige
erschien ihm zu sprach: Ziehe nicht nach Ägypten. Bleibe in dem Land, von
dem ich dir sage. Halte dich auf in diesem Land und ich werde mit dir sein
und dich segnen, denn dir und deinem Samen werde ich all diese Länder
geben, und ich werde den Eid aufrechterhalten, den ich deinem Vater Abraham
geschworen habe. Und ich werde deinen Samen mehren wie die Sterne des
Himmels und deinem Samen alle diese Länder geben; und in deinem Samen
werden sich segnen alle Nationen der Erde: darum dass Abraham meiner Stimme
gehorcht und beobachtet hat meine Vorschriften, meine Gebote, meine
Satzungen und meine Gesetze. So blieb Isaak in Gerar.» Also die
abrahamitischen, messianischen Verheißungen werden jetzt hier an Isaak von
Gott bestätigt.
Wegen der Hungersnot wollte Isaak offensichtlich nach Ägypten hinunter.
Das haben wir schon früher gesehen, als Abraham das auch getan hat wegen
einer Hungersnot, Kapitel 12. Und das hat sehr schwere Konsequenzen
gebracht. Und jetzt, als Isaak in der Gefahr steht, den gleichen Fehler
auch zu begehen, warnt ihn Gott und sagt:Bleibe hier! Schwierigkeiten sind
nicht automatisch ein Aufruf, dass man dann flüchten soll. Gott sagt, ich
will mit dir sein auch in den Schwierigkeiten. Also nicht gleich
davonlaufen, wenn es irgendwie schwierig wird. Aber Gott gibt Verheißungen
und Isaak baut auf diese Verheißungen. Es geht nicht alles so schnell wie
bei Ismael, aber er hat Gottes Zusagen und er glaubt sie.
Im Weiteren sehen wir wie Isaak dort bei den Philistern Rebekka als seine
Schwester vorstellt. Und er hatte Angst zu sagen, dass sie seine Frau ist,
weil man ihn sonst vielleicht töten könnte, weil Rebekka so
unwahrscheinlich schön war. Die Geschichte wiederholt sich. Das haben wir
doch alles schon gesehen bei Abraham. Wir sehen also, wie Söhne die Fehler
der Väter sehr leicht wiederholen können. Und auch hier ist dann alles
aufgeflogen. Interessant ist aber, wie es aufgeflogen ist. Vers 8: «Und es
geschah, als er längere Zeit daselbst gewesen war, da blickte Abimelech,
der König der Philister, durchs Fenster, und er sah, und siehe, Isaak
scherzte mit Rebekka, seinem Weibe. Da rief Abimelech den Isaak und sprach:
Sieh, fürwahr, sie ist dein Weib; und wie hast du gesagt: Sie ist meine
Schwester? Und Isaak sprach zu ihm: Weil ich mir sagte: dass ich nicht
sterbe ihretwegen. Und Abimelech sprach: Was hast du uns da getan! Wenig
fehlte, so hätte einer aus dem Volke bei deinem Weibe gelegen, und du
hättest eine Schuld über uns gebracht.» Also auch hier ist man erstaunt
über diesen hohen moralischen Standard, den die Philister damals noch
hatten. Wir haben das ja auch schon bei den Ägyptern gesehen.
Die Lüge hier ist ein bisschen stärker, denn Rebekka war nicht die
Halbschwester von Isaak. Man könnte höchstens sagen, Schwester bedeute auch
Verwandte, Cousine, in diesem Sinne würde es dann noch stimmen. Es ist aber
schon weiter gegangen als bei Abraham. Eindrücklich ist: Wie hat Abimelech
gemerkt, dass Isaak verheiratet ist? Sie haben zusammen gescherzt. Das war
also ein romantischer Umgang zwischen Isaak und Rebekka, der sofort
deutlich macht, dass sie eine intime Beziehung haben, dass sie verheiratet
sind. Isaak war damals wenigstens sechzig Jahre alt und trotzdem konnten
sie noch so romantisch miteinander spielen. Das muss man wieder ganz
positiv werten, denn es ist ganz wichtig, dass eine Ehe so gepflegt wird
bis ins Alter hinein. Also wir können der Geschichte des Versagens von
Isaak auch etwas Gutes abgewinnen.
Isaak ist gesegnet
In Kapitel 26, 12-14 wird dann betont wie Isaak gesegnet wird: «Und Isaak
säte in selbigem Lande und gewann in selbigem Jahre das Hundertfältige; und
der HERR segnete ihn.» Also gleich auf dieses Versagen hin kommt dieser
hundertfältige Segen. Das zeigt etwas Wichtiges: Segen ist nicht
automatisch die Folge von einer Treue in unserem Leben. Wir können also
nicht sagen: Wenn wir gesegnet sind, dann ist das der Beweis dafür, dass
wir total auf dem richtigen Weg sind. Das ist Gottes Souveränität. Er kann
segnen, auch wenn wir es überhaupt nicht verdient haben und darum habe ich
dann auf dem Blatt noch Psalm 136, 1 zitiert: «Der HERR ist freundlich und
seine Güte währet ewiglich.» Davon leben wir. Später, in den Versen 15 und
folgende, wird uns berichtet wie Isaak alte Wasserbrunnen von seinem Vater
Abraham wieder aufgegraben hat, einen nach dem anderen. Schließlich findet
er sogar einen Brunnen mit lebendigem Wasser. Lebendiges Wasser auf
hebräisch «majim chajim», das bedeutet Quellwasser, frisches Quellwasser,
also das fließend ist. Diese Wasserbrunnen sind von den Philistern
verstopft worden, Vers 15, und er gräbt sie nun wieder auf, findet sogar
lebendiges Wasser. Aber die Philister kommen wieder und sind streitsüchtig
und er muss von einem Ort zum nächsten gehen.
Das hat uns sehr viel zu sagen in der Übertragung. Die Philister sind für
uns ein Bild für die Namenschristen. Man sieht in 1. Mose 10, dass die
Philister ursprünglich aus dem Mittelmeerraum nach Ägypten gekommen und von
dort nach Kanaan eingewandert sind, in das Gebiet des heutigen
Gazastreifens. Die sind also, wie Israel später auch, einmal aus Ägypten
ausgezogen in das Land der Verheißung. Aber nicht so wie das Volk Israel,
das mit Gott einen Bund geschlossen hat am Sinai und Erfahrungen mit Gott
in der Wüste gemacht hat, sondern die sind einfach so dorthin gezogen. Und
so sind sie für uns ein gutes Bild für Namenschristen, die so ganz ähnlich
wirken können wie echte Christen. Was haben die Philister gemacht? Sie
haben einen Brunnen nach dem anderen von Abraham verstopft. Wasser,
besonders lebendiges Wasser, ist in der Bibel ein Bild einerseits von
Gottes Wort, Epheser 5, 25, und andererseits die Kraft des Heiligen
Geistes, Johannes 7, 37-39.
Also das haben wir in der Kirchengeschichte auch erlebt, wie
Namenschristen, große Theologen begonnen haben, die Quelle des Wortes
Gottes zu verstopfen. Das hat begonnen mit der Bibelkritik im 18.
Jahrhundert und hat sich dann im 19. Jahrhundert entfaltet mit Wellhausen,
Wellhausen-Graf-Schule und so weiter, die versucht haben die Bibel zu
zerpflücken. Man hat die Bücher Mose in verschiedene Quellen aufgeteilt und
hat gesagt, das ist überhaupt nicht übernatürlich inspiriert, das ist
reines Menschenwort und man muss die Geschichte Israels als eine Evolution
sehen und so weiter. Und dadurch hat sich ganz massiv im 20. Jahrhundert
der Unglaube gegenüber der Bibel entwickelt. Aber das haben nicht Atheisten
getan, sondern das haben Christen getan, solche Geier wie Wellhausen und
Konsorten. Also die haben gewissermaßen diese Brunnen verstopft, aber
Isaak, dieser Mann Gottes, hat einen Brunnen nach dem anderen, die sein
Vater Abraham gegraben hatte, wieder aufgegraben. Und das ist genau das,
was wir als Christen an der Schwelle des 21. Jahrhunderts tun müssen. All
diese verstopften Brunnen, die uns die Bibelkritiker verstopft haben,
wieder aufgraben und dieses lebendige Wasser finden. Ganz neu, jede
Generation muss neu zur Bibel zurückkehren. Aber wir erleben dann
philistäischen Widerstand. Das ist ganz normal.
Isaak kommt zur Ruhe
Aber schließlich kommt Isaak nach Rechoboth, das heißt Raum, und dort
bekommt er plötzlich Ruhe. Dann geht er nach Beer-Sheva und Gott erscheint
ihm dort, Vers 24. Dann baut Isaak einen Altar. Er pflegt die Gemeinschaft
mit Gott. Hier haben wir ein wichtiges Prinzip: Segen trotz Widerstand. Wir
müssen nie denken, wenn wir Widerstand haben, dann ist wahrscheinlich alles
krumm und schief, sondern Isaak hatte viel Widerstand, aber gerade darin
hatte Gott ihn gesegnet. Ich habe verwiesen auf 1. Korinther 16, 9. Paulus
sagt: Eine wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan in Ephesus, aber der
Widersacher sind viele. Also eine offene Türe heißt nicht, dass alles so
einfach und glatt geht, sondern es kann viele Feinde geben wie bei Paulus.
Die Feinde Gottes sehen, wie Gott zu Isaak steht und die Philister sagen
ihm in Vers 28: Wir haben deutlich gesehen, dass der HERR mit dir ist. Und
in Vers 29 sagen sie: Du bist nun einmal ein Gesegneter des HERRN.
Eindrücklich, die anderen Menschen sehen, dass dieser Isaak, obwohl er ein
unvollkommener Heiliger war, ein Gesegneter des HERRN war. Denn er ließ
sich führen und leiten, Schritt für Schritt und auch korrigieren. Das ist
wie bei seinem Vater. Ich habe verwiesen auf 23, 6: Abraham bei den
Hethitern und die Hethiter sagen zu ihm: Du bist ein Fürst Gottes unter
uns. Das macht deutlich, dass diese Patriarchenzeit in Kanaan eine ganz
wichtige Zeit war, denn in dieser Zeit konnten die kanaanitischen Völker
durch das Zeugnis dieser Männer und ihrer Familien den einen wahren Gott
erkennen. Sie hatten Jahrhunderte Zeit umzukehren von ihrem Spiritismus und
Götzendienst und erst als Israel später aus Ägypten auszog und unter Josua
ins Land kam, kam dann das Gericht über diese Völker. Also Gott hatte
Jahrhunderte Gnadenzeit gegeben um den einen Gott zu erkennen. Also man
kann sagen, diese Patriarchen waren ein Art Evangelisten unter den
kanaanitischen Völkern.
In Kapitel 26, 34-35 heiratet Esau zwei hethitische Götzendienerinnen.
Später, Kapitel 28, 8-9 kommt noch eine Ismaelitin dazu und 36, 3 erwähnt
noch eine Hewiterin, also eine Kanaaniterin. Wir sehen, Esau, der Mann, der
das Erstgeburtsrecht verachtete, der den Momentangenuss im Vordergrund
hatte, ist auch bereit, Götzendienerinnen, ungläubige Frauen zu heiraten.
Es wird uns ausdrücklich erzählt, wie die Eltern darauf reagiert haben,
Vers 36, 35: Und sie waren ein Herzeleid für Isaak und Rebekka. Wörtlich
steht im Hebräischen «eine Bitterkeit des Geistes».
Nun kommen wir zum Leben Jakobs. Wie können das in vier Perioden
einteilen.
Periode 1: 77 Jahre ihre Dauer, er ist in Kanaan, aber wegen seines
Betruges muss er schließlich aus Kanaan fliehen (Kapitel 27 und 28).
Periode 2: 20 Jahre Dauer, in Mesopotamien, Dienst bei Onkel Laban. Er
heiratet dort vier Mal, es werden ihm elf Söhne geboren und eine Tochter
(Kapitel 29-31).
Periode 3: 33 Jahre Dauer, Jakob wieder in Kanaan, Geburt Benjamins und
Verlust Josephs (Kapitel 32-45).
Periode 4: 17 Jahre Dauer, Jakob in Ägypten, sein Lieblingssohn Joseph,
der zum Erstgeborenen erklärt wurde, ist dort Vizekönig (Kapitel 46-50).
Dann stirbt Jakob. Also diese Übersicht hilft uns, das Weitere gut zu
erfassen.
Die Familie wird schuldig
Wir kommen also zu 1. Mose 27 und da sehen wir eine traurige Situation.
Isaak und Rebekka hatten sich mit der Zeit auseinander gelebt und das,
obwohl sie ursprünglich auf eindrückliche Art von Gott zusammengeführt
worden sind. Wir sehen hier, Isaak hing an Esau, weil er das Fleisch
liebte, das dieser als Jäger heimbrachte und Rebekka hing an Jakob, weil er
so gut im Haushalt helfen konnte (?). Und hier erfahren wir nun in diesem
Kapitel wie Rebekka Jakob berät, wie er am besten seinen fast blinden Vater
betrügen kann. Das ist tragisch und die ganze Familie stürzt praktisch ins
Unglück. Und dabei hat die Ehe gut angefangen. Aber wir lernen daraus, der
gute Anfang einer Ehe garantiert nicht ein gutes Ende. Eine Beziehung muss
dauernd gepflegt werden. Und Fehlentwicklungen, die kommen automatisch,
müssen immer wieder korrigiert werden. Nun, das Ganze ist aber sehr, sehr
tragisch. Obwohl ja Isaak durch Rebekka wusste, was Gottes Auserwählung des
Jüngeren anbetrifft, so war er dennoch bereit, wie wir das in diesem
Kapitel sehen, den Erstgeborenensegen Esau zu geben. Und zwar sagt er: Ich
will dich jetzt segnen, aber zuvor hol mir noch ein Wildbret und dann
bereite es mir zu, so wie ich es gerne habe. Also Issak war bereit für eine
gute Speise den Falschen zu segnen.
Merken wir den Zusammenhang? Esau war bereit für ein gutes Essen sein
Erstgeburtsrecht aufzugeben. Da kommen ähnliche Fehlentwicklungen ans
Licht. Dazu ein Streiflicht aus der Archäologie. Auch da geht aus den
Texten des 2. Jahrtausends vor Christus, die man gefunden hat, hervor, dass
in dieser Zeit der mündliche Segen eines sterbenden Vaters rechtskräftig
war. Das ist hier wichtig, weil in dieser erzählt wird, wie Isaak unwissend
Jakob gesegnet hat anstatt Esau. Dann kommt Esau zurück und sagt: Was, du
hast den Segen gegeben? Ja und jetzt? Und Isaak sagt: Ich kann nicht mehr
anders, jetzt kann ich das nicht mehr rückgängig machen. Das waren auch die
Gesetze dieser Zeit, ein mündlicher Segen eines sterbenden Vaters war
rechtskräftig. Und solche Details zeigen uns heute wie authentisch, wie
echt diese Patriarchengeschichten sind. Die Bibelkritiker wollten uns
weismachen, dass diese Geschichten tausend Jahre nach Mose erfunden worden
sind, als ganz andere Gewohnheiten und Gesetze im Nahen Osten gültig waren.
Aber nein, sie beschreiben genau das Hintergrundbild, das wir aus der
Archäologie kennen für das 2. Jahrtausend vor Christus.
Nun, in dieser traurigen Geschichte werden alle in der Familie schuldig.
Wir sehen nämlich, wie Isaak so brutal betrogen wird von seinem Sohn Jakob.
Er gibt sich aus als sei er der haarige Esau. Aber Isaak hat versagt, indem
er nicht auf Gottes Erwählungswort geachtet hat. Rebekka hat total versagt,
da sie Jakob zum Betrug angeleitet hat. Jakob hat total versagt, denn er
hat seinen Vater grausam betrogen. Und Esau hat schon längst versagt, denn
er verachtete damals das Erstgeburtsrecht und er hat seine Sünde nicht
bereut. Und genau das lesen wir in Hebräer 12, wo wir gelesen haben, dass
er zwar später sehr geweint hat, dass er den Segen verpasst hat, aber er
hat eben nur wegen des Segens geweint und wie der Hebräerbrief es sagt, er
hat keinen Raum für die Buße gefunden, obwohl er ihn, d.h. den Segen, mit
Tränen suchte. Also, er hat keine Umkehr erlebt. Die ganze Familie hat in
dieser Sache versagt. Und wir müssen ja eines festhalten: Jakob und auch
seine Mutter Rebekka meinten, sie müssten Gottes Erwählungswort noch ein
wenig nachhelfen. Sie hätten nicht diese betrügerischen Dinge tun müssen,
denn Gott hatte ja den Jüngeren erwählt. Auf Gott zu warten hätte durchaus
gereicht. Gott hätte schon eingegriffen. Aber durch diese Betrügereien
meinten sie dort ein wenig nachhelfen zu müssen.
Esau, haben wir gelesen in Hebräer 12, 16-17, wird dort bezeichnet als
Ungöttlicher. Das griechische Wort bebelos meint jemanden, der offen ist
für alles. Ist übrigens noch interessant, in der heutigen Zeit ist das ein
Ideal, das man offen ist für alles, zugänglich ist für alles. Einer der
offen ist für alles, ist ein Ungöttlicher. Das war Esau. Und er wird auch
bezeichnet als Hurer. Das ist ein hartes Wort, wir lesen nirgends, dass
Esau Hurerei getrieben hätte. Er hatte zwar mehrere Frauen, aber das war
Polygamie, das war nicht das Gleiche wie Hurerei. Aber er wird Hurer
genannt im Sinne von Götzendiener, denn er war bereit, götzendienerische
Frauen zu nehmen und hat Gottes Erwählung und Segen verachtet. Nun, alle
mussten Konsequenzen tragen. Isaak wird grausam betrogen. Rebekka verliert
ihren Lieblingssohn für immer. Esau wollte Jakob ja töten und so musste
Jakob Hals über Kopf fliehen nach Mesopotamien und er kam erst zurück, als
Rebekka schon gestorben war. Das war Gottes Zucht für Rebekka. Jakob flieht
zu Onkel Laban und dort wird er selber grausam betrogen. Er hat sich dann
verliebt in Rahel und dann wollte er Hochzeit feiern, sieben Jahre hatte er
dafür gearbeitet, sie wird ihm verhüllt zugeführt und am nächsten Morgen
stellt er fest, dass es Lea, Rahels Schwester war. Das war ein innerer
Zusammenbruch für Jakob und er wusste genau, was das zu bedeuten hatte. Ich
habe meinen Vater so sehr betrogen und jetzt hat mein Onkel noch
schlimmeres getan an mir. Esau bekommt auch einen Segen. Aber dieser Segen
war, wie wir noch sehen werden, eigentlich ein Fluch.

