Serie•Teil 4 / 6Die vier Feinde des Herzens
Generierte Mitschrift
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Einführung in das Thema des Herzens
Die zweite Einheit geht ja um das Herz, die vier Feinde des Herzens und darum, dass man nur kurz bespricht, was eigentlich das Herz ist, wenn man vom Herz redet.
In der Bibel gibt es einen Vers in Jeremia 17,9: Das Herz ist ein trügerisches Ding, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus? Ich, der Herr, bin es, der das Herz erforscht.
Die Frage ist: Was ist eigentlich unser Herz? Oder, wenn die Bibel vom Herz redet, was meint die Bibel damit?
Zum einen ist unser Herz natürlich der quergestreifte Muskel in unserem Körper. Er pumpt jede Minute zwischen vier und zwölf Liter Blut durch den Körper. Und das gewöhnlich zwischen 80 und 100 Jahren. Es ist eigentlich ein erstaunliches Organ. Es macht nie Pause. Wenn man Pause macht, ist Pause, dann ist es vorbei.
Das ist auch ein Wahnsinn: 24 Stunden, 80 Jahre lang pumpt es dahin, jede Minute ungefähr 8 Liter Blut im Durchschnitt.
Aber wenn die Bibel vom Herz spricht, dann spricht sie nicht über diese faustgroße Pumpe, sondern die Bibel spricht dann über den inneren Menschen.
In unserer Umgangssprache haben wir das ja auch so. Wenn ein Bub sagt: Ich liebe dich von ganzem Herzen, dann meint er auch nicht, ich liebe dich mit meiner ganzen Pumpe. Er meint nicht das Ding da, sondern: Ich liebe dich mit dem inneren Menschen, mit meinen Gefühlen, mit allem, was ich bin.
Und wenn einer sagt: Ich liebe dich von Herzen, dann meint er eigentlich: Ich denke an dich Tag und Nacht. Das ist eigentlich, was man damit meint.
Denken, Gesinnung und innere Ausrichtung
Das Herz ist aber auch das Zentrum unseres Denkens. Hebräer 4,12 ist ein sehr guter Vers im Neuen Testament: Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist oft faszinierend. Ich habe schon Menschen getroffen, die gesagt haben, sie hätten irgendwie die Bibel in die Hand bekommen, hätten angefangen zu lesen und seien gläubig geworden.
Das Wort ist scharf, es bewirkt etwas. Es ist nicht nur ein Menschenwort, es ist Gottes Wort. Es ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es ist ein Richter der Gedanken und der Gesinnung des Herzens. Das Wort Gottes ist so etwas wie ein Gewissen für das, was wir in unseren Herzen denken.
Und letzte Woche war es der eine Vers, Matthäus 15,19, wo Jesus sagt: Aus dem Herzen hervor kommen böse Gedanken. Nicht nur aus unserem Kopf kommen die bösen Gedanken, sie kommen aus dem Herzen hervor, aus einer inneren Haltung oder Einstellung.
Ich lese oft ganz gerne bei Blaise Pascal. Er ist schon lange gestorben, aber er war ein gescheiter Mensch. Mit 19 Jahren hat er die erste funktionierende Rechenmaschine entwickelt, die Wahrscheinlichkeitstheorie und das Pascalsche Gesetz. Außerdem hat er schon damals die Grundlage für die moderne Hydraulik erfunden. Ein gescheiter Mann. Er ist mit 39 schon gestorben, aber er ist gläubig geworden an Jesus. Als gläubiger Mensch hat er viele sehr klare Gedanken gehabt, und die hat er aufgeschrieben. Das passiert mir auch manchmal. Er hat diese Gedanken aufgeschrieben und dann in seinen Mantel eingenäht. Nachdem er gestorben war, hat man seine ganzen Notizen aus dem Mantel herausgenommen und in einem Buch zusammengefasst. Das Werk heißt Pensées, also Gedanken.
Einer meiner Lieblingssätze in diesem Pensées ist von Blaise Pascal. Er sagt: Die Argumentation des Menschen kommt von seinem Herzen, nicht vom Kopf. Wir argumentieren vom Herzen. Denn viel wichtiger als die Information, die wir sammeln, ist die Einstellung, die ich als Mensch zu Gott und zu Menschen habe. Die Information, die du bekommst, macht nicht den Menschen aus, der du bist. Es ist etwas Inneres. Dein Herz, deine Einstellung, das macht dich zu dem, was du bist.
Das kann ich ganz leicht beweisen. Hier sitzen von mir aus 150 Menschen in dem Raum. Ihr hört die nächste halbe Stunde alle genau dasselbe. Jeder bekommt genau dieselbe Information, und jeder geht hinaus und denkt sich etwas anderes. Wisst ihr warum? Weil wir mit unserem Herzen denken. Unsere Gesinnung bestimmt, wie wir denken, nicht nur unser logischer Verstand. Das glauben mir meine Leute oder wollen es mir glauben, aber es ist nicht so.
Einer von Charles Windall hat etwas gesagt, das gefällt mir sehr gut. Das ist ziemlich klein, ich habe es aber auf einen kleinen Zettel geschrieben. Er hat geschrieben: Je länger ich lebe, desto mehr erkenne ich, welchen enormen Einfluss meine Einstellung auf das Leben hat. Die Einstellung zum Leben ist für mich wichtiger als Tatsachen. Sie ist wichtiger als die Vergangenheit, als Ausbildung, als Geld, als Umstände, als Versagen, als Erfolg, wichtiger als das, was andere Menschen denken, sagen oder tun. Meine Haltung des Herzens ist wichtiger als mein Auftreten, meine Gaben oder mein Können. Sie baut oder zerstört eine Firma, eine Gemeinde, eine Familie.
Das Bemerkenswerte daran ist, dass wir wählen, welche Einstellung wir einnehmen, jeden Tag neu. Wir können weder die Vergangenheit ändern, noch können wir beeinflussen, wie andere Menschen sich verhalten werden. Das kann man nicht. Das Unveränderbare können wir nicht verändern. Das Einzige, was wir tun können, ist die eine Seite zu spielen, die wir haben: unsere Einstellung.
Und dann schreibt er: Ich bin überzeugt, dass das Leben zu zehn Prozent daraus besteht, was mir geschieht, und zu neunzig Prozent daraus, wie ich darauf reagiere. Genauso ist es mit deinem Leben. Wir sind verantwortlich für unsere Einstellung. Zehn Prozent, sagt er, bestimmt dein ganzes Leben durch äußere Umstände, und neunzig Prozent dadurch, wie du darauf reagierst.
Gottes Prüfung und die Ehrlichkeit vor sich selbst
Wie gehen wir mit unserem Herz um? Und ich war letzte Woche in Deutschland in der Bibelschule, in der Klostermühle heißt sie. Da gibt es Schloss Klaus, das kennen einige von Ihnen vom Konfi-Unterricht. Die Klostermühle ist das deutsche Zentrum, auch für Konfis und so. Und da war ein Mitarbeiter, der Heiner Eberhard, ein ganz lieber Kerl, der schon 40 Jahre dort Mitarbeiter ist und heuer sein Jubiläum hat.
Und ich habe ihm gratuliert und ihm gesagt: Heiner, 40 Jahre, allerhand. Dann hat er gesagt: Ja, ich habe bei den 40 Jahren an die 40 Jahre Wüstenwanderung für die Israeliten in der Wüste denken müssen. Denn im 5. Mose 8,2 steht einmal: Du sollst an den Weg denken, denn der Herr, dein Gott, hat dich diese 40 Jahre in der Wüste wandern lassen, um dich zu prüfen und um zu erkennen, was in deinem Herzen ist.
Er hat gesagt, die 40 Jahre hat Gott mich erkennen lassen, was in meinem Herzen ist. Und dann habe ich gefragt: Was hat er erkannt, was in deinem Herz ist? Dann hat er gesagt: Früher dachte ich, dass ich, wenn ich älter werde, das Christenleben schon langsam in den Griff bekomme. Aber ich habe erkannt, dass die Abgründe meines Herzens viel tiefer sind, als ich je gedacht habe, und dass ich von Gott viel mehr ergriffen bin, als ich je zu hoffen wagte.
Es hat mir gefallen. Einer hat gesagt: Ich kriege dieses Christenleben nie in den Griff. Aber eines habe ich gelernt: Gott hat mich im Griff. Das ist die gute Botschaft. Je älter wir werden, werden wir nicht besser. Das wissen wir längst. Aber wenn wir das Vertrauen gewinnen, dass wir ergriffen sind, dann haben wir alles gewonnen.
Und ich möchte heute über eine Seite von unserem Herz sprechen. Da möchte ich jeden von uns auffordern, das eigene Herz zu prüfen, nämlich ehrlich zu sein uns selbst gegenüber. Wenn wir wollen, dass unser Herz gesünder wird, dann müssen wir unser Herz prüfen. Und da muss man oft, wenn man Entscheidungen trifft, sein eigenes Herz prüfen: Wo steht mein Herz?
Ich mache es so praktisch wie ich kann. Wir haben jetzt die WM, und wenn du eine Lage hast wie ich da bei der WM, dann kriegst du ein paar gute Angebote. Aber nicht jedes Angebot ist unbedingt moralisch oder ethisch ganz korrekt. Was tust du? Sagst du: Ja, das tut auch jeder, und das bringt mir was? Oder prüft man sein Herz und sagt: Ist es ehrlich, was ich da tue? Prüfe mein Herz. Oder sage ich: Nein, das tut auch jeder, das passt schon?
Oder du bist im Streit mit irgendwem. Dann bittet dich die Vertrauensperson um Rat, aber du willst gar keinen Rat. Du willst nur, dass sie bestätigt, dass du recht hast. Ich sage aber: Ich will einen Rat. Eigentlich will ich keinen, ich will nur eine Bestätigung. Bin ich ehrlich mit mir selber?
Und die Frage müssen wir uns immer wieder stellen, wenn wir wollen, dass wir gesund sind im Herzen: Sage ich mir selber die Wahrheit? Bin ich ehrlich mit mir selbst?
Selbsttäuschung im Alltag
Warum sage ich das so? Ich kenne jetzt nicht alle Freunde, aber eines weiss ich, Freunde: Ich kenne mich auch, und ein paar Freunde kenne ich ebenfalls. Wir sind alle Experten darin, uns selber anzulernen. Da sind wir gut.
Wir reden uns vieles ein: Das brauche ich, das muss ich kaufen, nein, das brauche ich unbedingt. Dabei brauchen wir es eigentlich gar nicht, und leisten können wir es uns oft auch nicht. Und dann kommt der Stress mit den Schulden, mit Krediten, mit Streitpotenzial daheim. Oder ich lasse mich auf eine Beziehung ein, obwohl ich genau weiss, dass das nicht gescheit ist, dass es nicht klug ist, und ich tue es trotzdem.
Und aus einer Beziehung wird vielleicht eine Schwangerschaft. Heiraten will man so etwas dann auch nicht. Dann kommt die Frage auf, ob man das Kind abtreiben soll, und so geht eines ins andere. Oder wir lassen uns auf ein Geschäft ein, von dem wir genau wissen, dass es nicht ganz koscher ist. Dann kommt es zu unsauberer Geschäftsführung, und man muss immer mehr Unehrlichkeiten erzählen. Es wird immer schwieriger.
Die Frage ist: Jeder von uns kennt das, im Grossen oder im Kleinen, mehr oder weniger. Warum trifft man manchmal so dumme Entscheidungen? Die Antwort ist ganz einfach: Wir sind Weltmeister darin, uns selbst etwas vorzumachen. Da sind wir alle relativ gut.
Wir reden oft so, und manche Leute sagen: Ja, ich treffe objektive Entscheidungen, ich entscheide, was richtig ist. Aber Objektivität ist ein Mythos. Das Einzige, was objektiv ist, ist Gott. Und die einzige Objektivität, die du und ich haben, ist, wenn ich meine Subjektivität, das heisst: so wie ich bin, möglichst realistisch wahrnehme. Ein Mensch, der sich selber so wahrnimmt, wie er ist, der ist am objektivsten.
Aber wenn wir uns selber nicht wahrnehmen wollen, und wenn wir es vielleicht gar nicht wollen, dann sagen wir: Ich will mir gar nicht zeigen, wie ich bin, weil dann könnte ja vielleicht das nicht mehr da sein, oder das müsste da und da hin. So belügen wir uns selber.
Also die Frage ist: Bin ich wirklich ehrlich mit mir selber? Mit anderen Worten: Warum kaufe ich dieses Auto oder diesen Traktor ehrlich? Ja, weil mir die Winterwehen aber härter sind, ich brauche jetzt gar ein Eierot. Ehrlich: Ist das der Grund, warum du das kaufst? Ich habe ja nichts gegen schöne Autos und grosse Traktoren, das ist nicht der Punkt. Aber bin ich ehrlich zu mir selber, wenn ich etwas kaufe?
Oder warum bin ich so zornig? Warum reagiere ich so zornig? Ja, weil der im Unrecht ist. Ehrlich? Oder ist nur dein Stolz verletzt? Wo stehe ich ehrlich? Oder Laura sagt immer zu mir: Warum setzt du eine Kleide Brüne auf, siehst du eh nichts mehr? Dann sage ich: Ja, ich habe es vergessen, da ist es mir lästig. Ehrlich? Ehrlich ist: Ich bin zäutl. Das ist ehrlich.
Aber wisst ihr, warum wir diese Frage gerne vermeiden? Weil wir, wenn wir ehrlich sind mit uns selber, uns nachher selber überführen. Und das ist im ersten Moment unangenehm. Man will gar nicht so genau wissen, wie ich bin, weil das passt schon. Schwamm drüber, das haut schon hin. Aber da wird unser Herz nie gesund. Dann legst du deinen Leibtaug selber an, und du weisst gar nicht, wer du bist.
Die trügerische Natur des Herzens
Und die Sache ist nämlich die: Wenn ich meine Entscheidungen treffe und dabei nicht ehrlich mit mir selbst bin, dann wird mein Herz immer härter. Mit der Zeit kann ich dann gar nicht mehr unterscheiden, was richtig und was falsch ist.
Und was unser Herz anbelangt, da sind wir alle im selben Boot. Ich kenne die nicht jetzt unbedingt jeden, aber eines weiß ich: Du bist im gleichen Boot wie ich. Niemand ist geschützt davor, dass die vier Feinde unser Herz nicht zerstören. Dann haben wir ein Problem.
Denn Jeremia 17 sagt das Wort Gottes: Das Herz ist trügerisch, mehr als alles, und es ist unheilbar. Es ist völlig egal, ob du eine alte Großmutter bist oder ein 15-jähriger Teenager. Eins weiß ich: Du hast ein Problem mit deinem Herzen, mit dem ehrlich sein. Und das kann auch keiner in den Griff kriegen. Du kannst nicht so viel in die Kirche gehen, Bibel lesen, Gutes tun. Du kommst nie an den Punkt, wo du sagst: So, mein Herz hat es im Griff, jetzt passt es. Das ist und bleibt eine Übung unser ganzes Leben lang.
Interessant ist ja, dass Jeremia schreibt: Er sagt nicht, das Herz ist unehrlich. Das steht nicht da. Er sagt, das Herz ist trügerisch. Es ist immer so. Unehrliche Menschen kennt jeder von uns. Du hast schon unehrliche Menschen getroffen. Du weißt nach einer Minute, der lügt, und der weiß, dass er lügt. Das ist nicht so schwer. Aber trügerisch ist etwas anderes.
Trügerisch zu sein heißt, wenn ich so viel Wahrheit mit der Unwahrheit zusammenmische, dass der andere nicht bemerkt, dass ich eigentlich lüge. Das ist trügerisch. Und ich bin in der Lage, indem ich ein bisschen Wahrheit zur Unwahrheit mische, dich zu manipulieren. Das ist trügerisch. Und wir sind in der Lage, uns selber zu belügen, indem wir zur Unwahrheit ein bisschen Wahrheit dazudrehen. Dann schaut es nicht mehr so schlecht aus. Nein, so ist es fast.
Das Herz ist ein trügerisches Ding, Freunde. Wer kennt sich mit dem Herzen aus?, sagt er. Wer kennt sich mit ihm aus? Und der Einzige, der sich auskennt, ist: Ich, der Herr, bin es, der das Herz erforscht.
Wir kennen uns nicht immer. Ist es nicht manchmal so, dass wir sagen: Du, wie kann ich nur so blöd gewesen sein? Warum habe ich mich jemals darauf eingelassen? Das hat doch ein Blinder gesehen. Weißt du, warum du das dann hast? Weil dein Herz trügerisch ist. Wir betrügen uns oft selber.
Man sagt: Warum habe ich mir das gekauft? Ich habe es nie gebraucht, und jetzt habe ich die Schuhe. Aber ich verstehe nicht, warum ich das jemals gesagt habe. Das wollte ich da nie sagen. Herz ist trügerisch, willkommen im Club.
Und darum müssen wir unser Herz prüfen.
Wenn andere sich täuschen und wir es bei uns selbst nicht sehen
Wir alle kennen auch Menschen, die schöner, schneller, reicher oder bekannter sind als du und ich. Und manchmal sind wir total überrascht, wenn einer, der so bekannt, reich, schnell und gut ist, solchen Blödsinn redet und sein ganzes Leben verdirbt.
Da fragt man sich: Wenn ich so viel Geld hätte wie der, dann hätte ich das niemals nötig. Warum muss jetzt irgendwer, der im Monat auch schon 50 Euro kriegt, noch irgendetwas unterschlagen? Da denkt man sich: Wieso tut der das? Oder man sagt: Wenn ich so bekannt wäre wie der, dann hätte ich das nicht nötig, mich da mit dem auch noch einzulassen. Wenn ich so gut aussähe wie die, warum tut die so einen Blödsinn?
Wisst ihr, warum die so blödsinnig werden? Weil ihr Herz genauso trügerisch ist wie deins. Das Herz ist trügerisch, mehr als alles andere.
Und das Interessante dabei ist: Wenn andere Menschen sich selbst anlügen, erkennt man es manchmal relativ schnell. Zum Beispiel hat Hannelore ein viel besseres Gespür dafür als ich. Auch wenn einer frisch verliebt ist, sehe ich das erst, wenn wir geheiratet haben. Aber sie sieht das sofort. Oder wenn man oft mit jemandem redet, sagt sie nachher: Der legt sich da selbst rein. Echt, ja, der legt sich selber rein. Das merkt sie.
Man merkt es auch, wenn es offensichtlich ist, aber nicht so schnell. Bei den Kindern ist es am einfachsten. Die Kinder wissen das. Da sagt man: Warum ist das Zimmer nicht aufgeräumt? Und dann kommt: Nein, ich habe keine Zeit gehabt. Man braucht nicht lange zu überlegen. Du weißt: Der legt sich selber rein, und der legt dich rein. In Wahrheit ist er faul und will nicht aufräumen.
Bei anderen sieht man das so eindeutig und schnell, wenn er sich selbst belügt. Aber bei sich selbst merkt man es nicht. Bei einem selber ist das eine ganz andere Sache. Es gibt einen Spruch, der heißt: Der Stolz sieht Fehler bei anderen, aber nicht bei sich selbst.
Und das Interessante ist: Ich kenne die zwei nicht, aber jeder in diesem Raum weiß genau, wovon ich jetzt rede. Es gibt niemanden, der da so gesagt hat: Was der Schatz, keine Ahnung, weil nicht. Das weiß jeder, weil wir alle in demselben Boot sitzen.
Die befreiende Kraft der Ehrlichkeit
Und ich möchte einfach bitten, ehrlich zu dir selber zu sein. Du brauchst mit keinem anderen ehrlich zu sein, aber sei einmal ehrlich zu dir selber. Zum Beispiel: Frauen, warum bin ich noch in der Firma, in der ich bin? Warum bin ich noch am Tauernhof? Warum bin ich noch bei der Planei? Warum bin ich da noch? Sagt man: Ja, weil das meine Berufung ist. Ehrlich? Oder hast du Angst, dass du, wenn du gehst, nichts mehr findest? Weil das der wahre Grund ist: Angst.
Oder frag dich: Warum baust du jetzt noch ein zweites Haus? Warum baust du jetzt noch ein Hotel? Willst du dir nur Sorgen machen? Ja, wir brauchen nicht so viel Steuern zu zahlen, und die Gewinnspanne wird besser. Ehrlich: Ist das der Grund, warum du noch etwas baust? Vielleicht ist die Wahrheit, dass dein Vater oder deine Freundin dir beweisen soll, dass du etwas kannst und dass sie dich endlich für voll nehmen. Der wahre Grund ist vielleicht vielmehr Minderwertigkeit.
Was ist der wahre Grund, warum ich tue, was ich tue? Oder warum hast du wieder ein Eisgewand gekauft? Ja, ich komme an, ehrlich! Es ist echt, aus nichts mehr zu erlangen. Der wahre Grund: Ich bin unzufrieden, ich fühle mich unattraktiv, darum kaufe ich etwas. Der wahre Grund.
Das ist anfangs oft bedrohlich, aber es ist eine extrem befreiende Sache, wenn ich einmal ehrlich bin. Weil ich mich dann nicht länger von der Lüge bestimmen lassen muss. Und ein Mensch, der sich nicht mehr von der Lüge bestimmen lässt, der ist ein Kandidat für Gott. Der sagt: Gott, ich brauche dich. Ich möchte ein ehrlicher Mensch sein, hilf mir, ich kann es nicht.
Und wenn man dann erkennt, dass Gott mich schon längst angenommen hat, dass er mich immer schon gehabt hat, wie ich bin, dann ist das die schönste Erfahrung, die es gibt. Darum sagt Jesus: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen. Aber die Lüge macht nie frei, nur die Wahrheit.
Und es ist eine gute Übung, in den Spiegel zu schauen oder spazieren zu gehen und sich einmal die Frage zu stellen. Das kann man auch laut sagen: Der wahre Grund, warum ich meinen Job wechsle, ist was? Was ist er wirklich? Der wahre Grund, warum ich die Scheidung will, ist was? Was ist der wahre Grund? Der wahre Grund, warum ich mein Kind nicht konfrontiere, ist was? Warum tue ich es nicht? Der wirkliche Grund, warum ich einmal in die Kirche gehe, ist was? Was ist der wirkliche Grund?
Wer einmal zu einem Pfarrer gesagt hat: Ist dir aufgefallen, ich gehe einmal in die Kirche, schon lange nicht mehr? Der Pfarrer hat gesagt: Ja, das ist mir aufgefallen. Er hat gesagt: Du willst wissen, wieso? Der Pfarrer hat gesagt: Ja, kannst du mir das sagen? In deiner Kirche sind nur Heuchler. Er hat gesagt: Das passt, einen Platz haben wir noch.
Weißt du, das ist das Typische: unehrlich. Ich nenne euch einen Heuchler und erkenne nicht, dass ich selber genau so ein Heuchler bin. Da muss man ehrlich werden, weil ich auch nicht besser bin als die anderen. Wir brauchen einfach Vergebung und Gnade, Liebe, Anerkennung und Wertschätzung. Das ist es, was jeder Mensch braucht.
Und ich möchte einfach bitten, dass ihr heute Abend ehrlich zu dir selber seid.
Jesus, Sünder und die Einladung zur Gnade
Und dann noch einfach zum Abschluss: Was hat Jesus am meisten geliebt? Das Dritte. Und was Jesus am meisten geliebt hat, das war Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
Wenn man fragt, welche Menschen zu Jesus kommen können, ist die Antwort ganz einfach: ausschließlich Sünder. Wenn du kein Sünder bist, kannst du nicht zu Jesus kommen. Und es ist auch einfach so gut zu verstehen: Jesus ist nicht für Christen gestorben oder für Atheisten oder für Muslime oder Buddhisten. Jesus ist für Sünder gestorben, egal was einer ist. Und jeder kommt zu Jesus, wenn er als Sünder qualifiziert ist.
1. Timotheus 1,15
Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten, von denen ich der größte bin, sagt der Apostel Paulus.
Es gibt keinen Kreis, der sagt: Paulus für mich. Wenn er für mich groß genug ist, ist er für dich auch groß genug. Und wenn einer sagt: Nein, letztendlich bin ich nicht so, ich bin nicht so ein Sünder, dann habe ich schlechte Nachrichten: Dann kann er nicht zu Jesus kommen. Zu Jesus können nur Sünder kommen.
Da habe ich mal eine Geschichte gehört, die stimmt anscheinend, die irgendwo in Indien war. Da ist die Mutter von einem Buben gestorben. Und der Bub hat noch den Pfarrer angerufen, ob er nicht ans Sterbebett kommen könnte und mit der Mutter da beten usw. Und der Prediger hat zu der Frau gesagt, am Sterbebett hat er gesagt: Ist dir auch bewusst, dass du Sünderin bist und Vergebung brauchst, so wie alle anderen Frauen da draußen? Und dann hat die Frau ganz zornig geantwortet: Vergleichen Sie mich nicht mit den Frauen da draußen, ich bin eine anständige Frau. Dann hat der Prediger zu ihr gesagt: Dann tut es mir sehr leid, aber dann kann ich Ihnen nicht helfen, weil Jesus nur für Sünder starb.
Ich weiß nicht, glaube ich sogar das nicht, aber ich verstehe den Punkt, was der Prediger gemeint hat. Nur Sünder können zu Jesus kommen.
Und in Matthäus 9,10-13, da lesen wir:
Und es geschah, als Jesus in dem Haus zu Tisch lag, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Und als die Pharisäer das sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern? Das gehört sich doch nicht. Als aber Jesus es hörte, sprach er: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das ist: Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Jesus ist gekommen, um Sünder zu rufen, und darum fühle dich so frei, zu ihm zu kommen. Wenn du Sünder bist, kannst du zu Jesus gehen, und du findest Vergebung.
Und in Lukas 18 ist diese bekannte Geschichte, die einige von euch kennen, Lukas 18,9-14, mit dem Zöllner und dem Pharisäer. Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, ein religiöser Mensch, durchaus ein guter Mensch, und der andere ein Zöllner. Die Zöllner, das waren ein bisschen, wie sagt man heute, Steuereintreiber ist zu wenig, die waren viel lauter als unsere Steuereintreiber.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von allem, was ich habe.“
Der Zöllner aber stand weit weg und wollte nicht einmal die Augen aufheben zum Himmel, sondern er schlug an die Brust und sprach: „Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig.“
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich aber selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Und dies ist die gute Nachricht, dass wir zu Jesus kommen können, wie wir sind, ganz ehrlich, ganz offen. Und das ist die Entscheidung, die wir treffen müssen: Will ich ehrlich sein oder will ich mir, anderen und Gott etwas vorspielen?
Schlussgedanken und Gebet
Ich möchte noch abschließen mit einem Zitat von Malcolm Muggeridge, das habe ich in der OMA. Malcolm Muggeridge, den zitiere ich gern. Ich weiß noch, er hat den letzte Woche zitiert, nicht? Das war ein Journalist, der Engländer ist 1990 gestorben. Er war sehr bekannt, er war ein Spion im Zweiten Weltkrieg, er hat auch im Kreml mit Stalin, den hat er persönlich gekannt. Er war Agnostiker, das heißt, er hat gesagt: Christentum ist ein Haufen Blödsinn, Christianity is a load of rubbish, hat er gesagt. Aber im Jahr 1960 hat er sich zu Jesus bekehrt. Und dann ist er ganz stark einfach für Jesus eingetreten. Er war derjenige, der die Mutter Teresa großgemacht hat, er hat sie bekannt gemacht.
Und Malcolm Muggeridge hat geschrieben, nachdem er gläubig geworden ist: Ich glaube, ich kann mich selbst als einen relativ erfolgreichen Mann bezeichnen. Manchmal glotzen mich die Menschen auf der Straße an, das ist Ruhm. Ich habe sehr einfachen Zugang zu den Menschen mit dem höchsten Einkommen unseres Landes, das ist Erfolg. Ausgestattet mit Geld und Ruhm kann ich auch als älterer Mann teilhaben an neuen Trends und Belustigungen, das ist Vergnügen. Manchmal kommt es vor, dass etwas, das ich geschrieben oder gesagt habe, genügend Beachtung fand, um mich selbst zu überzeugen, dass es einen bleibenden Einfluss in unserer Gesellschaft ausgeübt hat. Das ist Erfüllung.
Aber ich sage euch, und ich bitte euch, mir zu glauben: Multipliziert all diese kleinen Triumphe millionenfach, zählt sie alle zusammen, Ruhm, Erfolg, Vergnügen, Erfüllung, und sie sind nichts, weniger als nichts, höchstens ein Hindernis, wenn sie gemessen werden an einem einzigen Schluck vom lebendigen Wasser, welches Jesus Christus jedem anbietet, der Durst nach Leben hat, egal wer oder was jemand ist.
Und es ist die Einladung, die Jesus uns gibt, wie auf der letzten Seite deiner Bibel, die letzte Einladung Jesu, wo Jesus sagt: Wen da dürstet, der komme. Wer da will, jeder, der will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Und wenn jemand von euch Jesus noch nicht kennt, möchte ich einfach bitten, heute Abend, dass du auf die Knie gehst, dass du sagst: Herr Jesus, ich habe bis heute ohne dich gelebt, aber ich ändere mein Denken, ich tue Buße. Ich möchte auch heute mit dir leben. Komm du in mein Herz und sei du mein Herr und Heiland für jetzt und für ewig.
Dies ist alles, was es braucht: einfach ehrlich sein, ehrlich zu Jesus kommen und dich von ihm beschenken lassen. Und ich wünsche mir so, dass keiner verdutzt heimgehen muss oder wo er sagt: Ich kenne den Jesus nicht. Weil er ist das Leben.
Ich bitte noch miteinander: Lieber himmlischer Vater, wiederum möchten wir dir von ganzem Herzen danken für den Odem, danke für dein gutes, kluges, weises Wort. Und nicht nur das: Es ist das Wort, das uns Leben schenkt, weil du der Schöpfer allen Lebens bist. Und wenn wir uns zu dir hinwenden, dann haben wir das Leben. Umgekehrt, wenn wir uns von dir abwenden, dann verlieren wir das Leben, weil du das Leben bist.
Unser Herr, wir wollen uns einfach an dich wenden, dich einladen, in unser Leben zu kommen, unser Herr und Heiland zu sein. Und wir wollen ehrlich sein, Herr, vor uns selber, vor dir und dann auch vor anderen Menschen. Danke, Vater, für das große Geschenk deiner Gnade und dass jeder, der will, zu dir kommen kann, wenn wir nur ehrlich sind. Dafür danke ich dir so sehr, Herr Jesus. Danke, dass du uns wertschätzt. Und danke, dass es echt ein Abenteuer ist, mit dir zu leben und in dir auch zu sterben und mit dir in Ewigkeit zu sein. Danke, Herr, für diese Gewissheit und für die lebendige Hoffnung, die wir haben, weil du lebst.
So danke jetzt für den Abend, segne die lieben Leute und schenke, dass wir gut heimkommen. Amen.

