Einleitung: Die Frage nach Gottes Wirken
Wer Jesus Christus nachfolgt, will die Welt verändern. Er will sehen, wie Menschen zum Glauben kommen, und wie Gott verherrlicht wird. Aber wie macht man das?
Häufig denken wir dabei: Es ist klar, wir müssen stark sein, damit wir irgendwie diese grosse Welt für Jesus gewinnen. Also träumen wir. Wir träumen von starken Gemeinden und tatkräftiger Leitung, von frischem Lobpreis, bewegenden Erfahrungen, beeindruckenden Gottesdiensten, Interviews und Zeugnissen mit Prominenten, die zum Glauben gekommen sind. Und wir träumen natürlich von Gemeindewebseiten, die nicht an Microsoft Clipart erinnern. Einige von euch wissen noch, was das war.
Dabei bleibt Schwachheit unser Albtraum. Das Problem mit diesem Denkmuster ist, dass Gott anders wirkt. Sacharja 4,6: Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen. Das gilt nicht nur für Gottes Tempel damals, das gilt für jedes Werk Gottes. Gott baut. Gott wirkt. Durch seinen Geist.
Das heisst: Wenn wir bei unseren Stärken bleiben in unserer Bemühung, die Welt für Jesus zu gewinnen, bleiben wir machtlos und schwach. Denn Gott wirkt nicht durch menschliche Stärke, sondern durch seinen Geist.
Deswegen schauen wir jetzt gemeinsam den Heiligen Geist im Alten Testament an. Denn was der Heilige Geist damals getan hat, tut er heute noch, und zwar in noch grösserem Umfang.
Mein lieber Münchner Kollege hat schon berichtet, dass er nur zehn Verse bekommen hat aus dem Galaterbrief, dafür kriegt er laut Programm etwa vierzig Minuten. Das Alte Testament umfasst siebenundzwanzigtausend Verse. Wir sind also in fünfundsiebzig Tagen fertig. Ihr dürft das jetzt in euren Terminkalender eintragen.
Aber während ihr das macht, hier ist der Zusammenhang für uns, die Zusammenfassung in vier Worten: Der Schöpfergeist spricht. Das wollen wir sehen, indem wir einige von diesen 27 Versen anschauen.
Der Geist als Ursprung von Leben und Neuschöpfung
Erste Schlagzeile für uns: Der Schöpfergeist
Im Alten Testament ist der Heilige Geist vor allem der Schöpfergeist. Das sieht man schon bei der Schöpfung, auf der ersten Seite der Bibel, in 1. Mose 1,2:
Die Erde war aber wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Die Propheten des Alten Testamentes haben daraus verstanden, dass der Heilige Geist nicht einfach nur ein Zuschauer bei der Schöpfung war, sondern dass er dabei tätig war und selbst als Schöpfer gewirkt hat. Sie verstehen den Geist bei der Schöpfung also nicht nur als den Geist, der im Leben von Gottes Auserwählten wirkt, sondern als den Geist, der bei jedem Leben wirkt, der die ganze Welt geschaffen hat, sodass jedes Leben sein Werk ist. Jeder Mensch, dem wir je begegnen, ist von ihm geschaffen.
Immer wieder beschenkt Gottes Geist im Alten Testament Menschen mit besonderen Begabungen. Denk an Bezalel, den Künstler, in 2. Mose 31, oder an einige der Richter wie Samson im Buch Richter. Indem er diese Männer mit besonderen Fähigkeiten ausrüstet, wirkt er, wie er bei der Schöpfung gewirkt hat. Er wirkt als der Schöpfer.
So kann Hiob bekennen, in Hiob 33,4:
Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen erhält mich am Leben.
Daraus wird klar: Wenn wir nicht nur bei unserer Geburt von Gottes Geist abhängig sind, sondern auch dafür, dass wir überhaupt noch leben, dann verdanken wir ihm das. Der Odem des Allmächtigen erhält mich am Leben.
Diese Gleichsetzung von Geist und Odem in Hiob 33,4 hilft uns zu verstehen, wie Gott Adam geschaffen hat. In 1. Mose 2,7 heißt es:
Der Herr blies den Odem des Lebens in seine Nase. Und so wurde der Mensch eine lebendige Seele.
So schafft Gott Leben. Bei der Schöpfung haucht er durch seinen Geist Leben in die Menschen hinein.
Vom ersten Atem zur neuen Schöpfung
Viele, viele Jahre später tut genau diese Handlung der auferstandene Herr Jesus Christus, der Gottmensch, in Johannes 20. Auferstanden von den Toten, voll des Lebens, kommt er zu seinen Jüngern und haucht sie an. Er tut das, was Gottes Geist bei der Schöpfung getan hat.
Johannes will, dass wir sehen: So wie der erste Atem die Menschheit in den Tod gerissen hat, so kommt nun dieser zweite Atem durch den Herrn Jesus Christus. Indem er seinen Geist in seine Menschen hineinhaucht, belebt er sie. Er macht sie zur neuen Schöpfung. Und über diese Neuschöpfung wollen wir nachdenken.
Schon im Alten Testament, schon ab 1. Mose 3, wird klar, dass die Menschheit ohne Neuschöpfung absolut verloren ist. Denkt einfach an das Schöpfungsmuster in 1. Mose 1 und 2: Gott schafft durch seinen Geist, durch sein Wort. Das ist das Muster. Wenn Adam und Eva in 1. Mose 3 Gottes Wort in Frage stellen, es zur Seite setzen und es letztlich verwerfen, was tun sie dann? Sie rebellieren, ja. Mehr noch als Rebellion: Sie beginnen, Gottes Schöpfung zu zerstören. Ihre Sünde ist eine Art Entschöpfung. Sie entmenschlicht sie.
Wie kann Gott Menschen also retten? Sie können es nicht selbst. Derjenige, der sie gemacht hat, muss sie neu machen. Gottes Geist muss die Menschen nicht bloß auffrischen oder aufräumen, er muss uns von Neuem schaffen.
Wenn man in 1. Mose 1,2 liest, wie der Heilige Geist bei der Schöpfung gegenwärtig ist, und sich dann fragt, wo er in den Kapiteln danach bleibt, dann ist es nicht so, dass er einfach verschwunden wäre. Er zeigt sich in seinem Wirken. Der niederländische Theologe Abraham Kuyper schreibt dazu: Überall, wo du Glauben im Alten Testament siehst, siehst du das Werk des Geistes.
Der Schöpfergeist belebt und erneuert Sünder. Er schafft Glauben in geistlich toten Menschen. So kommt es, dass überall im Alten Testament, wo Menschen sich Gott zuwenden und in ihm Glauben und Vertrauen auf den kommenden Messias haben, dies nicht aus ihnen selbst heraus geschieht. Nein, sie tun es, weil der Heilige Geist begonnen hat, sie zu erneuern, sie neu zu schaffen.
Er tut das für einige. Und er verheißt den Tag, an dem er es für viele tun wird, an dem er neues Leben und neue Herzen schenken wird, an dem er eine neue Schöpfung vollziehen wird. Und er gibt nicht nur einen Vorgeschmack dieser Neuschöpfung bei den Gläubigen im Alten Testament. Er gibt einen großen Vorgeschmack davon beim Exodus.
Ich weiß nicht, welche Bewertungen Ägypten gerade bei TripAdvisor hat. Zur Zeit des Pharao war Ägypten jedenfalls dafür bekannt, ein Land des Todes zu sein. Überall sah man Gräber und Pyramiden, in denen man die Könige, die Pharaonen, begrub. Und in diesem Land des Todes steckt Israel fest.
Aber was geschieht beim Exodus? Gott bringt sie aus diesem Land des Todes heraus hinauf in ein Land des Lebens. Als Israel, vom Tod bedroht, durch das Rote Meer hindurchgeht und dann lebendig auf der anderen Seite herauskommt, sieht es aus, als ob Gottes Volk neu geboren worden wäre, als ob es in gewisser Weise auferstanden wäre, zumindest bildlich gesprochen.
Und das ist alles gar nicht so spekulativ. Denn tatsächlich, wie Daniel uns schon erzählt hat, zieht Jesaja, wenn er auf den Exodus zurückblickt, das Wirken des Heiligen Geistes heran.
Der Exodus als Bild der Rettung und Ruhe
Jetzt ist die Zeit, falls ihr es noch nicht gemacht habt, wo ihr eure Bibel aufmacht und mit mir zu Jesaja 63 kommt. Das ist auf irgendeiner Seite bei euch in eurer Bibel.
Jesaja 63. Ab Vers 7 gedenkt Jesaja Gottes Gnade beim Exodus. Er spricht davon, dass, als der Engel des Herrn Israel rettete, er sie aufnahm und trug.
Vers 10: Sie aber waren widerspenstig und betrübten seinen Heiligen Geist. Da wurde er ihnen zum Feind und kämpfte selbst gegen sie. Er machte das, bis sie dann an die Zeit dachten, als Gott seinen Heiligen Geist in ihre Mitte gab.
Hinten in dieser Bibel steht irgendwo ein kleiner Umriss von Israels Lageplan in der Wüste. Und wenn ich das anschaue, dann steht da in der Mitte vom Lageplan die Stiftshütte. Wieso sagt Jesaja, Vers 11 von Jesaja 63, dass Gottes Geist in ihrer Mitte war? Hat Jesaja einen besseren Lageplan als meine Bibelausgeber?
Jesaja spricht so, weil die Stiftshütte ein Baumodell von dem Garten Eden war. Es soll Israel an Eden erinnern, den Ort des Lebens, wo Gott ist, wo Gott als Schöpfer gewirkt hat. Und an diesem Ort des Lebens, in der Mitte von Israel, in der Stiftshütte, war Gottes Geist. Und er war dabei wirksam tätig.
Vers 14: Wie das Vieh, das ins Tal hinabsteigt, so brachte der Geist des Herrn sie zur Ruhe. Ruhe ist wieder ein Schöpfungswort. Gott schafft Adam und Eva, er führt sie in seine Ruhe ein. Gott schafft Israel, bringt sie vom Tod ins Leben und führt sie durch seinen Geist in seine Ruhe ein.
Der Exodus ist also das Werk des Schöpfergeistes. Er ist der Filmtrailer, der zeigt, wie Gott sein Volk und seine Welt neu machen wird, neu schaffen wird. Deswegen blickt Jesaja in Kapitel 63 auf den Exodus in den Versen 7 bis 14 zurück und betet danach: Mach es noch mal, Gott, mach diesen Exodus noch mal.
So beginnt das nächste Kapitel: Zerreiß die Himmel, komm herab, lass die Berge beben und brennen, um deinen Namen deinen Feinden bekannt zu machen. Vollbringe furchtgebietende Taten, die wir nicht erwarten.
Welche Taten? Gieße deinen Geist aus, stell ihn wieder in die Mitte deines Volkes, führe uns doch zur Ruhe.
Und Jesaja betet das nicht nur, weil er zurückblickt auf den Exodus und ihn so verstanden hat als Trailer von der Neuschöpfung. Er betet das, weil Gott eben diese Neuschöpfung durch seinen Geist versprochen hat.
Verheißung des Messias und die kommende Erneuerung
Blätter mit mir ein paar Kapitel zurück zu Jesaja 11. Wir kennen Jesaja 11 als eine Verheißung von Jesus, vom Messias. Sie verheißt aber auch den Heiligen Geist, nicht wahr?
Vers 2: Auf dem Messias wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.
Mit anderen Worten: Hier kommt jemand, der den Geist Gottes in sich hat, in aller Fülle hat und der daher Leben in aller Fülle in sich hat. Aber was macht er mit dem Leben, das er hat? Er behält es nicht für sich. Er teilt es, er schenkt es, und er macht es durch seinen Geist.
Verse 3 bis 5 von Kapitel 11: Dieser Messias, Jesus, macht die Welt wieder gerecht. Verse 6 bis 9: Er macht die ganze Erde wieder zu einem globalen Garten Eden. Verse 10 bis 16: Er vollzieht einen neuen Exodus. Er streckt seine Arme aus und holt seine Auserwählten zu sich aus allen Völkern und Ländern.
Vers 16: Es ist wie der Exodus, nicht wahr? Es werde eine Straße vorhanden sein für den Überrest seines Volkes, der übrig geblieben ist von Assyrien her, wie es für Israel eine gab an dem Tag, als es aus dem Land Ägypten hinaufzog.
Exodus: Nur dieses Mal ist es kein Modell. Das hier ist Gottes große Rettung. Es ist das Ende der Sünde. Es ist der Anfang einer neuen Welt, wo all unsere Albträume für immer verbannt sind. Es ist unsere Story. Es ist das, was Gott jetzt durch seinen Geist macht. Gott ist dabei, überall auf dieser Welt seine Kinder zu seinem Sohn zu führen und ihnen Leben zu geben durch seinen Geist. Er ist dabei, uns aus dieser toten Welt zu bringen und die neue Welt in uns schon jetzt zu beginnen.
Der Heilige Geist ist der Schöpfergeist. Und das Alte Testament lehrt uns, dass das, was der Geist bei der Schöpfung getan hat, er bei der Neuschöpfung tut. Das tut er heute: Er macht Menschen neu, er schenkt Leben.
Und das weiß man vielleicht theoretisch, das weiß man vielleicht als Glaubensbekenntnis. Aber es ist eines dieser Momente, wo du dich eigentlich zwicken musst, um zu denken: Bin ich wirklich wach hier? Wenn ich an Jesus glaube, gehöre ich zu einer neuen Welt, zu einem endgültigen Exodus. Ich habe Leben vom Gottesgeist bekommen, das nichts und niemand mir nehmen kann, nicht meine Sünde, nicht einmal der Tod.
Wenn du an Jesus glaubst, bist du ein doppeltes Werk des Heiligen Geistes. Er hat dir Leben gegeben bei deiner Geburt, er hat dir neues Leben bei deiner neuen Geburt gegeben. Im Galaterbrief drückt Paulus es so aus: Durch seinen Tod hat Jesus uns aus diesem gegenwärtigen Weltlauf herausgerettet, so dass das, was bei den Gläubigen zählt, eine Neuerschöpfung ist.
Nun, das Problem damit ist, dass wir das nicht im Spiegel sehen. Laut Spiegel sind wir noch in dieser Welt, laut Spiegel werden wir sterben. Aber wir sollen dem Schöpfergeist mehr vertrauen als unserem Spiegelbild.
Der Heilige Geist hat dir, wenn du an Jesus glaubst, nicht bloß irgendwie einen Reisepass in die Neuschöpfung gegeben. Er hat dich schon hineingeführt.
Abraham Keipe noch einmal: Das Werk der Neuschöpfung stellt die Auserwählten sofort an das Ende des Weges. Wir sind nicht wie ein Reisender, der noch auf halbem Weg nach Hause ist, sondern wie einer, der seine Reise beendet hat. Was auch immer von deiner Reise noch vor dir liegt, wie viele Tage auch immer, wie viele Tränen auch immer: Du bist in Christus schon angekommen, weil der auferstandene Herr Jesus schon angekommen ist, weil er seinen Geist in dich gehaucht hat, wie Gott es in den Menschen bei der Erschaffung gemacht hat.
In ihm bist du schon angekommen. Was der Geist bei der Schöpfung getan hat, was er für dich bei deiner Bekehrung getan hat, das tut er immer noch. Er schenkt Leben, und dabei wartet er nicht auf irgendein Lebenszeichen aus dieser Welt. Bei der Schöpfung schafft er Leben aus Nichts, beim Exodus schafft er Leben aus einem Land des Todes, bei dir und mir schafft er Leben aus dem Tod.
Er wartet nicht darauf, dass diese Welt sich selbständig belebt, um dann zu ihr zu kommen. Er wartet nicht darauf, dass wir irgendwie in uns selbst eine Stärke finden, um Gottes Mission in dieser Welt voranzutreiben. Er ist der Schöpfergeist, der weht, wo er will, und unsere Schwachheit ist kein Hindernis für ihn. Ganz im Gegenteil: Er gebraucht deine Schwachheit und meine, um seine Stärke zu offenbaren.
Er ist der ewige Schöpfergeist, der Leben schenkt, und er wird weiterhin Leben schenken und Leben schenken und Leben schenken, bis diese Erde voll ist mit der Herrlichkeit des Herrn in Gottes erlösten Kindern.
Der Schöpfergeist schafft Leben. Wie tut er es? Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen. Und er tut das, indem er spricht.
Gottes Wort als lebendige Stimme des Geistes
Und das bringt uns zum zweiten großen Werk des Heiligen Geistes: Der Schöpfergeist spricht.
Im Luther-Museum kann ich Martin Luthers Worte lesen. Aber Luther ist tot, und seine Worte sind tot. Auf YouTube kann ich eine Rede von Konrad Adenauer aus dem Jahr 1949 hören. Wie genial! Aber Konrad Adenauer ist tot, und seine Worte sind tot. Auf meinem Handy habe ich eine Sprachnachricht von Alex Reindl. Nun, Alex lebt noch, müsste ich an dieser Stelle sagen. In meinem Skript steht, er schläft gerade in der ersten Reihe, aber er ist nicht in der ersten Reihe. Ob er schläft, weiß ich nicht. Aber seine Stimme in dieser Sprachnachricht auf meinem Handy ist keine lebendige Stimme. Es ist nur eine tote Aufnahme, nicht wahr?
Wie anders Gott. Wie anders die Bibel. Gott ist nicht tot, die Bibel ist kein Museumsstück, und seine Worte sind keine tote Aufnahme. Wenn ich das Alte Testament lese, höre ich die lebendige Stimme des Schöpfergeistes. Denn durch die Bibel spricht Gottes Geist das Heute dessen, was er damals gesprochen hat.
Schauen wir uns das an. Damals im Alten Testament hat er durch die Propheten gesprochen. Propheten nehmen wir hier einfach als Sammelbegriff für die alttestamentlichen Autoren, die wussten, dass ihre Worte von Gott kommen. Zum Beispiel schreibt David gegen Ende seines Lebens in 2. Samuel 23,2: Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge.
Wer hat also gesprochen, David oder Gottes Geist? Ja, beide. David bewegt seine Zunge, seine Stimmbänder, und aus seinem Mund kommen Worte. Und es sind die Worte des Geistes. Als David durch die Psalmen prophezeite, sprach er die Worte des Geistes. Und wenn der Geist spricht, spricht er Gottes Wort. Also hat David Gottes Wort durch Gottes Geist gesprochen.
Und wir sollen dabei nicht denken, dass David irgendwie ein Einzelfall war. Der Geist Christi, 1. Petrus 1, hat durch alle Propheten gesprochen. Deswegen kann Nehemia zum Beispiel bekennen in Nehemia 9,30: Du hast viele Jahre lang Geduld mit deinem Volk gehabt und hast gegen sie Zeugnis ablegen lassen durch deinen Geist, durch deine Propheten.
Komm mit mir zur fünften Mose, da sehen wir diese Dynamik ein bisschen erläutert und erklärt. 5. Mose, Kapitel 18, das Lieblingsgeräusch eines Predigers: wie die Leute in ihrer Bibel umblättern. 5. Mose 18. Israel steht kurz vor dem verheißenen Land, Mose darf aber nicht mitgehen. Also fleht er sie im Buch 5. Mose an: Hört doch auf Gott, heute und jeden Tag eures Lebens.
5. Mose 18,16: Am Berg Sinai hat Israel aber gesagt: Ich will von nun an die Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht mehr hören, damit ich nicht sterbe. Und im nächsten Vers sagt Gott: Ja, Israel hat eigentlich recht geredet, sie haben recht geredet. Nun, Israel lebt ja nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund des Herrn geht. Aber wenn sie seine Stimme nicht hören können, wie sollen sie leben?
Vers 18: Gott verspricht: Ich will ihnen einen Propheten, wie du es bist, aus der Mitte ihrer Brüder erwecken und meine Worte in seinen Mund legen. Der soll alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde. Israel wird Gottes Wort nicht mehr aus Gottes Mund hören, sondern aus dem Mund ihrer Propheten. Gottes Stimme in der Prophetenstimme.
Und wie macht Gott das? Wie David sagt: Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge. Gott spricht durch seinen Geist, durch seine Propheten.
Und so etwas macht der Heilige Geist im Alten Testament: Er schöpft Leben. Und er spricht, und er spricht, und er spricht, und er spricht, und er spricht. Und wenn er spricht, ist es niemals eine tote Stimme, niemals bloß eine Aufnahme, sondern es ist lebendig und wirksam. Denn das, was Gottes Geist einst gesagt hat, spricht er immer noch.
Der Geist spricht heute noch durch das geschriebene Wort
Ein paar Kapitel weiterblättern, 5. Mose 4, oder besser gesagt: zurückblättern, 5. Mose 4. In den Versen 11 bis 12 beschreibt Mose Israels Erfahrung am Berg Sinai:
Ihr tratet hinzu und standet unter dem Berg. Aber der Berg brannte im Feuer bis ins Innerste des Himmels hinein, da volle Finsternis, Wolken und Dunkel war. Und der Herr redete mit euch mitten aus dem Feuer. Die Stimme seiner Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, sondern vernahmt nur die Stimme.
Was für unvergessliche Tage, nicht wahr? Rauch, Wolken, Finsternis, ein Feuer, das bis in den Himmel brennt. Dabei hat Gott sich nicht sehen lassen, sondern nur hören lassen: die Stimme seiner Worte hörtet ihr.
Nur ein kleines Problem: Mose spricht hier zu der zweiten Generation Israels. Vielleicht erinnern sich einige an den Tag, von dem er spricht, weil sie damals kleine Kinder waren. Aber die Leute, die damals erwachsen waren, die sind alle jetzt tot. Die erste Generation ist in der Wüste gestorben, nicht wahr?
Die allermeisten Menschen, zu denen Mose in 5. Mose 4 spricht, waren nicht da, als Gott am Berg Sinai sprach. Wieso oder wie kann Mose sagen: die Stimme seiner Worte hörtet ihr?
Ihr, weil Mose dabei ist, Gottes Worte vom Sinai zu wiederholen. Wenn Mose diese Worte spricht, die Gott vierzig Jahre davor gesprochen hat, spricht Gottes Geist dieses Wort erneut. Als Israel hört, wie Mose Gottes Sinai-Wort spricht, hören sie Gottes Geist reden. Gottes Geist nimmt sie durch seine Worte zurück zu diesem Tag.
Als er die Worte so sagte, gebrauchte Gottes Geist seine Worte wie eine Zeitreisemaschine, so dass diese zweite Generation jetzt die Stimme Gottes aus Rauch, Feuer und Finsternis hören kann. Der Schöpfergeist spricht, und sein Sprechen ist nie eine tote Stimme. Er spricht sein schon gesprochenes Wort heute noch.
Deswegen leitet zum Beispiel der Hebräerbrief in Kapitel 3, Vers 7, ein Zitat aus Psalm 95 mit diesen Worten ein: Darum, wie der Heilige Geist spricht, nicht: gesprochen hat, heute, wenn ihr seine Stimme hört. Psalm 95 wurde ja hunderte Jahre vor Christus geschrieben, doch wenn wir Psalm 95 lesen, spricht der Heilige Geist jetzt. Und wir hören seine Stimme, indem er das sagt, was er damals gesagt hat.
Ihr Lieben, was bedeutet das? Das bedeutet für uns ganz konkret: Bibel lesen ist, Gott beim Wort zu begegnen. Begegnet man Gottes Wort, begegnet man Gottes Geist, dem Schöpfergeist, der höchstpersönlich sein Wort jetzt zu uns spricht.
Gottes Geist spricht durch die Propheten. Und Gottes Geist spricht durch Christus. Unser letzter Punkt.
Christus als vollendete Stimme des Geistes
Der Geist hat die Welt mit Worten geschaffen und gesegnet. Er hat die Welt mit Worten wegen unserer Sünde verurteilt, und mit Worten wird er sie wieder heil machen.
Als Israel nicht auf Gottes Geist hört, beendet Gott seinen Plan nicht. Er spricht weiter, er kommt selbst in die Welt, um alles neu zu machen. Er setzt alles auf die Macht des Heiligen Geistes. Und was macht Jesus? Er spricht und spricht und spricht, genau wie es im Alten Testament versprochen wurde, wie Gott es verheißen hat.
Jesaja 61,1-2:
Der Geist des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden. Er hat mich gesandt, zu verbinden, die zerbrochenen Herzen sind, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Gebundenen die Öffnung des Kerkers, um das angenehme Jahr des Herrn zu verkündigen.
So viele Segnungen kommen von unserem liebenden Gott. Im Alten Testament werden uns frohe Botschaft, Befreiung, Heilung und die Herrschaft von Gottes Gnade verheißen. Und all diese Segnungen kommen von dem König Jesus, der die Worte des Geistes spricht.
Und das macht er durch die ganzen Evangelien hindurch, bis er am Kreuz mit seinen letzten Worten immer noch die Worte des Geistes spricht: Es ist vollbracht.
Gottes Geist spricht durch Christus. Und hiermit kommen wir langsam zum Ende, weil wir hier sehen, was wir im ersten Punkt gesehen haben: Gottes Geist spricht durch Christus, und er macht uns neu. Er verbindet die, die zerbrochenen Herzens sind. Er befreit die, die in Sünde gefangen sind. Er öffnet den Kerker für die, die gebunden sind, weil er die Worte des Geistes spricht.
Was macht der Heilige Geist im Alten Testament? Er spricht. Und was er gesprochen hat, spricht er heute noch genauso lebendig.
Anwendung: Die Welt wird nicht durch Stärke, sondern durch den Geist verändert
Ich liebe Schokolade, einfach so gesagt. Ich liebe Schokolade, insbesondere Pralinenschachteln. Aber es ist eine gefährliche Liebe, weil die Pralinenhersteller in ihrer ewigen Weisheit die Beschreibungen des Inhalts dieser Schachteln irgendwie fast immer auf der Unterseite anbringen, sodass ich kaum die Möglichkeit habe zu sehen, was drin ist. Das macht meine Liebe für Schokolade gefährlich.
Ich weiß nie, ob ich gerade dabei bin, irgendeine wunderbare Himbeerpralinen-Schokolade zu genießen oder ob ich mir eine Lebensmittelvergiftung zulege, weil ich gerade Marzipan im Mund habe. Nicht alle Schokolade schmeckt. Ihr lacht, weil ihr wisst, dass das wahr ist.
Aber die Bibel ist keine Pralinenschachtel. In der Bibel schmeckt alles, oder besser gesagt: In der Bibel spricht alles. Es gibt kein Bibelbuch, kein Bibelkapitel und keinen Bibelvers, in dem der Heilige Geist stumm bleibt. Er spricht durch jedes Wort, weil jedes Wort von ihm kommt. Nur nimmt uns der Heilige Geist jetzt nicht mehr zum Sinai, wie in 5. Mose.
Letzte Stelle. Ihr habt es gut gemacht. Letzte Stelle. Schlagt bitte mit mir Hebräer 12 auf, das bekannte und berühmte alttestamentliche Buch Hebräer. Hebräer 12 ab Vers 18.
Der Verfasser des Hebräerbriefes schreibt zu diesen Christen. Er hat ihnen in seinem Brief so viele Zitate aus dem Alten Testament gebracht, und er sagt dann am Ende, Vers 18: Wir sind dabei nicht zum Berg Sinai gekommen, nicht zum Feuer, Dunkel und Gewitter, sondern indem wir Gottes Wort lesen, nimmt der Heilige Geist uns zu einem besseren Berg. Ab Vers 22: Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu Zehntausenden von Engeln, zu der Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes.
Der Geist führt uns, wenn wir zu seinem Wort kommen, zum himmlischen Jerusalem, wo Jesus zu uns spricht. Vers 25: Egal, auf welcher Seite du liest, Altes Testament oder Neues Testament, der Geist nimmt dich dabei zu Jesus, der vom Himmel herab persönlich zu dir spricht. Er macht das für Christen, und er macht es für Menschen, damit sie Christen werden. Er macht es heute. Der Schöpfergeist spricht.
Ihr Lieben, wir wollen doch die Welt verändern, oder? Wir wollen sehen, wie Menschen zum Glauben kommen und Jesus verherrlichen. Wie wird das geschehen? Was brauchst du dafür? Nicht deine Stärke. Wir brauchen nur den Schöpfergeist, der spricht. Denn was er damals im Alten Testament getan hat, tut er heute noch, und zwar in viel größerem Umfang. Er spricht die lebendigen Worte unseres Gottes, und dadurch macht er Menschen neu. Und das macht er, bis die ganze Erde voll ist mit der Herrlichkeit des Herrn. Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen.
Lasst uns beten!
Schlussgebet
Himmlischer Vater, wir preisen Dich für Deinen Geist. Wir preisen Dich für das, was er im Alten Testament gewirkt hat, und wie Du es hast aufschreiben lassen, damit wir auch verstehen können, was er heute in unserer Zeit tut.
Vater, wir preisen Dich für das Leben, das wir von Deinem Geist bekommen haben. Wir preisen Dich dafür, dass Du uns so gnädig gewesen bist und uns Leben zugesprochen und geschenkt hast, als wir noch tot in unseren Sünden waren.
Und wir preisen Dich, dass Du nicht schweigst, sondern dass Du durch Deinen Geist auch heute noch redest.
Vater, schenke uns einen größeren Hunger nach Deinem Reden und eine größere Erwartung, dass, wenn wir Dein Wort in diese Welt hinaustragen, Dein Geist heute noch das tut, was er immer tut: Menschen Leben schenken.
Das bitten wir in Jesu Namen. Amen.

