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Das Buch Joel: Finsternis über Juda und Jerusalem (Teil 1/2)

Joel 1,1-4,2129.06.2019
Serie•Teil 1 / 2Das Buch Joel: Finsternis über Juda und Jerusalem
Wenn alles dunkel wird und du kaum noch Hoffnung siehst: Joel zeigt eine Welt im Ausnahmezustand – und die Frage, ob nach dem Gericht noch Rettung kommt.

Einleitung und Überblick über das Buch

Guten Tag, ich möchte alle ganz herzlich begrüssen. Wir haben heute Nachmittag ein wunderbares Thema vor uns, und zwar wollen wir durch das ganze Buch Joel hindurchgehen.
Ich hoffe, alle haben ein Skript bekommen. Und die, die uns jetzt über den Livestream zugeschaltet sind, können in der Videobeschreibung gleich unter dem Titel nachschauen. Dort gibt es einen Link, und darüber kann dieses Skript heruntergeladen werden.
Darin habe ich einige Notizen aufgeführt, die ganz grundlegend wichtig sind, um das Buch zu verstehen. Ab Seite zwei habe ich das Buch Joel auf Deutsch übersetzt, und zwar noch wörtlicher als die Elberfelder, wobei ich die Verszeilen berücksichtigt habe. In der Elberfelder ist es, wie in vielen anderen Übersetzungen auch, einfach als Fliesstext übersetzt. Joel ist aber, wie das meiste in den kleinen Propheten, wie übrigens auch vieles in Jesaja und manches in Jeremia und Hesekiel, in Gedichtsform geschrieben.
Das ganze Buch Joel ist also ein Gedicht, und daran sieht man die Verszeilen. Wenn man die Poesie beachtet, hilft das enorm, den Text noch besser zu verstehen. Im Verlauf des Ganges durch das Buch Joel werde ich ein paar Bemerkungen dazu machen, wie hebräische Poesie funktioniert. Sie hat sogar besondere Eigenschaften, die auch dann erhalten bleiben, wenn das Buch übersetzt wird.
Wenn man ein französisches Gedicht hat und es übersetzt, ist es auf Deutsch oft nicht mehr besonders attraktiv. Es ist dann irgendwie kein Gedicht mehr. Die hebräische Poesie ist jedoch so beschaffen, dass Gott von Anfang an den Plan hatte, dass sein Wort einmal in möglichst alle Sprachen übersetzt werden sollte. Deshalb hat er eine Poesieform benutzt, von der manche Eigenschaften in der Übersetzung erhalten bleiben. Darauf gilt es zu achten, denn so versteht man den Text viel besser.
Nun möchte ich ein paar Verse lesen aus Kapitel 1, ab Vers 1. Zuerst einfach den Titel, und dann beginnt in Vers 2 das Gedicht:
Das Wort des Herrn, das geschah zu Joel, dem Sohn Petuels. Hört dies, ihr Ältesten, ja, nehmt es zu Ohren, alle ihr Bewohner des Landes! Ist solches in euren Tagen geschehen oder in den Tagen eurer Väter? Erzählt davon euren Kindern, und eure Kinder ihren Kindern, und ihre Kinder der folgenden Generation! Was der Abnager übrigliess, frass der Vermehrer, und was der Vermehrer übrigliess, frass der Hüpfer, und was der Hüpfer übrigliess, frass der Vertilger. Wacht auf, ihr Betrunkenen, und weint, und heult, alle ihr Weintrinker, über den neuen Wein, weil er abgeschnitten ist von eurem Mund. Denn eine Nation ist heraufgezogen über mein Land, stark und ohne Zahl. Ihre Zähne sind Zähne eines Löwen, und sie hat das Gebiss einer Löwin. Sie hat meinen Weinstock zu einer erschreckenden Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zu einer Zerknickung. Sie hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen, seine Ranken sind weiss geworden. Wehklage wie eine Jungfrau, mit Sacktuch umgürtet, über den Verlobten ihrer Jugend! Abgeschnitten sind Speisopfer und Trankopfer vom Haus des Herrn. Die Priester trauern, die Diener des Herrn. Verwüstet ist das Feld, der Erdboden vertrocknet, denn verwüstet ist das Korn. Zu Schanden geworden ist der neue Wein, verschmachtet das Olivenöl. Seid beschämt, ihr Bauern, heult, ihr Winzer, über den Weizen und über die Gerste, denn zugrunde gegangen ist die Ernte des Feldes. Der Weinstock ist verdorrt und der Feigenbaum verwelkt, Granate, auch Palme und Apfelbaum. Alle Bäume des Feldes sind verdorrt, ja, verdorrt ist die Freude weg von den Menschenkindern. Gürtet euch und wehklagt, ihr Priester, heult, ihr Diener des Altars. Kommt, übernachtet im Sacktuch, ihr Diener meines Gottes, denn entzogen sind dem Haus eures Gottes Speis- und Trankopfer. Heiligt ein Fasten, beruft eine Festversammlung ein, versammelt die Ältesten, alle Bewohner des Landes, zum Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zu dem Herrn! Ach, über den Tag! Denn nahe ist der Tag des Herrn, und gleichsam als eine Verwüstung von dem Allmächtigen wird er kommen. Ist nicht vor unseren Augen abgeschnitten die Speise von dem Haus unseres Gottes, Freude und Frohlocken? Trocken sind die Saatkörner unter ihren Schollen, verödet sind die Vorratshäuser, eingerissen die Kornhäuser, denn zu Schanden geworden ist das Getreide. Wie stöhnt das Vieh! Die Rinderherden irren umher, denn es gibt keine Weide für sie. Auch die kleinen Vieherden gehen zugrunde. Zu dir, Herr, schreie ich, denn Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste, und eine Flamme hat verbrannt alle Bäume des Feldes. Auch die Tiere des Feldes lechzen zu dir, denn vertrocknet sind die Wasserbäche. Ja, Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste.
Das war bereits das Kapitel 1.

Historischer Rahmen und prophetische Einordnung

Und nun, bevor wir uns diese Verse im Einzelnen anschauen, habe ich auf Seite I zuerst versucht zu erklären, wann das Buch entstanden ist. Diese Frage sollte man sich immer stellen, wenn man an ein neues Bibelbuch herangeht. Hier ist das ein wenig schwierig, denn im Titel steht einfach: Wort des Herrn, das geschah zu Joel, dem Sohn Petuels. Joel kommt nirgends mehr mit Namen außerhalb des Buches vor. Sein Name, Joel, Sohn Petuels, kommt sonst nicht vor. Wie können wir ihn also einordnen?
Manche andere Prophetenbücher wurden genau datiert, und zwar anhand der Könige. Wir können also grob einteilen: assyrische Zeit, babylonische Zeit und persische Zeit. Joel wird unter den frühen Propheten eingeordnet und kann darum in die Zeit etwa des achten Jahrhunderts vor Christus eingeordnet werden. Aber die Tatsache, dass er zeitgeschichtlich nicht ausdrücklich an ein Ereignis angebunden ist, ist ganz wichtig. Denn das zeigt auch, dass diese Prophetie nicht nur eine Kurzzeit-Prophetie war, die damals Bedeutung hatte, als die ersten Menschen die Botschaft hörten. Wir werden sehen: Es ist eine wirkliche Endzeit-Prophetie, die sogar für uns noch zukünftig ist. Aber wir werden sehen, dass wir in der Epoche leben, in der sich Joel schließlich erfüllen wird.
Dies kann man ganz grob überschreiben mit: Aus der Finsternis zum Licht. In Psalm 112 finden wir folgenden wunderbaren Vers: Psalm 112,4: Den Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis. Aus diesem Vers war übrigens das Motto der Hugenotten, die eine so schwere und schreckliche Verfolgungszeit durchgemacht hatten. Allein in der Bartholomäusnacht wurden etwa dreißigtausend Hugenotten umgebracht, einfach weil sie an das Evangelium glaubten, an Rettung allein durch Glauben. Und dann gab es ja diese jahrzehntelangen Verfolgungen gegen die Hugenotten. Da sind Abertausende umgebracht worden. Aber sie hatten einen Wahlspruch: Post tenebras lux – nach der Finsternis das Licht. Und das entspricht genau Psalm 112,4.
Das passt so gut zu dem Buch Joel, zum Aufbau des Buches. Da haben wir zunächst den Titel, das ist der erste Vers. Dann kommt der erste Teil: Kapitel 1, Vers 2 bis Kapitel 2, Vers 17 – Finsternis über Juda und Jerusalem. Und dann kommt Teil 2: Licht über Juda und Jerusalem, Kapitel 2, Vers 18 bis zum Schluss des Buches. Also: aus der Finsternis zum Licht. Da wird der Weg der Befreiung für Israel beschrieben. Aber wir können das natürlich auch auf unser Leben übertragen. Denn dieses Prinzip war eben nicht nur gültig für die Hugenotten, sondern in allen Zeiten, in denen Gläubige durch Finsternis hindurchgehen mussten, durften sie wissen: Danach wird das Licht kommen.
Nicht einfach, weil wir ein bisschen Optimisten sind und denken, am Schluss eines Tunnels kommt dann wieder ein Licht. Nein, das ist unbegründeter Optimismus. Sondern weil wir diesen Gott kennen, der Psalm 112,4 inspiriert hat: Nach der Finsternis das Licht.

Die grosse Drangsal als Schlüssel zum Verständnis

Wenn man das Buch zusammenfassen müsste, in ein paar Verse, ein paar Sätze meine ich, ich dichte nicht, dann so wie hier auf dem Blatt: Zusammenfassung.
Ich lese vor:
In der großen Drangsal, Matthäus 24,21, das sind die dreieinhalb letzten Jahre, bevor der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit kommen wird. In der großen Drangsal wird eine immense feindliche Koalition von Norden her das Land Israel überrennen und durch Feuer verwüsten. In dieser Zeit wird das Land mit einer katastrophalen Trockenheit geschlagen werden. Im Tempel zu Jerusalem wird man nicht mehr Opfer darbringen können. Opfertiere, Wein, Öl und Mehl stehen nicht mehr zur Verfügung. In einer eindrücklichen Bußversammlung auf dem Tempelberg wird der Herr um sein Eingreifen angerufen werden.
Das ist die Zusammenfassung des ersten Teils.
Und jetzt die Zusammenfassung des zweiten Teils:
Der Ewige wird selber kommen und eingreifen. Er wird die Feinde Israels vernichten und den jüdischen Überrest befreien. Der Regen wird wieder fallen. Israel wird in den Segen des tausendjährigen Friedensreiches hineingeführt werden. Der Heilige Geist wird über alles Fleisch ausgegossen werden. Aus dem Tempelberg wird ein segenbringender Quell Wasser ins Tote Meer ergießen lassen. Israel wird von seiner Blutschuld gereinigt werden.
Das zum Inhalt.
Es ist ja so ähnlich wie beim Fremdsprachenlernen. Man lernt eine Fremdsprache und geht dann ins Land und ist schockiert, enttäuscht, frustriert, dass man fast nichts versteht, wenn die Leute viel zu schnell sprechen. Aber dann gibt es solche Momente, da sind ein paar Leute zusammen, und man weiß genau, worüber sie sprechen. Dann denkt man: Jetzt plötzlich verstehe ich. Aber so auf der Straße und so, ich habe fast nichts verstanden, und jetzt verstehe ich.
Oder man geht in eine Predigt und weiß genau, was das Thema ist. Wow, ich habe praktisch alles verstanden. Ja, warum? Weil man schon wusste, wovon die Rede ist.
Und vielleicht ist es dem einen oder anderen schon so gegangen: Ich habe zwar nicht auf Hebräisch vorgelesen aus Joel 1, aber trotzdem: Worum geht es hier, ist die Frage.
Und darum diese Zusammenfassung, damit man weiß, worum es überhaupt ungefähr in diesen Abschnitten geht. Und dann wird alles viel, viel einfacher und klarer.

Daniel, die Jahrwochen und der kommende Konflikt

Also, das Buch Joel konzentriert sich ganz besonders auf die kommende große Drangsal von dreieinhalb Jahren, vor dem Wiederkommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit.
Nicht wahr, sieben Jahre vor dem Kommen des Herrn Jesus spielen eine ganz grundlegende Rolle in der Prophetie. Das ist die sogenannte siebzigste Jahrwoche von Daniel. Ich erkläre ganz kurz, was das bedeutet: In Daniel 9 wird ein Überblick über die Prophetie gegeben. Daniel wird erklärt, dass von dem Moment an, wo Jerusalem, die Stadt, die zu seiner Zeit durch die Babylonier zerstört worden war, durch einen Erlass, durch einen offiziellen Erlass, wieder aufgebaut werden soll, man rechnen kann, bis der Messias kommt. Das sind sieben Jahre, neunundsechzig Jahrwochen.
Und tatsächlich, man kann das nachrechnen: vom Erlass von König Artaxerxes von Persien in Nehemia 2 bis zum Kommen des Herrn Jesus an Palmsonntag, auf dem Esel, als er als König nach Jerusalem einritt, da sind genau neunundsechzig mal sieben Jahre vergangen. Dabei muss man natürlich betonen: Die prophetischen Jahre sind immer Jahre von 360 Tagen. Darum, wenn man jetzt rechnet 445 bis 32 n. Chr., das ist ja weniger als 483 Jahre. Aber es sind 483 Jahre à 360 Tage, es geht genau auf.
Und dann wird aber in Daniel 9 gesagt, der Messias wird dann getötet werden. Dann kommt ein Volk, das wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. Und von da an wird es eine Kette von Krieg und Verwüstung geben bis in die Endzeit. Und dann wird in der Endzeit der kommende Fürst mit Israel einen Bund schließen für sieben Jahre. Und da haben wir es.
Also, 69 Jahrwochen sind schon längst vergangen bis zum ersten Kommen des Messias. Aber dann kommt dazwischen eine lange Kette von Krieg und Verwüstung über das jüdische Volk. Das hat sich hier erfüllt: Nach der Kreuzigung des Messias kam das römische Volk und hat Jerusalem und den Tempel zerstört. Und von da an, durch all die Jahrhunderte hindurch, wurde Jerusalem ständig wieder verwüstet und wieder bekriegt und wieder verwüstet und wieder bekriegt, bis in die Endzeit.
Die Endzeit ist die Zeit, in der das jüdische Volk dann wieder aus einer weltweiten Zerstreuung heimkehrt. Das ist das, was wir heute bereits als Erfüllung sehen. Und dann wird eben ein Bund geschlossen werden für sieben Jahre mit Israel.
Ich schlage auf Daniel 9 auf, das ist ganz nahe von Joel, nur ein bisschen vorher. Also Daniel 9, Vers 27. Nachdem gesagt wird: Und bis ans Ende Krieg, fest beschlossenes von Verwüstung, dann heißt es in Vers 27: Und er wird einen festen Bund mit den vielen schließen für eine Jahrwoche. Und zur Hälfte der Jahrwoche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen.
Jetzt sehen wir: Dieser Bund wird geschlossen werden, das ist noch zukünftig. Ein Bund wird mit Israel geschlossen werden für sieben Jahre. Aber zur Hälfte dieser Jahrwoche, also nach dreieinhalb Jahren, werden Schlachtopfer und Speisopfer aufhören.
Nun, das beinhaltet bereits einiges. Das müsste ja bedeuten, in Israel müsste wieder ein Tempel gebaut werden. Da müssten Opfer dargebracht werden, und die werden dann nach dreieinhalb Jahren gestoppt werden. Ja, und das alles geschieht ja heute.
Seit der Eroberung von Ostjerusalem im Sechstagekrieg wurde das Tempelinstitut gegründet. In der Zeit danach werden Tempelgeräte für den nächsten Tempel vorbereitet. Die meisten sind bereits fix fertig: der goldene Leuchter, der goldene Schaubrotisch, der goldene Räucheraltar, der Brandopferaltar und so weiter und so fort. Alles ist bereit. Und die Steine des Brandopferaltars zum Beispiel habe ich gesehen, aufgeschichtet auf dem Nachbarhügel, für den Moment, wo der Tempelplatz frei wird und man den Altar aufschichten kann. Dann wäre es im Prinzip möglich, mit den Opfern loszulegen.
Das muss also wiederkommen. Und nach dreieinhalb Jahren wird das aber gestoppt werden, und zwar, wie der Herr Jesus deutlich macht in Matthäus 24. Da sagt er in Vers 15, ich lese vor: Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir den Rahmen haben für Joel. Matthäus 24 in der Endzeitrede, sagte der Herr Jesus in Vers 15: Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von welchem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, stehen seht an heiligem Ort, wer es liest, der beachte es, dass alsdann die Judäer sind auf die Berge fliehen.
Zurück zu Daniel 9 und das offen lassen. In Daniel 9 habe ich ja nur den Anfang gelesen: Und er wird einen festen Bund mit den vielen. Die vielen im Buch Daniel, der Ausdruck kommt mehrmals vor, bedeutet immer die Masse des jüdischen Volkes, ein fixer Ausdruck in Daniel, harabbim, die vielen, die Masse Israels. Und er wird einen festen Bund mit den vielen schließen für eine Jahrwoche, also sieben Jahre, und zur Hälfte der Jahrwoche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen, also nach dreieinhalb Jahren werden die Opfer gestoppt.
Und dann, und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen. Und zwar bis Vernichtung und fest Beschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden. Es ist sehr konzentriert. Und darum, wenn jemand denkt, das ist schwierig: Es ist sehr, sehr schwierig. Aber wir knacken die Nuss.
Wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und der Herr Jesus sagt: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von welchem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, nämlich in Daniel 9,27, stehen seht an heiligem Ort, wer es liest, der beachte es, dass alsdann die Judäer sind auf die Berge fliehen.“

Der Gräuel der Verwüstung und der Angriff aus dem Norden

Nun, ich muss erklären: Gräuel heißt auf Hebräisch Do'ewa und bezeichnet sehr oft ein Götzenbild. Gerade in Daniel kommt dieser Ausdruck in Kapitel 11 vor, in einem Vers, der schon längst erfüllt ist. Die Erfüllung war, dass Antiochus Epiphanes ein Götzenbild auf dem Tempelplatz aufgestellt hatte. Das war der Gräuel der Verwüstung.
Ich gebe den Vers an für die, die ihn aufschreiben. Es ist nämlich so, dass Aufschreiben an der Uni sehr hilfreich ist. Alle, die gerne etwas lernen wollen, schreiben sich etwas auf und machen sich Notizen. Und dann gibt es auch solche, die nichts aufschreiben. Das sind dann die Genies, die das einfach so wissen, und natürlich noch die Vatersöhne, also die, die studieren, weil der Vater zahlt.
Ja, gut, und jetzt eben ein Vers zum Aufschreiben: Daniel 11,31. Der verwüstende Gräuel hat sich dort so erfüllt, nämlich in einem Götzenbild auf dem Tempelplatz. Und das hilft uns, diesen gleichen Ausdruck für das zukünftige Ereignis zu verstehen.
 Matthäus 24,15: Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung stehen seht an heiligem Ort, auf dem Tempelplatz in Jerusalem, wird nämlich der Antichrist, der kommende falsche Messias in Israel, ein Götzenbild aufstellen, das sprechen kann. Das ist das Götzenbild aus Offenbarung 13,11 und folgende. Und weil dann der kommende dritte Tempel verunreinigt sein wird, darf man nicht mehr opfern. So werden die Opfer gestoppt werden, aber in der Zeit davor wird bereits geopfert werden.
Und dann sagt der Herr Jesus, das wird der Auslöser sein für die große Drangsal, für den letzten, schrecklichsten Weltkrieg. Und er sagt den jüdischen Gläubigen in dieser Zeit, die in Judäa sind, Matthäus 24,16, sie sollen dann auf die Berge fliehen.
Jetzt lese ich weiter: Wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus seinem Haus zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um sein Kleid zu holen. Wehe aber den Schwangeren und den Säugenden in jenen Tagen. Betet aber, dass eure Flucht nicht im Winter geschehen und nicht am Sabbat sei. Denn alsdann wird große Drangsal sein, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzt hin nicht gewesen ist und auch nie sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden. Aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.
Sehen wir: Die große Drangsal, das wird die schrecklichste Zeit der ganzen Menschheitsgeschichte sein. Für uns ist jetzt klar, also schrecklicher als der Erste und der Zweite Weltkrieg mit 18 Millionen und 50 bis 70 Millionen Toten. Aber das wird so schrecklich sein, der Herr Jesus sagt: So war es nie von Anfang der Schöpfung an, und das wird sich auch nie mehr wiederholen, was da geschehen wird. Das ist die große Drangsal, ausgelöst durch diesen Stopp der Opfer und das Aufstellen des Götzenbildes durch den Antichristen.
Und jetzt gehen wir nochmals zurück, halten aber Matthäus offen: Daniel 9. Da sagt der Herr Jesus: Und wegen der Beschirmung, der Gräuel wird ein Verwüster kommen. Wer ist dieser Verwüster? Das wird uns ausführlich beschrieben im Buch Joel. Das ist dieser Angriff von Norden, der das ganze Land Israel verwüsten wird. Das Land, werden wir gleich noch sehen, wird vor ihm sein wie der Garten Eden, und wenn die Armee durch ist, ist alles verbrannt. Der Verwüster, das ist dieser Feind von Norden. Aus dem Buch Joel sehen wir in Daniel so ganz knapp beschrieben, und im Buch Joel dann ausführlich erklärt.
Aber warum wird dieser Verwüster kommen? Wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen. Es wird so sein: Die große Masse in Israel wird den Antichristen als den großen, starken Mann akzeptieren, der endlich Befreiung bringt und eine Lösung für alle Nahostfragen, die Mr. Obama nicht lösen konnte und auch Mr. Trump nicht lösen kann. Trotz guten Absichten, den Palästinensern ein gutes Leben zu ermöglichen, mit Wohlstand, und obwohl er bereit ist, Milliarden zu investieren, damit die Wirtschaft im Nahen Osten angekurbelt wird, wird alles nichts nützen.
Und dann kommt eben dieser starke Mann, und da denkt die Masse in Israel: Das ist er, der wird nun den Frieden bringen und die Lösung aller Probleme. Und die werden das akzeptieren, diesen Götzendienst, denn er wird sagen, das ist nicht Götzendienst. In der Bibel steht ja, dass die Götzen einen Mund haben und nicht sprechen können, nicht wahr, Psalm 115. Aber das Bild, das lebt. Wenn man ein totes Bild anbetet, ist das Götzendienst, aber dieses Bild lebt. Das darf man anbeten, und die Masse wird den Antichristen eben akzeptieren. Und das ist, die Elberfelder übersetzt eben sehr genau: Und wegen der Beschirmung der Gräuel. Das heißt, die Masse wird sagen: Nein, das ist schon gut, das mit dem Götzendienst, das ist okay. Deswegen wird diese Verwüstung kommen.

Die politischen Mächte und die letzte Front

Nicht wahr, Israel wurde am 14. Mai 1948 als unabhängiger, selbständiger Judenstaat gegründet. Nach fast 2000 Jahren Staatenlosigkeit, Zerstreuung unter allen Nationen und ständiger Verfolgung ist der Staat wieder da.
Gleich am nächsten Tag, das heisst in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai, gab es einen totalen Krieg der Araber rund um Israel, um Israel auszulöschen. Und Israel ging, obwohl schlecht bewaffnet, gegen eine Übermacht von neun Armeen als Sieger hervor, mit Landgewinn.
Und dann hat man es nochmals versucht, 1967, jetzt hochgerüstet durch moderne Waffen der Sowjetunion, Israel zu vernichten. Nach sechs Tagen waren alle Feinde geschlagen, und Israel hatte überlebt und den Tempelberg erobert. Das war die Grundlage, damit ein dritter Tempel dann gebaut werden kann.
Aber dann haben die Araber gesagt, wir müssen es ein drittes Mal versuchen, aber als totaler Überraschungsangriff, ohne Ankündigung wie früher. Das war ein Fehler. Und dann kam der Überraschungskrieg 1973, der Jom-Kippur-Krieg. Es war wirklich etwas ganz Schreckliches, weil es sehr viele Tote gab, aber schliesslich waren alle Feinde wiedergeschlagen.
Man sieht also: Gottes Hand war auf dieser Nation. In all diesen Vernichtungskriegen hat Gott seine Hand über Israel gehalten. Und diese schützende Hand wird weggehen, sobald die Masse den Götzendienst des Antichristen akzeptieren wird. Und dann wird Gott erlauben, dass von Norden her Israel total überrannt wird. Und davon haben wir bereits in Joel gelesen. Aber jetzt können wir das immer mehr einordnen.
Noch etwas, ein feines Detail, ich weiss nicht, wem das aufgefallen ist. Der Herr Jesus sagt doch in Matthäus 24,15: Wenn ihr nun den Gräuel stehen seht. Das ist ein Zahl, nicht wahr, der Gräuel. Aber in Daniel 9 ist es Mehrzahl, und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen. Es wird mehr sein. Es werden tatsächlich zwei Gräuel vorhanden sein auf dem Tempelplatz, nämlich dieses Götzenbild, sichtbar im Vorhof.
Darum sagt der Herr Jesus: Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung stehen seht. Aber es gibt noch einen weiteren Gräuel, den können Sie gar nicht sehen, und der wird beschrieben in 2. Thessalonicher 2. Dort heisst es von dem Antichristen, dem Menschen der Sünde, dem Gesetzlosen, er wird sich in den Tempel Gottes, also ins Tempelhaus, setzen. Naos ist das eigentliche Tempelhaus, nicht in den Vorhof. Ins Tempelhaus hineinsetzen und sagen, er sei Gott.
Das sind die beiden Gräuel: das Götzenbild und der Antichrist, der sich als Gott verehren lässt. Und darum, weil die Masse das eben akzeptieren wird, wird der Verwüster kommen und wird alles überrennen. Und zwar so wird das knapp beschrieben, nochmals Daniel 9,27: Ein Verwüster wird kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden. Also es wird beschrieben, wie Wasser, das da über Israel hereinbricht, ausgegossen wird und alles kaputt macht.
Ausführlicher beschreibt Daniel diesen Angriff in Daniel 11. Und zwar wird nämlich in den Versen 36 bis 39 der Antichrist beschrieben, eben dieser zweite Gräuel, der sich über alles erhebt, was Gott heisst, und auch auf den Gott seiner Väter nicht achtet. Er wird ein Jude sein, der dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nicht achtet.
Und dann liest man in Daniel 11, Vers 40, und da ist es auch wieder nützlich, wenn man eine sehr genaue Übersetzung hat: Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens mit ihm zusammenstossen. Ihm, das ist der Antichrist, der als König beschrieben wird in den Versen 36 bis 39. Da wird die Armee Israels abgelenkt sein im Süden, denn der König des Südens ist in der erfüllten Prophetie von Daniel 11 immer Ägypten gewesen.
Und dann heisst es: Und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen, und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen. Man sieht auch wieder Wasser, überschwemmen und überfluten, der König des Nordens.
Und wir können ganz genau sagen, was das ist, und zwar, weil in Daniel 1 bis 35 alles schon längst erfüllt ist. In meinem Buch Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel behandle ich das alles im Detail mit der Geschichtsliteratur, wo man das nachprüfen kann. Ich habe nachgezählt: über 150 erfüllte Prophezeiungen nur in diesen Versen, und alles in der richtigen Reihenfolge.
Da kommt ständig vor: der König des Südens, das ist Ägypten, und der König des Nordens, und das ist, man halte sich fest, Grosssyrien. Also nicht das kleine Syrien von heute, sondern Grosssyrien. Und das war in der erfüllten Prophetie das Gebiet von Libanon, Syrien, über Gebiete der heutigen Türkei, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan bis nach Afghanistan und Pakistan, auch Iran und Irak. Das ist der König des Nordens.
Und dieser König des Nordens wird dann gegen Israel und den Antichristen anstürmen, von Norden her, und das ganze Land überrennen.
Jetzt merken wir, was so in den letzten Jahren geschehen ist: diese Bemühung, einen islamischen Staat aufzubauen. Das bedeutete, alle Muslime im Nahen Osten zu vereinen und schliesslich gegen Israel. Aber wo ist der islamische Staat jetzt? Es sind nur noch Überreste, ja.
Aber nicht, weil die Gegner gegen einen islamischen Staat wären, sondern Erdogan aus der Türkei. Er möchte der Chef eines islamischen Staates sein. Er möchte nicht, dass dieser selbsternannte Führer des IS der Führer ist von IS, sondern er möchte IS sein. Aber die Iraner, ich meine die Führung, die wollen der wahre islamische Staat sein, und darum ist ihre Republik, ihr Staat, eben ein islamischer Staat. Und sie möchten die ganze islamische Welt unter ihre Herrschaft bekommen, und darum möchten sie auch eine Atombombe, damit sie wirklich die Stärksten sind.
Und so bekämpfen sie sich. Natürlich kann man sagen: Ja, gut, die werden auch nie eine Einheit bekommen, denn die sind ja gespalten in Schiiten und Sunniten. Die Iraner sind Schiiten. Aber das ist nicht unmöglich, die zu vereinen. Der Iran arbeitet heute doch zusammen mit Hamas im Gazastreifen, das sind aber Sunniten, und die Zusammenarbeit funktioniert. Also das geht schon, wenn das höhere Ziel das gemeinsame ist: die Vernichtung Israels.
Jetzt muss man sich vorstellen, wenn all diese, die den IS sein wollen, die der IS sein wollen, wenn die sich zusammentun, dann kommt es zu dieser riesigen IS-Koalition, der König des Nordens.
Und jetzt lese ich weiter in Daniel 11: Und der König des Nordens wird gegen ihn, den Antichristen, anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen, also auf dem Landweg und auf dem Seeweg, über das Mittelmeer. Und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten, und er wird eindringen in das Land der Zierde. Das ist nicht die Schweiz, das ist in der Bibel das Land Israel, das Land der Zierde. Er wird Israel angreifen, und viele Länder werden zu Fall kommen. Diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom und Moab und die vornehmsten der Kinder Ammon.
Edom ist in Südjordanien, Moab ist Mitteljordanien, auf der anderen Seite des Toten Meeres, und Ammon, das ist nördlich in Jordanien. Der Städtename Amman kommt von Ammon.
Interessant ist: Wir haben ja schon gelesen, der Herr Jesus sagt den gläubigen Juden in Matthäus, wenn sie den Gräuel sehen, sollen sie auf die Berge fliehen. Die werden auf die Berge fliehen, die sind heute vornehmlich im Westjordanland, und dann werden sie nach Jesaja 16 hinübergehen über den Jordan nach Moab. Und dort in der Wüste wird Gott sie schützen und versorgen für dreieinhalb Jahre. Und jetzt versteht man, warum eben Moab von diesem Angriff verschont werden wird, weil die dort in Sicherheit gebracht sein werden.
Also, wir gehen weiter: Moab wird verschont werden, Edom auch und die vornehmsten der Kinder Ammon, also nur die Oberschicht im Norden. Er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entrinnen. Das wird ein innerislamischer Konflikt sein. Und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen, und die Libyer auch, islamisch, ja, und die Kuschiter werden in seinem Gefolge sein.
Kusch wird auch übersetzt mit Äthiopien. Kusch bedeutet in der Bibel zunächst das Land südlich von Ägypten, heute sagen wir dem nicht mehr Äthiopien, sondern Sudan. Und Nord-Sudan ist auch islamisch. Also die werden verbündet sein, Ägypten kommt in die Knute, Libyen und Sudan werden mit diesen Angreifern aus dem Norden verbunden sein.
Und dann heisst es: Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken, und er wird ausziehen in grossem Grimm, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird sein Palastgezelt aufschlagen zwischen dem Meer, das ist das Mittelmeer, und dem Berg der heiligen Zierde, das ist der Tempelberg. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen.
Das heisst also: Die Armee wird Israel überrennen, das Land vernichten, Jerusalem wird dabei erobert werden, dann geht die Armee weiter, erobert Ägypten zusammen mit Libyen und Sudan. Aber dann kommen eben diese Gerüchte aus dem Norden und aus dem Osten, und darum wird die Armee wieder zurückkehren und den Stand festigen zwischen dem Tempelberg und dem Mittelmeer. Dort werden sie dann ihre Schlussfront aufstellen, und dann sagt Daniel einfach: Und dann wird er zum Ende kommen.
Andere Stellen, und gerade das Buch Joel, erklären, dass dann der Jesus kommen wird, in Macht und Herrlichkeit. Und er wird diese Armee vernichten. Und zwar wiederkommen auf dem Ölberg, der gegenüber ist vom Tempelberg. Und da ist ja dann diese Koalition des Königs des Nordens vom Mittelmeer her das ganze Gebiet. Also wenn Sie das nächste Mal vom Flughafen Ben Gurion mit dem Bus, sagen wir, hinauffahren auf der Hauptstrasse Nummer eins nach Jerusalem, dann können Sie sich das wirklich anschauen: Da wird diese Armee versammelt sein, vom Mittelmeer her bis nach dem Tempelberg. Aber der Herr Jesus wird dann auf den Ölberg kommen, und er wird diese Armeen, die dort versammelt sind, vernichten.
Dazu lese ich jetzt noch Sacharja 14. Und dann will man sehen, es hat sich gelohnt, eine ganze Stunde etwas anderes zu behandeln als Joel. Und zwar, weil jetzt plötzlich kann man Joel durchlesen, und man versteht eigentlich Vers für Vers, automatisch, weil man weiss, wovon die Rede ist.
 Sacharja 14,3: Und der Herr wird ausziehen und gegen jene Nationen streiten, wie an dem Tag, da er streitet, an dem Tag der Schlacht. Und seine Füsse werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem gegen Osten liegt. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen zu einem sehr grossen Tal, und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen. Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, und das Tal der Berge wird bis Azel reichen. Und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Usias, des Königs von Juda. Und kommen wird der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit dir.
Da werden alle Gläubigen des Alten Testaments den Herrn Jesus begleiten, und aus dem Neuen Testament wissen wir: Alle Erlösten der Gemeinde werden den Herrn Jesus begleiten. Die werden auch zu dieser Schar der Heiligen gehören und werden das alles miterleben, wenn er eingreifen wird.

Rückkehr zu Joel 1: Die Sprache des Gerichts

Jetzt schauen wir uns Joel nochmals an. Das Wort des Herrn, das geschah zu Joel, dem Sohn Petuels. Er ruft die Führer des Volkes auf, diese ganz, ganz schreckliche, aber wichtige Botschaft zu vernehmen.
Hört dies, ihr Älteste! Und dann die nächste Verszeile, man nennt das einen synonymen Parallelismus. Das heißt also: Zwei Verszeilen drücken dasselbe aus, mit anderen Worten, oder etwas Ähnliches, ebenfalls mit anderen Worten. Hört dies, ihr Älteste! Ja, nehmt es zu Ohren, alle ihr Bewohner des Landes. Also sollen die Führer und auch alle gewöhnlichen Leute aus Israel diese Botschaft vernehmen.
Jetzt eine Frage: Ist solches in euren Tagen geschehen? Also gibt es etwas aus eurer Lebenszeit, das vergleichbar wäre mit dem, was jetzt beschrieben wird? Oder in den Tagen eurer Väter? Das ist auch nicht genau dasselbe, aber etwas Ähnliches. Es wird gefragt: in eurer Generation oder in der Generation davor.
Und dann wird gesagt: Erzählt davon euren Kindern. Also wenn ihr das dann erleben werdet, dieses Schreckliche aus dem Buch Joel, das müsst ihr späteren Generationen mitteilen, also zunächst euren Kindern. Erzählt davon euren Kindern, und eure Kinder ihren Kindern. Ja, da haben wir schon zwei Generationen nach ihnen, und ihre Kinder der folgenden Generation. Das soll dann durch das ganze tausendjährige Reich allen Generationen erzählt werden, was da geschehen ist in der großen Drangsal, was Israel auf dem Höhepunkt der Leiden erlebt haben wird.
Und jetzt ab Vers 4 wird diese Armee beschrieben wie eine Heuschreckenarmee, die über ein Land herfährt. Und was geschieht bei einer Heuschreckenplage? Heuschrecken fressen wirklich alles radikal weg. Ein fruchtbares Land ist nach dem Durchzug von, das können Milliarden von Exemplaren sein, alles radikal weggefressen. Das geschieht nicht so oft. Normalerweise sind Heuschrecken nicht so gefährlich. Aber es gibt einen Prozess, und der ist noch nicht erklärt. Plötzlich kann sich in Heuschreckenhirnen etwas ändern, und die haben nur noch zwei Impulse: vermehren und fressen, vermehren und fressen, vermehren und fressen. Und dann werden sie plötzlich eben zu Scharen von Milliarden. Und dann gehen sie los über einen Landstrich und verwüsten alles. Sie gehen weiter, verwüsten alles.
Aber wichtig: Die kommen immer von Süden, wenn es um das Land Israel geht, nämlich dieser biologische Vorgang, der geschieht in Ostafrika. Und dann kann es vorkommen, dass eine solche Plage sich weiterzieht über die Sinaiwüste, und dann kommt sie von Süden ins Land Israel. Und dann ist die Katastrophe da.
Und jetzt merkt man: Im Buch Joel geht es nicht um eine wirkliche Heuschreckenplage, sondern um eine bildliche Heuschreckenplage. Wir sehen, in Kapitel 2 wird betont: Sie kommt von Norden, eben wie der König des Nordens, aber verwüstet das Land, nicht durch Abfressen, sondern durch Feuer. Alles wird verbrannt werden, das werden wir gleich noch sehr, sehr eindrücklich sehen.
Aber jetzt wird hier in diesem Gedicht das beschrieben wie eine Heuschreckenplage. Und zwar werden hier vier verschiedene Wörter verwendet für Heuschrecke. Ich habe das einfach übersetzt. Der erste Ausdruck ist in der Fußnote angegeben, auf Hebräisch Gazam. Aber das nützt ja nicht, wenn ich das einfach reinschreibe: Gazam. Darum habe ich übersetzt: Abnager. So kann man Gazam als Heuschreckenname ausdrücken.
Und dann gibt es einen anderen Namen, Arbae. Das bedeutet auch Heuschrecke, aber wörtlich übersetzt heißt das Vermehrer. Eben wenn die so durchdrehen und nur noch vermehren, vermehren, vermehren sagen können, und Gazam nur noch sagen können: abnagen, abnagen, abnagen. Was der Abnager übrigließ, fraß der Vermehrer, der Arbae. Und was der Arbae übrigließ, fraß der Hüpfer. Ja, weil diese Tiere eben nicht nur sich vermehren und fressen, sondern sie hüpfen dann auch noch. Und was der Hüpfer überließ, das ist hebräisch Jelek, fraß der Vertilger, nochmals ein anderer Name, Chasil.
Die Eskimos, die haben ganz viele Namen für Schnee. Das ist für uns komisch, aber für sie ist es ganz wichtig, dass man für jede Art von Schnee einen Begriff hat. Das ist für uns nicht so wichtig, dass wir das genau unterscheiden können, vor allem in Freiburg im Breisgau nicht, in den Alpen schon eher. Aber die Eskimos haben ganz viele Ausdrücke. Und eben das Land Israel, das in der Geschichte zu tun hatte mit Heuschreckenplagen, die haben auch mehr Wörter für Heuschrecke als wir. Und darum eben diese vier, und das kann Joel, inspiriert durch den Heiligen Geist, in seinem schönen Gedicht machen.
Was der Abnager übrigließ, fraß der Vermehrer. Was der Vermehrer übrigließ, fraß der Hüpfer. Und was der Hüpfer übrigließ, fraß der Vertilger.

Landwirtschaft, Tempel und die erste Bussversammlung

Und jetzt werden Menschen angesprochen, die gerne Wein trinken: Wacht auf, ihr Betrunkenen, und weint und heult, alle ihr Weintrinker, über den neuen Wein, weil er abgeschnitten ist von eurem Mund.
Das heißt also: Diese Armee, wenn sie von Norden kommt, wird die Landwirtschaft der Traubenkulturen in Israel vernichten. Und vielleicht wissen manche unter uns, dass das ein ganz wichtiger Aspekt der israelischen Landwirtschaft heute ist. Das hat damit zu tun, dass 1882 die erste Einwanderungswelle losging, von Juden zurück ins Land der Vorfahren. Man nannte es damals einfach Palästina. Das war ganz schwierig für diese Siedler. Vor allem aus Russland kamen sie, viele waren Intellektuelle, und sie sahen: Das Land ist kaputt, es ist eine Wüste, was kann man damit machen? Und dann hat ihnen Baron de Rothschild von Bordeaux gesagt: Ja, ihr müsst einfach Weinstöcke aus Frankreich mitnehmen, und dieser Boden würde sich eignen, um das aufzubauen.
Ja, wieso von Frankreich? In der Bibel liest man doch ganz oft von Weinberg und von Wein und von Traubensaft und von Trauben und der Frucht des Weinstocks und so weiter, auch im Neuen Testament, in dem Jesus spricht: Ich bin der wahre Weinstock, und im Gleichnis von den Weingärtnern usw. Ja, das war einmal. Aber ab dem Jahr 70 wurden ja die Juden immer mehr vertrieben aus dem Land. Im siebten Jahrhundert kamen die Muslime, und die sagten: Wein trinken darf man auf Erden nur im Paradies. Und darum gingen die ganzen Überreste dieser Landwirtschaft zugrunde.
Und darum, als diese russischen Juden kamen, hatten sie nichts Vernünftiges, was man da hätte anpflanzen können. Sie mussten es aus Frankreich holen. Später haben sie es aus Kalifornien geholt und haben eine Landwirtschaft aufgebaut im Zusammenhang mit Weinbau. So erfolgreich hat Israel ganz viele Goldmedaillen gewonnen für Weinproduktion auf höchstem Niveau. Da ist zu nennen der Golanwein, dann der Galiläawein, aber auch der Wein der Berge Judäas und so weiter und so fort. Und jetzt wird hier gesagt: Die werden alles kaputt machen.
Und weiter lese ich in Vers 5. Ich muss übrigens noch erklären, was mit dem neuen Wein gemeint ist. Das ist der Traubensaft. Also das Wort Wein wird in der Bibel auch gebraucht für Traubensaft, aber der ist natürlich nur Traubensaft, solange er neu ist. Es gab ja noch nicht Louis Pasteur, der das Pasteurisieren im neunzehnten Jahrhundert eingeführt hat, damit man Traubensaft durch das ganze Jahr haben kann. So gab es in Israel natürlich nur eine gewisse Zeit wirklich Traubensaft, dann wurde es Souse und nachher Wein. Ja, und hier geht es einfach darum: Der neue Wein wird abgeschnitten, also jetzt gibt es auch keinen Wein mehr.
Warum? Vers 6: Denn eine Nation ist heraufgezogen über mein Land. Übrigens sagt Gott: mein Land. Damit ist klar, wem das Land gehört. Es gehört Gott. Das müsste man der UNO auch einmal mitteilen. Denn eine Nation ist heraufgezogen über mein Land, stark und ohne Zahl. Wenn man sich nur einmal die Anzahl von Raketen überlegt, die die Hisbollah im Südlibanon stationiert hat, um Israel vollkommen zu verwüsten. Die UNO hatte nach dem letzten Libanonkrieg versprochen, sie würden da eine Friedenstruppe stationieren im Süden Libanons, und die sorgen dafür, dass die Hisbollah entwaffnet wird. Und es ist gar nichts geschehen, sondern das Gegenteil: Iran hat die Hisbollah aufgerüstet, aufgerüstet, aufgerüstet. Es ist ein Arsenal da, absolut verrückt: Tausende von Raketen, und zwar nicht diese Raketen wie im Gazastreifen, sondern wirklich Raketen, die eine Katastrophe sein werden, wenn sie eingesetzt werden. Und das ist nur etwas, was dieser Norden, wenn er sich zusammensetzen wird zu dem König des Nordens, bewirken wird, beinhalten wird. Darum heißt es hier: stark und ohne Zahl.
Ihre Zähne sind Zähne eines Löwen, und sie hat das Gebiss einer Löwin. Sie hat meinen Weinstock zu einer erschreckenden Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zu einer Zerkneckung. Sie hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen, seine Ranken sind weiß geworden. Hierbei werden die ganzen landwirtschaftlichen Bemühungen betont, eben auch mit Fruchtbäumen, alles, was die Kibuzbewegung und die Moschawbewegung jahrzehntelang aufgebaut haben. Sie machen alles kaputt. Sie hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen, seine Ranken sind weiß geworden.
Und jetzt Vers 8: Wehklage wie eine Jungfrau, mit Sacktuch umgürtet, über den Verlobten ihrer Jugend. Der Schmerz hier wird verglichen mit dem Schmerz, den eine junge Frau, die verlobt ist und gerade vor der Heirat steht, erlebt, wenn sie dann den Bräutigam verliert. Das ist etwas Fürchterliches. Und alle, die so etwas erlebt haben, die können genau nachfühlen, was das sein wird für Israel, wenn das geschehen wird.
Und dann Vers 9: Abgeschnitten sind Speisopfer und Trankopfer vom Haus des Herrn. Die Priester trauern, die Diener des Herrn. Ja, jetzt wird hier plötzlich gesagt: Dass die Landwirtschaft Israels zerstört wird, ist natürlich nicht nur für die, die die Erzeugnisse des Weinstocks trinken, und die, die die Früchte essen, eine Katastrophe, sondern dann ist es auch nicht mehr möglich, Speisopfer zu machen aus Weizenmehl. Und Trankopfer, das ist ja auch Wein, der am Ende zum Beispiel des Brandopfers beim Altar ausgegossen wird. Also vom Tempel sind diese Opfer weggenommen, weil man die Rohstoffe für die Opfer nicht mehr haben wird. Alles kaputt.
Aber wenn wir das lesen, heißt es, dann wird es aber einen Tempel geben in Israel. Und dann wird es Opfer geben, Speisopfer und Trankopfer, und die sind dann nicht mehr möglich, jawohl, die sind also dann aus zwei Gründen nicht mehr möglich. Erstens: Der Tempel wird verunreinigt durch den Antichristen, und die Erzeugnisse der Landwirtschaft sind dahin. Aber hier wird ganz klar über das Haus des Herrn, über den Tempel in Jerusalem gesprochen. Und wichtig: Was wir lesen in Joel 1, das hat sich nie irgendwo in der Vergangenheit einmal erfüllt. Es gibt kein Ereignis, das sich so erfüllt hätte. Das ist zukünftig. Aber für die Zukunft wird ganz klar gesagt: das Haus des Herrn. Und dann wird gesagt: die Priester trauern. Also dann werden sie wieder Priester haben. Und tatsächlich: Gerade Leute, die Kohen heißen, das heißt Priester auf Hebräisch, die haben durch den Familiennamen erhalten, dass sie Nachkommen sind von Aaron, dem ersten Hohenpriester. Und solche werden heute ausgebildet für den Priesterdienst im kommenden Tempel, die Diener des Herrn.
Nochmal wird betont: Verwüstet ist das Feld, der Erdboden vertrocknet, denn verwüstet ist das Korn, zu Schanden geworden ist der neue Wein, verschmachtet das Olivenöl. Seid beschämt, ihr Bauern, heult, ihr Winzer, über den Weizen und über die Gerste! Und jetzt nicht einfach nur heulen, weil Weizen und Gerste als Nahrungsmittel weg sind, sondern wir werden gleich sehen: Denn zugrunde gegangen ist die Ernte des Feldes. Der Weinstock ist verdorrt und der Feigenbaum verwelkt, Granate auch, Palme und Apfelbaum. Alle Bäume des Feldes sind verdorrt, ja, verdorrt ist die Freude weg von den Menschenkindern.
Und jetzt wird das wieder in Zusammenhang gebracht mit dem Tempel und den Opfern. Gürtet euch und wehklagt, ihr Priester! Also die Priester müssen ihre Priestergürtel anziehen, und die sind ja ganz speziell. Priestergürtel werden getragen um die Brust, ja, und zwar sind Dutzende von Metern lang und werden sehr fest angezogen. Die Rabbiner haben erklärt, das bedeutet: Die Priester müssen konzentriert sein bei ihrer Arbeit. Wenn sie dem Herrn dienen, das darf man nicht einfach so in oberflächlicher Stimmung sein, sondern ganz ernsthaft, und der enge Gürtel soll sie daran erinnern. Hier wird gesagt: Gürtelt euch, und wehklagt, ihr Priester. Das Gürteln hat eine ganz besondere Bedeutung von Ernsthaftigkeit. Heult, ihr Diener des Altars! Sieht man, hier wird der Altar erwähnt. Kommt, übernachtet im Sacktuch, ihr Diener meines Gottes, denn entzogen sind dem Haus eures Gottes Speis- und Trankopfer.
Wieder wird gesagt: Also dieser Angriff und diese Verwüstung des Landes ist eine Katastrophe für den Gottesdienst, denn könnte man den Tempel wieder reinigen und die Opfer wieder einführen, man hätte ja nichts zum Opfern. Und dann wird aufgerufen, Vers 14: Heiligt ein Fasten, beruft eine Festversammlung ein, versammelt die Ältesten, alle Bewohner des Landes zum Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zu dem Herrn. Also hier werden die Gottesfürchtigen aufgerufen, sich auf dem Tempelplatz in Jerusalem zu versammeln, um dort eine ganz besondere Bußversammlung durchzuführen. Wir werden sehen, in Kapitel 2 wird das noch ausführlicher beschrieben. Darum kann ich jetzt ganz kurz darüber hinweggehen: Die müssen Buße tun und zum Herrn schreien um Hilfe, damit dann eben der Herr Jesus kommen wird, um Israel aus dieser Dunkelheit der Drangsal herauszuführen. Aber da sind alle aufgerufen, nicht nur die Führer, die Ältesten, alle Bewohner des Landes. Alle sollen kommen, die Buße tun wollen, und dort zum Herrn schreien.

Der Tag des Herrn und die beginnende Finsternis

Und dann Vers 15: Ach, über den Tag! Denn nahe ist der Tag des Herrn, und gleichsam als eine Verwüstung von dem Allmächtigen wird er kommen.
Der Tag des Herrn – was ist das? Dieser Ausdruck kommt an sehr vielen Stellen im Alten Testament vor. Überall bezeichnet der Tag des Herrn die Zeit des Gerichts, wenn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit kommen wird, um die ganze Welt zu richten.
Aber jetzt ganz wichtig: Wenn man alle Beschreibungen zusammennimmt über den Tag des Herrn hier in Joel, dann auch in Zephanja, in Sacharja und so weiter und so fort, in Jesaja, überall zusammen, dann wird klar: Die dreieinhalb Jahre der Drangsal gehören bereits zum Tag des Herrn. Und der Höhepunkt ist erreicht damit, dass dann der Herr Jesus auf dem Ölberg erscheint. Nicht wahr, wenn die Sonne aufgeht, da sieht man das Licht schon über den Horizont, aber die Sonne noch nicht. In diesem Sinn gehören diese dreieinhalb Jahre der Drangsal dazu. Und dann, wenn der Herr Jesus auf dem Ölberg kommt, das ist ja der Ort, wo jeden Tag in Jerusalem dann am Morgen die Sonne erscheint.
Das Wiederkommen des Herrn Jesus wird in Maleachi 3 am Schluss beschrieben als die Sonne der Gerechtigkeit, die aufgehen wird mit Heilung in ihren Flügeln. Und so gehört also der Tag des Herrn dazu, aber es ist ein schrecklicher Tag des Gerichts. Gleichsam als eine Verwüstung von dem Allmächtigen wird er kommen.
Und jetzt noch etwas, das helfen wird, viele andere Stellen besser zu verstehen. Hier heißt es: Nahe ist der Tag des Herrn. Joel lebte im achten Jahrhundert vor Christus. Ja, jetzt könnte jemand sagen: Seht ihr, der meinte ja schon, wir seien in der Endzeit. Warum sagt er: Nahe ist der Tag des Herrn?
Es ist so: Wenn ein Prophet eine Offenbarung Gottes bekam, wurde er jeweils versetzt in diese Zeit. Also Joel wurde als Prophet versetzt in die Zeit des Endes, in die Endzeit. Und da gilt in der Endzeit: Nahe ist der Tag des Herrn. Und so gibt es viele andere Stellen, da denkt man: Ja, aber wieso sagt der jetzt zum Beispiel in Jakobus 5, da sagt Jakobus, die Reichen sollen heulen über ihr Elend, und dann wird gesagt: Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Meinte Jakobus, er sei schon in den letzten Tagen?
Nein, Paulus sagt zum Beispiel zu Timotheus in 2. Timotheus 3: Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten sein werden, denn die Menschen werden eigenliebig sein usw. Das ist der letzte Brief von Paulus, 67 nach Christus. Und das war nach dem Jakobusbrief. Und er sagt: In den letzten Tagen werden schwere Zeiten sein. Er sagt nicht: Timotheus, wir leben ja schon längst in der Endzeit, und jetzt in der Endzeit, da sind schwere Tage. Nein, er sagt: In den letzten Tagen werden schwere Zeiten sein. Aber es ist zukünftig.
Und wie ist das zu verstehen in Jakobus? Der Prophet wird versetzt in die Endzeit und spricht speziell die Reichen aus dem jüdischen Volk an in der Endzeit, denn der Jakobusbrief geht ja an die zwölf Stämme Israels. Und er sagt: Heult über euer Elend, ihr Reichen, ihr habt in den letzten Tagen Schätze gesammelt! Oh, wem gehört Facebook, und wem gehört das, und wem gehört das, und wem gehört das, und für welche Zwecke wird das Geld eingesetzt? Heult über euer Elend und so weiter und so fort. Das ist ganz aktuell, diese Endzeitprophetie. Aber eben zu verstehen: Der Prophet wird versetzt in die Endzeit, und da ist aktuell: Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Aber euer ganzer Reichtum wird zu Rost werden.
Und so ist es auch mit Joel: Wir werden versetzt in die Endzeit, und da gilt: Ach, über den Tag! Denn nahe ist der Tag des Herrn, und gleichsam als eine Verwüstung von dem Allmächtigen wird er kommen. Ist nicht vor unseren Augen abgeschnitten die Speise von dem Haus unseres Gottes? Da wird der dritte Tempel wiedererwähnt.
Freude und Frohlocken sind vergangen, trocken sind die Saatkörner unter ihren Schollen, verödet sind die Vorratshäuser, eingerissen die Kornhäuser, denn zu Schanden geworden ist das Getreide.
Und das hat natürlich alles Auswirkungen, auch auf die Tiere. Jetzt haben wir vor allem über die Pflanzenwelt gesprochen. Wie stöhnt das Vieh! Die Rinderherden irren umher, denn es gibt keine Weide für sie. Auch die Kleinviehherden gehen zugrunde, und damit auch die Opfertiere für den Tempel. Sie sind mit betroffen.
Zu dir, Herr, schreie ich, denn Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste, und eine Flamme hat verbrannt alle Bäume des Feldes. Merkt man: Das sind keine normalen Heuschrecken. Das ist eine Armee, die mit Feuer kämpft und alles mit Feuer zerstört.
Auch die Tiere des Feldes lechzen zu dir, denn vertrocknet sind die Wasserbäche. Ja, Feuer hat verzehrt die Weideplätze der Wüste.
In Israel wird eine furchtbare Trockenheit einsetzen, übrigens schon während der ersten dreieinhalb Jahre, denn das ist die Zeit nach Offenbarung 11, wo diese zwei Zeugen in Jerusalem, die dort übrig bleiben. Der Überrest, also die Juden, die nach der Entrückung zum Glauben kommen, in Judäa, die werden auf die Berge fliehen nach Moab. Aber der Überrest in Jerusalem, der bleibt zurück, auch in der Drangsal.
Aber noch vor der Drangsal, in den ersten dreieinhalb Jahren, werden zwei aus den 144.000, die sich nach der Entrückung bekehren, einen besonderen Dienst haben. Das sind die zwei Zeugen von Offenbarung 11. Und die werden weissagen dreieinhalb Jahre, bevor das in Erfüllung geht mit Joel. Und von ihnen heißt es, sie werden die Gewalt haben wie Elija, dass sie den Himmel verschließen können, so dass kein Regen mehr fällt.
Und das wird nicht nur in den ersten dreieinhalb Jahren so sein, sondern auch in den zweiten dreieinhalb Jahren wird eine Trockenheit in Israel sein, und diese Dürre wird beschrieben. Also die Dürre und die Armee, die von Norden kommt und alles kaputt macht, das spielt zusammen.

Der Auftakt der zweiten Hälfte: Alarm auf dem Tempelberg

Jetzt gehen wir noch zu Kapitel 2. Wir haben noch vier Minuten bis zur grossen Pause.
Stosst ins Schofahorn auf Zion und blast Lärm auf meinem heiligen Berg. Erzittern sollen alle Bewohner des Landes, denn es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe: ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. Wie die Morgenröte ausgebreitet ist über den Bergen, tritt auf ein zahlreiches und starkes Volk. Seinesgleichen ist nicht gewesen von Ewigkeit her, und nach ihm wird keines fortfahren, so zu sein, bis in die Jahre der Generationen und Generationen. Vor ihm frisst das Feuer, lodert eine Flamme. Wie der Garten Eden ist das Land vor ihm, und nach ihm eine Wüste des Entsetzens. Und auch keine Enttronenen hat es.
Also, hier wird im ersten Vers gesagt, man muss ein Signal geben. Wo? Auf dem Tempelberg, auf dem Berg Zion. Das ist in der Bibel dasselbe wie der Berg Moria, der Tempelberg. Und da muss das Schofahorn geblasen werden als Signal.
Übrigens heisst es: Stoss ins Schofahorn und blast Lärm. Das sind zwei verschiedene Signale, die man beim Schofahorn im Judentum benutzt. Zum Beispiel ist das Stossen das Stossen, und das Lärmblasen ist das Lärmblasen. Also Staccato, und dann nochmals Stossen. Das war also Stossen, Lärmblasen, Stossen. Also zum Beispiel Grundton, Quinte und wieder Grundton. Dann der Grundton, vier Sechzehntel, nochmals vier Sechzehntel. Ja, da da da da, da da da di da.
Dieses Signal, also wir wissen ja ganz genau, was das bedeutet: Stossen und dann Lärmblasen als Signal. Moment, ich habe ein Durcheinander mit meinen Blättern. So: Stoss ins Schofahorn auf Zion, blast Lärm auf meinem heiligen Berg. Und eben alle im Land Israel sollen zittern. Warum? Weil jetzt der Tag des Herrn kommt.
Und das ist übrigens entsprechend in der Offenbarung das siebte Siegel. Das erste Siegel bedeutet: Der Antichrist kommt auf dem weissen Pferd. Das ist gerade nach der Entrückung. Diese ersten sechs Siegel werden sich erfüllen in der Zeit der Drückung und der ersten dreieinhalb Jahre. Und dann das siebte Siegel: Das eröffnet die grosse Drangsal. Wobei mir zu sagen ist, das siebte Siegel besteht aus sieben Posaunengerichten, und die siebte Posaune besteht aus sieben Schalengerichten. Also das Schrecklichste wird geschehen in dieser Zeit. Und darum heisst es hier: Erzittern sollen alle Bewohner des Landes.
Es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe. Und es wird noch einmal betont: ein Tag der Finsternis, der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks, des Wolkendunkels. Und da kommt eben diese Armee so mächtig gegen Israel, wie man das noch nie in der Geschichte sonst gesehen hat. Also es wird alles Frühere in den Schatten stellen.
Wir haben gesehen: Es kommt mit Feuer. Das Land ist wie der Garten Eden, und danach eine Wüste des Entsetzens. Und das ist jetzt interessant. Wir haben verschiedene prophetische Stellen in der Bibel, die sagen, wenn das jüdische Volk nach der Verwerfung des Messias...

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