
Einführung in den Text und Kontextualisierung
Ja, jetzt wollen wir im Römerbrief weitermachen. Ich lade euch ein, eure Bibeln zur Hand zu nehmen und Römer Kapitel 2 aufzuschlagen.
Wir erheben uns zur Textlese: Römer 2,5-16.
„Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken. Denen nämlich, die mit Ausdauer im Wirken des Guten Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, ewiges Leben; denen aber, die selbstsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind und der Ungerechtigkeit gehorchen, Grimm und Zorn, Drangsal und Angst über jede Menschenseele, die das Böse vollbringt – zuerst über den Juden, dann auch über den Griechen.
Herrlichkeit aber und Ehre und Friede jedem, der das Gute tut, zuerst dem Juden, dann auch dem Griechen. Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Alle nämlich, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen, und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden.
Denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden. Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist. Das bezeugt auch ihr Gewissen, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen, an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, nach meinem Evangelium. Amen!“
Nehmt gerne Platz. Wir merken schon: Bei diesem Textabschnitt ist es nicht verkehrt, immer wieder die Bibel aufgeschlagen oder offen vor sich zu haben, um zu sehen, an welcher Stelle wir uns jetzt eigentlich in diesem Abschnitt befinden.
Im großen Kontext sehen wir hier, dass der Apostel Paulus sich immer noch mit dem großen Problem des Sünders auseinandersetzt. Er wendet sich in diesem Gesamtabschnitt an solche, die nach außen hin moralisch einwandfrei leben, sich dabei aber über andere erheben.
Die universelle Schuld und Gottes Geduld
Der Apostel macht einen wichtigen Punkt: Er sagt, egal wie sehr du auf andere verweist und ihre Sünden verurteilst, und egal wie selbstgerecht du dich fühlst – Fakt ist, wir sind alle schuldig vor Gott. Wir stehen alle unter seinem gerechten Zorn.
Auch diejenigen, die das Gesetz haben – das sind die Juden – und alle, die meinen, moralisch einwandfrei zu leben, stehen unter dem Gericht. In Vers 1 des zweiten Kapitels heißt es: „Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest.“ Wer andere richtet, steht selbst unter Anklage.
Egal, ob wir zu den Übeltätern gehören, die Paulus in Kapitel 1 mit ihren furchtbaren Sünden beschreibt, oder ob wir solche sind, die meinen, moralisch einwandfrei zu leben – die Diagnose lautet: Wir sind alle schuldig.
Es ist allein dem Langmut Gottes zu verdanken, dass es mit uns noch nicht vollständig aus und vorbei ist. Paulus schreibt weiter in Vers 4: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut und erkennst nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“
Diese Güte und Geduld Gottes „wiegen den Frechen“, wenn wir so wollen. Das bezieht sich auf Römer 1, wo Menschen ganz offensichtlich sündigen und sich darin suhlen, in falscher Sicherheit. „Ach“, sagen sie, „es läuft doch alles gut.“ Also machen sie weiter und häufen ihre Sünden immer mehr an.
Doch der Sinn der Langmut Gottes ist es, sowohl den Frechen als auch den Selbstgerechten – die unter dasselbe Urteil fallen – zur Buße zu führen und zur Umkehr zu bringen. Über uns Sündern liegt noch ein Zeitfenster der Gnade, das vom barmherzigen Gott ausgerufen wurde.
Aber statt die Geduld des Herrn positiv zu nutzen, dieses Zeitfenster seiner Barmherzigkeit nicht verstreichen zu lassen und zu ihm zu laufen, um Vergebung zu suchen, missbrauchen wir seine Langmut. Weil er so gütig ist und uns nicht auf der Stelle straft, glauben wir im vollen Sinn des Wortes, es mache ihm nichts aus, wenn wir so weitermachen wie bisher.
Gott will uns zur Buße leiten, doch wir lehnen ab. Gott will uns zur Umkehr führen, doch wir machen weiter. Dies ist ein schweres Vergehen.
Die Konsequenz der Verstocktheit: Der Tag des Zorns
Paulus macht in unserem Abschnitt nun deutlich, wohin das führt. Er stellt uns zuerst den Tag des Zornes Gottes vor. Was ist das Ergebnis, wenn wir Gottes Güte und seine Langmut so sehr verachten, dass wir nicht zu ihm umkehren, sondern weitermachen?
In Vers 5 heißt es: „Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbussfertigen Herzens häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes.“
Hier lernen wir etwas Fundamentales. Wir können Gott von Herzen danken, dass er uns das in seinem Wort offenbart. Er hebt den Vorhang beiseite und lässt uns in die wirkliche geistliche Realität hineinschauen. Auch das ist ein Zeichen seiner Langmut, seiner Geduld und seiner Barmherzigkeit.
Im Römerbrief begegnet uns hier zum zweiten Mal der Begriff des Zornes Gottes. Zum ersten Mal war er in Kapitel 1, Vers 18 erwähnt. Paulus erklärt uns, dass der Zorn Gottes verdient auf uns Menschen kommt.
Er nennt zwei Gründe, warum wir den gerechten Zorn Gottes verdienen. Der erste Grund, der in Kapitel 1 genannt wird, ist folgender: Obwohl wir Gott in der Natur erkennen müssen und können, sagen wir dennoch „Nein, es gibt ihn nicht“ und setzen uns selbst auf den Thron, der Gott gebührt.
Wir lehnen die natürliche Offenbarung Gottes in der Schöpfung ab. Jeder Mensch ohne Christus sagt zu sich selbst: Obwohl die Sonne morgens aufgeht, sich die Erde um die Sonne dreht und so viele Wunder in der Natur zu sehen sind, die ich auf einen Schöpfergott zurückführen muss, sage ich doch: „Es gibt ihn nicht.“
Das ist der erste Grund, warum Gott zu Recht über den Menschen zornig ist. Deshalb heißt es zu Beginn dieser Argumentation in Kapitel 1, Vers 18: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her.“
Der zweite Grund, warum der Zorn Gottes über uns Menschen gerecht ist, zeigt sich in Vers 5 des Abschnitts, den wir betrachten. Wir verachten seine Geduld und seine Langmut, wir missbrauchen seine Geduld. Paulus sagt: „Weißt du, dein Herz ist verstockt und unbussfertig.“
Und während du in diesem Zustand verharrst, häufst du dir selbst Zorn auf.
Das Bild des angesammelten Zorns und seine Bedeutung
Das ist jetzt ein interessantes Bild, über das es sich lohnt, einen Augenblick nachzudenken. Da ist jemand, der Zorn sammelt – du sammelst Zorn. Wo gibt es das denn?
Das erinnert uns an gierige Menschen, die Reichtum horten, an jemanden, der Gelder anhäuft. Überraschenderweise bringen ihn diese gesammelten Reichtümer am Ende um. Er legt sich beiseite, hamstert, rafft und giert. Er ist wie Dagobert Duck, der einen wachsenden Geldspeicher voller Münzen hat und immer mehr sammelt. Am Ende versinkt er in diesem gesammelten Kram, erstickt daran und kommt um.
Paulus sagt: Schau mal, deine Unbußfertigkeit, deine innere Haltung Gott gegenüber, ist nichts anderes als ein Ansammeln. Du denkst, du strebst nach einem erfüllten Leben. Du sagst: Man lebt nur einmal, das will ich mal so richtig auskosten. Du machst, was dir in den Sinn kommt, denkst nur an dich und dein Vergnügen. Dabei sammelst und hortest du etwas, von dem du dir versprichst, etwas Positives zu empfangen. Aber du merkst gar nicht, wie du dein eigenes Grab schaufelst. Am Ende erstickst du an deinem eigenen Gold.
So ist es mit Menschen, die sich auf ihre eigene Gerechtigkeit verlassen. Selbst wenn sie äußerlich tadellos leben, begehen sie Sünde um Sünde und verachten die Langmut Gottes. Sie glauben, sich durch ihre selbstzentrierten Taten ein Leben im Glück aufzubauen. Doch sie merken nicht, dass ihre Vergehen in Wirklichkeit eine Anhäufung von Zorn sind.
Wenn wir Jesus und seine Gerechtigkeit ablehnen, dann sammeln wir Beweise gegen uns selbst. Wir häufen uns Zorn an.
Aus diesem Bild lernen wir etwas. Zum einen lernen wir, dass die Anzahl unserer Sünden offensichtlich nicht egal ist. Wir können auch sagen: Im Himmel wird Maß genommen.
Arcee Sproul, ein Pastor und Theologe, der inzwischen beim Herrn ist, hat Folgendes dazu gesagt: Hier sehen wir einen schrecklichen Irrtum, den die Menschen oft begehen, nämlich, dass wir meinen, wenn wir einmal sündigen, könnten wir genauso gut zehnmal sündigen, weil es für Gott keinen Unterschied macht, ob wir einmal oder zehnmal sündigen.
Wir gehen der falschen Annahme auf den Leim, dass das Maß unserer Übertretungen vollkommen unwichtig ist. Doch das ist ein Trugschluss, denn mit jeder Sünde häufen wir etwas an. Der Zorn Gottes über uns wird mehr.
Was für ein Desaster! Wir glauben, wir tun etwas für uns, dabei tun wir etwas gegen uns. Wir sehen es nicht. Und während wir es nicht sehen und in unserer Sturheit weiter ablehnen, dass Gott existiert, versinken wir noch tiefer.
Dieser Vers bedeutet auch, dass der Zorn Gottes im Verhältnis zur menschlichen Schuld steht, dass er nicht entkoppelt ist. Im Gericht Gottes werden die, die viel sündigen, auch viel bestraft werden, und die weniger sündigen, weniger bestraft. Denn du häufst dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes.
Dahinter steckt einerseits eine tröstliche Botschaft: Wir können von der Gerechtigkeit Gottes erwarten, dass diejenigen, die sich auf dieser Erde wie die Axt im Wald verhalten haben, entsprechend Rechenschaft ablegen müssen und nicht einfach so durchkommen.
Gleichzeitig ist dort aber auch eine Warnung für uns alle enthalten. Ja, was ist denn mit mir?
Die Berücksichtigung der Werke am Gerichtstag
In den folgenden Versen zeigt Paulus, und darauf kommen wir später noch zurück, dass diejenigen, sofern es sie denn gibt, die Gutes getan haben, auch Gutes von Gott empfangen werden. Diejenigen aber, die Böses getan haben, werden Böses empfangen. Mit anderen Worten: Der Urteilsspruch Gottes am Tag des gerechten Gerichts erfolgt nicht launisch oder willkürlich, sondern nach Gottes Gerechtigkeitsprinzip. Dieses Prinzip ist nicht von unseren Werken oder Taten entkoppelt, denn wir häufen uns dadurch Zorn an.
Das bedeutet auch heute Morgen für dich persönlich und für mich: Jeder Kompromiss, den wir mit der Sünde eingehen, ist eine weitere Münze im Zornspeicher Gottes. Jedes böse Wort, jede selbstsüchtige Tat, jeder selbstsüchtige Gedanke und jedes Vergnügen ohne Gott lassen den Zornpegel im Reservoir steigen.
Deshalb fragt Gott in 5. Mose 32: Ist dies nicht bei mir aufbewahrt? Dabei bezieht er sich auf die Sünden. Er fragt: Ist dies nicht bei mir aufbewahrt und in meinen Archiven versiegelt? Noch ist Gott geduldig und langmütig, noch hält seine Güte sein endgültiges Gerichtsurteil zurück. Doch das bedeutet nicht, dass der Tag des Zorns nicht kommen wird.
Die Offenbarung beschreibt diesen Tag sehr eindrücklich in Kapitel 6. Dort heißt es: Die Könige der Erde, die Großen, die Reichen, die Heerführer, die Mächtigen, alle Knechte und alle Freien – also Groß und Klein – verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge. Sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes. Es ist Christus. Der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?
Im Übrigen können wir diesem Tag auch nicht entkommen, wenn wir meinen, uns nach einer schweren Straftat durch Selbstmord dem Gericht Gottes entziehen zu können. Auch das ist keine Lösung. Das Zorngericht wartet auf jeden. Es ist gerecht, es wird sich gemäß unserer Taten über uns ergießen, und es kommt gewiss. Es ist keine Fiktion, sondern ein bestimmter Tag, an dem es geschehen wird.
Das ist Punkt Nummer eins: Der Tag des Zorns.
Punkt Nummer zwei: Befreit vom Zorn.
Die Befreiung vom Zorn durch Jesus Christus
Nun, die Frage, die uns hoffentlich alle jetzt in diesem Kontext bewegt, ist: Gibt es da einen Ausweg? Habe ich die Möglichkeit, aus diesem Zorngericht Gottes zu entkommen?
Vielleicht sitzen auch einige hier und hören das und zweifeln in ihrem Herzen, ob dem wirklich so ist. Dann empfehle ich, einen Blick auf das Leben von Jesus zu werfen.
Bei dem Gedanken an seinen bevorstehenden Tod am Kreuz war er zutiefst betroffen. Es ging ihm durch Mark und Bein, wenn er darüber nachdachte oder sprach. Er sagte zum Beispiel in Johannes 12: „Jetzt ist meine Seele erschüttert, und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde.“ Das war sein Empfinden.
Im Garten Gethsemane war seine Seele gequält. Er bat Gott, diesen Kelch an ihm vorübergehen zu lassen. Jesus fürchtete sich vor dem Tod, aber nicht, weil es ein Tod war wie bei jedem anderen Menschen. Denn er starb nicht für sich selbst, sondern für Sünder.
Er wusste, dass dort am Kreuz, was vor ihm lag, der Moment kommen würde, an dem der Zorn Gottes, der sich durch die Sünden derer, die später an ihn glauben würden, gesammelt hatte, in vollem Maße über ihn ausgegossen werden würde.
Wie sich Wasser in einem großen Stausee sammelt und der Pegel über die Zeit steigt, staut sich auch der gerechte Zorn Gottes über die Schuld von Männern und Frauen, die über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg zu allen Zeiten auf der Erde getan wurden, auf. Auch du und ich haben diesen Speicher gefüllt, und wir füllen ihn immer noch.
Wir wissen aus der Geschichte bis heute, dass es Momente gibt, in denen manchmal ein bisschen von diesem Speicher über die Staumauer überschwappt. Denken wir an Sodom und Gomorra. Dort war der Zorn Gottes, das Gericht Gottes, schon einmal da. Es war ein Vorgeschmack.
Wir haben an einem der letzten Sonntage vom Bau des Turmes von Silua gehört, der zusammenbrach und über die Menschen einstürzte und sie in den Tod mitriss. Auch das war ein kleines Überschwappen.
Aber Jesus wusste: Wenn ich an dieses Kreuz gehe, dann öffnen sich die Schleusen des Zorns Gottes, und kein Tropfen wird zurückgehalten. Die Strafe derer, die Zeit ihres Lebens an Jesus glauben, goss sich auf den unschuldigen Christus aus.
Kein Wunder, dass Jesus betrübt und erschüttert war, einem solchen Tod ins Auge zu schauen, und doch wich er nicht zurück. Er nahm den Zorn voll und ganz auf sich.
Jesaja 53 sagt: „Er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen. Die Strafe des Zorns Gottes lag auf ihm, damit wir Frieden haben; durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Wenn du also heute Morgen hier sitzt und dich fragst: Wie kann ich diesem Zorn Gottes entrinnen? Dann nicht, indem du auf deine eigene Gerechtigkeit baust – das hat Paulus schon ad absurdum geführt.
Sondern du wirst nur entkommen, indem du auf die Gerechtigkeit Christi setzt. Denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in Jesus zur Gerechtigkeit Gottes würden.
Jesus hat den Kelch des Zorns vollkommen ausgetrunken. In ihm allein liegt deine Hoffnung. Am Tag des gerechten Gerichts Gottes: Vertraue ihm, lauf zu ihm, berge dich in ihm!
Dann wirst du an dem Tag, der kommen wird, nicht mehr die Strafe tragen müssen, weil Jesus sie am Kreuz von Golgatha getragen hat. Amen!
Dann sehen wir drittens, dass wir nach unseren Taten gerichtet werden.
Das Verhältnis von Werken und Gerechtigkeit im Gericht Gottes
Nun, ich kann mir vorstellen, dass diejenigen, die aufmerksam gelesen haben, vielleicht doch noch Fragen haben.
Wie ist das denn mit dem Text? Sind da nicht irgendwo Widersprüche enthalten? In Vers 6 heißt es: „Der jedem vergelten wird nach seinen Werken.“ Ist das nicht ein Widerspruch zu dem, was der Römerbrief insgesamt sagt? Haben wir nicht erst in den letzten Sonntagen gelernt, dass der Gerechte aus Glauben leben wird? Wie kann es hier also heißen, dass Gott jedem vergelten wird nach seinen Werken?
Oder Vers 17: „Denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen.“ Werden wir dann gerechtfertigt? Sehen wir da einen Widerspruch? Paulus sagt in Römer 3, Vers 20: „Denn aus Werken des Gesetzes wird kein Fleisch vor ihm gerecht werden können.“ Und in Römer 3, Vers 28 heißt es: „So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes.“
Und nun heißt es hier, dass Gott jedem vergelten wird nach seinen Werken. Wie ist das zu verstehen?
Wir lernen hier, dass Gottes Gericht tatsächlich gemäß unserer Werke erfolgt, unsere Rettung und Erlösung jedoch gemäß der Gnade. Am Tag des Gerichts berücksichtigt Gott alle unsere Werke. Das lehrt nicht nur Paulus, das lehrt die ganze Bibel.
Psalm 62,13: „Bei dir, o Herr, steht aber auch die Gnade. Denn du vergiltst einem jeden nach seinem Tun.“
Sprüche 24,12: „Wird nicht der, welcher die Herzen prüft, es wahrnehmen und dem Menschen vergelten nach seinem Tun?“
Jeremia 17,10: „Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem Einzelnen zu vergelten, entsprechend seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.“
Sogar Jesus sagt: „Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er jedem Einzelnen vergelten nach seinem Tun.“ Die ganze Bibel lehrt, dass wir für unsere Taten Rechenschaft vor Gott ablegen müssen und dass er unser gesamtes Leben beurteilt und das Strafmaß entsprechend verkündet.
Das gerechte Gericht Gottes basiert also auf Werken. Aber unsere Erlösung aus diesem gerechten Gericht und von dem gerechten Urteil Gottes geschieht nicht durch ein Werk. Du kannst also nicht an dem Tag, an dem Gott deine Werke offengelegt hat – auch das Verborgene (Vers 17, Vers 16) wird freigelegt –, sagen: „Aber Herr Richter, ich habe hier eine Liste von guten Werken, die ich gegenüber den schlechten Werken anrechnen lassen will.“
Wir werden beurteilt gemäß unserer Werke, der Schuldspruch wird über uns ausgesprochen, aber wir können uns dem nicht entziehen, indem wir gute Werke gegenhalten und gegenrechnen. Unsere Erlösung von dem gerechten Urteil Gottes geschieht nicht aufgrund unserer Werke, sondern allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus.
Wer Jesus nicht glaubt, dem werden seine bösen Werke so vergolten, dass er die Strafe für diese bösen Werke selbst tragen muss. Und wir alle sind böse, das haben wir verstanden, hat Paulus schon erklärt. Wenn du Christus nicht vertraust, musst du selbst die Strafe übernehmen.
Wenn du aber dein Vertrauen auf Jesus setzt, dann werden dir nicht die Werke, die du aus deiner eigenen Tasche ziehst und Gott vorhältst, zugute gerechnet. Stattdessen werden dir die Werke Christi in seinem aktiven und passiven Gehorsam aus Gnade durch den Glauben zugerechnet. So stehst du nun plötzlich vor dem gerechten Gott am Tag des Zorns und des gerechten Gerichts Gottes frei vom Schuldspruch. Denn diesen Schuldspruch hat Jesus Christus schon am Kreuz für dich erduldet.
Du bist frei, du bist frei, du brauchst den Zorn Gottes nicht mehr zu tragen. Das ist das Evangelium. Jesus Christus war aktiv und passiv für dich gehorsam, sein Werk wird dir zugerechnet. Das Gericht erfolgt auf Basis von Werken, die Erlösung aber aus Gnade durch den Glauben an das Werk, das Christus für dich vollbracht hat.
Arcee Sproul sagt noch einmal: „Diejenigen, die durch den Glauben gerechtfertigt sind, wird das Werk Jesu, durch das sie gerechtfertigt sind, zugerechnet. Aber die Hauptgrundlage für Gottes ewiges Urteil über die Menschheit werden die Werke sein. Gott wird jedem Menschen geben, was er getan hat. Der Grund für Gottes Gericht sind nicht unsere Zeremonien, unsere Kirchenzugehörigkeit oder unsere Familienbeziehungen, sondern unsere Taten, und das gilt für jeden. Die Leistung jedes Einzelnen wird vom allmächtigen Gott bewertet werden.“
Und Sproul weiter: „Ich höre die Christen protestieren: Sagt die Bibel nicht, dass wir als Christen vom Gericht zum Leben übergegangen sind, dass es für uns keine Verurteilung gibt?“
Antwort: Ja, die Bibel lehrt dies für diejenigen, die in Christus sind. Aber auch der Christ muss sich dem Urteil der Bewertung seines Lebens stellen. Alle werden vor Gott stehen. Wir werden nach unseren Taten beurteilt werden.
Und das ist im Übrigen so: Nicht nur die bösen Taten häufen sich an und der Zornspeicher Gottes wird wachsen, sondern auch der, der an Christus glaubt und auf dem Weg der Gerechtigkeit ist und in Christus gute Taten tut, wird registriert. Dann wirst du im Preisgericht Gottes auch einen Lohn empfangen. Halleluja, das war ein kleiner Spoiler.
Die zwei Gruppen am Tag des Gerichts
Wir haben zunächst vier Punkte betrachtet: Erstens den Tag des Zorns, zweitens die Befreiung vom Zorn durch Christus, drittens die Tatsache, dass wir nach unseren Werken gerichtet werden, und viertens die Erkenntnis, dass es nur zwei Kategorien von Menschen gibt.
Im Zusammenhang mit dem Tag des Zorns und des gerechten Gerichts Gottes lernen wir, dass Gott bei seinem Urteil nur zwei Gruppen von Menschen kennt: die Erlösten und die Unerlösten. In unserer heutigen gesellschaftlichen Sprache würde man sagen, Gott ist nicht „politisch korrekt“ – Vielfalt gibt es bei ihm nicht. Bei Gott gibt es ausschließlich zwei Gruppen: die Erlösten und die Unerlösten.
Die erste Gruppe, die Erlösten, stellt Gott uns in den Versen 7 und 10 vor. Diese Verse bilden gewissermaßen die äußere Klammer um die folgenden Verse. In Vers 7 heißt es: „Denn die, die mit Ausdauer im Wirken des Guten Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, ewiges Leben.“ In Vers 10 wird ergänzt: „Aber Herrlichkeit und Ehre und Friede jedem, der das Gute tut.“ Hier sind die Menschen gemeint, die Jesus Christus ihr Leben lang vertrauen und an ihn glauben.
Diese Menschen werden von Gott auf einen neuen Weg gestellt, wie es auch Psalm 1 zeigt – den Weg des Gerechten, der nicht ins Verderben gerät. Was zeichnet diese Menschen aus? Sie führen ihr Leben durch den Glauben an Christus und tun Gutes. Nicht, um Gott zu überzeugen, sondern weil sie infolge ihres Vertrauens auf Christus auf einen neuen Weg gebracht wurden.
Sie haben eine dreifache Motivation, die im Vers 7 beschrieben wird: Sie erstreben Herrlichkeit, Ehre und ewiges Leben. Was bedeutet Herrlichkeit für einen Christen? Du kennst es selbst: Du strebst nach Herrlichkeit, aber nicht nach Selbstherrlichkeit. Mit der Herrlichkeit ist die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi gemeint. Das heißt, du strebst danach, immer mehr in das Bild Jesu verwandelt zu werden. Die Herrlichkeit Gottes wird im Leben des Gläubigen widergespiegelt.
Du erstrebst also nicht nur Herrlichkeit im Sinne von Christusähnlichkeit, sondern auch Ehre. Auch das ist dir als Christ vertraut: Nicht die Ehre deiner Person, keine Selbstzentriertheit, sondern die Zustimmung Gottes ist gemeint. Du sehnst dich nach der Ehre Gottes, während die Welt dich verachtet. Alles, was du hören möchtest, ist: „Recht so, du guter und treuer Knecht, geh ein zur Freude deines Herrn.“ Das ist es, was du erstrebst: Herrlichkeit und Ehre bei Gott.
Außerdem erstrebst du ewiges Leben – die Auferstehungshoffnung des Christen. Der Christ sucht nicht nach Hoffnung in diesem Leben, sondern in dem kommenden. Das ist es, was diese eine Gruppe auszeichnet: Sie haben eine völlig neue Ausrichtung. Aufgrund ihres Glaubens an Christus vollbringen sie gute Werke, die Gott zuvor für sie bereitet hat.
Paulus sagt nicht, dass diese Menschen ihre Erlösung durch ihre guten Taten verdienen. Sie haben Christus im Glauben angenommen und besitzen nun ein verändertes Streben. Sie erstreben Herrlichkeit, Ehre und ewiges Leben. Sie sind durch die Gnade Gottes gerettet, und ihr Leben wird durch diese Gnade verwandelt. Ihre Wünsche sind anders als zuvor und auch anders als die der Welt. Ihr Leben unterscheidet sich von dem der Welt.
Was ist der Lohn dieser Menschen? Nicht nur, dass sie vom Zorn Gottes bewahrt sind, weil Christus ihn für sie getragen hat. Der Lohn ist ewiges Leben. In Vers 10 heißt es: „Herrlichkeit und Ehre und Friede“ – das ist ihr Lohn bei Gott und in ihrem Herzen.
Und was ist mit der anderen Gruppe? Sie wird in den Versen 8 und 9 beschrieben. Diese Menschen machen weiter, sie verharren in ihrem Elend. Dabei häufen sie sich immer mehr Zorn an.
In Vers 8 heißt es: „Denen aber, die selbstsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, dagegen der Ungerechtigkeit gehorchen, ist Grimm und Zorn ihr Lohn.“ Weiter heißt es: „Drangsal und Angst ist ihr Lohn über jede Menschenseele, die das Böse vollbringt.“ Ihr grundlegendes Streben ist egoistischer Ehrgeiz. Wenn sie sich um Gott sorgen, dann nur, um ihn als Mittel zum Zweck zu benutzen – damit Gott ihnen hilft, das zu bekommen, was sie wollen.
Wodurch wird ihr Leben gekennzeichnet? Sie sind Menschen, die nicht der Wahrheit gehorchen, sondern der Ungerechtigkeit. Was ist ihr Ende? Trübsal, Not, Drangsal, Zorn und Grimm.
Die Aufforderung zur Selbstprüfung und Zusammenfassung
An dieser Stelle, ihr Lieben, ist es Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen. Es gibt also nur zwei Gruppen von Menschen bei diesem Zorngericht, zumindest in den Augen Gottes. Zu welcher Gruppe gehörst du? Das ist die Frage heute Morgen. Du kannst dich selbst prüfen, indem du dir die Frage stellst: Was wünsche ich eigentlich? Was sind meine Motivationen im Leben?
Sind sie egozentrisch und auf mich gerichtet? Lehne ich Gott ab? Was wünsche ich? Was motiviert mich? Worauf richte ich meine Hoffnung? Suche ich meine Hoffnung in der Herrlichkeit, also in der Veränderung hin zum Bild Jesu? Oder spielt das überhaupt keine Rolle für mich?
Jetzt ist der Moment, in dem wir uns prüfen: Zu welcher Gruppe gehören wir?
Fassen wir zusammen: Am Tag des Gerichts, des gerechten Zorns Gottes, werden Taten berücksichtigt. Der Urteilsspruch Gottes erfolgt aufgrund von Werken. Unsere Werke sind böse. Deshalb verdienen wir den gerechten Zorn.
Es gibt Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus. Er hat durch seinen aktiven und passiven Gehorsam das Gebot und die Gesetze Gottes erfüllt. Nur er hat gute Werke vorzuhalten, die im Gericht Gottes Bestand haben.
Unsere Taten fallen ins Gewicht, und wir werden sogar nach unseren Taten belohnt werden. Aber sie sind nicht die Grundlage unserer Errettung. Dennoch folgen uns gute Werke. Wir können nicht an Jesus glauben und gleichzeitig auf dem Weg der Spötter bleiben.
Auf der einen Seite sind wir vollkommen aus Gnade erlöst. Selbst der Glaube ist ein Geschenk. Zur gleichen Zeit setzt Gott uns auf den Weg der Gerechten. Auf diesem Weg tun wir gute Werke. Wir streben nach Herrlichkeit, das heißt nach Christusähnlichkeit. Wir streben nach Ehre, dem Wohlgefallen Gottes, und wir streben nach dem ewigen Leben.
Wir setzen unsere Hoffnung nicht mehr auf das Diesseits, sondern auf Gott und den Himmel.
Es gibt Menschen – und das haben wir auch gelernt – die verachten die Langmut Gottes. Und es gibt auch Menschen, die hoffen am Ende doch noch auf einen Kompromiss, den sie am Tag des Zorns aushandeln können. Doch den wird es nicht geben. Denn unser Text lehrt uns eindeutig: Gott ist vollkommen unparteiisch.
Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Alle nämlich, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen. Und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden (Römer 2,11-12).
Also, ob du sagst: „Ich bin christlich nicht sozialisiert, ich konnte das ja alles gar nicht wissen“ oder ob du christlich sozialisiert bist und es eigentlich wissen könntest – du wirst dich aus der Nummer nicht herausreden können.
An dem Tag, wenn Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, wird deutlich, dass auch wir nichts vor Gott verbergen oder geheim halten können. Er sieht alles. Niemand kann sich herausreden, denn das Werk des Gesetzes ist in ihre Herzen geschrieben, was auch ihr Gewissen bezeugt.
Niemand kann diesem Urteil entkommen. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass wir uns bei Jesus Christus bergen. Dass wir an ihn glauben, ihm vertrauen, ihm unsere Schuld bringen und sagen: „Herr, werde auch du meine Gerechtigkeit.“
Dann hast du ein Leben in Hoffnung und Zuversicht. Du kannst dem Tag des Herrn voller Freude entgegensehen, weil dort offenbar wird, dass Christus genug ist. Er hat bezahlt, und du wirst in Ewigkeit bei ihm sein. Halleluja, Amen.
Herr Jesus, wir danken dir von ganzem Herzen, dass wir das hier so in deinem Wort vorfinden. Es ist ein Geschenk deiner Langmut und Gnade, dass du uns zeigst, was uns erwartet. Das macht alles Sinn. Wir sehen das und werden überführt von der Wahrheit deines Wortes.
Ich möchte dich von Herzen bitten, dass wir, die wir hier versammelt sind und diese Predigt hören, dieses Wort aus deiner Bibel lesen, nicht in unserer Verstockung verharren. Sondern dass wir durch die Langmut, Barmherzigkeit und Güte Gottes zur Buße geleitet werden und uns auch leiten lassen.
Dass wir den Widerstand aufgeben, uns ergeben und sagen: „Herr, nimm mein Leben, nimm meine Schuld, nimm meine Übertretung und mach du mich rein.“
Zur gleichen Zeit danken wir dir auch für das mächtige Erlösungswerk, Herr Jesus, das du am Kreuz vollbracht hast. Du hast dieses Zorngericht über dich ergehen lassen, damit es uns nicht mehr trifft.
So viele Aspekte in dieser Predigt – Herr, wirke du sie an unseren Herzen lebendig, was du lebendig haben möchtest. Hilf, dass wir das jetzt nicht nur hören, wie der Text es sagt, sondern dass wir auch Täter deines Wortes werden.
Dass wir in den guten Werken zunehmen, da wir doch aus Gnade erlöst sind. Hilf uns in der Nachfolge, dass wir zu deiner Ehre leben. Amen.