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Ermahnt und ermutigt einander

Von der Fürsorge zur Seelsorge, Teil 2/3
12.02.20171. Thessalonicher 5,9-24
SERIE - Teil 2 / 3Von der Fürsorge zur Seelsorge
Wie kann echte Seelsorge in der Gemeinde aussehen? Die Botschaft: Ermahnt und ermutigt euch gegenseitig – aber immer mit Jesus im Fokus! Warum ist es so wichtig, geistliche Autorität anzuerkennen? Und wie sprechen wir konkrete Herausforderungen an, ohne Menschen zu verletzen? Entdecke, wie Freude, Gebet und Dankbarkeit dein Leben verändern können – und warum du die Kraft Gottes für Wandel brauchst. Wie gelingt es, dass Ermahnung nicht nur Kritik bleibt, sondern zu echtem Wachstum führt?

Einführung in die Predigtreihe und das Thema der Seelsorge

Ja, ihr seht es hinter mir: Von der Fürsorge zur Seelsorge – das ist immer noch die Predigtreihe, in der wir aktuell unterwegs sind. Ihr könnt dieses Bild hoffentlich nächste Woche auch im Internet sehen. Dann wird es nämlich in unserer Mediathek als Bild für diese Predigtreihe zu finden sein.

In dieser Predigtreihe schauen wir uns verschiedene Verse im Neuen Testament an, die über Seelsorge sprechen und in denen das Wort „einander“ vorkommt. Deshalb handelt es sich um eine Predigtreihe über das „einander stellen“. Mit dieser Predigtreihe möchten wir deutlich machen, dass Basisseelsorge in der Gemeinde normal sein sollte. Es sollte ganz selbstverständlich sein, miteinander seelsorgerlich zu sprechen.

Das heißt, es sind nicht nur die benannten Seelsorger in einer Gemeinde, die für Gespräche zur Verfügung stehen. Vielmehr sollte jeder Christ in der Lage sein, mit jemand anderem aus der Gemeinde ein Gespräch zu führen. Ziel ist es, den anderen auf dem Weg mit Jesus zu ermutigen oder – wenn nötig – auch zu ermahnen. Dabei versuche ich, einen bestimmten Weg zu zeigen, also ich ermutige, in eine gewisse Richtung zu gehen.

An diesem Wochenende findet außerdem das Training für Mitarbeiter statt. Dort geht es um das Thema Jüngerschaft und Lehren in der Gemeinde. Bei „Lehren“ war einer der Schwerpunkte, mit dem wir uns vor allem gestern Abend beschäftigt haben, auch methodischer Art: Wie bringe ich gewisse Dinge rüber? Wie vermittelt man Lehre?

Deshalb möchte ich heute Morgen ergänzend etwas zum Inhalt bringen, also dazu, was ich inhaltlich auch rüberzubringen versuche. Das ist immer ganz schwierig, wenn man zwei Ziele in einer Predigt unter einen Hut bringen soll. Ich habe es versucht – ob es gelungen ist, müsst ihr dann beurteilen.

Grundlegende Ausrichtung der Predigt: Ermahnen und Ermutigen

Die Predigt habe ich mit dem Satz überschrieben: „Ermahnt und ermutigt einander“. So lautet auch der Titel der Predigt.

Zu Beginn möchte ich einen Text lesen, der im ersten Thessalonicherbrief, Kapitel 5, Verse 9 bis 24 steht. Diesen Text werde ich ab Vers 9 vorlesen.

Dort heißt es: „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben. Deshalb ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut. Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die anerkennt, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen, und dass ihr sie ganz besonders in Liebe achtet um ihres Werkes willen. Haltet Frieden untereinander!

Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle. Seht zu, dass niemand einem anderen Böses mit Bösem vergilt, sondern strebt allezeit dem Guten nach, gegeneinander und gegen alle. Freut euch allezeit! Betet unablässig! Sagt in allem Dank, denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.

Den Geist löscht nicht aus, Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest, und von aller Art des Bösen haltet euch fern. Er selbst aber, der Gottesfrieden gibt, heilige euch völlig und vollständig. Möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

Treu ist der, der euch beruft; er wird es auch tun.“

Ich habe diesen Text in drei Abschnitte aufgeteilt. In Vers 9 bis 10 geht es darum, einander zu ermahnen und zu ermutigen, indem ihr auf Jesus zeigt.

In Vers 11 bis 13 liegt der Schwerpunkt darauf, einander zu ermahnen und zu ermutigen, indem ihr geistliche Autorität anerkennt.

Und schließlich zeigt uns Vers 14 bis 24, wie man praktisch ermahnt und ermutigt.

Deshalb habe ich diese Verse mit dem Satz überschrieben: „Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr konkrete Bereiche ansprecht“, denn genau darum wird es dort gehen.

Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr auf Jesus zeigt

Zunächst einmal die ersten beiden Verse sowie die Verse neun und zehn: Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr auf Jesus zeigt.

Mit dem Ermahnen ist es so eine Sache. Die einen fällt das Ermahnen relativ schwer, weil sie sehen, dass sie dort Verantwortung tragen. Andere ermahnen, weil sie Recht haben wollen oder eine bestimmte Entwicklung in der Gemeinde stoppen möchten. Sie sehen sich als Propheten, die das jetzt tun. Manche laufen sogar mit dem T-Shirt herum, auf dem steht: „Ich bin dagegen.“ Daraus beziehen sie natürlich auch ihren Wert.

Wenn ich den anderen ermahne und mich dabei gut fühle, dann muss ich meine Motivation hinterfragen. Deshalb finde ich es wichtig zu sehen, wie Paulus hier ermahnt. Paulus schaut auf Jesus. Das muss ich mir bewusst machen: Ich folge nicht in erster Linie einer Lehre, auch wenn ich natürlich mit Lehre zu tun habe, sondern in erster Linie folge ich einer Person.

Wir waren gestern beim TFM und haben uns mit Lehren beschäftigt. Wenn ich eine Gemeinde lehre, dann muss es mein Ziel sein, dass meine Zuhörer noch mehr über Jesus staunen und ihn noch mehr lieben. Dieses Ziel muss jede Ermahnung und auch jede Lehre in der Gemeinde haben.

Als Menschen stehen wir immer in der Gefahr, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Wir lassen uns oft nur noch von unserem Umfeld und von der Welt, in der wir leben, bestimmen und beeindrucken. Diese zwei Lebenseinstellungen, die ich versucht habe jetzt in einem Satz kurz zusammenzufassen, kann man mit den Fremdwörtern Humanismus und Säkularismus bezeichnen. Das sind zwei Dinge, die einer Gemeinde und auch meinem persönlichen Leben sehr gefährlich werden können.

Der Humanismus stellt nämlich den Menschen in den Mittelpunkt. Diese Einstellung hat in unserer Welt viel Gutes bewirkt. Es sind viele karitative Initiativen entstanden, aus humanistischem Gedankengut. Aber, und das darf man nicht übersehen, diese Einstellung stiehlt Gott die Ehre. Im Humanismus ist das höchste Ziel das Wohl des Menschen und mein Wille. Deswegen ist es im Grunde genommen nichts anderes als Anbetung des Menschen.

Wir sind aber als Menschen geschaffen, um Gott anzubeten. Das ist das Ziel, das Gott uns mitgegeben hat: ihm die Ehre zu geben. Wenn Jesus nicht mehr meine Nummer eins ist, wenn er mich nicht mehr erfüllt, dann muss ich mein Leben eben mit den Abfällen füllen, die mir so auf dem Lebensweg angeboten werden. Dann wühle ich in den Lebensmülltonnen nach etwas Ehre, nach etwas Macht, nach etwas Geld und Beziehungen oder was auch immer. Doch ich bleibe hungrig.

Das ist einmal der Humanismus. Das andere, was ich nannte, ist der Säkularismus. Das ist so das zweite Gift für mein Leben mit Jesus. Ich benehme mich so, als ob ich für immer auf dieser Erde bleiben würde. Jeder weiß, dass das nicht stimmt, aber ich tue so, als ob es so wäre. Mein Denken dreht sich nur noch um diese Erde. Natürlich rede ich manchmal vom Himmel, aber in Wirklichkeit hat er keine Relevanz in meinem Leben. Er spielt keine Rolle, weil mein Denken sich nur noch um diese Erde dreht.

Weil diese Lebenseinstellungen meinen Blick auf Jesus vernebeln, ist es so wichtig, dass Paulus in den Versen, die wir gelesen haben, uns ermahnt: „Gott hat dich vom Zorn gerettet.“ So lesen wir es ja in Vers neun. Ich glaube, ich kann mir gar nicht vorstellen, was das eigentlich bedeutet, was dieser Satz bedeutet.

Wenn ich Christ bin, hat Gott mich vom Zorn gerettet. Es gibt nichts, was schrecklicher ist als der Zorn Gottes. Hier geht es nicht darum, dass ich vielleicht ein Leben lang in irgendeine Verbannung geschickt werde. Hier geht es darum, dass ich in Ewigkeit von Gott getrennt bin. Es geht darum, dass es kein Zurück gibt, dass ich an dem Ort bleibe, der schrecklicher ist als alle Horrorfilme dieser Welt zusammen ihn beschreiben könnten.

Damit ich nicht an diesem Ort sein muss, damit ich nicht in der Hölle sein muss, hat Gott seinen Sohn auf diese Erde geschickt. Deshalb ist Jesus Mensch geworden. Er ist für mich gestorben. So lese ich es in Vers zehn: Jesus hat mit seinem Leben für meine Schuld bezahlt, damit ich eine Beziehung zu Gott bekommen kann.

Wenn ich Gott meine Schuld im persönlichen Gebet bringe und ihn um Vergebung bitte, dann will er mir diese Vergebung schenken. Wenn ich sage: „Herr Jesus, ich bin ein Sünder, bitte vergib mir meine Schuld“ und wenn ich sie konkret benenne, dann darf ich wissen, dass er wirklich diese Schuld auslöschen will. Ich stehe nicht mehr unter dem Zorn Gottes.

Das ist der Weg, Gottes Heil zu bekommen. Das kann ich mir aber nicht erarbeiten. Gottes Heil bekomme ich geschenkt oder ich bekomme es gar nicht. Paulus macht hier deutlich: Gott hat in Jesus gehandelt. Ich muss nur noch zugreifen, ich muss nur noch Danke sagen.

Wenn Paulus hier vom Heil redet, meint er natürlich, dass ich eine neue Beziehung zu Gott bekomme. Aber Heil ist noch mehr. Es geht darum, dass ich durch diese Beziehung zu Jesus auch in anderen Lebensbereichen heil werde. Ich kann mit lebensbestimmenden Ängsten besser umgehen. Traumatische Erfahrungen verlieren ihre bleibende Dominanz in meinem Leben. Süchte können mich nicht mehr willkürlich bestimmen. Mein unbiblisches Denken und Handeln wird durch Gottes Kraft und durch sein Wort immer wieder korrigiert.

Hier ist Heilwerden nicht nur eine Sache von einem Tag oder von einem Schritt zu Jesus. Heilwerden ist ein Prozess. Das Heil liegt in Jesus, es liegt nicht in mir. Deshalb ist Seelsorge in letzter Konsequenz auch immer: Ich bringe einen Menschen zu Jesus. Er kann mir helfen, entweder mit dieser Situation besser umzugehen, oder er ist sogar in der Lage, mir diese Situation abzunehmen. Er hat die Macht, die Situation zu verändern.

Um noch einmal auf das TFM zurückzukommen: Wenn ich biblische Inhalte lehre, dann muss ich mich immer wieder fragen, ob das, was ich jetzt meinen Zuhörern sage, ihnen auch wirklich Mut macht. Ob sie begreifen: Ich bin dazu bestimmt, dieses Heil in Jesus zu erfassen. Ich bin dazu bestimmt, in einem bestimmten Bereich in meinem Leben heil zu werden, auch wenn ich die alten Wunden immer noch spüre.

Jesus ist für mich gestorben, sagt Paulus in Vers zehn, damit ich vom Zorn Gottes gerettet werde. Auch wenn diese Aussage stimmt, steht sie nicht in unserem Text. Das steht da nicht. Dort steht: Jesus ist für mich gestorben, damit ich zusammen mit ihm lebe.

Es geht also nicht nur darum, dass ich vom Zorn gerettet bin – so unglaublich und so atemberaubend das auch ist. Es geht darum, dass ich in einer Beziehung mit Jesus leben soll. Das ist das Ziel seines Todes.

Das heißt hier: Ob ich wache oder ob ich schlafe – diese Bibelstelle wird diskutiert. Ich glaube nicht, dass Paulus hier nur Tod und Leben meint. Ich glaube, dass er es wirklich buchstäblich meint: Ob ich wache oder schlafe, ich will mit Jesus leben.

Dann geht es mir darum, meinen Alltag mit Jesus zu gestalten. Das heißt, den Herrn Jesus in meine Entscheidungen zum Beispiel mit hineinzunehmen, mit ihm meine Freude zu teilen, aber ihm auch meine Sorgen zu sagen. An seine Versprechen mehr zu glauben als an meine Möglichkeiten – das heißt es, mit ihm zu leben.

Dazu soll auch jede Lehre in der Gemeinde helfen, sei es der Kindergottesdienst, die Predigt, die Gemeindebibelschule oder spezielle Seminare. Das soll letztendlich das Ziel sein.

Lehre in der Gemeinde hat immer das Ziel, intensiver mit diesem Herrn zu leben, der für mich gestorben ist. Deshalb ermahnt und ermutigt einander, indem ihr auf Jesus zeigt, indem ihr Jesus immer wieder groß macht, indem ihr über ihn nachdenkt und ihn anbetet.

Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr geistliche Autorität anerkennt

Dann geht Paulus in den nächsten Versen, in Vers elf bis dreizehn, auf ein Problem ein. Ich glaube, das hatten nicht nur die Thessalonicher. Die Worte von Paulus sind schon sehr aktuell, auch heute.

Ich habe es überschrieben mit: „Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr geistliche Autorität anerkennt.“ Das war das Problem der Thessalonicher. Sie hatten Schwierigkeiten, geistliche Autorität anzuerkennen.

Bevor Paulus jedoch darauf eingeht und sie dahingehend ermahnt, sagt er ganz grundsätzlich: Ermahnt und erbaut einander, also ermutigt euch. Das ist ein ganz grundlegendes Prinzip.

Das ist auch für meinen biblischen Unterricht wichtig, wenn ich in der Gemeinde lehre. Ich muss immer wieder biblische Prinzipien zeigen und sie dann auf konkrete Lebensbereiche anwenden.

Ein Prinzip ist zum Beispiel: Gott achtet Privateigentum. Wenn ich das Buch Dritte Mose lese, merke ich das. Das ist so, und dann wende ich es sehr konkret an. Oder ein weiteres Prinzip Gottes lautet: Der Erfolg rechtfertigt nicht die Mittel. Deshalb bekommt Mose Ärger mit Gott, auch wenn aus dem Felsen Wasser kommt. Er hätte zu dem Felsen sprechen sollen, ihn nicht schlagen, so wie Gott es gesagt hat.

Beim Lehren ist es also immer wieder wichtig, Prinzipien herauszuarbeiten und aufgrund dieser Prinzipien zu ermahnen. Das Prinzip, über das Paulus hier spricht, heißt: Du sollst geistliche Autorität anerkennen.

Geistliche Autorität hat manchmal, aber nicht immer, etwas mit meiner Stellung in der Gemeinde zu tun. Manchmal ermahnt mich jemand, und ich merke, dass es Gott selbst ist, der jetzt seinen Finger auf meine Wunde legt. Die Frage ist dann: Wie gehe ich damit um? Schlage ich um mich oder gehe ich in mich?

Das Problem hier war, dass die Leute um sich geschlagen haben. Deshalb redet Paulus davon, dass er sie zurechtweist. Das Wort bedeutet im eigentlichen Sinn „ernstlich ermahnen“. Schade, dass sie sich hier anscheinend zunächst nichts haben sagen lassen. Damit haben sie sich selbst in ihrem Wachstum ausgebremst.

Wenn sie auf Gottes Reden, das durch andere Christen zu ihnen kommt, nicht eingehen, dann ist das hinderlich. Paulus sagt hier: „Erkennt die an, die unter euch arbeiten.“ Wenn es da kein Problem gegeben hätte, hätte dieser Satz überhaupt keinen Sinn. Das heißt, sie hatten Mühe, diese Leute anzuerkennen.

Wahrscheinlich gab es, wenn man diese Sätze liest, schlicht und ergreifend Stress in der Gemeinde. Christen haben sich gestritten – das gibt es auch. Wenn Paulus sagt: „Haltet Frieden“, dann sagt er das nicht einfach nur so. Der Friede war gefährdet.

Das war nicht nur hier in Thessalonich so. Das finden wir zum Beispiel auch in Philippi. Dort waren es Euwodja und Syntiche, die sich in die Haare bekommen hatten. Auch da ruft Paulus dazwischen und sagt: „Haltet Frieden!“ Dort sagt Paulus sogar wörtlich: „Ich ermahne euch, dieselbe Gesinnung zu haben im Herrn.“

Diese beiden Frauen haben anscheinend auf Paulus gehört – nicht am Anfang, aber dann haben sie seine geistliche Autorität anerkannt. Das sage ich mir jetzt sehr persönlich: Ich bin gut beraten, die anzuerkennen, die mir im Herrn vorstehen. Auch die, die sich ein Herz gefasst haben, mich auf etwas hinzuweisen, weil Gott selbst es ihnen aufs Herz gelegt hat.

Ermahnung ist Korrektur, um nahe bei Jesus zu bleiben. Ich bin ziemlich dumm, wenn ich dieses Coaching in den Wind schlage, auch wenn ich spüre, es geht vielleicht um Rechthaberei, die den anderen bewegt, mir seine Meinung zu sagen. Trotzdem ist es wichtig, über diese Worte nachzudenken, ob sie nicht vielleicht doch berechtigte Kritik enthalten.

Davon kann ich nur lernen. Kritik macht mich entweder besser oder bitter. Das ist ein Stück weit meine Entscheidung, was Kritik in meinem Leben bewirkt.

Paulus nennt zunächst das Prinzip, und jetzt kommt er zum Konkreten. Ermahnung ist bei ihm sehr konkret und zeigt sich an einem beschreibbaren Verhalten. Das spreche ich eben auch konkret an: dieses beschreibbare Verhalten.

Zum Beispiel sage ich dann: „Du, das hat mich jetzt echt verletzt, dass du zu mir gesagt hast: ‚Hast du deinen Pullover im Sperrmüll gefunden?‘“ Oder ich sage zu jemandem ganz ernst: „Wenn du mir erzählst, dass du schon drei Wochen deine Bibel nicht mehr gelesen hast, dann bist du doch geistlich krank. Wie kann ich dir helfen, dass das in deinem Leben anders wird?“

Das ist sehr konkret. Auch für den Unterricht ist es sehr wichtig, in der Praxis anzukommen. Ich muss Zuhörer, die im Unterricht zuhören, aus ihrem Alltag mitnehmen und sie wieder in den Alltag hineinführen.

Deshalb wird Paulus ab Vers 14 sehr praktisch.

Ermahnt und ermutigt einander, indem ihr konkrete Bereiche ansprecht

Und deswegen lautet meine Überschrift hier: In Vers 14 ermahnt und ermutigt Paulus einander, indem er konkrete Bereiche anspricht. Er beginnt in Vers 14 mit dem Satz „Wir ermahnen“. Im Grunde genommen könnte Paulus diese zwei Worte vor jeden Vers schreiben, den er jetzt nennt. Er könnte schreiben: „Wir ermahnen, betet unablässig“, „Wir ermahnen, sagt Dank“. Vielleicht war das Papier nicht so lang, dann hat er sich das gespart. Aber man könnte das immer wieder dazudenken.

Was ich hier sehr spannend finde, ist, dass Paulus nicht nur die Ermahnung selbst im Blick hat. Ihm geht es vor allem um die Menschen, zu denen er redet, denn die Menschen sind nicht alle gleich. Deswegen sah Paulus auch Ermahnung sehr verschieden aus, je nachdem, zu wem er gesprochen hat. Das ist auch beim Unterricht so. Ich habe dasselbe Prinzip, das ich erkläre, aber ich muss es auf verschiedene Situationen übertragen, je nachdem, wer vor mir sitzt.

Also sagt Paulus hier zunächst einmal: Weise die Unordentlichen zurecht. Wörtlich steht hier für Unordentlichen „ataktos“. Das verstehen wir als diejenigen, die aus dem Takt gekommen sind, die ohne Taktgefühl leben. Paulus sagt, denen musst du ganz schön auf die Füße treten, damit sie wieder in den Takt kommen. Wenn du mit Menschen zu tun hast, die ataktos sind, dann weißt du aus Erfahrung, dass es ziemlich Kraft kosten kann, sie zu überzeugen, ihren Lebensstil zu verändern. Denn ein Ataktos weiß in der Regel sehr genau, was gut für ihn und seine Faulheit ist. Das war der Hintergrund hier in Thessalonich.

Dann gibt es aber noch andere, nicht nur die Unordentlichen, sondern auch die, die schnell den Mut verlieren, die Kleinmütigen. Mit den Kleinmütigen muss ich anders umgehen. Die soll ich trösten, denen soll ich Mut machen. Der Schwerpunkt ist ein anderer, aber das Ziel ist gleich: Sie sollen wieder den Mut bekommen, sich an Jesus zu hängen. Das will ich auch bei den Unordentlichen erreichen, aber dazu müssen sie erst einmal wieder in den Gleichschritt mit dem Herrn Jesus kommen. Das ist mal der erste Schritt.

Dann redet Paulus noch von den Schwachen, die liegen mehr auf der Nase, als dass sie laufen. Vielleicht ist das ein bestimmter Lebensabschnitt, das kann es auch sein, wo es mir gar nicht gut geht. Manchmal ist es auch Teil meiner Persönlichkeit. Paulus sagt, es ist so wichtig, dass ihr die Schwachen tragt. Und dann sagt er noch, dass ihr langmütig seid. Das ist Geduld im Blick auf Menschen, also dass ihr Geduld habt. Das gilt auch für die anderen beiden Gruppen hier, also für die Ataktos und für die Kleinmütigen.

Bleibende Veränderung im Leben von Menschen braucht Zeit. Sie passiert in der Regel nicht von heute auf morgen, auch nicht bei mir. Ich darf da auch nicht ungerecht sein. Ich lerne über Jahre etwas, und das erwarte ich bei dem anderen mindestens innerhalb von Wochen, und wenn ich ganz viel Zeit gebe, einen Monat. Das muss passen.

Was wir von Paulus lernen können, ist – und das fand ich interessant – das habe ich das erste Mal in diesem Vers oder in diesem Abschnitt entdeckt: Er spricht hier sieben Bereiche sehr konkret an und ermutigt damit die Thessalonicher, sich von Gott verändern zu lassen. Oder er sagt ihnen, sie sollen auf diesem veränderten Weg bleiben, den sie in der Kraft des Heiligen Geistes schon eingeschlagen haben.

Deswegen ist es wichtig, dass wir konkret ermahnen und nicht um den Brei herumreden. Das ist in unserer Kultur sogar einfacher als in anderen Kulturen. Das macht es manchmal schwierig, auch mit Deutschen umzugehen. Ich höre immer wieder, dass man sie als Oberlehrer der Nationen einstuft. Ja, aber innerhalb von Deutschland kannst du das auch machen, du kannst sehr direkt Dinge ansprechen.

Jetzt hören wir mal zu, wie Paulus hier ermahnt. Er sagt: Vergelte niemand Böses mit Bösem. Das ist seine erste Ermahnung. Meine natürliche Reaktion ist anders. Wenn mir jemand Böses tut, dann denke ich in der Regel – ganz ehrlich – darüber nach, wie ich ihm Böseres tun kann. Natürlich, damit er mir nicht mehr Böses tut. Das ist ja mein gutes Ziel.

Paulus sagt hier: Lass dich von deiner Aggression nicht beherrschen. Sag ganz deutlich: Nein, ich denke diesen Gedanken jetzt nicht weiter. Ich schaue auf Jesus, und er hat anders gehandelt. Von ihm will ich lernen, eben nicht impulsgesteuert durch den Alltag zu laufen und meinem ersten Impuls zu folgen.

Ermahnung Nummer zwei: Eine interessante Ermahnung. Paulus sagt: Ich ermahne euch, freut euch allezeit. Dann stellt man sich die Frage: Kann man das jemandem ermahnen, dass er sich freuen soll? Offensichtlich ja, sonst hätte Paulus das nicht so geschrieben.

Freude ist auch eine Frage – nicht nur, aber auch – darauf, auf was ich schaue. Wenn ich auf Jesus schaue und über ihn nachdenke, was er mir geschenkt hat, dann ist das ein Weg, um tiefe Freude zu empfinden, auch wenn die äußere Situation sich vielleicht gar nicht geändert hat.

Wenn ich Gottes Gegenwart mitten im Sturm erlebe, dann kann das mehr Freude in mir bewirken, als wenn der Sturm gar nicht da ist. Auch wenn ich mir natürlich wünsche, der Sturm wäre gar nicht da. Ja, das wünscht sich jeder. Aber es ist tatsächlich so, dass Gott mir echten Frieden geben kann.

In einem alten Lied singen wir: „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt.“ Ich bin überzeugt, da ist auch die Freude an diesem Herrn, der mich festhält.

Auch die Ermahnung „betet unablässig“ motiviert mich, ständig mit Jesus im Gespräch zu bleiben. Wir hatten vorhin ja eine super Gruppen-Bibelstunde zum Thema Gebet, wie ich das praktisch machen kann: mit Jesus ständig im Gespräch zu bleiben. Eben nicht nur von meiner Laune abhängig zu sein, auch wenn sie da ist. Auch Männer haben ihre Laune – ja, ihr lacht, es ist so. Aber ich muss dem doch nicht immer folgen. Nur weil sie da ist, muss ich doch nicht das tun, was meine Laune gerne von mir möchte.

Ich darf Jesus das sagen, was mich bewegt im Gebet. Ich muss nicht in Selbstgesprächen und in Selbstmitleid versinken. Ich kann beten. Warum mache ich das so wenig?

Anderen Christen sagt Paulus hier: Sagt doch endlich mal Danke. Weißt du warum? Weil es mir einen Blick schärft für das, was Gott in meinem Leben tut. Sonst sehe ich immer nur das Negative, und das kann sich noch ändern und alles ist Müll. Nein, es gibt doch Dinge, die Gott in deinem Leben tut. Sag ihm dafür doch wirklich mal Danke.

Wenn ich Gott Danke sage, glaube ich, hängt das zusammen: Dann kommt auch Freude über Gottes Handeln in mein Leben. Deswegen hängen Freude, Gebet und Dank zusammen. Ich glaube, dass das hier nicht zufällig in diesem Dreiklang steht.

Paulus wechselt etwas das Thema und sagt: Löscht den Geist nicht aus, dämpft ihn nicht. Wenn ich Sünde in meinem Leben attraktiv finde, wenn ich Sünde in meinem Leben dulde, dann wird Gottes Stimme in meinem Leben stiller werden – die Stimme des Heiligen Geistes. Ich werde die Kraft des Heiligen Geistes nicht mehr so erleben, weil mir mehr und mehr Dinge gefallen, die Gott hasst.

Dann ist es gerade wichtig zu beten: Vater, du siehst, es gefällt mir, meine Ehre zu suchen. Du siehst, es ist so, dass ich der Lüge mehr und mehr glaube, dass ein Leben ohne dich attraktiv sein könnte. Hilf mir neu, dir zu glauben und meinen Hunger bei dir zu stillen.

Das darf ich doch beten. Wir denken immer, wir müssen das jetzt irgendwie alleine lösen. Nein, schau der Versuchung ins Auge, komm und sprich es mit deinem Herrn durch oder geh zu jemand anderem in der Gemeinde und sag: Wir wollen gemeinsam beten, das ist mir jetzt wichtig. Das ist dann Basisseelsorge.

Dämpfe Gottes Geist nicht, rechne mit seiner Hilfe.

Paulus ermahnt vielleicht wieder andere Leute hier in Thessalonich: Weißagungen verachtet nicht, sondern prüft alles und behaltet das Gute. Zunächst einmal ist Weissagung nach 1. Korinther 14,2 Erbauung, Ermahnung und Tröstung. Das sind die Worte, die ich spreche. Auch diese Worte der Weissagung muss ich natürlich mit der Bibel in der Hand prüfen.

Paulus sagt hier seine Ermahnung: Das Gute solltest du behalten – nein, das sollst du behalten.

Als Christ neigen wir dazu, das Schlechte zu sehen, das Schlechte zu entdecken und darüber zu reden. Da sagt der Pastor in der Predigt einen Satz, der mich aufregt. Vielleicht ist der Satz sogar theologisch falsch. Kannst du dir das vorstellen? Da steht er vorne und sagt einen theologisch falschen Satz, und schon ist die ganze Predigt nichts, weil mir nur noch dieser eine Satz durch den Kopf geht.

Ich bin in die Falle des Teufels getreten, der lachend danebensteht, weil ich alles andere vergesse. Und weil ich eben nicht das mache, was Paulus hier schreibt: behaltet das Gute. Das mache ich gerade nicht, sondern ich kaue wie eine Kuh das Schlechte ständig wieder, und es stößt ständig auf.

By the way: Dann darfst du ja zu ihm gehen und sagen: Du, das fand ich schwierig. Der soll ja auch dazulernen, der vorne steht. Aber wenn ich das dann nicht tue, sondern es anderen erzähle und in meinen Chat hineinschreibe, dann helfe ich wenigstens mit, dass auch andere nach dem Motto leben: Prüft alles und redet über das Schlechte.

Es gibt evangelikale Blätter, die leben davon. Und sogar ihre Leser leben davon, immer die schlechten Nachrichten bei den anderen. Aber wisst ihr, was ich mich frage? Wenn ich alles Schlechte von dir weiß und vielleicht sogar von berühmten evangelikalen Persönlichkeiten, bringt mich das einen Schritt auf meinem Weg mit Jesus weiter? Ich wage das zu bezweifeln.

Deswegen glaube ich, ist es eine sehr wichtige Ermahnung, die Paulus hier ausspricht: Prüft die Weissagungen und haltet das Gute fest.

Zum Schluss sagt Paulus: Von aller Art des Bösen haltet euch fern. Das ist schon fast wieder eine prinzipielle Aussage, aber die kann in meinem Leben sehr konkret sein. Da gibt es vielleicht Dinge in deinem Leben, bei denen du dir nicht ganz sicher bist: Ist das korrekt oder ist das nicht korrekt?

Die Entscheidung, die du dann triffst, ist: Ich gehe mal auf Nummer sicher und rede mit niemandem darüber. Ja, dann weiß es keiner, und dann ist auch gut.

Nun ist es so: Du musst nicht mit allem, was dich bewegt, mit jedem in der Gemeinde darüber reden – also bloß nicht. Aber wenn ich Dinge in meinem Leben verstecke und sage, da sollte ich mit niemandem darüber reden, dann stelle ich einfach mal die provozierende Frage: Könnte das etwas sein, was genau unter die Ermahnung des Paulus fällt, der sagt: Von aller Art des Bösen haltet euch fern? Denn wenn das so völlig korrekt ist, warum darf ich denn mit niemandem darüber reden?

Abschluss: Gottes Zuspruch und Ermutigung in der Ermahnung

Ab Vers 23, das seht ihr hier auch, nach diesen sieben Ermahnungen, kommt keine weitere Ermahnung mehr. Ich habe diese Verse sehr bewusst dazugenommen, weil sie dazu gehören. Wenn ich diesen Teil in meiner Ermahnung nicht bringe, dann fehlt etwas sehr Entscheidendes. Diese letzten Verse zeigen, dass die Ermahnung des Paulus nicht so zu verstehen ist: „Jetzt reiß dich mal zusammen und jetzt leb mal dein Leben als Christ.“

Auch wenn Paulus hier sehr konkret geworden ist in diesen sieben Ermahnungen, ist der große Rahmen: „Der Gott des Friedens wird euch heiligen und bewahren, er ist treu und er wird es auch tun.“ Nicht „Ich muss es schaffen.“ Das schiebt Paulus hier nicht von ungefähr hinterher. Ist das nicht super? Dieser Gott schafft dieses Leben in mir, von dem ich gerade gelesen habe.

Wenn ich nicht mit dieser Kraft rechne, wenn ich Gottes Gnade aus dem Evangelium herausnehme, dann bleibt mir nur noch Moral. Und dann wünsche ich dir eine schöne, angestrengte, freudlose Woche. Denn wie willst du anders leben, wenn du nur Moral hast? Das wird dein Leben sein. Woran willst du dich freuen? Dann kannst du dir schon mal gleich den Plan machen, wo du überall in dieser Woche versagen wirst. Und dann streng dich noch mehr an.

Am Schluss rate ich dir: Lies Römer 7. Da ging es dem Paulus auch so. Lies den letzten Satz, wie er das dann gelöst hat. Vergiss das nicht, wenn du eine fröhliche Woche haben willst: Du schaffst das alleine nicht. Und die gute Nachricht ist – ich werde nicht müde, es zu wiederholen – du musst es auch gar nicht schaffen. Der Herr Jesus will sein Leben doch durch dich leben. Du musst dich nur ihm zur Verfügung stellen.

Und das heißt in unserem Kontext, in unserem Text, über den wir heute Morgen gesprochen haben, dass du auf Ermahnung eingehst, dass du dir etwas sagen lässt, dass du deinem Stolz nicht erlaubst, den Heiligen Geist zu dämpfen und ihn zurückzudrängen. Der Heilige Geist hat den anderen Christen motiviert, mich zu ermahnen.

Nicht alles, was andere sagen, muss wahr sein. Und es ist auch nicht generell das Wort von meinem Vater im Himmel, was der andere mir sagt. Aber so hat Paulus uns ermutigt heute Morgen: Ich muss es prüfen.

Um es zu prüfen, sind gute Kriterien hilfreich. Die haben wir auch gelesen: Wenn die Ermahnung und die Ermutigung auf Jesus zeigt, wenn es um ihn geht, wenn es um seine Ehre geht. Manchmal kommt die Ermahnung oder die Ermutigung von Christen, die durch ihr Leben und manchmal auch durch ihre zusätzliche Verantwortung in der Gemeinde eine geistliche Autorität sind und haben.

Dann sollte ich wirklich sehr gründlich betend prüfen, ob hier nicht Gott selbst meinen Weg korrigieren will oder ob er mich vielleicht auch mutigen will, meine Sorgen, meine Zweifel, die mich den ganzen Tag beschäftigen, endlich mal in seine Hand zu legen und zu sagen: „Vater, du kannst es viel besser, und ich bin gespannt, wie du das lösen wirst.“

Und schließlich ermahnt und ermutigt einander, indem ihr konkrete Bereiche ansprecht. Was soll der andere konkret ändern? Worüber soll er nachdenken?

Und das Wichtigste zum Schluss: Gott tritt nicht nur mit einem Anspruch an mich heran, sondern gleichzeitig mit ganz, ganz viel Zuspruch, der ab Vers 23 sehr deutlich wird.

Amen.

Wir wollen es jetzt so machen, dass wir über das, was Gott uns heute Morgen sagen wollte, uns persönlich nachdenken. Du kannst auf dem Platz, auf dem du sitzt, Gott ganz still eine Antwort geben. Benjamin wird dann am Schluss mit uns zusammen beten.