Ja, einen wunderschönen guten Morgen auch von meiner Seite. Das ist für mich jetzt sehr ungewohnt. Ich bin Mats auch dankbar, dass er für das Funktionieren der Technik gebetet hat. Denn heute früh hat natürlich alles, was ich gestern eingerichtet habe, nicht mehr so gut geklappt.
Deswegen bin ich jetzt auch ein bisschen zusammengestaucht. Aber ich hoffe, die Qualität ist für euch in Ordnung und ihr könnt gut mithören.
Herzlich willkommen auch an alle, die sich nur über den YouTube-Link eingewählt haben. Ich freue mich, dass ihr da seid, mit dabei seid und mit uns heute Gottesdienst feiern wollt.
Die aktuelle Lage der Welt und unsere Hoffnungen
Ich möchte zum Einstieg mit uns gemeinsam ein wenig darüber nachdenken, wie es unserer Erde eigentlich geht. Jeder von uns wird auf seine Weise merken, dass vieles nicht so klappt und funktioniert, wie wir es uns gerne vorstellen würden.
Über Krankheiten braucht man gerade im Moment gar nicht so ausführlich zu sprechen. Das ist jedem bewusst. Wir erleben gerade, dass etwas nicht stimmt, dass etwas nicht richtig funktioniert, wenn wir krank werden.
Wir erleben Kriege in dieser Welt, und auch hier würde jeder zustimmen: Das ist nicht das, was wir uns wünschen. Es entspricht nicht unserer Vorstellung von einer guten und schönen Welt.
Wir beobachten, wie Volksgruppen miteinander umgehen. Man braucht nur die zahlreichen Zeitungsartikel zu lesen, um zu sehen, wie Länder gerade miteinander umgehen, wenn es darum geht, Schutzmasten zu besorgen. Da werden Pakete abgefangen, die eigentlich schon bezahlt sind, und so weiter. Es ist ein regelrechter Kampf, bei dem jeder versucht, für sich das Beste herauszuholen.
Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann müssen wir auch zugeben, dass wir Menschen oft nicht so miteinander umgehen, im ganz Persönlichen, wie wir es uns wünschen würden.
Ich bin mir sicher, dass in diesem Livestream gerade genug Leute sind, mit denen ich selbst nicht immer so umgegangen bin, wie ich es eigentlich hätte tun sollen. Vielleicht geht es dir ähnlich. Du weißt, dass es Menschen gibt, mit denen du dich vielleicht gerade nicht treffen kannst, die dir aber wichtig sind. Und mit denen bist du nicht so umgegangen, wie du es hättest tun sollen – so, wie du es dir selbst wünschen würdest.
Wenn wir ehrlich sind, erkennen wir: Vieles läuft nicht so, wie wir es uns vorstellen. Dazu muss man nicht unbedingt ein Pessimist sein. Auch wenn wir viele schöne Dinge erleben, wird doch jeder zugeben müssen, dass es in dieser Welt auch viele Dinge gibt, die nicht so gut laufen.
Die Frage nach einer besseren Zukunft
Und da ist die große Frage: Wird es besser? Kommt irgendwann der Moment, an dem alles gut wird?
Gerade im Moment setzen viele ihre große Hoffnung in die nächste Generation. Diese legt viel Wert auf Gleichberechtigung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Frage ist: Wird sie es besser machen als wir? Als die Generation vor mir? Ich selbst gehöre ja auch noch eher zu den Jüngeren.
Bekommen wir es – oder die Generation nach uns – endlich hin? Wird es dadurch besser werden? Schaffen wir es, mit genug Anstrengung die Lage in den Griff zu bekommen?
Eine weitere Frage ist: Werde ich besser? Oder schaffe ich es zumindest, meine Kinder so zu erziehen, dass sie besser leben und diese Welt zu einem besseren Ort machen?
Wenn wir uns doch alle gemeinsam genug anstrengen, dann muss das doch möglich sein.
Und ich hätte die Frage: Hast du auch Hoffnung, dass eines Tages eine solche Generation kommt, die besser lebt? Hast du Hoffnung, dass die Menschen nach dir, die Generation nach dir, es schaffen, diese kaputte Welt wieder in Ordnung zu bringen?
Die biblische Hoffnung der ersten Generationen
Und wisst ihr was: Wir sind nicht die Ersten, denen es so geht, dass sie ihre Hoffnung auf die nächste Generation setzen. Wir sind nicht die erste Elterngeneration, die hofft, dass eines Tages alles gut wird. Diese Hoffnung hatten schon die ersten Eltern, wie sie uns in der Bibel beschrieben werden.
Diese erste Generation nach Adam hatte allen Grund, Hoffnung zu haben, dass vielleicht mit der nächsten Generation alles gut wird. Ich muss euch vielleicht kurz in den Kontext mitnehmen, falls ihr nicht regelmäßig in unserer Gemeinde zuhört: Adam und Eva lebten laut dem biblischen Bericht in einer perfekten Welt. Eine Welt, die wirklich wunderbar geschaffen war – so, wie wir sie uns heute wünschen und nach der wir uns tief sehnen.
Im Zentrum dieser perfekten Welt stand die Beziehung zu ihrem Schöpfer, zu Gott, der sie geschaffen hatte und diese Welt perfekt und gut gemacht hatte. Solange sie in dieser Beziehung mit ihm lebten, der genau wusste, was am besten für sie war, war auch die Welt perfekt und gut.
Doch wie man im dritten Kapitel der Bibel lesen kann, zerbrach diese Beziehung, weil Adam und Eva Gott ohne jeden Grund misstrauten. Sie rebellierten gegen ihn, wandten sich von ihm ab und zogen damit einen Schlussstrich. Dadurch zerbrach die perfekte Welt, die auf dieser Beziehung zu ihrem Schöpfer aufgebaut war. Adam und Eva dachten, sie könnten es besser, wenn sie nicht auf Gott hörten, mussten aber erfahren, dass sie es nicht konnten.
Daraufhin legte sich ein Fluch über diese Welt, und wir Menschen erleben heute, was es bedeutet, ohne diese Beziehung und ohne die Abhängigkeit von Gott zu leben.
Bevor Adam und Eva diese perfekte Welt endgültig verlassen mussten, bekamen sie jedoch eine Verheißung von Gott. Diese gab ihnen Hoffnung, dass mit einer nachfolgenden Generation vielleicht eines Tages alles wieder gut wird.
Die erste Verheißung und die Frage nach der Erfüllung
Wir schauen uns einen Vers in der Bibel an, nämlich 1. Mose 3,15. Das ist der Vers, in dem eine Hoffnung ausgesprochen wird. Dort heißt es: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau.“
Diese Strafe richtet sich zuerst an die Schlange, also an den Teufel, der hier Eva versucht hat. Genauere Informationen dazu findet ihr in einer älteren Predigt, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Die Schlange erhält also eine Strafe, und gleichzeitig ist in diesem Vers auch eine Verheißung enthalten. Es heißt weiter: „Ich will Feindschaft setzen zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“
Diese Verheißung ist recht nebulös formuliert, doch für Adam und Eva schien klar zu sein, dass irgendwann jemand kommen wird, der es besser machen wird als sie. Jemand, der mit dem Hang, das Schlechte zu tun, umgehen kann – mit dem Hang, nicht so zu handeln, wie es gut und richtig wäre.
Die Frage ist: Wird diese Hoffnung erfüllt? Wie geht die Geschichte weiter?
Die Geburt von Kain und Abel als Hoffnungsträger
Wir können jetzt den nächsten Vers aufschlagen, nämlich im vierten Kapitel, die ersten zwei Verse. Heute werden wir das gesamte vierte Kapitel durchgehen, aber Stück für Stück die Verse.
Schlagt mit mir gerne mal 1. Mose 4,1-2 auf. Dort heißt es: „Und Adam erkannte seine Frau Eva.“ Das ist in der Lutherbibel eine schöne Umschreibung. Es bedeutet, dass sie ein Schäferstündchen zusammen hatten. Das ist hier gemeint, denn sonst hätte das Nächste nicht passieren können.
Sie wurde schwanger und gebar Kain. Eva sprach: „Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des Herrn.“ Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Abel wurde ein Schäfer des Herrn, Kain aber ein Ackermann des Herrn.
Jetzt ist die Geburt von Kain als dem ersten Sohn von Adam und Eva beschrieben. Die Hoffnung ist doch spürbar. Könnt ihr das mitfühlen? Ist dieser Nachkomme derjenige, der die Welt retten kann? Wird er besser leben als Adam? Wird er der Sünde ein Schnippchen schlagen und die Sache in den Griff bekommen?
Ich denke, wenn Eva sagt: „Ich habe einen Sohn geboren“, dann steckt darin ihre Hoffnung. Die Aufgabe ist erfüllt. In 1. Mose 3 hatte sie Schmerzen, wie es verheißen war, wenn sie Nachkommen bekommt. Nun stellt sich die Frage: Hat sich das alles gelohnt? Ist er der Nachkomme, der dafür sorgt, dass alles gut wird?
Wir wollen uns nun anschauen, wie es mit diesem Hoffnungsträger Kain weitergeht. Ob er die Verantwortung für die ganze Menschheit übernimmt und die Situation in den Griff bekommt.
Die Opfergabe von Kain und Abel und die daraus entstehende Spannung
Die Bibel erzählt uns nicht viel über die zwei Brüder. Sie berichtet kaum von ihrem Aufwachsen und auch nichts über ihre Charaktere am Anfang. Stattdessen steigt sie direkt in eine Geschichte ein, die uns eine Antwort darauf gibt, ob Kain wirklich dieser große Hoffnungsträger ist.
Dazu lesen wir die nächsten Verse, die Verse drei bis fünf:
„Und es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes, und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte seinen Blick.“
Kain und Abel sind also auf dem Feld unterwegs und bringen Gott Opfer. Aber warum eigentlich? Wie kommen sie darauf? Das ist eine spannende Frage, die uns der Autor jedoch nicht erklärt. Offenbar ist es für den Punkt, den er setzen will, nicht wichtig. Vermutlich wussten beide – und da gehe ich schwer davon aus, dass sie es von Adam und Eva her kannten – dass ihr Problem in der Beziehung zu Gott lag. Opfer waren seit jeher das gängige Mittel, mit dem Menschen versuchten, diese Beziehung wiederherzustellen.
Scheinbar wollten Kain und Abel die Beziehung zu Gott wiederherstellen oder Gott etwas bringen, damit er wieder freundlich zu ihnen ist. Warum genau sie das taten, wissen wir nicht. Aber sie tun es – und das ist der wichtige Punkt für uns.
Dann passiert etwas Spannendes, das uns allen Schwierigkeiten bereitet: Ein Opfer wird angenommen, das andere nicht. Warum ist das so? Diese Frage brennt uns unter den Fingern. Und das Interessante ist: Der Autor verrät uns hier nicht, warum das eine Opfer angenommen wird und das andere nicht. Er gibt keine Begründung dafür.
Ich möchte diese Frage bewusst offenlassen, weil wir später eine Antwort darauf bekommen werden. Diese Antwort finden wir aber erst im Neuen Testament. Für den Moment wollen wir der Erzählung hier folgen und die Spannung bestehen lassen.
Was wir im Hinterkopf behalten sollten: Die Bibel beschreibt Gott an vielen Stellen als gerecht. Er trifft solche Entscheidungen nicht ohne Grund. Also muss etwas dahinterstecken.
Was aber in der Erzählung wichtig ist: Der Autor geht hier sehr schnell darüber hinweg und baut den Höhepunkt der ganzen Geschichte auf. Die Beziehung zwischen Kain und Gott ist weiterhin nicht in Ordnung – das ist klar. Sein Opfer wird nicht angenommen, und Kain hat weiterhin ein Problem mit Gott.
Doch anstatt sich darum zu kümmern, seine Beziehung zu Gott zu verbessern, wird Kain eifersüchtig auf Abel – weil dessen Opfer angenommen wurde.
Jetzt stellt sich eine spannende Frage, die für uns alle klar ist: Was kann Abel denn dafür? Eigentlich gar nichts, oder? Aber so sind wir Menschen. Wir haben oft selbst ein Problem, suchen aber jemanden, dem wir die Schuld geben können.
So fällt es Kain leicht, Abel die Schuld für seine Situation zuzuschieben. Dabei können wir viel über Gott und Kain nachdenken. Aber seien wir ehrlich zu uns selbst: Kennst du das auch? Du weißt, dass in deinem Leben etwas nicht stimmt. Doch statt die Lösung zu suchen, gibst du jemand anderem die Schuld. Du hast das Gefühl, das Recht zu haben, dich an ihm zu rächen.
Wir Menschen sind gut darin, Gründe zu finden, warum wir ein böses Wort zu jemandem gesagt haben, weil er uns irgendwo verletzt hat. Und wir sind nicht die einzigen – wir alle haben diesen Reflex. Wir schieben die Schuld gerne weiter. Das ist ein klassischer Reflex, den wir alle kennen.
Kennst du das auch, wenn du Schuld weiterschiebst? Ich brauche nur bei meinen Kindern zu schauen. Sie sind unglaublich gut darin, bei Streit sofort zu sagen, dass der andere schuld ist. Das passiert ganz schnell, der Reflex ist von Anfang an da. Ich glaube, er steckt tief in uns allen, dass wir die Schuld gerne bei anderen suchen.
Das Schöne an der Geschichte ist, dass sie diese Spannung offenlässt und noch weiter aufbaut. Wie wird Kain jetzt reagieren? Wird er gut handeln? Wird er anders sein als Adam, der der Versuchung zur Sünde nachgegeben hat? Wird er es besser machen?
Gott baut die Spannung noch weiter auf. Schauen wir uns die nächsten Verse an, in denen Gott weiter spricht.
Gottes Mahnung an Kain und der innere Kampf
Also, es geht hier weiter: Kain und sein Opfer. Gott hat das Opfer nicht gnädig angesehen, weil wohl noch ein Problem bestand. Da ergrimmte Kain sehr und senkte seinen Blick. Es brodelte in ihm – er war sauer.
Da sprach der Herr zu Kain: „Warum ergrimmst du, und warum senkst du deinen Blick? Ist es nicht so: Wenn du fromm bist, kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür und nach dir hat sie Verlangen. Du aber sollst über sie herrschen.“
Spannend, das müssen wir jetzt ein bisschen auseinandernehmen, denn es ist altes Deutsch. Was sagt Gott da? Er sagt im Grunde: Pass mal auf, wenn du richtig lebst, hast du gar keinen Grund, dich zu verstecken, dich zu verbergen, dich klein zu machen oder sauer zu sein und einen Groll im Herzen zu hegen. Dann gibt es keinen Grund dafür.
Und pass auf: Diese Sünde, die dein Vater schon verführt hat – ich nehme hier mal in Klammern mit rein, dass es die Sünde ist, die dieses ganze Elend über uns Menschen gebracht hat – die steht vor der Tür. Sie wartet nur darauf, dass du ihr nachgibst, dass du so handelst, wie sie ruft, wie sie klopft.
Und ich habe einen Job für dich, eine Sache, die du tun sollst, eine einzige Sache: Herrsche über sie! Halte sie einfach unter Kontrolle, besiege sie, krieg das in Griff, sei du der Mensch! Vielleicht bist du der eine Nachkomme, der es in den Griff bekommt, der es besser macht. Kein „Deal with it“ – herrsche über die Sünde.
Und auch hier geht wieder die Frage an dich: Kennst du diese Momente, die dich innerlich zerreißen? In denen alles dich irgendwie treibt, dem innerlichen Gefühl nachzugeben, obwohl du genau weißt, dass es schlecht ist und schadet?
Ein hartes Wort zu einem deiner Liebsten, die dir eigentlich total wichtig sind. Vielleicht eine harte Reaktion, sauer, einfach weil du gerade schlecht drauf bist. Oder die nächste unwiederbringlich verschwendete halbe Stunde mit deinem Smartphone, deinem Fernseher oder was auch immer. Der nächste Klick am PC auf die falschen Seiten, obwohl du genau weißt, dass es nicht gut für dein Leben ist.
Der Klick in der Steuererklärung, um ein paar Ausgaben mehr anzugeben, die du letztes Jahr hattest, obwohl du weißt, dass du sie nicht hattest. Der Griff zur letzten Klopapierrolle im Supermarkt, obwohl du schon zehn Packungen auf Vorrat zu Hause hast und hinter dir jemand ganz dringend eine braucht.
Und dann dieses Anklopfen in deinem Herzen, wo du merkst, dass eine Stimme zu dir spricht: „Tu’s nicht! Kriege es in den Griff!“ Eigentlich weißt du, was richtig ist. Eigentlich weißt du, dass du falsch handelst, wenn du dem nachgibst.
Und es entsteht so ein Kampf, der dich anfängt zu zerreißen.
Sicherlich werden die meisten von uns nicht in der Situation sein wie Kain, der seinen Bruder umbringt. Aber diese anderen Dinge, die ich gerade geschildert habe, die kennt jeder. Sie zerreißen dich innerlich.
Die Frage ist: Wie handelst du jetzt, wenn ein Kampf tobt?
Und Leute, wenn ihr die Geschichte von Kain und Abel nicht schon kennen würdet und wüsstet, wie es ausgeht – ich denke, die meisten tun es – versetzt euch in diesen Moment hinein. Die Spannung brodelt, denn die Frage ist: Wie wird Kain reagieren?
Reagiert er auf dieses sanfte Mahnen Gottes? Handelt er jetzt richtig? Wird er es besser hinbekommen als Adam, sein Vater? Die Spannung ist da. Wie wird er reagieren? Gibt er nach oder schafft er es, richtig zu handeln?
Der dramatische Brudermord und die Zerbrechlichkeit der Hoffnung
Und wir schauen uns den nächsten Vers an, der allein ausreicht, um diesen dramatischen Höhepunkt aufzulösen und zu zeigen, was Sache ist.
Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: „Lass uns auf das Feld gehen.“ Und es begab sich, als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.
Nur ein einziger Vers – und er zerstört alle Hoffnungen. Er zeigt: Nein, die nächste Generation schafft es nicht besser. Kain schlägt seinen Bruder. Er gibt seinen inneren Gefühlen und dem, was ihn dazu treibt, nach und bringt die größte Schuld bis zu dieser Zeit auf sich: Mord, Brudermord.
Warum? Wegen ein bisschen Eifersucht, ohne Grund. Es wird uns nichts genannt, dass Abel irgendetwas getan hätte. Hier brechen alle Hoffnungen, die kurzzeitig nach dem dritten Kapitel aufgebaut waren, wieder zusammen.
Wir können jetzt leicht über Kain richten, weil er der Versuchung und Verlockung nachgegeben hat. Aber wie sieht es bei dir aus? Geht es dir nicht oft genauso wie Kain? Du weißt genau, dass es falsch ist, aber du tust es trotzdem. Du wirst getrieben und kannst oft gar nicht anders.
Am Ende musst du zugeben, wenn du ehrlich bist, dass du diesen Kampf genauso oft verlierst wie Kain. Dass auch du nicht klarkommst mit diesem inneren Drang, der irgendwo in uns steckt, das Falsche zu tun. Die Bibel nennt das Sünde: anders zu handeln, als es richtig wäre.
Das wird uns hier in der Beziehung zwischen Menschen noch einmal viel deutlicher, aber genauso gilt es natürlich auch für die Beziehung zwischen uns und Gott. Und deshalb trifft die Bibel an dieser Stelle ein sehr hartes Urteil.
Das harte Urteil über die Menschheit
Wir wollen uns einen Psalm anschauen, in dem David darüber schreibt, wie Gott die Menschen sieht, wenn er vom Himmel herunterschaut. Dort heißt es, der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, damit er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott fragt.
Das Urteil ist nun fatal: Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen. Ein sehr, sehr hartes Urteil wird hier getroffen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jede einzelne Tat, die ich oder du tust, per se schlecht ist. Aber es bedeutet, dass, wenn man die Gesamtsumme betrachtet, kein einziger Mensch wirklich perfekt lebt. Niemand hat diese Sache im Griff, sodass man sagen könnte: „Der hat kein einziges Problem, irgendwo nachzugeben, das Schlechte, das Falsche zu tun.“
Dabei geht es nicht darum, dass Gott hier einen pessimistischen Blick auf uns Menschen hat. Nein, ich glaube, es ist einfach ein ehrliches Urteil über das, was ist. Wir alle kämpfen gegen die Sünde, gegen den Drang in uns, das Falsche zu tun. Diesen Kampf bekommen wir nicht in den Griff. Wir kommen damit nicht klar.
Und genauso wie niemand diesen Kampf gewinnen konnte, bist du es auch nicht, der ihn gewinnen kann. Der eine vielleicht besser als der andere, aber jeder hat seinen Moment, in dem er versagt, in dem er nicht lebt, wie er sollte. Keiner ist makellos. Keiner ist der Nachkomme, der der Schlange den Kopf zertreten würde. Und wenn wir ehrlich sind, du und ich sind es auch nicht.
Wir bekommen diese Welt nicht besser. Ich habe für mich keine Hoffnung, dass ich diese Welt zum Besseren verändern würde. Dieses Geschehen unterstreicht überdeutlich, wie sich der Fluch der Sünde, der im Garten Eden seinen Anfang genommen hat mit Adam und Eva, unaufhaltsam seinen Weg zu den einzelnen Menschen sucht. Schneller und tödlicher, als das Coronavirus jemals sein könnte.
Das ist die größte und schlimmste Epidemie, die die Welt bis heute nicht in den Griff bekommt. Die Befallenheitsrate liegt immer noch bei hundert Prozent der Menschen.
Gottes Gericht und die Strafe für Kain
Und Gottes Gericht, sein Fluch, wird jetzt noch einmal überdeutlich in dem, was Kain trifft. Wir lesen die Verse 9 bis 12:
Da sprach der Herr zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Er antwortete: „Ich weiß es nicht. Soll ich meines Bruders Hüter sein?“
Der Herr sprach: „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Nun aber bist du verflucht auf der Erde, die ihren Mund aufgetan hat, um das Blut deines Bruders von deiner Hand zu empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Flüchtig und unstet sollst du sein auf Erden.“
Die Strafe, die Adam und Eva traf, wird hier fast noch einmal verschärft. Sie weist bereits starke Andeutungen auf die Strafe hin, die eigentlich die Schlange, der Ursprung der Versuchung, getroffen hat.
Doch wir sehen auch eine Seite Gottes, der Unrecht nicht ungestraft lässt. Und ich denke, jeder von uns wird zustimmen, dass Mord eine gerechte Strafe verdient hat. Wer diese Strafe trifft, hat sie verdient.
Ich muss auch für mein Leben zugeben, dass es gerecht ist, wenn mich Strafe trifft für Sünde in meinem Leben, für die Dinge, bei denen ich nicht richtig lebe, wo ich andere verletze oder ihnen Unrecht tue.
Jeder stimmt uns bei so schweren Dingen wie Mord oder Diebstahl zu. Aber glaubst du das auch für die kleinen Dinge in deinem Leben? Ein schlechtes Wort über jemanden – auch da ist es doch eigentlich gerecht, wenn wir Strafe dafür bekommen.
Wir sind schuldig, wie kein anderer schuldig war.
Kains Reaktion und das Vermeiden von Reue
Wie reagiert Kain? Ich gehe hier jetzt etwas zügiger voran, denn man könnte durchaus noch detaillierter darauf eingehen, aber dafür reicht die Zeit nicht aus.
Kain zeigt keinen Ansatz, mit Gott wieder in Ordnung zu kommen. Selbst jetzt, wo er mit seiner Schuld konfrontiert ist, ist keine Reue zu erkennen. Übrigens fließt auch heute noch bei Gerichtsverhandlungen mit ein, ob ein Angeklagter Reue zeigt, ob er seine Tat bereut und sich seiner Schuld bewusst ist.
Wir lesen hier: Kain sprach zu dem Herrn: „Meine Strafe ist so schwer, dass ich sie nicht tragen kann. Siehe, du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen. Ich werde unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird es mir ergehen, dass mich jeder töten kann, der mich findet.“
Aber der Herr antwortete ihm: „Nein, sondern wer Kain töten wird, soll siebenfach bestraft werden.“ Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, damit ihn niemand erschlägt, der ihn findet.
So ging Kain weg vor dem Angesicht des Herrn und wohnte im Land Nod, östlich von Eden.
Kain zeigt keinen Ansatz, mit Gott wieder klarzukommen. Ihm tut seine Schuld offenbar nicht leid. Seine Sorge gilt nur der Strafe, dass sie gemildert wird, und dass er mit Gott nichts mehr zu tun haben muss. Mit diesem Gott, der ins Leben hineinredet und ihm klar macht, dass er falsch handelt und nicht richtig lebt.
Kennst du das? Du weißt genau, dass du falsch gehandelt hast. Du spürst diese Schuld und die Trennung von Gott. Trotzdem rennst du weg von ihm und willst mit Gott möglichst wenig zu tun haben. Warum? Weil dir dann Tag für Tag, Stunde für Stunde vor Augen steht, dass dein Leben so nicht richtig ist.
Vielleicht hast du schon oft versucht, diesem Gott zu gefallen, aber irgendwie klappt das alles nicht. Und jetzt sagst du: „Jetzt ist Schluss, ich will nichts mehr damit zu tun haben.“ Vielleicht hast du auch schon oft versucht, mit deiner Lieblingssünde klarzukommen, aber es klappt nicht. Und du sagst: „Nein, jetzt gebe ich auf. Ich will das Leben hier einfach hinter mich bringen und es noch halbwegs genießen, mir irgendwie schön machen.“
„Wird schon klappen“, denkst du, aber mit Gott willst du sicher nichts mehr zu tun haben. Also: nichts wie weg.
Gott wirkt vielleicht auch in dieser Geschichte für dich ein bisschen ungerecht, und in deinem Leben sowieso. Deshalb willst du nichts mit ihm zu tun haben.
Vielleicht ist das aber nur so, weil du Gott gar nicht richtig verstehst. Vielleicht weißt du eigentlich gar nicht, was er sich wirklich wünscht.
Wir werden später noch ein bisschen mehr darüber hören.
Die weitere Entwicklung der Nachkommen Kains
Aber wir wollen noch kurz betrachten, wie dramatisch diese Geschichte weitergeht. Man könnte ja sagen: Schwamm drüber, die nächste Generation nach Kain wird es schon besser machen. Neue Besen kehren gut, und die Sache wird sich von selbst regeln. Wirklich?
Wenn wir den nächsten Text lesen, erfahren wir, wie es weitergeht: Kain erkannte seine Frau, die schwanger war und den Henoch gebar. Kain baute eine Stadt und nannte sie nach seinem Sohn Henoch. Henoch zeugte Irad, Irad zeugte Mehujael, Mehujael zeugte Methuschael, Methuschael zeugte Lamech. Lamech aber nahm zwei Frauen: eine hieß Ada, die andere Zillah.
Ada gebar Jabal, von dem die Menschen abstammen, die in Zelten wohnen und Vieh halten. Sein Bruder hieß Jubal, von dem alle Zither- und Flötenspieler abstammen. Zillah gebar Tubalkain, von dem alle Erz- und Eisenschmiede abstammen. Die Schwester des Tubalkain war Naama.
Lamech sprach zu seinen Frauen Ada und Zillah: „Hört meine Rede, ihr Frauen Lamechs, merkt auf, was ich sage: Einen Mann erschlug ich für meine Wunde, einen Jüngling für meine Beule. Kein Mann soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebzigmal.“
Zunächst bekommen wir hier einige interessante Dinge geschildert. Es gibt schon einige bemerkenswerte Entwicklungen, die das Leben auf der Erde auch für die Generation nach Kain lebbar machen: Viehzucht, Eisenschmiede, Musik und Kunst – Dinge, die das Leben angenehmer gestalten. Kain und seine Nachkommen versuchen, das Leben unter dem Fluch der Erde, der viel Schlechtes mit sich bringt, so angenehm wie möglich zu machen. Und das scheint halbwegs zu gelingen.
Vielleicht gilt das auch für dein Leben: Auch wenn wir genau merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, handeln wir oft ähnlich. Auch wenn wir vor Problemen weglaufen, versuchen wir, uns das Wegrennen so angenehm wie möglich zu gestalten. Eigentlich ist nichts in Ordnung, aber wir machen uns die Welt so, dass wir halbwegs damit klarkommen. Als Lebensmittel suchen wir uns schöne Dinge: Urlaub, Wellnesswochenenden und vieles mehr.
Doch die Realität bei Kain und seiner Familie sieht anders aus. An der Spitze dieser Linie steht Lamech, der sich mehrere Frauen nimmt. Wie die Formulierungen im Hebräischen nahelegen, könnten diese Frauen eher Sklavinnen gewesen sein. Am Ende spricht Lamech ein Rachelied: Nur weil ihn jemand leicht im Gesicht verletzt hat, schlägt er die Leute tot und rächt sich siebzigfach für jede Kleinigkeit.
Uns wird also ein absolut brutaler Mann vorgestellt, der an der Spitze der Nachkommen Kains steht. Diese schönen Dinge, die ich gerade geschildert habe, können nicht über den wahren Zustand hinwegtäuschen. Auch die nächste Generation Kains kommt mit dem Fluch der Sünde nicht klar. Dort, wo der Stammvater ohne Gott lebt und vor ihm wegrennt, nimmt die Sünde noch weiter zu.
Auch für dein und mein Leben gilt: Egal wie schön wir es uns gestalten, am Ende ist es, als ob man Schimmelflecken an einer weißen Wand überstreicht. Das hält nur eine kurze Zeit, aber irgendwann kommen sie wieder zum Vorschein. So zeigt sich auch in deinem Leben immer wieder, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass du es nicht schaffst, über das Schlechte, das dich zum Bösen verleitet, hinwegzukommen. Diese Sünde zerstört und zerstört dein Leben, und du kommst nicht mit ihr klar.
Eines bleibt sonnenklar, wenn wir die Bibel hier richtig verstehen: Egal welche Generation, egal mit welchen großen Zielen sie startet – wir kommen nicht klar mit den Problemen dieser Welt. Wir werden sie nicht lösen, wir werden den Fluch nicht besiegen. Wir sind nicht dazu in der Lage. Das macht die Geschichte Kains absolut deutlich.
Die Bedeutung von Glauben im Opfer Abels
Bleibt die Frage: Wie hätte Kain denn anders reagieren sollen? Wie hätte er einen Ausweg schaffen können? Um diese Antwort zu finden, möchte ich zunächst auf die Frage eingehen, warum Abels Opfer besser war als das von Kain und warum Gott das Opfer von Abel annimmt.
Vieles ist Spekulation, was hier passiert, und das ist auch nicht das, was ich jetzt bringen will, denn im Text in 1. Mose 4 bekommen wir keine eindeutige Antwort darauf. Im Neuen Testament wird uns jedoch ein kurzer Bezug gegeben, der uns, glaube ich, hilft, das zu verstehen. Ihr könnt mit mir Hebräer 11,4 aufschlagen, wo es heißt: "Durch den Glauben hat Abel Gott ein besseres Opfer dargebracht als Kain. Deshalb wurde ihm bezeugt, dass er gerecht sei, dass Gott selbst es über seine Gaben bezeugte, und durch den Glauben redet er noch, obwohl er gestorben ist."
Lasst uns anschauen, was der Text hier meint. Der Schreiber im Hebräerbrief gibt uns eine Antwort, warum das Opfer Abels akzeptiert worden ist. Die Antwort ist nicht, dass Abel besser gelebt hätte als Kain. Es ist auch nicht so, dass Abel besser dran gewesen wäre. Die Antwort liegt nicht allein im Opfer selbst – es war zwar schon ein besseres Opfer –, aber der Grund, warum Abel dieses bessere Opfer bringt, ist das Entscheidende, denke ich.
Genau darauf will der Schreiber im Hebräerbrief hinaus: Abel hat geglaubt. Was bedeutet das jetzt? Hat Kain denn nicht geglaubt, dass Gott existiert? Ich denke schon. Was meint der Schreiber im Hebräerbrief also, wenn er von Glauben spricht? Er meint mehr als nur anzuerkennen, dass Gott existiert. Viele von uns anerkennen und akzeptieren, dass es Gott gibt, dass er existiert. Aber wenn die Bibel von Glauben spricht, gerade im Neuen Testament, meint sie mehr dahinter.
Glauben bedeutet, Gott unser Vertrauen zu schenken, ihm zu vertrauen. Es bedeutet zu glauben, dass nur er in der Lage ist, uns zu retten. Wenn ihr Hebräer 11 im Gesamten durchlest – dafür fehlt uns jetzt die Zeit –, werdet ihr erkennen, dass dort eine rote Linie über die Männer des Alten Testaments gezogen wird. Übrigens sind es gerade diese Männer, die uns in 1. Mose auch als Helden begegnen. Was sie auszeichnet, ist ihr Glaube, ihr Vertrauen auf Gott.
Was bedeutet das also jetzt? Was ist der Kontrast zwischen Kain und Abel, den das Neue Testament uns aufzeigt? Einmal Glaube und Gottvertrauen, und auf der anderen Seite das Fehlen davon. Das ist der entscheidende Punkt.
Wir sehen bei Kain, dass er Gott zwar akzeptiert und anerkennt, aber warum er opfert, können wir nicht endgültig sagen. Vielleicht war es aus Tradition, weil er es von seinen Eltern so gelernt hat. Vielleicht war es auch sein eigenes Anstrengen, und er dachte: "Jetzt will ich ein paar gute Feldfrüchte zu Gott bringen, dann wird Gott mich schon mehr anerkennen." Wir wissen es nicht genau.
Einige Bibelkommentatoren schreiben viel darüber, dass Abels Opfer blutig war. Es ist nicht ganz klar, denn auch Früchte konnten im mosaischen Gesetz geopfert werden. Ich glaube, der Punkt ist wirklich, dass bei Kain das Herz nicht dabei war. Er hat die Handlung vielleicht abgespult, aber er stand nicht dahinter. Sein Glaube, sein Vertrauen war nicht auf Gott gerichtet. Und das ist der Unterschied zu Abel.
Abel wusste wahrscheinlich in dem Moment, als er opferte, dass es eigentlich nicht reicht, was er hier hinbringt, dass er Gott damit nie gnädig stimmen könnte. Aber er vertraute auf Gottes Gnade, auf Gottes Fähigkeit zu retten. Die Bibel macht uns an dieser Stelle deutlich, dass Gott nicht auf Äußerlichkeiten wie ein einzelnes Opfer schaut, sondern auf etwas viel Zentraleres – nämlich auf denjenigen, der das Opfer bringt, und auf sein Herz.
Wir schauen uns dazu eine spannende Stelle an. Hier geht es zwar nicht um Opfer, sondern darum, einen König zu bekommen. Aber dasselbe Prinzip gilt auch hier. Samuel, ein großer Prophet, sollte einen neuen König salben. Er bekommt viele Brüder vorgestellt, darunter richtige Mannsbilder, die stark sind, und er überlegt, wer dieser neue König sein soll.
Da trifft Gott eine spannende Aussage zu Samuel, als er den ersten, der so ein Muskeltyp ist und es wirklich draufhat, gleich salben will. Es heißt: "Der Herr sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs. Ich habe ihn verworfen, denn der Herr sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an."
Ich glaube, dass Gott Kains Opfer nicht anerkennt, weil er das Herz Kains gesehen hat. Dieses Herz war wahrscheinlich von Anfang an so, wie es sich später zeigt: stolz, uneinsichtig, auf sich selbst bezogen und mit der ganzen Hoffnung in sich selbst liegend. Im Gegensatz dazu sieht Gott das Herz von Abel.
Wie ich Hebräer 11 verstehe, stand Abel bei dem Opfer als jemand da, der wusste: "Ich bin vor Gott schuldig." Er hat erkannt, was wir vorhin herausgearbeitet haben – was auch Kain eigentlich erkennen muss: "Ich bekomme diese Sache selbst nicht hin. Ich brauche jemanden, der mich rettet." Und dann hat er gesagt: "Herr, ich vertraue dir, dass du es hinbekommst."
Einladung zum Vertrauen auf Gott
Bist du auch auf der Flucht vor Gott, weil dich deine Last auf der Schulter drückt? Weil du genau weißt, dass du ihm nicht genügen kannst? Fühlst du dich ihm gegenüber ähnlich verschlossen wie Kain?
Vielleicht möchtest du jetzt eigentlich mit Gott ins Reine kommen, weil du spürst, dass genau das dein eigentliches Problem ist. Dann brauchst du nicht davonlaufen oder irgendwelche Opfer bringen.
Das Erste, was du verstehen musst, ist: Du wirst es selbst nicht schaffen, Gott zu gefallen. Unsere einzige Chance ist es, wie Abel Gott zu vertrauen. Zu vertrauen darauf, dass er in der Lage ist, uns zu retten.
Wie das genau geschieht, wollen wir uns gleich noch kurz anschauen. Zuvor betrachten wir aber noch die letzten zwei Verse in dem gesamten Text.
Hoffnung durch die Linie Seths
Wir müssen uns noch einmal kurz in Adam und Eva hineinversetzen, mit denen wir begonnen haben, und überlegen, wie sie sich gefühlt haben. Abel ist tot, und es sieht so aus, als ob Adam es nicht schafft. Er ist nicht der verheißene Nachkomme. Was wird passieren? Wo kommt endlich dieser Nachkomme her, der die Sache in den Griff bekommt?
Hier kommen die Verse 25 und 26 ins Spiel, die das ganze Kapitel noch einmal zusammenfassen. Adam erkennt abermals seine Frau – wie am Anfang, quasi ein Schäferstündchen – und sie gebar einen Sohn. Diesen nannte sie Seth, denn sie sagte: „Gott hat mir einen anderen Sohn gegeben anstelle von Abel, den der Tod genommen hat.“ Seth zeugte ebenfalls einen Sohn und nannte ihn Enosch. Zu dieser Zeit fing man an, den Namen des Herrn anzurufen.
Gott schenkt Adam und Eva also wieder Hoffnung durch eine neue Linie über Seth. Es ist übrigens spannend, wenn man die Reaktionen am Anfang bei der Geburt Kains und jetzt von Eva vergleicht. Beide Male ist Gott im Spiel. Doch am Anfang ist Eva die Handelnde: „Ich habe einen Sohn geboren mit der Hilfe des Herrn.“ Jetzt zeigt sich eine andere Sichtweise: „Gott hat mir einen Nachkommen geschenkt, hat mir jemand anderen gegeben.“ Hier ist Gott der Handelnde, und Eva eher in der passiven Rolle.
Ich denke, das ist vom Autor bewusst so gesetzt, als ein Sprachspiel, weil er deutlich machen will, dass Eva etwas Wichtiges verstanden hat. Sie wird nicht diejenige sein, die eine Generation hervorbringt, die das Problem in den Griff bekommt. Gott muss das tun. Nur er ist in der Lage, eine Generation zu schaffen, die es besser hinbekommt.
Die Generation von Seth nimmt einen guten Anfang. Wir sehen bei dieser Linie von Enosch, also Seths Sohn, dass er zu seiner Zeit anfing, den Herrn anzurufen, ihn zu bitten und auf seine Hilfe zu vertrauen. Genau das, was wir uns eigentlich wünschen. Was Adam und Eva im Garten schon hätten tun sollen, was Kain hätte tun sollen und was Abel getan hat, wenn wir dem Hebräerbrief glauben.
Was diese Generation hier wieder tut, ist neue Hoffnung. Sie kommt aus der Linie Seths heraus. Es ist noch nicht das Ende, sondern eine neue Chance. Es geht weiter, und irgendwann wird doch dieser Nachkomme kommen, der Rettung schafft – nicht über die Linie Kains, aber vielleicht über die Linie Seths.
Hier ist Hoffnung da. Wir werden sehen, wie die Geschichte weitergeht und ob diese Generation von Seth wirklich eine bessere Erde schafft. Das werden wir uns in der nächsten Predigt anschauen.
Die Hoffnung in Jesus Christus als Erfüllung der Verheißung
Aber das Tolle ist – und jetzt kommt ein Spoiler Alert, den ich in den letzten Predigten immer wieder betont habe und der mir sehr wichtig ist: Wir haben mehr Wissen als Adam und Eva und die gesamte damalige Generation.
Wir wissen, dass Jesus Christus der bessere Abel, der bessere Seth und sowieso der bessere Adam ist. Er hat es geschafft, die Sünde zu besiegen. Er ist der Einzige, der diesem Drang nicht nachgegeben hat, dem Adam und Kain nachgegeben haben. Wer das genauer wissen möchte, kann sich gerne die letzte Predigt zu Genesis 3 anhören.
Jesus Christus ist derjenige, der wirklich die Ketten sprengt und den Fluch besiegt. Deshalb ist Ostern für uns Christen so zentral und wichtig. Wir erinnern uns daran, dass Jesus am Kreuz für unsere Schuld bezahlt hat und den Fluch, von dem die Bibel hier spricht – einen Fluch, den wir im Leben oft ganz praktisch erfahren haben – weggenommen hat.
Er ist in der Lage zu retten, er nimmt die Strafe auf sich und er kann uns Menschen Stück für Stück verändern. Er schafft neues Leben – ein Leben, das wir uns alle wünschen und nach dem wir uns sehnen, so wie es am Anfang einmal war.
Er ist unser Retter. Und das ist der große Punkt für uns: Was Gott von uns erwartet, wenn wir uns ertappt fühlen – und das fühlen wir alle –, ist, dass wir ihm vertrauen. Dass wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen und darauf vertrauen, dass er uns retten kann. Er ist der Einzige, der mit diesem Fluch zurechtkommt und alles wieder gut machen kann.
Praktische Konsequenzen des Vertrauens auf Gott
Was bedeutet das ganz praktisch? Was wünscht sich Gott von dir, und was hätte sich Gott niemals gewünscht? Er möchte, dass wir vor ihm auf die Knie gehen und bekennen, dass wir mit unserer Schuld und dem Drang, immer wieder das Schlechte zu tun, nicht klarkommen. Dass wir daran scheitern.
Dann wünscht er sich, dass wir sagen: Danke, Gott, dass ich auf Golgatha schauen darf, weil du dort für meine Schuld bezahlt hast. Du bist derjenige, der klargekommen ist. Und wenn ich dir vertraue, kann das auch für mein Leben gelten. Glaubst du, vertraust du diesem Gott?
Das gilt besonders für diejenigen, die Gott noch nicht als ihren Retter und Heiler in ihrem Leben kennen. Vielleicht bist du heute aus Versehen auf den falschen YouTube-Link geklickt und hier gelandet. Vielleicht ist Gott in dein Herz gesprungen. Ich bitte dich: Vertraue Gott und bring dein Leben mit ihm in Ordnung.
Erklär dich selbst bankrott. Gib einfach zu, dass du es nicht schaffst. Das ist manchmal erlösend – zu bekennen, dass man es selbst nicht schafft. Geh dann zu Gott und vertraue darauf, dass er es schafft. Dass er es besser hinbekommt als du und ich zusammen.
Fang an, mit ihm durchs Leben zu gehen, wo er Stück für Stück dein Leben verändern will. Das gilt auch für alle, die Gott schon lange als ihren Retter kennen. Wenn du in den Kämpfen deines Lebens stehst und versuchst, die Sache selbst zu regeln, dann gilt: Gott wünscht sich unsere Bankrotterklärung. Wir sollen ihm vertrauen, damit er handeln kann.
Er ist in der Lage zu verändern und zu retten. Ich habe das schon oft gesagt, und ich glaube, wir können es nicht oft genug wiederholen: Das ist die große Hoffnung, die wir Christen haben. Nicht, dass wir besser leben oder eine gute Welt schaffen würden, sondern dass Jesus Christus eines Tages wiederkommt und eine neue, gute Welt aufrichtet. Eine Welt, in der dieser Fluch besiegt ist und für meine und deine Schuld bezahlt wurde.
Er wird es mit denen tun, die hier und heute ihr Vertrauen auf ihn setzen. Dazu möchte ich dich einladen. Ich wünsche dir, dass du erfährst, dass Jesus dein persönlicher Retter ist. Dass du aus diesem Vertrauen heraus leben kannst.
Ich wünsche dir, dass du in den Kämpfen deines Lebens, durch die du noch gehst, weil wir noch in dieser Welt sind, immer wieder erfährst, dass er derjenige ist, der dich verändern kann. Dass er derjenige ist, der mit Schuld und Sünde klarkommt. Und er ist es auch, der mit Krankheit, Krieg und Schmerz zurechtkommt.
Ich freue mich darauf, diesen Gott und Heiland eines Tages persönlich zu begegnen, weil ich weiß, dass dann alles gut wird. Amen!
