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Gott hat Dich gewollt!

02.08.1998

Eröffnung und Bitte um Gottes Licht

Wie können wir denn auch schüchtern sein, dass die Mannschaft nicht verletzt wird? Wir wollen beten:

Du treuer und gütiger Herr,
Dein Licht ist für uns da, und wir bitten Dich, dass Du uns Dein Licht heute Morgen scheinen lässt – auch den Betrübten, den Verzweifelten, den Mutlosen, denen, die nicht mehr weiterwissen.

Lass uns Dein Licht leuchten, damit wir sehen, wo wir von Dir abgeirrt sind, damit wir die Mängel an uns erkennen. Und dann lass uns Dein Licht leuchten, damit wir fröhlich unsere Straße ziehen.

Herr, wir brauchen keine Gedanken von Menschen. So viele reden auf uns ein, doch wir brauchen Dein Licht und Deine Wahrheit. Wir freuen uns an diesem Morgen, dass Du da bist, dass Du uns gewollt hast, dass Du uns geschaffen hast, dass wir Dir gehören und dass Du uns an diesem Morgen rufst.

Und wir dürfen jetzt Dir in der Stille alles bringen, was uns bekümmert.

Herr, lass mich nicht zu Schanden werden, denn ich rufe Dich an. Amen!

Gemeinsames Singen und Psalmlesung

Und wir singen noch ein Lied von Peter Strauch: Nummer 628, „Meine Zeit steht in deinen Händen“. Diese Nummer finden Sie im Gesangbuch unter 628.

Jetzt schlagen Sie bitte die Nummer 754 im Gesangbuch auf. Das ist der Psalm 139, Nummer 754 in den Gesangbüchern. Diesen Psalm wollen wir gemeinsam sprechen.

Ich kann nur ahnen, was Sie heute bedrückt, welche Last auf Ihnen liegt und in welchen Ängsten Sie leben. Gerade deshalb ist es der größte Trost, sich bewusst zu machen: Der Herr ist ganz nah bei mir und hält mein Leben fest in seiner Hand.

Vor ein paar Tagen sagte mir ein Schwerkranker: „Ich kann nicht mehr, es ist, als schwebe ich über einem unheimlichen Abgrund.“ Deshalb lesen wir jetzt gemeinsam den Psalm 139:

Herr, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es.
Du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch; ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da.
Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag; Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleib.
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.
Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde,
als ich gebildet wurde unten in der Erde.
Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war,
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten,
und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken,
und wie ist ihre Summe so groß!
Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand,
am Ende bin ich noch immer bei dir.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne, wie ich es meine,
und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Weg.

Lobe den Herrn, alle, die ihn ehren, Nummer 447 im Gesangbuch.
Wir singen die Verse eins bis drei und dann sechs bis acht.

Die Würde des Menschen und die Schöpfung

Haben Sie heute Morgen schon daran gedacht, bevor Sie das vorhin gesprochen haben, dass Sie wunderbar gemacht sind?

Unter evangelischen Christen gibt es tatsächlich die Herausforderung, dass wir in unserem Glauben und beim Bibellesen oft die Seite der Schöpfung vernachlässigen. Die irdische Seite, die Schönheit der Schöpfung Gottes, wird manchmal übersehen. Deshalb ist es gut, dass wir jetzt die Gelegenheit haben, an einigen Sonntagen nacheinander auf bestimmte Worte der Bibel zu hören.

Heute beschränke ich mich auf einen Vers aus dem Ersten Buch Mose, aus dem ersten Kapitel, ganz am Anfang der Bibel: 1. Mose 1,27. Dort steht: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“

Natürlich ist der Urlaub die schönste Zeit des Jahres. Ich hoffe und wünsche, dass Sie herrliche Urlaubstage erleben und sich wirklich durch und durch erholen können. Sie haben es verdient und auch nötig. Trotz viel Ärger, überfüllter Straßen, teurer Preise und mancher Enttäuschungen, die nicht ausbleiben werden, manchmal auch Regenwetter, das einem auf die Nerven geht, wünsche ich Ihnen, dass Sie sagen können: Es war dennoch wunderschön.

Was wollen Sie denn im Urlaub? Was suchen Sie? Die meisten würden sagen, wenn man sie jetzt fragen würde: Wir wollen raus. Raus aus dem Druck, aus dem Stress, aus dem Frust, aus dem Ärger. Wir wollen zu uns selbst kommen. Einfach mal ungestört sein, in der Ruhe, in der Stille.

Aber Sie wissen ja, dass es manchmal auch ganz grausam sein kann, wenn man bloß noch mit sich selbst allein ist, in der Stille, bloß noch mit sich selbst allein. Viele Menschen propagieren heute die Meditation, das In-sich-selbst-Versenken. Doch wo finden Sie da Ruhe? Je mehr Sie in sich hineinblicken, desto mehr können Sie ordnen. Aber da wird auch viel herauskommen von dem Dunklen, vom Schweren, vom Bitteren.

Ich bin so froh, dass für uns Christen der Blick anders heißt. Wir müssen auf den lebendigen Gott blicken, wenn wir Stille suchen. Denn das Entscheidende, das Frohmachende, das Beglückende kommt von ihm. Dort liegt das, was uns eigentlich befreit und aufatmen lässt.

Wenn ich nur in mich hineinblicke, bleibe ich mit mir selbst allein. Wo ist da ein Ausweg? Er trägt die Krankheit, die Ängste, die Verzweiflung und die Schwermut. Wir müssen auf den Herrn blicken, der alles in seiner Hand hat, der die Macht hat.

Die Frage nach der eigenen Identität

Eine der wichtigsten Fragen in unserem Leben, die wir uns immer wieder stellen müssen, lautet: Wer bin ich eigentlich? Dietrich Bonhoeffer hat in seiner Zeit im Konzentrationslager ein sehr eindrückliches Gedicht geschrieben. Er beschreibt darin, wie er sich ständig diese Frage stellt, wenn er aus seiner Zelle tritt. Die anderen sagen, er sei so ruhig, doch er weiß genau, welche Angst und welche Nöte er erlebt, wie einsam er sich fühlt – wie ein gejagtes Wild. Wer bin ich eigentlich?

Die bloße Selbstversenkung reicht nicht aus. Ich muss wissen, wer mir Gewissheit geben kann. Der Einzige, der wirklich Gewissheit über mich geben kann, ist der Fachmann, der mich geschaffen hat, der mich gemacht hat. Das ist das Großartige an diesem Wort: Die Schöpfungsgeschichte beginnt ganz einfach damit, dass Gott dich gemacht hat, dich gewollt hat, dich gerufen und ins Leben gestellt hat. Es steht ganz simpel da: Gott schuf den Menschen.

Und wenn das Wort „Mensch“ zum ersten Mal in der Bibel vorkommt, dann ist das etwas Besonderes. Vielleicht haben Sie schon gehört, dass im Hebräischen jedes Wort eigentlich ein Bild ist. Wenn die Juden „Adam“ hören, das heißt Mensch, dann sehen sie ein Wortspiel: Ein Erdklumpen, ein Erdling, Staub und Asche. Die Bibel sagt einmal, was für ein Geschöpf wir sind. Gott schuf einen Erdling, einen Erdkloss – das bin ich.

An Realismus ist die Bibel von keinem Werk der Weltliteratur zu übertreffen. Sie braucht keine obszönen Worte wie moderne Schriftsteller. Sie kann es so realistisch sagen, dass der Mensch, so wie es die Alten spürten, so wie es Schwerkranke empfinden, sich fragen: Wer bin ich denn? Das spürt man auch bei der Beerdigung: Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Und doch steht schon da: „Lasst uns einen Menschen machen.“ Da geht es nicht nur um den Erdkloss. Da steckt etwas ganz anderes drin. Dieser Erdkloss, dieser Erdling, hat eine Bestimmung, eine Zielsetzung, die nur Gott dem Menschen gibt. Die Würde des Lebens liegt darin, dass Gott dem Menschen ein Ziel setzt, eine Bestimmung gibt. Gott hat den Menschen „wenig niedriger als Gott“ gemacht.

Das ist das Geheimnis des Schöpfungsberichts: Ich bin nicht bloß Staub und Asche, sondern Gott hat etwas vor mit meinem Leben. Das muss ich hören und begreifen. Ich hoffe, dass Sie in Ihren Urlaubs- und Tagen der Stille einfach Zeit haben zur Zwiesprache: Herr, ich bin im Suchen. Was willst Du mit mir? Was ist Deine Lebensplanung? Ich bin bereit, auf Dein Wort zu lauschen. Ich bin begierig, zu hören, was mir Wert und Würde gibt.

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes. Daraus ergibt sich eine Beziehung, in der alles mitschwingt: Mein Leben soll ein Stück der Güte, der Schönheit, der Wahrheit, der Treue und der Barmherzigkeit Gottes widerspiegeln.

Die göttliche Bestimmung des Menschen

Wir gebrauchen ganz selbstverständlich immer wieder Prädikate und Worte, die eigentlich nicht ganz passend sind, wenn wir von Liebe sprechen – und zwar nicht von Menschenliebe, sondern von Gottesliebe.

Der Mensch besitzt göttliche Eigenschaften, die Gott ihm verliehen hat. Wir sollen die Barmherzigkeit Gottes, die Treue Gottes, die Reinheit Gottes und die Heiligkeit Gottes in unserem Leben widerspiegeln. Gott hat uns auch in dieser Beziehung zu sich hingeschaffen.

Im Schöpfungsbericht steht das deutlich. Es lohnt sich, auf die kleinen Details zu achten. Heute fällt es uns oft schwer, das Entscheidende zu hören, weil wir die Schöpfungsgeschichte mit unseren biologischen Erkenntnissen hinterfragen. Dort steht, wie Gott die Erde befiedelt, Pflanzen und Tiere aufgehen lässt, die aus der Erde hervorkommen. Der Mensch ist kein hochentwickeltes Säugetier, sondern hat seine Bestimmung und sein Ziel vom ewigen Gott her.

Selbst Menschen, die vom christlichen Glauben wenig wissen oder sich davon lossagen, ahnen etwas von der Humanität, von der Menschlichkeit. Diese liegt nicht im Menschen selbst, sie ist nicht im menschlichen Wesen verankert. Das haben wir in unserem Jahrhundert viel zu oft erlebt – über die schrecklichen Bilder, wie unheimlich der Mensch sein kann, wie er zerfällt, wie Menschen mit Planierraupen nur noch als Leichname weggebracht werden.

Was ist der Mensch? Warum gibt Gott ihm eine so große Würde? Warum will Gott jeden Menschen, der in dieser Welt lebt, suchen und zu ihm hingehen?

Das ist besonders wichtig, wenn wir auf Reisen sind oder im Urlaub. Wir haben eine Bestimmung zu Gott hin, eine Beziehung. Unser Leben kommt von Gott und kann auch nur wieder zu ihm zurückführen.

Ich möchte wissen: Wohin will Gott mit mir? Was ist sein Ziel? Und ich kann das nur erkennen – aber woher?

Sie können es nicht aus der Betrachtung der Schöpfung oder der Natur erkennen. Sie können es nicht erkennen, wenn sie Menschen an ihren schönen Kindergesichtern sehen. Das Geheimnis der Würde des Menschen kann man nur verstehen, wenn man in der Stille auf Gottes Wort lauscht, auf Gottes Wort hört.

Das, was in der Schöpfungsgeschichte steht, ist eine Offenbarung des prophetischen Wortes: Der Mensch ist zum Bild Gottes geschaffen.

Die Bedeutung der göttlichen Annahme

Und jetzt, was bedeutet das? Zunächst einmal bedeutet es: Gott hat dich gewollt. Gott hat dich gewollt.

Haben Sie schon einmal mit Menschen gesprochen, die noch darunter leiden, dass sie ein unerwünschtes Kind waren? Vielleicht haben sie ihren Vater nie gekannt, und die Mutter hat es immer spüren lassen: „Du bist mir im Weg.“ In der Schule hatten sie nie einen Freund. Sie kennen doch solche Schicksale.

Dann haben sie vielleicht geheiratet und gehofft, jetzt fängt das Leben an. Aber die Liebe, die man gesucht hat, hat man nicht gefunden. Man heiratet immer, wenn man Liebe sucht – nicht, wenn man Liebe geben will. Und als man dann abends heimkam, war plötzlich der Türzylinder ausgetauscht. So stand man mit seinem Schlüssel da und war ausgesperrt, unerwünscht. Der Ehemann.

Ich habe manche Menschen gesprochen, die sagen: „Ich habe noch nie Liebe gespürt in meinem Leben.“ Das gibt es. „Mein Leben ist sinnlos.“ Vielleicht kommt daher auch die große Liebeserwartung. Wir erwarten sicher viel zu viel Liebe.

Ihr jungen Leute, vielleicht geht ihr auch in eure Ehebündnisse mit viel zu vielen romantischen Erwartungen hinein. Es ist zuerst einmal wichtig, dass ihr in eurem Leben merkt: Ich bin nicht von menschlicher Liebe abhängig. Auch Waisenkinder und Singles können genauso ein erfülltes Leben finden.

Es ist nicht wahr, dass man auf Menschenliebe in irgendeiner Ration angewiesen ist, denn der Mensch lebt aus dieser Urbeziehung heraus: dass Gott mich in seiner großen Liebe gewollt hat und mich wunderbar bereitet hat. Dass Gott mich schon kannte, als ich im Mutterleib zubereitet wurde.

Ich weiß, dass das schwer wird für den, der mit Behinderungen aufwächst, der mit engen Grenzen leben muss. Warum hat Gott mir das zugemutet? Aber ich darf sagen: Der, der dir das gibt, der weiß auch, dass er dir umso mehr geben will. Der Herrlichkeit Gottes auch in einem schweren Leben.

Junge Leute haben gern – oder wir haben es miteinander auf den Freizeiten gern gesungen – das Lied „Nicht durch Zufall stehe ich da.“ Das ist eine entscheidende Sache: Ist mein Leben nur Zufall? Und auch nicht, weil es abhängig ist von meiner Zeugung oder sonst was, sondern: „Gott hat mich gewollt, auch wenn ich unter Menschen unerwünscht bin.“

Gott hat mich gewollt. Wenn Sie nur diesen Satz heute noch einmal durchmeditieren – im Urlaub ist es wirklich wahr: Der ewige Gott hat mich gewollt. Ich bin wichtiger, Gott wichtiger als die Sonne, als die Planeten, wichtiger als die größten Zedern auf dem Libanon, wichtiger als die Walfische im Meer oder sonst etwas.

Gott hat mich gewollt, und er will das Gespräch mit mir. Nicht bloß irgendwo mit vielen anderen, sondern Gott sucht mich, er hört mich und er will mich haben.

Unsere Kinder singen das Lied, ich habe es neulich beim Autofahren wieder gehört: „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.“

„Du bist du, das ist der Clou.“ Ganz wunderbar die biblische Botschaft: Gott hat mich gemacht.

Die Bedeutung der Schöpfung im Glauben

Und wenn wir es gerade mit den Konfirmanden wieder gelernt haben, denkt man immer wieder an den alten Luthertext. Man fragt sich, ob man den jungen Leuten das zumuten kann. Doch ich kämpfe immer wieder darum und sage: Das muss jeder Christ auswendig können.

Ich glaube, dass mich Gott so wunderbar geschaffen hat, dass Luther es gleich so persönlich ausdrückt: „Mich hat Gott geschaffen, das muss ich bekennen.“ Darum dreht sich der Schöpfungsbericht darum, dass Gott mich geschaffen hat – und auch die anderen Kreaturen.

Dann geht es darum, dass Gott mir Leib und Seele, Augen und Ohren, alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und sie noch erhält. Es ist ein Wunder, dass Gott das Jahr für Jahr erhält. Wie schnell kann da etwas ausfallen! Dazu kommen Kleider und Schuhe, Essen und Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind – das ist alles eine Gabe Gottes. Und Gott hat das gewollt, und ich darf es aus seiner Hand nehmen.

Die Frage nach dem Zufall bewegt uns heute Morgen natürlich auch. Man kann ja kaum noch das Radio einschalten, ohne mitzufühlen und zu sagen: „Das kann doch nicht wahr sein“, wenn die Bergleute noch in Lassing unter der Erde sind. „Herr, bist du da?“ Ja, auch in aller Torheit und in allen Versäumnissen, in aller Schuld von Menschen – viele dieser schrecklichen Unglücke sind oft durch unsere Schusseligkeit und Gleichgültigkeit entstanden.

Unser Denken ist mehr, als wir ahnen, von Darwins Entwicklungslehre bestimmt. Da ist immer der Gedanke dabei, dass alles so von selbst entsteht. Und dann spürt man sich plötzlich so anonym in diese Mächte hineingestellt. Das wird erst richtig drastisch, wenn einem bewusst wird: Ich lebe nicht mehr lange, mein Leben hängt an einem Faden. Und wohin falle ich dann?

Noch einmal: Sie können keine Klarheit bekommen, indem Sie nur die Natur betrachten. Es ist erhebend, durch den Wald zu laufen, Berge zu sehen und Meereswellen zu beobachten. Es ist alles schön und beeindruckend. Doch das kann nur ein Zeugnis der Größe Gottes sein. Gott selbst können Sie nur erkennen, wenn Sie sein Wort hören.

Und dann müssen Sie auch in Ihren Zweifeln, Fragen, Ängsten und in Ihrer Bedrängnis fragen: Was ist dann? Dann dürfen Sie so sprechen: „Geht mein Recht nicht an meinem Gott vorüber? Mein Weg ist dem Herrn verborgen. Hat Gott mich vielleicht vergessen? Hat Gott mich auf die Seite geschoben?“ Gerade in solchen schrecklichen Augenblicken.

„Kennt Gott mich wirklich?“

„Weißt du nicht?“, sagt Gott. „Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, wird nicht müde noch matt. Sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug.

Den Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die jungen Männer fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Leben in der Beziehung zu Gott

Lebe aus dieser vertrauten Beziehung. Gott hat dich zum Sein Bild geschaffen. Er sucht dich, will mit dir reden und sein Wort in dein Leben hineinrufen. Ich kann mir keine andere Urlaubsstille, keine andere Erholung und keine größere Freude vorstellen als diese.

Wer mehr vom Leben haben möchte, muss auf die Stimme Gottes lauschen. Gott hatte einen Gedanken, als er dich geschaffen und genau dorthin gestellt hat, wo du jetzt bist. Vielleicht weißt du diesen Gedanken noch gar nicht. Frage Gott, was du Großes und Mächtiges für ihn wirken kannst, etwas, das kein anderer tun kann. Du bist unersetzlich, auch wenn du schon alt bist und denkst, du kannst nicht mehr arbeiten. Du bist ein unersetzlicher Gedanke Gottes, und Gott hat etwas vor mit dir.

Dein Leben wird geprägt, wenn du erkennst, dass Gott dich geschaffen hat. Das war schon Luther wichtig in seiner Auslegung. Es ging ihm nicht nur um die Zeit damals oder den Moment deiner Geburt, sondern darum, dass diese schaffende Güte Gottes bis in unsere Tage hinein wirkt. Tagtäglich bist du von dieser schaffenden Güte Gottes umgeben.

Ich will ein Beispiel machen: Alle Eltern, die kleine Kinder haben, merken, dass diese Kinder bei ihrer Geburt noch nicht für das raue Leben gerüstet sind. Man muss sie besonders umsorgen. Unsere Mütter und Väter tun das wunderbar, indem sie die Kinder beschützen, darauf achten, dass ihnen nichts passiert, dass das Kind richtig liegt und kein Unglück geschieht. Wenn man unterwegs ist, ist man vorsichtig, damit das Kind nicht von der Schaukel fällt. Alles ist voller Rücksicht und Vorsicht.

Das Kind braucht diese schützende Umgebung. Aber wie fühlt sich ein Kind eigentlich? Trotz allem Trotz und Eigenwillen sehnt sich ein Kind am meisten danach, sich an Mutter oder Vater anzuschmiegen, einfach da zu bleiben und gestreichelt zu werden. Man meint manchmal, das Kind sei ein paar Jahre zu früh geboren und wolle noch im Mutterleib bleiben. Und manchmal hört man, dass selbst reife und starke Männer, ja sogar Frauen, das noch brauchen – bis ins hohe Alter. Ich habe alte Menschen auf dem Sterbebett erlebt, die nach ihrer Mutter gerufen haben, weil sie ihr Leben nie ganz in den Griff bekommen haben.

Das ist sicher der Grund, warum wir uns auch an unsere Umgebung anpassen. Wir suchen eine schützende Umgebung, in der wir Geborgenheit finden und in den Widrigkeiten des Lebens zurechtkommen. Darum ist unsere Arbeitsstelle, unsere Umgebung, unsere Wohnung und unsere Lebensbedingungen so wichtig. Wo können wir leben? Wenn diese Lebensbereiche erschüttert werden, erleben wir große Krisen, denn sie betreffen unsere Existenz.

Etwas ganz anderes ist jedoch noch wichtiger. Alles andere ist wichtig, aber ich glaube, in unserer Ungeborgenheit und Unsicherheit müssen wir unsere Bergung im ewigen Gott finden. Die Bibel spricht immer wieder davon, dass wir Kinder Gottes sein sollen.

Ich habe lange auch gedacht: Wenn man so jung ist wie unsere bärisch starken jungen Männer, was heißt da noch Kind? Ich bin ja kein Kind mehr, ich bin ein erwachsener, starker junger Mann. Aber gerade mit unserer Stärke will ich mich bei Gott bergen wie ein Kind – gerade in meinem Versagen, in meiner Untreue und in meiner Schuld.

Wie herrlich hat Jesus diese Bilder gemalt! Es ist auch sicher schön, das Bild vom guten Hirten zu sehen. Aber besonders eindrucksvoll ist das Bild vom Vater, der seinem verlorenen Sohn nachblickt.

Gottes Prägung und unser Lebensweg

Gott will mich prägen. Dabei ist es besonders wichtig, dass wir uns nicht unserer Umwelt oder dem Zeitgeist anpassen. Wir sollten nicht wie andere werden, sondern Menschen bleiben, die Gott geschaffen hat. Er will uns prägen und seine Züge in uns einzeichnen.

Wir lernen ein Leben lang. Deshalb stolpern wir oft über Versagen und Schwierigkeiten. Immer wieder müssen wir neu lernen, dass Gott unsere Art umgestalten will. Er will uns immer mehr in sein Bild hineinziehen. Wir sind keine fertigen Menschen, nein, wir sind nie fertig. Auch im hohen Alter sollten wir hoffentlich lernbereit bleiben, Fehler einsehen und immer wieder neu lernen. Mit meiner Geburt bin ich noch nicht fertig, sondern ich möchte immer mehr von dieser prägenden Kraft Gottes entdecken.

Gott hat mich geschaffen, aber er schafft mich auch heute neu. Er will mich umgestalten. Das zeigt sich auch in der Weisheit des biblischen Schöpfungsberichts. In der letzten Zeile von Vers 27 heißt es: „Und er schuf sie als Mann und als Frau.“ Das wird heute oft missachtet. Manche behaupten sogar, die Bibel rede nichts über Geschlechtlichkeit. Doch sie sagt sehr deutlich, dass Gott das gemacht hat. Er will, dass in die Gaben, die er gegeben hat, sein Bild hineingezeichnet wird.

Ihr jungen Leute habt recht, wenn ihr hohe Ideale für eure Lebensbindungen und die Ehe habt. Gott will daraus auf wunderbare Weise eine Gemeinschaft formen. Eine Gemeinschaft, die euch durch die geschlechtlichen Dinge hindurch in Gott heiligt. Wenn Menschen diese Gaben anders verwenden oder ihre Vorbilder aus dem Tierreich nehmen, ist das ihre Sache.

Der Mensch lebt nicht vom Instinkt oder vom Trieb. Gott hat dem Menschen seine Würde gegeben, indem er ihm die Freiheit zur Entscheidung schenkte. Schon der erste Mensch nutzte diese Freiheit, um sich gegen Gott aufzulehnen. Er wollte sein Leben selbst bestimmen, ohne zu merken, dass er damit die Freude am Leben verspielt.

Nur wenn ich mein Leben vom Schöpfer her lebe, kann ich es in voller Fülle und Entfaltung geben. Gott hat mir all diese Empfindungen geschenkt – zum Essen, Trinken, Freuen und Lachen. Er erhebt mein Herz und weiß, was mir gut tut und was mich erfüllt.

Darf ich wissen, dass mein ganzes Leben, auch in seiner leiblichen Gestalt, ein Abbild Gottes sein darf?

Lebensziel und Auftrag

Und noch das Letzte: Mein Leben hat eine Bestimmung. Gott hat mich gewollt, Gott will mich prägen. Mein Leben hat ein Ziel.

Wir suchen immer Ziele in diesem scheinbar sinnlosen Leben. Deshalb gibt es in unserer Welt Ideologien in Hülle und Fülle, die vieles verdrehen. Die Menschen wollen Leitbilder haben, nach denen sie leben können. Was ist mein Ziel? Ich kann es nicht anders ausdrücken, als dass ich vor Gott lebe und ihm diene – in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit.

Das erinnert an den lutherischen Katechismus, der das Ziel beschreibt, wo Menschen Dienst tun und leben. Ich möchte mit meinem Leben Gottes Herrlichkeit widerspiegeln. Das war ja auch der Auftrag Gottes. Wenn Gott sagt, wir sollen über die Erde herrschen, meint er nicht, dass wir die Tiere quälen sollen. Er meint vielmehr, dass wir die Gottesherrschaft in der Welt aufrichten.

Genau das heißt: Wir sollen die Geschundenen und Gebundenen sehen und sie zur Freiheit führen. So wird in dieser Welt der Name Gottes gepriesen. Aber fang doch bei dir selbst an – in deinem Leben, in deiner Familie, in deiner Welt. Lebe diesen Auftrag Gottes.

Und nun können Sie das immer wieder erleben: Sie treffen einen Menschen und denken bei ihm, er ist heruntergekommen. Was meinen Sie eigentlich damit? Vielleicht ist er durch die Lebensumstände zerbrochen, in Süchte geraten, kennt keine Werte mehr und lebt nur noch instinktiv.

Haben Sie das nur erlebt? Machen Sie es doch einmal anders: Sagen Sie diesem Menschen, Du bist das Ebenbild Gottes. Und er erkennt das.

Ist das wirklich möglich? Ja, es ist möglich, dass jeder Mensch aus jeder Perversion, aus jeder Entstellung, die nicht im Bild Gottes war, frei werden kann. Warum? Wegen des herrlichen Evangeliums, das wir immer predigen: Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Jesus will in unserem Leben Wohnung nehmen und uns seinem Bild gleichgestalten.

Natürlich kann ich das nicht aus eigener Kraft, oft scheitere ich. Aber für Jesus gibt es kein Unmögliches. Da kann ich Sünde und zwanghafte Bindungen abstreifen. Das gilt für alle Formen der Perversion und der zwanghaften, sündhaften Lebensumstände. Ich will sie jetzt gar nicht alle aufzählen.

Die Befreiung gilt: Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung. Da wird ein neuer Mensch geboren. Und das ist so herrlich, dass man das immer wieder lernen darf und sagen kann: Herr, das brauche ich noch. Ich brauche immer mehr von deiner neuschaffenden Kraft.

Am liebsten wäre ich jetzt mit Ihnen die Bibel durchgegangen. Das machen wir aber nicht mehr. Sie können das für sich selbst tun, zum Beispiel im Kolosserbrief, im Epheserbrief oder im 1. Korintherbrief. Paulus sagt dort, dass wir immer mehr verwandelt werden in das Bild Jesu Christi.

Wir werden verwandelt von einer Klarheit, von einer strahlenden Herrlichkeit zur nächsten. Erleben Sie das, dass Christus Ihr Leben immer weiter umgestalten will?

Gott hat uns nicht nur einmal geschaffen, sondern er will uns heute prägen. Er will uns als Leuchtpunkte setzen, als Lichter. Und wir sind noch keine Lichter. Aber: Herr, lass doch deine Prägkraft in meinem Leben wirksam sein. Lass deine Kraft so stark sein, dass mein Leben göttlich wird.

Nicht fehlerlos, aber auf geheimnisvolle Weise so, dass ich zum Segen für andere werde. Ich darf so leben, schaffen und wirken in dieser Welt, in all meinen irdischen Bezügen. Für Gott ist das ganz alltägliche Leben in seiner Gegenwart nicht wenig, sondern von großer Bedeutung.

Abschließende Worte und Segensbitte

Ich möchte mit einem Wort aus dem Epheserbrief schließen, Kapitel 2, Vers 10. Dieser Vers bleibt mir immer unvergesslich.

Das war meine erste Predigt, die ich in der Hofacker-Kanzel halten durfte. Damals waren Sie alle nicht da, es saßen nur drei Prüfer im Raum. Es war mein zweites Examen, und ich musste hier eine Examenspredigt vor diesen drei Prüfern halten. Sozusagen eine künstliche Predigt.

Der Predigttext lautete: „Wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ Alles war also schon fertig.

Aber Gott will unser Ja. Er möchte, dass wir das anpacken und das Leben, das er in uns hineingelegt hat, leben. Dieses erfüllte, schöne, lockende und reiche Leben. Amen!

Nun singen wir das Lied 752 aus dem Liedheft, bevor wir dann Harry Wick als Diakon einsetzen. Die Waldheim-Mitarbeiter werden sich dafür hier aufstellen. Lied 752.

Einführung des Diakons und Gebet für das Waldheim

Wir haben bis zum Schluss gebannt mitverfolgt, dass Harry Wigg nun schon seit einem Jahr als Diakon in unserer Gesamtkirchengemeinde tätig ist. Sie kennen ja die ganzen Fragen, die dabei aufkamen. Seine Anstellung war zunächst nur für ein Jahr genehmigt.

Wir haben viel gebetet und nun im Juli die erfreuliche Nachricht erhalten, dass er ab dem 1. Juli für zwei weitere Jahre einen Anstellungsvertrag zu 50 Prozent als Diakon in unserer Gemeinde bekommen hat. Darüber freuen wir uns sehr, besonders im Hinblick auf die Waldheimarbeit, aber auch auf all die anderen Dienste in der Kinderkirche und der Besuchsarbeit.

Wir wollen unserem Harry Wigg Gottes Segen, seine Führung und Leitung wünschen – auch in der Jugendarbeit. Außerdem möchten wir ihn mit der Amtsverpflichtung, die bei der Einführung der Mitarbeiter gilt, in diesem Amt verpflichten.

Die Amtsverpflichtung lautet:

„Im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche, bin ich bereit, mein Amt als Diakon zu führen und mitzuhelfen, dass das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen der Reformation bezeugt ist, aller Welt verkündigt wird. Ich will in meinem Teil dafür Sorge tragen, dass die Kirche in Verkündigung, Lehre und Leben auf den Grund des Evangeliums gebaut werde. Ich will darauf achten, dass falsche Lehre, Unordnung und Ärgernis in der Kirche nicht gewährt werden. Ich will meinen Dienst als Diakon im Gehorsam gegen Jesus Christus nach der Ordnung unserer Landeskirche tun.“

Bist du dazu bereit? Dann reiche mir die rechte Hand und gelobe es vor Gott und dieser christlichen Gemeinde mit den Worten: „Ja, und Gott helfe mir!“ So setze ich dich ein als einen Diakon in unserer Gemeinde.

Nun wollen wir beten. Ich bitte zuerst, dass Bernd Hufendieck, der auch in der Waldheimarbeit mitarbeitet, mit uns betet. Wir erheben uns.

Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir danken, dass wir das Waldheim durchführen können. Danke, dass wir es in Freiheit durchführen dürfen. Danke für die vielen Kinder, die sich angemeldet haben. Ich danke dir für die Mitarbeiter, die dabei sind.

Du weißt auch, wie sehr wir vom Wetter abhängig sind. Du kannst schenken, dass die nächsten zwei Wochen nicht regnerisch sind, sondern trockenes Wetter herrscht.

Ich bitte dich auch für jedes Kind, das kommt, dass du ihm begegnest und es ganz persönlich erfährt, dass es dich braucht und was es heißt, ein Leben mit dir zu führen.

Bewahre uns vor Schaden, vor Gefahren und vor Krankheit. Ich bitte dich auch für jeden Mitarbeiter, dass du ihm Kraft schenkst, diese zwei Wochen durchzuhalten.

Schenke besonders denen, die die biblischen Geschichten erzählen, deine Worte. Segne unser Waldheim.

Wir bitten dich auch, dass du unseren Harry Wigg als dein Werkzeug gebrauchen mögest. Du hast alle äußeren Umstände so gelenkt – das war deine Wunderhand –, dass diese Stelle geschaffen wurde. Aber jetzt ist das Allerwichtigste, dass du Frucht daraus wirken lässt, bleibende Frucht.

Gib ihm deinen Heiligen Geist, damit er das tun kann, was du willst.

Deshalb bitten wir auch für den ganzen Dienst des Waldheims, dass kein Kind übersehen wird, dass jedes Kind zur Entfaltung seiner Gaben kommt, dass keines erdrückt wird, aber vor allem, dass die Kinder dich finden.

Wir danken dir für diese wunderbare Mitarbeiterschaft, die alle ihre Kraft einsetzt und dient. Gib du Gelingen zu diesem Vorhaben.

Wir dürfen auch darum bitten, dass wir alle selbst unsere Bestimmung finden, die du uns gibst. Wir freuen uns an der Lebenskraft, die du uns schenkst, an diesem Tag und an all den äußeren Gaben, die aus deiner Hand kommen.

Gib doch, dass wir sie nicht vergebens empfangen, sondern dass du uns zubereitest, damit wir deine Werke tun.

Lasst uns gemeinsam beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.