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Feier des Glaubens - Gottesdienste und ihre Risiken

07.01.2026
“Die Bibel sagt fast nichts über die Form des Gottesdienstes. Jeder macht es anders.“ Stimmt diese Aussage? Wir sehen uns einige Kennzeichen eines biblischen Gottesdienstes an. Was macht ihn aus? Wir betrachten auch den Missbrauch des Gottesdienstes. Welche Risiken von erstarrten Traditionen bis Götzendienst stehen wir uns heute in der Moderne gegenüber?

Herzlich willkommen zum Podcast der EFA Stuttgart mit Thomas Powileit und Jörg Lackmann.

Unser Podcast möchte dazu anregen, den christlichen Glauben praktisch zu leben und zugleich zum theologischen Nachdenken einladen. Die Bibel sagt fast nichts über die Form des Gottesdienstes; jeder gestaltet ihn anders.

Stimmt das wirklich? Ist diese Aussage wahr?

In diesem Podcast werden wir uns einige Kennzeichen eines biblischen Gottesdienstes genau anschauen.

Einführung: Die Vielfalt und Herausforderung des Gottesdienstes

Was macht einen Gottesdienst aus? Wir werden uns auch den Missbrauch von Gottesdienst anschauen und darüber nachdenken, welche Risiken Traditionen mit sich bringen. Manchmal können Traditionen so erstarren, dass sie letztlich in Götzendienst münden. Dabei stellt sich die Frage, wo Traditionen heute in der Moderne stehen und wie wir damit umgehen können.

Ein kompletter Gottesdienstablauf ist in der Bibel, vor allem im Neuen Testament, nicht detailliert beschrieben. Jörg hat sich damit beschäftigt. Welche Aussagen kann man über die Gottesdienstfeier treffen, basierend auf dem, was du gelesen hast und womit du dich auseinandergesetzt hast?

Beim Gottesdienstablauf in der Gemeindezeit stimme ich dir zu. Im Alten Testament ist der Tempelgottesdienst bereits relativ gut beschrieben. Auch in der Offenbarung, Kapitel 4 und 5, sehen wir eine Art Gottesdienst, wenn auch keinen vollständigen. Dort fehlen einige Elemente, die in der Gemeindezeit vorhanden sind. Ich würde das ähnlich sehen: Es gibt keinen festen Gottesdienstablauf, der von Anfang bis Ende immer gleich ist. Das lässt sich auch historisch gut nachvollziehen.

Alle Elemente eines Gottesdienstes sind jedoch irgendwo in der Schrift vorhanden. Zum Beispiel das Vorlesen und Hören der Schrift, Doxologien beziehungsweise Glaubensbekenntnisse, Anweisungen zum Singen, die Predigt und weitere Bestandteile. Diese Elemente finden sich überall, auch wenn sie nicht immer in derselben Reihenfolge oder Intensität vorkommen.

Heute soll es vor allem darum gehen, ein Gefühl für die richtige Balance im Gottesdienst zu bekommen. Ich habe den Eindruck, dass man oft mit einer bestimmten Brille auf den Gottesdienst schaut und in eine Richtung tendiert. Dabei ist der Gottesdienst vielschichtiger, als man oft denkt. Was ich damit meine, wird, glaube ich, bald deutlicher werden.

Biblische Grundlagen und Dimensionen des Gottesdienstes

Ich möchte zunächst einen Blick ins Alte Testament werfen, dann ins Neue Testament und, wenn die Zeit es erlaubt, auch in die Zukunft, genauer gesagt in die Offenbarung. Dabei möchte ich einige Elemente betrachten und auch die Risiken im Gottesdienst aufzeigen. Denn von Anfang an gab es auch Götzendienst. Es stellt sich die Frage, was dazu führt und ob das heute noch etwas mit uns zu tun hat.

Ein Denkrahmen, den ich als sehr hilfreich empfand, ist Apostelgeschichte 2,42. Manche würden diesen Vers vielleicht gar nicht auf den Gottesdienst beziehen. Habt ihr ihn aber im Zusammenhang gelesen? Ich denke, er trifft den Kern. Dort heißt es von der Urgemeinde, dass sie beständig in der Lehre der Apostel blieben, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten – also vier Elemente.

Wenn man etwas weiterliest, merkt man, dass an dieser Stelle tatsächlich die Lehre im Tempel stattfand, während die Gemeinschaft, das Brotbrechen und die Gebete in den Häusern abgehalten wurden. Zwei, drei Verse weiter wird deutlich, dass die Urgemeinde dies getrennt hat. Auch heutige Brüdergemeinden kennen eine erste und eine zweite Stunde. Es gibt immer wieder die große Diskussion, ob man das in einem Gottesdienst oder in zwei getrennten machen sollte.

Beim Abendmahl zum Beispiel dürfen keine Nicht-Christen dabei sein. Beim Gottesdienst hingegen ist das kein Problem – Gäste können daran teilnehmen. Allerdings dürfen Nicht-Christen beim Abendmahl weder anwesend sein noch Brot und Wein empfangen. Beim normalen Gottesdienst als Gäste ist das hingegen unproblematisch.

Diese vier Bestandteile – Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet – begegnen uns immer wieder. Die Lehre ist praktisch das, was von Gott zu uns kommt. Das Gebet ist das, was von uns zu Gott geht. Das Brotbrechen symbolisiert die Zentralität des Kreuzestodes Christi. Das ist speziell neutestamentarisch und findet sich im Alten Testament so nicht.

Die Gemeinschaft stellt die horizontale Dimension dar. Manche würden überrascht sein, dass dies ebenfalls zum Gottesdienst zählt. Ein Gottesdienst ist letztendlich eine gemeinschaftliche Gottesdienstfeier. Wir feiern gemeinsam Gottesdienst – ich finde, das ist ein treffender Ausdruck.

So haben wir tatsächlich beide Dimensionen: einmal die auf Gott hin und dann die auf den anderen hin. Paulus betont dies im 1. Korintherbrief ganz stark. Er spricht davon, dass man einander aufbaut und meint damit den Gottesdienst in diesen Kapiteln. Das Problem damals war, dass viele nur für sich lebten.

Oft gibt es Menschen, die mehr darauf aus sind zu sagen: „Ja, wir sind dem heiligen Gott begegnet.“ Andere wiederum sagen: „Nein, wir wollen Gemeinschaft und fröhlich sein.“ Beide Dimensionen sind in der Bibel enthalten.

Gottesdienst im Alten Testament: Die Stiftshütte als Symbol

Aber fangen wir vielleicht mal am Anfang im Alten Testament an. Um die Gedanken kurz abzusetzen, beginnen wir wirklich beim Alten Testament.

Im Neuen Testament kommt mir der Gedanke, dass beim Abendmahl auf der einen Seite die Konzentration auf Gott steht, auf der anderen Seite aber auch die Gemeinschaft untereinander. Es ist genau der gleiche Gedanke, den du da bringst. Ich fand es spannend, dass Paulus das noch einmal wiederholt. Hier ist es Lukas, der es in der Apostelgeschichte schreibt.

Wir sehen jetzt schon, dass es mehrere Dimensionen gibt. Dabei ist klar, dass bei einem Menschenherz, das nicht christlich oder nicht gläubig ist, leicht etwas verrutschen kann. Aber auch bei Christen kann das aus der Balance geraten, weil Gottesdienst eben mehr ist als nur das Wort. Gottesdienst ist eine Feier auf Gott.

Das Wort ist nur ein Element. Das Hören war ein wichtiger Bestandteil, die Lehre der Apostel. Aber auch die Gemeinschaft, das Abendmahl und die Gebete waren Teil des Gottesdienstes. Man kann also nicht nur ein Element herausgreifen. Es ist alles vielschichtiger.

Ich denke gerade an Zwingli, der zum Beispiel alle Lieder im Gottesdienst gestrichen hat, weil man zum Wort kommen sollte. Das war aber eine spezielle Zeit in der Reformation. Luther zum Beispiel hat sogar eine Orgel eingeführt. Calvin hatte eine Mittelposition: Er ließ singen, teilweise nicht vierstimmig, und hat alle Psalmen vertont, aber keine anderen Lieder zugelassen.

Wir sehen also bei den Reformatoren verschiedene Abstufungen. Sie richteten sich natürlich gegen den Götzendienst der katholischen Kirche, bei dem nur das Symbol im Vordergrund stand. Ich würde es als Götzendienst bezeichnen, weil damals die Messe in Latein gehalten wurde. Alles außer der Predigt war in Latein, sodass die Menschen es gar nicht mehr verstanden.

Paulus sagt zum Beispiel im 1. Korinther 14, dass man verstehen muss, was gesagt wird. Für mich war das klar nicht biblisch. Auch war das Wort gar nicht wichtig, weil die Dinge normalerweise nicht verstanden wurden. Man wusste zwar etwa, wer Christus ist, aber man konnte ihm nicht wirklich folgen.

Die Priester hatten eine besondere Rolle. Zum Beispiel trank nur der Priester den Wein beim Abendmahl – das ist heute noch so in der katholischen Kirche – und nicht alle gemeinsam, wie es eigentlich denkbar wäre.

Aber die Priester sind schon im Alten Testament wichtig. Es fängt ja schon mit Kain und Abel an, und zur Zeit Henochs fing man an, den Namen des Herrn anzurufen (1. Mose 4,26). Später, bei Abraham, merkt man, dass sie Altäre bauten und Opfer darbrachten. Oft waren das Brandopfer, die Opfer der Hingabe, aber auch der Sünde. Stellvertretender Tod spielte eine Rolle, vor allem bei der Opferung Isaaks.

Schon von Anfang an gab es aber auch Götzendienst, also entartete Formen. Das schauen wir uns jetzt mal anhand der Stiftshütte an, einige hundert Jahre später. Mose durfte das israelitische Volk aus Ägypten herausführen, und Gott gab ihm im 2. Mose die Stiftshütte als symbolisches Bild des Himmels, als Abbild des Himmels.

Bevor Gott das mit der Stiftshütte richtig sagen konnte, lief der Götzendienst mit dem goldenen Kalb ab. Das geschah sofort zusammen.

Nehmen wir also die Stiftshütte als Bild für einige Dinge, aber ich husche da ein bisschen drüber, weil ich ein großes Bild für diese Dimension malen möchte.

Erstens: Gott wohnt bei seinem Volk. Das finde ich ganz wunderbar. Im Gegensatz zu anderen Religionen opfern wir im Alten Testament nicht, um Gott gefügig zu machen oder Zugang zu ihm zu schaffen. Stattdessen ist Gott zu den Menschen gekommen und hat die Stiftshütte mitten unter die Stämme gestellt, damit man immer zu ihm kommen kann. Die Initiative geht von Gott aus.

In vielen Religionen muss man Gott irgendwie zwingen oder beeinflussen: „Wenn du das machst, dann wird Gott dir folgen.“ Das ist ein ganz anderes Gottesbild. Hier aber ist Gott liebend und kommt auf dich zu. Das ist das Erste.

Es gibt dann eine Zugangsbeschränkung: Nur Priester dürfen in die Stiftshütte. Heute sind wir im Neuen Testament alle Priester, also dürften wir da rein. Aber der Gottesdienst ist erst einmal für Gläubige.

Das würde ich auch schon im Neuen Testament beim Abendmahl festhalten: Es ist erst einmal für Gläubige gedacht. Es ist eine Feier von Familienmitgliedern, von Kindern Gottes, die Gott anbeten, miteinander Gemeinschaft haben und auf Gott hören. Das ist der Schwerpunkt.

Natürlich dürfen Gäste dabei sein. Im 1. Korintherbrief steht zum Beispiel, dass, wenn ein Nichtgläubiger dazu kommt, er überführt wird. Es ist also klar, dass Gäste dazukommen können. Und es waren auch Leute dabei. Aber der Gottesdienst ist keine Evangelisationsveranstaltung.

In den 1980er und 1990er Jahren gab es den besucherorientierten Gottesdienst, bei dem viele Elemente des Gottesdienstes herausgenommen wurden, um ihn möglichst niederschwellig zu gestalten. Ich glaube, es wurde zu viel herausgenommen.

Für Nichtchristen werden Dinge immer fremd bleiben, wenn sie das erleben. Wenn man betet, bleibt das Beten fremd, auch wenn man noch so viele Anspiele davor macht, das Kreuz abhängt oder Kinosessel hineinstellt, wie es damals alles gemacht wurde.

Das Gebet bleibt trotzdem fremd. Und was ist mit dem Abendmahl? Für jemanden, der das nicht kennt, ist das eine skurrile Sache, auch wenn es eine sehr heilige sein kann.

Der Gottesdienst ist erst einmal für Gläubige gedacht, wie eine Geburtstagsfeier. Bei einer Geburtstagsfeier geht es um das Geburtstagskind. Gäste können gerne dazukommen, aber sie sollten das Geburtstagskind nicht entfernen, sonst ist es keine Geburtstagsfeier mehr. Es sollte auch ein bisschen um den Geburtstag gehen.

Natürlich trifft man bei einer Feier auch Verwandte und Freunde und unterhält sich vielleicht mehr mit ihnen als mit dem Geburtstagskind. Der Vergleich hinkt etwas, aber das Bild ist klar.

Man schmeißt nicht alles Mögliche raus, damit der Gast irgendwie Familienmitglied werden kann. Er kommt dazu. Man kann natürlich sensibel sein und Rücksicht nehmen, vielleicht ein bestimmtes Essen weglassen oder manches nicht ganz so machen und vorher überlegen.

Aber es ist erst einmal eine Gottesdienstfeier.

Aufbau und Symbolik der Stiftshütte als Gottesdienstmodell

Okay, Stiftshütte wird es immer geben. Wir haben den Vorhof. Im Vorhof gibt es zwei Dinge: den Opferaltar und das Waschbecken.

Der Opferaltar steht für meine Sündenvergebung, weil Jesus für mich im Alten Testament gestorben ist. Das Waschbecken symbolisiert die tägliche Reinigung. Deshalb haben viele Kirchen am Anfang eines Gottesdienstes ein Sündenbekenntnis. Man kommt nicht einfach nur, um Spaß mit anderen Leuten zu haben, sondern um dem heiligen Gott zu begegnen. Diese Begegnung geschieht dadurch, dass deine Sünden vergeben sind und du gereinigt wirst.

Dann kommt man ins Heiligtum. Das Heiligtum besteht aus drei Dingen, die den gemeindlichen Gottesdienst widerspiegeln, wie wir ihn in Apostelgeschichte 2 sehen. Dort gibt es den Leuchter, das Brot und den Räucheraltar.

Der Leuchter ist ein Bild für den Heiligen Geist, der durch sein Wort wirkt – also der Wortgottesdienst. Die Brote sind zwölf an der Zahl und symbolisieren die Gemeinschaft. Es geht also nicht nur darum, zum heiligen Gott zu kommen. Die Menschen sind wichtig, und es ist nicht so, dass wir uns nicht kennen und nur beten und eine Predigt hören, um dann wieder zu verschwinden. Es gibt eine echte Gemeinschaft.

Der Räucheraltar steht für die Gebete. Interessanterweise kommen die Kohlen auf dem Räucheraltar vom Brandopferaltar. Das bedeutet: Du kannst noch so viel beten, wenn du nicht die Sündenvergebung erfahren hast, die am Brandopferaltar geschieht, dann sind deine Gebete nur Schall und Rauch.

Das ist das Heiligtum. Danach kommt man ins Allerheiligste, wo Gott wohnt. Ein guter Gottesdienst kann bewirken, dass du bis zum Innersten Gott begegnest, der dir begegnen will und anwesend ist. Das ist das Bild aus dem Alten Testament.

Es gibt noch viel mehr dazu, aber die Stiftshütte bildet schon ein gutes Gerüst für einen Gottesdienst. Im Heiligtum haben wir das Wort im Leuchter, die Gebete und die Gemeinschaft. Vorne im Vorhof sind das Abendmahl, die Sündenvergebung, die Reinigung und die Begegnung mit Gott. Das entspricht dem, was wir im Neuen Testament auch haben.

Die Stiftshütte ist auch ein Abbild des Himmels, wie es im Hebräerbrief steht. Interessanterweise war Musik damals noch nicht dabei. Die kam erst später hinzu.

Außerdem gab es Feste, die man nicht vergessen darf. Bei den Festen gab es schon Musik, und die Gemeinschaft war noch viel stärker. Hier im Tempelgottesdienst steht aber mehr der Feiercharakter des Gottesdienstes im Vordergrund.

Das ist vielleicht eine kurze Basis. Oder hast du schon eine gute Grundlage?

Risiken im Gottesdienst: Götzendienst von damals bis heute

Wir haben den Podcast ja genannt, oder du hast ihn genannt: Gottesdienst und ihre Risiken. Und bei Risiken haben wir über den Götzendienst gesprochen. Du hast ja schon gesagt, dass es den von Anfang an auch gab.

Meinst du, dass uns das heute noch betrifft, oder ist das eher etwas, was in heidnischen Religionen beheimatet ist – Götzendienst?

Götzendienst gibt es heute natürlich auch noch, aber in einer anderen Form. Was wir damals nicht hatten – beim goldenen Kalb, das ich schon erwähnt habe, genau zu dem Zeitpunkt, als die Stiftshütte gegeben wurde –, war das Sexuelle. Das lesen wir später, aber nicht beim goldenen Kalb. Ob es das bei der ägyptischen Religion gab, aus der sie kamen, weiß ich nicht sicher, ich habe es bewusst noch nicht gehört. Bei den Kanaanäern gab es das sehr viel. Oder bei den Korinthern: Da gab es Leute in der Gemeinde, die zu Prostituierten im Tempel gingen. Das war für sie so normal, dass ein Teil der Gemeinde das in Ordnung fand. Für uns heute ist das absurd. So etwas haben wir nicht, höchstens in Sekten.

Bagwan, also Osho, in den 80er und 90er Jahren – mein Alter kommt da durch –, da gab es viel mit Sexualität. Er kam teilweise aus dem Hinduismus oder anderen Bereichen. Wie gesagt, in Sekten gibt es das. Früher gab es Menschenopfer oder orgiastische Feiern, bei denen man in einen Rausch kam, auch durch Drogen. Aber das ist oft mehr bei manchen östlichen Religionen oder Sekten der Fall.

Ich glaube, in dieser Form haben wir den Götzendienst heute nicht, jedenfalls nicht in einer normalen, halbwegs normalen Gemeinde. Wobei, na ja, halbwegs normal. An den Rändern haben wir das schon, da sind solche Elemente mit drin.

Was hier spannend ist: Mose blieb auf dem Berg länger weg, weil er das Gesetz Gottes empfangen sollte. Die Leute wurden unruhig und sagten, sie wüssten nicht, ob er wiederkommt. Sie gingen zu seinem Bruder und sagten: „Mach uns doch Götter, die vor uns hergehen.“ Genau, die vor uns hergehen.

Das heißt, sie kamen aus ihrer ägyptischen Kultur, in der sie aufgewachsen waren. Dort war ein Stierbild ganz normal – das goldene Kalb war eigentlich ein Stier, wenn man es genau betrachtet. Aaron ließ sich breitschlagen, sammelte von ihnen Gold und machte so den wahren Gott praktisch greifbar.

Wenn ich an das Neue Testament denke: Als Petrus im Gefängnis war, hielten die Leute eine Gebetsversammlung ab. Hier sind sie in den Götzendienst verfallen. Ich finde das schon interessant. Es wird später eindeutig Götzendienst genannt, obwohl der wahre Gott angebetet wird.

Ich glaube, die Gefahr ist heute auch, dass man denkt, den wahren Gott anzubeten – und vielleicht sind es sogar Christen, oder sicher manchmal. Aaron hat da wahrscheinlich mitgemacht, er war gläubig. Es waren bestimmt einige Gläubige dabei, und trotzdem wurde es zu Götzendienst.

Ich glaube, da gibt es Gefahren, die man hier auch ein bisschen erkennen kann. Was steht drin? Es steht, dass sie frühmorgens – 2. Mose 32 – ein Brandopfer und ein Friedensopfer darbrachten. Das ist ja gut.

Das Brandopfer ist das Opfer der Hingabe; es gibt fünf Opferarten im 3. Mose. Das Friedensopfer ist ein Gemeinschaftsopfer. Sie begannen also morgens mit dem Gottesdienst – alles toll, der wahre Gott wurde verehrt, wenn auch in einer dinglichen, begreifbaren Form.

Aber dann aßen und tranken sie miteinander – der Gemeinschaftsaspekt. Nach dem Essen und Trinken standen sie auf, um sich zu belustigen. Wenn du den Text weiterliest, merkst du, dass sie sangen und tanzten – Wechselgesänge und Reigentänze, relativ harmlose Tänze, würde man heute sagen.

Jetzt ist die Frage: Was ist daran schlecht? Wir haben doch auch Gottesdienst, danach essen wir, und dann gibt es vielleicht auch etwas, das eher unterhaltend ist. Was ist da der große Unterschied?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, der Unterschied ist, dass hier bestimmte Dinge wichtig wurden oder überproportional wurden. Plötzlich ging es vom Geistlichen zum Seelischen, so wie ich das verstehe.

Anbetung des wahren Gottes war da, aber ich glaube, das war den Leuten zu langweilig. Sie waren das Ägyptische gewohnt – ein prachtvolles Fest. Es gibt ja diese zwei Dimensionen: einmal Gott anbeten, den heiligen Gott, und zum anderen die Gemeinschaftsdimension.

Einige betonten diese Gemeinschaftsdimension zu stark. Ich glaube, bei ihnen wurde das Seelische wichtiger als das Geistliche. Du kannst Gemeinschaft und eine tolle Zeit haben, aber ich glaube, ihr Zugang zu Gott erfolgte über die Musik, die Bewegung, das Zusammensein. So erlebten sie Gott.

Gute Musik ist ja, wenn du im Inneren, in deinem Herzen singst und spielst und das äußerlich hoffentlich fröhlich oder bei manchen auch traurig ausdrückst – auf jeden Fall emotional.

Ein anderer Weg wäre, wenn du sagst: Musik hat eine Wirkung auf dich. In allen Religionen war das so. Du hast eine Wirkung durch Sex, und heute denke ich, gibt es die Gefahr durch Essen, Musik, Tanz oder Drogen.

In vielen Religionen gibt es diese Zugänge zu Gott. Es gibt Religionen, bei denen du die ganze Zeit tanzt, zum Beispiel bei den Derwischen, die sich im Kreis drehen. Bei anderen tanzt du oder nimmst bewusstseinserweiternde Drogen und gehst in eine Trance.

Musik kann auch diese Wirkung haben, ebenso Gemeinschaft. Die Seele wird so benutzt, dass sie schneller beeinflusst wird, um einen geistlichen Zugang zu bekommen. Das ist Götzendienst, wenn du mich fragst. Das ist die Gefahr.

Das Gemeinschaftliche oder das Andere wird so stark betont, dass das Geistliche untergeht. Umgekehrt heißt das natürlich nicht, dass alles, was emotional ist, deswegen verboten werden sollte, um einen besseren Gottesdienst zu haben.

Nur weil etwas emotionslos ist, ist es nicht gut. Du musst im Innern von Gott ergriffen sein. Ich denke, das drückt sich auch aus. Es gibt Verse, in denen gejubelt wird in der Bibel und Ähnliches.

Aber wir sehen hier, dass es durch diese verschiedenen Dimensionen gar nicht so leicht ist, die Balance zu halten: Wie schaffst du es, in einem Gottesdienst dem Heiligen Gott zu begegnen?

Für mich persönlich heißt das zum Beispiel, wenn ich konkret werde: Ich sammele mich für einen Gottesdienst, bekenne vorher meine Sünden und habe mit meinen Geschwistern alles bereinigt, wie es in der Bibel auch heißt. Ich komme nicht zu einem Gottesdienst, wenn ich mit jemandem im Streit bin, damit ich rein bin, gewaschen wie mit dem Waschbecken in der Stiftshütte.

So begegne ich dem Heiligen Gott und höre von ihm im Wort oder im Lied. Wir singen uns gegenseitig zu, oder ich bete ein Gebet mit, das von einem Bruder oder einer Schwester kommt und etwas ausdrückt, das mir gar nicht so bewusst war. Ich bete das innerlich mit.

Das, was ich von Gott höre, gebe ich zurück. Jetzt habe ich aber auch die Gemeinschaftsdimension. Bin ich jetzt so gefangen in meinem Zugang zum Heiligen Gott, dass ich nicht mehr freundlich mit den anderen umgehen kann, weil ich diesen Wechsel nicht schaffe?

Ich finde es gar nicht so einfach, beides zu vereinigen: Einerseits dem Heiligen Gott zu begegnen und andererseits fröhlich zu sein, miteinander Gemeinschaft zu haben, aber auch selbst betroffen zu sein und mich nicht von anderen ablenken zu lassen, indem ich herumgucke oder andere Dinge beobachte.

Ich finde es nicht leicht, das alles zusammenzubringen. Ich glaube, das bereitet oft Probleme im Gottesdienst, und jeder hat natürlich seine Prägung.

Hier ist eindeutig Götzendienst entstanden, weil sie sich zu sehr auf sich selbst konzentriert haben, glaube ich.

In Korinth haben wir später dasselbe Problem noch einmal. Die kamen für sich selbst, hatten eine Konsumhaltung. Das Erste ist aber: Es ist eine Feier. Ich suche nicht meine Freude darin.

Ich werde Freude haben, wenn ich Gott begegne. Aber wenn ich meine Freude suche, benutze ich Gott, um mein religiöses Selbst zu nähren und zu befriedigen. Er tut es, wenn ich ihm begegne – dann kommt Freude und Segen heraus.

Wenn ich das aber mache, denke ich, bin ich beim Götzendienst. Götzendienst benutzt Gott für sich selbst, für das eigene Erlebnis oder andere Bedürfnisse.

Das ist, glaube ich, eine gute Definition: Götzendienst ist, wenn Gott benutzt wird, um sich selbst ein Erlebnis oder etwas anderes zu geben.

Es ist schwierig, das immer genau abzugrenzen, zu sagen, hier ist es Götzendienst, dort nicht. Vieles läuft innerlich ab und lässt sich nicht in Regeln fassen.

Aber die Gefahr ist auf jeden Fall da. Gottesdienst ist eine Feier, aber es gibt auch Risiken. Die liegen in der menschlichen Natur begründet, und diese ist bei uns Christen auch noch vorhanden.

Gottesdienst im Neuen Testament: Elemente und Herausforderungen

Ja, klar. Wir waren ja gerade im Alten Testament unterwegs und fanden es sehr gut, die Stiftshütte als Vorlage zu haben. Nun leben wir aber im Neuen Testament. Wie sieht es dort aus? Im Neuen Testament ist der Gottesdienst weniger stark reglementiert. Es gibt keine Stiftshütte oder ähnliches mehr. Gibt es trotzdem Elemente, die ein Gottesdienst haben sollte und die wir aus der Schrift ableiten können?

In Apostelgeschichte 2,42 finden wir diese Elemente: das Wort, die Gemeinschaft, das Abendmahl und die Gebete. Ich stelle heute fest, dass es ganz verschiedene Richtungen gibt, wohin sich Gottesdienste entwickeln. Zum Beispiel gibt es eine Richtung, in der gar nicht mehr gebetet wird, sondern nur noch gesungen wird. Die Gebete werden in den Gesang integriert. Das finde ich kritisch.

Gesang ist gut, wir werden in der Offenbarung ein neues Lied singen – dagegen kann niemand etwas sagen. Die Gefahr ist aber, dass die Musik etwas in dir bewirkt, ohne dass du inhaltlich wirklich dabei bist. Ich habe letztes Jahr einen Gottesdienst angeschaut und war irritiert. Bis heute weiß ich nicht, ob die Teilnehmer Christen sind oder nicht. Sie haben es geschafft, im ganzen Gottesdienst nichts ohne Musik zu machen.

Zum Beispiel wurde das Vaterunser gebetet und mit einem Klangteppich unterlegt. Das hat mich sehr unwohl fühlen lassen, weil ich auf die Musik reagiere. Während ich bete, kam das für mich wie eine Manipulation vor. Beim Segen wurde das Lied sogar richtig laut weitergespielt, während der Segen gesprochen wurde. Bei der Fürbitte war zum Glück nur ein Klangteppich im Hintergrund, dazwischen wurden Strophen gesungen. Aber sie haben es nicht geschafft, ein einziges normales Gebet zu sprechen.

Ich finde es wichtig, dass man nicht immer nur mit Kopfhörern Musik hört oder singt, sondern auch mal vor der Bibel sitzt. Wenn ich Bibel lese, bete ich auch immer zurück, was ich gelernt habe, was ich empfinde und was ich mache – durchaus emotional. Ich singe weniger, höre aber Musik. Wenn ich das mal mache, mache ich auch alles.

Aber dieser Trend, dass Gebete weggelassen werden und die Lehre sehr kurz ist, ist problematisch. Es gibt eine Richtung, in der sehr viel gesungen wird, sehr viel Anbetung stattfindet, aber andere Themen wegfallen. Die Predigt ist dann oft sehr menschenzentriert, je nach Gemeinde verschieden. Das Abendmahl kommt manchmal gar nicht mehr vor.

Das war aber zentral bei den ersten Christen. Das Abendmahl war absolut zentral. Wenn du vom Kreuz herkommst, dann stimmt etwas im Glauben nicht, wenn du das Abendmahl nicht mehr feierst. Wenn eine Richtung so abdriftet, ist das falsch. Ebenso kann die Tradition abdriften.

Man kann auch einen liturgischen Gottesdienst haben, in dem alle Elemente enthalten sind: Schuldbekenntnis, Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Abendmahl, Wort, Schriftlesung. Aber dann ist der Gottesdienst oft tot. Das gibt es auch.

Gerade die Elemente, die du ansprichst, sind wichtig. Es gibt Bewegungen, die sagen, dass ein Schuldbekenntnis und ein Glaubensbekenntnis sehr wichtig sind – das sind unsere Wurzeln. Ich glaube, dass Freikirchen manchmal sehr frei unterwegs sind und denken, der wirkliche Glaube habe erst mit ihnen begonnen. Aber ich glaube, das entspricht nicht dem, was die Apostelgeschichte sagt.

Wir dürfen auf unsere Wurzeln zurückgreifen. Wir müssen nicht alles nur frei gestalten. Ehrlich gesagt hat jede Gemeinde ihre eigene Liturgie, nur ist sie oft weniger offensichtlich. Das ist eine klare Sache. Ich denke nicht, dass es ganz so streng sein muss mit all diesen Dingen.

Eine spannende Sache aus der Frühchristenheit: Die ersten Christen feierten praktisch den Synagogengottesdienst der Juden mit. Das wurde zum Beispiel im Podcast 140 mit Jesus und den Aposteln in der Synagoge beschrieben. Der Ablauf eines Synagogengottesdienstes war damals etwa so: Zu Beginn zwei Gebete, dann das Schma Israel, Segnungen, freie Gebete, der aaronitische Segen, eventuell nochmal ein Segen, Schriftlesung – damals sehr wichtig – und eine Predigt mit kurzem Gebet. Wenn gesungen wurde, dann ohne Instrumente, wie es bei den Juden üblich war.

Aus dem Jahr 150 n. Chr. gibt es eine Beschreibung von Justin dem Märtyrer, wie ein Gottesdienst ablief. Wenn man genau hinschaut, entspricht das Apostelgeschichte 2,42 sehr genau:

An dem Tag, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller, die in Städten oder auf dem Land wohnen, an einem Ort statt. Dabei wird an die Darlegungen der Apostel erinnert oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange die Zeit es erlaubt. Hat der Vorleser aufgehört, hält der Vorsteher eine Ansprache, in der er anspornt und bittet, all diese guten Dinge zu tun. Also haben wir Schriftlesung und Predigt.

Darauf erheben sich alle zusammen und beten. Wenn das Gebet beendet ist, werden Brot, Wein und Wasser geholt. Wein und Wasser wurden damals vermischt wegen der schlechten Weinqualität. Gleichzeitig spricht der Vorsteher Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und die Versammlung stimmt ein, indem sie "Amen" sagt. Danach findet die Austeilung des Abendmahls statt, und jeder Einzelne erhält einen Teil von dem Geheiligtem.

Wir haben also Lehre, Abendmahl, Gebete und Gemeinschaft. Das Schuldbekenntnis und andere Elemente wie das Glaubensbekenntnis kamen in der frühen Christenheit auch vor, aber nicht immer zwingend. Es gab keinen vorgeschriebenen Ablauf, der besagt, dass man zehn Elemente einhalten muss.

Diese vier Kernelemente waren aber eindeutig am Anfang da und in der Apostelgeschichte auch gemacht. Ich denke, dass wir diese vier Kernelemente auf jeden Fall haben sollten. Wir sollten gesprochene Gebete haben, nicht nur gesungene, meiner Überzeugung nach. Wir sollten das Abendmahl feiern, wir sollten das Wort hören – und zwar das Ganze, nicht nur einen eng gefassten Teil – und wir sollten Gemeinschaft pflegen.

Vielleicht mangelt es konservativen Gemeinden manchmal an diesen Elementen. Im Alten Testament waren Feste und Freude wichtig. Es ist kein Kennzeichen eines großen Christseins, wenn du traurig da sitzt. Allerdings möchte ich auch nicht beurteilt werden, wenn jemand bei mir nicht jedes Mal ein Strahlen zeigt, weil innerlich viel los sein kann und man nicht weiß, was in der Woche passiert ist.

Wir sind jetzt im Neuen Testament und waren auch ein bisschen in der Kirchengeschichte unterwegs. Im Neuen Testament gibt es ja die Gemeinde der Korinther. Du hast vorhin schon angedeutet, dass manches in ihrem Gottesdienst sicher auch schief lief. Möchtest du dazu noch etwas sagen?

Herausforderungen und Fehler im Gottesdienst der Korinther

Also, nach dem gleichen Prinzip wie beim goldenen Kalb hatten wir eine zerrissene Gemeinde, die Streit hatte über verschiedene Dinge. Ich habe vorhin erwähnt, dass manche in den Götzendiensttempel gingen und dort Sex mit Tempelprostituierten hatten. Das kam zwar nicht in die Gemeinde, aber innerhalb der Gemeinde war das Abendmahl ganz schlimm. Manche Leute waren dort betrunken – das muss man sich mal vorstellen.

Die einen aßen zusammen, sie hatten Gemeinschaft beim Essen, was damals üblich war. Andere hatten zu wenig gegessen, während einige vor ihnen prahlten und tolle Speisen auspackten, die sie nicht teilten. Hier war eindeutig die Heiligkeit Gottes überhaupt nicht im Blick. Warum? Weil sie von diesen orgiastischen Tempelfeiern geprägt waren.

Paulus sagt, sie hatten Gemeinschaft mit Dämonen außerhalb der Gemeinde und hatten kein Problem damit, weil sie so geprägt waren. Heute haben wir eine Kultur, in der die Heiligkeit Gottes kaum noch wahrgenommen wird. Er sagt: „Wir haben unseren Spaß, was willst du hier? Warum bist du so gesetzlich?“ Paulus wäre bei ihnen gesetzlich gewesen.

Sie wollten etwas erleben. Es gab geistgewirkte Erfahrungen, die aber ziemlich chaotisch waren, wie Paulus es nennen würde. Er forderte: „Bitte alles anständig, in Ordnung und nacheinander!“ Das hat er ja im 1. Korinther 14 so geordnet. Oft musste er ermahnen: „Wir erbauen die anderen, wenn wir zusammen sind.“ Doch sie bauten sich selbst auf. Er sagte oft, dass sie das für sich selbst machten.

Man kommt zur Anbetung und tut das für sich selbst, nicht wegen Gott. Man will seine geistigen Gaben zeigen. Heutzutage wäre das zum Beispiel so: Es wird gepredigt, dass Gott mit dir die Welt bewegen wird, du bist etwas ganz Besonderes und so weiter. Am Ende geht es aber nur um dich und was du für die Welt tust. Gott wird dabei oft vergessen – was nicht dagegen spricht, seine Gaben einzusetzen und Positives zu bewirken.

Doch da gibt es eine feine Grenze, die schwer zu beschreiben ist. Paulus sagt auch, dass sie sich für Dinge öffnen, ohne zu wissen, was sie tun. Ihr Verstand ist ausgeschaltet, eine gewisse Passivität entsteht. Das kennen wir aus vielen Kulten, wo der Priester alles macht.

Wenn du gute Leute hast oder eine Band, die dich in die Stimmung zieht, kannst du leicht hineingezogen werden. Wenn das absichtlich geschieht, bist du zu passiv dabei und nicht mehr aktiv. Das kann eine Gefahr sein, muss es aber nicht. Eigentlich sollte die Band die Gemeinde in der Anbetung Gottes unterstützen.

Ich nenne das „Musiktum“, aber das ist egal – es sind die Feierlichkeiten. Im Götzendienst gibt es oft einen Priester, der alles für dich macht. Im Katholizismus oder anderen Religionen wird oft nicht in der Originalsprache gebetet. Du machst nur mit, bist aber nicht mit dem Herzen dabei.

In der Bibel bist du immer ganzheitlich dabei: Geist, Seele und Körper. Nicht nur die Seele, die wie im Götzendienst beeinflusst wird, um einen Zugang über andere Mittel zu schaffen. Sondern Gott kommt zu dir. Du erlebst Gott innerlich und drückst das mit deinem ganzen Wesen aus, hast aber deinen Verstand noch bei der Sache.

Das Entscheidende ist: Die Korinther taten alles für sich selbst. Sie achteten nicht auf die anderen – sehr schade. Ich sehe, das wird wahrscheinlich nicht nur ein Podcast sein. Vielleicht kommen wir später noch einmal auf das Thema zurück.

Gerne. Dann machen wir das so. Wir haben das eigentlich als einen Podcast geplant, sind aber noch nicht am Ende. Dann teilen wir das jetzt und nehmen vielleicht noch einen anderen Gedanken mit hinein. Jörg wollte sich noch intensiver mit manchem beschäftigen.

Es ist gut, manches auch vom Gottesdienst, in dem wir stehen, zu reflektieren: Warum tun wir, was wir tun? Natürlich gibt es Risiken. Du hast aber auch deutlich gesagt, dass manche Dinge einfach so gemacht werden, obwohl die Bibel uns eine viel größere Freiheit gibt, als wir oft nutzen.

Für mich war wichtig, die Dimensionen, die ich vorhin genannt habe. Ich habe sie übrigens von Alfred Kühn aus seinem Buch „Gottesdienst erneuern“. Er war ein Bruder aus Helmsick, der schon länger beim Herrn ist.

Ist der Gottesdienst ganz für Gott oder ganz für die Menschen? Die Antwort ist: Beides ist richtig. Wir müssen beides zusammenbringen. Begegnen wir dem heiligen Gott oder dem Gott, der sich uns zuwendet? Auch beides ist richtig.

Wir haben aber oft Schlagseiten, und das müssen wir reflektieren. Wir müssen erkennen: Wo stehe ich? Bin ich zu sehr auf der einen Seite und vergesse die andere? In der Bibel ist immer beides da. Es ist immer der liebende Gott, der zu uns kommt, aber der trotzdem heilig ist.

Wir werden das im Himmel sehen, zum Beispiel in Offenbarung 4 und 5. Wir sind ganz für Gott, es ist eine Gottesdienstfeier, aber es ist auch immer eine gemeinschaftliche Feier.

Gemeinschaft als integraler Bestandteil des Gottesdienstes

Übrigens eine Bemerkung, die ich heute auf der Hinfahrt gehört habe: Da habe ich etwas über den Gottesdienst gehört, das fand ich sehr spannend. Der Redner sagte, man sagt oft, der Gottesdienst ist zu Ende und jetzt haben wir Gemeinschaft miteinander.

Der Redner fand das gar nicht gut. Wer hat denn gesagt, dass wir im Gottesdienst keine Gemeinschaft hatten? Wir singen zum Beispiel gemeinsam – das ist auch Gemeinschaft. Nicht nur, wenn wir miteinander reden oder beim Sonntagskaffee zusammen sind, sondern wir haben eine Gemeinschaft im Gottesdienst.

Er würde sagen: Nicht „Der Gottesdienst ist zu Ende, wir haben jetzt Gemeinschaft“, sondern „Wir beenden jetzt die Gottesdienstfeier und setzen unsere Gemeinschaft miteinander fort“. Das fand ich einen guten Gedanken.

Manchmal sehen wir gar nicht den Schatz, den wir haben, zum Beispiel beim gemeinsamen Singen oder beim Erleben von Musik. Was da alles drinsteckt! Auch beim gemeinsamen Beten sind wir nicht nur passiv. Da vorne macht jemand Klavier oder redet, aber wir antworten immer. Wir antworten im Gebet, wir antworten im Lied, wir antworten innerlich.

Wir sind nicht nur äußerlich dabei. Vielleicht sagen wir auch mal ein Zeugnis – das ist immer Gemeinschaft. Das als Schlussgedanke. Ja, danke sehr.

Gut, ihr merkt, das sind Themen, die sehr relevant sind für unser Gemeindeleben und mit denen wir uns auch weiterhin beschäftigen werden. Das sollte jetzt einfach mal ein Einstieg sein. Wir sind vom Alten Testament hergekommen und haben gesehen, was uns die Stiftshütte hilft zu verstehen. Dann waren wir in der Apostelgeschichte 2, haben manches vom Misstrauen gesehen, auch vom Götzendienst in 2. Mose 32, oder haben uns bei den Korinthern Dinge angeschaut, wie man sie nicht machen sollte.

Ja, das war es jetzt schon wieder – der Podcast der evangelischen Freikirche „Evangelium für alle“ in Stuttgart. Wir hoffen, es motiviert euch, intensiver über den Gottesdienst nachzudenken. Wenn ihr dazu Anregungen habt, beziehungsweise Fragen, über die wir sprechen sollen, oder Anmerkungen allgemein zu diesem Podcast, dann schreibt uns doch unter podcast.

Wir wünschen euch Gottes Segen und eine Begegnung mit Gott in eurem Alltag und natürlich auch in der nächsten Gottesdienstfeier.