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Einführung

Hohelied 1,1-1123.10.2019
Serie•Teil 1 / 10Das Hohelied
Ehe ist kein Nebenschauplatz: Warum Gottes Plan mit Liebe, Körper und Treue so viel größer ist als viele denken. Und warum echte Nähe nur hält, wenn sie den ersten Platz bekommt.
Guten Abend, ich möchte alle ganz herzlich begrüßen.
Wir beginnen heute mit diesem neuen Thema, einer Studienserie über das Hohelied, und wir wollen gleich zu Beginn aus Hohelied 1 einige Verse lesen. Das Wort Gottes selbst ist immer das Wichtigste, und alle Erklärung und Auslegung wollen wir ganz bewusst unter das Wort stellen. Und so ist es auch in jeder Predigt: Das Wort Gottes, wenn man es am Anfang vorliest, und natürlich auch dazwischen, ist das Wichtigste. Es kann ja auch sein, dass eine Predigt einmal daneben geht. Das gibt es. Aber dann kann man immer noch sagen: Lieber Bruder, diese Worte, die du am Anfang gelesen hattest, die waren wirklich wunderbar und sehr ermutigend.
Also lesen wir aus Hohelied 1 die Verse 1 bis 11:
Das Lied der Lieder von Salomo.
Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes! Denn deine Liebe ist besser als Wein. Lieblich an Duft sind deine Salben. Ein ausgegossenes Salböl ist dein Name; darum lieben dich die Jungfrauen.
Zieh mich dir nach, wir wollen dir nachlaufen! Der König hat mich in seine Gemächer geführt. Wir wollen frohlocken und uns an dir freuen, deine Liebe preisen mehr als Wein. Sie lieben dich in Aufrichtigkeit.
Ich bin schwarz, aber anmutig, Töchter Jerusalems, wie die Zelte Kedars, wie die Zeltbehänge Salomos. Seht mich nicht an, weil ich schwärzlich bin, weil die Sonne mich verbrannt hat. Die Söhne meiner Mutter zürnten mir, sie bestellten mich zur Hüterin der Weinberge; meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet.
Sage mir an, du, den meine Seele liebt: Wo weidest du? Wo lässt du lagern am Mittag? Denn warum sollte ich wie eine Verschleierte sein bei den Herden deiner Genossen?
Wenn du es weißt, du Schönste unter den Frauen, so geh hinaus den Spuren der Herde nach und weide dein Zicklein bei den Wohnungen der Hirten.
Einer Stute an des Pharaos Prachtwagen vergleiche ich dich, meine Freundin. Anmutig sind deine Wangen in Ketten, dein Hals in den Schnüren. Wir wollen dir goldene Ketten machen mit Punkten aus Silber.
Vielen Dank, einmal bis hierhin.

Der Ursprung des Buches und die Frage nach seiner Zeit

Der Titel des Buches steht gleich am Anfang. Er ist nicht von Menschen eingefügt, wie es oft in Bibeln mit Zwischentiteln bei den Texten der Fall ist. Es handelt sich um einen Titel, der zum Bibeltext gehört und inspiriert ist: Das Lied der Lieder von Salomo. Damit ist auch schon geklärt, wer der Autor dieses Buches ist: Salomo.
Nach strikter biblischer Chronologie, bei der alle Zahlen der Bibel ernst genommen werden und nichts abgeändert wird, ergeben sich geschlossene Zeiträume. Die Regierungszeit von Salomo, also vierzig Jahre, fällt dann auf 1016 bis 976 v. Chr. In den meisten Lexika, genauer gesagt in den neueren Lexika, wird jedoch der Chronologie von Edwin Thiele gefolgt. Diese ist etwas verschoben und setzt Salomos Regierungszeit auf 971 bis 931 v. Chr. Die Verschiebung ist hier nicht so groß, wie sich Chronologien an anderen Stellen verschieben. Aber immerhin.
Interessant ist die Archäologin, die das Buch hier geschrieben hat: Elad Mazza. Sie ist eine Archäologin, die in den letzten Jahren zuerst den Davidspalast entdeckt hat, in der Davidsstadt, also bescheidene Überreste davon. Dann hat sie auf dem Ofel, etwas weiter oben, ebenfalls gegraben und einen wichtigen Abschnitt der Stadtmauer Jerusalems von Salomo gefunden, ebenso auch das Wassertor von Salomo. Die archäologische Datierung mit der neuen C14-Methode, mit der korrigierten Methode, hat ergeben: 1015 bis 975 v. Chr.
Sie war darüber natürlich ein wenig enttäuscht, weil das eigentlich 971 bis 931 in diesem Bereich hätte ergeben sollen. In ihrem Buch versucht sie dann, wie man nachlesen kann, irgendwelche Gründe zusammenzubringen, damit man diese Datierung doch tiefer ansetzen müsse. Das ist aber überhaupt nicht nötig. Es ist einfach ein Volltreffer. Das Ergebnis liegt ja nur ungefähr bei 1015 bis 975 v. Chr., aber ganz exakt ist die Regierungszeit von Salomo 1016 bis 976 v. Chr.
Nun, liberale Gelehrte, die gewohnt sind, alles in Frage zu stellen, außer ihrem eigenen Wissen, haben natürlich auch das in Frage gestellt. Sie sagen: Nein, das Buch stammt bestimmt nicht von Salomo. Bibelkritiker, also solche, die etwa an einer bibelkritischen Hochschule Theologie studieren, sagen das ebenfalls. Wenn man zum Beispiel an der Uni in Lausanne, Neuenburg, Basel oder Zürich studiert, wird dort oft ein systematischer Glaube zerstört. Diese Kritiker datieren das Hohelied ungefähr auf 700, je nach Aussage eines Vertreters sogar bis 300 v. Chr. Es stammt also garantiert nicht von Salomo. Mit anderen Worten: Das wäre eigentlich ein Betrug. Wenn in der Bibel steht, das Lied der Lieder von Salomo, und es ist nicht von Salomo, dann wäre das ja ein Betrug.
Wenn man sie nach den Argumenten fragt, werden speziell sprachliche Argumente genannt. Man sagt, es gebe diverse Aramäismen in dem Buch, also aramäische Wörter im hebräischen Text. Das Alte Testament ist ja hebräisch geschrieben worden, mit Ausnahme gewisser Teile im Buch Esra, im Buch Daniel und eines Verses im Buch Jeremia, Kapitel 10. Nun kommen im hebräischen Buch des Hohen Liedes diverse Ausdrücke vor, die man aus dem Aramäischen kennt. Das wird als Argument gewertet und soll auf eine späte Zeit hinweisen.
Warum? Die Juden mussten im siebten Jahrhundert, von 606 bis 539 v. Chr., in die babylonische Gefangenschaft gehen. Damals war in Babylon nicht Akkadisch, also Babylonisch, die Weltsprache, sondern Aramäisch. Dort lernten die Juden Aramäisch. Diese Sprache ist eng mit Hebräisch verwandt. Akkadisch ist ebenfalls verwandt, aber unglaublich kompliziert. Man muss für ein Verb etwa tausend Formen lernen. Da ist es besser, Aramäisch zu lernen. Es gibt zwar auch einige Formen, aber eben weniger, und die Sprache ist ganz eng mit Hebräisch verwandt. Wenn man Hebräisch gelernt hat, schafft man Aramäisch als weitere Sprache dann ganz schnell.
So war es auch für die Juden. Sie kamen aus der Gefangenschaft zurück, und nun wurde Aramäisch die Zweitsprache in Israel, neben Hebräisch. Jetzt wird argumentiert: Wenn da aramäische Wörter drin sind, dann ist das ein Hinweis darauf, dass das Buch aus der späten Zeit der Geschichte Israels stammt.

Sprachliche Einwände und ihre Gegenbeispiele

Aber glücklicherweise gibt es auch Gelehrte, die gottesfürchtig sind. Sie haben schon längst alle diese kritischen Argumente widerlegt. Und ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Wenn ich das so erkläre, ist das vielleicht nützlich. Je nachdem, wenn man dann irgendwelche Bücher und Auslegungen liest, wird man solche Argumente auch bei anderen Bibelbüchern finden. Dann weiß man schon: Ach so, da muss man sich gar nicht beeindrucken lassen.
Wenn behauptet wird, in der Frühgeschichte Israels habe Aramäisch schon eine wichtige Rolle gespielt, dann gehen wir zu 1. Mose 31. Wir kennen die Geschichte von Jakob, der bei seinem Onkel Laban in Haran, damals Nordsyrien, gearbeitet hat und dann schließlich nach zwanzig Jahren floh. Er floh mit seiner ganzen Familie. Aber Laban war hinter ihm her, bis er ihn schließlich auf den Bergen von Gilead eingeholt hatte. Und da machten sie zusammen schließlich ein friedvolles Abkommen.
 1. Mose 31: Darf ich dich bitten, Jerry, ab Vers 45 zu lesen?
Und Jakob nahm einen Stein und richtete ihn als Denkmal auf. Und Jakob sprach zu seinen Brüdern: Sammelt Steine! Und sie nahmen Steine und errichteten einen Haufen und aßen dort auf dem Haufen. Und Laban nannte ihn Jegar-Sahaduta, und Jakob nannte ihn Galed. Und Laban sprach: Dieser Haufen sei heute ein Zeuge zwischen mir und dir. Darum gab man ihm den Namen Galed und Mizpa, weil er sprach: Der Herr sei Wächter zwischen mir und dir, wenn wir einer von dem andern verborgen sein werden.
Jawohl, also dieser Steinhaufen wird von Laban Jegar-Sahaduta genannt. Das heißt auf Aramäisch „Haufen des Zeugnisses“. Jakob gibt dann das hebräische Äquivalent Galed. Das bedeutet also: In Nordsyrien, da bei Laban, sprach man Aramäisch. Und in diesen zwanzig Jahren hat Jakob dort Hebräisch und Aramäisch gesprochen. Aber wir sehen: Er hat sein Hebräisch gar nicht verloren. Darum gibt er dann auch das Äquivalent, das entsprechende Galed.
Und jetzt versteht man auch, warum in 5. Mose 26 Mose später angewiesen wird: Wenn man in die Stiftshütte beziehungsweise zum Tempel geht mit Früchten des Landes, dann muss man diesen Korb beim Altar niedersetzen. Jerry liest uns Vers 4, was man dann sprechen muss:
Und der Priester soll den Korb aus deiner Hand nehmen und ihn vor den Altar des Herrn, deines Gottes, niedersetzen. Und du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, anheben und sprechen: Ein umherirrender Aramäer war mein Vater, und er zog nach Ägypten hinab und hielt sich dort als ein geringes Häuflein auf. Und er wurde dort zu einer großen, starken und zahlreichen Nation. Die Ägypter misshandelten uns und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. Und so weiter und so fort.
Also eine ganz kurze Zusammenfassung der Geschichte Israels. Und zwar beginnt es damit: „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater.“ Und damit ist mein Stammvater Jakob gemeint. Das war ja der, der dann hinunterging nach Ägypten, als Familie mit siebzig Personen, und dort wurde diese Großfamilie schließlich eine Nation. Also Jakob wird genannt ein umherirrender Aramäer, der Hals über Kopf aus prekären familiären Problemen floh. Sein Bruder Esau wollte ihn umbringen. Er ging nach Haran zu Laban, zwanzig Jahre aramäisch. Und darum wird er genannt ein umherirrender Aramäer.
Das heißt, Aramäisch spielte eine Rolle in der Geschichte Israels von Anfang an. Und wenn daher in dem Buch Hohelied von Salomo und auch anderswo im Alten Testament eben aramäische Ausdrücke vorkommen, ist das kein Argument für eine Spätdatierung. Sondern die gleichen Argumente kann man für eine Frühdatierung verwenden. Also muss man sich überhaupt nicht beeindrucken lassen.
Relativpronomen wie welcher, welche, welches vor allem sche. Aber sonst lautet das im Alten Testament normalerweise ascher. Dort aber sche, übrigens so, wie man das im modernen Hebräisch auch benutzt. Da sagt man auch immer: che? Welcher? Also, das findet man im Hohenlied. Und das wurde auch als Argument gebracht: Das ist eigentlich sprachlich eine späte Erscheinung, dieses sche. Wobei übrigens gerade im ersten Satz das ascher vorkommt: Schir Haschirim ascher li-Schlomo, „welches von Salomo“. Und ein deutsches „ist“ muss man ergänzen: stammt. Ja, aber eben zwischendurch dieses sche. Das ist aber überhaupt kein Beweis für ein spätes Hebräisch, weil man das sche auch im Akkadischen kennt, seit dem dritten Jahrtausend vor Christus. Und auch anderswo im Alten Testament, eben in Texten, die alt sind, kann man dieses sche auch finden. Es ist also auch kein Beweis.
Aber dann ist man gekommen mit zwei Wörtern, die man vom Griechischen herleiten könnte: das Wort Tragsessel, Aperion, in Kapitel 3, Vers 9. Da wird gesprochen von Salomo und diesem Tragsessel. Ja, also griechisch: Der Einfluss des Griechischen, das ist doch ein Hinweis auf die späte Zeit, sagen wir, von Alexander dem Großen, der ab 330 etwa den ganzen Nahen Osten und eben auch Israel erobert hatte. Und dann kamen griechische Wörter ins Hebräische hinein.
Und dann noch ein zweites Wort: Umzäunung in Kapitel 4, Vers 13 oder Lustgarten, je nachdem, wie es übersetzt ist. Was dir entsprosst, ist ein Lustgarten. Das Wort Pardes und im Griechischen das Wort Paradeisos, das Wort Paradies, ja, wäre dann die Quelle. Aber eben Leute wie zum Beispiel Gleason Archer, der in zwei Bänden dieses Buch geschrieben hat, Einleitung ins Alte Testament, also gibt es auch als deutsche Übersetzung, der hat das sehr schön widerlegt. Man kann das nämlich auch herleiten, das Wort Paradies, aus dem Persischen, gar nicht unbedingt aus dem Griechischen. Und man kann es auch aus dem Sanskrit herleiten, aus dem Indischen, einer indischen Sprache. Und das gleiche das Aperion, Tragsessel, kann man auch herleiten von einem Sanskrit-Wort Paryanka.
Und da muss man sagen: Salomo hatte speziell Kontakt mit Indien. Er schickte ja Schiffe von Eilat, und die gingen immer nach Ophir und brachten eben exotisches Material und viel Gold. Und da wird auch erwähnt in 1. Könige Pfauen und Affen. Und diese zwei Wörter, Pfauen und Affen, sind dort gar keine hebräischen Wörter. Aber man kann sie aus dem Indischen herleiten, aus dem Sanskrit, verwandt mit der singalesischen Sprache, der Sprache der Singhalesen auf Sri Lanka, und auch aus dem Tamil kann man es ableiten. Also dort wird klar: Gerade Salomo hatte Kontakte nach Indien. Und darum ist es nicht eine Überraschung, wenn zwei, das ist ja nicht viel, zwei Wörter auch im Hohenlied vorkommen, die eben einen Bezug zu Indien haben.
Also, der langen Rede kurzer Sinn: Wir können einfach jetzt weitergehen und das glauben, was eben in der Bibel steht. Das Lied der Lieder ist von Salomo geschrieben. Und vielleicht noch nebenbei erwähnt: In Qumran, in diesen Höhlen am Toten Meer, in der Nähe von Jericho, da hat man ja praktisch alle Bücher des Alten Testaments belegt gefunden, aus der Antike. Und man hat auch vier Hohelied-Handschriften gefunden, und zwar in Höhle 4. Die Höhle 4, das ist diese: Wenn man in der Siedlung ist, in Qumran, viele unter uns waren schon dort, zum Teil sogar gerade kürzlich, da sieht man von dort aus eine Höhle, also ohne Mühe. Und das ist die Höhle Nummer 4. Da hat man am allermeisten gefunden, nämlich Tausende von Fragmenten. Und da hat man eben drei Hohelied-Handschriften gefunden. Und alle werden datiert auf die Zeit 30 vor Christus bis spätestens 68 nach Christus. Und in Höhle 6 hat man auch noch eine gefunden, die wird datiert auf 50 nach Christus.
Wollen wir uns aber mit der Bedeutung dieses Buches beschäftigen.

Das Lied als Dichtung und seine erste geistliche Linie

Der erste Vers ist wichtig, um das zu verstehen. Es ist ein Lied, also nicht eine Erzählung wie 1. Mose 1, 2, 3, 4. Das ist eine Erzählung, die erzählt, was in der Heilsgeschichte konkret geschehen ist, wie Gott in Raum und Zeit gehandelt hat. Ein Lied ist keine Erzählung, sondern eine künstlerische, dichterische Darstellung von Gottes Handeln.
Wenn Salomo aber das Lied der Lieder sagt, dann bedeutet das, es ist das schönste Lied, das er je geschrieben hat. Wie viele Lieder hat Salomo in seinem Leben geschrieben? Beleg? Tausendfünf. Woher weißt du das? Schlagen wir doch auf! 1. Könige. Es gibt unterschiedliche Verszählungen. In gewissen Bibeln ist es Kapitel 4, Vers 32, und in den meisten ist es gezählt als Kapitel 5, Vers 12. Liest du vor? Und zwar ab Vers 29, äh, sagen wir vier Verse davor, also ab Vers 8.
Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr große Einsicht und Weite des Herzens, wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist. Und die Weisheit Salomos war größer als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit Ägyptens. Und er war weiser als alle Menschen, als Ethan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Machols. Und sein Name war berühmt unter allen Nationen ringsum. Und er redete dreitausend Sprüche, und seine Lieder waren tausendfünf. Und er redete über die Bäume, von der Zeder, die auf dem Libanon ist, bis zum Ysop, der an der Mauer heranwächst. Und er redete über das Vieh und über die Vögel und über das Gewürm und über die Fische. Und man kam aus allen Völkern, um die Weisheit Salomos zu hören, von allen Königen der Erde her, die von seiner Weisheit gehört hatten.
Vielen Dank. Also, tausendfünf Lieder, aber das schönste Lied ist dieses Lied. Das Lied der Lieder, das ist im Hebräischen die Art und Weise, wie man das Höchste ausdrückt. Zum Beispiel: Der heiligste Ort im Tempel, das war das Allerheiligste, wo die Bundeslade war. Auf Hebräisch heißt das Kodesch Hakodashim, das Heilige der Heiligen, und das hat man in Deutschland übersetzt mit das Allerheiligste. Und das Lied der Lieder heißt Shir haSchirim, das heißt: Es ist das schönste Lied, das es gibt. Und Luther hat versucht, das mit einem deutschen Ausdruck wiederzugeben und hat geprägt: das Hohelied.
Oder es gibt zum Beispiel den Ausdruck in Epheser 3,21 am Schluss. Da wird gesprochen über die Generationen der Gemeinde, alle Generationen der Gemeinde, und Gott soll gepriesen sein in den Gemeinden durch alle Generationen hindurch des Zeitalters der Zeitalter. Das heißt, die Zeit, in der wir heute leben, das Zeitalter der Gemeinde, mit den Generationen seit den Aposteln bis zur Entrückung der Gemeinde, wenn Jesus Christus kommt für die Gemeinde als Bräutigam, das ist das herrlichste Zeitalter. Aber leider haben manche Übersetzungen dort einen Fehler gemacht. Sie haben das übersetzt mit Ewigkeit der Ewigkeiten. Ihr lest den Satz ganz? „Ihm sei die Ehre in der Gemeinde in Christus Jesus auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten.“ Ja, aber das müsste heißen: des Zeitalters der Zeitalter. Nämlich der Ausdruck, der korrekt übersetzt wird, lautet „in die Ewigkeit der Ewigkeiten“ oder „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Das kommt oft im Neuen Testament vor, zum Beispiel Offenbarung 14, wo es um die ewige Qual der Hölle geht. Dort steht aber wörtlich „in die Zeitalter der Zeitalter“, und dieser Ausdruck bedeutet ganz eindeutig absolut ewig.
In Epheser 3 steht aber nicht „in die Zeitalter“, sondern das Zeitalter der Zeitalter, in der Einzahl: das Zeitalter der Zeitalter. Das heißt: das höchste, das wunderbarste, das großartigste Zeitalter. Und so gibt es noch weitere Ausdrücke, zum Beispiel in 1. Könige 8,57 spricht Salomo über den Tempel, den er gebaut hat in Jerusalem, und sagt: Wie kann Gott da wohnen? Der Himmel und der Himmel der Himmel vermögen ihn nicht zu fassen, wie viel weniger dieses Haus. Der Himmel ist nach dem Schöpfungsbericht der Lufthimmel, die Ausdehnung am zweiten Schöpfungstag gemacht. Aber der Himmel der Himmel, das ist das Weltall, das alles erfasst. Und Salomo sagt also: Der Lufthimmel und das ganze Universum können Gott nicht fassen. Und dieser Ausdruck heißt „Schamajim haSchamajim“, also auch wieder ganz ähnlich formuliert wie eben das Lied der Lieder, das schönste Lied.
Es gibt aber in der Bibel noch ein anderes Lied von Salomo. Wo? In den Psalmen, und zwar unter 26, 27. Genau, dort steht im Titel ein Stufenlied von Salomo: Wenn der Herr das Haus nicht baut, vergebens arbeiten daran die Bauleute; wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, vergebens wacht der Wächter usw. Das ist auch ein schönes Lied, aber Salomo sagt: Das Lied der Lieder, das ist das Schönste.

Ehe, Reinheit und die geistliche Tiefendimension

Und da geht es um die Beziehung von einem Mann und einer Frau, nämlich um Salomo und die Frau seines Herzens, Sulamit, die er die Auserwählte nennt. Es ist sehr traurig zu sehen, dass Salomo später verkehrte Wege ging. Er heiratete weitere Frauen dazu und wurde schließlich so extrem, dass er am Ende tausend Frauen hatte. Damit hat er alles kaputt gemacht.
Aber im Hohenlied sehen wir diese Frische und Schönheit der Ehe von Anfang an. Es geht um eine. Sulamit heißt sie, und er heißt Salomo. Auf Hebräisch spricht man Shulamit und Shlomo aus. So hört man den Zusammenhang besser. Beide Namen sind verwandt mit Shalom, was Friede heißt. Also bedeutet Shlomo von Shalom: Mann des Friedens, und Shulamit ist die Frau des Friedens.
Und Shulamit spielt auf ihren Namen an. Ganz am Schluss des Hohen Liedes kannst du uns vorlesen, Jerry, in Kapitel 8, Vers 10: Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme; da wurde ich in seinen Augen wie eine, die Frieden findet. Sie vergleicht sich mit einer Stadt, einer Frau, die einfach zu erobern ist, ohne dass man irgendetwas tun muss. Das ist eine traurige, armselige Sache. Aber sie sagt: Ich bin eine Mauer, eine Stadtmauer mit Türmen. Aber Salomo, der Mann des Friedens, hat sie schließlich erobert. Also muss man kämpfen.
Und dann ist es so: Wenn eine Stadt sich dem Eroberer ergibt, dann nimmt sie die Friedensbedingungen an. So sagt sie: Ich bin quasi wie eine Stadt, die sich ergeben hat; da wurde ich in seinen Augen wie eine, die Frieden findet. Und da drückt sie aus, dass sie eben in dieser Beziehung mit Salomo völlig zur Ruhe gekommen ist.
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt beim Heiraten. Das macht einen Menschen grundsätzlich ruhiger. Solange die Frage des Heiratens nicht gelöst ist – ich meine, es gibt auch den Weg, dass jemand erkennt: Für mich hat Gott einen speziellen Weg der Ehelosigkeit –, kann er auch in dieser Sache zur Ruhe kommen. Aber solange die Frage immer offen ist, ist immer eine Unruhe da. Und man weiß ja nie: Vielleicht ist heute der Tag, an dem man die zukünftige kennenlernt und zum ersten Mal sieht. Es ist immer diese Unruhe da, es könnte ja irgendwo die Richtige sein.
Darum hat ein weiser Bruder einmal den Rat gegeben: Wenn man in die Mission gehen will, ist es eigentlich gut, wenn die Sache des Heiratens vorher geklärt ist. Das ist kein Gesetz, das sagt die Bibel nicht als Gesetz, aber es war eine weise Überlegung. Wenn diese Unruhe immer noch da ist, dann kann das je nachdem behinderlich sein. In einem schwierigen Dienst in der Außenmission ist es oft schwierig. Dann ist es eben gut, wenn die Frage geklärt ist.
Wir sehen das so schön im Buch Ruth. Die Schwiegermutter, um zu sagen, dass ihre verwitweten Schwiegertöchter wieder heiraten sollen, sagt sie nicht einfach, sie sollen wieder heiraten, sondern sie sagt das so. Schlagen wir auf: Buch Ruth, Kapitel 1. Jerry, liest du Vers 8 und dann 9. Da erhoben sie sich. Ja, das reicht schon. Also sie sagte: Herr, gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in dem Haus ihres Mannes. Das heißt also, sie sagte: Heiratet wieder, und das wird euch eine Ruhe bringen.
Allerdings war ihre Überlegung sehr ungeistlich. Sie wusste ja ganz genau: Wenn diese Schwiegertöchter in Moab wieder heiraten, dann werden sie Götzendiener heiraten. Und das wird eine schwierige Ehe werden. Wir sehen aber, Ruth war überhaupt nicht einverstanden und sagt: Nein, ich gehe mit dir nach Bethlehem. Dein Volk ist mein Volk, und sie hat den wahren Gott der Bibel eben erkannt. Dein Gott ist mein Gott. Und für sie war es wichtiger, den Weg mit dem wahren Gott zu gehen, als zu heiraten.
Das ist auch ein wichtiger Punkt: Wenn jemand einfach heiratet, damit er da quasi zur Ruhe kommt, aber die ganze Frage, welche Stelle hat der Herr in meinem Leben, ist nicht geklärt, und es ist nicht so, dass er den ersten Platz hat, dann wird das auch nicht diese Ruhe bringen, die es eben dann geworden ist im Fall von Ruth.
Dann noch Kapitel 3, Ruth 3, Vers 1: Und Noemi, ihre Schwiegermutter, sprach zu ihr: Meine Tochter, sollte ich dir nicht Ruhe suchen, dass es dir wohl gehe? Ja, dass es dir wohl gehe. Da geht es jetzt aber ganz konkret im Land Israel, in Bethlehem, darum, dass sie schließlich die Frau von Boas wird, einem Mann, der ganz entschieden den Weg Gottes ging.
Es gibt einen Kommentar zum Buch Ruth von Hank Haykoop, einem holländischen Autor, der viele Bibelauslegungen, und zwar sehr gute, geschrieben hat. Er war übrigens auch in der Zeit der Nazis im Konzentrationslager. Dieser Mann hat einen Ruth-Kommentar geschrieben mit dem Titel Zur Ruhe gebracht. Da wird eben diese Ruth beschrieben, die wirklich Ruhe gefunden hat in der Beziehung zu einem Mann, der dem Herrn den ersten Platz gibt. Das ist natürlich die wichtige Voraussetzung. Aber dann macht man diese Erfahrung wie Sulamit: Da wurde ich in seinen Augen wie eine, die Frieden findet. Also eine Anspielung auf ihren Namen.
Es geht also hier um eine Ehe, um Beziehung. Der junge König beschreibt in diesem Lied seine in jeder Beziehung erfüllte Liebesbeziehung zu Sulamit, seiner jung vermählten Ehefrau. Es ist ganz wichtig festzuhalten: In diesem Buch sind Salomo und Sulamit nicht mehr verlobt. Es wird zwar manchmal auf frühe Zeiten zurückgeblickt, aber in diesem Buch sind die zwei miteinander verheiratet, jung verheiratet.
Jetzt könnte jemand sagen: Aber in diesem Buch kommt immer wieder der Ausdruck meine Braut vor. Ja, natürlich. Aber es ist so: Das hebräische Wort kallah bedeutet erstens Verlobte, zweitens frisch Verheiratete und drittens Schwiegertochter. Also der Ausdruck, wenn es im hebräischen Text Schwiegertochter meint, ist auch kallah. Und das kann man nachlesen, zum Beispiel in dem bekannten Lexikon von Whittaker, dem BdB-Lexikon von Whittaker, so wird das erklärt. Und im Hohenlied geht es also nicht um eine Verlobte, sondern um eine jung Verheiratete, wenn es um Sulamit geht.
Das ist sehr wichtig, weil in diesem Buch wirklich die eheliche Beziehung beschrieben wird. Die zwei sind ein Fleisch. Das heißt, die Sexualität spielt in diesem Buch eine große Rolle. Und darum wäre es verheerend, wenn jemand sagt, das sei ein Verlobungslied. Denn die Bibel macht ganz klar, dass Geschlechtsverkehr vor der Eheschließung Hurerei ist. Es wird also mit dem starken Ausdruck porneia in der Bibel als schwere Sünde verurteilt. Aber hier geht es eben um die Ehebeziehung.
Wir müssen das Hohelied betrachten auf vier verschiedenen Ebenen, also zuerst einmal ganz wörtlich. Salomo und Sulamit: Da wird die eheliche Liebe zwischen Salomo und Sulamit beschrieben. In diesem Buch finden wir also ein Lob auf die Ehe und die Schönheit dieser Beziehung, und zwar auf allen Ebenen, seelisch und körperlich.
Und dazu ein ganz wichtiger Vers: Hebräer 13,4. Darf ich bitten, Jerry, sobald du es hast? Die Ehe sei geehrt in allem und das Ehebett unbefleckt; denn Hurer und Ehebrecher wird Gott richten. Ja, also hier wird gesagt: Die Ehe soll geehrt werden in allem. Ich weiß, in allem, in all ihren Aspekten, die Ehe, ganz, ganz unterschiedliche Aspekte. Und dieser Vers betont: Es gibt keinen Aspekt in der Bibel, der irgendwie ein bisschen problematisch oder verächtlich oder etwas minderwertig wäre.
Und natürlich zielt der Heilige Geist genau auf das Problem hin, dass eben in dieser Zeit schon Philosophien existierten, in denen die Sexualität in der Ehe als etwas Niedriges angeschaut wurde. Das kommt ganz speziell aus der Philosophie von Platon. Das ist ja der größte griechische Philosoph, und man hat auch schon gesagt, die ganze Philosophiegeschichte ist eigentlich Anmerkungen zu Platon. Ein bisschen übertrieben, aber Platon ist so wichtig. Und Platon hat gelehrt: Das Wichtigste, das Größte, ganz oben, das ist das Geistige, die Gedanken, die Ideen, das ist das absolut Gute, oben. Und alles, was wir hier in dieser Natur haben, sind eigentlich nur Abbilder davon, aber die sind minderwertig.
Und aus dieser Philosophie folgt, dass eigentlich alles Körperliche, alles Materielle minderwertig ist. Darum wurde auch gelehrt: Der Körper des Menschen ist eigentlich ein Gefängnis des Geistes, und wenn der Mensch stirbt, dann wird er endlich frei. Der Geist kann in diese oberen Sphären entfliehen, und das Körperliche ist dann vorbei. Und dieses Denken kam über die Eroberungszüge von Alexander dem Großen in diesen ganzen Bereich von Europa, Griechenland über den Nahen Osten und bis nach Indien. So kam dieses Denken auch ins Judentum hinein.
Das erklärt zum Beispiel, warum die Gemeinschaft von Qumran eine komische Gemeinschaft war. Das war nämlich eine Männergesellschaft, die haben nicht geheiratet. Sie haben zwar Kinder aufgenommen und dort in der Wüste erzogen, aber das war eine zölibatäre Gemeinschaft, also Männer, die alle in Ehelosigkeit lebten. Und woher kommt das? Im Judentum hat man immer betont, dass die Ehe etwas Schönes ist und nicht minderwertig. Und das gründet sich alles eben schon auf den Schöpfungsbericht.
Schlagen wir auf: 1. Mose 1,2. Da haben wir die Schöpfung, und da wird gezeigt, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat. Die ganze Materie ist nicht irgendetwas Minderwertiges, sondern es ist das Werk Gottes. Und in dieser Schöpfung hat Gott den Menschen erschaffen als Mann und Frau. Jerry liest uns 1. Mose 1,27: Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie. Ja, also da wird betont, dass Gott die ersten Menschen geschaffen hat, als Paar, und zwar ein Mann und eine Frau.
Im hebräischen Text, das wird in der Elberfelder in der Fußnote auch erklärt, heißt es ganz wörtlich männlich und weiblich. Also die Geschlechterunterschiede werden von Anfang an betont, und zwar hat Gott einen Adam geschaffen, nicht zwei oder drei, und eine Eva, auch nicht zwei oder drei. Und diese erste Ehe, die Gott da zusammenfügt und ihnen den Auftrag gibt: Seid fruchtbar und mehret euch, in Vers 28, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, beinhaltet auch die Sexualität.
Und jetzt aus Kapitel 24: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein. Ja, und der Vers macht klar, es geht eben um einen Mann, der seine Eltern verlässt, seiner Frau anhängt, das ist eine, nicht seinen Frauen, seiner Frau anhängt, und sie werden ein Fleisch sein. Also Gottes Ziel ist auch die körperliche Vereinigung in der Ehe. Das will er. Und die ist nicht etwas Minderwertiges. Darum sagt Hebräer 13,4: Die Ehe sei geehrt in allem.
Und das war eben ganz wichtig, gerade in der Zeit des Hebräerbriefes, im ersten Jahrhundert. Da kamen diese platonischen Gedanken, etwas umgearbeitet, man spricht dann von Neoplatonismus. Neoplatonismus kam in die Gemeinden hinein und hat sich immer mehr ausgebreitet. Im zweiten Jahrhundert kommt deshalb die Idee auf: Ja, wie ist das eigentlich, wenn jemand das Abendmahl austeilt, am Sonntag in der Gemeinde, in der Kirche? Ist doch das ein Problem, wenn er in der Nacht davor eheliche Gemeinschaft gehabt hat. Und da hat man begonnen zu sagen, es sollte eigentlich so sein, dass man das eben in der Nacht vor dem Gottesdienst nicht hat.
Ja, woher kommt jetzt das? Das kommt nicht aus der Bibel, das kommt aus diesem Neoplatonismus heraus. Und diese Gedanken haben sich weiterentwickelt und haben sich später gesagt: Ja, aber besser wäre es ja eigentlich, wenn man dann überhaupt nicht heiratet. Dann hat man eben in der Kirche so als einzelne Person einen höheren geistlichen Stand. Das ist auch nicht biblisch.
Wenn der Apostel Paulus spricht über die Ehelosigkeit in 1. Korinther 7, geht es nicht darum, dass das geistlicher wäre, sondern der Apostel Paulus sagt: Wenn jemand dazu geschaffen ist, dass er ohne ständig zu leiden ehelos sein kann, dann kann er eben noch mehr Zeit einsetzen für die Arbeit im Werk des Herrn, so wie es Paulus konnte, und ehelos arbeitete als Apostel. Das ist aber etwas ganz anderes, als wenn man sagt, das ist ein höherer Stand.
Und deshalb entstand dann im zweiten Jahrhundert immer mehr der Trend, dass Leute als Eremiten in die Wüste gingen, allein, ehelos. Das war ein solcher Run, weil das war der Zeitgeist damals. Also so wie Hippies in den sechziger Jahren ausgeflippt waren, das waren die Ausgeflippten, die Einsiedler, die gingen in die Wüste. Nebenbei gesagt, so haben sie dann auch nicht mehr Steuern bezahlt, die damals im Römischen Reich immer höher hinaufgingen. So wie ein bisschen in der Schweiz und ganz besonders in Deutschland immer mehr Steuern, dann wird es witzig und interessant auszusteigen.
Und das waren dann so viele, dass die sich zusammengeschlossen haben. Und so sind die Klöster entstanden. Die Klöster sind ganz verbreitet schon in der Kirchengeschichte um dreihundert herum. Aber zutiefst liegt darin dieser Gedanke: Die Ehe und gerade die Sexualität in der Ehe ist etwas Minderwertiges.
Und dazu noch ein Vers, der übrigens auch in jeder katholischen Bibel drinsteht. Nun sich merken, aber es ist eine Bombe: 1. Timotheus 4,1. Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden, indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen, durch die Heuchelei von Lügenreden, die betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind, verbieten zu heiraten und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat, zur Annahme mit Danksagung für die, die glauben und die Wahrheit erkennen. Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird, denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet.
Jawohl, also der Apostel Paulus sagt: In späteren Zeiten – übrigens nicht in den letzten Zeiten, wer das so in seiner Bibel hat, kann das gar korrigieren, das ist ein Übersetzungsfehler – in späteren Zeiten, also in Zeiten, die auf die Zeit der Apostel folgen sollten. Und wir haben bereits gesehen, das war im zweiten und dritten Jahrhundert. In späteren Zeiten werden etliche von dem Glauben, das heißt von dem Glaubensgut der Bibel, wegkommen, abfallen, indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen, und die reden Lügen. Und da heißt es erstens: verbieten zu heiraten. Und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat.
Also Zölibat, verbieten zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, das ist Askese. Aber auch wieder aus der Überlegung, man ist geistig höher, wenn man auf das Minderwertige der Nahrung verzichtet. Aber Nahrung ist nicht minderwertig. Ja, und es wird hier sogar gesagt: Diese Speisen, die hat Gott geschaffen zur Annahme mit Danksagung. Und wenn man das macht, es annimmt mit Danksagung, dann wird man nicht zum Fresser, und es bewahrt auch vor Magersucht. Ja, alle Extreme werden dadurch korrigiert. Man nimmt das aus der Hand Gottes, so wie es in Prediger 2 heißt: Wer kann genießen ohne mich? Diesen wahren Dank für das Essen kann man nur, wenn man das aus der Hand Gottes nimmt.
Und Paulus fügt hinzu: Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut, nichts verwerflich. Also das mit Platon ist eine Lüge, das sind Lehren von Dämonen. Zölibat, in jeder katholischen Bibel steht das, ist eine Lehre von Dämonen und muss abgewiesen werden.
Gerade das Hohelied ist uns gegeben als Bollwerk, denn ein ganzes Buch beschreibt die Schönheit der ehelichen Beziehung von einem Mann und einer Frau, aber auf allen Ebenen, wie wir sehen werden. Ganz romantisch werden wir sehen, wie die beiden die Natur beobachten. In all ihren Einzelheiten, da werden wir noch sehen, zum Beispiel im Kapitel 2 einen ganzen Jahreszyklus. Von Vers zu Vers wird das beschrieben, wunderbar. Und wenn man verliebt ist, dann hat man auch zusammen Freude an der Natur und an den Wundern der Schöpfung.
Und wir sehen eben eine Gemeinschaft auf allen Ebenen: geistig, seelisch und eben auch körperlich. Das wird im Hohen Lied so schön dargestellt. Und das Hohelied ist also eine Ausdeutung von 1. Mose 2,24. Könnte man als Titel darüber schreiben: Jetzt hat wieder ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seine Frau anhangen. Anhangen, hebräisch dawak, heißt wörtlich ankleben. Wie zwei Blätter, wenn man die zusammenklebt, dann sind sie eins. Aber wenn man die wieder trennen will, zwei Blätter, das geht nur, indem es Risse gibt. Also es ist eine so tiefe Vereinigung, dass, wenn das zerrissen wird, dann gibt das Schäden.
Aber wir sind auch da. Die Bibel spricht auch darüber, wie Gott Wunden und Schäden heilen kann und auch heilt und Hilfe gibt. Aber das ist jetzt nicht das Thema, einfach nebenbei gesagt.

Die vier Ebenen der Auslegung und die Brautbilder

Aber das ist jetzt eben erst eine Ebene des Hohen Liedes. Eine zweite Bedeutung des Hohen Liedes ist diese: Das Hohe Lied ist ein Gleichnis. Salomo stellt Gott dar, und Sulamit Israel, das Volk Israel, das auserwählte Volk Israel. Im Gegensatz zu den anderen Völkern, darum haben wir ja schon gefunden, ganz am Anfang des Hohen Liedes: Die Braut, die jung Verheiratete, die hat viele Freundinnen. Die werden schon in Vers 3 erwähnt: Ein ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum lieben dich die Jungfrauen. Sieh mich, wir werden dir nachlaufen. Der König hat mich in seine Gemächer geführt. Wir wollen frohlocken und uns an dir freuen, wollen deine Liebe preisen mehr als Wein. Sie lieben dich in Aufrichtigkeit.
Sulamit ist eine Hauptperson, haben wir gesehen, Salomo in diesem Lied, aber Sulamit hat viele Freundinnen. Und diese Freundinnen spricht sie auch immer wieder an als die Töchter Jerusalems. Das sind junge Mädchen aus Jerusalem, ihre Freundinnen, und die begleiten sie. Und die sind natürlich auch stolz, dass sie eine Freundin haben, die persönlich mit dem König Israels verheiratet ist, nicht wahr? Und sie schätzen eben diesen König von Israel. Und in diesem Sinne ist es zu verstehen: Sie lieben dich in Aufrichtigkeit. Das heißt, diese Freundinnen sind eben beeindruckt von der Tatsache, dass ihre Freundin den höchsten Mann von Israel geheiratet hat.
Jetzt findet man in dieser ganzen Darstellung des Hohen Liedes als ein Gleichnis die ganze Geschichte von Israel, seit der Zeit der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, und dann später die Zeit in Ägypten, den Auszug aus Ägypten und dann auch die Zeit der Gefangenschaft in Babylon. Und dann die Rückkehr wieder ins Land und dann das Kommen des Messias und sein Sterben auf Golgatha, das ist der Myrrhenberg, der Weihrauchhügel im Hohen Lied. Die Geschichte geht weiter bis ins tausendjährige Friedensreich. Also die ganze Geschichte Israels wird als ein Gleichnis dargestellt.
Dann ist es aber noch so, dass das Hohelied auch ganz speziell die Beziehung des Volkes Israel in der Endzeit mit dem Messias prophetisch darstellt, also den Überrest Israels, der nach der Entrückung der Gemeinde zum Glauben kommen wird. Zuerst die 144.000. Ein Drittel der Bevölkerung im Land wird zur Bekehrung kommen in der zukünftigen großen Drangsalzeit. Zwei Drittel kommen um, nach Sacharja 13,8, in diesen kommenden schrecklichsten Ereignissen. Aber ein Drittel, und damit wird dann das ganze Volk Israel nur noch aus Gläubigen bestehen, und diese werden in der Prophetie dargestellt als die Braut des Messias. Und das wird eben auch hier dargestellt in dem Lied der Lieder.
Und weiter eine vierte Ebene aus der Sicht des Neuen Testaments: Die Gemeinde ist ja im Alten Testament ein Geheimnis. Können wir aufschlagen: Epheser 5. Epheser 3 erklärt, dass Gott von Ewigkeit her in seinem Herzen dieses Geheimnis beschlossen hat, die Gemeinde, dass sie als himmlisches Volk die Braut des Sohnes Gottes sein soll. Und das wird jetzt hier enthüllt. Lies du, Jerry, Epheser 5,25:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzeln oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei. So sind auch ihr Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber.
Also hier wird gesagt, dass Christus die Gemeinde, das sind die Gläubigen ab Pfingsten bis zur Entrückung, und zwar Gläubige aus Israel und aus allen Völkern, die dazukommen, die werden hier vorgestellt als die Gemeinde und die Versammlung. Und die hat Christus geliebt und sich selber für sie hingegeben. Und da in Epheser 5 wird also Christus dargestellt als der Mann und die Gemeinde als die Frau. Jetzt muss man nicht Probleme haben und denken, dann gibt es doch zwei Bräute. Nein, Israel ist das irdische Volk Gottes, die irdische Braut, und sie ist gewissermaßen einfach das Spiegelbild, das Abbild der Gemeinde als das himmlische Volk, die himmlische Braut. Und das Hohelied weist eben auf beide Aspekte hin, auf das irdische Volk und auch auf das himmlische Volk.
Und wenn wir so jetzt durch das Hohelied hindurchgehen und immer wieder diese vier Aspekte unterscheiden, dann werden wir ganz viel lernen über Ehe nach Gottes Plan. Und wir werden viel lernen über den Plan Gottes mit Israel, warum dieses Volk ihm so viel bedeutet. Ich habe das erst begonnen zu sagen: Sulamit hat also viele Freundinnen, und diese Freundinnen stellen die anderen Nationen dar. Aber Sulamit stellt das Volk Israel dar, das auserwählte Volk, das ist der Unterschied. Die Freundin der Königin zu sein, ist etwas Tolles, aber die Königin zu sein, ist natürlich viel mehr. Und dann lernen wir eben auch ganz viel über die Gemeinde, was die Gemeinde für das Herz des Herrn Jesus bedeutet.
Und wir haben noch eine Minute, und da möchte ich doch noch zu Vers 2 kommen. Wir gehen ja Vers für Vers durch: Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist besser als Wein. Nun, hier müssen wir über den Mund des Messias nachdenken. Der Herr Jesus, als er in Lukas 4 in der Synagoge war, in Nazareth, da reichte man ihm die Rolle von Jesaja. Und er las daraus vor, aus Jesaja 61, die Prophetie auf ihn hin, dass er kommen würde, um die Zeit der Gnade einzuführen. Und die Reaktion der Leute in der Synagoge, die seine Bibellese und seine Erklärung hörten, Lukas 4,22 beschreibt das. Lies du:
Und alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen. Und sie sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs?
Also, es geht mir darum: Alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen. In Johannes 7 werden Tempelpolizisten ausgesendet von den Pharisäern, um den Herrn Jesus zu verhaften, und sie kommen unverrichteter Dinge zurück. Und man sagt: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Und sie sagen: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch. Die Art und Weise, wie der Herr Jesus gesprochen hat, das war Autorität, Vollmacht, aber eben auch diese Gnade, die aus seinem Mund hervorging. Sein Mund war etwas ganz Einzigartiges.
Und wenn die Braut, die jung Verheiratete, hier ausdrückt: Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes, dann muss man daran denken, was die Bibel über den Mund des Herrn Jesus sagt. In Psalm 45 sagt Gott: Hoheit und Herrlichkeit sind über deine Lippen ausgegossen. Das drückt genau das aus, eben diese Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen. Und sie möchte von diesem Mund geküsst werden. Nicht wahr, es ist etwas ganz anderes, wenn eine Frau sich vorstellt: Der Mund meines Mannes, das ist dieser Mund, der mich dauernd von morgens bis abends kritisiert. Ja, ein Kuss mit einem solchen Mund ist anders, ja, das ist so. Also es kommt schon darauf an, wie der Mund ist. Und hier wird der Jesus in seiner Vollkommenheit uns vorgestellt, und sie sagt nicht: Salomo, küsse mich, sondern sie sagt: Er küsse mich. Und dieses Er ist so vertrauensvoll, es ist einfach klar, wer er ist.
Es ist so wie bei Maria an dem Auferstehungsmorgen. Aber sie war der Meinung, man habe einfach den Leib Jesu aus dem Grab gestohlen. Sie weint an dem Grab, und als sie gefragt wird: Warum weinst du? Und sie meint, das ist der Gärtner, und sie sagt: Wenn du ihn weggenommen hast, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Wieso sagt sie nicht: Wenn du Jesus weggenommen hast, dann sage mir, wo du Jesus hingetan hast? Wenn du ihn weg ... Es war klar, wenn sie von ihm spricht. Dann ist es der Herr, der sie so ausfüllte, und sie meinte, ihn verloren zu haben, und damit hat sie alles verloren. Aber eben, es gab nur einen, den sie ihn nennen konnte.
Und auch hier: Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist besser als Wein. Und jetzt muss man dazu lesen, Prediger 9,7, dort steht, dass Wein und Brot erfreuen. Also Wein ist in der Bibel auch in Richter 9,13 zum Beispiel ein Bild der Freude. In Richter 9,13 heißt es: Der Wein erfreut das Herz der Menschen und das Herz Gottes. Wein ist also ein Bild der natürlichen Freude, die Gott in diese Schöpfung hineingelegt hat, als er den Weinstock geschaffen hat. Aber wenn sie hier sagt: Denn deine Liebe ist besser als Wein, dann bedeutet das was? Sie ist über allem, was gut ist auf der Erde. Ja, genau, sie ist größer und herrlicher als alle irdischen Freuden.
Und da müssen wir uns selber fragen, welche Dinge auf dieser Welt, und ich meine, alles, was Gott in diese Welt als Geschöpf hineingelegt hat, sind grundsätzlich gut. Jedes Geschöpf Gottes ist gut, haben wir gelesen, 1. Timotheus 4. Aber welchen Platz nimmt der Herr Jesus ein? Und wenn wir eben diese Liebe haben, wie die Gemeinde von Ephesus in Offenbarung 2 haben sollte, die erste Liebe, dann hat er den ersten Platz. Diese erste Liebe sagt: Deine Liebe ist besser als Wein. Oder wie der Psalmist sagt in Psalm 73,25: Und neben dir habe ich an nichts Lust auf der Erde. Er erfüllt das Herz. Und wer eben wirklich eine so persönliche Beziehung hat zu dem Herrn Jesus, der kann es erfahren, dass diese Beziehung alles übersteigt, und man würde lieber auf alles andere verzichten, als diese Beziehung zu verlieren. Und das wird hier ausgedrückt in diesem zweiten Vers.
Ja, jetzt sind wir wenigstens bis Vers 2 gekommen. Aber wir werden sehen: In jedem Vers finden wir eine solche Fülle, die man anwenden kann auf das Eheleben, auf Gottes Pläne mit Israel, auf die Gemeinde und damit natürlich auch auf unser persönliches Glaubensleben und unsere persönliche Beziehung zu dem Herrn Jesus. Dann wollen wir hier mal schließen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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