
Werdet voll Geistes
Jan, schönen guten Morgen. Schön, dass ihr da seid und dass du da bist, um gemeinsam Gott anzubeten und auf sein Wort zu hören. Ich möchte auch alle Gäste begrüßen. Schön, dass ihr da seid, herzlich willkommen.
Zum Anfang des Gottesdienstes möchte ich einen kurzen Bibelvers in unsere Mitte stellen, um darüber nachzudenken. Er steht in Johannes 6, Vers 66. Es ist eine Situation, in der Jesus einiges gepredigt hat. Ein großer Teil der Leute, die ihm nachgefolgt sind, wendet sich ab, weil ihnen nicht gefällt, was Jesus gesagt hat.
Dann stellt Jesus seinen Jüngern eine Frage. Darauf möchte ich kurz eingehen. In der zweiten Hälfte von Vers 66 heißt es: „Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?“ Er fragt also seinen engsten Jüngerkreis, ob sie auch gehen wollen.
Simon Petrus antwortet ihm: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ Petrus erkennt hier etwas Wichtiges. Wenn man den weiteren Zusammenhang liest, merkt man vielleicht, dass Petrus selbst noch nicht ganz verstanden hat, was er da gesagt hat. Jesus sagt, dass ihm das der Geist Gottes offenbart hat.
Petrus erkennt dennoch etwas Entscheidendes. Er könnte, wie die anderen, auch weggehen von Jesus. Aber wohin sollte er gehen? Wo würde er wirklich Nahrung finden? Er erkennt, dass das, was Jesus zu sagen hat – was Gott zu sagen hat – wirklich Worte des ewigen Lebens sind. Das sind Dinge, die zentral und wichtig fürs Leben sind und die wirklich Nahrung geben.
Die Bedeutung von Jesu Worten des ewigen Lebens
Wenn wir jetzt ziemlich zügig mit den Predigten beginnen, möchte ich dir die Frage stellen, ob du auch glaubst, dass du Worte ewigen Lebens hören wirst, wenn die Predigt aus Gottes Wort kommt. Worte von Gott, von dem, der dein Leben besser kennt als jeder andere. Der uns Menschen und diese Welt besser kennt als jeder andere.
Deshalb kannst du dir auch die Frage stellen: Herr, wohin solltest du denn gehen? Wenn ich zu Jesus gehe, der wirklich Worte ewigen Lebens hat, dann habe ich das Vertrauen, dass wir, wenn Tobi gleich predigt, aus Gottes Wort heraus Worte ewigen Lebens hören werden.
Ich wünsche mir, dass du mit dieser Erwartungshaltung an die Predigt herangehst: Worte ewigen Lebens zu hören.
Ich möchte mit uns beten und Gottes Segen bitten. Wenn es möglich ist, möchte ich dich bitten, dazu aufzustehen.
Jesus, wir wollen dir Danke sagen, dass das Realität sein darf, was Petrus hier bekennt: Wenn wir zu dir kommen, wenn wir zu deinen Füßen sitzen und auf dich hören, hast du wirklich Worte ewigen Lebens. Es sind keine leeren Worte, keine Worte, die nur billigen Trost liefern. Es sind Worte, die Leben verändern, die über Leid und Tod hinaus Kraft und Hoffnung geben und unser Leben verändern.
Danke, dass Tobi jetzt aus deinem Wort predigen darf. Ich möchte dich bitten, ihn zu segnen. Ich bitte dich, dass dein Geist durch ihn redet und wirklich Worte ewigen Lebens in unser Leben hineinspricht. Dass wir verändert werden, dir ähnlicher werden und dass du groß wirst durch die Predigt und durch das, was dadurch in unserem Leben passiert.
Ich bitte dich, dass alles, was heute im Gottesdienst zu deiner Ehre geschieht, dazu führt, dass wir dich mehr lieben lernen, andere mehr lieben lernen und deinen Namen groß machen. Amen!
Die Kraft des Wortes Gottes in unserem Leben
Ja, wir wollen ein Lied hören. Leider dürfen wir gerade nicht mitsingen. Es handelt genau davon: von einem Gott, der in unser Leben redet.
Wir wollen das Fühlen und den Verstand. Verändere unser Reden, nimm dein Volk bei der Hand, wenn du sprichst, wenn du sprichst.
Du bist ein Gott, der redet und seinem Volk begegnet – nicht an einem fernen Ort, sondern hier in seinem Glauben. Durch deines Wortes Kraft erweckst du tote Herzen, denn du bist der Gott, der Leben schafft, wenn du sprichst, wenn du sprichst.
Erfüll es mit Liebe, weil du uns so sehr liebst. Lass uns das weitergeben, weil du uns den Füller gibst, wenn du sprichst, wenn du sprichst.
Du bist ein Gott, der nicht an einem … Ein Wir wollen auf dich hören, wenn du jetzt zu uns sprichst. Du hast dein Wort gegeben, du bist der, der selbst das Schweigen bricht, denn du sprichst, denn du sprichst.
Die Herausforderung des christlichen Lebens und die Notwendigkeit des Heiligen Geistes
Gott, nicht Dein Wille – oh Mann, hier sprichst Du jetzt zu uns. Du berührst unsere müden Herzen und durchbrichst unsere Mauern durch Dein Wort, durch Dein Wort!
Wer die Beschreibung des heutigen Predigtthemas gelesen hat, weiß schon ein Stück weit, worum es geht. Es geht einerseits darum, dass wir als Christen, wenn wir wirklich den Wunsch haben, zu Gottes Ehre zu leben, christlich zu leben und ihm die Ehre zu geben, unser Leben Gott als Opfer hinzugeben. Auch geht es darum, in unserem Charakter Christus ähnlich zu sein.
Dabei haben wir oft das Gefühl, ohnmächtig zu sein. Ich persönlich habe dieses Gefühl wirklich oft. Ich fühle mich oft ohnmächtig, wenn ich merke, dass ich Gott gefallen möchte, es aber nicht kann. Ich müsste mein Leben ändern, doch ich schaffe es nicht. So entsteht eine Art Ohnmacht.
In der Predigtbeschreibung habe ich außerdem beschrieben, dass Jesus Christus genau deswegen Verantwortung übernommen hat. Er hat uns mit dem Heiligen Geist ausgestattet.
Das Predigtthema heute trägt daher die schlichte Überschrift: „Werdet voll Geistes.“ Im Bibeltext, den wir uns heute anschauen und durcharbeiten wollen, werden wir sehen, dass es Gottes Wille ist. Gott will es wirklich. Es ist nicht nur ein Wunsch, sondern Gottes Wille, dass der Christ voll Heiligen Geistes wird. Denn nur dann kann der Christ in der Kraft Gottes christlich leben.
Die Kraft der Auferstehung und ihre Wirkung im Leben des Gläubigen
Nun, wir haben letzten Sonntag von der Auferstehungskraft gehört, die in Paulus gewirkt hat. Diese Kraft, die Jesus Christus aus den Toten auferweckt hat, wirkte nun auch in Paulus.
Diese Kraft hat es geschafft, dass ein Terrorist gegen das Christentum – und das war Paulus – zu einem hingegebenen Diener wurde. Er wurde zu einem Vorbild, das selbst sagte: „Eifert mir nach!“ Doch Paulus hat das nicht aus eigener Kraft geschafft. Es war die Kraft Gottes, die in ihm wirkte, die ihn umgestaltete und ihn befähigte, zu Gottes Ehre zu leben.
Paulus vergleicht sich mit den anderen Aposteln und nennt sich selbst eine Missgeburt, wie wir gehört haben. Er sagt, er sei nichts im Vergleich zu den anderen Aposteln, doch gleichzeitig habe er mehr gearbeitet als alle anderen.
Paulus, wie hast du das geschafft? Er antwortet: „Weil Gottes Kraft mit mir war.“ Gottes Kraft war mit ihm. Es war die Auferstehungskraft, die Jesus Christus aus den Toten auferweckt hat, so steht es in Epheser 1.
Diese gleiche Kraft wirkt in Menschen, die Gott hingegeben sind. Diese Kraft hat Paulus befähigt und umgestaltet.
Die Aufforderung zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist
Und heute schreibt uns Paulus in Epheser 5,18-21. Er meint damit dich, er meint damit mich und er meint damit jeden Christen, der wiedergeboren ist. Paulus fordert uns auf, erfüllt zu werden mit dem Geist Gottes, damit diese Kraft auch in unserem Leben wirkt.
Im Epheserbrief beschreibt Paulus dieses poetische Meisterwerk der Gemeinde, die Gott geschaffen hat. Er zeigt, wie Gott einzelne Menschen hinzugefügt hat und wie er dieses Meisterwerk geschaffen hat, um sich zu verherrlichen. Die Gemeinde ist dabei wie ein Lichtkegel, der auf die Weisheit Gottes strahlt. Gott will sich durch die Gemeinde und durch einzelne Glieder verherrlichen. Er will sich groß machen.
Doch es gibt ein Aber, das wir uns nicht einfach gefallen lassen dürfen, das wir aber ernst nehmen müssen: Gott will sich durch die Gemeinde und durch einzelne Glieder verherrlichen. Damit das funktionieren kann und dein und mein Leben ein Opfer für Christus ist – so wie Paulus sein Leben ein Opfer für Christus war – benötigen wir es, erfüllt zu werden mit dem Geist Gottes.
Wir brauchen es, dass auch Gott in unserem Leben wirksam wird.
Die Zusage von Kraft durch den Heiligen Geist
In Apostelgeschichte 1, Vers 8 schlägt es mir noch kurz auf. Das ist kurz bevor Jesus Christus in den Himmel fährt.
Jesus spricht zu seinen Jüngern: „Ich gehe jetzt, und ich möchte euch Mut machen. Denn es ist eine besondere Berufung, in die ich euch jetzt stelle.“ Kurz bevor Jesus Christus in den Himmel fährt, sagt er in Apostelgeschichte 1, Vers 8: „Ihr, meine Jünger, werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist. Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und in Samaria und bis an das Ende der Erde.“
Jesus Christus ist von den Toten auferweckt worden. Er fährt in den Himmel und lässt seine Jünger zurück. Kurz davor gibt er ihnen diese Zusage: „Ihr werdet Kraft empfangen, ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Geist Gottes auf euch kommt.“
Das Ziel ist laut Apostelgeschichte 1, Vers 8, dass ihr seine Zeugen seid bis an das Ende der Welt, dort, wo Gott euch hingestellt hat. Ihr werdet Kraft haben, damit ihr seine Zeugen sein könnt.
Die Notwendigkeit göttlicher Kraft für den christlichen Auftrag
Und was lernen wir daraus? Wir lernen, dass wir Gottes Kraft brauchen, um den Auftrag auszuführen, den er uns gegeben hat. Wir brauchen Gottes Kraft, damit du den Auftrag, den er dir persönlich gegeben hat, auch ausführen kannst.
Christlich zu leben, Verfolgungen auszuhalten, die Frucht des Geistes zu wirken, damit dein Charakter christlich geprägt ist, und den Dienst, den du tust, fruchtbar zu gestalten – all das erfordert Gottes Kraft.
Nachdem Jesus diese Zusage gegeben hat, dass Kraft kommen wird, damit sie Zeugen sind, sehen wir in der Apostelgeschichte, wie ab Pfingsten plötzlich das Wort Gottes in die Welt getragen wird. Es sind schwache Menschen, wie Petrus, der Jesus vorher noch verraten hatte. Doch plötzlich kommt Kraft über sie, und sie verkünden das Wort.
Böse Herzen, Zauberer und vieles mehr werden überführt und kehren zu Jesus um. Wir sehen in der Apostelgeschichte, wie Sünder Buße tun. Die Botschaft, die vor zweitausend Jahren verkündet wurde, besteht bis heute fort. Überall auf der Welt gibt es Gemeinden.
Das ist alles das Werk Gottes, und es wurde durch schwache Menschen getan, die aber Kraft bekommen haben.
Die Dringlichkeit, voll Geistes zu werden
So müssen wir einleitend festhalten: Wenn es dein aufrichtiger Wunsch ist – und das ist wirklich die Frage für dich heute –, zu Gottes Ehre zu leben, dann ist das der Ausgangspunkt. Wenn du diesen Wunsch hast und gelegentlich eine Ohnmacht verspürst, eine Ohnmacht, die Umsetzung zu schaffen, dann bist du damit nicht allein. Ich spüre das wirklich oft, und es ist nicht geheuchelt. Ich meine es ernst: Wie oft weiß ich, was richtig ist, und schaffe es doch nicht. Stattdessen tue ich das Falsche.
Wenn du diese Ohnmacht spürst, aber dennoch den Wunsch hast, zu Gottes Ehre zu leben, dann kannst du das nur in der Kraft des Geistes Gottes tun. Heute wollen wir uns damit beschäftigen, wie der Christ voll Geistes werden kann.
Dazu lesen wir Epheser 5,18-21:
„Und berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist, sondern werdet voll Geistes. Redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in euren Herzen, sagt allezeit Gott dem Vater Dank für alles in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes.“
Wenn du den Wunsch hast, zu Gottes Ehre zu leben, musst du voll Geistes sein.
Die Bedeutung des Imperativs „Werdet voll Geistes“
Nun zum ersten Punkt: Wir möchten uns schwerpunktmäßig mit der Frage beschäftigen, wie wir überhaupt voll Geist werden. Wenn ihr in euren Text schaut, seht ihr, dass wir nicht automatisch voll Geist werden. In Vers 18 heißt es: „Werdet voll Geist!“ Danach folgen einige Verse, die nicht erklären, wie wir voll Geist werden, sondern was die Folge ist, wenn wir voll Geist sind. Zum Beispiel, dass wir dem Herrn in unserem Herzen singen, dass wir froh sind in dem Herrn und so weiter.
Deshalb wollen wir heute zunächst auf Vers 18 schauen. Anschließend möchte ich mit einer Makroperspektive den gesamten Epheserbrief durchgehen und untersuchen, welche Anweisungen Paulus uns gibt. Die Frage ist: Wie können wir voll Geist werden? Dabei wollen wir auch eine Stelle aus Kolosser betrachten, da diese unmittelbar zusammenhängt. Darauf werden wir noch eingehen.
Wenn ihr im Text Vers 18 betrachtet, seht ihr, dass das Voll-Geist-Werden keine Option ist. Das ist eine ganz wichtige Aussage. Es ist keine Möglichkeit, sondern Paulus spricht in der Befehlsform, also im Imperativ. Er schreibt: „Werdet voll Geist!“ Man könnte hinter diesen Satz mehrere Ausrufezeichen setzen. Das, was Paulus hier sagt, muss mit Glaubensgehorsam verbunden sein.
Paulus fordert uns auf: „Werde voll Geist!“ Die Reaktion darauf sollte sein, dass wir uns fragen, wie wir das erreichen können. Voll Geist zu werden gehört zur Nachfolge eines Christen. Es ist nicht nur für einige Auserwählte oder besondere Diener bestimmt, sondern jeder Christ soll voll Geist werden.
Der Kontext der Heiligung und der Wille Gottes
Nun befinden wir uns im großen Kontext ab Kapitel 4, Vers 1, in dem Paulus schreibt, dass wir dieser Berufung würdig wandeln sollen. Ihr werdet euch vielleicht nicht daran erinnern, aber in den letzten Predigten zum Epheserbrief ging es immer um die Heiligung. Es hieß: Legt das Alte ab, zieht das Neue an und werdet nicht gleich den Mitteilhabern der Finsternis. Warum? Weil ihr einst Finsternis wart, jetzt aber Licht im Herrn seid.
In unserer letzten Predigt ging es speziell bei diesem großen Thema der Heiligung darum, Gottes Willen in unserer Lebensführung zu erkennen. Das seht ihr in Vers 17, also einem Vers vorher. Ein Teil unserer Heiligung besteht darin, Gottes Willen zu erkennen. Dabei geht es nicht darum, wen ich heiraten soll, sondern um den moralischen Willen Gottes: Wo in meinem Leben muss ich etwas ordnen und so weiter.
Der Wille Gottes ist es eben auch, in Vers 18, dass wir voll Geistes werden. Wenn ihr euch Vers 18 noch einmal genau anschaut, seht ihr, dass dort nicht steht: Befüllt euch selber mit dem Geist Gottes. Es steht nicht: Befüll dich selber mit dem Geist Gottes, sondern: Werdet voll. Das muss also jemand anderes tun.
Das ist genauso wie bei einem Auto, das sich nicht selbst betanken kann und voll Benzin wird. Das Auto muss betankt werden. Natürlich brauchen wir nicht immer mehr Heiligen Geist – so ist das Beispiel nicht ganz passend –, sondern der Geist in uns muss Raum bekommen. Aber es heißt: Werdet voll. Irgendwie muss da etwas an mir geschehen.
Wir sehen hier ein Zusammenspiel, bei dem wir in einer Befehlsform aufgerufen werden, Voraussetzungen zu schaffen. Wir müssen also Voraussetzungen schaffen, damit wir voll Geist werden. Diese Voraussetzungen zu schaffen, ist ein Imperativ: „Werdet voll!“
Aha, okay – wie schaffe ich es, voll zu werden? Diese Frage möchte ich nun im ersten Punkt, wie gesagt, bewusst im Zusammenhang mit dem Epheserbrief und einer Stelle im Kolosserbrief zeigen. Im zweiten Punkt wollen wir uns dann wirklich noch einmal auf unseren heutigen Bibeltext und den Zusammenhang konzentrieren. Zeitlich wird das ziemlich eng, das weiß ich jetzt schon. Aber wir schauen es uns an. Wenn nicht, muss ich beim nächsten Mal noch einmal darauf eingehen.
Voll Geistes sein und die Wiedergeburt
Nun, zuallererst: Vollgeistes zu sein hat grundlegend nichts mit der Wiedergeburt zu tun. Hier brauchen wir ein richtiges Verständnis. Vollgeistes zu sein hat nichts mit der Wiedergeburt zu tun, und das sehen wir in Kapitel 1 des Epheserbriefs. Heute arbeiten wir uns ein bisschen durch diesen Brief, insbesondere durch Kapitel 1, Vers 13, und später auch durch Kapitel 4.
In Epheser 1,13 sagt Paulus nämlich: „In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt, in ihm seid ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.“
Was hier steht, bedeutet: Als dir das Evangelium verkündet wurde, als du es gehört und geglaubt hast, wurdest du mit dem Heiligen Geist versiegelt. Das heißt, der Heilige Geist ist bei dir eingezogen, und wir wurden versiegelt.
Im Altertum ist das ganz interessant: Wenn etwas versiegelt wurde, etwa Pakete oder Ähnliches, dann wurde Wachs daraufgetropft und ein Stempel hineingedrückt. Auf diesem Stempel stand, wer der Besitzer ist. Irene hat mir erzählt, dass, als sie in einem Baugeschäft gearbeitet hat, früher die Lohntüten so überreicht wurden: Das Geld kam hinein, die Tüte wurde zugemacht, dann kam das Siegel darauf – und auf dem Siegel stand der Name der Firma.
Was wir daran sehen, ist, dass im Bild gesprochen, als wir mit dem Heiligen Geist versiegelt wurden, Gott uns den Eigentumsstempel aufgedrückt hat. Ist das nicht schön? Du bist gläubig geworden, und er hat dir den Eigentumsstempel gegeben.
Wisst ihr, wofür dieser Eigentumsstempel noch da war? Er sollte gegen Diebstahl schützen. In Epheser 4,30 – dort könnt ihr es auch nachlesen – steht, dass wir den Heiligen Geist nicht betrüben sollen. Dort wird über diesen Heiligen Geist gesagt: „Mit dem ihr versiegelt wurdet.“
Dieses Siegel ist der Eigentumsstempel, sicher vor Diebstahl. Und wie lange gilt das? Bis zu dem Tag der Erlösung. Also bis zu dem Tag, an dem wir bei unserem Herrn Jesus Christus sind, bis wir in den sicheren Hafen des Himmels eingefahren sind.
Bis zu diesem Tag fährt unser Lebensschiff durch einige Stürme. Aber trotz dieser Stürme haben wir dieses Siegel. Wir sind sein Eigentum. Bis zum Tag der Erlösung sind wir versiegelt, wir gehören ihm.
Ich finde, das ist ein so starkes Argument: Ich kann nie wieder verloren gehen, nie wieder. Ich bin sein Eigentum, und das Siegel schützt vor Diebstahl. Mich kann niemand mehr aus seiner Hand rauben oder klauen.
Erfüllt werden mit dem Heiligen Geist – was bedeutet das?
Warum ist das grundlegende Wirken des Heiligen Geistes so wichtig? Es hat nichts damit zu tun, dass wir den Heiligen Geist erst dann bekommen, sondern wir haben den Heiligen Geist seit dem Tag, an dem wir gläubig geworden sind. Das ist eine ganz wichtige Aussage. Wir sollen uns vielmehr von ihm erfüllen lassen.
William MacDonald beschreibt das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist wie folgt: Erfülltwerden bedeutet, dass der Heilige Geist seinen Willen im Leben des Christen ungehindert erfüllen kann. Zuerst sagt er, dass erfüllt werden mit dem Heiligen Geist heißt, dem Heiligen Geist so viel Raum zu geben, damit er seinen Willen in meinem Leben umsetzen kann.
Der Gläubige ist erfüllt, weil der Heilige Geist in ihm seinen Plan vollständig umsetzt. Deshalb kann der Gläubige den Plan, den Gott mit ihm hat, auch umsetzen. Versteht ihr das? Wenn ich voll Geist bin, setzt Gott seinen Plan mit mir um, und deswegen kann ich den Plan erfüllen, den Gott mit mir hat. Ich kann meine Berufung leben.
Der Heilige Geist muss mich beherrschen, er muss in mir Raum haben. Wenn wir voll Geist sind, dann beherrscht der Geist mich. Er macht Gottes Wünsche groß in mir, Gottes Gedanken werden meine Gedanken. Der Geist Gottes wirkt in mir auch die Frucht des Geistes.
Das ist genau das nächste Thema. In mir trage ich die Frucht des Fleisches, und die Frucht des Fleisches sind Streit, Zorn, Sünde, Zügellosigkeit und all diese Sünden. So bin ich normalerweise, so ist der Charakter des normalen Menschen – das ist die Frucht des Fleisches.
Aber wenn wir voll Geist sind, wirkt der Geist in mir Liebe, Freundlichkeit, Enthaltsamkeit und all diese guten Dinge. Versteht ihr, um christlich leben zu können, müssen wir gestärkt sein mit dem Geist Gottes.
Das ist alles jetzt eine Einleitung, um uns ein Stück weit die Dringlichkeit vor Augen zu führen. Nun wollen wir uns drei Punkte anschauen, welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen – imperativ –, um voll Geist zu werden.
Drei Voraussetzungen, um voll Geistes zu werden
Drei Punkte:
Der erste Punkt: Wir werden voll Geistes durch das Wort Gottes.
Der zweite Punkt: Wir werden voll Geistes durch das Gebet.
Der dritte Punkt: Wir werden voll Geistes durch Heiligung und Hingabe.
Nun schauen wir wieder in Epheser, Kapitel 5, Vers 18. Dort steht: „Werdet voll Geistes.“ In den Versen danach sehen wir die Auswirkungen, die das hat. Diese Auswirkungen müssen wir uns jetzt merken, denn gleich geht uns ein wichtiger Schlüssel auf.
Merkt euch diese drei Punkte jetzt: Wenn ich voll Geistes bin, werde ich laut Vers 19 mit Psalmen und Lobgesängen zueinander reden. Das heißt, mein Reden wird geistlich sein. Der zweite Punkt ist: Ich werde dem Herrn in meinem Herzen singen. Das bedeutet, ich werde von Herzen tief zufrieden sein in Jesus Christus.
Das sind die zwei Punkte: Wir reden zueinander in Psalmen und geistlichen Liedern, also geistlich miteinander. Und ich habe tiefe Freude in Christus.
Das Wort Gottes als Grundlage der Erfüllung mit dem Geist
Und nun gehen wir zu Kolosser 3, Vers 16. Schlagt mit mir Kolosser 3, Vers 16 auf. Behaltet auch diese Nebeninformation im Ohr, die ich euch weitergebe: Der Epheserbrief und der Kolosserbrief wurden beide circa sechzig nach Christus geschrieben. Man könnte also überspitzt sagen, Paulus schreibt den Epheserbrief, klappt ihn zu, setzt sich hin und schreibt den Kolosserbrief. So könnt ihr euch das überspitzt vorstellen. Beide Briefe entstanden zur gleichen Zeit, vermutlich unter ähnlichen Umständen.
Deshalb werden wir jetzt verstehen, warum wir hier zwei Verse haben, die eigentlich identisch sind. Der Gedanke ist: Wir werden durch das Wort Gottes voll Geistes. Zuerst heißt es: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen. Vorher heißt es: Werdet voll Geistes, dann werdet ihr Lobgesänge, Psalmen und dem Herrn in euren Herzen singen. Nun heißt es: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, in aller Weisheit.
Und was folgt? Lehrt und ermahnt einander, singt mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern den Herrn lieblich in eurem Herzen. Es ist genau dieselbe Reihenfolge, ob ich voll Geistes bin oder voll des Wortes.
Was schreibt Paulus in Kolosser 3, Vers 16? Er schreibt, dass wir das Wort reichlich aufnehmen müssen – reichlich. Und er sagt: Das Wort muss in uns wohnen. Das heißt, wenn das Wort in uns wohnt, muss es uns beherrschen. Es muss in mir zu Hause sein, es darf nicht nur zu Besuch kommen.
Wisst ihr, wenn ihr irgendwo zu Besuch seid, dann kommt ihr, seid ein bisschen da und geht wieder. Danach geht der Alltag weiter, als wäre der Besuch nie da gewesen. Aber wenn das Wort in uns wohnt, wenn es in uns zu Hause ist, dann nehmen wir es auf, denken darüber nach, handeln danach und glauben es auch.
Jakobus schreibt über die vergesslichen Hörer: Sie hören das Wort, wenden es aber nicht an. Kennt ihr das? Ihr pumpt euch voll mit dem Wort Gottes, aber es ist nur zu Besuch. Weil ihr nicht anfangt, euer Leben danach auszurichten, weil ihr das Wort nicht auf eure Situation anwendet und nicht umsetzt.
Jakobus sagt: Ihr seid vergessliche Hörer, das Wort ist nur zu Besuch bei euch. Er sagt sogar, dass diese Leute, die zwar viel Wort Gottes hören, es aber nicht umsetzen, sich selbst betrügen. Das Wort begeistert sie, das Wort überführt sie, aber es geht wieder – es ist nur zu Besuch.
Was sagt Paulus in Kolosser 3, Vers 16? Damit wir voll Geistes werden, lasst das Wort Gottes reichlich in euch wohnen. Lasst das Wort in eurem Leben zur Anwendung kommen, so wie es Jakobus schreibt. Nehmt es reichlich auf, glaubt das Wort, handelt nach dem Wort und unterstellt jeden Aspekt eures Lebens diesem Wort Gottes. Das ist absolut notwendig, um voll Geistes zu werden.
Unterstellt jeden Aspekt eures Lebens dem Wort Gottes – haltet nichts zurück!
Wir schließen also: Wenn wir Kolosser 3, Vers 16 und Epheser 5, Vers 18 als einen Gedanken verstehen, den Paulus im Gefängnis einer Gemeinde und der anderen schreibt, dann verstehen wir, dass Paulus das Wort Gottes und den Geist nicht trennen möchte. Er will sie nicht trennen.
Wenn du voll Geistes werden willst, brauchst du das Wort. Du brauchst keine Ekstase oder irgendwelche besonderen Erlebnisse, du brauchst das Wort Gottes.
Ich schließe den ersten Punkt: Wenn du voll Geistes werden willst, dann musst du dich reichlich mit dem Wort füllen. Du musst danach handeln und dein Leben danach ausrichten.
Gebet als Weg zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist
Zweitens: Durch Gebet
Lass uns zurückkehren zum Epheserbrief und gemeinsam Epheser Kapitel 3 aufschlagen. Schlage schon einmal Epheser 3,16-17 auf. Zuvor sprechen wir jedoch kurz über Kapitel 1. Das müsst ihr nicht unbedingt mit aufschlagen, außer ihr seid besonders fleißig.
Paulus betet im Epheserbrief insgesamt zweimal – einmal in Kapitel 1 und einmal in Kapitel 3 – für die Epheser beziehungsweise für die Gemeinde in Ephesus, da der Epheserbrief ein Rundbrief war.
Das erste Gebet in Kapitel 1 richtet sich darauf, dass Paulus für die Epheser um geöffnete Augen betet. Er möchte, dass sie erkennen, mit welcher Kraft Gottes in ihrem Leben wirken möchte. Er sagt: „Ich bete darum, dass Gott euch die Augen eures Herzens öffnet, damit ihr wisst...“ Es steht, glaube ich, in Vers 17 oder 18, genau nachzulesen. In Vers 19 findet sich dann der Inhalt seines Gebets.
In Vers 18 bittet Paulus um erleuchtete Augen ihres Verständnisses, also ihres Herzens, damit sie eine geistliche Wahrheit verstehen. Zunächst müssen sie verstehen, dass der Geist Gottes in ihnen wirken will – mit derselben Kraft, mit der er Jesus Christus aus den Toten auferweckt hat. Und er tut es sogar.
Das erste Gebet fordert also dazu auf, zu verstehen und daraus eine Notwendigkeit abzuleiten: Du brauchst diese Kraft. Zuerst müssen wir begreifen – und das ist das, was ich heute in der Einleitung versucht habe zu vermitteln – dass wir die Not haben, erfüllt zu werden mit dem Geist Gottes. Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass Gott es tun möchte. Wir brauchen Hunger und geöffnete Augen dafür, dass Gott in uns wirken will.
Nun kommt Paulus zum zweiten Gebet. Während es im ersten Gebet um Erkenntnis geht, findet sich das zweite Gebet in Epheser 3,16-17. Wofür betet Paulus hier für die Epheser? Er sagt: „Ich bete darum, dass Gott euch gibt, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist in eurem inneren Menschen.“ Paulus bittet darum, dass der Geist Gottes im inneren Menschen der Epheser wirkt.
In Vers 17 betet er, dass Christus durch den Glauben in ihren Herzen wohne. Christus ist nicht der Heilige Geist, aber im Römerbrief Kapitel 8 wird erklärt, dass sowohl der Vater als auch Christus in uns Wohnung nehmen. Im Grunde ist es der Geist Gottes, auch wenn es sich um zwei Personen handelt – das ist ein anderes Thema.
Hier geht es in Vers 17 darum, dass Christus in unseren Herzen wohnt. Dabei ist nicht gemeint, dass die Epheser körperliche Kraft erhalten, damit sie den ganzen Tag wie ein junges Reh hin und her springen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft. Darum geht es nicht.
Stattdessen kann eine Person, die im Sterben liegt, durch Gottes Geist im inneren Menschen gestärkt werden. Denken wir an Stephanus – über ihn sagt man, er war ein Mann voll Geistes. Während er gesteinigt wird, sieht er den Himmel offen. Körperlich verblutet und stirbt Stephanus, doch Christus stärkt seinen inneren Menschen.
Christus hatte so innige Gemeinschaft mit ihm, dass Stephanus im Sterben den Himmel offen sah. Das ist eine Folge davon, wenn wir voll Geistes sind. Vers 17 sagt, dass Christus in unserem Herzen wohnt. Die Folge ist, dass wir tiefe Gemeinschaft mit Christus haben.
Deshalb heißt es in Epheser 5,19, dass wir dem Herrn in unserem Herzen singen. Wir haben Freude an Christus, Christus ist uns nahe. Paulus bittet in Vers 16 von Kapitel 3 um Stärkung durch den Geist. Das bedeutet, der Geist wohnt in uns, aber Paulus bittet darum, dass Gott sie stärkt. In Vers 17 betet er, dass Christus in ihrem Herzen wohnt.
Das Wort „wohnen“ in Vers 17 bedeutet hier „durch und durch wohnen“. Ihr kennt bestimmt das Bild, dass unser Herz wie eine Wohnung ist. Paulus bittet darum, dass wirklich jede Abteilung in dieser Wohnung geöffnet wird, damit Christus die Herrschaft über jeden Bereich unseres Lebens bekommt.
Kein Zimmerchen soll uns gehören, in dem wir sagen: „Nein, Herr Jesus, dort ja, aber dort nicht.“ Dass Christus in dir wohnt, heißt, du musst jeden Bereich deines Lebens ihm übergeben und ihn Herr sein lassen.
Nun seht im Vers 14, was Paulus dort tut: Er kämpft im Gebet. Er sagt: „Ich beuge sogar meine Knie vor dem allmächtigen Gott.“ So beschreibt er, wie er sein Gebet anfängt. Er beugt sich, er beugt seine Knie vor dem Allmächtigen. Das ist alles andere als ein flüchtiges „Bitte, Gott stärke mich.“
Paulus ringt vor Gott. Er ringt darum, dass Gottes Geist Raum in den Ephesern bekommt. Er ringt darum, dass die Herzen der Epheser in jedem Winkel Christus hingegeben sind.
Ich frage dich: Hast du schon einmal so vor Gott gerungen, um das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist, um Kraft in deinem Leben durch den Heiligen Geist? Wenn du Probleme hast und über Dinge nicht hinwegkommst, hast du schon einmal so gerungen, dass Gott dir Kraft geben möchte? Wenn du Veränderung in deinem Leben brauchst, bist du schon wie Paulus auf die Knie gefallen und hast vor dem allmächtigen Gott gerungen, der alles tun und wirken kann?
Hast du gebetet: „Gott, stärke mich an meinem inneren Menschen! Gott, tue deinen Willen in meinem Leben!“ Spürst du diese Ohnmacht, dass du geistlich ohne Gott nichts tun kannst? Aber weil du den Wunsch hast, ihn zu ehren und für ihn zu leben, ringst du auf deinen Knien?
Manchmal müssen wir ringen. Ich möchte dich ermutigen, damit anzufangen: Ringe vor Gott, kämpfe vor Gott, damit du geistlich wächst – nicht nur mit einem flüchtigen „Bitte, Gott stärke mich.“ Das können wir auch tun, ja, aber manchmal müssen wir wie Paulus auf unsere Knie gehen.
Ich möchte euch berichten, wie ich dieses Ringen in meinem Leben erfahre. Ich erlebe es besonders, wenn ich predigen muss. Denn ich weiß genau, dass es laut 1. Korinther 2,4 nicht auf Redegewandtheit ankommt, auch nicht auf schöne Floskeln oder Überzeugungskraft von Personen.
In 1. Korinther 2,4 sehen wir, dass es beim Predigen allein um das Wort Gottes geht – und wir haben vorhin gesehen, dass Wort Gottes und Geist Gottes zusammengehören. Es geht um die Erweisung der Kraft des Geistes.
Wenn ich nun stehe und predigen muss, und mein Wunsch ist, dass Herzen durchstochen und getroffen werden, dann ist das nichts, was ich selbst tun kann. Deshalb muss ich ringen: „Oh Gott, wirke! Oh Gott, gib du mir Kraft! Gott, öffne du die Herzen! Tu du es, hilf du! Ich kann es nicht!“
Wenn ich möchte, dass der geistliche Bau Gottes gebaut wird, brauchen wir geistliche Kraft und geistliche Mittel – keine Redegewandtheit oder ähnliches. Das ist ein Bereich, in dem ich dieses Ringen wirklich kenne: diese Ohnmacht, dieses „Ich kann es nicht.“
Paulus erkennt das ganz genau so. In Epheser 6,19 – das müsst ihr nicht mit aufschlagen – bittet Paulus die Epheser: „Ihr Lieben, betet für mich, damit ich meinen Mund auftun kann und predigen kann.“ Seht ihr, auch Paulus hatte es nötig, dass eine Gemeinde für ihn betet.
Und nun habe ich eine Bitte an euch, und ich meine das wirklich von ganzem Herzen: Wenn ihr gute Predigten möchtet und geistlich erbaut werden wollt, dann betet für uns Prediger. Ich meine es wirklich ernst.
Nur Gott kann das tun. Wenn ihr Predigten wollt, die euch erbauen und voranbringen, dann betet für eure Prediger. Wir Prediger brauchen euch – so ist es wirklich.
Es macht einen Unterschied, ob eine Predigt durchbetet wurde, ob eine Gemeinde für den Prediger gebetet hat oder nicht. Es macht einen Unterschied, das ist wirklich so.
Manchmal kann man sich beschweren, dass die Predigten langweilig sind. Dann fangt an zu beten, wirklich. Sieht es als eine Notwendigkeit, als eine Hilfsbedürftigkeit, die der Prediger hat – wirklich wahr.
Macht es zu eurer Aufgabe, für die Prediger zu beten. Deshalb werde ich es mir auch nicht nehmen lassen. Ihr wisst ja selbst, dass ich in der WhatsApp-Gruppe oft poste, wenn ich einen Auswärtsdienst habe. Ich teile bewusst mit, wo ich bin, weil ich wünsche, dass eine betende Gemeinde hinter mir steht.
Ich weiß, dass jeder Prediger unter uns genau dasselbe Bedürfnis und den gleichen Wunsch hat.
Heiligung und Hingabe als Voraussetzung für die Erfüllung mit dem Geist
Der dritte Punkt: Wie werde ich voll Geistes?
Erstens, indem ich das Wort reichlich aufnehme und anwende. Zweitens, indem ich ringe und bete. Drittens, durch Heiligung und Hingabe.
Schlagen wir gemeinsam Epheser 4,30 auf. Dort steht: Paulus schreibt: „Ihr, die ihr Epheser seid, betrübt nicht den Heiligen Geist, durch den ihr versiegelt worden seid.“
Wir können den Geist Gottes, der uns erfüllen möchte und in uns lebt, betrüben. Er möchte in uns Gutes hervorbringen. Durch Sünde – und im Kontext von Epheser 4,30 sind das schlechte Worte, Bitterkeiten und Streitigkeiten mit den Geschwistern – können wir den Geist Gottes betrüben. Betrüben bedeutet, ihn traurig zu machen.
Im ersten Thessalonicherbrief heißt es: „Dämpft nicht den Geist Gottes!“ Dämpfen bedeutet hier, etwas zurückzuhalten. Wenn ich eine Pistole habe und einen Schalldämpfer daraufsetze, hört man den Schall nicht, weil er gedämpft wird. So ist es auch mit dem Geist Gottes: Wir sollen ihn nicht dämpfen, nicht betrüben.
Wir alle sündigen. Es geht nicht darum, dass wir fallen, sondern darum, wie wir mit unserer Sünde umgehen. Wenn Gott uns überführt und zu uns redet, wir aber keine Buße tun und in der Sünde verharren, dann können diese Sünden das Wirken des Geistes in unserem Leben zurückhalten. Dadurch sind wir geistlich schwach und fruchtlos.
Wir werden zwar gerettet, aber wie durchs Feuer, durch Gnade. Das bedeutet, dass dort, wo wir in Sünde leben, das Wort uns aufruft, Buße zu tun. Es fordert uns auf, unsere Sünde zu bekennen. Sobald du deine Sünde ehrlich vor Gott bekannt hast, wird Gott sie nicht mehr gedenken. Das Thema ist dann erledigt, und der Geist Gottes findet wieder Raum in dir.
Dort, wo wir Sünde haben, ruft Gott uns also auf, Buße zu tun und sie zu bekennen. Wenn du ein Leben zu Gottes Ehre aus der Kraft Gottes führen möchtest, wenn du das wirklich willst – ein Leben, in dem Gottes Ziel mit dir erreicht wird – dann musst du radikal mit der Sünde in deinem Leben umgehen. Du musst es wirklich tun.
Wir haben einen gnädigen Gott – versteht das richtig. Wenn wir zu ihm gehen, vergibt er uns. Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf. Auch ich bin ein Beispiel dafür, wie man die Gnade Gottes erfahren darf.
Was ich sagen will: Es geht nicht um Verdammnis, sondern darum, deine Sünde zu bekennen. Wenn du wirklich zu Gottes Ehre leben willst, räume dein Leben auf.
Das gleiche Thema aus Epheser 4,30 und das Thema unseres heutigen Predigttextes, Epheser 5,18, stehen im unmittelbaren Zusammenhang. Dort nimmt Paulus das Beispiel des Berauschens mit Wein. Luther übersetzt es gut: „Berauscht euch nicht mit Wein, woraus ein unordentliches Leben folgt.“
Eine kurze Anmerkung: Hier geht es nicht um den Genuss von Alkohol, der ebenfalls eine Gabe Gottes sein kann. Es geht darum, sich zu berauschen und unordentlich zu sein, in einer Weise, die Sünde ist. Das ist aber ein anderes Thema.
Was ich tun möchte, ist, dass wir uns nicht zu sehr auf das Berauschen konzentrieren, sondern das Ganze im größeren Zusammenhang sehen. Paulus sagt letztlich: Lege ab und ziehe an. Schaffe Raum, indem du Dinge wegtust, die Sünde sind, damit der Geist Gottes dich erfüllen kann.
Das verstehen wir auch aus Kapitel 4, Vers 25: „Legt die Lüge ab, zieht die Wahrheit an“ und so weiter. Hier geht es darum, das wegzutun, was den Geist Gottes in deinem Leben betrübt, damit du voll Geistes werden kannst.
Wir sollen in unserem Leben die Sünde ablegen und das Gute anziehen. Der ganze Kontext in Kapitel 5 sagt es: Vers 7: „Werdet nicht ihre Mitteilhaber“ – hier geht es um die Sünden der Welt. Vers 11: „Habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis.“ Vers 16: „Kauft die Zeit aus“ – lebt also ein Leben zu Gottes Ehre, denn die Zeiten sind böse.
Ein guter Spiegel, der dir zeigt, womit du gefüllt bist – ob mit dem Wort und dem Geist oder mit anderen Dingen – sind deine Worte. Was ist der Inhalt dessen, worüber du am meisten redest? Das ist jetzt wirklich eine Aufforderung zur Selbstprüfung, denn es ist wichtig in diesem Zusammenhang.
Bist du jemand, der viel schimpft? Dann prüfe dich. Bist du jemand, der sich gerne über andere erhebt und sich ständig aufregt? Dann prüfe dich. Was sind die Themen, über die du am meisten sprichst und die dich begeistern? Was findest du in deinem Herzen?
Prüfe dich, denn genau diese Dinge stehen in Zusammenhang mit Epheser 4,30, die den Heiligen Geist betrüben. Kommt aus deiner Quelle bitteres oder süßes Wasser? Das ist die Frage.
Wenn du merkst, dass aus deiner Quelle eher Bitterkeit, böse Worte, Überheblichkeit, Schimpfen, Meckern und Unzufriedenheit kommen, dann tue Buße darüber.
Die Früchte des Geistes als Zeichen der Erfüllung
Wisst ihr, wie eure Worte klingen, wenn ihr voll vom Geist seid? Das wollen wir uns jetzt ganz kurz und prägnant anschauen. Ich bin gleich fertig mit Punkt zwei.
Wisst ihr, wie unsere Worte aussehen, wenn wir voll vom Geist sind, wenn Süßes aus unserer Quelle kommt? In Epheser 5,19 steht: „Redet zueinander mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus; und ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes.“
Die Folge davon, dass wir voll des Wortes und des Geistes sind, ist, dass wir über das Wort Gottes reden. Natürlich reden wir nicht immer nur über das Wort, und es gibt auch andere Themen, über die wir sprechen dürfen. Darum geht es nicht in einer fanatischen Art und Weise. Aber grundsätzlich, wenn man uns darauf anspricht, fließt das Wort Gottes aus uns heraus.
Kennt ihr diese Kautschukbäume? Sie werden angeschnitten, und der Kautschuk tropft ständig heraus. So ist das auch bei uns. Bist du voll des Wortes Gottes, dann redest du davon. Wenn wir voll des Wortes Gottes sind, denken wir auch nur noch darüber nach. Wir gleichen unser Leben mit dem Wort Gottes ab, prüfen es, erkennen Zusammenhänge und sind begeistert davon.
Die Freude an Christus als Folge der Erfüllung mit dem Geist
Wisst ihr, was noch eine Folge ist, wenn wir voll Geistes sind? Vers 19 sagt: Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Wenn wir voll Geistes sind, haben wir wahre Freude an Jesus Christus. Wir singen ihn in unserem Herzen, wir beten ihn an in unserem Herzen. Unser ganzes Inneres dreht sich nur um ihn. Ständig loben und danken wir ihm. Ständig geben wir uns singend in Hingabe dem Herrn hin, weil nichts mein Herz erfreuen kann außer Christus.
Und ja, wir können die Freude am Herrn verlieren – das können wir. Deswegen betet ein Psalm: Lass mir wiederkehren die Freude an deinem Heil. Ich glaube, das betet David, als sein Ehebruch ans Licht gekommen ist und er Buße tut. Dann sagt er: Gib mir diese Freude wieder, ein frohes Herz.
Paulus sagt: Wenn du voll Geistes Gottes bist, wenn dein Leben geordnet ist, fängst du wieder an, dem Herrn zu singen. Natürlich gibt es manchmal schwache Phasen in unserem Leben, in denen wir zwar voll Geistes sind, aber trotzdem traurig. Hier wollen wir nicht so scharf sagen: „Ah, ich freue mich gerade nicht am Herrn, jetzt bin ich nicht voll Geistes.“ Das kann man so nicht sagen. Aber grundsätzlich ist es eine Folge.
Vers 20: Wir sind in allen Dingen dankbar. Wenn wir voll Geistes sind, dann haben wir tiefen Frieden und tiefes Vertrauen darauf, dass Gott souverän ist und dass alle Dinge uns zum Besten dienen. Wir sind in allen Dingen dankbar.
Vers 21: Wenn wir mit Gottes Geist erfüllt sind, dann verlieren wir die Hochachtung über uns selbst. Es lässt uns andere höher achten als uns selbst. Schon die Frage: Erhebst du dich über die Leute? Denkst du, du bist der Beste? Oder nimmst du eine Haltung ein wie Jesus Christus in Philipper 2, der sich selbst zu nichts macht, um anderen zu dienen? Diesen Charakter bekommen wir, wenn wir voll Geistes sind.
Selbstprüfung und Aufruf zur Erfüllung mit dem Geist
Und nun zum Schluss möchte ich dich fragen: Wie sieht es in deinem Herzen aus? Sprichst du über deinen Glauben, weil dein Herz voll ist vom Wort Gottes? Bist du ergriffen von dem Wort? Bist du dem Wort gehorsam? Wie steht es um dein Herz?
Ist deine größte Freude Jesus Christus? Ist das Lied deines Herzens verstummt? Kannst du alle Situationen in deinem Leben Gott unterwürfig und dankbar hinlegen und annehmen? Oder bist du ein Rebell gegen Gottes Willen?
Achtest du in deinem Herzen die Geschwister um dich herum höher als dich selbst? Oder gibt es nur deine Wahrheit und deine Weisheit, mit denen du kämpfst, koste es, was es wolle?
Schon die Frage: Wie sieht es in dir aus? Und Paulus ruft: Werdet voll Geistes! Werdet voll Geistes! Räumt alles raus, regelt euer Leben, werdet voll Geistes! Gib Christus Raum in dir.
So fasse ich die Punkte zusammen: Wenn du in deinem Leben das Ziel hast, dein Leben für Gott zu leben, wenn du wirklich einmal im Himmel ankommen willst und weißt, dein Leben war zur Ehre Gottes – durch Gottes Gnade natürlich, wie es Paulus auch sagt – dann brauchst du es, dass der Geist Gottes in deinem Leben wirkt.
Paulus ruft dir in Befehlsform zu: Werde voll Geistes! Voll Geistes wirst du erstens, wenn du das Wort Gottes reichlich aufnimmst. Wenn es nicht nur zu Besuch kommt, wenn du nicht heute begeistert bist und morgen wieder vergessen hast, was gesagt wurde, sondern wenn es bleibend in dir ist, wenn du darüber nachdenkst, wenn du es auf dein Leben anwendest und wenn du es befolgst.
Zweitens wirst du voll Geistes durch das Gebet, so wie Paulus auf den Knien gerungen hat. Manchmal ist es Not, dass wir darum ringen, dass Gottes Kraft in uns wirksam wird.
Drittens müssen wir unser Leben heiligen. Was Gott nicht gefällt, wo er uns überführt, das muss raus. Es muss raus! Denn erst wenn es draußen ist, findet Christus Raum in uns.
Wenn du durch den Geist Gottes erfüllt bist, dann kannst du Gott dienen. Dann können wir uns in Gotteskraft dienen. Und wie? Indem wir in Gotteskraft über Gottes Wort reden. Indem wir völlig zufrieden sind in Christus und ihn in unserem Herzen singen. Indem wir ruhig und dankbar in Christus ruhen können. Indem wir einander höher achten.
Indem wir Freude, Not und Verfolgung haben wie Stephanus, der starb, aber den Himmel offen sah, weil Christus ihm so nahe war. Indem wir Vollmacht haben beim Predigen, wie Petrus in Apostelgeschichte 2,37, wo er predigte und es den Leuten durchs Herz drang. An dem Tag wurden dreitausend Menschen errettet.
Indem wir tiefe Gemeinschaft mit Christus in unseren Nöten haben. Und indem die Frucht des Geistes unseren Charakter durchdringt: Mein Zorn wird zu Freundlichkeit, meine Zügellosigkeit zu Enthaltsamkeit und so weiter.
Wir haben Not, voll Geistes zu sein. Amen.