Einführung in das Thema der Nachfolge und Gemeinschaft
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 646: Vom gegenseitigen Empfangen.
Der Herr Jesus erklärt Petrus, was die Jünger dafür erhalten, dass sie alles verlassen und ihm nachfolgen. Zum einen ist es ein Anspruch auf Herrschaft mit Jesus. Zum anderen bedeutet es eine liebevolle Gemeinschaft hier auf der Erde und im kommenden Zeitalter das ewige Leben.
An dieser Stelle möchte ich einen Gedanken einstreuen, der mir wichtig ist. In Markus 10,29-30 sagt Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Niemand hat Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfängt – jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker, allerdings unter Verfolgungen – und im kommenden Zeitalter das ewige Leben.“
Die praktische Gemeinschaft der ersten Christen
Wenn der Herr Jesus davon spricht, dass diejenigen, die ihm nachfolgen, in dieser Zeit Dinge empfangen werden, dann sind es ganz praktisch andere Christen, von denen die Jünger Jesu empfangen sollen, was sie selbst verlassen haben.
Dieses Konzept einer von Liebe und Fürsorge getragenen Gemeinschaft, die sich dem Vorbild Jesu verbunden fühlt, prägt von Anfang an das Miteinander der christlichen Gemeinde. In Apostelgeschichte 4,32-35 heißt es: Die Menge derer aber, die gläubig wurden, war ein Herz und eine Seele, und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein Eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
Mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab, und große Gnade war auf ihnen allen. Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen. So viele Besitzer von Äckern und Häusern waren, verkauften sie diese und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel. Es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte.
Wir sehen hier, wie sich Evangelisation und ein liebevolles Miteinander in der Gemeinde ergänzen. Die Liebe Gottes zu den Menschen, die sich in Kreuz und Auferstehung offenbart hatte, bewegte die ersten Christen zu der Einsicht, dass nichts von dem, was sie besaßen, ihr eigen war.
Die Bedeutung von Freiheit und Liebe in der Gemeinschaft
Achtung, das hier ist kein Kollektivismus im politischen oder ideologischen Sinn. Die Verfügungsgewalt blieb bei den Besitzern. Aber immer, wenn Not entstand, waren die Wohlhabenden bereit, ihren Besitz zu verkaufen, damit die Apostel denen helfen konnten, die bedürftig waren.
Das hier ist gelebte Liebe, nicht erzwungene Gütergemeinschaft. Erst brauchen wir ein „neues Herz“. Das ist es, was Marx nicht verstanden hat. Wenn die Gläubigen ein Herz und eine Seele sind, dann ist es einfach nur logisch, dass jeder jedem hilft und die Grenzen zwischen dem Meins und Deins verschwimmen.
Sie verschwimmen, weil eh alles Gott gehört und mir nur als Verwalter anvertraut ist. Ich habe den Eindruck, dass dieser Aspekt der Jüngerschaft selten gepredigt wird, aber wir sollten ihn trotzdem verstehen.
Mit der Bekehrung geht mein ganzer Besitz in die Verfügungsgewalt Gottes über. Alles gehört jetzt ihm, und er darf es in seinem Sinn verwenden. Und weil mein Besitz Gott gehört, fordert er mich auf, mit seinem Besitz Gutes zu tun. Dabei soll ich vor allem meine geistlichen Geschwister im Blick haben.
Verantwortung in der geistlichen Gemeinschaft
Galater 6,10: Lasst uns also nun, solange wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute tun, besonders aber den Hausgenossen des Glaubens.
Mit der Bekehrung werden wir Teil einer geistlichen Gemeinschaft und übernehmen damit Verantwortung. Es entsteht eine Verpflichtung. Ich trage die Verantwortung, für meine Geschwister in Not da zu sein.
Erster Johannesbrief 3,16-17: Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. Auch wir sind verpflichtet, für die Brüder das Leben hinzugeben. Wer aber irdischen Besitz hat und sieht, dass sein Bruder Mangel leidet, und verschließt sein Herz vor ihm – wie kann die Liebe Gottes in ihm bleiben?
Wer die Liebe Gottes versteht, ist verpflichtet, seine Geschwister auf dieselbe Weise zu lieben, wie er selbst von Gott geliebt wurde. Wir beginnen damit, unseren irdischen Besitz mit den Geschwistern zu teilen, die Mangel leiden.
Freigebigkeit als gelebte Praxis der Gemeinde
Es sollte für Christen ganz normal sein, großzügig zu spenden und mit dem eigenen Besitz umzugehen. Freigebigkeit ist für uns eine Selbstverständlichkeit, eine Grundhaltung, die jedem Gläubigen aufgetragen ist.
Die frühe Gemeinde lebte in der kontinuierlichen Bereitschaft, ihren Besitz loszulassen, sobald ein echter Bedarf unter den Geschwistern entstand. Das geschah ohne Zwang, aber auch nicht optional. Es war kein Ideal, das man bewunderte, sondern eine Praxis, die gelebt wurde.
Was Lukas hier beschreibt, ist keine sozialromantische Utopie, sondern eine geistgewirkte Realität. Im Text aus der Apostelgeschichte heißt es, dass große Gnade auf ihnen allen lag. Das bedeutet nicht nur, dass sie die Gnade Gottes empfangen hatten, sondern auch, dass diese Gnade ihre Beziehungen, Prioritäten und vor allem ihren Umgang mit den eigenen Ressourcen tiefgreifend veränderte.
Der Besitz wurde entprivatisiert, weil Gnade in den Gläubigen herrschte.
Die radikale Verantwortung als Nachfolger Christi
Als Gläubige in einer Gemeinde und darüber hinaus leben wir in einer radikalen Verantwortung füreinander. Wer sich bekehrt, bekennt sich damit nicht nur zu Jesus als seinem Erlöser, sondern auch zu ihm als Herrn, als Kyrios. Jesus wird zum Eigentümer meines ganzen Lebens.
Paulus schreibt deshalb völlig zu Recht in 1. Korinther 6, dass wir nicht uns selbst gehören, sondern dass Gott uns als seine Sklaven erkauft hat.
Neun praktische Schritte zur gelebten Großzügigkeit
Was heißt das jetzt praktisch für uns heute? Neun Punkte:
Erstens: Ich bete regelmäßig: Herr, wem soll ich helfen? Nicht jede Not ist mein Auftrag, aber ich will offen sein für die Führung des Heiligen Geistes. Da ich nur Treuhänder und nicht Eigentümer bin, muss ich immer wieder beten: Herr, wozu willst du das verwenden, was du mir anvertraut hast?
Zweitens: In Notfällen geht meine Hilfe zuerst an die Geschwister. Ich muss also regelmäßig prüfen, ob es jemanden gibt, der meine Zeit, meinen Zuspruch oder mein Geld braucht.
Drittens: Ich praktiziere regelmäßige und durchdachte Großzügigkeit – nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Ich gebe viel Geld weg.
Viertens: Ich halte mein Eigentum nicht fest. Wenn Geschwister in Not geraten oder mir Gott ein missionarisches Projekt aufs Herz legt, bin ich bereit, Wertgegenstände, Immobilien und Ersparnisse sofort freizugeben. Auch wenn das Auswirkungen auf meine Rente hat. Wir können nicht immer auf Nummer sicher gehen; irgendwo muss der Glaube anfangen.
Fünftens: Mein Haus und meine Wohnung gehören Gott. Deshalb praktiziere ich ganz bewusst Gastfreundschaft und akzeptiere die damit verbundenen Kosten, Einschränkungen und dass etwas kaputtgehen kann.
Sechstens: Ich werde Mitglied einer Gemeinde. Ich kann nur geben und empfangen, wenn ich Teil einer verbindlichen Gemeinschaft bin. Wo Gnade herrschen soll, braucht es Zugehörigkeit – mit allen damit verbundenen Problemen.
Siebtens: Ich entwickle eine geistliche Sensibilität für verborgene Nöte unter den Geschwistern. Durch Interesse, Verschwiegenheit und Ehrlichkeit fördere ich ein Klima gegenseitigen Vertrauens.
Achtens: Ich widerstehe dem Geist dieser Welt, der Besitz zum Selbstzweck macht. Ich übe mich in Genügsamkeit, um mehr Ressourcen für das Reich Gottes zur Verfügung zu haben. Luxus ist nicht grundsätzlich Sünde, aber gefährlich.
Neuntens: Ich nehme mein Leben als Zeugnis ernst. Gelebte Großzügigkeit ist ein apologetisches Zeichen. Die Welt erkennt die Realität Gottes und die Kraft des Evangeliums vor allem daran, dass Christen sich untereinander aufopfernd lieben.
Abschluss und Ermutigung zur Selbstreflexion
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach. Empfindest du dich als Treuhänder oder als Besitzer? Gibt es Dinge, die du verkaufen solltest, um den Ertrag jetzt ins Reich Gottes zu investieren?
Das war es für heute. Bete und faste, damit Gott dich davor bewahrt, diese Welt liebzugewinnen. Demas aus der Bibel darf uns ein warnendes Beispiel sein.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und schenke dir seinen Frieden. Amen.
