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Episode 192: Du sollst nicht ehebrechen.
Einführung in das Thema Ehebruch und Eheverständnis
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Um dieses Gebot geht es gerade. In der letzten Episode haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was eigentlich eine Ehe ist. Dabei standen 1. Mose 2,24 und Maleachi 2,14 im Mittelpunkt.
Die biblische Ehe ist eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Diese Beziehung basiert auf Selbständigkeit, auf Einander-Hängen und auf Intimität. Außerdem ist die Ehe ein Bund mit bestimmten Bedingungen.
An dieser Stelle wollen wir weitermachen. Der Ehebund ist darauf angelegt, dass zwei Menschen aneinander hängen. Wer einen Ehebund schließt, verspricht seinem Partner: „Ich will mich an dich hängen, ich will an dir kleben.“
Dieses Versprechen wird gegeben, ohne dass es noch einmal explizit erwähnt werden müsste. Es steckt einfach in Gottes Idee von Ehe.
Die praktische Umsetzung des Ehebundes
Wie dieses Aneinanderhängen praktisch aussieht, hängt sicherlich auch ein Stück weit von der Kultur ab, in der man lebt. Im Alten Testament liegt der Schwerpunkt für den Mann auf der praktischen Versorgung seiner Frau. Paulus bringt es dann auf den Punkt: Ein Mann muss seine Frau lieben, so wie er seinen eigenen Körper liebt.
Wenn er das nicht mehr tut, wenn er aufhört, seine Frau ganz praktisch zu lieben, wenn er gewalttätig oder passiv wird, dann bricht er die Ehe. Für die Frau legt das Alte Testament in Bezug auf die Ehe den Schwerpunkt auf die eheliche Treue.
Das Neue Testament betont dann, mit Verweis auf das Alte Testament, auch den Punkt der Unterordnung. Wie der Mann seine Frau lieben soll, so soll die Frau ihm mit Respekt begegnen. Wie gesagt, hier sind Schwerpunkte beschrieben. Natürlich soll auch der Mann treu sein, und die Frau soll sich um die Bedürfnisse des Mannes kümmern.
Mir geht es jetzt erst einmal nur darum, zu zeigen, dass man die Ehe als Bund verstehen muss. Zu einem Bund gehören Bundesbedingungen, die nicht immer explizit benannt werden müssen, damit sie gelten. Sie sind quasi ehebundimmanent und gelten für alle Ehen.
Es gibt keine Ehe, in der ein Mann sich nicht um die Bedürfnisse seiner Frau kümmern müsste. Ebenso gibt es keine Ehe, in der eine Frau fremdgehen kann, ohne zur Ehebrecherin zu werden.
Die Bedeutung des Eheversprechens und persönliche Bedingungen
Ehe heißt, ich verspreche, mich an eine andere Person zu binden, mit ihr eins zu werden, sie zu umsorgen und sie zu genießen. Das ist Ehe.
Deshalb vielleicht noch ein Hinweis: Neben den allgemeinen Bedingungen, die allen Ehen zugrunde liegen, gibt es natürlich auch persönliche, explizite Bedingungen. Solche, die wir einander vor dem Traualtar versprechen.
Mein Tipp an junge Paare: Versprecht euch nichts. Jedenfalls nicht mehr, als das, was ohnehin schon zur Ehe gehört. Auf keinen Fall so etwas wie: „Ich werde, wenn wir uns streiten, immer auf dich zugehen.“
Schön, wenn du das möchtest und dir vornimmst, aber wenn du es versprichst, wird es formal Teil eurer Bundesbeziehung. Dann wirst du zum Ehebrecher, wenn du bei einem Streit nicht sofort auf deinen Partner zugehst, sondern vielleicht zu Recht denkst, jetzt wäre es wirklich an der Zeit, dass er sich mal bewegt.
Ehebruch als Herzenssache und seine Erscheinungsformen
Wo stehen wir jetzt? Wir wissen nun, was eine Ehe ist, und wir wissen, wo Ehebruch beginnt.
Ehe ist laut der Bibel ein Bund zwischen einem Mann und einer Frau. Ehebruch fängt dort an, wo ich nicht mehr an meinem Partner hänge, sondern mir etwas anderes wichtiger wird. Ehebruch ist also eine Angelegenheit des Herzens. Meist spielt dabei eine andere Person eine Rolle, das muss aber nicht unbedingt so sein.
Auch wenn der Herr Jesus hier den klassischen Fall des Fremdgehens anspricht, sollten wir nicht vergessen, dass man auch zum Ehebrecher werden kann, wenn der Job, das Autoschrauben, die Kinder oder die Zeit vor dem Fernseher wichtiger werden als der Ehepartner.
Dasselbe gilt natürlich auch, wenn ich meinem Partner durch Rechthaberei, Gleichgültigkeit, böse Worte oder Gewalt signalisiere, dass mir an ihm nicht mehr viel liegt.
Die Auslegung Jesu zum Gebot gegen Ehebruch
Aber zurück zur Bergpredigt. Wie gesagt, Ehebruch ist eine Sache des Herzens. Hören wir dazu noch einmal, was der Herr Jesus sagt. Matthäus Kapitel 5, die Verse 27 und 28:
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht Ehe brechen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen.
Wir haben es hier wieder mit der Formulierung „Ihr habt gehört, ich aber sage euch“ zu tun, die wir schon vom Beispiel Mord und Zorn kennen. Das „Ihr habt gehört“ bezieht sich auf die Auslegung der Rabbis. Für sie war klar: „Du sollst nicht Ehe brechen“ ist ein Gebot, das ausschließlich damit zu tun hat, dass ich als Verheirateter keinen Sex mit einer anderen Frau habe. Und solange ich das nicht habe, egal wie ich über andere Frauen denke und was ich für sie empfinde beziehungsweise was ich nicht mehr für meine Frau empfinde, bin ich kein Ehebrecher. Kein Beischlaf, kein Ehebruch.
Und jetzt kommt Jesus und stellt dem sein „Ich aber sage euch“ entgegen. Natürlich ist es auch in seinen Augen falsch, wenn ein Ehemann fremdgeht, logisch. Aber bitte habt bei allem, was ich jetzt sage, immer im Blick, dass es sich hier um eine kasuistische Gesetzgebung handelt. Es wird ein Fall beschrieben, um ein Prinzip aufzuzeigen, das dann jeder auf seine eigene Situation anwenden muss.
Was hier für den Ehemann im Verhältnis zu einer anderen Frau gesagt wird, gilt in gleicher Weise für die Ehefrau im Verhältnis zu einem anderen Mann. Und wo das Begehren einer anderen Frau dazu führt, dass sie mir im Herzen wichtiger wird als meine eigene Frau, da kann das natürlich, wie schon gesagt, auch für andere Sachen gelten.
Wo mir meine Ruhe, meine Karriere, meine Hobbys, meine Kumpels oder mein Sportverein wichtiger werden als meine Frau, werde ich zum Ehebrecher. Einfach deshalb, weil ich hier am Tag unserer Eheschließung versprochen habe – ihr erinnert euch, Bundesbedingungen: Ich werde an dir hängen und eben nicht an Hertha BSC, meiner Modelleisenbahn, meinem Eigenbrödler sein oder meiner Mutter.
Die innere Dimension des Ehebruchs und seine Konsequenzen
Aber zurück zu Jesus und der Tatsache, dass Ehebruch meist mit Fremdgehen zu tun hat. In Matthäus 5,28 heißt es: „Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen.“
Lange bevor also ein Mann tatsächlich fremdgeht, geschieht der Ehebruch bereits im Herzen. Ein heimliches Begehren bemerkt natürlich kein Richter, und es ist auch nicht strafwürdig. Doch in den Augen Gottes ist es bereits Ehebruch.
Das Gebot „Du sollst nicht Ehe brechen“ aus den Zehn Geboten ist für Richter geschrieben. Jesus erklärt hier nur, was die Schriftgelehrten und Pharisäer seiner Zeit eigentlich auch hätten wissen können: Wenn ein Richter Ehebruch feststellt, dann hat lange vorher Ehebruch im Herzen stattgefunden.
Praktische Konsequenzen für Ehepaare
Was bedeutet das Gebot für uns als Eheleute?
Wir erinnern uns: „Du sollst nicht töten“ war ein Ausdruck der Wichtigkeit von geklärten, lebensspendenden Beziehungen. Für mich steckt hinter dem Gebot „Du sollst nicht Ehe brechen“ Gottes Wunsch, der eigenen Ehe genug Aufmerksamkeit, Exklusivität und Romantik zu schenken.
Lasst mich das aus meiner persönlichen Situation heraus formulieren: Ich möchte durch gute Gewohnheiten dafür sorgen, dass mein Herz an meiner Frau hängt – und zwar nur an meiner Frau. Zu diesen guten Gewohnheiten zählen zum Beispiel ein wöchentlicher Eheabend, tiefe Gespräche, gemeinsamer Urlaub, regelmäßige Sexualität, ehrliche Komplimente und Dankbarkeit.
Ich strebe an, was Salomo für den reifen Ehemann so formuliert: „Erfreue dich an der Frau deiner Jugend, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar.“ Ebenso wie es gute Gewohnheiten gibt, mit denen ich meinem Herzen immer wieder predige, wen es bitteschön begehren soll, passe ich gleichzeitig darauf auf, ob sich unser Verhältnis als Ehepaar verändert.
Was unser Miteinander belastet oder mich ablenkt, wird aus unserem Leben entfernt. Diese Dynamik aus „Ich suche bewusst, was uns aneinander bindet, und meide alles, was uns voneinander trennt“ bedeutet für mich: Du sollst nicht Ehe brechen.
Abschluss und praktische Anregungen
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Zeit nehmen, um noch einmal für Ehen in deiner Umgebung zu beten. Werde dabei ruhig konkret in dem, was du dir für sie wünschst.
Das war's für heute? Ich bin ein großer Freund davon, Bibelverse auswendig zu lernen. Fang doch heute mit Matthäus 5,27-28 an.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und Liebe. Seinem Frieden! Amen.
