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Ich habe keine Zeit

10.03.1965

Einleitung: Begegnungen mit dem Evangelium und häufige Antworten

Guten Abend! Bevor ich mit meinem heutigen Vortrag beginne, möchte ich einige Worte zu den Themen sagen.

In meinem Leben habe ich mit vielen Menschen über das Evangelium gesprochen. Dabei erhielt ich meistens dieselben Antworten. Wenn ich jemandem sagte: „Lesen Sie die Bibel“, antwortete er: „Ich habe keine Zeit.“ Wenn ich jemanden fragte: „Warum leben Sie in der Sünde, im Ehebruch?“, kam die Antwort: „Die Liebe ist eine Himmelsmacht, das kann doch keine Sünde sein.“ Wenn ich jemanden in die Kirche einlud, hieß es oft: „Ich gehe lieber in den grünen Wald, mein Gott ist in der Natur.“ Wenn ich von Gottes Liebe sprach, wurde ich gefragt: „Ja, aber wie kann Gott so schreckliche Dinge zulassen?“ Und wenn ich sagte: „Du müsstest Jesus haben“, antwortete man: „Wozu? Ich glaube an Herrn Gott, aber ich habe keine Sünde, mir kann keiner etwas nachsagen.“

Das waren meine fünf Themen. Wissen Sie, ich habe mir gewissermaßen vorgenommen, genau über das zu sprechen, was mir in Norwegen, im Elsass, in Etzeln oder in Berlin ins Gesicht gesagt wird, wenn ich vom Evangelium rede.

Zum Thema „Ich habe keine Zeit“ habe ich drei Teile vorbereitet. Ich sage Ihnen das vorher, damit Sie, wenn der dritte Teil kommt, merken, dass es zu Ende geht.

Die paradoxe Zeitnot trotz technischer Fortschritte

Eine merkwürdige Tatsache

Den ersten Teil überschreibe ich mit einer merkwürdigen Tatsache. Es gibt eine Tatsache, die man kaum begreifen kann.

Sehen Sie, wenn vor hundert Jahren ein Kaufmann aus Colmar in Straßburg ein Geschäft zu verrichten hatte, dann musste er mit der Postkutsche sieben Stunden fahren. Da ging ein ganzer Tag dafür drauf. Am nächsten Tag erledigte er seine Geschäfte, und am dritten Tag kam er zurück.

Heute führt er ein Telefongespräch. Er hat also drei Tage gewonnen, nicht wahr?

Als ich im Jahr 1931 zum ersten Mal in die USA fuhr, brauchten wir für die Anreise noch sieben Tage. Heute fliegt man in sieben Stunden nach New York. Das sind sechs Tage, sechseinhalb Stunden Gewinn.

So geht es mit allem. Das heißt, wir müssten doch eigentlich wahnsinnig viel Zeit übrig haben.

Auch die Frauen, sehen Sie: Meine Mutter hatte acht Kinder und einen riesigen Haushalt. Was hat meine Mutter noch Strümpfe gestopft?

Heute tragen wir Nylonstrümpfe und werfen sie weg, wenn sie Löcher haben. Das sieht doch auch nicht mehr an.

Wenn Wäsche war – alle vier Wochen Wäschetag – das war eine Riesenunternehmung. Heute haben die Frauen einen praktischen Waschapparat, schalten ihn ein, schauen einmal scharf hin, und dann ist die Wäsche gebügelt.

Und trotzdem hat kein Mensch Zeit, auch nur die Bibel zu lesen oder Frieden mit Gott zu suchen.

Das Phänomen der Zeitnot im Alltag

In meinem Haus gibt es eine Garage, die ziemlich steil abfällt. Sie liegt sozusagen in der Erde. Wenn ich mein Auto herausfahren wollte, musste ich immer Schwung holen. Oben im Haus wohnt ein kleiner Junge, der das gerne mitmachte – zwar nicht so extrem, aber doch mit Begeisterung. Man muss natürlich ein ziemlich guter Fahrer sein, um das zu schaffen.

Neulich stand ich in der Garage und fragte: „Manni, willst du mit rausfahren?“ Er antwortete: „Ja, wenn Sie schnell machen, ich habe nicht viel Zeit.“ Fünf Jahre alt und schon haben die Fünfjährigen einen Terminkalender. Ist das wirklich so? Oder nicht? Keiner hat Zeit. Woher kommt das eigentlich?

Man könnte stundenlang darüber reden, aber das möchte ich jetzt nicht tun. Wie erklären Sie sich das? Wir sparen unablässig Zeit durch Maschinen, Telefon und so weiter – und haben doch immer weniger Zeit.

Meine Mutter hat jeden Tag eine stille Stunde eingelegt, in der sie mit Gott sprach und die Bibel las. Sie hatte keine elektrische Waschmaschine und hat Strümpfe für acht Kinder und einen Mann gestopft. Wie kommt es, dass heute niemand mehr Zeit hat? Können Sie sich das erklären?

Es gibt so viele einsame Menschen in unseren Städten, die sagen: „Für mich hat niemand Zeit.“ Ein sechzehnjähriger Junge sagt: „Für mich hat niemand Zeit – meine Mutter, ach nein, mein Vater, niemand hat Zeit für mich.“ Wie erklären Sie sich das? Haben wir größere Aufgaben als unsere Väter? Oder bilden wir uns das nur ein?

Die vermutete Ursache: Eine Macht, die hetzt

Ich habe nur eine einzige Erklärung dafür gefunden: Es muss jemanden geben, der die Menschen wie mit einer Peitsche hetzt. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Dann schlage ich meine Bibel auf, und dort ist die Rede vom Teufel. Es heißt sogar, dass er nur wenig Zeit hat. So unmodern das auch klingen mag – ich kann mir nicht helfen. Ich bin überzeugt, dass es einen Teufel gibt, der dafür sorgt, dass wir nicht zum Nachdenken kommen.

Sehen Sie, es gibt eine ergreifende Geschichte in der Bibel. Jesus, der Sohn Gottes, steht auf einem einsamen Berg. Plötzlich steht diese Macht der Finsternis neben ihm. Es ist, als ob er Vorhänge zurückschiebt, und Jesus sieht die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit.

Der Teufel ist ein großer Betrüger. Er retuschiert die Gefängnisse, Schlachtfelder und all das Übel – wissen Sie? Das wird einfach wegretuschiert. Stattdessen zeigt er die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Dann sagt der Teufel: „Alles ist mir übergeben.“ Und Jesus widerspricht ihm nicht.

Wenn ich beim Bibellesen an diese Stelle komme, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Jesus sagt nicht: „Oh, du alter Wichtigtuer, das stimmt ja gar nicht!“ Stattdessen widerspricht er ihm nicht.

Der Apostel Paulus nennt den Teufel sogar einmal „den Gott dieser Welt“. Ich kann mir die Welt nicht erklären, ohne die Macht der Finsternis mit einzubeziehen.

Beispiele für die Wirksamkeit der Finsternis

Lassen Sie mich einige Beispiele nennen. In Westdeutschland gibt es eine erschreckend hohe Zahl von Verkehrstoten, die durch Autos überfahren werden. Ebenso gibt es viele Selbstmörder, darunter über 50 junge Menschen – Hunderte, die ihr Leben wegwerfen, weil jemand ihnen einredet, dass alles sinnlos sei.

Denken Sie auch daran, dass wir alle an unserer sexuellen Labilität beteiligt sind – also an unserer Anfälligkeit, Hilflosigkeit und Versuchung. Oder denken Sie daran, wie viele Menschen heute schwermütig sind. Schwermütig bedeutet, dass ihr Gemüt belastet ist.

Glauben Sie, dass irgendwo auf der Welt ein Mensch existiert, der Krieg will? Sollte hier jemand sein, der den Krieg will, so soll er aufstehen. Doch die Völker rüsten wie verrückt auf und brechen unter der finanziellen Last der Rüstungen zusammen. Und niemand will Krieg.

Es geschieht ständig etwas, das wir gar nicht wollen. Verstehen Sie das? Ich kann mir das nur so erklären, dass diese dreidimensionale Welt, in der wir leben, nicht alles ist. Es gibt noch andere Mächte – es gibt Teufel. Und der sorgt dafür, dass kein Mensch Zeit hat, um zum Nachdenken zu kommen.

Worüber sollte man denn nachdenken? Der Teufel will unter allen Umständen verhindern, dass wir darüber nachdenken, dass es von all dem eine Erlösung gibt – von der Hetze, der Friedlosigkeit, dem Streit, dem Hass, dem Krieg und den Trieben. Es gibt eine Erlösung.

Der Teufel will unter allen Umständen vermeiden, dass wir darüber nachdenken, dass wir von ihm und seiner Macht erlöst werden können.

Die Erlösung von der Macht der Finsternis

Und damit komme ich zu meinem zweiten Teil. Es gibt eine Erlösung von all dem, was mit der Macht der Finsternis zusammenhängt. Davon spricht die Bibel im zweiten Teil. Ich sage immer: Wer im ersten Teil eingeschlafen ist, kann im zweiten wieder richtig einsteigen.

Ist es hier ein bisschen warm? Sind Sie alle noch dabei? Dann komme ich jetzt zum zweiten Teil.

Es gibt eine Erlösung von all dem, von der Macht der Finsternis. Und wenn ich das sage, meine ich sogar eine Erlösung von sich selbst. Und das ist das Allerwichtigste.

Wissen Sie, wenn man eines Tages entdeckt, dass das Schrecklichste man selbst und sein eigenes Herz ist – hier sitzt der Teufel – dann gibt es eine Befreiung. Sehen Sie, das ist die Botschaft des Neuen Testaments.

Da sagt einer, der es weiß – Gott verzeih mir, wenn ich Gott sage, dann möchte ich am liebsten erst eine Minute Pause machen: Wissen Sie, dass Gott wirklich ist? Dass er da ist? Gott uns Gott?

Neulich fragt mich einer: Woher wissen Sie denn, dass Gott lebt? Wissen Sie es ganz bestimmt? Ich habe mal in einem Zirkus gesprochen, da schrie mittendrin einer: „Es gibt ja gar keinen Gott!“ Da habe ich gesagt: „Wissen Sie es ganz bestimmt?“ Da sagt er: „Bestimmt weiß niemand etwas.“ Doch doch, sage ich, ich weiß es, ich weiß es hundertprozentig. Da sagt er: „Woher wissen Sie das?“ Immer wieder bekomme ich die Frage: Woher wissen Sie das?

Da sage ich: Weil Gott sich geoffenbart hat in Jesus. Seit Jesus gekommen ist, ist Gottes Leugnung Dummheit oder Unwissenheit – den Satz möchte ich Ihnen einhämmern: Seit Jesus gekommen ist, ist Gottes Leugnung Unwissenheit oder böser Wille.

Also jetzt sage ich den biblischen Satz: Gott hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes Jesus.

Wenn Sie richtige Christen werden, dann bekommen Sie nicht nur eine andere Anschauung – das sowieso – sondern Sie erleben eine Existenzveränderung. Sie werden versetzt aus dem Reich der Finsternis in das Reich des lieben Sohnes Gottes, Jesus.

Sehen Sie, das will der Teufel verhindern: dass Sie das erfahren, dass es eine wirkliche, eine echte Existenzveränderung gibt, eine göttliche Erlösung, eine wirkliche Befreiung.

Die Leute meinen, Christentum sei so ein bisschen religiöser Nebel für ältere Damen über siebzig. Warum ist das so? Warum sind wir denn alle so elende Leute? Weil wir dieses Heil Gottes nicht richtig annehmen wollen.

Versetzt in das Reich des lieben Sohnes – es gibt eine Erlösung durch Jesus.

Die Bedeutung Jesu für die Erlösung

Und nun muss ich von Jesus reden. Damit bin ich bei meinem Thema, denn ich habe keine andere Melodie in meinem Leben als das Lob Jesu.

Ich möchte Ihnen eine nette kleine Geschichte erzählen. Sie dürfen ruhig lachen.

Vor vielen Jahren ging ich in Essen über die Straße. Am Straßenrand standen zwei Bergleute. Das erkennt man, denn sie haben diese blauen Narben. Einer von ihnen sagte: „Guten Tag, Pfarrer Busch!“ Ich antwortete: „Guten Tag, kennen wir uns?“

Da sagte er zu dem anderen: „Siehst du, das ist der Pfarrer Busch. Das ist ein ganz vernünftiger Junge.“ Und dann fügte er hinzu: „Junge, nur er hat einen Vogel.“ Kennen Sie diesen Ausdruck? Das bedeutet, er ist ein bisschen verrückt.

Da wurde ich böse und fragte: „Wieso habe ich einen Vogel? Wie kannst du das sagen? Ich bin ganz vernünftig.“ Er antwortete dem anderen: „Er spricht immer von Jesus.“

„Oh“, sagte ich, „leider ist es nicht so. Aber das ist das Gescheiteste, was ich tun könnte, wenn ich immer von Jesus spreche.“ Kennen Sie ihn?

Der andere sagte: „Jetzt fängt er schon wieder an.“

Ich möchte jetzt wieder anfangen. Ich will Ihnen sagen, was mit Jesus los ist.

Ich habe einmal oder öfter im Gefängnis gesessen. Ich habe nicht gestohlen, Sie verstehen? Ja?

Es war ein schreckliches Gefängnis, ein Bau mit lauter ganz engen Zellen. Wenn ich die Arme anwinkelte, konnte ich beide Wände anfassen. Dann kam eine Betonwand, und dahinter war die nächste Zelle. Wenn oben im dritten Stock jemand hustete, fiel man im Erdgeschoss aus dem Bett. So war das. Man hörte alles.

Nun kam in die Zelle neben mir ein Mann. Ich habe ihn nie gesehen, aber ich hörte seine Verzweiflung. Diese Gefängnisse der Geheimen Staatspolizei waren schrecklich. Ich war Jugendpfarrer, und das war unerwünscht, wissen Sie? Es waren schreckliche Gefängnisse.

Der Mann lief stundenlang hin und her, zweieinhalb Schritte hin, zweieinhalb Schritte her, immer wieder. Dann hörte ich ihn nachts schluchzen. Wenn Männer weinen, ist das schrecklich – verzweifelt schluchzen.

In einer Nacht dachte ich, er bringt sich um. Ich hörte nur dieses verhaltene Weinen. Da klingelte ich beim Wärter und sagte: „Hören Sie, ich bin Pfarrer. Lassen Sie mich zu diesem Mann. Ich möchte ihm ein Wort sagen, ihn trösten.“

„Nein“, sagte der Wärter, „das dürfen Sie nicht.“ Die eiserne Tür ging zu. Ich stand in der Nacht an der Betonwand und hörte das Weinen. Ich dachte: Wenn ich doch die Wand hämmern könnte und zu dem Mann gehen. Aber ich konnte nicht.

Nun passen Sie gut auf, das ist ein Gleichnis.

Wir sind gleichsam in dieser dreidimensionalen Welt eingemauert, und der Teufel sagt: „Mir ist alles übergeben.“ Wenn man so Karneval sieht, denkt man, es ist alles Freude. Aber dahinter sind Verzweiflung, Sünde, Schmutz, Elend und überall in den Häusern Streit.

Hier sind an die 800 Leute. Wenn ich sagte, soll mal einer aufstehen, der ganz glücklich ist, dann steht keiner auf.

Dieses Weinen aber kommt zum Ohr Gottes. Und Gott kann das, was ich in der Zelle nicht konnte: Er kann die Wand kaputt schlagen, die seine Welt von unserer dreidimensionalen Welt trennt. Verstehen Sie?

Gott kann die Mauer kaputt schlagen, die ihn von uns trennt, und zu uns Elenden kommen. Das geschah, als Jesus in die Welt kam.

Die Engel schrien – sie sangen es gar nicht, sondern riefen in Sprechchören: „Euch ist heute der Heiland geboren.“

Da hatte Gott das getan, was ich in der Zelle nicht konnte: Er war in unsere Welt hereingebrochen in seinem Sohn Jesus.

Darum ist Jesus das große Ereignis der Weltgeschichte und die einzige Chance der Menschenkinder.

Wir sollten ganz anders begreifen: Gott wird Mensch – dir, Mensch, zugute. Es ist ein Heiland in der Welt.

Wenn der Teufel sagt: „Es ist mir alles übergeben“, dann stehen eine Reihe Leute auf und sagen: „Teufel, wir nicht! Wir haben uns nämlich diesem Sohn Gottes, Jesus, ergeben.“

Wir sind errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes Gottes.

Ich möchte Sie alle heute Abend überreden, diesen Schritt zu tun, wissen Sie? Zu Jesus. Ihre Existenz hängt daran – für Zeit und Ewigkeit.

Ich möchte Ihnen nicht eine andere religiöse Überzeugung beibringen, sondern ich möchte Ihnen den Retter zeigen.

Lassen Sie mich von diesem Jesus reden, durch den Gott in die Welt hereingebrochen ist – in unser Elend, in unseren Jammer, in unser Leid.

Die verborgene Not hinter der Fassade

Wenn man diese Menschen sieht, denkt man: Das sind ja alles nette, fröhliche, famose Leute.

Eine große Schweizer Zeitung hat neulich einen bemerkenswerten Versuch unternommen. Am Hauptbahnhof in Zürich wurden 15 Personen, die zufällig aus einem Zug stiegen, von Reportern zu einem Interview eingeladen. Man versprach ihnen eine große Belohnung und sicherte zu, keine Namen zu nennen, wenn sie erzählen, was sie belastet.

Alle fünfzehn öffneten sich und berichteten von großen persönlichen Nöten. Der eine hat Eheprobleme, der andere Schwierigkeiten mit den Kindern. Ein weiterer weiß nicht, wie er finanziell über die Runden kommen soll. Ein vierter hat Krebs, sieht sein Ende nahen und fürchtet sich vor dem Tod.

Verstehen Sie? In all diese Lebenssituationen voller Not und Elend schickt Gott seinen Sohn.

Die heilende Begegnung Jesu mit einem Aussätzigen

Jetzt muss ich von Jesus reden. Jesus spricht in einer großen Versammlung, als plötzlich am Rand Unruhe entsteht. Die Unruhe wird so groß, dass Jesus aufhören muss. Was ist denn los? Es geschieht etwas Entsetzliches.

Ein Aussätziger kommt. Aussatz ist eine Krankheit, die ansteckend ist. Dabei verfault der Mensch bei lebendigem Leib. Ein Aussätziger sieht grauenvoll aus: Die Ohren fallen ab, ebenso die Lippen und die Nase. Dieser Mann kommt auf die Versammlung zu. Die Leute schreien: „Geh weg!“ Sie werfen Steine. Doch sie weichen zurück, sodass er Platz bekommt und mitten durch die Menge auf Jesus zugehen kann.

Dann fällt er vor Jesus nieder. Es ist ein schreckliches Bild: Der Mann mit den abgefaulten Ohren, dem eitrigen Kopf, voller Tränen und Schmutz und Staub dazwischen. Er liegt da, weint und sagt: „Herr Jesus, mir kann niemand helfen, aber du kannst es.“

Und was geschieht jetzt? Diese Geschichte liebe ich. Ich könnte mir vorstellen, dass Jesus drei Schritte zurückgeht und sagt: „Sei geheilt!“ Das wäre schon etwas Besonderes. Aber das tut Jesus nicht.

Wissen Sie, was er tut? Er geht auch hinzu und legt dem Mann die Hand auf sein krankes Haupt. Er berührt ihn. Die Leute schreien vor Entsetzen. Es sind Menschen hier, die in keiner Weise so unrein in Sünde sind, so bekümmert und so verstrickt in trübe Dinge wie dieser Mann. Doch Jesus ekelt sich vor nichts.

Er legt ihm die Hand aufs Auge. Wenn Jesus sich vor Menschen ekelte, hätte er mich als jungen Burschen nicht angenommen. Ich wünsche mir, ich könnte ihm ein riesengroßes Vertrauen schenken.

Das Kreuz und die Auferstehung als Zentrum der Erlösung

Die Menschen haben ihn gekreuzigt. Ach nein, Gott hat ihn gekreuzigt. Gehen Sie mit mir hinaus nach Golgatha, dort ragen drei Kreuze empor.

Rechts und links sehen wir sie nicht an. Wir sehen nicht auf die Volksmenge, wir sehen nicht auf die römischen Soldaten. Aber den in der Mitte, den mit der Dornenkrone, o Haupt voll Blut und Wunden – kennt man dieses Lied nicht mehr? Voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt zum Spott gebunden mit einer Dornenkrone.

Sehen Sie ihn an! Da heißt er doch hoher Priester, der diese verlorene Welt mit Gott versöhnt. Dort ist er das Lamm Gottes, auf das alle unsere Sünden geworfen sind. Dort ist er die Tür zu Gott und seiner Welt. Dort ist er unser Friede. Dort ist der Brunnen, der uns reinwäscht. Dort ist das Brot des Lebens.

Wenn dieser Jesus, der gekreuzigt wurde, in die Mitte Ihres Lebens kommt und Ihr altes Ich hinausfliegt, dann geschieht die große Existenzveränderung. Dann legt man diesen toten Jesus in ein Felsengrab und fällt einen Stein davor. Aber am dritten Tage wird es heller, als sei eine Atombombe in der Nähe explodiert.

Und dieser Jesus fährt glorreich heraus. Er lebt! Und wenn die ganze Welt ihn hasst, wird sie ihn nicht mehr los. Er ist da.

Ich bezeuge Ihnen, dass Jesus durch das Kreuz geht. Ich bezeuge Ihnen, dass Jesus eine Handbreit neben Ihnen steht und darauf wartet, dass Sie ihm Ihr Herz ausschütten und sagen: Herr, wenn Du der Befreier bist von der Macht des Teufels, dann will ich Dir gehören.

Diesen Schritt müssen Sie tun. Wem sonst soll ich mich ergeben? O König, Dir am Kreuz verblich, hier opfere ich Dir mein Gut und Leben. Mein ganzes Herz ergießt sich dir. Dir schwöre ich zu der Kreuzesbahn als Streiter und als Untertan.

Lassen Sie sich – ich kann das ja nur andeuten – lassen Sie sich von Jesus erretten, von dem Teufel und seiner Fessel.

Die Dringlichkeit der Entscheidung für Jesus

Und jetzt habe ich noch ganz kurz den dritten Teil. Wiederum: Wer ausgestiegen ist, kann auch wieder einsteigen, nicht?

Ich möchte Ihnen noch eben von einem Mann erzählen, der auch für Jesus keine Zeit hatte. Der Apostel Paulus – eine biblische Geschichte von einem Mann, der keine Zeit für Jesus hatte. Paulus war gefangen genommen worden und wurde nach Caesarea gebracht. Dort wurde er vom römischen Landpfleger Felix verhört. Felix kam mit seiner Frau Drusilla, einer schönen und reizvollen Frau, die eine recht bewegte Vergangenheit hatte.

Nun, Paulus wurde vorgeführt und sollte erklären, warum er hier gefangen war. Dieser Apostel Paulus war ein großartiger Mann. Er drehte den Spieß um und machte in kürzester Zeit dem römischen Landpfleger und Drusilla klar, dass sie selbst angeklagt sind vom heiligen, lebendigen Gott, der auf seinen Geboten besteht. Paulus sagte, Gott verlange Gerechtigkeit – und sie hätten diese nicht.

Dann begann er, von Keuschheit zu sprechen. Frau Drusilla wurde nicht nur nervös, sondern auch böse. Paulus fuhr fort und sprach davon, dass wir alle einmal vor Gottes Gericht stehen werden – jeder Einzelne von uns. Daraufhin sagte der große Richter: „Ist gut, Paulus, ist gut. Wenn ich Gelegenheit habe, will ich dich wieder hören. Ich habe jetzt keine Zeit mehr.“

Die Hölle ist voll von Menschen, die wussten, dass das Evangelium, das ich ihnen gesagt habe, lauter Wahrheit ist. Und sie hätten jetzt den Schritt zu Jesus tun sollen, aber sie hatten keine Zeit. Sie sagten: „Ich will es tun, wenn ich Gelegenheit habe, wenn ich älter bin oder so.“

Hören Sie, das ist sehr töricht. Wissen Sie, ob Sie morgen noch leben? Ich habe einmal eine Beerdigung mitgemacht, bei der der Pfarrer betete: „Herr, gib, dass der, der unter uns als Nächster stirbt, im Frieden mit dir stirbt.“ Und auf einmal standen viele Menschen da und keiner wusste, wer der Nächste sein wird. Einer von uns wird ja der Nächste sein, nicht?

Lassen Sie sich erretten von der Obrigkeit der Finsternis und versetzen Sie sich in das Reich des Herrn Jesus.

Ein warnendes Gleichnis vom Koch auf dem sinkenden Schiff

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein einfaches Beispiel anführen. Ich las einmal, dass ein Schiff von einem Eisberg gerammt wurde – ein Patagierdampfer – und unterging. In allen Räumen wurde das Signal SOS gegeben. Einer rannte durch die Gänge, um alle zu warnen: „An Deck, in die Rettungsboote!“

Dann kam er in die Küche. Dort war ein Koch, der gerade Omelett machte. Ich bin kein Koch, aber sagen wir, er backte Omelett. Ich ziehe mich aus der Affäre und sage: Ja, er machte Omelett. Da sagt dieser Stuart zu ihm: „Mann, geh raus, das Schiff sinkt, rette dich!“ Doch der Koch antwortete: „Ich muss erst meine Pflicht tun und das Omelett fertig machen.“

Dann ging das Schiff unter, und der Koch ertrank. Er war ein pflichtbewusster Mann, nicht wahr? Ein pflichtbewusster Mann, dessen Leben nur aus Arbeit bestand. Er dachte nie an sich selbst – und doch kam er ums Leben.

Man kann mit solchen Sprüchen sein ewiges Heil verspielen, wenn jemand sagt: „Ich tue ja meine Pflicht, alles.“ Und dann geht er ewig verloren und bleibt in Zeit und Ewigkeit im Reich der Finsternis.

Der Koch musste lernen: Das Wichtigste kommt zuerst. Jetzt geht es um die Rettung. Und Jesus ist gekommen – nicht mehr und nicht weniger –, um uns zu retten, zeitlich und ewig. Darüber sprechen wir dann noch.

Schluss: Gebet und Bitte um Rettung

Wir wollen sitzen bleiben und beten. Denke daran, dass er da ist. Herr, was für eine große Sache ist es, dass Du gekommen bist! Wie blind sind wir Menschen, dass uns alles wichtiger erscheint als Dein Heil, Dein Kreuz und Deine Auferstehung.

Auch Dein Geist, Dein Rufen und Deine Glocken zeigen uns, wie viele unter uns in Wirklichkeit sehr unglücklich sind und mit viel Schuld belastet. Mögen heute Abend viele den Weg zu Dir finden.

Herr Jesus, mache Menschen zu Deiner Beute. Ich bitte Dich darum! Amen!