Bruderliebe Bruderliebe und Freigebigkeit
Lukas 21,1-511.07.2016
Serie•Teil 5 / 5Bruderliebe
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Einleitung: Worum es heute gehen soll
Alle trinken, keiner will zahlen, schon gar nicht für die anderen. Wir schliessen heute eine Reihe ab, eine Reihe über Bruderliebe, und das letzte Thema heisst Bruderliebe und Freigebigkeit.
Deswegen vielen herzlichen Dank für den Sketch. Das war nämlich dann der Letzte, der kommt und sagt: Hey, ich freue mich so sehr, dass ihr da seid. Ja, das übernehme ich.
Und ich möchte mit euch darüber nachdenken: Bruderliebe und Freigebigkeit. Zuerst einmal darüber, was für einen Gott wir haben, und dann darüber, was das für unseren Umgang mit bestimmten Aspekten des Lebens bedeutet.
Gottes Fülle und unser Umgang mit Lobpreis
Ich mache mal eine Vorbemerkung: Es gibt manche Lieder im modernen Lobpreis, die singe ich nur ungern mit. Also, ich bin nicht der Typ, der sagt, die darf man nicht singen oder da muss man alles ändern. Aber man singt ja selber. Und es gibt halt Lieder, da geht es mir so, dass ich, wenn ich die mitsinge, manchmal etwas anderes singe, als ihr singt. Also ändere ich dann einfach den Text.
Warum? Weil es so Lobpreislieder gibt, die Gott unterstellen, dass er ein knauseriger Gott ist. Ich mache mal ein Beispiel, und ich hoffe, ich trete jetzt keinem auf die Füße. Es soll wirklich ein Beispiel sein.
Da gibt es ein Lied, das heißt: Großer, herrlicher Gott. Singen wir auch. Und da gibt es eine Zeile, die heißt: All mein Denken, all mein Wollen soll auf dich gerichtet sein. Das finde ich total schön. All mein Denken, all mein Wollen soll auf dich gerichtet sein. Und dann heißt es da: Deine Fülle will ich haben.
Und ich singe dann meistens an der Stelle: Deine Fülle will ich leben. Warum? Na ja, weil ich es einfach komisch finde, Gott in einem Lied um etwas zu bitten, was ich schon habe. Also wenn ich jetzt zu Gott komme und sage: Gott, ich wünsche mir eine Wohnung, ist mir das komisch, weil ich habe schon eine. Ich schlafe nicht unter der Brücke. Oder: Gott, schenke mir eine Brille. Ich habe zwei Brillen.
Also, von daher versteht er das. Und deswegen finde ich das so total schwierig. Im Kolosserbrief steht, dass wir in Christus zur Fülle gebracht sind. Und deswegen tut es mir unheimlich schwer zu sagen: Gott, ich möchte eine Fülle haben. Und Gott steht im Himmel und sagt: Hast du schon einen Freund?
Deswegen tue ich mir da einfach schwer. Die Fülle Gottes wohnt in mir. Was willst du mehr als den Heiligen Geist in dir? Das heißt nicht, dass wir das Potenzial dieser Fülle, die in uns drinsteckt, ausschöpfen. Ja, wir können durch Unwissenheit oder durch Dummheit oder durch Sünde schon dafür sorgen, dass wir weit hinter dem zurückbleiben, was Gott sich eigentlich für uns denkt.
Aber wenn es darum geht, ob ich die Fülle habe, also das klingt ja danach, als wäre Gott knauserig und gäbe mir nicht, was ich brauche, dann muss ich sagen: Nein, Entschuldigung, ja, du hast die Fülle. Feier die Fülle, die Gott dir geschenkt hat.
Und deswegen mag ich in Liedern einfach nicht so tun, als ob Gott ein knauseriger Gott wäre. Ich mag nicht darum bitten, dass Gott mein Herz reinigt, weil er es schon getan hat. Und Petrus sagt, dass er uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat.
Und deswegen müssen wir meines Erachtens den Eindruck vermeiden, als ob wir Christen hier auf der Erde Menschen wären, die Gott irgendwie anbeten oder vielleicht sogar anbetteln müssen, dass er ihnen irgendetwas schenkt oder dass er irgendetwas mit ihnen macht, damit sie endlich geistlich durchstarten können. Das stimmt einfach nicht.
Gott ist ein unglaublich freigiebiger Gott. Er hat uns tatsächlich alles gegeben. Er hat seinen Sohn gegeben, er hat uns seinen Geist gegeben, und wir sind reich, weil er uns reich gemacht hat.
Der Grundsatz: Gottes Geben prägt unser Geben
Und ich möchte mit einer Bibelstelle aus dem Römerbrief anfangen: Römer 8,31 und 32.
Da stellt Paulus eine rhetorische Frage. Der Apostel Paulus fragt uns in Römer 8,31: Was sollen wir nun hierzu sagen? Das ist ein Fazit unter einem langen Abschnitt, der eigentlich schon in Kapitel 1 anfängt. Dort wird das komplette Evangelium vorgestellt.
Was sollen wir nun hierzu sagen, wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein? Wer könnte gegen uns sein, wenn Gott auf unserer Seite steht? Wer könnte sich wagen, sich auf die andere Seite zu stellen und zu sagen: Ich bin ein richtiger Gegner für dich? Wie soll das sein?
Und dann kommt dieser Vers, der als Frage formuliert ist. Da heißt es dann in Vers 32: „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“
Wie können wir uns vorstellen, dass Gott am Anfang all in gegangen ist, seinen Sohn auf die Welt geschickt hat, um an einem Kreuz für uns zu sterben, und dass es ihm dann trotzdem irgendwie peinlich sein soll, uns noch etwas zu schenken? Unsinn! Wenn Gott an der einen Stelle alles gibt, ich lese es einfach noch einmal vor: „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“
Also lasst uns, das wäre mein Wunsch, an einen Vater im Himmel glauben, der uns liebt und der uns in seiner Liebe beschenkt hat. Warum? Das wissen Eltern nur zu gut: Freigebigkeit und Liebe gehen immer Hand in Hand. Erklär mir nicht, dass das nicht so wäre. Also für den Fall, dass mir das einer nicht glaubt, ich erkläre dir gerne, was für schräge Sachen ich meiner Frau, die ich liebe, alles schon gekauft habe. Also: Freigebigkeit und Liebe gehen Hand in Hand.
Und was für Gottes Liebe zu uns gilt, das soll auch gelten für die Liebe zueinander, die wir untereinander haben, als Bruderliebe, als Liebe unter Geschwistern. Das muss so sein. Das muss deshalb so sein, weil wir so lieben sollen, wie unser himmlischer Vater uns geliebt hat.
Derselbe Paulus, der das in Römer 8 gesagt hat, schreibt im Epheserbrief: Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder. Nachahmer Gottes. Also schaue ich mir an: Wie liebt Gott? Hundert Prozent, all in, freigiebig. Und dann überlege ich mir: Wie kann ich das leben?
Und ich drücke es mal so aus: Geiz, also das Gegenteil von Freigebigkeit, Geiz ist nicht geil, sondern Geiz ist in der Bibel eine Sünde. Und egal, wie sie sich zeigt, sie bleibt falsch und kann nicht Liebe sein.
Und deswegen erlaubt mir mal eine Predigt, wo der eine oder andere vielleicht im Nachhinein sagt: Das wollte ich nicht hören. Ich möchte gerne mal unter der Überschrift Bruderliebe und Freigebigkeit an drei Stellen in unserem Leben kratzen, wo wir merken werden: Die sind unangenehm.
Ich möchte kurz reden über Geld, dann über Gaben und dann über Gastfreundschaft. Kann man sich gut merken: drei G, Geld, Gaben, Gastfreundschaft.
Und ich möchte überlegen: Wenn wir Bruderliebe leben wollen und wenn es stimmt, dass Bruderliebe und Freigebigkeit zusammengehören, was würde das bedeuten für diese drei Bereiche?
Und wenn du im Nachgang noch Fragen hast, komm gern zu mir. Ich rede gern noch ein bisschen weiter. Ich kann die heute nur so anreißen, wie vorhin bei dem Bass-Outro, oder wie nennt man das? Ja, so dü dü dü dü. Ich kann nur mal kurz dü machen. Da gibt es noch viel mehr zu sagen.
Und ich möchte euch daran erinnern zum Thema Geld: Ja, Geld und Gott, da hatten wir eine lange Predigt, kann man sich nachhören. Das war, ich glaube, 2015. 2011 hatten wir eine siebzehnteilige Reihe über Geistesgaben. Also wenn nachher bei dem Thema Gaben noch etwas offen sein sollte, da sind noch siebzehn Predigten im Netz, die du hören kannst.
Das will ich alles jetzt nicht als bekannt voraussetzen, sondern einfach nur: Wenn noch Fragen da sind, fummel dich in das Thema rein. Ich mache heute nur ein Du, ja, also nur ganz kurz mal anreißen.
Geld: Geben statt auf Kosten anderer leben
Punkt eins: Geld. Was heißt das, freigiebig mit Geld zu sein?
Zuerst einmal heißt es, dass wir uns bewusst entscheiden müssen, keine Schnorrer zu sein. Ich habe mir überlegt, ob ich die Predigt nicht „Sei kein Schnorrer“ nenne oder so. Aber ich wollte dann bei diesen Überschriften bleiben: Bruderliebe und etwas Positives. Also habe ich es Freigiebigkeit genannt. Aber es ist eine bewusste Entscheidung zu sagen: Ich will kein Schnorrer sein.
Ein Schnorrer lebt auf Kosten anderer. Das heißt: Ein Schnorrer kommt zum Chill Out oder in den Gottesdienst, er genießt Essen, Trinken, Predigten, Kuchen, Musik, was es halt so gibt, und dann lässt er andere dafür bezahlen. Wie die Damen hier, die sagen: „Das habe ich gar nicht bestellt“, im Sketch, „das soll mal ein anderer bezahlen“, was so in der Mitte steht. Das ist es, was ein Schnorrer tut.
Und ich glaube, wir müssen uns bewusst dafür entscheiden und sagen: Ich möchte kein Schnorrer sein. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wer nichts hat oder einfach nur als Gast hierherkommt, der ist natürlich kein Schnorrer. Wir geben, sagt das Neue Testament, nach dem, was wir haben. Wir müssen das so tun, weil der Herr Jesus sagt, dass der Mammon ungerecht ist. Und er meint damit: Er ist ungerecht verteilt. Der eine hat mehr, und der andere hat weniger.
Das Neue Testament kennt keinen Zehnten. Das ist ganz interessant. Im Neuen Testament stellen wir uns nicht die Frage nach dem Zehnten, wir stellen uns die Frage: Herr, was soll ich für mich behalten? Und: Herr, was brauchst du von dem Reichtum, den ich habe, für dein Reich? Und deswegen: Wer viel hat, der gibt viel, und wer wenig hat, der gibt weniger. Es ist nicht die absolute Höhe unseres Spendenaufkommens, die Gott interessiert, sondern es geht immer um das Herz.
Und auch wenn es uns jetzt vielleicht peinlich ist: Ja, Gott ist an unserem Umgang mit Geld interessiert. Das hören wir nicht so gerne, da bin ich mir ganz sicher. Aber das müssen wir ab und zu mal wieder hören, nicht oft. Ich werde das nicht oft predigen, so alle zwei Jahre mal. Aber alle zwei Jahre werde ich das mal sagen: Gott und Geld, heikles Thema. Gott ist an unserem Umgang mit Geld interessiert.
Und ich weiß, wir machen hier keine Sammlungen. Das werden wir jetzt auch nicht machen, also keine Sorge. Die Spendenbox da hinten ist, glaube ich, noch nie angesagt worden, solange wir in den Räumen sind. Und erst mal soll das so bleiben. Aber das ändert nichts daran, dass Geben ein Ausdruck von Glauben ist. Genauso wie Gebet oder der Besuch von Kranken oder was weiß ich, Singen im Gottesdienst: Das sind alles Ausdrucksformen von Glauben. Geben ist das auch.
In Lukas 21 möchte ich euch jemanden vorstellen, Lukas 21, die ersten fünf Verse. Da bekommen wir einen Eindruck davon, wie sehr das Gott doch auch interessiert. Und das Schöne an der Stelle ist: Das ist jetzt niemand, der ein Rieseneinkommen hat. Das ist nicht Mr. Google, sondern das ist eher so der Dini mit seinem Taschengeld oder so, also in dem Fall eine arme Witwe.
Da heißt es in Lukas 21: „Er aber, Jesus, blickte auf und sah die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten legen.“ Also wieder so eine Spendenbox, und die Reichen haben da reingelegt. Wahrscheinlich so, dass man gut gesehen hat, was das für eine Farbe hat, der Schein. Siehst du, ja, hast du gesehen, grün, also das war. Und dann kommt da, und ihr müsst euch vorstellen: Jesus sitzt da und schaut sich das einfach an, wie die das so reinlegen. Dann schaut er sich das an, das interessiert ihn.
Und er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei Schärflein, was auch immer das sein mag, nicht viel, dort einlegen. Und er sprach: Und jetzt kommt es: „In Wahrheit sage ich euch, dass diese arme Witwe mehr eingelegt hat als alle.“ Es ist spannend: Er sagt nicht zu der armen Witwe: „Lass gut sein, auf die zwei Pfennige können wir total verzichten.“ Sondern als Ausdruck des Glaubens nimmt er das wahr und feiert es. Und sagt dann noch: Denn alle diese, das sind die Reichen, haben von ihrem Überfluss eingelegt. Das hat ihnen gar nicht wehgetan. Diese aber hat aus ihrem Mangel heraus den ganzen Lebensunterhalt, den sie hatte, eingelegt.
Also: Christen sollen zuerst nach Gottes Reich trachten. Das steht in Matthäus 6,33. Und das wird sich logischerweise, wenn du sagst: In meiner Prioritätenskala steht das Reich Gottes oben, dann wird sich das logischerweise in deinem Umgang mit Geld niederschlagen. Und deswegen glaube ich: Wenn wir mehr Geld in Hobbys oder in Urlaub investieren, als wir in die Gemeinde Gottes investieren, ich meine jetzt nicht nur in die Ortsgemeinde, sondern in das, wie wir Reich Gottes fördern, wenn da ein echtes Ungleichgewicht drin ist, dann kann das irgendwie nicht richtig sein.
Wir ehren Gott mit unserem Besitz. In den Sprüchen heißt es: Ehre Gott mit deinem Besitz und mit den Erstlingen deines Ertrages. Er hat es für eine Möglichkeit, Gott zu zeigen, wie viel er uns bedeutet, wenn wir an der Stelle, was unsere Prioritäten und unsere Spenden angeht, ein klares Zeichen setzen.
Wie gesagt: Wenn ihr sagt, ich möchte da noch mehr wissen, mich interessiert das Thema, ich bin vielleicht interessiert, noch mehr Prinzipien zu hören: „Gott und Geld“, Mai 2015 war die Predigt. Da haben wir uns mal zwölf Prinzipien angeschaut. Man kann noch viel mehr sagen. Mir geht es heute nur um das Thema Freigiebigkeit. Wenn Liebe freigiebig ist, dann muss sich das irgendwo da zeigen, wo wir geben.
Gaben: Begabung als Dienst an der Gemeinde
Zweiter Punkt: Gaben
Auch da gilt: Jeder von uns ist begabt. Das ist das Schöne an Gemeinde. Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Begabten, die Gott zusammengestellt hat, damit sie einander dienen.
Im Neuen Testament finden wir zum Thema Gemeinde ein Bild: das Bild des Körpers. Gott sieht Gemeinde, und er sieht uns, wie wir hier sind, als Ortsgemeinde. Er sieht uns wie einen Körper. Da gibt es die Nasen und die Ohren und die Augen und die Hände. Da gibt es die Sketcheschreiber, es gibt die Prediger, die Kindergottesdienstmitarbeiter, die Techniker, die Ermutiger und die Hausmeister und was noch alles. Es gibt diese unterschiedlichen Gruppen. Und jeder soll sich, damit Gemeinde funktioniert, mit seinen Gaben einbringen.
Gott möchte kein Einzelkämpfer-Christentum. Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir das immer wieder lernen. Vor Gott bin ich ein Wir, hieß es mal in einer Predigt von mir. Vor Gott bin ich ein Wir. Gott sieht uns immer als Teil einer Gemeinschaft. Keine Einzelkämpfer, sondern aktiver Teil einer Ortsgemeinde.
Und diese Gaben können ganz unterschiedlich sein. Deswegen war diese Reihe über Geistesgaben ja auch so lang, 17 Predigten. Da muss man sich vorstellen, wie viele Gaben wir damals miteinander besprochen haben. Und die letzte oder vorletzte Predigt war über Gaben, die nicht in der Bibel stehen, weil es ja noch unendlich viel mehr gibt.
Das Schöne ist: Gott gibt, wie er will. 1. Korinther 12. Er gibt dir das, wovon er meint: Hey, die Gemeinde Haselhorst, ESG oder The Rock oder diese Gemeinde braucht das noch. Ah, die könnte das noch brauchen. Ja, und dann: plapp. Ja, begabt Gott uns mit Menschen! Gott schenkt Menschen in Gemeinden, die begabt sind.
Und jetzt kommt eine Stelle aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 4. Es geht um Freigiebigkeit. Es geht darum, dass wir diese Gaben nehmen und, wenn Gott uns beschenkt hat, an andere weiterschenken. 1. Petrus 4,10, da heißt es: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat. Das ist schon mal ganz toll, wenn du denkst: Oh, mich hat er vergessen. Ich schaue mir mein Leben an, da ist nichts. Mich braucht die Gemeinde nicht. Quark, Quark.
Es mag sein, dass du deine Gnadengabe noch nicht genau umreißen kannst, nicht genau weißt, was es ist. Aber sie braucht dich. Selbst wenn man schon älter ist, ist man begabt und wird gebraucht. Und nicht nur zum Kommen, sondern zum Mitmachen. Also: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als guter Verwalter der verschiedenartigen Gnadengabe Gottes.
Es ist ein Gebot. Warum? Na ja, man kann in finanziellen Dingen zurückhaltend sein, und das geht auch mit geistlichen Talenten. Wenn das nicht so wäre, müsste das Gebot hier nicht stehen. Es gibt Gabenschnorrer. Das sind Menschen, die sich gerne bedienen lassen. Konsumenten. Menschen, die nichts zurückgeben. Es sind Geschwister, die beschenkt sind, aber nicht weiterschenken. Die nicht an der Baustelle Gemeinde mitarbeiten wollen. Und ich rede jetzt über Ortsgemeinde, über die Baustelle, wo Gott sagt: Ich möchte, dass du da mitarbeitest. Die einfach sagen: Nö, möchte ich eigentlich nicht.
Mir ist so kurz etwas aufgefallen, das hat mich betroffen gemacht, und ich möchte das einfach nur mit euch teilen. Ihr könnt mich danach zurechtweisen dafür. Ich werde es trotzdem so sagen, weil es mich betroffen gemacht hat, und ich nehme es als ein persönliches Zeugnis von mir aus.
Es geht um das Thema Seelsorge. Wir standen letztes Jahr als Älteste in der Kritik, dass wir uns nicht genug um die Schwachen kümmern. Das hat mich ziemlich getroffen. Ich hatte ehrlich gesagt schon meine Kündigung als Ältester geschrieben, und es war Boris, der mich davon abgehalten hat, sie einzureichen. Warum? Weil ich mir dachte: Ich tue, was ich kann, um Leuten nachzugehen und für Leute da zu sein. Und wenn das stimmt, dass das nicht reicht, gut, dann muss ich das halt lassen. Das ist ganz einfach.
Und dann habe ich geglaubt, und dann habe ich, und das war ganz schön in der Vorbereitung für eine Bibelwoche, noch einmal über 1. Thessalonicher 5 nachgedacht, zu dem Thema Seelsorge. Und das ist ein Vers, den will ich euch vorlesen: 1. Thessalonicher 5,14. Da geht es um verschiedene Leute in der Gemeinde, wieder Paulus, und er spricht die ganze Gemeinde an. Er sagt: Wir ermahnen euch aber, Brüder. Und das Wort Brüder heißt Geschwister. Das ist wirklich alle Leute in der Gemeinde. Wir ermahnen euch aber, Geschwister, nicht die Ältesten, sondern euch alle.
Und dann sagt er: Weist die Unordentlichen zurecht. Also wenn sich im Leben von einem Menschen, von jemandem in der Gemeinde, Sünde findet, dann ist es nicht unbedingt die Aufgabe der Ältesten, dahin zu gehen. Vielleicht habe ich gar nicht so den Draht zu demjenigen. Vielleicht kann ich ihm das gar nicht so gut sagen. Vielleicht bin ich nicht sein bester Freund, der da Zugang hat. Und deswegen sagt Paulus: Ey, wenn du jemanden kennst, der unordentlich lebt, geh zu ihm hin. Weist die Unordentlichen zurecht.
Dann tröstet die Kleinmütigen. Kleinmütige, das sind so die Niedergeschlagenen, die einfach mal ein gutes Wort brauchen, Ermutigung brauchen, die einen Besuch brauchen, die Hilfe brauchen. Tröstet die Kleinmütigen.
Nehmt euch der Schwachen an! Und schwach bedeutet hier praktische Hilfe. Leute, die Unterstützung brauchen, vielleicht einen Babysitter, vielleicht jemanden, der irgendwie die Hecke ausgräbt oder was weiß ich, am Auto mitschraubt, keine Ahnung. Nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!
Und ich habe das gelesen und dachte mir: Hey, das ist ja spannend! Kümmern, also Seelsorge, genau das, wo ich dachte, jetzt werde ich dafür maßgenommen, ist Gemeinschaftsaufgabe. Gott beruft nicht nur die Ältesten zu Seelsorgern.
Und als ich das las, dachte ich mir: Hey, das ist ja total gut, weil ich eine ganze Reihe Geschwister unter uns kenne, die wären in der Lage, Sünde anzusprechen. Also die kennen ihre Bibel und könnten sagen: Du, schau mal, das macht man nicht. Ich kenne eine ganze Reihe Leute, die wären in der Lage, niedergeschlagenen Mut zuzusprechen, ihnen den Arm um die Schulter zu legen und zu sagen: Komm, darf ich dich ein Stück auf dem Weg jetzt begleiten. Ich kenne eine ganze Menge Leute, die könnten praktische Hilfe leisten.
Das Problem ist nur, und das ist mir dann halt klar geworden, und ich nehme das als Zeugnis von mir aus: Sie tun es nicht. Also die Leute sind da.
Und deswegen habe ich mir vorgenommen, Folgendes zu tun. Also erschreckt nicht, wenn das dann passiert. Das nächste Mal, wenn ich den Vorwurf bekomme, ein schlechter Hirte zu sein, das nächste Mal werde ich sagen: Weißt du was, wenn du sagst, ich bin ein schlechter Hirte, weil ich mich nicht genug um alle kümmere, wenn du das denkst, dass wir mehr Seelsorge in der Gemeinde brauchen, dann bete mit mir darum, dass mehr seelsorgerlich Begabte anfangen, ihre Gabe auszuleben.
Das ist das, was ich gerade bete. Und ich bete das nicht nur für Seelsorge. Ich bete das für so ein paar Bereiche, wo ich denke: Da sind Leute, es sind Begabungen. Und ich werde mir diesen Schuh, eierlegende Wollmilchsau zu sein, einfach nicht anziehen. Ich habe nämlich auch nur ein Leben, und da muss ziemlich viel Unterschiedliches rein.
Und ich glaube, wenn jetzt alle mit ihren Gaben, also alle, die sagen: Hey, ich kann eine Postkarte schreiben, ich kann einen Anruf machen, ich kann einen Kuchen vorbeibringen, ja super, dann mach es doch einfach.
Und deswegen möchte ich ermutigen: Bruderliebe und Freigiebigkeit zum Thema Gabe. Wenn du eine Gabe hast, setz sie ein. Setz sie ein.
Gastfreundschaft: Nähe kostet, verbindet aber
Letzter Bereich, genauso wichtig, vielleicht sogar genauso wichtig wie die Gastfreundschaft. Für mich gehören Freigebigkeit und Gastfreundschaft ganz eng zusammen. Warum? Weil es nicht nur um Geld geht, sondern auch um unsere Bequemlichkeit, wenn wir Gäste einladen.
Petrus schreibt einen Vers vor dem mit den Gaben. In 1. Petrus 4,9 schreibt er: Seid gastfrei untereinander und ohne Murren. Also man merkt: Gäste zu haben kostet etwas. Nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal Nerven.
Jetzt ist sie heute nicht da. Ich wollte einen Satz von Lari zitieren. Ich war vor kurzem bei ihr, und sie hat das ganz lieb gemeint. Vielleicht ist sie gerade am Telefon, dann kann sie es hören. Sie meinte ganz lieb: Ach ja, warum gehen immer die besten Weingläser kaputt? Und ich dachte: Ich weiß, was du meinst. Du hast viele Gäste, und es gehen Gläser kaputt, meistens die falschen. Du hast Gläser, die schon zwanzig Jahre in deinem Schrank stehen, und deine Frau würde sich wünschen, du schmeißt sie endlich weg, und die Dinger überleben alles. Und dann hast du so ein Glas, an dem du hängst, das wird aus Versehen herausgestellt, und zack, weg ist es. Gott kriegt den Schrank, definitiv.
Seid gastfrei untereinander, ohne Murren. Ich würde viel dafür geben, wenn wir unter uns Gastfreundschaft hätten, wenn wir das einfach noch mehr verbreiten könnten. Ich glaube, es gibt wenig Dinge, die eine Gemeinde mehr zusammenschweißen als entweder Leid oder Gastfreundschaft, dieses sich miteinander beschäftigen.
Die Schrift sagt, dass wir nach Gastfreundschaft trachten sollen, Römer 12,13. An anderer Stelle heißt es, dass wir sie nicht vergessen dürfen, Hebräer 13,2. Und mein Eindruck an dieser Stelle ist: Ich glaube, wir haben noch ein bisschen Luft nach oben.
Schau dich mal um: Wen kennst du noch nicht? Und jetzt weiß ich, es gibt Leute, die sagen: Boah, ich habe noch gar keine eigene Wohnung. Hey, statt nichts. Man kann sogar zu jemandem hingehen und sagen: Ich kenne euch nicht, ihr habt da drei Kinder zu Hause, ich kann euch nicht in meine Studentenbude einladen, aber was haltet ihr davon, ich bringe einen Korb voll Essen mit, ich bereite alles zu, und wir machen es bei euch.
Seid nicht überrascht, wenn jemand sagt: Ja, da wäre ich für. Ja, kannst du machen, bring mit! Lasst uns einfach das Leben leben. Lasst uns umschauen: Wen kenne ich noch nicht hier in der Gemeinde? Wir sind eine Gemeinde, die zusammenwächst, wo durch den Standort hier neue Leute in den Gottesdienst reinkommen. Lasst uns umschauen: Wen kenne ich noch nicht? Ihn einladen.
Wir haben bald Sommerpause, also im August keinen Gottesdienst. Eine gute Zeit zu sagen: Ha, ja, zusammen abends was machen. Einladen, einander kennenlernen. Eine gute Zeit, um sich zu treffen.
Schluss: Freigiebigkeit als Gegenkultur
Mir ging es heute um folgendes Thema: Freigiebigkeit. Und ich habe mir erlaubt, das an drei Dingen einfach mal so zu entfalten: Geld, Gaben und Gastfreundschaft. Das könnte man natürlich noch weiterführen. Heute ging es mir aber einfach um diese drei Bereiche.
Mir war das als Abschluss der Reihe wichtig, weil wir in einer Kultur leben, in der sich eigentlich alles um Geiz und Gier dreht. Ist euch das mal aufgefallen? Wen feiert man? Na ja, man feiert den Schnäppchenjäger, man feiert den Schnorrer: Wo kriege ich es noch ein bisschen billiger? Das ist cool, ja, auf Kosten anderer leben.
Wenn ich Leuten sage: Ey, ich spende etwas an Wikipedia, weil es einfach biblisch nicht okay ist, dass man immer nur dort nachschaut, aber nie etwas dafür gibt, dann schauen mich Leute mit riesigen Augen an und sagen: Wie, du spendest etwas an Wikipedia? Dabei haben sie auch den Balken gesehen, der da einmal im Jahr kommt, wo steht: Wir brauchen sieben Millionen, um das ganze Projekt am Laufen zu halten. Sehen tut man den schon, aber die Frage ist: Gibst du auch etwas?
Und die kommen aus so einer Gesellschaft, in der es heißt: Das ist kostenlos, das darf nichts kosten. Und jetzt kommt die Bibel und sagt: Freigiebigkeit und Liebe gehören zusammen. Gott hat uns nicht dazu berufen, Schnorrer zu sein, sondern ihn und seine Freigiebigkeit zu imitieren.
Deshalb möchte ich bitten, dass wir alle heute eine Entscheidung treffen, nämlich die Entscheidung, freigiebig zu werden. Ich habe euch zum Schluss etwas Lustiges mitgebracht, nämlich die vier Typen von Schnorren, die es gibt. Wenn du jetzt sagst, ich habe da so ein ungutes Gefühl, dass du vielleicht mich meinen könntest, dann schauen wir mal, ob du dabei bist.
Also, ich werde dir jetzt den Habschnorrer, den Protestschnorrer, den Dummschnorrer und den Geizschnorrer vorstellen. Und ich möchte, egal ob du einer von ihnen bist, dich bitten, dass du an der Stelle sagst: Hey, ich will Freigiebigkeit lernen. Ich möchte wie Gott sein, der mir alles gibt, und selbst einer sein, der gerne weitergibt.
Wenn du ein Habschnorrer bist, dann lass dich von diesem Vorbild der armen Witwe motivieren. Gott weiß, wie wenig du hast, und das Wenige, das du gibst, ist, selbst wenn es in deinen Augen vielleicht lächerlich ist, in Gottes Augen ganz, ganz viel wert.
Dann gibt es den Protestschnorrer. Der ist mir auch schon unter uns über den Weg gelaufen. Das ist der, der nichts oder wenig in die Gemeinde gibt, weil er sagt: Ich bin eigentlich mit den Zielen der Gemeinde nicht einverstanden. Da wird so mit den Füßen abgestimmt, ob man das toll findet, was man macht. Wenn das dein Problem sein sollte, dann tu Buße, ordne dich den Ältesten unter und gib das, was Gott dir aufs Herz legt.
Dritter Punkt: Es gibt den Dummschnorrer. Das ist der, der bis heute nicht wusste, wie wichtig es ist, freigiebig zu sein. Wenn das dein Problem ist, ändere deine Einstellung, dein Verhalten, lerne ein paar Bibelverse auswendig. Fang einfach an, das zu leben, wo du heute merkst: Ja, das ist richtig. Es ist einfach richtig so. Da muss sich ein bisschen was ändern, aber mach es.
Und dann gibt es den Letzten, und das ist der gefährlichste Typ. Auch den kann es in Gemeinden geben: den Geizschnorrer. Ich meine den, der ein Götzendiener ist, der am Geld hängt und dessen Geiz ein Beweis dafür ist, dass er eigentlich ein unbekehrtes Herz hat. Und wenn du so jemand bist, und ich rechne damit, dass es auch so etwas in Gemeinden geben kann, unbekehrte Leute, die, wenn sie ihr Leben anschauen und mit dem Wort Gottes vergleichen, feststellen: Ich bin eigentlich kein Christ, dann kehre um. Lass dich von deiner Habsucht heilen, fang an, ans Evangelium zu glauben.
Jesus sagt: Niemand kann zwei Herren dienen. Das sagt er zweimal, an verschiedenen Stellen wird das überliefert. Niemand kann zwei Herren dienen. Wir müssen uns entscheiden, für wen wir leben wollen. Entweder leben wir für das Geld oder wir leben für Gott.
Und wenn in deinem Leben die Entscheidung noch nicht gefallen ist, wenn man vielleicht gerade an deinem Umgang mit Geld sieht, dass du Heide bist, wenn es dir superleicht fällt, irre Mengen auszugeben für Hobbys und Vergnügen, du aber noch nie einen vernünftigen größeren Betrag, der dir vielleicht auch mal wehgetan hat, in die Gemeinde Gottes investiert hast, dann mach dir doch einfach nichts vor. Nimm diese Predigt und sag: Hey, wahrscheinlich bin ich einfach nicht bekehrt.
Das ist nicht schlimm. Du bist hier in der Gemeinde, hier ist alles gut, du bist am richtigen Ort. Und wenn du feststellst: Ich habe das noch nie gemacht, ich muss mich noch bekehren, dann sprich irgendeinen hier an, der bekehrt ist, und frag ihn: Wie war das bei dir? Dann wird er dir wahrscheinlich sagen: Na ja, ich habe mein Leben dem Herrn Jesus gegeben. Wir haben das ja vorhin gesungen: Mein ganzes Leben gehört dir. Und dann hat er mir ein neues Herz geschenkt.
Und ein Kennzeichen eines erneuerten Herzens ist, dass man unglaublich gerne ins Reich Gottes investieren will: sein Geld, seine Gaben, seinen ganzen Besitz, seine Gastfreundschaft. Warum? Dieses erneuerte Herz kann nicht anders, als für Jesus zu brennen.
Und in dem Sinn wünsche ich dir, je nachdem, wo du stehst, dass die Predigt dich motiviert, dich an der Stelle einzubringen, wo es für dich dran ist. Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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