Der erste messianische Segen
Also wir sind stehen geblieben in 1. Mose 27. Ich möchte kurz etwas sagen
über den Segen, den Jakob bekommen hatte. «Siehe der Geruch meines Sohnes
ist wie der Geruch eines Feldes, das der HERR gesegnet hat. Und Gott gebe
dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Fülle von Korn
und Most. Völker sollen dir dienen und Völkerschaften sich vor dir
niederbeugen. Sei Herr über deine Brüder und vor dir sollen sich
niederbeugen die Söhne deiner Mutter. Wer dir flucht sei verflucht und wer
dich segnet sei gesegnet.» 1. Mose 27, 27ff.
Das ist nun der erste messianische Segen, den Jakob bekommt. Er
beinhaltet hier Regen und Fruchtbarkeit für das Land Israel, Herrschaft
über die Völker der Welt – das ist natürlich ein Ärgernis für alle
Antisemiten, – und weiter sind die Freunde dieses Volkes gesegnet und seine
Feinde verflucht. Das rekapituliert den Segen an Abraham aus 1. Mose 12.
Jetzt schauen wir uns den Segen Esaus an, Vers 39, der eigentlich ein Fluch
ist: «Siehe, fern von der Fettigkeit der Erde wird dein Wohnsitz sein und
ohne den Tau des Himmels von oben her.» Also ein unfruchtbares Land. Esau
und seine Nachkommen haben sich installiert in Edom, in Südjordanien, das
ist ein unfruchtbares Land ohne Regen.
Weiter mit Vers 40: «Von deinem Schwerte wirst du leben und deinem Bruder
wirst du dienen. Und es wird geschehen, wenn du umherschweifst, wirst du
sein Joch zerbrechen von deinem Halse.» Die Nachkommen Esaus sollten ein
kriegerisches Leben führen müssen, aber Israel unterworfen. Aber Isaak
sagt, es kommt der Zeitpunkt, wo du das Joch Israels zerbrechen wirst.
Geschichtlich ist eben folgendes bemerkenswert: Unter den Hasmonäern, also
makkabäische Zeit, hat Alexander Jannai im Jahre 128 vor Christus die
Edomiter militärisch besiegt und unterworfen. Er hat sie sogar
zwangsbekehrt. Übrigens ganz wichtig, dass man das weiß im Gespräch mit
Juden. Wenn nämlich der Vorwurf gemacht wird, was in der Namenschristenheit
geschehen ist, wie die Juden zwangsbekehrt wurden und so weiter, dann muss
man sagen, dass hat es nicht nur im Christentum gegeben, sondern das kennen
wir auch aus dem Judentum, von Alexander Jannai, wo die Edomiter zum
Judentum zwangsbekehrt wurden. Das war ein ganz gottloser König, dieser
Alexander Jannai.
Aber später, 37 vor Christus, hat der Edomiter Herodes (Herodes der
Große, der Kindermörder von Bethlehem) über die Römer den Titel König der
Juden bekommen und hat ab 37 vor Christus die blutige Herrschaft über
Israel angetreten. Das ist ganz dramatisch, was geschehen ist in der
Zeitenwende vor 2.000 Jahren. Als der Messias gekommen war, da herrschte
Esau über Israel, über Jakob. Und es war eine blutige, grausame Herrschaft
unter diesem Herodes. Diese Familie hat auch später noch Herrschaft
ausgeübt. Davon ist das Neue Testament bis in die Apostelgeschichte hinein
geprägt. Also dieses Losreißen von Esau, der das Joch zerbricht, das hat
sich in der Geschichte dramatisch erfüllt. Sogar so weit, dass dann Esau
die Herrschaft über Israel hatte.
Vermischung
Nun allgemein können wir jetzt sehen: Es war positiv, dass Rebekka den
Segen des Erstgeburtsrechts hoch einschätzte. Es war auch positiv, dass
Jakob diesen Segen unbedingt haben wollte, denn Gott hatte ihn vorgesehen.
Aber sie haben versucht, durch hinterhältige Tricks sich den Segen zu
beschaffen. Und das ist genau das Gleiche, das wir schon vorher bei Abraham
und Sarah in 1. Mose 16 hatten. Nach all den Jahren des Wartens auf den
Erben hat Sarah dann plötzlich gedacht sie müssten Gott bei der Erfüllung
seiner Verheißung ein wenig nachhelfen. Aber dieses Nachhelfen führte dazu,
dass diese Familie durch viele Schwierigkeiten gehen musste. Jakob wollte
dauernd durch Tricksen nachhelfen. Es wird bei ihm sogar zum notorischen
Problem, das ihn viel, viel Schweres erleben lässt. Jakob macht also
jahrzehntelange Umwege, bis schließlich der Segen Gottes voll über ihn
kommt. Also wichtig ist, die biblische Geschichte stellt diese Menschen
nicht einfach schwarz-weiß dar, sondern wir sehen viel Weißes im Leben von
Jakob, aber auch viel Dunkles.
Durch diese Mischung finden wir einen Spiegel für uns selber. Vermischung
ist ein ganz großes Problem für uns Gläubige. Und schauen wir einmal
Matthäus 16. Petrus sagte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes. Der Herr Jesus sagt: Das hat dir nicht Fleisch und Blut, sondern
der Vater im Himmel geoffenbart. Kurz danach will Petrus verhindern, dass
der Herr Jesus ans Kreuz geht und der Herr sagt: Geh hinter mich Satan. Ein
paar Verse später nur. Also das Wirken Satans und das Wirken des Vaters im
Himmel im gleichen Herzen von dem Apostel Petrus.
Wir kommen zu Kapitel 28. Nun muss also Jakob fliehen. Aber Isaak
verbindet das mit etwas Positivem. In Vers 1 sagt er ihm: «Du sollst nicht
eine Frau nehmen von den Töchtern Kanaans. Mache dich auf, gehe nach Paddan-
Aram zum Haus Betuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort eine
Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter.» Also das hatte er
ja selber so erlebt. Schon Abraham, sein Vater, wollte nicht, dass Isaak
eine götzendienerische Kanaaniterin heiratete. Das ist nun weiterhin ein
Anliegen von Isaak, dass Jakob nicht eine Mischehe eingeht mit einer
Ungläubigen. Und nun diese Flucht, die ganze Tragik, verbinden wir damit,
dass er die richtige Frau finden soll bei der Verwandtschaft.
Jakobs Traum und der zweite messianische Segen
Wir finden dann weiter, Verse 3 und 4, den zweiten messianischen Segen,
den Isaak dem Jakob mitgibt. Und dieser umfasst auch hier wieder
Fruchtbarkeit, Landbesitz und den Segen Abrahams. Jakob geht weg aus Beer-
Sheba, Vers 10, und auf dem Weg kommt er über die Station Bethel. Die Sonne
geht unter, er nimmt einen Stein als Kopfkissen und träumt, Vers 12: «Und
siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt und ihre Spitze rührte an den
Himmel. Und siehe, Engel Gottes stiegen auf und nieder an ihr und siehe,
der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines
Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will
ich es geben und deiner Nachkommenschaft. Und deine Nachkommenschaft soll
wie der Staub der Erde werden, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und
nach Osten und nach Norden und nach Süden hin; und in dir und deiner
Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. Und
siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst,
und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen,
bis ich getan, was ich zu dir geredet habe. Und Jakob erwachte von seinem
Schlaf und sagte: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich habe es
nicht erkannt! Und er fürchtete sich und sagte: Wie furchtbar ist diese
Stätte! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies die Pforte
des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er
an sein Kopfende gelegt hatte, und stellte ihn auf als Gedenkstein und goss
Öl auf seine Spitze. Und er gab dieser Stätte den Namen Bethel. Im Anfang
jedoch war Lus der Name der Stadt.»
Also, dieses Ereignis ist ganz, ganz wichtig. Wegen seinem Betrug muss
Jakob fliehen, aber Gott ist wirklich, wie es in Psalm 136, 1 steht: Der
Herr ist gütig und seine Gnade währet ewiglich. Gott verheißt ihm: Ich will
mit dir gehen, ich will dich behüten auf deinem Weg. Und der Traum der
Himmelsleiter hat eine tiefe Bedeutung. Eigentlich ist das eine Vision des
tausendjährigen Friedensreiches, wo Himmel und Erde miteinander harmonisch
verbunden sein werden. In Epheser 1, 10 lesen wir, dass in dem zukünftigen
Zeitalter Gott alles unter die Herrschaft von Jesus Christus stellen wird,
was im Himmel und was auf der Erde ist. Und der Herr Jesus nahm selber
Bezug auf dieses Ereignis, Johannes 1, 51, wo der König Israels sagt: «Und
er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel
geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des
Menschen.» Da nimmt er Bezug auf den Traum von Jakob. Und wer ist da im
Zentrum? Der Menschensohn, der einmal die Weltherrschaft übernehmen wird.
Eine Hilfe ist folgendes: Das Wort Leiter, hebräisch «sullam», kann auch
Treppe bedeuten. Er hat nicht einfach eine Holzleiter gesehen zum Himmel,
sondern das muss eine Treppe gewesen sein, ähnlich den Treppen bei den
babylonischen Stufentürmen. In Mexiko gibt es sie ja auch, wie der Turm zu
Babel. Das war nicht alles reine Phantasie, sondern Satan imitiert alles,
was Gott tut. Darum haben auch die Heidenvölker Tempel, die genau gleich
aufgebaut sind wie der Tempel Gottes in der Bibel. Weil es ja im Himmel
einen originalen Tempel gibt, und Satan hat Zugang zum Himmel. Darum weiß
er ganz genau, wie der Tempel aufgebaut ist. Und darum findet man den
gleichen Aufbau auch bei den heidnischen Völkern in aller Welt.
Nun, dieser babylonische Stufenturm war eigentlich eine Perversion von
einem göttlichen Plan. Wie mache ich die Verbindung? Erstens fällt uns auf,
dass es in Vers 12 heißt: Und siehe, eine Leiter, oder eine Treppe, war auf
die Erde gestellt und ihre Spitze rührte an den Himmel. 1. Mose 11 sagt
uns, die Menschen wollten einen Turm bauen, dessen Spitze an den Himmel
reicht. Genau die gleiche Formulierung. Zweitens: Jakob sagt: Dies ist die
Pforte des Himmels. Nun, Babylon, Babel, dieser Name wurde bei den
Babyloniern folgendermaßen gedeutet. Wir wissen ja, Babel kommt
ursprünglich aus dem Hebräischen und in 1. Mose 11 wird gesagt, dass dies
Verwirrung bedeutet. Aber die Sumerer haben das, als älteste Kultur dort im
Nahen Osten, nach der Sprachenverwirrung in ihrer Sprache babillum genannt.
Und schon die Sumerer wussten nicht mehr, was die Bedeutung dieses Wortes
war. Nachher haben die Babylonier den Namen von den Sumerern übernommen und
sie haben dann in der akkadischen, babylonischen Sprache dies gedeutet als
bab-ili oder bab-ilani, was Tor Gottes, bzw. Tor der Götter bedeutet. Aus
bab-ilani kommt dann die Namensgebung Babylon. Genau diesen Ausdruck
benutzt hier Jakob, die Pforte des Himmels. Und er sieht eine Treppe, die
in den Himmel hinaufgeht, so wie diese Treppenstufen auf diesen Türmen.
Aber die Menschheit in 1. Mose 11 hat dies zum Götzendienst pervertiert und
auf diese Treppe oben einen Schrein für einen falschen Gott draufgetan.
Aber in der Vision von Jakob steht oben Gott. «Und siehe, der HERR stand
über ihm und sprach: Ich bin der HERR, der Gott Abrahams, deines Vaters und
der Gott Isaaks.» Und weiter nennt ja Jakob diesen Ort Bethel, Haus Gottes.
Genauso wie diese Stufentürme mit dem Tempel oben Häuser waren für die
falschen Götter. Aber er sieht, dass dies der wahre Stufenturm ist für den
wahren Gott und darum nennt er diesen Ort auch Bethel.
Jetzt kommt aber noch etwas hinzu in 28, 17. Als Jakob erwacht, sagt er:
Hier ist Gott an diesem Ort und ich habe das nicht gewusst. Wie furchtbar
ist dieser Ort. Dies ist nichts anderes als Gottes Haus. Aus dem Neuen
Testament wissen wir, Epheser 2, 20, dass die Gemeinde heute das Haus
Gottes ist. Und da gibt es auch Leute, die sagen: Wie furchtbar ist dieser
Ort. Das Haus Gottes ist dann effektiv ein furchtbarer Ort, wenn unser
Leben nicht stimmt mit Gott. Es gibt ja verschiedene Gründe, warum man sich
in einer Gemeinde nicht wohlfühlt. Es gibt Gründe, da ist die Gemeinde
schuld und es gibt Gründe, da bin ich schuld. Aber in der Situation von
Jakob, als er sagte, o wie furchtbar ist dieser Ort, das war, weil sein
Leben nicht in Ordnung war. Dann kann man sich nie in Gottes Haus
wohlfühlen. Nun, das ist seine erste Begegnung mit Bethel. Wir werden
sehen, dass später ein ganz anderer Jakob wiederum nach Bethel kommt. Das
ist Wachstum im Glauben.
Der dritte messianische Segen
Wir gehen also weiter. In den Versen 13-16, da haben wir den dritten
messianischen Segen von Gott an Jakob. Er umfasst wieder Landverheißungen
und jetzt wird es interessant. Bethel, wo liegt das auf der Landkarte? Das
liegt mitten im heute besetzten, sogenannten Westjordanland, das jetzt
wieder Stück für Stück an die Palästinenser abgegeben wird. Da liegt
Bethel. Und hier in Bethel sagt Gott, Vers 14: «Ich bin der HERR, der Gott
deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir
will ich es geben und deinem Samen. Und dein Same soll werden wie der Staub
der Erde und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach
Norden und nach Süden hin.» Ist doch interessant, ein Punkt im
Westjordanland, aber Gott sagt, nicht nur dies Land, auf dem du liegst,
will ich dir geben, sondern auch die Gebiete in alle vier Himmelsrichtungen
drum herum. Diese Stelle hat eine unwahrscheinliche Explosionskraft.
Und die Einzahl «dein Same» oder «in deinem Samen» das ist wieder ein
Hinweis auf Christus. Galater 3, 16 sagt schon bei Abraham: Dein Same, das
bedeutet Christus. Wir finden also auch hier wieder Gottes bleibende Treue
bei der Untreue von Jakob. Und nun stellt hier in Bethel Jakob einen Stein
auf, den er mit Öl salbt. Vier Steine spielen im Leben von Jakob
Schlüsselrollen. Ich habe auf dem Arbeitsblatt alle Stellen angegeben. Wir
haben doch schon gesehen, dass verschiedene Brunnen im Leben von Isaak eine
Rolle gespielt haben, 1. Mose 26, vier Brunnen. Und bei Abraham sieht man,
dass vier verschiedene Altäre Schlüsselrollen spielen. Es lohnt sich also
die Patriarchengeschichten einmal zu lesen im Blick auf die vier Altäre von
Abraham, die vier Brunnen im Leben Isaaks und die vier Steine im Leben
Jakobs. Und Gott nennt sich ja immer der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und
der Gott Jakobs. Also hier die Begegnung mit Gott in Bethel markiert einen
ganz wesentlichen geistlichen Abschnitt im Leben Jakobs. Aber jetzt ist es
ein furchtbarer Ort für ihn. Sein Leben ist nicht in Ordnung.
Jakobs Frauen
Kapitel 29, der Betrüger Jakob wird nun von Laban brutal betrogen. Er
bekommt nach sieben Jahren Arbeit, auch Hosea 12, 13 spricht davon,
zunächst nicht Rahel, die er liebte, sondern Lea, die ältere Schwester. Und
wie das gegangen ist, habe ich schon angedeutet. Laban sagt: Ja, weißt du,
das ist bei uns nicht Sitte, dass zuerst die jüngere Tochter heiratet.
Zuerst kommt die Älteste dran und du kannst danach die Andere auch noch
haben, wenn du für sie weitere sieben Jahre arbeitest. Also mach mal die
Hochzeitswoche fertig mit Lea und dann bekommst du Rahel. So ist das
gegangen. Also schon eine etwas andere Moral, als wir uns das wünschen
würden. In den Versen 31-35 sehen wir, wie der HERR das Problem der
Polygamie sieht. In Vers 30 lesen wir, dass Jakob auch Rahel mehr liebte
als Lea. Also man kann nicht sagen, dass Lea keine Liebe bekommen hätte,
aber Rahel hatte den ersten Platz.
Und nun Vers 31: «Und als der HERR sah, dass Lea gehasst war, da öffnete
er ihren Mutterleib; Rahel aber war unfruchtbar.» Gehasst bedeutet hier
nicht, dass Jakob sie hasste, sondern dass sie weniger geliebt war. Das ist
gut zu wissen, denn im Lukasevangelium spricht der Herr: Wenn jemand mir
nachfolgen will und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine
Brüder und seine Frau, der kann nicht mein Jünger sein. Dann sagen die, die
Probleme in der Familie haben, gut, das kann ich sehr gut erfüllen, dann
bin ich ein guter Jünger. Aber hassen heißt dort einfach weniger lieben als
den Herrn, d.h. der Herr muss vor der Verwandtschaft und selbst vor der
Ehefrau den Platz einnehmen bei uns. Der Ausdruck hassen kann also sehr
relativ sein. Aber der HERR sieht das Problem und deshalb macht er Lea
fruchtbar und Rahel ist unfruchtbar. Der Herr gibt also Lea als
Kompensation Kinder, weil sie weniger geliebt ist, und sie bekommt Ruben,
Simeon, Levi und Juda.
Kapitel 30, 1-8: Die eifersüchtige Rahel kompensiert ihre Kinderlosigkeit
durch einen Trick, wie ihre Urgroßmutter Sarah, die ihrem Kinderwunsch ein
wenig nachhelfen wollte. Und wie hat das die Großmutter gemacht? Sie hat
Abraham ihre Magd Hagar gegeben um sie zu heiraten. Und Rahel hatte ja von
ihrem Vater eine Magd bekommen, die Bilha, und diese gibt sie nun Jakob zur
Frau. Aus dieser Ehe kommen dann Dan und Naphtali auf die Welt. Aber eine
Frau ohne Ehevertrag galt auch damals nicht als Ehefrau, trotz der
polygamen Gesellschaft.
Kapitel 30, 9-13: Lea bekommt nach vier Kindern keine weiteren Kinder
mehr. Und nun wendet sie den gleichen Trick an mit ihrer Sklavin, die sie
von ihrem Vater Laban bekommen hat. Sie gibt Silpha dem Jakob zur Frau bei.
Aus dieser Verbindung kommen dann Gad und Asser. Aber auf einmal bekommt
Lea doch wieder Kinder: Issaschar, Sebulon und sogar noch ein Mädchen,
Dina. Und dann wird erzählt wie Ruben hinaus in die Natur geht und er
findet dort «dudaim», das sind Liebesäpfel. Die bringt er nach Hause zu
seiner Mutter und dann gibt es einen Handel zwischen Rahel und Lea um diese
Liebesäpfel. Diesen Aberglauben gab es schon damals. Und zwar gab es die
abergläubige Auffassung, dass dudaim die Fruchtbarkeit fördern könnten. Wie
sehen wie solche abergläubigen Vorstellungen unter den Frauen Jakobs immer
noch kursierten, obwohl in dieser Familie eigentlich der einzige und wahre
Gott bekannt war. Das hat aber nichts genützt.
Und es ist so schön: In Kapitel 30, 22-24 lesen wir dann, wie Rahel
plötzlich, aber aufgrund von ihrem Gebet, nicht durch Liebesäpfel, auch
fruchtbar wird, und sie gebiert Joseph. Später die Nr. 2 von Ägypten.
Joseph, der später das Erstgeburtsrecht bekommen sollte, wie wir noch sehen
werden. Also wieder nicht der Erstgeborene. Und wenn wir diese Geschichte
dann durchlesen, das ist so eine tragische Geschichte. Aber trotz all der
Eifersüchteleien dieser Frauen kommt in ihrer Namensgebung echter Glaube an
Gott zum Ausdruck. Trotz all dem Negativen sieht man, dass bei diesen
Frauen ein echter Glaube an den wahren Gott vorhanden ist.
Jakob wird reich
Kapitel 30, 25-43. Nach der Geburt von Joseph will Jakob nun endlich
zurück nach Kanaan. Aber es geht doch nicht so schnell. Laban wird nun von
Gott dazu benutzt, um Jakob zuerst reich zu machen. Und das trotz dauernden
Vertragsänderungen. Er sagte zu Jakob, sag mir, was möchtest du für einen
Lohn, wenn du jetzt weiter für mich arbeitest. Und Jakob sagt, ich will
keinen Lohn, wir können es ja einfach so machen, wenn ich deine Herde hüte,
so bekomme ich alle Lämmer, die gesprenkelt und gefleckt sind und die
anderen kannst du für dich haben. Und wenn man bedenkt, dass im Nahen Osten
die Schafe normalerweise weiß sind und die Ziegen schwarz, dann war das
toll für Laban. Und er geht darauf ein. Aber was geschieht dann? Plötzlich
gibt es so viele gefleckte und gescheckte Tiere und alles bekommt Jakob und
kann somit eine schöne Herde für sich auf die Seite tun. Nun, Laban denkt,
jetzt muss ich aber etwas ändern und er ändert den Vertrag.
Aber jedes Mal wenn er den Vertrag geändert hat, ging es trotzdem zu
Jakobs Gunsten aus. Jakob wird immer reicher. Aber Jakob ist immer noch
Jakob und er wendet ganz unwissenschaftliche Züchtungstricks an, Zweige in
die er Streifen schneidet. Aber all die Tricks waren nicht nötig und halfen
nicht. Allein die Hilfe des Allmächtigen und seine Verheißungen haben das
bewirkt. Jakob steht unter dem Segen Gottes.
Polygamie
Vers 42: «Also wurden die Schwächlichen dem Laban, und die Kräftigen dem
Jakob. Und der Mann breitete sich sehr, sehr aus und er bekam viele Herden
und Mägde und Knechte und Kamele und Esel. Und er hörte die Worte der Söhne
Labans, welche sprachen, Jakob hat alles genommen, was unserem Vater
gehörte.» Also Gott hat es so geführt, dass Jakob nun gesegnet werden
musste durch den Betrüger Laban. Aber in dieser ganzen Familiengeschichte
sehen wir Gottes Urteil und Fluch über die Polygamie. Die finden wir ja zum
ersten Mal in der Bibel bei dem gottlosen Mörder Lamech, 1. Mose 4, 19. Bei
ihm heißt es zum ersten Mal: Lamech nahm sich zwei Frauen. Und die
Geschichte von Jakob ist wirklich ein ganz schlagender Beweis, was für ein
Fluch die Polygamie ist und was für Konsequenzen das für eine Familie hat.
Aber diese Realität ist heute noch da. Nicht in Europa, aber in den
Missionsländern.
Ich war ja im Oktober in Tadschikistan. Dort in der Gemeinde ist jetzt
einer zum Glauben gekommen, der hat zwei Frauen. Was soll man jetzt mit dem
machen? Und das ist ganz tragisch wie das geht. Die leben da nicht so
zusammen, sondern er lebt bei seiner Lieblingsfrau mit den Kindern und an
einem ganz anderen Ort lebt dann seine Nebenfrau mit ihren Kindern und er
macht dann immer nur einen Besuch, oder so. Und sollten sie noch mehr
Frauen haben, dann machen sie von Haus zu Haus einen Besuch, das ist eine
Katastrophe. Und dann kommen diese Leute zum Glauben. Und jetzt: Was soll
man mit denen? Das Problem gab es also nicht nur damals, sondern das
Problem ist ganz konkret heute noch da. In Afrika gibt es Menschen die zum
Glauben kommen und zehn Frauen haben. Was macht man damit? Früher haben
dann Missionare gesagt, er müsse alle Frauen wegschicken, bis auf die
erste. Das ist auch so gemacht worden. Was ist dann oft geschehen? Die
Frauen standen materiell völlig chancenlos da und viele sind dadurch in die
Prostitution gefallen. Das ist nicht der Weg! Es sind ja Ehen.
Niemand kann ja sagen, Jakob lebte in der Hurerei. Hurerei ist
Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe. Aber sie hatten mehrere Ehen. Und so
müssen sie ihre Frauen behalten, aber sie können natürlich nicht als
Älteste in der Gemeinde Verantwortung übernehmen. Denn in 1. Timotheus 3heißt es: «Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau . . »
Und da kann man nicht einen nehmen, der zehn Frauen hat. Das Zeugnis nach
Außen kann nicht so vertreten werden. Aber das ist ein Problem, das es
damals gab und das gibt es noch heute. Aber bei uns gibt es heute ein
ähnliches Problem. Wir haben die Frauen einfach nacheinander, nicht
gleichzeitig. Was macht man, wenn zum Beispiel die Nummer 1 von Deutschland
zum Glauben kommt? War viermal verheiratet. Und er hat vor kurzem erzählt,
das sei der Grund warum er nicht mehr Mercedes fährt, sondern Audi. Audi
hat vier Ringe hinten. Das ist die konkrete Situation, mit der die Gemeinde
heute konfrontiert ist und da muss man Stellung nehmen und man muss sagen,
dass Polygamie ein fürchterlicher Fluch ist. Und Gott hasst das. Aber wir
können das nicht der Unzucht gleichstellen. Man kann nicht sagen, die
müssen jetzt die Frauen wegschicken.
## Jakob bricht auf
Jetzt kommen wir zu Kapitel 31. Jetzt kommt plötzlich Gottes Befehl an
Jakob, er soll aufbrechen. Vers 3: «Und der HERR sprach zu Jakob: Kehre
zurück in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft, und ich will
mit dir sein!» Nach zwanzig Jahren sagt Gott, jetzt ist die Zeit in das
Land der Väter zurückzukehren. Und wir sehen in der Geschichte Jakobs
vorgeschattet die Geschichte Israels. Das Volk Israel wurde vertrieben
wegen seiner eigenen Untreue und sie haben, so sagt es Petrus, den
Gerechten verleugnet und den gefordert, der ein Mörder war. So steht es in
Apostelgeschichte 2, 14: «Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten
verleugnet und gebeten, dass euch ein Mann, der ein Mörder war, geschenkt
würde. Den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet.» Sie haben den Messias
verleugnet und dadurch ist das jüdische Volk zerstreut worden unter die
Völker, verjagt aus Kanaan. Und sie haben tragische Dinge unter den Völkern
erlebt. Und dann kam der Ruf Gottes: Kehre zurück in das Land deiner Väter.
Ab dem Jahr 1882 ist die erste Einwanderungswelle von Juden aus Russland
gekommen und es sind weitere gefolgt. Das 20. Jahrhundert ist wirklich das
Jahrhundert der Rückführung, gewissermaßen, nicht nach 20 Jahren wie bei
Jakob, sondern nach zwei Jahrtausenden kommen die Juden wieder ins Land der
Väter. Also wegen Untreue aus dem Land vertrieben, mussten sie lange unter
den Heiden weilen um schließlich in der Endzeit ins Land zurückzukehren.
Aber Jakob kam dann nach Kanaan, in die große Drangsalszeit, diese große
Hungersnot, wo sie nach Ägypten hinunter müssen. Das kommt erst noch. Dazu
musste er aber erst einmal ins Land kommen. Die große Drangsalszeit wird
für Israel auch noch im Land ihre Erfüllung finden.
In Vers 4 und folgenden sehen wir, wie Jakob über die Zeit bei Laban
spricht. Hier wird eigentlich deutlich, wie Jakob all das Leid und all die
Ungerechtigkeiten als Zucht Gottes akzeptiert. Er beugt sich darunter. Wir
finden dort keine Verbitterung Jakobs gegen Gott. Jakob akzeptiert, dass er
unter der Zucht Gottes steht. Und das ist eine ganz wichtige Sache in der
Weiterentwicklung für Jakob. Aber die weiteren Verse, besonders 21 und 22,
zeigen, dass Jakob immer noch zu wenig Glauben hat. Er gehorcht Gott zwar,
aber er flieht nachts. In so einer Nacht- und Nebelaktion haut er mit
seiner ganzen Familie ab.
Die gestohlenen Hausgötzen
In den Versen 19.30-37 lesen wir, dass Rahel die Hausgötzen, die
Teraphim, stahl und so zog die Familie ab. Und als Laban das merkte, dass
alle sich davongemacht hatten, und die Hausgötzen gestohlen waren, jagt er
ihnen hinterher bis er sie erwischt. Aber Gott erscheint dem Laban im Traum
und sagt: Tue Jakob ja nichts an. Laban steht unter dem Schrecken Gottes.
Er hätte sich natürlich gerne gerächt. Und er fragt Jakob: Warum hast du
meine Hausgötzen gestohlen? Wir fragen uns als Europäer heute: Warum haben
die so ein Zeugs daraus gemacht, aus diesen Hausgötzen? Nun, aus der
Archäologie wissen wir folgendes. Die Texte aus dem zweiten Jahrtausend vor
Christus zeigen, wer die Hausgötzen besitzt, hat Anrecht auf das Erbe.
Rahel hat die also geklaut und damit hat sie das juristische Recht dem
Jakob gegeben, dass er den ganzen Besitz von Laban erben darf. Deshalb
diese Dramatik, diese Aufregung.
Jakob wusste ja nichts davon und deshalb sagt er: Du Laban, du kannst
alles durchsuchen. Bei wem die Götzen sind, der soll sterben. Seine Frau
Rahel saß auf dem Kamelsattel und sagt: Du entschuldigst mich Papa, dass
ich nicht herunterkommen kann. Es ergeht mir nach der Weiber Weise. Also
das wissen die Frauen, was das ist. Es war damals etwas komplizierter, da
gab es noch nicht so gute Einrichtungen wie heute. Und sie saß auf den
Teraphim. Er findet somit nichts und muss sich mit einem Vertrag begnügen.
Er trifft eine Abmachung mit Jakob und das wird besiegelt, Vers 45, mit
einem Stein: «Und Jakob nahm einen Stein und richtete ihn auf als Denkmal.»
Und da wird das Bündnis geschlossen mit Laban. Wir finden hier Jakobs
zweiten Stein, der wieder zeigt, Gott war treu bis zu diesem Zeitpunkt.
Durch all die Untreue Jakobs hindurch schützte Gott Jakob und hat sogar
dazu beigetragen, dass Laban einen Bund schließt mit Jakob.
Jakob auf dem Weg nach Kanaan
Kapitel 32. Jakob ist auf dem Weg nach Kanaan. Und jetzt muss er ja damit
rechnen, dass er Esau begegnet. Er hat furchtbare Angst jetzt nach zwanzig
Jahren seinem Bruder wieder zu begegnen. Wenn der mich umlegt?! Aber Gott
ist so gut und lässt ihn eine Vision sehen. Vers 2: «Und Jakob zog seines
Weges und es begegneten ihm Engel Gottes. Und Jakob sprach, als er sie sah:
Dies ist das Heerlager Gottes! Und er gab jenem Ort den Namen Machanajim.»
Machane heißt Lager, Heerlager und «machanajim» ist ein Doppellager. Er hat
also dort zwei Divisionen Engel gesehen. Gott macht Jakob Mut und zeigt
ihm: Du musst keine Angst haben. Geh zurück, die Engel, meine Engelmächte
stehen auf deiner Seite. Aber Jakob hat immer noch Angst und vertraut immer
noch auf seine Tricks. Er hat überlegt, wie er sich mehr Sicherheit
verschaffen könnte vor Esau. Immer noch ist er der Trickser, der Gottes
Macht noch mit seiner Schlauheit nachhelfen will.
Aber, wieder positiv, zusätzlich dazu kommt auch sein Vertrauen auf Gott
im Gebet zum Ausdruck. Vers 10, herzbewegend: «Und Jakob sprach: Du Gott
meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, HERR, der du zu mir
gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft zurück,
ich will dir wohl tun! Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue, die du
an deinem Knecht bewiesen hast! Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über
diesen Jordan ging, und nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden. Errette
mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus; denn ich fürchte
ihn; er könnte kommen und mich erschlagen, die Mutter samt den Kindern! Du
aber hast gesagt: Ich will dir gewisslich wohl tun und deinen Samen machen
wie den Sand am Meer, der vor Menge nicht zu zählen ist!» Also herzbewegend
wie er merkt, dass er die Güte Gottes erlebt hat und es überhaupt nicht
verdient hat. Also er vertraut, aber trotzdem hat er Angst. Genau so wie
auch wir. Wir vertrauen, aber irgendwie haben wir dann doch immer noch
Angst.
Jakobs Kampf mit dem Mann
Und dann das eigenartige Erlebnis in Pniel, Verse 22-32. Jakob steht auf
in der Nacht und dann begegnet er einem fremden Mann und der fällt ihn an
und kämpft mit ihm in der Nacht. Dieses Ereignis markiert nun die große
geistliche Wende im Leben von Jakob. Dieser Mann kämpft, aber er überwindet
Jakob nicht. Schließlich sagt der Mann: Lass mich los, ich muss jetzt
gehen. Jakob sagt: Was ist dein Name? Er sagt ihm den Namen nicht. Aber er
sagt zu Jakob: Du sollst jetzt nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel,
Vers 29: «Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern
Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!» Und
dann segnet dieser Fremde Jakob und geht. Aber Jakob wird unheilbar
verletzt, und zwar nicht irgendwo, sondern an der Hüfte. Jakobs männliche
Kraft wird unheilbar verletzt, damit er lernt, nur noch von Gottes Segen
abhängig zu sein und nicht mehr von seiner Kraft und seinen Tricks.
Und nun bekommt er den Namen Israel, Kämpfer Gottes, anstatt Jakob,
Betrüger. Und er erhält hier den vierten messianischen Segen, Vers 30. Also
er hat mit Gott gekämpft. Und Gott wollte ihm damit zeigen, jetzt wo Jakob
unheilbar verletzt wird, das heißt ein schwacher Mann wird, jetzt ist er
zum Sieger geworden. Das erinnert ganz an 2. Korinther 12, wo Paulus sagt,
weil er so ein Leiden hatte und gesund werden wollte, dass der Herr zu ihm
sagte: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in
Schwachheit vollbracht. Und das musste Jakob erleben. Jetzt wird er zum
Sieger, indem er nicht mehr auf seine Kraft vertrauen kann. Das bringt die
Wende. Pniel heißt «Angesicht Gottes», weil er hier Gott begegnet war in
der Nacht.
Jakob begegnet Esau
Wir kommen zu Kapitel 33, wo Jakob Esau tatsächlich nach 20 Jahren
begegnet. Aber seine Haltung gegenüber seinem Bruder Esau ist kriecherisch,
beschämend. Letztendlich geht er nie nach Edom zu Esau. Er trifft ihn da im
Vorfeld und sagt: Ja ich kann nicht so schnell gehen, wegen der Jungtiere
und meinen Kindern, ziehe du voraus. Und Esau sagt: Ein paar Soldaten
könnten ja mit dir gehen. Doch Jakob sagt: Nein, nein, das ist nicht nötig,
das geht schon ohne. Und dann geht Jakob einfach ins Land Kanaan und hat
nichts mehr zu tun mit Esau. Aber seine Art, wie er mit seinem Bruder
umgeht, ist sehr beschämend. Das ist wieder so ein Tiefpunkt in seinem
Leben.
Schließlich kommt Jakob, Vers 17, nach Sukkot. Dort baut er sich ein Haus
und seinem Vieh macht er Hütten. Er siedelt sich dort an. Dann geht er nach
Sichem, dort kauft er auch ein Feld. Aber er geht nicht nach Bethel, diesem
wichtigen Ausgangspunkt, wo Gott ihm so eindrücklich begegnet ist. Somit
kehrt er also nicht wirklich nach Hause. Jakob ist zwar nach Kanaan
gekommen, aber nicht nach Bethel, ins Haus Gottes.
Dina und Sichem
Und das führt uns dann zu Kapitel 34. Dort lesen wir von Dina, dem
einzigen Mädchen in der Familie. Und da lesen wir: «Dina aber, Leas
Tochter, die sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, um die Töchter des
Landes zu sehen.» Dina ging aus. Sie interessiert sich vielleicht für die
Aufmachungen der heidnischen Frauen. Und da begegnet sie Sichem. Und der
ist verknallt bis über die Ohren. Sichem verliebt sich in diese Dina und
vollzieht mit ihr vorehelichen Geschlechtsverkehr. Das gibt ein Drama in
der Familie. Interessant ist, wie hier der Geschlechtsverkehr bezeichnet
wird, nämlich Schwächen. Sie wurde geschwächt, Kapitel 34, 2 (in der
Schlachter steht allerdings, er tat ihr Gewalt an). Das heißt, durch
vorehelichen Geschlechtsverkehr wird eine Frau in ihrer Würde geschwächt.
Die Bibel spricht wie selbstverständlich über Schwächen.
Dann in Vers 5 heißt es, sie ist entehrt worden. Eine Frau verliert
dadurch etwas von ihrer Würde. In Vers 7 wird das noch stärker ausgedrückt.
Da wird gesagt, da0 damit eine Schandtat in Israel verübt worden sei.
Interessant ist, dass diese Familie hier bereits als Israel bezeichnet
wird, mit diesem neuen Namen aus Pniel. Und Dinas Brüder sind empört, dass
ihre Schwester wie eine Hure behandelt worden ist. Also für sie ist ganz
klar, vorehelicher Geschlechtsverkehr, auch wenn Sichem verliebt war, das
war Hurerei. Es ist so wie mit der Magie. Es gibt weiße Magie und es gibt
schwarze Magie, aber beides hat die gleiche Quelle. Beides ist Okkultismus
und kommt aus dem Reich der Schlange. So gibt es auch Hurerei ohne Liebe
und Hurerei mit Liebe, aber es ist beides Hurerei.
In 5. Mose 22, 21 finden wir eine ganz interessante Stelle. Ich werde das
ein bisschen ausführlicher behandeln, weil heutzutage selbst in
evangelikalen Kreisen manchmal die Frage aufgeworfen wird, ob vorehelicher
Geschlechtsverkehr wirklich Sünde sei. Dieser Vers macht deutlich: Eine
Frau, die geheiratet hat und es stellt sich nachher heraus, dass sie nicht
als Jungfrau in diese Ehe gegangen ist, wird eindeutig als Hure bezeichnet.
Vorehelicher Geschlechtsverkehr wird also mit huren beschrieben im
hebräischen. Die griechische Übersetzung, die Septuaginta, die ja auch im
Neuen Testament zitiert wird, gebraucht dort das Wort «ek-porneuo» und das
heißt nicht nur Hurerei, sondern bedeutet sogar sich der Hurerei ergeben,
ein ganz starker Ausdruck. Und darum, in alt- und neutestamentlichen
Stellen, wie 1. Korinther 6, 18 oder Galater 5, 19 und überall dort, wo das
Wort porneua, Hurerei, vorkommt, bedeutet es immer vorehelichen
Geschlechtsverkehr, welcher Art auch immer. Also auch Homosexualität wird
mit diesem Begriff beschrieben.
Vielleicht hilft auch noch Johannes 4, 18 weiter. Der Herr Jesus begegnet
dort einer Frau im Konkubinat, die Samariterin am Brunnen. Da sagt er ihr:
Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast ist nicht dein Mann.
Das heißt fünf Männer hatte sie und lebte jetzt in einem Konkubinat. Also
der Herr sagt ihr; das ist nicht dein Mann. Das zeigt deutlich, dass auch
damals zwischen Konkubinat und Ehe, die mit einem Vertrag vollzogen wurde,
ganz deutlich unterschieden wurde. Ich habe dann noch drei Stellen
aufgeführt, Sprüche 2, 17, Hesekiel 16, 8 und Maleachi 2, 18, wo an allen
diesen Stellen gesprochen wird über ein Bündnis. Die Ehe wird vollzogen mit
einem Bündnis, ein Vertrag zwischen einem Mann und einer Frau. Also nicht
einfach nur so ein Zusammenkommen. So kann man das ganz deutlich vom
biblischen Text her beweisen und herleiten, wie Gott die Moral sieht.
Jakobs Söhne handeln mit Gewalt
In 1. Mose 34, 13-30 sehen wir dann, wie Jakobs Söhne, entsetzt über
diese Untat, die Hinterlist ihres Vater weiterführen. Und zwar mit einem
ganz neuen Element, das wir bei Jakob nie gefunden haben: Gewalt. Sie haben
dann dem Sichem und seinen Angehörigen gesagt: Ja gut, aber wenn du Dina
wirklich heiraten willst, dann müsst ihr euch alle beschneiden lassen. Wir
können mit euch keine Beziehung eingehen, wenn ihr nicht beschnitten seid.
Und diese sind dazu bereit. Sie sind stolz, dass Dina jetzt in ihre Familie
hereinkommt, und sie haben sich beschneiden lassen. Und dann sind sie mit
dem Schwert auf sie losgegangen, als sie von der Beschneidung geschwächt
waren, und schlugen sie tot. Und eine führende Rolle haben dabei Simeon und
Levi gespielt.
Über sie kommt dann später ein Fluch in den Segensverheißungen von Jakob.
In Kapitel 49 distanziert er sich ganz klar von dieser Tat Simeons und
Levis und bringt über sie einen Fluch, den Fluch der Zerstreuung.
Eindrücklich ist: Levi soll einmal ein zerstreuter Stamm sein und später
wird in der biblischen Geschichte dieser Fluch in einen Segen umgewandelt.
Wer die Geschichte vom Goldenen Kalb kennt, weiß doch, dass der Stamm Levi
in dieser Sache Widerstand geleistet hat. Sie haben sich ganz entschieden
gegen den Götzendienst gestellt und Gott bringt über sie einen Segen, dass
dieser Stamm der Priesterstamm werden soll, anstatt der Erstgeborenen. Und
der Priesterstamm, das sieht man später z. B. in Josua 21, sollte nicht im
Land Kanaan ein bestimmtes Gebiet haben, sondern die sollten verstreut im
ganzen Land Kanaan ein paar Städte haben. Also Levi wurde zerstreut, aber
es wurde umgewandelt in Segen, weil er dadurch gerade den Priesterdienst
für Gott ausrichten konnte. Das ist schon gewaltig, wie Gott einen Fluch in
Segen umwandeln kann.
Nun nach diesem traurigen Kapitel 34, da sieht Jakob sich gezwungen von
diesem Ort wegzugehen, wegen diesem miesen Ruf, den ihm seine Söhne
eingehandelt haben, Vers 30. Er wird gezwungen nach Bethel zu gehen. Und
grad das kommt in Kapitel 35, Vers 1: «Und Gott sprach zu Jakob: Mache dich
auf, ziehe hinauf nach Bethel und wohne daselbst. Und mache daselbst einen
Altar, dem Gott, der dir erschienen ist, als du vor deinem Bruder Esau
flohst.» Nach dieser tragischen Geschichte geht nun Jakob endlich nach
Bethel, damit der Kreis so geschlossen wird. Nun, in Sichem hatte er auch
einen Altar, Kap. 33, 20, aber Gott ist ihm dort nicht begegnet. Aber wie
wir sehen werden, erscheint Gott dann in Bethel.
Die Großfamilie räumt auf
Die Reaktion ist interessant. Vers 2: «Da sprach Jakob zu seinem Haus und
zu allen, die bei ihm waren: Tut die fremden Götter hinweg, die in eurer
Mitte sind. Und reinigt euch und wechselt eure Kleider und wir wollen uns
aufmachen und nach Bethel hinaufziehen. Und ich werde daselbst einen Altar
machen, dem Gott, der mir geantwortet hat am Tag meiner Drangsal und mit
mir gewesen ist auf dem Weg, den ich gewandelt bin.» Interessant: Jakob
soll jetzt nach Bethel gehen, an diesen schrecklichen Ort. Jetzt geht er
dorthin, aber er merkt, ich gehe nicht an diesen schrecklichen Ort einfach
so. Zuerst muss die ganze Familie aufräumen. Er ruft also auf, jetzt müssen
wir mit all diesem Aberglauben und Götzendienst und Okkultismus in unserer
Familie Schluss machen. Und der Aufruf zeigt auch Wirkung. Vers 4: «Und sie
gaben Jakob alle fremden Götter in ihrer Hand und die Ringe, die in ihren
Ohren waren. Und Jakob begrub sie unter der Terebinthe, die bei Sichem
ist.» Die haben aufgeräumt bis zu den Ohrringen.
Vers 5: «Und sie brachen auf und der Schrecken Gottes kam über die
Städte, die rings um sie her waren, so dass sie den Söhnen Jakobs nicht
nachjagten.» Gott belohnt dieses entschiedene Aufräumen, indem er einen
besonderen Schutz über diese Großfamilie kommen lässt. Das ist Gottes
Antwort. In den Versen 6-15 sehen wir, wie Jakob wieder einen Altar baut.
Und Gott erscheint jetzt dem Jakob in Bethel. Er gibt ihm hier den fünften
messianischen Segen. Und hier wird sein Name Israel noch einmal bestätigt.
Vers 10: «Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob. Dein Name soll
hinfort nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein. Und er
gab ihm den Namen Israel.» Gottesstreiter! Also hier wird diese Wende, die
wir schon in Pniel gefunden haben, obwohl es immer wieder Rückfälle gab,
nochmals bestätigt. Wir sehen, dass das geistliche Leben von Jakob nicht
einfach nur schwarz-weiß war.
Aber hier räumt Jakob und seine Familie gründlich auf und Gott
beantwortet das mit der Bestätigung seines Namens Israel. Und dieser Name
verpflichtet. Aber dann auf dem Weg nach Bethlehem, Verse 16-20, stirbt
Rahel bei der Geburt des zweiten Kindes Benjamin. Benjamin, der dann auch
in der weiteren Geschichte von Jakob eine wichtige Rolle spielen sollte.
Tragisch, jetzt verliert Jakob seine erste Liebe Rahel. Und was macht er
hier in Vers 20? «Und Jakob richtete über ihrem Grab ein Denkmal auf. Das
ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag.» Das ist der vierte Stein Jakobs
in seinem Leben. Da ist wieder so eine Station markiert. Dann kommen zwei
ganz traurige Verse, nämlich 21-22.
Ruben begeht Hurerei
Ruben, der Erstgeborene, begeht Hurerei mit einer von Jakobs Frauen, mit
Bilha. Das ist verrückt. Man muss sich vorstellen: Das ist eine gläubige
Familie und da kommt es zu diesem Inzest. Aber deswegen verliert Ruben
definitiv sein Erstgeburtsrecht. Das liest man auch in der Segensprophetie, 1. Mose 49, wo der sterbende Jakob noch zu jedem der Söhne etwas sagt. Eine
ganz dramatische Szene, der alte Mann, umringt von seinen zwölf erwachsenen
Söhnen und jedem schaut er gewissermaßen ins Gesicht und sagt etwas. Ruben
muss ganz finster dreingeschaut haben, als Jakob sagt, Vers 3: «Ruben, mein
Erstgeborener bist du, meine Stärke und der Erstling meiner Kraft! Vorrang
an Hoheit und Vorrang an Macht! Du bist übergewallt wie Wasser, du sollst
keinen Vorrang haben, denn du hast das Lager deines Vaters bestiegen; da
hast du es entweiht. Mein Bett hat er bestiegen!» Ruben verliert sein
Erstgeburtsrecht. Und wer bekommt es? Joseph! Wieder wird den Segen nicht
der Älteste, sondern ein Jüngerer bekommen.
Wir werden zwar dann später noch sehen, im Verlauf von 1. Mose, wenn wir
zu Kapitel 49 kommen, dass das Erstgeburtsrecht eigentlich sogar eine
Aufteilung erfuhr, dass auch Levi einen Teil bekam und auch Juda. Ich werde
dann erklären, was das Erstgeburtsrecht alles genau umfasst, nämlich
Priesterdienst, Herrschaft und doppeltes Erbe. Joseph bekam das doppelte
Erbe, Juda sollte der Königstamm werden, aus dem der Messias kommt und Levi
sollte der Priesterstamm werden. Aber wesentlich ist, dass unter den Söhnen
Joseph den speziellen Vorzug hatte.
Und dann in 1. Mose 35, 27-29 kehrt Jakob zurück zu seinem Vater Isaak.
Das muss auch eine Begegnung gewesen sein. Der alte Jakob kehrt zurück zu
dem uralten Isaak. Und schließlich, 180-jährig, stirbt Isaak und wird dann
von Jakob und Esau begraben.
Die Entwicklung der Nachkommenschaft Esaus
Wir kommen zu Kapitel 36. Da wird beschrieben, wir die Nachkommenschaft
von Esau sich entwickelt hat. Und auch da sehen wir wieder, dass Jakobs
Familie noch sehr lange als Beduinen in Zelten lebten, während Esaus
Nachkommen schon sehr früh zu einem Fürstentum kamen und auch viel früher
zu einem Königtum aufstiegen. Aber ähnlich war es ja auch mit Kain. Der hat
eine große Hochkultur aufgebaut, während von seinem Bruder Seth nichts
Besonderes gesagt wird, als nur dass er die Beziehung mit Gott lebte. Ham
war auch der Sohn, der am frühesten eine Hochkultur aufgebaut hatte, früher
als Sem und auch als Japhet. Auch bei Ismael war es so. Bei ihm ging der
Aufstieg viel schneller als bei Isaak. Wir können sagen, dass Gottes
Wachstum immer langsamer geht, aber dafür auch länger währt. Es gibt ein
holländisches Sprichwort, das heißt: Früh reif, früh verwelkt.
Das zeigt uns auch, dass wir die Kinder und Jugendlichen nicht zwingen
müssen, schnell reif zu werden, sondern wir sollten ihnen Zeit lassen. Aber
unsere Kultur will unsere Kinder zwingen schnell, schnell reif zu werden.
Und auch die sexuelle Entwicklung wird auf ganz dramatische Art und Weise
forciert durch aggressive Dinge in den Medien. Aber da kann man auch denken
an den Refrain im Hohelied. Der Refrain im Hohelied kommt dreimal vor. Es
ist ein Liebeslied von acht Kapiteln, aber Sulamith, die Geliebte, sagt
dort dreimal den Mädchen von Jerusalem: «Ich beschwöre euch, ihr Töchter
Jerusalems: Erregt und weckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!» Und zwar
sagt sie: Ich beschwöre euch bei den Gazellen und bei den Hirschkühen, dass
ihr sie nicht aufweckt. Gazellen und Hirschkühe, da braucht es nicht viel,
dass diese aufgeschreckt werden. Das ist ein Vers, der ganz deutlich sagt,
nicht die Entwicklung schnell zu fördern und in diese Richtung drücken. Da
sollten wir auch ein Gegengewicht geben, damit sich die Menschen gesund und
normal entwickeln, so wie wir das sehen bei den Auserwählten Gottes. Ihr
Wachstum ging ein bisschen langsamer, aber es hielt dann länger.
Jakobs Ende
Ab Kapitel 37 geht ja eigentlich die Geschichte von Jakob weiter. Aber es
wird dann im Wesentlichen die Geschichte von Joseph. Und deshalb habe ich
hier gestoppt. Wir werden also das nächste Mal die Josephsgeschichte
durchnehmen und damit das Ende von Jakob erleben und auch den Höhepunkt
seines Glaubenslebens. Der alte Mann, nach all diesen Umwegen, kommt
schließlich nach Ägypten. Gott führt ihn zum Ziel und er geht zum Pharao
hinein. Muss man sich einmal vorstellen, dieser uralte Beduine beim Pharao.
Und dann segnet er den Pharao. Ohne jeden Widerspruch segnet hier der
Höhere den Geringeren. Er wusste, obgleich Ziegen- und Schafhirte, er war
größer als der Pharao und deshalb segnete er ihn. Aber er sagt ihm auch,
dass die Tage seiner Fremdlingsschaft wenige waren. Dabei ist er älter
geworden als wir es heute werden. Er sagt: Es waren wenige Tage und viel
Böses war da.
Und ganz am Ende segnet er alle zwölf Söhne und dann betet er an, gebeugt
über der Spitze seines Stabes, und stirbt. Das ist doch wirklich ein
würdiges Ende, bei einem Mann der so hinterlistig, verdorben und verdreht
war. Aber er liebte Gottes Dinge, Gottes Pläne und das hat Gott gesehen und
darum hat er ihn hindurchgeführt durch viele traurige Dinge, aber er hat
das Ziel erreicht. Ein würdiger Jakob betet an am Ende seines Lebens und
stirbt als einer, der Gottes Plan erreicht hat.
Zu Joseph noch. Das ist eine der Geschichten, die ich am meisten liebe
aus der Bibel. Und wir finden in diesen Kapiteln etwa 300 Hinweise auf
Jesus Christus. Das ist unglaublich. In allen Details dieser Geschichte ein
messianischer Hinweis nach dem anderen auf den kommenden Erlöser. Wir
können uns also auf ein schönes Thema freuen für das nächste Mal.

