Einführung: Die unsichtbare Umgebung des Glaubens
Stell dir vor, ich bin ein Fisch. Eines Tages fragst du mich, was Wasser ist. Das fällt mir schwer zu beantworten. Ich könnte dir beschreiben, was ein Stein ist, wie sich der Meeresboden anfühlt oder wie sich ein anderer Fisch bewegt. Aber Wasser? Das Wasser ist für mich so selbstverständlich, dass mir gar nicht auffällt, dass es etwas zu beschreiben gibt.
Ich bin so davon umgeben, es prägt mich durch und durch. Jeden einzelnen Tag beeinflusst es, wie ich die Welt wahrnehme. Deshalb merke ich gar nicht, dass Wasser existiert, und ich könnte es auch nicht beschreiben.
So ging es mir, als ich Anfang zwanzig war, mit der liberalen Theologie. Was hättest du mir damals sagen können, damit ich aufwache?
Willkommen beim Bibelfit-Projekt! Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen zu beantworten.
Jeden Beitrag ergänze ich mit Übersichten, biblischen Entscheidungshilfen, kompletten Hörbüchern und sogar Online-Kursen. Das alles gibt es gratis auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Thema: liberale Theologie.
Die Bedeutung und der Einfluss der liberalen Theologie
Ich denke, und alle Zahlen bestätigen das, dass die liberale Theologie weltweit eine sehr kleine Erscheinung ist. Sie nimmt zahlenmäßig immer weiter ab, auch in Deutschland. Meiner Einschätzung nach wird dieses Thema in wenigen Jahrzehnten für meine Enkel keine Rolle mehr spielen.
Ich sehe die liberale Theologie als eine Übergangsphase, die vor unseren Augen zu Ende geht. Wäre sie in der deutschen Kirchengeschichte nicht kirchenpolitisch so einflussreich gewesen, würde man international sogar sagen, dass die liberale Theologie eine pseudo-christliche Sekte ist. Sie wäre dann lediglich eine Randerscheinung der christlichen Weltgeschichte.
Dabei bin ich nicht naiv. Ich weiß, dass es einige Menschen in den einflussreichen Spitzen großer Kirchen und in bestimmten Bereichen der Bildungspolitik gibt, die einen überproportional großen Einfluss ausüben. Diese Personen nutzen ihren Einfluss, um die liberale Theologie zu etablieren – und das nicht unbedingt mit bösen Absichten. Vor allem denke ich, dass wir diesen Einfluss oft gar nicht bemerken.
Viele Zuschauer dieses Kanals sind heute hier, weil ich in der Vergangenheit viel Mühe darauf verwendet habe, fachlich und mit großer Sorgfalt sowie zahlreichen Belegen darüber aufzuklären, was liberale Theologie ist. Das werde ich auch weiterhin auf diesem Kanal tun, aber heute möchte ich etwas persönlicher sprechen.
Als früherer Betroffener habe ich damals selbst liberale Theologie in mich aufgenommen und später als liberaler Theologe auch verbreitet. Heute möchte ich meine Erfahrungen und Gedanken dazu teilen.
Die Grundidee der liberalen Theologie und ihre Herausforderungen
Falls du dir darunter gerade noch nichts vorstellen kannst, möchte ich dir einen Eindruck vermitteln. Dieser ist zugegebenermaßen etwas schwarz-weiß gezeichnet, aber dennoch nicht falsch.
Weißt du, in seiner aller einfachsten Form bedeutet liberale Theologie, dass man keinen Widerspruch bei Nichtchristen erzeugen möchte. Und zwar so.
Du kannst dir das anhand von drei einfachen und anschaulichen Beispielen vorstellen.
Beispiel eins:
Beispiel eins: Markus – der Christ mit klaren Glaubensüberzeugungen
Ich, Markus, bin Christ. Es gibt bestimmte Dinge, an die wir Christen glauben. Zum Beispiel, dass es einen persönlichen Gott gibt, der im Weltgeschehen eingreift. Außerdem glauben wir, dass Jesus, der Christus ist, für deine und meine Vergehen zu Tode gefoltert wurde, um uns vor dem Jüngsten Gericht zu retten.
Dieser Christus wurde am 9. April 30 in der Jerusalemer Oststadt von den Toten auferweckt. Und es gibt noch vieles mehr, woran wir glauben.
Es gibt auch Dinge, die wir Christen tun, die aber nicht zwangsläufig christlich sind – und das ist völlig in Ordnung. Zum Beispiel: Ich, Markus, bin Christ, ich höre gern Worship-Musik und esse gerne Erdbeeren. So weit, so gut. Nur weil ich diese Dinge tue, bin ich nicht automatisch christlich, weil ich sie tue.
Als Christ esse ich Erdbeeren, aber Erdbeeren zu essen ist deshalb nicht christlich. Das heißt, es gibt viele Dinge, die Christen tun und die du auch bei Christen sehen kannst, die aber nicht unbedingt christlich sind. Und das ist okay. Das müssen wir nur gedanklich klarkriegen.
Beispiel zwei: Julia – die Nichtchristin mit gegensätzlichen Überzeugungen
Und das bringt uns zum Beispiel Nummer zwei. Das hier ist Julia. Julia würde sich im Traum nicht als Christin bezeichnen – niemals im Leben. Sie behauptet Dinge, die das völlige Gegenteil vom biblischen Christentum sind.
Sie vertritt das Gegenteil von dem, was Christen seit über zweitausend Jahren glauben, das Gegenteil von dem, was in der Bibel steht, und das direkte Gegenteil von dem, was Jesus sagt. So wie viele Muslime behauptet Julia, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden ist. Wie viele New-Ager behauptet sie, dass es kein jüngstes Gericht gebe – zumindest nicht wirklich. Und wie viele Atheisten sagt sie, dass es keinen Gott gebe.
Wie gesagt, ich persönlich halte die christliche Variante für deutlich überzeugender. Ich bin tief davon überzeugt, dass Julias Gegenpositionen falsch sind. Aber zum Glück ist das ein freies Land, und jeder kann glauben, was er möchte.
Jetzt ist es zufälligerweise so, dass Julia auch gerne Worship-Musik hört. Das ist zwar nicht typisch für jemanden mit ihren Überzeugungen, aber ihr Musikgeschmack ändert nichts daran. Also, was soll's.
Deswegen noch einmal: Julia würde sich selbst im Traum nicht als Christin bezeichnen. Sie will auch gar keine sein. Und zufällig macht sie manchmal Dinge, die Christen wie ich ebenfalls tun. So weit, so gut.
Beispiel drei: Tom – der selbsternannte Christ mit antichristlichen Überzeugungen
Und jetzt kommt das ganz große Problem mit dem dritten und letzten Beispiel. Das hier ist Tom. Tom ist ein bisschen besonders. Er ist erst einmal so ähnlich wie Julia. Er hört ab und zu auch ganz gern Worship-Musik. Aber er behauptet auch Dinge, die das völlige Gegenteil von dem sind, was Christen seit über zweitausend Jahren geglaubt haben. Es ist das Gegenteil von dem, was in der Bibel steht, das direkte Gegenteil von dem, was Jesus sagt.
Das heißt, es gibt unüberbrückbare Differenzen, die auch mit gutem Willen gar nicht aufgelöst werden können, weil sie das komplette Gegenteil vom Christentum sind. In dieser Hinsicht ist er Julia ähnlich. Aber – und jetzt schlägt es dreizehn – Tom möchte, dass du ihn einen Christen nennst.
Also noch einmal: Tom behauptet, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dass es kein jüngstes Gericht gibt, dass die Welt nicht untergeht und dass es keinen persönlichen Gott gibt. Trotzdem möchte er, dass du ihn einen Christen nennst. Damit behauptet er, dass das, was er macht, tatsächlich christlich wäre.
Das ist bizarr, denn wenn Tom nicht zufälligerweise einige Dinge tun würde, die Christen auch tun, und sich nicht selbst als Christ bezeichnen würde, dann würdest du in hundert Jahren nicht auf die Idee kommen, ihn für einen Christen zu halten. Nicht in hundert Jahren.
Im Gegenteil: In manchen Ländern, in denen Christen verfolgt werden – und das kann ich auch gut verstehen – nutzen verfolgte Christen vor Gericht manchmal die Ausrede: „Ja, ich meine ja etwas ganz anderes, ich glaube etwas ganz anderes, ich benutze nur deren Wörter, ich bin gar kein Christ“, um so der Strafe zu entgehen. Wie gesagt, das kann ich sehr gut verstehen, um nicht als Christ gezählt zu werden.
Dass aber jemand in Deutschland das umgekehrt macht, ist bizarr. Damit ist die Verwirrung komplett, denn das schlägt dem Fass den Boden aus. Er kommt in christlicher Aufmachung daher, Tom will auch gern als christlich gesehen werden. Aber alles, was Tom von sich gibt, ist im Kern genau antichristlich und mit dem Christentum von vorne bis hinten überhaupt nicht vereinbar.
Und das, ihr Lieben, ist ein riesengroßes Problem. Das sind meine zwei großen Kritiken an liberaler, progressiver Theologie. Kritik.
Kritische Betrachtung der liberalen Theologie
Du hast eine andere Religion, die mit dem biblischen Christentum nicht vereinbar ist. Und damit meine ich nicht irgendwelche Details, keine Nebenschauplätze oder Randthemen. Ich meine eine Ersatzreligion, die in fundamentalen, weltanschaulichen Kernthemen dem Christentum und dem, was Jesus von Nazareth persönlich gelehrt hat, direkt widerspricht.
Stell dir selbst eine Religion vor, bei der es hauptsächlich darum geht, wie du dich fehlst. In der Jesus ein menschlicher Lehrer war, bei dem wir manchen guten Ideen zustimmen, andere jedoch als überholt betrachten. Eine Religion, in der ethisch alles erlaubt ist, was gut tut und niemandem schadet.
In dieser Ersatzreligion ist die Bibel nur irgendein historischer Text unter vielen, eine Art antikes Reisejournal. Darin haben Menschen damals hilflose Versuche gemacht, ihre Erfahrungen mit Dingen zu beschreiben, die sie einfach nicht einordnen konnten.
Es geht vor allem um das Diesseits und darum, dass die Gegenwart für uns erträglicher wird. Denn was nach dem Tod kommt, das weiß eh keiner. Und wenn doch, dann ist es bestimmt tröstlich und positiv.
In dieser Religion gibt es keinen überholten Glauben mehr an Wunder oder Übernatürliches. Wenn es Gott geben sollte, dann ist er eine Art unpersönliche, mystische Naturkraft.
Das alles ist nicht hart übertrieben. Wie würdest du eine solche Religion nennen? Da fallen dir bestimmt viele Sachen ein, die vielleicht in Richtung Buddhismus, Mystik und definitiv New Age gehen, aber sicher nicht Christentum, oder?
Meine zweite Kritik an der liberalen Theologie ist folgende: Du weißt, dass jemand eine andere Religion hat, die dem Christentum so sehr widerspricht. Das ist das eine, ja. Aber was ich nicht akzeptabel finde, ist, dass liberale Theologie und progressives Christentum trotzdem als Christentum anerkannt werden wollen.
Und das ist aus meiner Sicht ein absolutes No-Go. Ich wünschte, das hätte mir damals jemand so klipp und klar gesagt.
Persönliche Reflexion und Fragen zur Selbstprüfung
Ich habe nämlich darüber nachgedacht, was mir damals jemand hätte sagen müssen, um mir etwas klarzumachen. Am Ende bin ich zu einer Reihe von Punkten gekommen, die als Testfragen hätten dienen können. Mit diesen hättest du mich damals als liberalen Theologen ertappen können, und ich hätte mich als solcher outen müssen.
Falls du diese Liste haben möchtest, drücke die Glocke unter diesem Video und schreibe einen Kommentar. Dann zeige ich dir die Liste in einem separaten Video. Diese Liste dient allerdings eher dazu, zu erkennen, ob jemand anders liberal ist. Sie hätte mich damals selbst nicht wirklich überzeugt, meine Sichtweise in Frage zu stellen.
Es ist ja klar: Wenn du auf jemanden zukommst und in einem Gespräch sagst, „Ha, ertappt!“, dann kannst du kaum noch ein sachliches Gespräch erwarten, oder? Deshalb habe ich für diesen Beitrag hier etwas Besseres überlegt.
Was wären denn Fragen gewesen, auf die ich damals nicht hätte antworten können? Welche Fangfragen im positiven Sinne hätten mich so nachdenklich gemacht, dass ich mich selbst hinterfragt hätte? Fragen, die mich hätten dazu bringen können, Jesus und die Bibel ernster zu nehmen?
Ich habe mir viele Gedanken gemacht und hier ein paar Fragen zusammengestellt, die du mir hättest stellen können. Sie hätten mir geholfen, mich selbst zu überführen und überhaupt erst einmal zu merken, dass ich in einem Meer aus verquerem Denken schwamm. Außerdem zeigen sie, wie ich persönlich damals Jesus widersprochen habe.
Du wirst sehen, die Fragen sind nicht superintellektuell, bis auf die erste vielleicht. Denn wir Christen sind überzeugt, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Viele von uns wissen intuitiv, was gut und böse ist, was richtig und falsch ist – wir haben ein Gewissen.
Deshalb hätte es bei mir damals mehr gebracht, das Gewissen und das Herz anzusprechen. Und das sage ich als Kopfmensch und Nerd. Vielleicht geht es dem ein oder anderen hier ähnlich, oder du kennst jemanden, den du damit zum Nachdenken anregen kannst. Dann schick diesen Beitrag gerne weiter.
Also, lass uns die Glocke drücken und starten. Wir fangen mit etwas Abstraktem an und werden dann immer konkreter.
Frage Nummer eins: Die erste Frage, die du mir hättest stellen können, damit ich selbst nachdenklich werde, wäre: „Markus, wäre es schlimm, wenn du falsch liegst?“
Fangfragen zur Selbstreflexion
Frage Nummer eins: Wäre es schlimm, wenn du falsch liegst?
In einem offiziellen Grundlagentext der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) heißt es, Zitat: „Der Glaube eines anderen darf nicht für unwahr erklärt werden.“ Das heißt nicht, dass man sagen sollte, er sollte nicht für unwahr erklärt werden oder dass man aus Taktgefühl im Gespräch empfiehlt, dies zu vermeiden. Nein, es steht ausdrücklich, dass der Glaube eines anderen nicht für unwahr erklärt werden darf.
Nun stellt sich die Frage: Wie soll das funktionieren? Kennst du einen Flat Earther, der glaubt, die Erde sei eine Scheibe? Wir Christen glauben aufgrund von Wissenschaft und Bibel, dass die Erde eine Kugel ist, die frei im Weltall schwebt und sich um die eigene Achse dreht. Was von beiden ist denn jetzt richtig?
Wir Christen glauben, dass Jesus Jude war und ist. Manche Nazis hingegen lehren, dass Jesus der erste Arier war. Was von beiden stimmt denn nun? Es kann nicht beides gleichzeitig wahr sein.
Wir Christen glauben, dass Jesus gestorben ist und leibhaftig auferstanden ist. Viele Muslime glauben hingegen nicht einmal, dass Jesus überhaupt gestorben ist. Also, was von beiden ist jetzt richtig?
Früher, als ich noch liberaler Theologe war, dachte ich, entweder gibt es keine Wahrheit, oder es gibt Wahrheit. Wenn es Wahrheit gibt, dann ist es unglaublich wichtig, dass es Wahrheit gibt. Und dann wäre es schlimm, falsch zu liegen – gerade bei Fragen der Weltanschauung, bei denen es um Himmel, Hölle und Ewigkeit geht, dazu gleich mehr.
Oder ich dachte damals, dass es im Christentum nur um Belanglosigkeiten geht, bei denen jeder eine andere Meinung haben kann und die keine Konsequenzen hätten. Aber auch dann wäre es schlimm, wenn ich da falsch gelegen hätte.
Warum? Weil die Flughöhe des Christentums viel, viel größer ist, als ich damals gedacht hätte. In beiden Fällen hätte es mich damals nachdenklich gemacht, wenn du mich gefragt hättest: Markus, kann es sein, dass du falsch liegst?
Stell dir einfach mal vor, du bist Pastor und widmest dein ganzes Berufsleben einer Weltanschauung. Vielleicht arbeitest du zwanzig, dreißig, vierzig oder sogar fünfzig Jahre dafür. Wenn sich dann herausstellt, dass du falsch liegst, glaube ich, dass es keinen psychisch gesunden Menschen gibt, den das nicht zum Grübeln bringt.
Diese Frage – kann es sein, dass ich falsch liege? – sollten wir uns immer stellen. Ich stelle sie mir heute als Christ genauso.
Das beginnt ehrlich gesagt schon damit, dass die allermeisten Menschen in unserer postmodernen Gesellschaft gar nicht mehr in der Lage sind, zwischen einer Meinung und einem Fakt zu unterscheiden. Das ist total verrückt.
Vor Corona habe ich an mehreren Hochschulen eine Reihe von Vorträgen gehalten. Eine einfache, lustige, aber auch ernste Zusammenfassung davon kannst du dir über den Link in der Videobeschreibung ansehen. Das solltest du dir anschauen, denn das wird uns in den nächsten Jahren in Deutschland noch ziemlich beschäftigen. Dafür solltest du gewappnet sein.
Fangfrage Nummer zwei:
Fangfrage Nummer zwei: Wie steht es um moralische Standards in der Kirche?
Mal angenommen, der oder die EKD-Ratsvorsitzende, also de facto der oder die Chef*in der evangelischen Kirche in Deutschland, entscheidet sich, dieses Jahr mit einer Freundin zusammenzuziehen, nächstes Jahr mit einer anderen Freundin und im darauffolgenden Jahr wieder mit einer weiteren Freundin. Im vierten Jahr entscheidet er oder sie sich dann, eine offene Beziehung, eine offene Ehe, zu führen. Spricht etwas dagegen?
Was hätte ich damals geantwortet? Ich glaube, ich hätte damals etwas zögerlich gesagt, dass wenn ein Paar in der Gemeinde das so macht, also als Gemeindemitglieder, dann sollten sie Toleranz und Akzeptanz erfahren. Trotzdem habe ich gespürt, dass das nicht dem entspricht, wie Gott sich das gedacht hat. Dass es falsch ist. Das habe ich immer instinktiv gemerkt.
Wenn meine Oma mich damals gefragt hat, ob es okay sei, dass der Pfarrer in ihrer Gemeinde, in ihrer Stadt, unverheiratet mit seiner Freundin im Pfarrhaus zusammenwohnt und später eine Affäre mit einer anderen hat – wie das genau in der Stadt passiert ist – dann war das eine schwierige Frage. Sie hat mich gefragt: „Ist das okay?“ Das war schwierig. Ich habe instinktiv immer schon gemerkt: Naja, also irgendwie nicht.
Weißt du, in der liberalen Theologie haben wir damals oft gesagt, zumindest nach außen hin, so etwas wie „anything goes“, also ist schon alles in Ordnung. Aber trotzdem ist es nun mal so, dass Gott dir und mir ein Gewissen gegeben hat. Und wir beide wissen: Nicht „anything goes“. Ich denke, wir sollten wieder lernen, auf unser Gewissen zu hören, denn das hat sich Gott nicht zum Spaß ausgedacht.
Fangfrage Nummer drei.
Fangfrage Nummer drei: Gibt es unterschiedliche Schweregrade von Sünde?
Was sind die zwei schlimmsten Sünden? Nun ist es so: Du und ich und alle von uns haben das Empfinden, dass eine Notlüge oder das Schwarzfahren in Bus und Bahn weniger schlimm ist als eine Vergewaltigung. Auch in der Bibel wird ganz deutlich gezeigt, dass es einen Unterschied zwischen verschiedenen Sünden gibt. Dazu habe ich dir sogar schon ein Video aufgenommen. Drück gerne die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
In der liberalen Theologie geht es aber nicht nur, aber auch hauptsächlich darum, dass niemand sich schlecht fühlen darf. Deshalb wird dieser Kleister der Vergebung sowieso gleich über allem ausgegossen. In der liberalen Theologie gibt es daher häufig kein intellektuelles, kein kopfmäßiges Bewusstsein für Sünde oder die Schwere von Sünde. Deshalb wirst du auch fast nie Predigten in den großen Kirchen über Sünde finden.
Und trotzdem wissen du und ich instinktiv, wie stark, wie mächtig und wie zerstörerisch Sünde ist. Wir wissen, dass wir in diesem Kampf zwischen Gut und Böse drin sind. Das sind Kräfte, die real an uns zehren und real Menschenleben zerstören.
Ich hätte mir damals auch gewünscht, dass mir das mal jemand ernsthaft vor Augen führt. Dann glaube ich, wäre es mir auch kopfmäßig aufgegangen, dass dieses „Na ja, Sünde ist unwichtig und so weiter“ überhaupt keine Rolle spielt. Diese Haltung widerspiegelt die Realität nicht so, wie sie ist. Denn wenn Sünde keine Rolle spielen würde und niemals eine Rolle gespielt hätte, warum musste Jesus dann ans Kreuz gehen?
Fangfrage Nummer vier.
Fangfrage Nummer vier: Gibt es eine Hölle und wer kommt dorthin?
Mal angenommen, ich würde das tun – was müsste ich denn tun, um in die Hölle zu kommen?
Du solltest wissen, dass die liberale Theologie in Deutschland sich weitestgehend einig ist, dass es keine Hölle gibt, keine Verdammnis. Man geht davon aus, dass sowieso alle gerettet werden und alle in den Himmel kommen.
In der Bibel ist das jedoch absolut nicht der Fall. Das ist nachweislich nicht so. In der Bibel gibt es einen echten Himmel und eine echte Hölle. Diese Hölle ist nicht leer und wird auch nicht leer sein. Es gibt echte Menschen, die heute leben und die in die Hölle kommen werden. Das kann ich dir Schritt für Schritt schwarz auf weiß zeigen.
Warum das so ist, habe ich dir letztes Jahr in einem eigenen Beitrag erklärt. Drücke gerne die Glocke unter diesem Video, dann wird dir das auch angezeigt.
Der Punkt ist aber: Sei nicht naiv! Naiverweise denken wir alle – und das dachte ich früher mit Anfang zwanzig auch – dass alle in den Himmel kommen wollen. Aber ich glaube, das stimmt nicht.
Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt – und das hat jetzt auch mit dem Bibelstudium zu tun, aber vor allem mit meinen Lebenserfahrungen –, dass es tatsächlich Menschen gibt, und nicht nur zwei oder drei, die nicht in den Himmel wollen. Sie wollen nicht in Gottes Gegenwart sein und die Ewigkeit mit Gott verbringen.
Die Frage ist jedenfalls: Angenommen, jemand will in die Hölle kommen – was müsste man denn tun, um das zu bewirken?
Diese Frage hätte mich als liberalen Theologen nachdenklich gemacht. Ich hätte überlegt: Warte mal, ich bin immer davon ausgegangen, alle wollen in den Himmel, und Gott wird das schon machen. Aber was ist, wenn ich in die Hölle will? Geht das überhaupt?
Fangfrage Nummer fünf: War Jesus ein Sünder?
Fangfrage Nummer fünf: War Jesus ein Sünder?
In der liberalen Theologie wird häufig dargestellt, dass Jesus nun mal ein Mensch war. Er war ein Zimmermann, ein Wanderrabbi oder meinetwegen auch ein Prophet – jemand, auf den andere Menschen große Stücke gehalten haben. Aber das war es dann auch.
So etwas wie die Trinität ist schwierig, ebenso die Vorstellung von seiner Präexistenz. Ob Jesus beim Jüngsten Gericht als Richter auftritt, ist ebenfalls sehr umstritten. Das heißt, Jesus wird vor allem auf das Menschliche reduziert.
Manchmal wird er als Vorkämpfer für Work-Life-Balance dargestellt oder als Advokat für Umweltschutz – eben als jemand, der gerade politisch in Mode ist.
Das Problem ist aber: Wenn man Jesus nur auf das Menschliche reduziert, dann müsste er auch genauso ein Sünder sein wie du oder ich. Das wäre die logische Konsequenz.
Trotzdem wissen du und ich instinktiv, dass die meisten Menschen auch heute noch sehr große Stücke auf Jesus halten – selbst Menschen, die gar nicht an ihn glauben. Du und ich wissen instinktiv: Nein, Jesus war kein Sünder.
Um das einfach mal ans Tageslicht zu bringen und anzusprechen: War Jesus ein Sünder?
Wenn ja, dann stelle ich mich damit ganz deutlich außerhalb des Christentums. Denn ich würde alles über Bord werfen, woran Christen seit zweitausend Jahren geglaubt haben – ehrlich gesagt auch die Fundamente des Glaubens.
Oder ich sage: Nein, Jesus war kein Sünder. Dann kann ich ihn aber nicht einfach nur als einen Wanderprediger oder irgendeinen weisen Menschen abtun. Ich muss mich dazu positionieren, wer oder was Jesus tatsächlich ist.
Fangfrage Nummer sechs: Was will der Satan?
Fangfrage Nummer sechs: Was ist die Rolle des Satans?
Jetzt denkst du vielleicht: „Der Satan, mach mal halblang!“ Aber tatsächlich, ja, schau mal hier!
Ich möchte nicht nur über das Böse sprechen, wir kommen auch gleich zum Licht. Denn den christlichen Glauben könnte man in gewisser Weise als den Kampf von Gut gegen Böse zusammenfassen.
Aber kann man sich das Böse so vorstellen, wie es in Kinderdarstellungen oder vielleicht im Mittelalter dargestellt wurde? Also mit zwei Hörnern, Hufen und einem komischen Schweineschwanz? Nein und ja.
Nein, weil das natürlich eine nichtchristliche, heidnische Vorstellung ist. So sieht das Böse in Wirklichkeit nicht aus. Aber ja, insofern, als dass das, was Jesus sagt, für uns gültig und bindend ist. Er sagt ganz klar: Ja, es gibt einen Satan. Und dieser Satan hat reale Macht. Jesus sagt: „Ich habe den Satan vom Himmel fallen sehen wie einen Blitz.“ Da kommst du als Christ nicht dran vorbei.
Was aber auch gesagt wird, ist, dass Satan nicht der Chef der Hölle ist oder so. Satan ist nicht da, um irgendwelche Leute zu quälen. In der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, steht sehr deutlich, dass Satan später selbst verurteilt wird. Es gibt eine letzte Gerechtigkeit.
Das heißt, es gibt sehr wohl eine ausgleichende Gerechtigkeit. Vielleicht nicht jetzt, nicht heute und nicht morgen, aber Gott, der die Gerechtigkeit in Person ist, wird sich darum kümmern. Darauf kannst du Gift nehmen.
Und das ist der Punkt: In der liberalen Theologie wird nicht so viel über das Böse gesprochen, über Dämonen und Engel oder gar den Satan praktisch gar nicht. Vielleicht noch abstrakt über das moralisch Böse und Tugenden, aber über den Satan wird eigentlich nicht gesprochen.
Die Sache ist jetzt aber folgende: Wenn du einen theologischen Club aufmachen willst, mit Leuten, die steif und fest behaupten, dass der Satan nicht existiert, dann solltest du wissen, dass Jesus aus deinem Club austreten wird. Er wird nicht beitreten.
Die Frage ist nur: Willst du Mitglied sein in einem theologischen Club, bei dem Jesus Christus selbst sich fernhält?
Fangfrage Nummer sieben: Was fehlt mir, wenn ich kein Christ bin?
Fangfrage Nummer sieben: Was fehlt mir ohne den christlichen Glauben?
Das ist eine Frage, die für liberale Theologen sehr schwer zu beantworten sein wird. Warum? Weil die liberale Theologie im Kern niemanden ausschließen möchte und auch keinen Anstoß für Nichtchristen geben will.
Diese Frage ist wirklich schwierig. Ich glaube, ich wäre ins Stocken geraten, wenn ich darüber nachdenken müsste. Denn wenn man sagt, es fehlt nichts, dann stellt sich die Frage: Warum soll ich überhaupt Christ sein? Welchen Sinn hat das Christentum? Hat es überhaupt eine Existenzberechtigung? Die logische Antwort darauf wäre wohl „nein“.
Wenn ich hingegen sage, es fehlt mir etwas, stellt sich die Frage: Was genau fehlt? Die Antwort darauf, was einem fehlt, habe ich in einem eigenen Beitrag erklärt. Drückt gerne die Glocke unter diesem Video, dann wird das auch angezeigt.
Kommen wir zur Frage Nummer acht: Ich wäre ins Stocken geraten, wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich lese lieber den Koran als die Bibel. Ist das ein Problem?
Frage Nummer acht: Ist es ein Problem, wenn ich lieber den Koran als die Bibel lese?
Nun ist es so: Du solltest wissen, dass es einerseits einen wichtigen liberalen Landesbischof gibt, der öffentlich erklärt hat, und zwar folgendes. Er sagt, Zitat: „Die Bibel kann nur noch dann als Autorität anerkannt werden, wenn sie in der individuellen Lebensführung als hilfreich, als sinn- und lebenserschließend erfahren wird.“
Dazu müssen wir andererseits einfach mal festhalten: Wenn du mit solchen Sprüchen ankommst und sie verfolgten Christen im Iran, in Nigeria oder in Afghanistan vor die Füße klatschst, dann werden diese gar nicht wissen, was du meinst. Ein solches Statement ist aus meiner Sicht eine klassische westeuropäische Verblendung.
Denn wenn wir entscheiden, was wir von Gottes Wort annehmen, dann machen wir uns zum Richter über Gott und verbieten ihm, dass er über uns richten kann. Das widerspricht sogar direkt dem ersten der Zehn Gebote. Es steht im Gegensatz zum Augsburger Bekenntnis, das eigentlich die Richtschnur des Glaubens sein sollte – auch für evangelische Theologen. Und es widerspricht direkt dem, was Jesus sagt.
Und das ist ja das Entscheidende: Wir Christen wissen doch intuitiv, was die Bibel eigentlich ist. Selbst liberale Theologen, selbst ich damals, haben Losungsbücher verschenkt oder schmücken manche ihrer abstrusen Behauptungen mit Bibelstellen als Begründung. Warum tun wir das? Weil wir instinktiv wissen, wie wichtig die Bibel ist. Sonst würden wir das nicht tun.
Und das ist das entscheidende Problem, wenn ich Muslim bin. Es ist nicht so, dass der Koran nicht stellenweise superschöne arabische Dichtung enthalten kann. Es ist nicht so, dass die arabische Kultur nicht Beiträge von welthistorischer Bedeutung geleistet hat. Und es ist erst recht nicht so, dass man als Muslim angeblich keine guten Taten vollbringen kann – natürlich kann man das.
Sondern das Problem ist: Ich als Muslim bin nicht gerettet. Das ist das Problem. Als Muslim sterbe ich in meinen Sünden, werde beim Jüngsten Gericht nach meinen Sünden beurteilt und komme aufgrund meiner Sünden in die Hölle. Das ist das Problem.
Und das ist kein muslimisches Problem, das ist ein Sündenproblem, das uns alle betrifft. Deshalb brauchen wir ja Jesus, weil nur Jesus unsere Sünden auslöschen kann für das Jüngste Gericht. Darüber müssen wir in größtmöglicher Klarheit sprechen.
Wofür gibt es uns als Kirche denn bitte sonst? Fangfrage Nummer neun: Wie wird das Leid in der Welt enden?
Fangfrage Nummer neun: Wie wird das Leid in der Welt enden?
Wie wird Gott auf das Unrecht in der Welt antworten?
Weißt du, die Lehre von den letzten Dingen, das Verständnis der Endzeit, die sogenannte Eschatologie, ist in der liberalen Theologie so unterbelichtet, dass sie förmlich ausgeblendet wird.
Eine kleine Anekdote: Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich als Student damals eine gesamte halbjährige Vorlesung über Eschatologie, also das Verständnis der Endzeiten und der letzten Dinge, durchgearbeitet hatte – samt einem Lehrbuch. Das Lehrbuch umfasste fünf- bis sechshundert Seiten, lass es mal fünfhundert sein.
Und das sollte eines der Höhepunkte des Studiums sein, auf das ich mich seit Semester eins gefreut hatte. Wirklich, seit ich mich an der Uni eingeschrieben hatte, freute ich mich auf diese Lehrveranstaltung und auf dieses Studium, auf dieses halbe Jahr.
Am Ende endete es jedoch damit, dass der liberale Dozent einen Punkt aus dem Glaubensbekenntnis – also aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis, „Ich glaube an Gott, den Vater usw.“ – weg erklärte und daraus etwas machte, was dem Glaubensbekenntnis einfach widerspricht.
Manche ganz großen Punkte, wie das Jüngste Gericht, hat er nur gestreift. Andere bedeutende Themen, über die man diskutieren könnte, wie die Entrückung oder das tausendjährige Reich, hat er mit keiner Silbe erwähnt. Auch im Lehrbuch kommen sie überhaupt nicht vor – weder im Inhaltsverzeichnis, auf keiner Seite, im Index noch im Wörterverzeichnis hinten.
Und das Ganze erstreckte sich über ein halbes Jahr. Das war die Ausbildung, die wir damals als angehende Pfarrer bekamen, um über diese Dinge zu lernen – das war es. Mehr kam da nicht großartig. Das war wirklich das eine Thema, über das man lernte.
Ich kann gut damit leben, sage ich auch heute noch, dass wir als Christen unterschiedliche Positionen zu diesen Punkten haben. Ja, und das kann man auch gerne diskutieren: Entrückung, ja, nein, vielleicht – alles okay. Aber er hat diese Punkte nicht einmal erwähnt. Und das nicht, weil er ein schlechter Dozent ist – ist er nicht. Er ist ein guter Didaktiker. Und falls Sie jetzt gerade zuschauen: Es war eine gute Lehrveranstaltung, nur vom Inhalt her geht das so nicht.
Der Grund dafür ist, dass das gesamte Thema der Eschatologie in der liberalen Theologie teilweise inexistent ist. Das gibt es überhaupt nicht. Teilweise wird sogar behauptet, dass wir Menschen das Paradies auf Erden irgendwie herbeiführen würden.
Deshalb war auch die Enttäuschung so vieler Menschen mit der liberalen Theologie nach dem Ersten Weltkrieg so groß. Denn jeder – aber auch wirklich jeder – hat mit eigenen Augen gesehen, dass wir Menschen nicht gut sind. Die Geschichte geht nicht immer aufwärts und wird auch nicht immer besser, sondern im Gegenteil: Sie geht eher bergab.
Und weil diese Punkte in der liberalen Theologie so leer sind, hatte ich damals als liberaler Theologe zu Leid und zu Unrecht auch nicht viel Sinnvolles zu sagen.
Wir wissen aber intuitiv in uns drin, dass es eine Antwort darauf gibt. Und Jesus nimmt da auch kein Blatt vor den Mund. Sogar noch mehr: Jesus sagt zu einer Gruppe von Leuten, die sich hauptsächlich auf das Diesseits konzentrieren und ignorieren, dass Gott sie nach ihrem Tod ganz real auferwecken und richten wird, folgendes. Jesus sagt zu denen: „Hymais un polyplanaste“ – auf Deutsch: „Ihr geht stark in die Irre, ihr macht einen schwerwiegenden Fehler.“
Fangfrage Nummer zehn:
Fangfrage Nummer zehn: Was passiert, wenn Jesus wiederkommt?
Du hättest mich fragen können, was passiert, wenn Jesus wiederkommt. Dass Jesus wiederkommt, ist eine der zentralen Glaubensbestandteile des Christentums. Das sagt Jesus selbst immer wieder. Auch in den apostolischen Briefen und in der Offenbarung ist dieses Thema ein Kernthema.
Im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Aber was genau wird dann eigentlich passieren?
Dieses Thema, dass Jesus wiederkommt, wird in der liberalen Theologie kaum behandelt. Was laut Bibel passieren wird, wenn Jesus wiederkommt, und auch das ganze Thema Entrückung – dazu bereite ich gerade einen eigenen Beitrag vor.
Du kannst gern die Glocke unter diesem Video drücken und einen Kommentar schreiben. Dann weiß ich, wie viele Leute sich das wünschen und wie schnell ich den Beitrag herausbringen soll.
Fangfrage Nummer elf.
Fangfrage Nummer elf: Was bedeutet Gottesfurcht?
Jesus sagt, wir sollen Gott fürchten. Was bedeutet das? Gottesfurcht.
Gottesfurcht ist einer der zentralen Bestandteile in der Geschichte des Christentums. Die frühen Christen hatten diesen Respekt und diese Ehrerbietung gegenüber Gott stets tief in ihrem Glauben verankert. In der liberalen Theologie hingegen findet man das kaum. Dort heißt es meist nur, Gott sei Liebe, und man solle nicht richten. Dabei gibt es in der Bibel noch viele weitere Stellen, die das Thema Gottesfurcht behandeln. Jesus selbst spricht sogar häufiger davon, dass wir Gott fürchten sollen, als dass er nur Liebe sei.
Natürlich ist Gott Liebe, aber er ist auch Gerechtigkeit. Dieses Zusammenspiel wird in der liberalen Theologie oft ausgeblendet. Gleichzeitig wissen wir, dass Gott Respekt gebührt. In uns allen steckt ein Instinkt der Gottesfurcht. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was Gottesfurcht eigentlich bedeutet.
Diese Frage hätte mich damals wirklich zum Nachdenken gebracht. Ich hätte erkannt, dass Gottesfurcht ein großes und wichtiges Thema ist. Ich hätte mich gefragt: Habe ich diese Gottesfurcht? Lehre ich sie?
Eine weitere Frage, die sich stellt, ist: Wäre es ein Problem, wenn Jesus nicht auferstanden wäre?
Frage Nummer zwölf: Wäre es ein Problem, wenn Jesus nicht auferstanden wäre?
Die EKD, die Evangelische Kirche in Deutschland, sagt in einem sehr wichtigen Grundlagentext, Zitat: Ob das Grab von Jesus, ob das historische Grab von Jesus voll oder leer ist, ist nicht wichtig. Wörtliches Zitat.
Warum sagt man das? Ich vermute, man sagt es, weil man niemanden ausschließen will. Das klingt erst einmal sehr inklusiv, weißt du? Damit sind erst einmal alle Leute an Bord – diejenigen, die denken, das Grab sei voll, und diejenigen, die glauben, es sei leer. Es wird also erst einmal niemand ausgeschlossen.
Aber wenn ich damals darüber nachgedacht hätte: Wenn das Grab von Jesus voll ist, dann ist Jesus tot, liegt dort oder ist schon verwest, und so weiter. Dann ist Jesus nicht auferstanden. Dann ist unsere komplette Weltanschauung, wie Paulus das sagt, komplett umsonst.
Warum? Weil es dann keinen Beweis dafür gibt, dass Jesus wirklich der ist, der er gesagt hat, dass er ist. Wenn ich damals darüber nachgedacht hätte, weißt du: Wenn das Grab von Jesus voll ist, dann heißt das, sein Leichnam liegt dort oder er verwest oder wie auch immer. Dann heißt das, dass Jesus tot ist – und dann ist er nicht auferstanden. Und dann ist unsere komplette Weltanschauung, wie Paulus sagt, vollständig umsonst.
Ich damals habe mich bei dieser Frage als liberaler Theologe herausgeredet mit Sätzen wie: „Ja, das wird man nie klären können“ oder „Niemand weiß, ob das Grab leer ist, obwohl man das historisch sehr genau und sehr wohl wüsste. Ich wüsste es nur nicht.“ So habe ich gesagt: Niemand weiß es, weil ich es nicht weiß, ja.
Aber wenn du mir diese und weitere Fragen damals gestellt hättest, ja, dann hättest du mich empfindlich getroffen – und das ist gut. Damit hättest du mich konstruktiv nachdenklich gemacht. Und das hätte ich damals gebraucht.
