
Was passiert, wenn ein uns vertrautes Haustier entläuft? Wenn der Hamster ausbüxt und sich plötzlich draußen aufhält, wo das Klima noch sehr unbeständig ist? Für den Hamster ist das wahrscheinlich keine gute Situation.
Die Frage, die sich dabei stellt, lautet: Weißt du, wo du zu Hause bist? Und in wessen Hand du geborgen bist?
Die Pilgerreise als geistliches Gleichnis
Zu den bedeutendsten Werken der englischen Literatur gehört zweifelsohne „The Pilgrim’s Progress“, also die Pilgerreise von John Bunyan, dem Kesselflicker von Bedford, die erstmals 1678 erschienen ist.
Ich möchte an dieser Stelle nicht abfragen, wer das Buch als Pflichtlektüre für Christen gelesen hat. Wenn man es liest, wird man es mit großem Gewinn tun. Denn in dem Buch finden sich viele Einzelheiten, die auf unser geistliches Leben zutreffen. Es ist ein echter Augenöffner und beschreibt viele biblische Wahrheiten sehr anschaulich in einer Geschichte.
In einem der Kapitel gehen Christ, der Hauptdarsteller, und sein Freund Hoffnungsvoll auf einem Weg, der entlang des Stroms des lebendigen Wassers führt. Es ist ein guter Weg. Irgendwann allerdings büchsen sie aus. Sie steigen über einen Zaun und begeben sich auf die Abwegwiese.
So bin ich auf das Thema gekommen: die Abwegwiese, die bequem erscheint und auf der man weich gehen kann. Doch dann kommt ein Unwetter auf. Es gewittert, es gibt Überschwemmungen, und so finden sie den Weg nicht zurück zur Straße. Das hat zur Folge, dass sie die Nacht irgendwo verbringen müssen, ohne zu wissen, wo sie sich befinden.
Sie müssen auf dem Gelände des Riesens Verzweiflung übernachten. Am nächsten Morgen findet der Riese sie und verschleppt sie in seine Zweifelsburg. Die Frau des Riesen heißt Misstrauen. Sie bringt ihren Mann dazu, Christ und Hoffnungsvoll zu verprügeln.
Das ist eine von den Wahrheiten, die wir in der Pilgerreise finden: So kann es gehen, wenn wir auf Abwege geraten.
Davids Abweg und seine Flucht ins Philisterland
Im Grunde genommen ist das die Geschichte von David, die uns in der Bibellese in der nächsten Woche beschäftigen wird. Sonst hätte ich mir den Text wahrscheinlich auch nicht ausgesucht: 1. Samuel 27.
Es ist ein unrühmliches Kapitel in der Biografie Davids. David ist eben nicht nur ein Überflieger, ganz im Gegenteil. Diesmal ist er untergetaucht im Philisterland.
Wir wollen mal die ersten vier Verse aus diesem 27. Kapitel, 1. Samuel 27, miteinander lesen. Da steht: „Und David dachte in seinem Herzen: Nun werde ich doch eines Tages durch die Hand Sauls umkommen. Es gibt nichts Besseres für mich, als eiligst in das Land der Philister zu entrinnen. Dann wird Saul von mir ablassen, mich weiter im ganzen Gebiet Israels zu suchen, und ich werde seiner Hand entrinnen.“
So machte sich David auf und ging mit sechshundert Mann, die bei ihm waren, zu Achisch, dem Sohn des Maoch, des Königs von Gad, über. Und David blieb bei Achisch in Gad, er selbst und seine Männer, jeder mit seinem Haus, David und seine beiden Frauen, Ahinoam, die Jesraeliterin, und Abigal, die Frau des Nabal, die Karmeliterin.
Als Saul berichtet wurde, dass David nach Gad geflohen war, suchte er ihn nicht länger. Den siebten Vers lese ich noch dazu: „Die Zeit aber, die David im Gebiet der Philister wohnte, war ein Jahr und vier Monate.“
David, ohne festen Wohnsitz, ist seit mehreren Kapiteln auf der Flucht, falls ihr die Bibellese verfolgt. In 1. Samuel ist Saul ihm stets mit einer kleinen Armee auf den Fersen. Selbst die Harfe ist verstimmt, wenn es wieder heißt: „Am nächsten Morgen aufbrechen, wir müssen weiter, wir müssen davonkommen.“
Irgendwann ist David die ganze Sache leid. Er steigt aus, indem er sozusagen über den Zaun steigt, und er wählt damit die Abwegwiese. Das Ergebnis sind sechzehn lange Monate – ein Jahr und vier Monate – des Ungehorsams, sechzehn Monate Elend und sechzehn Monate, die fast das vorzeitige Ende von David bedeutet hätten.
Die Gefahr, dem eigenen Herzen zu vertrauen
Wie kommt es, dass der große David, der doch für uns alle ein Glaubensvorbild ist, einen solchen Fehler begeht? Nun, wir beachten, wie dieses Kapitel beginnt: Und David dachte in seinem Herzen.
Wenn Leute dir sagen, hör auf dein Herz, dann hör nicht auf sie. David dachte in seinem Herzen. Die Bibel warnt uns vor unserem Herzen. In Jeremia 17,9 lesen wir: „Trügerisch ist das Herz, trügerisch mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?“
Vertraust du jemandem, von dem bekannt ist, dass er trügerisch ist und die Leute über den Tisch zieht? Vertraust du so jemandem? Vertraust du jemandem, mit dem man sich nicht auskennt, so wie es hier von unserem Herzen heißt? Wahrscheinlich nicht.
Der Herr Jesus hat gesagt in Markus 7,21-23: „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen böse Gedanken hervor.“ Dann folgt eine lange Liste von Untugenden, die mit Torheit endet.
Sei nicht so dumm, deinem Herzen zu folgen. Unser Herz sagt schnell Dinge wie „Meine Gemeinde ist tot“ oder „Gott kümmert sich nicht um mich“ oder auch Sätze wie „Einmal ist keinmal“, wenn es um Abwege geht. Aus unserem Herzen kommen eben nicht nur gute Gedanken, sondern eine ganze Menge böser Gedanken, wie Jesus das sagt. Und das stimmt auch mit unserer Erfahrung überein.
Die Nachricht, die jetzt von Davids Herzen zu seinem Hirn gesandt wird, lautet: „Nun werde ich doch eines Tages durch die Hand Sauls umkommen.“ Eigentlich hätte das sofort als eine Falschmeldung identifiziert und in den Spamordner geschoben werden müssen.
„Ich werde eines Tages durch die Hand Sauls umkommen“ – David hätte es eigentlich besser wissen müssen. Samuel hatte ihn ja bereits in 1. Samuel 16 gesalbt. Dieser große Gottesmann hatte ihm zugesagt, dass er der nächste König über Israel werden würde, und Gott hatte das immer wieder bestätigt.
In Kapitel 23 ist es Jonathan, der eigentliche Thronfolger, der ihm seine Waffenrüstung gibt und ihn, seinen Freund David, sozusagen krönt. Er versichert das auch verbal: „Du bist“ oder „Du wirst König über Israel werden“ (1. Samuel 23,17).
Auch Abigail bestätigt das, wie es aktuell in der Bibel zu lesen ist. Diese tapfere Frau bestätigte also durch Gott, und Gott bestätigte es David damit, dass ihm die Herrschaft über Israel gegeben werde (1. Samuel 25,30).
Der Gegensatz zwischen Gottes Zusagen und menschlichem Zweifel
Verheißungen und Zusagen Gottes zu haben und ihnen zu glauben, scheint zweierlei zu sein.
Angesichts seiner Mörder hat Jesus einmal gesagt: „Sie wissen nicht, was sie tun.“ Angesichts abtrünniger Jünger müsste er sagen: „Aber sie tun nicht, was sie wissen.“
Wir haben viele Zusagen und auch wertvolle Anweisungen in Gottes Wort. Weitestgehend kennen wir als Christen den groben Weg, den Gott uns führen möchte. Doch manchmal tun wir nicht das, was wir wissen.
David jedenfalls ignoriert alle Zusagen, die Gott ihm gegeben hat. Er sagt sich: „Ich werde in Sauls Hände fallen, ich werde nie über Israel herrschen, niemals.“ Gottes Plan scheint gescheitert zu sein. David glaubt, gescheitert zu sein – auch vor Gott. Deshalb nimmt er sein Leben selbst in die Hand.
Woher kommt dieser Pessimismus? Pessimistische Gedanken kommen niemals von Gott. Sie kommen immer aus unserem Herzen. So wie David geht es vielen.
Vielleicht bist du irgendwann einmal Christ geworden und bist einen guten Weg gegangen – so entlang des Stroms des lebendigen Wassers, sozusagen. Doch irgendetwas ist plötzlich anders gelaufen, anders als du es erwartet hast. Irgendwie bist du enttäuscht und entmutigt.
In diesem geknickten seelischen Zustand triffst du leicht eine dumme Entscheidung, eine, die schwerwiegende Folgen hat. Du entfernst dich von Gott und zahlst einen hohen Preis.
Die Folgen von Davids Entscheidung und die Verantwortung für andere
Es gibt für mich nichts Besseres, als eilig in das Land der Philister zu fliehen. Dann wird Saul von mir ablassen. So ganz unlogisch ist dieses Vorhaben nicht, wenn wir bedenken, was Davids Motiv war. Natürlich würde Saul im Feindesland am wenigsten nach David suchen. Rein strategisch war es also ein guter Schachzug, sich dort zu verstecken. David tarnt sich.
Doch dass er sich tarnt, bedeutet auch, dass er innerlich gläubig bleibt, aber nach außen hin plötzlich einer der Philister ist. Er hat sich angepasst und sieht aus wie ein Ungläubiger. Vielleicht denkst du, das sei deine Entscheidung, und du wirst diesen Weg gehen und mit den Folgen leben. Doch Vorsicht: So etwas ist niemals eine Privatangelegenheit. Du wirst andere damit mit hineinziehen.
Der Römerbrief sagt: Keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Du kannst dir sicher sein, dass niemand nur für sich selbst sündigt. Jede Sünde, so verborgen sie auch sein mag, wird irgendwann andere betreffen, belasten und beschädigen.
Wir haben gelesen: So machte sich David auf und ging mit sechshundert Mann, die bei ihm waren, zu Achisch, dem Sohn von Mauch, dem König von Gad, und David blieb bei Achisch. Er brachte sich selbst und seine Männer mit, jeder mit seinem Haus, ebenso David und seine beiden Frauen.
David geht diesen falschen Weg nicht alleine. Er ist der Kommandeur einer Guerillagruppe, und diese sechshundert treuen Männer folgen ihm vertrauend – trotz seiner Abhängigkeit von Gott, aber auch in seinen Fähigkeiten. Nicht nur seine Kämpfer gehen mit, sondern auch deren Familien, das heißt jeder mit seinem Haus. Dann sind da noch David und seine beiden Frauen, Achinoam und Abigail – das ist Davids Familie zusammen mit sechshundert weiteren Haushalten.
Sie alle gehen einen falschen Weg, weil einer auf sein Herz gehört hat, statt auf Gott. Wenn du glaubst, du kannst Kompromisse mit der Sünde eingehen, ohne andere damit zu belasten, täuscht du dich. Du lebst nicht unabhängig. Jeder von uns ist Teil eines Geflechts von Menschen, die wir beeinflussen.
Wenn du eine falsche Entscheidung triffst oder einen Weg einschlägst, der nicht Gottes Plan entspricht, betrifft das auch andere Menschen. Das sind diejenigen, die dir vertrauen, auf dich angewiesen sind oder zu dir aufschauen. Besonders groß ist die Verantwortung, wenn du verheiratet bist und Kinder hast. Obwohl andere unschuldig sind, werden sie von deiner sündigen Entscheidung beeinflusst.
Ich habe in der Nähe von Köln einen Gemeindegründer kennengelernt – einen sehr konservativen, fast schon beängstigend konservativen amerikanischen Pastor, der dort Gemeindearbeit geleistet hat. Aus heiterem Himmel ließ er seine Frau und vier Kinder sitzen, um bei einer anderen Frau einzuziehen. Er argumentierte: „Ich weiß, dass ich sündige, aber ich will das jetzt so.“ So hatte er es gerechtfertigt.
Nach meiner Einschätzung hat sich die Gemeinde bis heute von diesem Schock nicht erholt. Ein Mann, zu dem sie aufgeschaut hatte, der die Gemeinde leitete, ging plötzlich einen solchen Weg. Für viele brach eine Welt zusammen.
David steuert Gad an. Erinnerst du dich an Gad? Wenn du die Bibellese verfolgst, waren wir schon einmal dort. In 1. Samuel 21,11 ist Goliath von Gad erwähnt. Nun geht David mit Achisch, dem König von Gad, mit dem Erzfeind ein Bündnis ein. Mit dem Feind zu paktieren ist wie wenn die Gans mit dem Fuchs in eine Wohngemeinschaft zieht – man kann davon ausgehen, dass sie Federn lassen wird.
Und genau das ist hier der Fall: David bleibt bei Achisch in Gad. Als Saul berichtet wird, dass David nach Gad geflohen ist, sucht er ihn nicht länger. Im ersten Moment scheint der Plan tatsächlich aufzugehen. Saul gibt die Verfolgung auf.
Davids Männer können nachts endlich wieder schlafen, die Frauen können ihre Koffer auspacken, man kann eine Zeit lang an einem Ort bleiben und es sich dort heimisch machen. Der Druck ist weg – was für eine Erleichterung! Sünde bringt vorübergehend ein gutes Gefühl. Ungehorsam hat seine erhebenden Momente, sonst würden wir es nicht tun.
Wenn Sünde so heiß wie eine Herdplatte wäre, würden wir sie nur einmal anfassen und nie wieder. Aber es gibt diese schönen Momente, Zeiten, in denen wir Sünde genießen. Doch diese Zeiten sind kurzlebig und bringen niemals letzte Befriedigung.
David sagte zu Achisch: „Wenn ich denn Gunst in deinen Augen gefunden habe, dann gib mir einen Platz in einer deiner Städte“, so heißt es in Vers 5. Am Ende sagt er: „Denn wozu soll dein Knecht bei dir in der Königsstadt wohnen?“ Es ist unfassbar, dass sich David hier als Knecht, als Diener von Achisch bezeichnet.
David war doch schon auf der Überholspur an Saul vorbei. Statt sich zum König machen zu lassen – das hatte er in Aussicht –, macht er sich selbst zum Knecht des Feindes. Was hat Gott mit uns vor? Könige und Priester werden wir im Neuen Testament genannt, und doch sind wir so oft Knechte der Sünde.
Als solcher tut David Dinge, die er zuvor nie getan hätte. Am Dienstag ist Kapitel 27 dran. Ich predige das hier, damit wir in der Bibellese nächste Woche noch einmal an das, was wir gehört haben, erinnert werden.
Du wirst dort lesen, in Versen 8, 9 und 12: Er ermordet, er raubt, er lügt – David, dieses große Vorbild. Er wäre sogar bereit gewesen, gegen sein eigenes Volk zu kämpfen. Hast du schon einmal schlecht über deine Gemeinde gesprochen, also über dein eigenes Volk? Dann bist du schon tief gesunken.
Wenn du dich für einen ungehorsamen Lebensweg entscheidest, wirst du anfangen, die Sache des Feindes zu unterstützen. Du wirst ihm als Knecht dienen und sein böses Ziel unterstützen – ob du das willst oder nicht. Am Anfang erscheint das wie Spielerei, aber so etwas kann zur Gewohnheit werden.
Man ist ja nicht weit weg. Diese Abwegwiese führt zunächst parallel zum richtigen Weg und lässt sich bequem gehen. Aber schnell wird die Spielerei zur Gewohnheit und endet manchmal in einer Sucht. Dann bist du der Sündeknecht geworden.
Wer Sünde tut, sagt Jesus in Johannes 8,34, ist der Sündeknecht. Achisch gab David an diesem Tag Ziklag, eine kleine Siedlung. Die Zeit, die David im Gebiet der Philister wohnte, dauerte ein Jahr und vier Monate.
Eine weitere Folge ist, dass der Kompromiss lange dauern kann. Du denkst vielleicht: Kein Problem, ein, zwei Tage liebäugle ich mit der Sünde, und dann bin ich wieder voll dabei. Was bedeuten ein paar Tage im Vergleich zu einem ganzen Leben, in dem ich gehorsam und konsequent meinen Dienst in der Gemeinde getan habe?
Leider funktioniert das nicht so. Abwege sind magnetisch. Sünde führt dich immer weiter, als du gehen wolltest, hält dich länger, als du bleiben wolltest, und kostet dich mehr, als du zahlen wolltest.
John Bunyan schreibt: Nachdem die Pilger abtrünnig geworden waren, ist es viel leichter, einen guten Weg zu verlassen, als ihn wieder zu erreichen. David geht auf der Abwegwiese weiter und weiter und zahlt mehr, als er eigentlich zahlen wollte.
Es kostet ihn seine Identität. Er hat sein eigenes Volk verlassen, und vom Volk der Philister wird er kritisiert. Sie verteidigen David zwar, sagen aber: „Wir wollen ihn nicht länger hier haben, wir vertrauen ihm nicht.“
David wird zu einem Mann ohne Land, zu einem Heimatlosen. Wenn du auf Abwege gerätst, verlierst du deine Identität. Du weißt nicht mehr, wo du stehst, welche Rolle du hast und ob sie überhaupt noch eine Bedeutung hat. Das sind schwierige Fragen im Leben, auf die du keine Antwort findest.
David befindet sich in einer Identitätskrise: weder Fisch noch Fleisch, weder Philister noch Israelit. Manchmal sind wir geistlich und gleichzeitig fleischlich – ein fleischlicher Christ ist ein Widerspruch. Er fühlt sich weder bei Gott zuhause noch in der Welt wirklich wohl.
Das ist kein schöner Zustand, in dem sich David und auch wir manchmal befinden. Und was kostet es ihn noch? Es kostet ihn seine Zufriedenheit. David kämpft nicht nur gegen die Amalekiter, sondern auch gegen Enttäuschung.
Wenn man von Gott weggeht, scheint das erst befreiend zu sein. Aber nach einer Weile flattern die Rechnungen ins Haus, und du musst für deine Entscheidungen bezahlen. Sobald es ums Zahlen geht, setzt die Enttäuschung ein.
Es kostet David Haus und Hof, wie in Kapitel 30 beschrieben. Er kommt von einem kleinen Feldzug zurück, reitet über einen Berg, und vor ihm liegt die Stadt Ziklag, wo er mit seiner Familie ein Lager gefunden hatte. Der gesamte Ort ist niedergebrannt.
Noch schlimmer: Alle Frauen und Kinder sind vom Feind verschleppt worden, von den Amalekitern – dem Volk, das David zuvor beraubt hatte. David und seine Männer weinen, bis keine Träne mehr in ihnen ist.
In Kapitel 30,6 heißt es: „David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen.“ Das ist eine ganz tiefe Phase in Davids Biografie. Die Seele des ganzen Volkes war erbittert, jeder war erbittert wegen seiner Söhne und Töchter.
Es kostet David letztlich das Vertrauen. Die Leute, die ihm als Anführer vertraut hatten, werden misstrauisch. Misstrauen ist, wie ich am Anfang gesagt habe, die Frau des Riesen Verzweiflung.
Glaubst du wirklich, dass Sünde ihren Preis wert ist? Lohnt es sich, deinen guten Ruf zu verlieren, deine Familie aufs Spiel zu setzen oder deinen Dienst für Gott?
Ich glaube, dass man auch in meinem Dienst, wo ich junge Leute oder Gemeindemitglieder begleite, geistliche Durststrecken spürt. Bernd Sinclair erzählt von einem Schüler, der einen Ferienjob bekam. Er sollte die Begrenzungslinien auf einer Schnellstraße ausbessern.
Am ersten Tag malte er fröhlich die Linien auf acht Kilometern, am zweiten Tag drei Kilometer, am dritten Tag einen Kilometer, am nächsten Tag dreihundert Meter und dann nur noch zwei Meter.
Der Chef rief ihn herbei und sagte, dass er am ersten Tag den Firmenrekord aufgestellt hatte. Er war stolz auf seinen neuen Mitarbeiter, aber am letzten Tag war er der Schlechteste. Der Chef fragte: „Was ist das Problem, Junge?“
Der Schüler antwortete: „Ich entfernte mich halt immer weiter vom Eimer.“ Wenn wir nicht nah am Eimer bleiben, verlieren auch wir unsere Effektivität.
Verstehst du? Diese Abwegwiese führt allmählich weg, immer weiter. Wir merken das nicht, weil es dunkel um uns herum ist. Wenn dann noch Gewitter und Überschwemmungen die Straße blockieren, siehst du nichts mehr, du blickst nicht mehr durch und verlierst deine Effektivität.
Unser Eimer ist Jesus. Wenn du nicht nah bei ihm bleibst, verlierst du die Fähigkeit, im Heiligen Geist zu wirken und das Leben anderer positiv zu beeinflussen.
Nun, Davids Geschichte endet am Ende gut, und ich bin erleichtert, euch das abschließend mitteilen zu können. Kapitel 30, Vers 6 beginnt mit dem Satz: „David war in großer Bedrängnis“ und endet mit: „Aber David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.“
Der Herr gibt seine Kinder wieder in die Hand seines Herrn zurück. Darauf wartet Gott. Meistens ist das gar nicht das, was wir uns von Gott wünschen. Wir wollen, dass Gott handelt – und zwar lieber jetzt als morgen oder nächstes Jahr.
Aber Gott wartet manchmal. Er handelt nicht immer sofort, sondern oft wartet er. Er geht nicht mit auf Abwege, sondern wartet darauf, dass du zurückkommst.
Zum ersten Mal nach sechzehn Monaten schaut David zum Herrn auf. Und Gott? Er reagiert nicht so, wie Menschen es tun würden: „David, du bist zu weit gegangen, ich suche schon einen anderen Bewerber.“
Nein, weil David aufrichtig zu Gott kommt, verzeiht der Herr ihm sofort.
Was tust du, wenn dir die Freude verloren gegangen ist und du stattdessen Trübsal bläst? Bist du mit deinem Christsein zufrieden, oder gibt es immer wieder diese Abwege? Stört es dich, dass du immer wieder versuchst, dein Gewissen für einen Abend, eine Woche oder einen Monat abzuschalten, um alles Verbotene auszuprobieren, vor dem man dich immer gewarnt hat?
Viele tun das. Viele tun es, als sei die Sünde es wert. Aber das stimmt nicht. Für eine kurze Zeit lässt sich auf dem Gras der Abwegwiese leicht und bequem wandern. Aber sie führt zum Riesen der Verzweiflung.
Deshalb: Kehre um, komm nach Hause! Der Vater wartet auf dich. Er ist bereit, dir zu vergeben, so wie er die Arme geöffnet hat und sogar dem verlorenen Sohn entgegenlief.
So will er auch dich in seine Arme schließen und dich wieder in deine Position als sein Kind hineinbringen. Stärke dich in dem Herrn, deinem Gott, wie es hier heißt: 1. Samuel 30,6.
Verlasse die Abwegwiese und verlasse dich voll und ganz auf Jesus. Amen.
Die Eskalation des Ungehorsams und seine Folgen
Am Dienstag steht Kapitel 27 auf dem Programm. Ich predige darüber, damit wir uns bei der Bibellese nächste Woche noch einmal an das erinnern, was wir gehört haben.
Du wirst in den Versen 8, 9 und 12 lesen: Er ermordet, er raubt, er lügt – David, dieses große Vorbild. Er wäre sogar bereit gewesen, gegen sein eigenes Volk zu kämpfen. Hast du schon einmal schlecht über deine Gemeinde gesprochen, also über dein eigenes Volk? Dann bist du schon tief gesunken.
Wenn du dich für einen ungehorsamen Lebensweg entscheidest, wirst du anfangen, die Sache des Feindes zu unterstützen. Du wirst ihm als Knecht dienen und sein böses Ziel fördern – ob du das willst oder nicht. Am Anfang wirkt das vielleicht wie eine Spielerei, aber so etwas kann zur Gewohnheit werden.
Man ist ja nicht weit weg. Diese Abwegwiese führt zunächst einmal parallel zu deinem Weg und lässt sich bequem gehen. Doch schnell wird die Spielerei zur Gewohnheit und endet manches Mal in einer Sucht. Dann bist du der Sündeknecht geworden. Wer Sünde tut, sagt Jesus in Johannes 8,34, ist der Sündeknecht.
Achisch gab David an diesem Tag Ziklag, eine kleine Siedlung. Die Zeit, die David im Gebiet der Philister wohnte, betrug ein Jahr und vier Monate. Eine weitere Folge ist, dass der Kompromiss lange dauern kann.
Du denkst vielleicht: Kein Problem, ein, zwei Tage ein bisschen mit der Sünde liebäugeln, und dann bin ich wieder voll dabei. Was bedeuten schon ein paar Tage im Vergleich zu einem ganzen Leben, in dem ich gehorsam und konsequent in der Gemeinde meinen Dienst getan habe? Leider funktioniert das nicht so.
Abwege sind magnetisch. Sünde führt dich immer weiter, als du gehen wolltest. Sie hält dich länger, als du bleiben wolltest, und sie kostet dich mehr, als du zahlen wolltest.
Nachdem die Pilger abtrünnig geworden waren, heißt es bei John Bunyan: Wie viel leichter ist es, einen guten Weg zu verlassen, als ihn wieder zu erreichen. Er geht also auf der Abwegwiese weiter und weiter und zahlt mehr, als er eigentlich zahlen wollte.
Identitätsverlust und tiefe Enttäuschung
Es kostet ihn seine Identität. Er hat sein eigenes Volk verlassen und wird nun vom Volk der Philister kritisiert. Ach, ich verteidige David und seine Leute, sagen sie, aber gleichzeitig fügen sie hinzu: „Wir wollen ihn nicht länger hier haben, wir vertrauen ihm nicht.“
Das bedeutet, David wird zu einem Mann ohne Land, zu einem tatsächlich Heimatlosen auf Abwegen. Wenn du deine Identität verlierst, weißt du gar nicht mehr, wo du eigentlich stehst, welche Rolle du hast und ob diese Rolle überhaupt noch eine Bedeutung spielt. Das sind manchmal schwierige Fragen im Leben, auf die du keine Antwort findest.
David befindet sich hier in einer Identitätskrise. Er ist weder Fisch noch Fleisch, weder Philister noch Israelit. Manchmal sind wir wie Geist oder Fleisch – ein fleischlicher Christ ist ja ein Widerspruch in sich. Ein solcher fühlt sich weder bei Gott zu Hause, noch wird er in der Welt draußen wirklich glücklich. Das ist kein schöner Zustand, in dem sich David und auch wir manchmal befinden.
Und was kostet es ihn noch? Es kostet ihm seine Zufriedenheit. David kämpft nicht nur gegen die Amalekiter, sondern auch gegen Enttäuschung. Wenn man von Gott weggeht, scheint das zunächst befreiend zu sein. Doch nach einer Weile kommen die Rechnungen ins Haus, und dann musst du für deine Entscheidungen bezahlen. Sobald es ums Zahlen geht, setzt die Enttäuschung ein.
Es kostet David Haus und Hof – das ist dann schon in Kapitel 30. Er kommt über den Berg geritten, von einem kleinen Feldzug zurück, und vor ihm liegt die Stadt Ziklag, wo er mit seiner Familie ein Lager gefunden hatte. Der gesamte Ort ist niedergebrannt. Noch schlimmer ist, dass alle Frauen und Kinder vom Feind verschleppt wurden – von den Amalekitern, dem Volk, das David vorher beraubt hatte.
David und seine Männer weinen, bis keine Träne mehr in ihnen ist. Dann heißt es in Kapitel 30,6: „Und David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen.“
Seht ihr, das ist eine ganz tiefe, tiefe Phase in der Biografie von David. Die Seele des ganzen Volkes war erbittert. Jeder war erbittert wegen seiner Söhne und Töchter.
Es kostet David letztendlich das Vertrauen seiner Leute, die ihn als ihren Anführer vertraut hatten. Sie werden misstrauisch und beginnen zu zweifeln. So heißt die Frau des Riesen „Verzweiflung“, wie ich am Anfang gesagt habe.
Die Frage nach dem Wert der Sünde
Glaubst du wirklich, dass Sünde ihren Preis wert ist? Lohnt es sich, deinen guten Ruf dafür zu riskieren? Oder deine Familie aufs Spiel zu setzen? Oder deinen Dienst für Gott?
Ich glaube, dass man auch in meinem Dienst, in dem ich jungen Leuten oder Gemeindemitgliedern diene – sowohl Jung als auch Alt – geistliche Durststrecken spüren kann.
Bernd Sinclair erzählt von einem Schüler, der einen Ferienjob bekam. Er sollte die Begrenzungslinien auf einer Schnellstraße ausbessern. Am ersten Tag malte er fröhlich die Linien auf einer Länge von acht Kilometern. Am zweiten Tag strich er drei Kilometer, am folgenden Tag einen Kilometer, am nächsten Tag dreihundert Meter und dann nur noch zwei Meter.
Der Chef rief ihn herbei und sagte, dass er am ersten Tag den Firmenrekord aufgestellt hatte. Er war eigentlich sehr stolz auf seinen neuen Mitarbeiter. Am letzten Tag jedoch war er der Schlechteste. Der Chef fragte: „Was ist das Problem, Junge?“ Der Schüler antwortete: „Ich entfernte mich halt immer weiter vom Eimer.“
Wenn wir nicht nah am Eimer bleiben, verlieren auch wir unsere Effektivität. Verstehst du? Diese Abwegigkeit führt allmählich weg, aber es wird immer weiter und weiter. Wir merken das nicht, weil es dunkel um uns herum ist. Dann kommt ein Gewitter, die Straße wird überschwemmt, du siehst nicht mehr richtig durch und verlierst deine Effektivität.
Unser Eimer ist Jesus. Wenn du nicht nah bei ihm bleibst, wirst du deine Fähigkeit verlieren, im Heiligen Geist zu wirken und auch das Leben anderer positiv zu beeinflussen.
Hoffnung und Rückkehr zu Gott
Nun, Davids Geschichte endet gut, und ich bin erleichtert, euch das abschließend mitteilen zu können.
Kapitel 30, Vers 6 beginnt mit dem Satz: „David war in großer Bedrängnis, doch David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.“ Der Herr bringt ihn wieder in seine Hand, und darauf wartet Gott. Meist ist das gar nicht unbedingt das, was wir uns von Gott wünschen. Wir wollen immer, dass Gott handelt – und zwar lieber jetzt als morgen oder nächstes Jahr. Aber Gott wartet manchmal.
Er handelt nicht immer sofort, sondern oft wartet er. Er geht nicht mit auf Abwege, sondern wartet darauf, dass du zurückkommst. Zum ersten Mal nach sechzehn Monaten schaut David zum Herrn auf. Und Gott? Er reagiert nicht so, wie Menschen reagieren würden: „David, du bist ein bisschen zu weit gegangen, du hast eine rote Linie überschritten, ich suche schon nach einem anderen Bewerber.“ Nein. Weil David aufrichtig zu Gott kommt, verzeiht ihm der Herr sofort.
Was tust du, wenn dir die Freude verloren gegangen ist und du stattdessen Trübsal bläst? Bist du mit deinem Christsein zufrieden, oder gibt es immer wieder diese Abwege? Stört es dich, dass du es immer wieder versuchst? Versuchst du dann, dein Gewissen für einen Abend, eine Woche oder einen Monat abzuschalten, um alles Verbotene auszuprobieren, vor dem man dich immer gewarnt hat?
Viele tun das. Viele tun es, als wäre die Sünde tatsächlich wertvoll. Aber das stimmt nicht. Für eine kurze Zeit lässt sich das Gras auf der Abwegwiese leicht und bequem betreten, aber es führt letztlich zum Riesen der Verzweiflung.
Deshalb: Kehr um, komm nach Hause! Der Vater wartet auf dich und ist bereit, dir zu vergeben. So wie er die Arme ausgebreitet hat oder sogar dem verlorenen Sohn entgegengelaufen ist, so will er auch dich in seine Arme schließen. Er will dich wieder in deine Position als sein Kind bringen. Stärke dich in dem Herrn, deinem Gott, wie es hier heißt: 1. Samuel 30,6.
Verlass die Abwegwiese und verlasse dich voll und ganz auf Jesus. Amen.