
Podcast: Karneval und die Erwartung der Wiederkunft Jesu
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Einführung in das Thema Karneval und seine Bedeutung
Hi und herzlich willkommen bei Deep Talk! Heute haben wir eine neue Sendung von Frag' den Kotsch, und natürlich darf dabei Kotsch nicht fehlen. Hallo Michael, ich bin Jonas, das ist Johanna, und wir fangen an mit einer wichtigen Frage, die heute sehr aktuell ist – wahrscheinlich nicht mehr ganz so aktuell, wenn du diese Sendung hörst. Es ist hoffentlich kein Problem für dich.
Es geht nämlich um Karneval und um die Geschichte des Karnevals. Das nur als kleiner Überblick, den Michael uns gleich erzählen wird. Vor allem geht es darum, was die einzelnen besonderen Tage mit sich bringen, also welche Besonderheiten diese Tage haben.
Michael, vielleicht kannst du schon mal einen kleinen Einblick geben: Was ist Karneval eigentlich, und wie ist er historisch gewachsen?
Ja, oder vielleicht fange ich einfach einmal damit an: Ich war gerade beim Karneval. Und zwar in Köln, so richtig mitten in der Stadt, alles voll von Leuten, die verkleidet waren. Die meisten hatten Bier in der Hand, manche mit Bierpackungen, und einige waren schon ziemlich angeheitert.
Hast du auch mitgefeiert?
Ja, nicht so ganz. Ich wollte gerade sagen, da bist du rangegangen. Es war irgendwie schon überraschend. Ich bin von hier aus nach Köln gefahren und habe mich dort mit einigen anderen Christen getroffen. Es gab eine Konferenz für Straßenevangelisation. Dort habe ich ein paar Seminare gegeben, also wie man so etwas macht.
Dann waren wir den ganzen Freitagnachmittag in der Stadt und haben an verschiedenen Orten evangelistische Veranstaltungen durchgeführt. Ich war mit einigen Leuten an der Domplatte, das heißt direkt vor dem Kölner Dom. Dort war alles voll mit ganz vielen Leuten. Viele derer, mit denen ich gesprochen habe, kamen nicht mal aus Köln. Sie kamen aus Frankreich, aus Belgien, aus den Niederlanden oder aus anderen Gegenden, um Karneval mitzufeiern.
Die Bedeutung von Köln als Karnevalshochburg und persönliche Begegnungen
Aber warum kommen die denn gerade nach Köln?
Köln ist eine Hochburg, also gibt es verschiedene Stellen in Deutschland, an denen besonders intensiv gefeiert wird und riesengroße Umzüge stattfinden. In den Straßen sind manchmal Absperrungen, weil zu bestimmten Zeiten Umzüge stattfinden.
Als wir dort waren, gab es auch einige Karnevalsgruppen. Alle waren ganz verkleidet, mit Trommeln und Lautsprechern, es lief laute Musik, und viele Leute waren verkleidet unterwegs. Unser Ziel war, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Bei manchen hat das wirklich gut geklappt.
Ich habe zum Beispiel jemanden angesprochen, der als Jesus verkleidet war. Er trug ein langes Gewand und eine Dornenkrone auf dem Kopf. Da habe ich mir gesagt: „Okay, ich rede mit ihm.“ Wir haben bestimmt eine halbe Stunde gesprochen. Seine Freundin war auch dabei. Die beiden waren aus Bayern angereist und wollten den Karneval so richtig feiern. Sie hatten auch ihr Bier dabei.
Ich fragte ihn, wo man so etwas macht. Dabei erzählte er, dass seine Großmutter katholisch ist und gläubig. Er selbst sei vor etwa einem Jahr aus der Kirche ausgetreten. Er meinte, die katholische Kirche habe Missbrauchsfälle, und das finde er ganz schlimm.
Dann sprachen wir über alles Mögliche, und das Gespräch wurde immer persönlicher. Am Ende sagte ich ihm, wenn er schon als Jesus verkleidet ist, sollte er sich intensiver mit der Geschichte Jesu auseinandersetzen. Ich schenkte ihm ein Neues Testament. Er nahm es dankbar an und sagte, das stimme eigentlich. Wenn seine Großmutter religiös sei, sei das ja nicht für ihn, aber er müsse es mal lesen. Wer weiß, ich hoffe das jetzt und bete dafür, dass er zuhause im Neuen Testament liest und vom echten Jesus begeistert ist. Dass er sieht, was Jesus erreicht und gemacht hat.
So habe ich auch mit einigen anderen Leuten gesprochen. Manche waren provokativ und auch angriffig, aber es gab auch Leute, die richtig offen waren. Da würde ich sagen: Warum nicht?
Ich finde es nicht toll, ich habe kein Bier getrunken und mich auch nicht verkleidet. Aber das muss ja auch nicht sein. Einfach da zu sein, wo so viele Leute sind, und wie ich sagen würde, viele, die auf der Suche sind nach Vergnügen und Spaß.
Die Atmosphäre und das Verhalten während des Karnevals
Und das ist ja schon beim Karneval so: Die Leute waren alle so, ich würde mal sagen, künstlich lustig. Wenn du normal durch eine deutsche Stadt gehst, schauen die Leute dich alle ernsthaft an, vor allem wenn es Winter ist, dunkel, und vielleicht noch unter einem Schirm. Und jetzt plötzlich sind alle lustig drauf, alle lachen und so. Für dich ist das wie auf Knopfdruck – plötzlich sind alle lustig. Und ein bisschen ist das ja auch so.
Karneval dauert ja mehrere Tage. Manche feiern sogar ein oder zwei Wochen und verlängern das Ganze noch ein bisschen. Man verkleidet sich, trifft sich, und es gibt Ansprachen, die lustig sein sollen oder politische Themen aufs Korn nehmen. Viele Leute nutzen das auch, um mal ein bisschen unmoralisch zu leben – also mal einen Seitensprung zu wagen oder mit gutem Gewissen mehr in der Öffentlichkeit zu trinken, als sie es sonst tun würden.
Ich weiß nicht, kennt ihr auch solche Leute, die richtig Karneval feiern? Ich persönlich nicht. Ich habe das auch nie wirklich so mitbekommen und mich eigentlich immer rausgehalten. Gerade am Rosenmontag durften wir verkleidet zur Schule kommen, aber ich dachte mir: Nee, irgendwie habe ich kein Interesse daran.
Das ist so das Einzige, ansonsten auf der Arbeit. Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, der hat sich verkleidet und ist immer rumgelaufen. Direkt um zwölf Uhr zwölf hat er Süssigkeiten durch die Gegend geschmissen und „Kamelle“ gerufen. Ja, oder „Hello“. Das war echt schon... wirkt ein bisschen komisch, wenn die anderen nicht so mitmachen, oder? Ja, also nein, der ist auch voll der Typ Mensch dafür, und ich fand das in dem Moment echt toll. Das war lustig. Süssigkeiten sind eben süß.
Als Student bekommt man natürlich viel vom Karneval mit. An der Uni ist das natürlich ganz, ganz heftig mit großen Partys und so weiter verbunden. Und da frage ich mich tatsächlich auch selber, wie die Menschen darauf gekommen sind, einfach so einen Tag zu nehmen. Vor allem: Ist das nicht eigentlich ein christlicher Tag? Oder woher kommt der Tag überhaupt?
Ursprung und regionale Unterschiede des Karnevals
Eigentlich muss man sagen, und das fällt heute auch auf, dass Karneval vor allem in katholischen Regionen intensiv gefeiert wird. Im evangelischen Bereich gibt es das viel, viel weniger. Das merkt man zum Beispiel hier in der Region. In Detmold, wenn man auf die Straße geht, trifft man kaum jemanden, der verkleidet herumläuft, und es gibt auch keinen Umzug.
Geht man ein Stück weiter nach Paderborn oder noch weiter ins Ruhrgebiet, dann gibt es richtig große Umzüge. Im Rheinland läuft ebenfalls eine ganze Menge. Das ist eben katholisch verbunden. Dahinter steckt ursprünglich etwas Geistliches. Man könnte vielleicht sogar sagen, es ist gar nicht so schlimm.
Karneval kennt man auch unter einem anderen Begriff. Weiter südlich in Deutschland und zum Teil in der Schweiz nennt man diese Zeit Fasnacht. Das deutet schon darauf hin, worum es eigentlich geht. In Fasnacht steckt das Wort Fastnacht. Das bedeutet die Nacht oder die Zeit vor dem Fasten.
Genau das ist der Gedanke: In der katholischen Kirche hat sich im Mittelalter die Fastenzeit herauskristallisiert. Die Leute wurden verpflichtet, dreimal im Jahr zu fasten. Das war keine freiwillige Entscheidung. Diese Fastenzeiten lagen vor den großen christlichen Festen wie Weihnachten oder Ostern. Bald ist Ostern, und vor Ostern sollte man fasten.
Das Fasten bedeutete nicht völligen Verzicht. Die Leute durften schon etwas essen, aber kein Fleisch, keine Eier und auf einige andere Dinge sollte verzichtet werden. Damit das Fasten leichter fällt, feiert man vorher und nachher.
Nach Ostern wird dann richtig opulent gegessen. Deshalb gibt es zu Ostern auch viele Eier, die man vorher nicht essen durfte. Diese mussten gekocht werden, damit man sie später gut essen konnte. Und bevor man mit dem Fasten beginnt, feiert man noch einmal richtig.
Ursprünglich bedeutete das Feiern nicht unbedingt unmoralisches Verhalten. Es hieß einfach, nett zusammenzukommen, Musik zu haben und kräftig zu essen, bevor die Fastenzeit beginnt. Mit der Zeit merkten die Leute, dass ihnen das Fasten nicht so viel Freude macht, das Feiern dagegen umso mehr.
So wurde das Feiern immer größer, das Fasten immer weniger. Als ich in Köln war, habe ich Leute gefragt, ob sie fasten wollen. Sie haben mich nur komisch angeschaut, weil sie gar nicht wussten, was ich meinte. Viele, die mitfeiern, denken gar nicht ans Fasten oder nehmen es nur pro forma.
Vielleicht essen sie ein paar Pralinen weniger, aber eher wegen der schlanken Linie als wegen Jesus. Der Gedanke dahinter ist: Zu Ostern ist Jesus gestorben – Karfreitag – und dann auferstanden. Der Tod ist eine traurige Angelegenheit, deshalb soll man sich durch das Fasten darauf vorbereiten.
Das ist der Gedanke, den die katholische Kirche entwickelt hat: Vor dem Fasten noch einmal ordentlich feiern. Dieser Gedanke, dass man wichtige Ereignisse aus der Bibel besonders begeht und sich daran erinnert, finde ich an sich nicht schlecht.
Wenn Leute Karneval mit einer Glaubensabsicht feiern würden, fände ich das gut. Vor allem, wenn sie es in einem Rahmen tun, wie es in der Bibel oft zu sehen ist: Dort wurden viele Feste gefeiert, man hat sich wirklich gefreut.
Aber es war niemals etwas Vergleichbares zu dem, was heute beim Karneval gemacht wird.
Christliche Freude und die Grenzen des Karnevals
Ja, das Problem ist folgendes: Man kann als Christ durchaus feiern und fröhlich sein. Das ist nicht das Problem. Im Gegenteil, wir sollen sogar feiern. Letztlich freuen wir uns als Christen am meisten auf den Himmel, wo wir zu Gottes Ehre ihn loben und singen werden.
In der Bibel wird oft vom Singen und Feiern gesprochen. Immer wenn Jesus über die Ewigkeit bei Gott spricht, benutzt er häufig das Bild eines Hochzeitsfests. Für die Menschen zur Zeit Jesu war das die größte Feierlichkeit, die sie privat je erlebt hatten. Normalerweise dauerte so ein Fest eine ganze Woche, was sonst kaum vorkam. Dieses Bild nimmt Jesus als Beispiel für die Ewigkeit bei Gott.
Auch beim Passahfest wurde gefeiert. Dort wurde sogar ausdrücklich gesagt, dass man richtig feiern und sich freuen soll.
Allerdings gibt es einen Unterschied: Feiere ich einfach und freue mich, oder verbinde ich das Feiern und die Freude mit Unmoral? Genau das passiert beim Karneval. Viele Menschen mögen Karneval, weil sie sich betrinken oder weil viel Unmoral toleriert wird, etwa Ehebruch oder Seitensprünge. Dann heißt es: „Es ist Karneval.“ Manche schlafen mit jemand anderem oder nehmen diese Unmoral mit hinein. Das ist von Gott natürlich nie so gedacht.
Deshalb kann das für Christen problematisch sein. Ich würde eher empfehlen, sich zu verkleiden, wenn es um Fantasie geht. Das finde ich nicht unbedingt verboten. Gerade Kinder mögen das ja auch sehr gern. Aber wenn das Verkleiden mit einem unmoralischen Leben verbunden ist und dieses als normal angesehen wird, dann finde ich das schon ziemlich problematisch. Das darf man einfach nicht machen.
Im Katholizismus gibt es deshalb den Aschermittwoch. An diesem Tag streut man Asche auf das Haupt, ähnlich wie bei Trauer. Aber zunächst wird erst gefeiert, und danach trauert man. Das ist alles geplant.
In manchen Gegenden gibt es am Aschermittwoch auch die Tradition, eine Strohpuppe zu verbrennen. Vorher spricht man ihr alle Sünden zu: „Du hast das gemacht, du hast das gemacht.“ Dann wird die Puppe angezündet.
Diesen Gedanken finde ich gut, wenn die Leute, die daran teilnehmen, das ernst nehmen. Sie sagen dadurch, dass Sünde falsch ist und dass jemand für die Sünde bestraft werden muss.
Als Christin könnte man sagen: „Ihr habt genau recht, da muss jemand bestraft werden.“ Aber wie sieht es mit deiner Sünde vor Gott aus? Da reicht die Strohpuppe nicht aus. Genau das hat Jesus gemacht: Er hat gesagt, er ist bereit, für deine Sünde zu sterben und bestraft zu werden.
Hier wird das nur ein bisschen nachgespielt, aber nicht wirklich ernst genommen. Das ist dann das Problem.
Persönliche Erfahrungen und Klärung von Missverständnissen
Ja, also ich hatte das auch auf der Arbeit. Meine Kollegin S. ist Katholikin, und sie hat gesagt: „Ja, wir feiern jetzt Karneval und so.“ Da war ich ganz verwirrt, weil ich immer dachte, Katholiken seien etwas strenger. Ich dachte bei Karneval immer an etwas, das vielleicht mit Dämonen oder so zu tun hat, oder zumindest etwas in der Art.
Sie hat mir dann erklärt, dass Karneval eigentlich christlich ist und so weiter. Das musste ich mir erst einmal von ihr erklären lassen. Deshalb finde ich es gut, dass wir einfach mal darüber gesprochen haben. Du hast ja auch die einzelnen Tage angesprochen. Ab Aschermittwoch beginnt dann ja auch die Fastenzeit.
Genau, vielleicht hänge ich mich vorher noch kurz an deinen Gedanken an: Dass etwas Unmoralisches, Ungeistliches oder Okkultes dabei sein könnte, ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. In den Fastnachts- oder Karnevalsbräuchen gibt es immer auch Elemente, die eigentlich nichts mit dem geistlichen Leben zu tun haben.
Das liegt daran, dass diese Feste meist im Frühjahr stattfinden, meistens gegen Ende des Winters. In vielen Regionen, auch schon bei den alten Germanen, gab es Winteraustreibbräuche. Dabei wurde der Winter als eine Art Dämon gesehen, den man vertreiben musste. Jetzt kommt das Licht, das Leben erwacht wieder, und die Blumen fangen an zu blühen.
Deshalb haben sich manchmal Bräuche eingeschlichen, die ursprünglich aus einem ganz unchristlichen Hintergrund stammen. Sie haben mit dämonischen Vorstellungen zu tun. Die meisten Leute, die heute Karneval feiern, glauben ja nicht daran. Für sie ist es einfach ein Event oder sie finden es lustig. Aber manche Elemente mischen sich eben auch da hinein.
Es geht also nicht nur darum, dass man sündigt, dann fastet und Gott um Vergebung bittet, sondern auch darum, dass bestimmte Bräuche übernommen wurden, die eigentlich nichts mit dem Christlichen zu tun haben. An manchen Stellen wird der Winter sogar als Mann verkleidet, der dann vertrieben, beschimpft und weggebracht wird. Das ist ein Symbol, das nicht christlich ist.
Wir wissen ja, dass Gott Sommer, Herbst und Winter geschaffen hat und dass er dahintersteht. Wir müssen also keinen Winterdämon vertreiben. Aber das war nur eine Ergänzung zu deinem Gedanken, dass da vielleicht doch etwas Ungeistliches dabei sein könnte. Ein Kern davon ist tatsächlich dabei.
Mich hat es total überrascht, dass Karneval ursprünglich wirklich christlich ist. Besonders die Fastenzeit fand ich interessant, weil man sich in dieser Zeit bewusst auf das Leiden und Sterben von Jesus vorbereiten möchte.
Die Bedeutung der Fastenzeit und richtige Motivation zum Fasten
Genau, und das finde ich eigentlich gar keine schlechte Idee: nicht nur einfach zu sagen, jetzt ist Weihnachten oder Ostern oder Pfingsten da, sondern eine Vorbereitungszeit zu haben, in der man immer wieder daran denkt oder sich innerlich darauf einstimmt.
Immerhin erinnern wir uns an Ostern daran, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist und auferstanden ist. Damit hat er sich als derjenige gezeigt, der über den Tod triumphiert, der Herr des Lebens ist. Das ist ja etwas Besonderes. Und es ist nicht nur in der kurzen Zeit um Ostern wichtig, sich daran zu erinnern, sondern auch vorher immer wieder. Das finde ich nicht schlecht.
Ich muss sagen, die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern war für mich immer eher so ein kulturelles deutsches Ding, etwas, das man nebenbei mitbekommen hat. Jetzt haben wir ja herausgefunden, dass das Fasten ursprünglich aus dem Katholizismus kommt.
Aber wie sollte man denn fasten? Mit welcher Einstellung? Nicht so, dass man denkt: Ich will meiner Gesundheit mal etwas Gutes tun. Die guten Feiertage haben wir hinter uns, es ist Neujahr, da haben wir gute Vorsätze. Es passt einfach, ich will etwas für meine Gesundheit tun und verzichte jetzt auf Alkohol, Zigaretten oder was auch immer.
Da würde ich sogar empfehlen, die Fastenzeit auf das ganze Jahr auszudehnen, wenn es um Alkohol und Rauchen geht. Vielleicht wäre das sogar noch besser. Bei jüngeren Leuten könnte man zum Beispiel auch einfach mal Instagram oder Social Media etwas reduzieren.
Aber was sollte eigentlich der Hintergrund vom Fasten sein, also die richtige Einstellung? Wenn wir in der Bibel nachlesen, hat Fasten eine ganz andere Bedeutung. Es geht nicht in erster Linie darum, schlanker oder gesünder zu werden. Das ist zwar nicht falsch, aber eine ganz andere Motivation als die, die wir in der Bibel finden.
Denn dort ist das Fasten eigentlich nur Nebensache. Die Hauptsache ist, was du an dieser Stelle tust. Du fastest, sparst dadurch Zeit, Geld und Mühe – und diese Ressourcen musst du für etwas investieren. Wenn du zum Beispiel sagst: Ich esse nicht, aber schaue stattdessen noch mehr bei YouTube, dann hat das mit Gott natürlich nichts zu tun. Du tauschst nur eine Sache gegen eine andere aus. Vielleicht ist die eine Sache ungesund, und das andere ist auch nicht gut, weil es ungesund für den Kopf ist, was man da wahrnimmt.
Fasten in der Bibel kommt häufig im Zusammenhang mit Beten vor. Das heißt: Du machst eine Sache nicht, also isst nicht. Es geht aber nicht nur ums Essen, sondern auch darum, dass du nicht einkaufen, nicht abwaschen und nicht kochen musst. Das spart eine Menge Zeit. Man hat auch Geld übrig.
Jetzt kann man überlegen, dieses Geld zum Beispiel für eine gute Sache zu spenden, die man als sinnvoll empfindet. Die Zeit investiert man dann in eine intensivere Gemeinschaft mit Gott. Vielleicht nimmt man sich in dieser Zeit ein besonderes Projekt vor.
Das könnte durchaus ähnlich sein wie beim Karneval gedacht: Ein Projekt, um sich deutlicher vor Augen zu führen, was Jesus für mich getan hat, indem er gestorben und auferstanden ist, und was alles damit zusammenhängt. Das kann dazu führen, dass man das intensiver wahrnimmt, mehr darüber nachdenkt und vielleicht auch dankbarer wird.
Man könnte sich das aufteilen, zum Beispiel jeden Tag der Fastenzeit einen bestimmten Bibelabschnitt intensiv anschauen oder sich mit jemand anderem absprechen, der auch fastet. Dann könnte man sagen: Jetzt, wo wir normalerweise Mittagessen hätten, nehmen wir uns Zeit zum Beten und danken Gott für das, was er für uns getan hat.
So kann man den zeitlichen und emotionalen Freiraum mit geistlichem Inhalt gut füllen.
Fasten außerhalb der traditionellen Fastenzeit und persönliche Erfahrungen
Wie ist das mit der Fastenzeit? Kann man das Fasten auch außerhalb der Fastenzeit, also außerhalb der 40 Tage, praktizieren, oder ist es darauf beschränkt? Reiner Bibel zufolge?
Mich würde interessieren, ob ihr schon Erfahrungen damit gemacht habt oder jemanden kennt, der so gefastet hat.
Meinst du jetzt in der Fastenzeit oder generell?
Überhaupt. Grundsätzlich.
Ja, klar, einige fasten zum Beispiel häufig bei Evangelisationen oder ähnlichen Anlässen.
Wir hatten in der Gemeinde beispielsweise jemanden, der an Leukämie erkrankt war. Er war eigentlich schon austherapiert. Da haben wir als ganze Gemeinde beschlossen, mehrere Tage gemeinsam zu fasten und zu beten. Das war speziell dafür gedacht, intensiver zu beten und Gott zu zeigen, dass es uns wirklich wichtig ist.
Dieser Mensch ist tatsächlich wieder gesund geworden. Man kann sagen, Gott hat darauf gehört. Deshalb glaube ich, dass Fasten auch außerhalb der von der Kirche vorgesehenen Fastenzeit möglich ist.
Vielleicht ist das sogar gut so, weil wir als nicht-katholische Christen das Fasten meistens nicht so intensiv kennen. Es ist ja auch nicht vorgeschrieben.
Die Katholiken mussten früher oft fasten, das wurde ihnen vorgeschrieben. Wenn sie es nicht taten, mussten sie Buße tun oder ihre Sünden in der Beichte bereuen.
Bei uns, wenn wir nicht katholisch sind, soll das Fasten freiwillig sein. Das heißt aber nicht, dass wir es nicht tun sollten. Ich glaube, man kann auch außerhalb der Fastenzeit fasten.
Manchmal fällt es vielleicht leichter in der Fastenzeit, weil es dann eine vorgegebene Zeit gibt. Außerdem sind vielleicht andere in der Gemeinde dabei und sagen: „Jetzt machen wir das mal zusammen.“ Sonst müsste man es entweder alleine machen oder erst Leute überzeugen, ein paar Tage oder eine Woche zu fasten.
In Matthäus 6 wird ja auch über das Fasten gesprochen. Ich persönlich habe das beim Lesen so verstanden, dass Fasten zum natürlichen Christenleben dazugehört.
Ich verbinde das Fasten meist mit einem persönlichen Anliegen, entweder für mich selbst oder für jemand anderen. Dabei fastet man nicht, um abzunehmen, sondern weil man ein Anliegen auf dem Herzen hat, das man ernsthaft vor Gott bringen möchte.
Fasten wird fast immer zusammen mit Gebet genannt. Das finde ich eine gute Sache.
Ich kenne einige Leute, die gefastet haben, und ich habe es auch schon gemacht.
Jesus hat ja auch gefastet, 40 Tage lang. Zumindest steht das so in der Bibel. Vielleicht hat das auch jemand anderes gemacht.
Jesus ging bewusst in die Wüste, um intensive Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater zu haben.
Ich glaube, das gehört für Christen dazu: Fasten nicht als Selbstzweck, sondern als eine Art Freiraum, um sich geistlich auszurichten.
Man kann so bestimmte Projekte umsetzen, für Anliegen beten oder geistliche Dinge vor Augen führen.
Ich denke, in Gemeinschaft hilft das besonders. Wenn man alleine fastet, denkt man vielleicht: „Ich kann das nicht.“ Gerade die ersten Tage sind schwierig, wenn man Hunger hat und am liebsten essen möchte. Dann fällt es schwer, an geistliche Dinge zu denken.
Da kann gegenseitige Ermutigung sehr helfen.
Man sollte auch auf die Gesundheit achten, besonders bei längerem Fasten. Genügend trinken, Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen, damit keine Mangelerscheinungen entstehen.
Das ist wichtig, damit man keinen körperlichen Schaden davonträgt.
Gemeinsam kann man dann ein Projekt festlegen, daran arbeiten und dafür beten.
Ich glaube, das kann eine gute geistliche Erfahrung sein.
Alternative Angebote in der Karnevalszeit für Gemeinden
Ich bin schon ein paarmal bei Gemeinden eingeladen worden, die gerade in der Karnevalszeit Freizeiten organisieren. Das liegt daran, dass sie sagen: Wir wohnen jetzt in Städten, in denen richtig viel Karneval gefeiert wird. Da kommst du gar nicht drum herum. Du gehst in die Stadt, überall sind Leute, und du hörst die Musik und den Trubel.
Diese Gemeinden sagen, gerade in dieser Zeit setzen wir einen anderen Akzent. Es geht nicht unbedingt ums Fasten – die Fastenzeit beginnt ja erst danach. Stattdessen machen sie einen Gemeindeausflug. Meistens hat man im katholischen Umfeld zu dieser Zeit auch ein paar freie Tage. Dann geht die Gemeinde auf Freizeit und gestaltet ein schönes Programm mit Spiel, Sport, Bibelarbeiten und Gebet.
Vielfach tut das der ganzen Gemeinde gut. So erlebt die Gemeinde eine richtig gute Karnevalszeit – aber ohne Verkleiden, ohne Halli-Galli, ohne Kamelle und ähnliches. Ich finde, das ist keine schlechte Idee. Statt nur zu sagen: „Boah, warum feiern die jetzt wieder?“ oder sich darüber zu ärgern, dass so viele Betrunkene unterwegs sind, kann man diese Zeit für geistliche Gemeinschaft nutzen – entweder mit Fasten oder ohne.
Auch in dieser Form können wir als Gemeinde etwas unternehmen. Gerade wenn man in einer Region lebt, in der Karneval gefeiert wird und man die Freiheit hat, kann man es so machen.
Okay, Michael Fehn, herzlichen Dank, dass du uns heute mitgenommen hast zum Thema Karneval und Fastenzeit. Schön, dass du heute eingeschaltet hast, lieber Zuhörer. Wir sehen uns beim nächsten Mal. Bis dahin, tschüss!
Begrüßung und Einführung in das Thema der Wiederkunft Jesu Christi
Hi und herzlich willkommen bei Deep Talk. Ich bin Jonas, neben mir sitzt Johanna, und wir haben heute wieder das Format „Frag den Kotsch“. Ganz wichtig: Michael Kotsch ist heute wieder bei uns im Studio. Danke, dass du dir Zeit genommen hast, Michael.
Gern. Heute geht es um die Frage: Wie soll man auf die Wiederkunft Jesu Christi warten? Dabei kann man natürlich verschiedene Aspekte betrachten. Zum Beispiel: Worauf genau sollen wir warten? Was bedeutet die Wiederkunft Jesu? Heißt das nur, dass wir warten, bis Jesus plötzlich einfach da ist? Oder sollen wir versuchen, die Zeichen der Zeit zu deuten?
Außerdem können wir darauf eingehen, wie unsere eigene Vorbereitung im Endeffekt aussieht – also wie wir warten sollen. Es gibt viele verschiedene Teilgebiete. Ich glaube, es wäre sinnvoll, wenn wir uns festlegen, auf welches Teilgebiet wir uns besonders konzentrieren möchten.
Falls es dich, lieber Zuhörer, oder dich, liebe Zuhörerin, besonders interessiert, ein anderes Gebiet dieses Themas genauer beleuchtet zu bekommen, kannst du uns gerne schreiben. Wir können das dann in der nächsten Folge aufnehmen.
Sonst möchten wir uns erstmal hauptsächlich darauf konzentrieren, wie wir uns vorbereiten können. Dabei wollen wir das andere Thema aber nicht ganz vergessen.
Michael, vielleicht kannst du zu Beginn einmal sagen, was genau es mit der Wiederkunft Christi auf sich hat?
Grundverständnis der Wiederkunft Jesu und unterschiedliche Sichtweisen
Wir müssen uns wahrscheinlich vor Augen halten, dass wir es hier mit einem Thema zu tun haben, das für jemanden, der nicht gläubig ist oder nicht bewusst Christ, zunächst ziemlich abstrus klingt. Denn viele fragen sich: „Jesus kommt wieder? Wieso? Jesus hat doch vor zweitausend Jahren gelebt. Warum sollte er zurückkommen?“ Manche würden sogar sagen: „Tot bleibt tot, und da kommt sowieso niemand zurück.“
Viele Christen sind ebenfalls überzeugt, dass Jesus auferstanden ist und dann in den Himmel aufgefahren ist, wo er bleibt. Das heißt, die Vorstellung, dass Jesus wiederkommt, klingt für viele heute etwas seltsam. Doch in der Bibel steht das deutlich: Jesus hat sogar versprochen, dass er zu einem gewissen Zeitpunkt, den er nicht genau angegeben hat, wieder zurückkommen wird.
Beeindruckend finde ich, dass nicht nur wir als Christen daran glauben. Auch Muslime erwarten, dass Jesus wiederkommt. Sie sagen, dass Jesus am Ende der Zeiten zurückkehren wird. Allerdings glauben sie, dass er dann den Christen sagen wird, dass er nicht Gott ist und dass sie an Allah glauben sollen. Das ist ein anderer Glaube, aber immerhin glauben auch Muslime daran, dass Jesus einmal in der Zukunft leibhaftig hier auf der Erde wiederkommen wird.
Christen haben das zu allen Zeiten geglaubt – gerade weil Jesus es versprochen hat. Er sagt, dass er, so wie er bei der Himmelfahrt vor den Augen der Jünger in den Himmel gefahren ist, auch wieder zurück auf die Erde kommen wird.
Wenn wir in die Offenbarung schauen, dann sagt Jesus, dass er bei seiner Wiederkunft sein Friedensreich aufrichten wird. Das ist etwas, worauf sich alle Christen freuen können. Denn wenn man die Nachrichten hört oder sieht, wird man oft traurig oder verzweifelt. Überall gibt es Kriege und Krisen, Menschen werden getötet, viele leiden, Kinder verhungern, und korrupte Politiker beuten die Menschen aus.
Da ist es nur verständlich, wenn man sich wünscht: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, wie es im Vaterunser heißt. Ich glaube, das ist ganz naheliegend. Jeder Christ sollte das hoffen und sagen: „Ich freue mich darauf, dass Jesus bald wiederkommt.“
Wir glauben daran, weil Jesus es versprochen hat. Er hat gesagt, dass er es tun wird. Wenn er wiederkommt, wird alles gut sein. Vorher wird es noch eine Zeit des Leidens geben, das betont die Bibel auch, aber diese Zeit ist nur vorübergehend. Das Wesentliche, worauf wir schauen, ist: Jesus kommt wieder und richtet sein Friedensreich auf.
Falsche Reaktionen auf die Erwartung der Wiederkunft
Allerdings gibt es immer wieder Menschen – heute wie auch in der Vergangenheit –, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie das Thema in den falschen Hals bekommen haben. Das führt dann zu falschen Verhaltensweisen. Besonders grobe Fehlverhalten, die mir auffallen, sind einerseits die Menschen, die sagen, dass sie sich nicht so gut verhalten, weil sie denken: „Ah, das passiert ja sowieso nicht“ oder „Das ist ja alles nur symbolisch gemeint, also Jesus ist jetzt unsichtbar irgendwie da.“
Andererseits gibt es Leute, die anfangen zu spekulieren, zu rechnen und ganz genau wissen wollen, wann etwas stattfindet. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte, die zeigen, dass das nicht neu ist, sondern schon immer vorkam. Wer heute ein bisschen im Internet sucht oder mit Leuten spricht, wird feststellen, dass es diese Extreme auch heute noch gibt.
Die einen schieben das Ereignis endlos in die Zukunft, manche wollen sogar selbst das Reich Gottes aufbauen und behaupten, Jesus baue durch sie oder durch die Gemeinde sein Reich hier auf der Erde auf – aber er komme nicht leibhaftig zurück, sondern eher unsichtbar. Das sind alles verschiedene Reaktionen darauf, wie Menschen die Bibel interpretieren.
Häufig handelt es sich dabei um Fehlinterpretationen der Bibel oder zumindest um sehr viel eigene Einbildung. Aber was wäre eine bibeltreue und richtige Haltung gegenüber der Wiederkunft Jesu? Mich würde erst einmal interessieren, ob ihr solche Menschen kennt – entweder Leute, die spekulieren und sagen, hier oder dort sei ein Zeichen, oder Menschen, die die Wiederkunft Jesu weit in die Zukunft schieben.
Wenn ich Leute frage, etwa aus dem evangelisch-landeskirchlichen oder katholischen Bereich, kenne ich kaum jemanden, der wirklich darauf wartet, dass Jesus bald leibhaftig zurückkommt. Für viele ist das Thema entweder unbekannt oder wird weit in die Zukunft verschoben. Das hat natürlich Auswirkungen.
Die Auswirkung ist oft: „Na ja, wenn Jesus nicht wiederkommt, dann lebe ich einfach so in den Tag hinein, ich habe ja noch viele Jahre.“ Kennt ihr Leute, die entweder spekulieren oder die Wiederkunft weit in die Zukunft verschieben? Ich glaube, eher weniger. Mir fällt das bei Menschen auf, die früher mal in der Kirche waren, den ganzen Kram mitgemacht haben, sich dann aber bewusst entschieden haben, in die Welt zu gehen. Wenn ich mit ihnen rede, sagen sie oft: „Ich bin noch jung, ich kann erst genießen, und später kann ich mich auch vorbereiten.“
Diese Entscheidung, sich bewusst für Jesus zu entscheiden, fällt ihnen dann schwerer. Ich glaube, in Bezug auf die Menschheit ist es so, dass Gott uns die Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Der Mensch denkt von sich aus, er lebt ewig – entweder nach dem Tod oder versucht, hier auf der Erde ewig zu leben. Deshalb glaube ich, dass diese Sehnsucht nach Weiterleben im Menschen verankert ist.
Was mir auffällt: Es gibt immer wieder die Frage, was „Armageddon“ bedeutet. Manche gehen davon aus, dass die Erde irgendwann untergeht, unabhängig von allem. Das führt zu Endzeitängsten, die oft auf biblischen Ereignissen beruhen. Die Menschen merken die vielen Krisen, und es gibt auch andere, die davon träumen, das Reich Gottes hier auf der Erde mit den richtigen Mitteln aufzubauen.
Manche, die nicht gläubig sind, setzen auf eigene Mittel, etwa „Fridays for Future“, und hoffen, am Ende eine glückliche ökologische Gesellschaft zu schaffen. Viele wollen eine Gesellschaft, in der jeder bekommt, was er braucht, und niemand mehr herrscht oder unterdrückt wird. Es gibt immer wieder politische Ideen, das Reich Gottes zu bauen – manchmal religiös motiviert, manchmal ohne Gott. Dahinter steckt oft die Haltung: „Gott schieben wir raus, höchstens durch uns wirkt er.“
Auch Christen, zum Beispiel in den USA, versuchen durch politische Entscheidungen das Reich Gottes zu schaffen. Sie sind stark in der Politik engagiert und glauben, dass eine bessere Welt durch die richtigen Entscheidungen entsteht – eine Welt, die so gut ist, dass sie schon die Herrschaft Gottes oder den Himmel auf Erden darstellt. Jesus spielt dabei oft keine leibhaftige Rolle, sondern steht eher im Hintergrund, wenn überhaupt.
Das ist aus jüdischer Sicht nicht vertretbar. Wenn man schaut, wie Jesus und Paulus sich verhalten haben, wie sie vom Reich Gottes sprechen und wie wir uns dem Staat gegenüber verhalten sollen, wird klar: Wir sind nicht hier, um das Reich physisch aufzubauen, indem wir eine Herrschaft errichten. Auch gegenüber ungerechten Staaten müssen wir uns so verhalten. Es gab nie einen perfekten Staat, auch nicht dort, wo Kirche viel Einfluss hatte, etwa im Mittelalter. Damals gab es auch Unterdrückung und Aberglauben.
Deshalb sollten wir nicht träumen, dass wir das Reich Gottes auf Erden schaffen. Wir brauchen Jesus dafür. Ohne ihn läuft es nicht gut. Ich finde es problematisch, wenn Menschen denken, sie könnten ein ganzes Land oder die Welt zum Reich Gottes machen. Wie soll das gehen? Selbst als sich alle als Christen verstanden, hat das nicht funktioniert.
Wie sollen wir uns selbst verhalten? Die andere Seite finde ich genauso spannend, weil sie unter evangelikalen Christen wahrscheinlich genauso häufig vorkommt: die Spekulation und die tägliche Aufregung. Man schlägt die Zeitung auf oder liest im Internet und denkt: „Oh, jetzt ist der Antichrist da“ oder „Jetzt ist es bald so weit.“
Es gibt Spezialisten wie den „Endzeit-Reporter“, die immer irgendeinen Bibelvers finden, der zu aktuellen Nachrichten passt. Manche Christen leben in Dauerpanik, als ob die Wiederkunft Jesu übermorgen wäre. Sie sagen: „Lasst uns den Urlaub absagen, Haus verkaufen oder nicht mehr arbeiten.“ Es gibt Christen, die das wirklich tun. Ich habe auch Christen kennengelernt, die wegen solcher Ängste in die Psychiatrie kamen.
Diese Panik ist nicht freudig, sondern von Angst geprägt – Angst vor den Katastrophen, die in der Bibel beschrieben sind. Das ist problematisch, weil es Angst auslöst und verhindert, dass man das tut, was man tun kann.
Wenn man denkt: „Es ist sowieso alles am Ende, alles geht den Bach runter“, tut man nichts mehr. Man ist gebannt, fixiert, kann schlecht schlafen und macht sich ständig Sorgen. Das ist eine schlechte Vorbereitung.
Diese Menschen meinen oft, sie seien die Einzigen, die wirklich wahrhaftig auf Jesu Wiederkunft warten, weil sie glauben, heute oder spätestens nächste Woche sei es so weit. Das führt manchmal zu Schwierigkeiten im Umgang mit ungläubigen Kollegen, die irgendwann lächelnd fragen: „Wann ist es denn jetzt so weit?“ Das ist dann nicht so toll.
Ich kenne auch Menschen, die solche Ansichten vertreten und deshalb keine Kredite zurückzahlen. Sie nehmen extra große Kredite auf, zahlen nur das Mindeste und lassen den Rest offen, weil sie sagen: „Jesus kommt sowieso jeden Moment wieder.“
Bei solchen Menschen fällt mir ein, was Martin Luther gesagt hat: „Selbst wenn morgen Jesus wiederkäme, würde ich heute noch meinen Apfelbaum pflanzen.“ Das ist eine absolut biblisch vertretbare Ansicht. Egal, was wir glauben oder nicht wissen, selbst Jesus als Mensch wusste nicht den genauen Zeitpunkt seiner Wiederkunft.
Wir sollten immer so leben, dass wir Gott verherrlichen und Jesus die Ehre geben. Das ist das richtige Warten: treu bleiben im Dienst an Jesus und im Wandel ein Vorbild sein. Das ist die richtige Haltung.
Das wäre die Herausforderung. Wenn du ganz sicher wüsstest, Jesus kommt in zehn Jahren wieder, was würde das verändern? Vielleicht würdest du deine Bucketlist abarbeiten. Ich glaube, ich würde es eher hinausschieben. Zehn Jahre sind ja noch Zeit.
Wie viel von deinem Leben, das dir wichtig ist, würdest du dann verfolgen? Menschen, die die Welt lieben, würden sich auf Reisen, Familie, Reichtum oder andere Dinge konzentrieren. Andere würden ihre Priorität darauf legen, Dinge für die Ewigkeit zu tun.
Es geht immer um die Herzenseinstellung und was dir persönlich wichtig ist. Deshalb finde ich es interessant, wie man persönlich mit diesem Ereignis umgeht. Du weißt den Zeitpunkt nicht, aber in Matthäus 24 und anderen Stellen gibt es Anzeichen, was vorher passieren wird.
Wir sehen heute Entwicklungen, die man biblisch zeitlich einordnen kann. Menschen vor hundert Jahren sagten Ähnliches, als der Erste und Zweite Weltkrieg passierten. Trotzdem glaube ich, dass wir ziemlich nah dran sind, ohne mich genau festzulegen.
Als ich gläubig wurde, war ich 14 Jahre alt. Nach der Schule sagte ich in der Gemeinde: „Ich mache keine Ausbildung oder Studium, Jesus kommt bald wieder. Ich nutze die letzten Jahre, um auf der Straße von Jesus zu erzählen.“ Einige Menschen in der Gemeinde hielten mich davon ab und sagten: „Michael, auch wenn das so ist, mach deine Ausbildung. Jesus macht das trotzdem.“
Das ist jetzt Jahrzehnte her, und sie hatten Recht. Trotzdem erwarte ich, dass Jesus wiederkommt. Ich finde das wichtig und gut.
Gerade Matthäus 24 nennt einige Dinge, die mich nachdenklich machen: Zum Beispiel, dass das Evangelium in der ganzen Welt gepredigt wird. Noch nie waren wir so nah dran wie heute, durch das Internet und andere Mittel, dass das Wort Gottes weltweit verbreitet ist.
Oder dass falsche Propheten und falsche Messiasse auftreten. So viele Menschen, die sich als Apostel oder als Jesus ausgeben, gab es nie wie heute. Auch die Rückkehr des Volkes Israel nach biblischer Verheißung ist ein Zeichen.
Das alles deutet darauf hin, dass es bald soweit sein könnte. Ich hoffe, Jesus kommt bald wieder, aber ohne Panik, sodass ich meine Arbeit nicht mehr mache oder das Auto nicht mehr repariere. Das finde ich problematisch, auch aus meiner Erfahrung als Jugendlicher.
Ich möchte diese Erwartung und Begeisterung haben. Jesus kommt mir dadurch näher. Ich finde es unbefriedigend, wenn alles ewig so weiterläuft wie jetzt. Diese Hoffnung gibt mir Kraft, wenn viele Krisen gemeldet werden.
Im Lukas-Evangelium, in der Endzeit-Rede, steht ein schöner Vers: „Wenn ihr all das seht, dann erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung naht.“ Diese Motivation ist für mich wichtig. Das ist eine freudige Erwartung.
Wir wissen, dass nach all den schwierigen Dingen Jesus wiederkommt und wir für immer bei ihm sein werden. Manche haben Angst und Panik vor den Ereignissen, die noch kommen werden.
Manche fürchten die Wiederkunft Jesu, weil sie nicht wissen, wo sie geistlich stehen. Mir ist ein Vers aus 1. Johannes 4,18 wichtig: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn Furcht hat mit Strafe zu tun. Wer sich fürchtet, ist noch nicht vollendet in der Liebe.“
Das ist für mich wichtig geworden. Wenn man Angst davor hat, dass Jesus wiederkommt, obwohl das eigentlich das Beste ist, was einem passieren kann, wenn man die richtige Entscheidung getroffen hat, dann fehlt etwas.
Zum Beispiel als Covid begann, hatte ich Angst, weil ich vorher Lungenerkrankungen hatte und Covid auf die Lunge schlägt. Da habe ich gemerkt, dass ich Gottvertrauen lernen musste. Gott hat alles in der Hand.
Das war eine konkrete Situation, und ich glaube, vielen ging es so. Manche wurden sich ihrer Endlichkeit bewusster als im Alltag.
Wenn Jesus wiederkommt, werden viele schreckliche Dinge passieren. Wir sollten unseren Zuhörern sagen: Wenn du Angst vor Jesu Wiederkunft hast, kann das berechtigt sein. Vielleicht bist du schlecht vorbereitet. Dann hast du allen Grund, Angst zu haben.
Das ist wie bei einer wichtigen Prüfung, für die man nicht gelernt hat. Dann ist Angst gerechtfertigt. Aber man sollte sich vorbereiten, daran denken, dass Jesus bald wiederkommt, und die Möglichkeit nutzen, sich vorzubereiten.
Das betrifft Christen, die ihr Leben zu lau oder oberflächlich leben, als wären sie Nichtgläubige. Sie denken nur an den nächsten Urlaub oder Spaß. Wenn Jesus kommt, sind sie nicht vorbereitet.
Dann heißt es: Überlege gut, wofür du deine Zeit einsetzt, damit du bereit bist und dich freuen kannst, dass Jesus wiederkommt.
Es könnte auch sein, dass du noch keine Beziehung zu Jesus hast. Dann ist es wichtig, dir klar zu werden, dass dein Leben nicht endlos ist. Du weißt nicht, wann es endet.
Du wirst vor Gott stehen – entweder wenn Jesus auf die Erde kommt oder wenn du stirbst. Dann musst du vorbereitet sein, dein Leben in Ordnung bringen, Vergebung für deine Schuld finden und den Kontakt zu Gott suchen.
Wenn dich die Entwicklungen in der Welt oder der Gedanke an Jesu Wiederkunft beunruhigen, ist das verständlich. Aber man muss nicht in der Angst stehen bleiben, sondern kann etwas verändern.
Dann kann die Furcht vertrieben werden und du kannst dich freuen, obwohl vieles unsicher ist.
Vielen Dank, das waren sehr gute Worte zum Abschluss. Eine wichtige Ermahnung, auch selbst nochmal darüber nachzudenken: Bin ich wirklich bereit? Vielen Dank, Michael.
Danke, dass du heute zugehört hast und dir Zeit genommen hast. Denk darüber nach und nutze dein Leben, um Gott zu verherrlichen. Schäme dich nicht für das Evangelium.
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Wir wünschen dir eine gesegnete Woche mit den Worten aus Kolosser 3,17: „Und was immer ihr tut, in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn.“