Einführung in die Fragestellung
Wenn es keine Religionen gäbe, wäre die Welt friedlicher. Religionen sind für die meisten Kriege verantwortlich, deshalb wäre die Welt ohne Religionen ein besserer Ort. Das legt nahe, dass man nicht Christ werden sollte. Aber stimmt das wirklich? Finden wir es heraus.
Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten. Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das gibt es kostenlos auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Sind Religionen also wirklich für die meisten Kriege verantwortlich? Zwei Gedanken dazu, und dann klären wir das mit ganz konkreten Zahlen, Daten und Fakten.
Erste Überlegung: Zusammenhang von Religion und Krieg
Vorgedanke Nummer eins von zwei.
Manchmal hört man von Religionskritikern Aussagen wie diese: Weil die meisten Kriege angeblich aus religiösen Motiven begonnen werden, müsse Religion, insbesondere das Christentum, falsch sein.
Tun wir mal ganz kurz so, als ob die meisten Kriege wirklich aus religiösen Gründen geführt würden – mehr dazu gleich. Selbst wenn das so wäre, also wenn die meisten Kriege der Welt aus religiösen Gründen begonnen würden, macht das deshalb automatisch diese Religion oder Weltanschauung unwahr?
Weißt du, selbst wenn ein Land oder ein Machthaber, der beispielsweise dem Hinduismus angehört, einen Krieg beginnt und diesen mit dem Hinduismus als Weltanschauung rechtfertigt, wird dadurch automatisch die Weltanschauung des Hinduismus falsch? Und umgekehrt: Heißt das, dass eine Weltanschauung nur so lange richtig sein kann, wie es niemals einen Anhänger dieser Weltanschauung gegeben hat, der einen religiösen Konflikt vom Zaun gebrochen hat?
Also, du merkst schon, ganz so einfach kann man es sich nicht machen. Das wäre ja auch nur dann aussagekräftig, wenn die Religion, um die es geht, im Kern versprechen würde, dass ihre Anhänger niemals einen Krieg beginnen könnten.
Christliche Friedensbotschaft und Realität
Wie ist das im Christentum? Natürlich haben wir Christen in der Bibel den Auftrag, in Frieden zu leben und erst recht keinen bewaffneten Konflikt zu beginnen. Jesus sagt dazu zum Beispiel: „Selig sind die Friedfertigen.“ Das heißt im Urtext die Menschen, die zu Waffen greifen könnten, es aber nicht tun.
Außerdem heißt es in der Bibel: Bemüht euch, wenn es irgendwie möglich ist, mit allen Menschen in eurem Umfeld in Frieden zu leben. Jesus sagt ganz deutlich: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Das bedeutet, das Christentum und Waffengewalt funktionieren mit Jesus nicht zusammen.
Aber von uns Christen einmal abgesehen verspricht das Christentum, wenn du dir die Gründungstexte und das Neue Testament genau anschaust, tatsächlich gar nicht, dass es zu unseren Lebzeiten Weltfrieden geben soll. Du kannst dazu stehen, wie du willst, aber im Christentum geht es nicht hauptsächlich ums Diesseits. Es geht nicht hauptsächlich um das, was vor dem Tod passiert, sondern vor allem ums Jenseits und darum, was nach deinem Tod mit dir geschieht.
Dabei ist wichtig, dass es durch Jesus einen Ausweg gibt, um beim Jüngsten Gericht nicht in die Hölle verurteilt zu werden. Um mehr darüber zu erfahren, was die Kernversprechen des Christentums sind und was nicht, werde ich in den nächsten Tagen mehrere Videos hier hochladen.
Drücke gern die Glocke unter diesem Video, dann werden dir diese auch angezeigt.
Christentum und kriegstreibende Christen
Okay, das Christentum verspricht also keinen Weltfrieden. Aber wie steht es mit kriegstreibenden Christen? Wir wissen alle, dass es Menschen gab, die sich in der Vergangenheit als Christen bezeichnet haben. Einige von ihnen haben Kriege begonnen und das Christentum genutzt, um diese zu rechtfertigen.
Ist das Christentum deshalb falsch? Du ahnst es schon: Das sind zwei verschiedene Dinge. Zum einen geht es darum, ob ein Krieg aus religiös-weltanschaulichen Motiven begonnen wird. Zum anderen geht es darum, ob diese Weltanschauung wahr ist.
Was bedeutet "wahr", fragst du vielleicht? Wahr heißt, dass eine Aussage mit der Realität übereinstimmt. Damit eine Weltanschauung wahr ist, müssen ihre Kernaussagen von der Realität gedeckt sein. Dann kann sie wahr sein. Wenn die Kernaussagen einer Weltanschauung jedoch der Realität widersprechen, ist sie nicht wahr.
Wahrheit des Christentums und zentrale Aussage
Konkret im Fall des Christentums macht das biblische Christentum eine Reihe von Aussagen über die Realität. Unverzichtbar, worauf du nicht verzichten kannst, steht im Mittelpunkt die Auferstehung von Jesus von Nazaret. Diese fand am Morgen des neunten April 30 in der Jerusalemer Oststadt statt.
Wenn Jesus von Nazaret genau dann und dort von den Toten auferstanden ist, dann ist das Christentum wahr. In diesem Fall sollten du, ich und jeder andere Christ sein. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist das Christentum falsch. Zum Beispiel, wenn Jesus nie gestorben wäre oder wenn Jesus nie auferstanden wäre, sondern immer noch tot wäre. Dann wäre das Christentum falsch, und niemand von uns sollte Christ sein – auch du und ich nicht.
Viele Menschen verstehen heutzutage nicht, dass es einen echten Unterschied gibt zwischen Meinungen und Fakten. Ich habe das mehrere Jahre an der Universität für Jurastudenten unterrichtet. Dabei habe ich genau erklärt, worin dieser Unterschied besteht und warum es so wichtig ist, ihn zu kennen.
Hier habe ich dir die wichtigsten Punkte daraus einfach verständlich für jeden ohne Vorwissen zusammengefasst. Nimm sie dir gern gratis mit. Lege dazu einfach auf den Link unter diesem Video.
Zweite Überlegung: Was bedeutet religiöser Krieg?
Und Vorgedanke zwei von zwei, bevor wir uns gleich die konkreten Zahlen, Daten und Fakten anschauen.
Kritiker behaupten häufig, Religionen verursachen Kriege. Aber was genau bedeutet das eigentlich?
Rein logisch betrachtet müsste ein Krieg, damit er als religiös gilt, zwei Bedingungen erfüllen: Erstens müsste der Krieg von Machthabern begonnen werden, die einer bestimmten Religion angehören. Zweitens müssten diese Machthaber diese Religion als Grund für den Krieg anführen.
Führe dir das jetzt einmal konkret vor Augen. Dabei wird deutlich, dass es im Einzelfall ziemlich schwierig ist, festzustellen, ob das überhaupt zutrifft.
Das beginnt schon damit, dass jemand, nur weil er behauptet, einer Religion anzugehören, nicht zwangsläufig tatsächlich dieser Religion angehört.
Schwierigkeit der Religionszugehörigkeit und historische Beispiele
Ich gebe dir mal ein absurdes, lächerliches Beispiel.
Stell dir vor, ich wäre ein Westeuropäer, der nie die Tora oder den Talmud gelesen hat, den Sabbat nicht hält, mit einer Nichtjüdin verheiratet ist und jeden Tag eine Rostbratwurst vom Schwein isst. Und ich würde behaupten, orthodoxer Jude zu sein, und von dir verlangen, mich auch so zu behandeln. So funktioniert das nicht.
Man gehört nicht einfach einer Religion an, nur weil man es behauptet oder sich selbst so bezeichnet.
Wie ist das bei Christen? Genauso. Nur weil ich behaupte, Christ zu sein, bin ich nicht automatisch einer. Das gilt auch heute. Nicht alle Christen sind in der Kirche, und längst nicht alle Menschen, die in der Kirche sind, sind Christen. Das bestreitet kaum jemand.
Historisch gesehen ist es ebenfalls so. Schau dir nur die mittelalterliche europäische Geschichte an und was einige Menschen dort geglaubt und praktiziert haben – oft widersprach das dem Christentum komplett. Im Nachhinein festzustellen, ob jemand wirklich Christ war, ist häufig unmöglich. Bei einigen historischen Personen spricht die Beweislast sogar ganz deutlich dagegen.
Deshalb müssen wir beispielsweise festhalten, dass manche Bischöfe, Kirchenoper und Päpste mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Christen waren.
Schwierigkeit der Einordnung von Kriegen als Religionskriege
Es ist sehr schwierig, einen konkreten Krieg als christlich motiviert zu bezeichnen. Nehmen wir als bekanntestes Beispiel den Dreißigjährigen Krieg. Möglicherweise waren die religiösen Motive am Anfang noch die stärkeren Triebfedern, das kann sein. Doch die meisten Historiker sind sich einig, dass sich das schnell geändert hat. Der Dreißigjährige Krieg wurde nach wenigen Jahren zu einem Territorialkrieg, bei dem die unterschiedlichen Parteien Land erobern und Land verteidigen wollten. Es handelte sich also hauptsächlich um politisch-wirtschaftliche Gründe, die den Krieg am Laufen hielten.
Das heißt: Christentum hin oder her – können wir den Dreißigjährigen Krieg dann noch guten Gewissens überhaupt als Religionskrieg zählen?
Ähnlich verhält es sich beim abscheulichen vierten Kreuzzug. Zunächst hieß es, dass Jerusalem erobert werden sollte. Dann war plötzlich von Ägypten die Rede. Doch schließlich griffen die Angreifer aus Venedig, die sich selbst als Christen bezeichneten, das ebenfalls christliche Konstantinopel an. Ihr Ziel war es, den Handelskonkurrenten Konstantinopel auszuschalten, da dieser zu dem Zeitpunkt der größte Konkurrent von Venedig war.
Die Angreifer vernichteten unbeschreiblich wertvolle Kunstgegenstände, stahlen Menschheitsschätze, rissen jahrhundertealte Bauwerke ein und – am wichtigsten – schlachteten Abertausende Zivilisten ab. Es ging also um Eroberung, Zerstörung und Vernichtung – und das alles nur für Macht und Reichtum, und das unter Christen. Absolut krank, wirklich.
Kann man das aber noch guten Gewissens als religiösen Krieg bezeichnen, wenn es vor allem um die Sicherung von Handelsrouten ging?
Definition von Krieg und methodische Herausforderungen
Und damit sind wir bei der entscheidenden Frage, die wir nun mit Fakten beantworten wollen: Verursachen Religionen die meisten Kriege?
Zunächst muss geklärt werden, was genau ein Krieg ist und ab wann ein Konflikt als Krieg gilt. Es gibt unterschiedliche Definitionen, doch der gemeinsame Nenner, auf den sich alle Definitionen einigen, lautet wie folgt:
Damit etwas als Krieg bezeichnet werden kann, muss es
A) ein Konflikt sein – das ist logisch,
B) zwischen Gruppen stattfinden, also mindestens zwischen zwei verschiedenen Gruppen oder mehr,
C) gewaltsam und bewaffnet sein. Das bedeutet, der Konflikt muss mit Waffengewalt geführt werden und Menschen müssen dabei zu Schaden kommen,
und zuletzt
D) organisiert sein.
Wenn zum Beispiel zwei Hooligans nach einem Fußballspiel aufeinandertreffen, kann das zwar gewaltsam sein und eventuell auch bewaffnet, doch es ist nicht von oben organisiert.
Die Minimaldefinition lautet daher: Ein Krieg ist ein organisierter, bewaffneter, gewaltsamer Konflikt zwischen Gruppen.
Überblick über dokumentierte Kriege und deren Erforschung
Okay, jetzt haben wir eine gute Vorstellung davon, was ein Krieg ist. Die nächste Frage lautet: Wie viele solcher Konflikte und Kriege lassen sich in der Menschheitsgeschichte dokumentiert erfassen? Und bei wie vielen dieser Kriege kann man eine religiöse Motivation feststellen?
Dabei sind zwei Dinge zu beachten.
Erstens: Bis jetzt sind nicht alle Kriege der Menschheitsgeschichte restlos erfasst. Warum? Weil die historische und archäologische Forschung ständig voranschreitet. Das bedeutet, dass Historiker im Laufe der Jahrzehnte neue, glaubhafte Dokumente finden. Gleichzeitig graben Archäologen neue Schlachtfelder und Gräber aus, die belastbar auf Kriege hinweisen.
Das führt dazu, dass wir die Listen der bisher erfassten Kriege regelmäßig mit dem neuesten gesicherten Kenntnisstand aktualisieren müssen. Und genau das geschieht auch.
Zweitens: Eine weitere Aufgabe von Historikern ist es, einzelne Kriege voneinander abzugrenzen. Das heißt, sie müssen festlegen, bis wohin etwas als ein Krieg zählt und ab wann bei längeren Konflikten gesagt wird: Der erste Konflikt ist eindeutig und abtrennbar zu Ende. Jetzt haben wir es mit einem ganz anderen, zweiten Konflikt zu tun, den man aus bestimmten Gründen klar vom ersten trennen muss.
Auch hier kann es vorkommen, dass sich der Forschungsstand mit zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ändert. Dadurch müssen wir die Anzahl der bisher erfassten Kriege immer wieder einmal um einen Krieg nach oben oder nach unten korrigieren. Und das ist in Ordnung.
Quellen für verlässliche Daten und erste Zahlen
Jetzt denkst du vielleicht: Alles schön und gut, aber abgesehen von den Details, wo fange ich überhaupt an, um mir einen Überblick über das große Ganze zu verschaffen? Wo kann ich sehen, was man eigentlich schon gesichert weiß?
Ein guter Start für solche Fragen sind immer Nachschlagewerke, Lehrbücher und Enzyklopädien. In unserem Fall haben die Militärhistoriker Dr. Alan Axelrod und Charles Phillips das dreibändige Standardwerk Encyclopedia of Wars herausgebracht. Darin werden über den Verlauf der internationalen Menschheitsgeschichte 1.763 bewaffnete und organisierte Konflikte zwischen Gruppen aufgelistet – also 1.763.
Diese Zahl am Anfang überrascht. Ich hätte rein vom Bauchgefühl gedacht, dass es mehr Kriege wären. Aber dazu muss man bedenken, dass a) hier nur die Kriege aufgelistet sind, über die wir durch historische Dokumentation und archäologische Funde sicher informiert sind, und b) wir reden von echten Kriegen mit insgesamt hunderten Millionen Opfern.
Und das war mein Denkfehler am Anfang. Wir reden ja von Kriegen – also nicht von Kämpfen, nicht von Scharmützeln, nicht von Schlachten, sondern von teilweise jahrelangen oder jahrzehntelangen Kriegen, die ganze Landstriche betreffen. Zum Vergleich: Der gesamte Erste Weltkrieg zählt hier auch nur als ein einziger Krieg.
Außerdem musst du dir vor Augen halten, dass nicht nur Abertausende Menschen auf dem Schlachtfeld getötet werden, sondern in vielen Kriegen die Mehrzahl der Opfer erst nach der Beendigung des eigentlichen Krieges stirbt. Das heißt in den Monaten und Jahren danach, durch Seuchen, Hungersnöte, Sklaverei und Armut.
Um das einzuschätzen, gibt es unter Militärhistorikern die sogenannte Civilian to Combatant Fatality Ratio. Das heißt das Verhältnis, bei dem man sehen will: Wie viele Todesfälle gibt es im Vergleich zwischen Soldaten, die auf dem Schlachtfeld gekämpft haben, und Zivilisten?
Diese Kennziffer liegt bei den Kriegen, zu denen ich recherchiert habe, teilweise weit über fünfzig Prozent. Das heißt, für jeden Soldaten auf dem Schlachtfeld stirbt noch mindestens ein bis zwei zusätzliche Zivilisten – häufig wesentlich mehr und meistens Frauen und Kinder.
Und da sprechen wir noch nicht einmal über die Langzeitfolgen.
Statistische Auswertung: Anteil religiös motivierter Kriege
Lassen Sie uns mit diesem Vorwissen nun die eigentliche Frage beantworten: Wie viele Kriege sind tatsächlich religiös motiviert?
Die Militärhistoriker Phillips und Dr. Axelrod haben im zweiten Band ihrer Enzyklopädie einen vollständigen Index erstellt, in dem sie 1763 Kriege systematisch und Schritt für Schritt aufgelistet haben. Daraus lässt sich entnehmen, dass insgesamt 1641 Kriege – ich wiederhole, 1641 Kriege – nicht sinnvoll auf religiöse Motive zurückgeführt werden können. Das entspricht 93,1 Prozent.
Wenn also Kritiker behaupten, dass es ohne Religionen keine Kriege gäbe, liegen sie in 93,1 Prozent der Fälle falsch.
Es wird aber noch spannender: Von diesen 1763 Kriegen zählen Phillips und Axelrod 56 als religiös motiviert, jedoch nicht islamisch. Das heißt, unter diese 56 Kriege fallen sämtliche Konflikte, die christlich motiviert oder kirchlich veranlasst wurden, darunter alle Kreuzzüge.
Demgegenüber stehen allein 66 Kriege, die ausschließlich als islamisch motiviert gelten. Das bedeutet, die Enzyklopädie hält fest, dass auf den Islam mehr Kriege zurückgehen als auf alle anderen Religionen der Menschheitsgeschichte zusammen.
Fazit: Religionen und Kriege im Überblick
Verursachen Religionen also die meisten Kriege? Hier ist die aktuelle Statistik: Für jeden nicht-islamischen Religionskrieg gab es über einunddreißig Kriege, die tatsächlich nichts mit Religion zu tun hatten.
