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Psalm 73

Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel, Teil 18/26
06.06.2015Psalm 73
SERIE - Teil 18 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel

Nun möchte ich mit euch, wie schon angekündigt, heute den Psalm 73 ansehen. Ich habe ihn überschrieben mit „Asaf, der depressive Musiker“.

Zu Beginn möchte ich den Psalm vorlesen: Psalm 73, ein Psalm von Asaf.

Gott ist für Israel gut, für die, die reinen Herzens sind.
Ich aber wäre fast ausgeglitten, beinahe hätten meine Schritte gewankt, denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.

Denn keine Qualen haben sie bei ihrem Tod, und wohlgenährt ist ihr Leib. In der Mühsal der Menschheit sind sie nicht, und sie werden nicht wie andere Menschen geplagt.

Deshalb umgibt sie Hochmut wie ein Halsgeschmeide, Gewalttat umhüllt sie wie ein Gewand. Aus dem Fett tritt ihr Auge hervor, sie fahren daher in den Einbildungen ihres Herzens.

Sie höhnen und reden Bosheit, bedrückend, von oben herab sprechen sie. Sie setzen ihren Mund in den Himmel, und ihre Zunge ergeht sich auf der Erde.

Darum wendet sich hierher sein Volk, denn bei ihnen wird Wasser in Fülle geschlürft. Ja, sie sprechen: „Wie sollte Gott es wissen? Gibt es Wissen beim Höchsten?“

Siehe, diese sind gottlos und immer sorglos. Sie erwärmen sich an ihrem Vermögen. Wahrlich, umsonst habe ich mein Herz reingehalten und in Unschuld meine Hände gewaschen.

Doch ich wurde den ganzen Tag geplagt, meine Züchtigung ist jeden Morgen da. Wenn ich gesagt hätte: „Ich will ebenso reden“, so hätte ich treulos gehandelt gegenüber dem Geschlecht deiner Söhne.

Da dachte ich nach, um dies zu begreifen. Eine Mühe war es in meinen Augen, bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes.

Ich wollte dort ihr Ende bedenken, fürwahr: Auf lüpfrige Wege stellst du sie, du lässt sie in Täuschungen fallen.

Wie sind sie plötzlich zum Entsetzen geworden! Sie haben ein Ende gefunden, sind umgekommen in Schrecken.

Wie ein Traum nach dem Erwachen verachtest du, Herr, ihr Bild beim Aufstehen.

Als mein Herz erbittert war und es mich in meinen Nieren stach, da war ich dumm und verstand nicht.

Wie ein Tier war ich bei dir, doch ich bin stets bei dir.

Du hast meine rechte Hand erfasst, nach deinem Rat leitest du mich, und danach nimmst du mich in Herrlichkeit auf.

Wen habe ich im Himmel? Außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde.

Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.

Denn siehe, die, die sich von dir fernhalten, werden umkommen. Du bringst zum Schweigen jeden, der dir die Treue bricht.

Ich aber – Gott zu nahen ist mir gut. Ich habe meine Zuversicht auf den Herrn gesetzt, um alle deine Taten zu erzählen.

Soweit Gottes Wort.

Einleitung und Psalmtext

Wahrscheinlich erinnert sich der eine oder andere daran, dass dieser letzte Vers, der Anfang des letzten Verses, im Jahr 2014 die Jahreslosung war: Psalm 73.

Dieser Psalm stammt nicht von David, wie die anderen Psalmen, die wir uns zuvor angesehen haben. Er wurde von Asaf verfasst. Wer war Asaf?

Mich erstaunt das, denn heutzutage ist es ja modern, dass viele Kinder biblische Namen bekommen. Ich habe jedoch bisher noch niemanden getroffen, der Asaf hieß. Dabei ist der Name eigentlich sehr schön.

Sein Name bedeutet „Gott hat sich unser angenommen“. Vielleicht ist das eine Anregung für Eltern, ihren Kindern diesen Namen zu geben. Es wäre auch schön, wenn man erwarten könnte, dass das Baby dann ebenso musikalisch ist wie Asaf.

Asaf – Musiker und Gottesdienstdirektor

Asaf muss wirklich ein Genie gewesen sein – ein Genie sowohl im Texten als auch im Komponieren von Liedern. Er scheint etliche Musikinstrumente gespielt zu haben. Schon von David wurde er eingesetzt, um später im Tempel, den Salomo gebaut hat, Chorleiter zu sein.

Das war etwas Neues, denn bei der Stiftshütte gab es keinen Tempelchor. Ebenso neu war, dass David eine Gottesdienstordnung verordnet hatte, die für die Zeit nach dem Bau des Tempels galt. Diese regelte, wie die Gottesdienste im Tempel ablaufen sollten. David hatte alles vorbereitet, sodass Salomo, sein Sohn, dies nur noch durchführen musste – sowohl den Bau des Tempels als auch die Gottesdienstordnung. David hatte bereits alle Materialien für den Tempel gesammelt.

Es gab also einen riesigen Chor von ungefähr zweihundert Sängern und dazu ein Orchester. Das ist schon erstaunlich und wirklich großartig. Das müssen festliche Stunden gewesen sein, wenn der Chor auf den Treppenstufen des salomonischen Tempels stand und sang. Man kann annehmen, dass sie vor dem Tempel musizierten, um Gott zu ehren.

Von Asaf stammen zwölf Psalmen. Der erste Psalm von ihm ist sehr bekannt: Psalm 50. Ein Vers daraus ist besonders bekannt, die sogenannte „Telefonnummer Gottes“: „50,15 – rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Das ist Psalm 50 von Asaf. Außerdem stammen von ihm die Psalmen 73 bis 83.

Wir merken, dass Asaf ein besonderes Verhältnis zu Gott hatte. Aus seinen Psalmen wird deutlich, dass er nicht nur komponierte, indem er Noten in eine bestimmte Reihenfolge brachte. Ähnlich wie Johann Sebastian Bach komponierte er, um Gott die Ehre zu geben – nicht einfach, um schöne Musik zu machen. Bach schrieb über jedes Notenblatt abgekürzt „Soli Deo Gloria“ – „allein zur Ehre Gottes“. Das war die Überschrift auf jedem seiner Notenblätter. Darunter schrieb er in lateinischen Anfangsbuchstaben – ich kann kein Latein, deshalb auf Deutsch – „Danke, Herr“.

Bach wusste also, dass das, was er komponierte, zur Ehre Gottes war und von Gott kam. Ich habe den Eindruck, dass es bei den Psalmen von Asaf ähnlich ist. In der Bibel wird berichtet, dass alle seine Söhne ebenfalls hochmusikalisch waren und im Tempelchor beziehungsweise im Tempelorchester tätig waren. Sie spielten alle Instrumente und es wird gesagt, dass sie „geistgewirkt“ spielten. Das bedeutet, sie spielten nicht einfach nur die Noten, sondern es war ihnen ein Anliegen, Gott dadurch zu ehren.

Ich glaube, man merkt auch heute noch, ob ein Musiker das tut, weil er es einfach schön findet und Spaß an Noten hat, oder ob er es zur Ehre Gottes tut. Bei Asaf und seinen Söhnen merkt man das sehr deutlich. Deshalb macht mir die Bibel diesen Mann sehr sympathisch, und er wird immer nur positiv erwähnt.

Wir werden uns heute Abend einen weiteren Psalm von ihm ansehen: Psalm 77. Wahrscheinlich werdet ihr merken, dass Psalm 77 dasselbe Thema hat wie Psalm 73. Ich habe diesen Psalm heute Abend ganz bewusst gewählt, um uns daran zu erinnern, dass Asaf offensichtlich immer wieder mit einem bestimmten Problem zu kämpfen hatte – ein Problem, das er auch in Psalm 73 vorstellt.

Das zentrale Thema und die Überschrift des Psalms

Schauen wir uns zunächst Vers 1 an. Vers 1 ist sozusagen die Überschrift oder das Ergebnis des gesamten Psalms. Bei uns ist das oft nicht der Fall. Wenn wir ein Liederbuch haben, sind die Lieder meistens nach der Anfangszeile sortiert und nicht nach dem Inhalt. Wir merken uns Lieder nach der ersten Zeile. Asaf hingegen schreibt den Inhalt des Liedes oben als Überschrift. Er schreibt: „Gott ist seinem Volk gut, denen, die reinen Herzens sind.“

Das ist also das Ergebnis, das er in diesem Psalm schildert. Er kommt zu dem Schluss, dass das, was Gott mit uns tut, gut ist. Ähnlich wie Paulus später im Römerbrief sagt: Alle Dinge müssen denen, die Gott lieben, zum Guten mitwirken. So sagt auch Asaf das. Es ist, als hätte Paulus diesen Psalm gelesen – was er sicherlich auch getan hat.

Für Asaf ist Gott gut zu Israel, aber er macht keinen Punkt dahinter. Viele Israeliten, bis heute, meinen, Gott sei der Gott Israels, und das reiche. Aber Asaf sagt: Moment, es gibt eine Einschränkung. Auch in Israel sind nicht alle Menschen gut, und deshalb ist Gott nicht mit jedem einzelnen Israeliten gut. Er macht die Einschränkung: denen, die reinen Herzens sind.

Das heißt, Gott kann nur denen gut sein, die innerlich offen sind, die alles mit Gott bereinigt haben und ihr Herz vor Gott gereinigt haben. Dann schildert er sein Problem. Der eigentliche Psalm beginnt praktisch mit Vers 2.

Ein wichtiger Punkt dabei ist: Welches Bild habe ich von Gott? Asaf schreibt das Ergebnis des Psalms, aber in den nächsten Versen macht er deutlich, dass er zunächst ein falsches Bild von Gott hatte.

Das falsche Gottesbild und persönliche Kämpfe

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Christen, auch wenn sie gläubig geworden sind, ein falsches Bild von Gott haben. Entweder sehen sie Gott wie einen alten Opa, der im Sessel sitzt, zu allem nickt und alles laufen lässt. Dann könne man tun, was man wolle. Oder sie stellen sich Gott vor wie einen Polizisten, der hinter jeder Straßenecke mit der Radarkamera steht und immer darauf achtet, ob man alles richtig gemacht hat.

Häufig prägt unser eigenes Gottesbild das Bild, das wir von Gott haben. Dieses Gottesbild ist oft davon beeinflusst, wie unser eigener Vater gewesen ist. Ich erinnere mich gut an unsere Pflegetochter, die wir sieben Jahre in unserer Familie hatten. Sie kam zu uns, als sie neunzehn Jahre alt war und vorher auf der Straße lebte. Etwa sechs Wochen später kam sie zum Glauben.

Ich überlegte, wie ich dem Mädchen deutlich machen kann, wie Gott ist, und sagte ihr: „Gott ist wie ein Vater.“ Sie schaute mich entgeistert an und fragte: „Wieso ist er immer besoffen?“ Ihr Vater war Alkoholiker, hat sie als Kind geschlagen und missbraucht. Sie hatte einen Horror vor ihm. Schon der Anblick von Händen, die ähnlich aussahen wie die ihres Vaters, ließ sie durchdrehen.

Oft habe ich darüber nachgedacht, wie man solch einem Menschen erklären kann, wie Gott wirklich ist. Dabei merkt man, wie stark wir Menschen vom Bild geprägt sind, das wir aus unserem Elternhaus mitbekommen haben. Das ist eine riesige Verantwortung für uns Väter. Durch unser Verhalten prägen wir zunächst das Bild in den Kindern davon, wie Gott ist.

Man könnte nun sagen: Dann kann im Grunde niemand, der einen schlechten Vater hatte, ein gutes Gottesbild bekommen, oder? Aber der Herr Jesus gibt eigentlich die Lösung dazu. In der letzten Nacht vor seinem Sterben sprach er mit seinen Jüngern viel über den Vater. Im Johannes-Evangelium Kapitel 14 bis 17 spricht er pausenlos von seinem Vater im Himmel. Man hat den Eindruck, dass Jesus Heimweh hat.

Dann sagt Philippus zu ihm: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ Was antwortet Jesus darauf? „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt. Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“

Das ist im Grunde die Chance für jeden, der einen schlechten Vater hatte. Wenn du wissen willst, wie Gott als Vater ist, dann schau dir Jesus an. In Jesus kannst du erkennen, wie Gott ist. Das ist die Chance.

Das sagen wir auch immer unseren Gefährdeten in der Gefährdetenhilfe, die oft aus kaputten Verhältnissen kommen und sich danach sehnen, einmal Familie zu haben. Wie kannst du ein guter Vater sein, wenn du ein schlechtes Vorbild hattest? Wir sagen ihnen immer: Schau dir Jesus an, beschäftige dich mit ihm, wenn du ein guter Vater werden willst. Das ist im Grunde die Chance.

Asafs innerer Konflikt und Neid auf die Gottlosen

Wir merken hier bei Asaf, dass er zunächst ein falsches Bild von Gott hat. Er denkt: „Okay, ich muss gehorsam sein, ich bin Israelit.“ Die Israeliten haben gesagt: „Alles, was Gott gesagt hat, wollen wir tun.“ Sie haben sich verpflichtet, die Zehn Gebote zu halten, also macht er das auch.

Asaf hat ein Verhältnis zu Gott wie ein Knecht zu seinem Herrn. Im Laufe dieses Psalms wird deutlich, dass sich sein Gottesbild verändert. Nicht die Situation, in der er sich befindet, verändert sich, sondern sein Gottesbild wandelt sich.

Das schildert er in den nächsten Versen. Zunächst hat er ein völlig falsches Bild von Gott. In Vers 2 heißt es: „Ich aber…“ Damit setzt er sich im völligen Gegensatz dazu. Er muss bekennen, dass er kein reines Herz hat. Fast wären seine Füße ausgeglitten, beinahe hätten seine Schritte gewankt.

Ich nenne diesen Psalm gerne den Glatteispsalm. Asaf sagt, er war kurz davor, hinzufallen – so wie heute junge Leute sagen, dass sie „auf die Schnauze fallen“. Asaf merkt, dass er mit seinem Glauben durcheinanderkommt. Fast wären seine Füße ausgeglitten.

In Vers 3 begründet er, warum er ins Wanken kommt. Er merkt, dass er kein reines Herz hat. Das, was er beschreibt, ist Neid. Er sagt: „Ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.“

Asaf schaut sich die Leute an, die zum Gottesdienst kommen. Ich stelle mir das sehr plastisch vor: Asaf steht vor seinem großen Chor. Vielleicht denkst du: „Asaf, das ist eine fantastische Aufgabe, so einen Beruf hätte ich auch gerne. Den ganzen Tag Halleluja singen lassen und dafür bezahlt werden.“ Das ist so ähnlich wie bei einem Reisebruder, der durch die Gemeinden zieht, ein bisschen predigt und dafür bezahlt wird. Herrlich!

Ich erinnere mich an einen Reisebruder, der Hausbesuche machte, also die Geschwister in den Gemeinden besuchte. Ich habe ihn begleitet. Wir kamen zu einer Familie, und der Ehemann war sehr ablehnend. Wir saßen bei Kaffee, und er sagte zu diesem Reisebruder: „Das lobe ich mir, so einen Beruf hätte ich auch gern – Reisebruder in den Gemeinden. Man kann morgens lange ausschlafen, gut frühstücken, danach zwei Stunden die Bibel studieren, abends vielleicht eine Bibelstunde halten und sich durch die Gemeinde fressen.“

Dass manche das denken, kann ich noch verstehen, aber dass er das sagte, fand ich schon sehr heftig. Doch der Reisebruder antwortete: „Weißt du, wenn das so ist und wenn der Reisebruder so ist, dann hast du Recht. Am besten wechselst du den Beruf.“

Es könnte natürlich auch anders sein. Stell dir vor, so ein Reisebruder sitzt vor dir und lässt sich nicht beeindrucken von solchen Worten. Stattdessen stellt er dir eine Frage. Stell dir vor, er sitzt vor dir und fragt ganz einfach: „Wann hast du deiner Frau zum letzten Mal einen Kuss gegeben?“

Er war mitten im Thema, hatte gerade eine Ehekrise. Wenn man irgendwo etwas Schwieriges hat, versucht man oft, davon abzulenken und ein anderes Thema aufzumachen. Ich habe diesen Reisebruder oft begleitet, wenn er bei uns die Geschwister besucht hat. Ich habe mich immer gewundert, wie er in kürzester Zeit auf den Punkt kam.

Asaf vergleicht sich mit anderen und schneidet schlecht ab. Ich stelle mir vor, wie er da steht und dirigiert. Viele Dirigenten singen nicht mit. Manche tun das, aber manche dirigieren nur. Das kann mechanisch werden.

Ich stelle mir vor, wie Asaf über seine Sänger hinwegschaut und die Gottesdienstbesucher beobachtet. Er schildert sie hier: „Denen geht es gut. Wohlergehen der Gottlosen, keine Qualen bei ihrem Tod, wohl genährt ist ihr Leib.“ Man kann sich das richtig vorstellen.

Sie sind nicht in der Mühsal der Menschheit, werden nicht wie andere geplagt. Deswegen umgibt sie Hochmut wie ein Halsgeschmeide, und Gewalttat umhüllt sie wie ein Gewand. Sie werden wirklich beschrieben wie richtige Fettwespen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Asaf da steht und die Gottesdienstbesucher sieht. Draußen auf dem Parkplatz stehen Mercedes, Audi und andere noble Karossen. Er weiß, sie haben alle ihr Eigenheim in den jüdischen Bergen und in Galiläa.

Und Asaf denkt: „Ihr kennt das, armer schwarzer Kater, keiner hat mich lieb. Ich bin ein ganz einfacher Chordirigent und habe nur ein kleines Apartment im Seitentrakt des Tempels.“ Was ist das? „Ich hätte auch gern so ein Haus, oder? Ich hätte auch gern so ein Auto, ich fahre nur Moped.“

Vielleicht geschieht es, dass wir auf andere neidisch werden. Du bist hier im Heim, es geht dir gut, du wirst versorgt. Du machst einen kleinen Spaziergang in der näheren Umgebung. In den letzten Jahren sind hier nebenan ein paar Häuschen gebaut worden. Du gehst da durch und denkst: „Hm, nicht schlecht. Könnte ich mir vorstellen.“

Vielleicht nicht so knallgelb, auch nicht hellblau, aber ein paar sehen schon ganz gut aus, oder? Und schon vergleichst du deine Mietwohnung irgendwo, und dann merkst du, dass es anfängt. Neid fängt langsam an und wächst. Es schnürt dir den Hals zu.

Natürlich kennst du die Verse aus 1. Petrus 2, dass Neid Sünde ist. „Nein, ich bin ja nicht wirklich neidisch.“ Oder doch? Ich glaube, es ist äußerst schwierig. Wir sind so angelegt, dass wir uns immer benachteiligt fühlen.

Das braucht man keinem Kind beizubringen, oder? Jeder will beim Spielen der Erste sein. Selbst wir Erwachsenen müssen uns zusammennehmen, damit die Enkel mal gewinnen. Im Grunde möchte man immer vorne sein.

Wir merken, dass wir von Natur aus neidisch sind. Asaf merkt, dass es langsam hochkocht. Er beobachtet die anderen in seiner Umgebung. Du brauchst dich nur umzuschauen. Guck dir die Christen in den Gemeinden an. Die meisten sind Durchschnittsbürger.

Gut, die meisten christlichen Gemeinden gehören zum deutschen Mittelfeld. Aber in Schwaben: Was ist der Wunsch eines Schwaben? Häusle bauen. Deswegen gibt es hier auch Bausparkassen. Der Traum eines jeden Deutschen ist ein Häusle, ein Benz, eine schöne Frau, zwei artige Kinder, bald Rente und Rosen züchten.

Wir denken: „Ja, ich will ja gar nicht so ein Großkopfotter sein.“ Den Gottlosen geht es gut. Ich glaube, das ist heute nicht anders als damals bei Asaf.

Aber Asaf schaut sich die Leute an, die ihn umgeben, und er wird neidisch. Was macht er damit? Stell dir vor, er steht da, immer noch dirigierend, und ruft: „Gottes gnädig und barmherzig, Halleluja, Halleluja!“

Doch das kennen wir auch: Wir können die tollsten Lieder singen, und es geht da rein und wieder raus. Wenn du hinterher fragst: „Was hast du gerade gesungen?“ – „Ach, war ein schönes Lied.“

Wir sind nicht anders als Asaf. Sein Beruf wird einfach nur Handwerk. Asaf merkt, dass Neid ihn nach unten zieht. Er beschreibt es so: „Siehe, sie sind Gottlose, und immer sorglos erwerben sie sich Vermögen“ (Vers 13).

„Umsonst habe ich mein Herz reingehalten und im Unschuld meine Hände gewaschen, doch ich wurde geplagt den ganzen Tag. Meine Züchtigung ist jeden Morgen da.“

Wir merken, dass Asaf nicht nur weniger verdient als die meisten Gottesdienstbesucher, sondern auch krank ist. Er wurde geplagt. Später kann man entnehmen, dass es ihn in den Nieren stach – offensichtlich hatte er Nierenbeschwerden.

Er sagt, jeden Morgen war seine Züchtigung neu. Wir können uns das gut vorstellen: Du kommst bei Nierenschmerzen nicht zum Schlafen, bist morgens wie gerädert.

Er merkt, dass seine Gedanken ihn nach unten ziehen. Was nützt es mir, dass ich fromm bin? Wie viele sagen das auch: „Was habe ich davon, Christ zu sein? Vieles darf ich nicht als Christ, alles das, was Freude macht.“

Viele Menschen meinen, wenn sie Christ werden, dürfen sie dies und das nicht mehr. „Ach nee, dann bleibe ich lieber nicht Christ.“

Es kann durchaus sein, dass du plötzlich neidisch wirst auf die anderen, die kein Gewissen haben, die sich nicht darum kümmern, was Gottes Wort sagt. Und dann kommt die große Wende.

Die Wende im Denken – Vom Grübeln zum zielgerichteten Nachdenken

Ich denke, der wichtigste Vers in dem ganzen Psalm ist Vers sechzehn. Vers sechzehn markiert die Wende in Asafs Denken, und genau da begann ich nachzudenken. Man könnte fragen: Asaf, hast du vorher nicht gedacht? Was war denn mit den Versen zwei bis fünfzehn? Hast du da nicht nachgedacht? Asaf antwortet: Nein, das war kein wirkliches Denken, das war Grübeln.

Die Bibel unterscheidet zwei Arten von Denken, und wir kennen, glaube ich, beide. Grübeln ist Denken im Kreis. Du denkst über etwas nach, kommst aber zu keinem Ergebnis. Du findest auch nicht den Knopf zum Ausschalten. Es dreht sich und dreht sich. Besonders nachts ist das häufig so: Du drehst dich von einer Seite auf die andere, bewegst einen Gedanken hin und her, und kommst zu keinem Ergebnis. Du sagst dir: „Jetzt will ich abschalten und schlafen“, doch es geht nicht, und die Gedanken drehen sich weiter und weiter. Das ist Grübeln.

Grübeln ist also Denken im Kreis. Ihr kennt wahrscheinlich alle noch dieses Kinderspielzeug, den Kreisel, der so schön Musik macht. Das ist Grübeln. Der Kreisel dreht sich um sich selbst und was passiert? Er fällt zuletzt um. Man wird schwindelig, man nennt das Burnout. Im Grunde ist das Kreiselspielen: Ich, ich, ich, ich, ich, ich, bumm!

Asaf sagt in Vers sechzehn: „Da dachte ich nach.“ Denken ist zielgerichtetes Nachdenken. In der Bibel bedeutet Denken, ein Ziel zu haben, um zu einem Ergebnis zu kommen. Ich drehe mich nicht um mich selbst, sondern ich brauche beim Denken ein Ziel. Und das ist im Grunde das Geheimnis.

Das, was Asaf hier tut, nenne ich gerne Gedankenstopp. Wenn du grübelst, musst du bewusst einen Stopp setzen: Halt, so nicht weiter! Asaf tut das hier in Vers sechzehn: „Da dachte ich nach.“ Und was tut er dann? „Bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes.“

Die Frage an uns ist: Grübelst du noch oder denkst du schon? Paulus sagt in 2. Korinther 10, Vers 5, dass wir unsere Gedanken gefangen nehmen sollen unter dem Gehorsam Christi. Das heißt: Ich darf nicht denken, was ich will.

Die meisten Menschen meinen, ich darf denken, was ich will. Wir haben Meinungsfreiheit. Selbst wenn ich meine Meinung und mein Denken nicht äußern darf, darf ich doch denken, was ich will, oder? „Die Gedanken sind frei, wer kann sie ergründen?“ Wir meinen, dieses Lied sei die Grundlage der Meinungsfreiheit. Ende des 17. Jahrhunderts wurde es zum ersten Mal auf Flugblättern in Deutschland verbreitet. Wer dieses Lied damals vertrieb, bekam Gefängnisstrafe.

Dieses Lied macht deutlich: Egal, was die anderen denken und sagen, du kannst denken, was du willst. Die Gedanken sind frei. Interessanterweise ist dieses Lied auch Grundlage bei vielen Christen. „Lass denen da vorne reden, was sie wollen, lass die Bibel sagen, was sie will, ich sehe das anders.“ Das ist die Auswirkung dieses Liedes, das ist die Auswirkung der sogenannten Meinungsfreiheit.

Nein, ich darf nicht denken, was ich will. Gott hat es zwar gut gemacht, dass keiner meine Gedanken sehen kann. Stellt euch vor, jeder hätte vor der Stirn ein kleines Fenster, dahinter schwirren die Gedanken und jeder könnte hineinschauen. Ach, was gäbe das für ein Laufen um matte Scheiben einzukaufen! Es ist gut, dass Gott das da oben zugemacht hat, oder?

Stellt euch vor, ich könnte eure Gedanken sehen und ihr meine – was wäre das? Wir säßen alle mit roten Ohren hier. Es ist schon gut, dass ich nicht weiß, was ihr über mich denkt. Und ich glaube, das ist etwas, was Gottes Wort sagt: Nein, du darfst nicht denken, was du willst.

Salomo sagt in den Sprüchen – ich glaube, es ist im Prediger – dass du selbst in deinem Schlafzimmer deine Gedanken hüten sollst, denn die Vögel könnten das Wort mitnehmen. Man hat den Eindruck, Salomo hätte schon etwas von Wanzen gewusst. Er warnt davor, selbst im Geheimen nicht Falsches zu denken, weil aus meinen Gedanken Sprechen wird.

Und was sagt der Volksmund? Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, weil dann die Hemmschwelle nicht mehr da ist, das, was man denkt, für sich zu behalten, sondern hinausposaunt wird. Die Bibel sagt: Pass auf deine Gedanken auf, du darfst nicht denken, was du willst.

Asaf gibt hier einen Hinweis. Ich habe einen Grundriss vom damaligen salomonischen Tempel. Stellt euch vor, der Chor stand hier, Asaf steht oben, und die Gottesdienstbesucher kommen hier hinein. Das Lied ist zu Ende, der letzte Akkord verklingt. Schade, dass man bei gottesdienstlichen Liedern nicht klatschen darf.

Asaf wird gesagt haben: Schade, selbst das kriege ich nicht als Belohnung. Da wäre ich doch ein weltlicher Komponist geworden. In der Stadthalle hätte es Applaus gegeben, und ich wäre dafür entlohnt worden. Aber hier als Tempeldirigent bekomme ich nur einen Gotteslohn: „Der Herr segne dich.“ Was kann ich davon kaufen?

Wir kennen wahrscheinlich diese innere Spannung. Asaf sagt: Es zog mich herunter, und dann dachte ich nach. Er sagt weiter, bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes. Wahrscheinlich konnte er nicht weiter. Ich weiß nicht, ob Asaf Levit war; auf jeden Fall war er kein Priester. Er geht praktisch in die Gegenwart Gottes.

Dann dreht er sich wieder um und schaut aus dieser Perspektive zurück. Er betrachtet seine Situation, die ihn vorher heruntergezogen hat, jetzt aus der Perspektive Gottes.

Die neue Perspektive – Gottes Blick auf die Gottlosen

Und plötzlich kommt er zu völlig anderen Ergebnissen. Wie denkt Gott über deine Situation?

Plötzlich merkt er: Mein Neid, mein Vergleichen haben immer nur mein irdisches Leben betroffen. Sie sind niemals in meinen Gedanken über das Sterben hinausgegangen.

Und plötzlich sagt er: „Bedenken will ich ihr Ende; fürwahr, auf schlüpfrige Wege stellst du sie, du lässt sie in Täuschungen fallen. Wie sind sie so plötzlich zum Entsetzen geworden! Sie haben ein Ende gefunden, sind umgekommen in Schrecken. Wie ein Traum nach dem Erwachen verachtest du, Herr, beim Aufstehen ihr Bild.“

Plötzlich merkt er, als er aus der Perspektive Gottes schaut: Es geht ja weiter. Es geht nicht nur bis zum Tod. Es geht nicht nur um dieses Leben hier auf der Erde. Es geht nicht um mein kleines Gehalt und all das, auch nicht um meine Krankheit.

Und er zieht das Resultat: „Als mein Herz erbittert war und es mich in meinen Nieren stach, da war ich dumm.“

Plötzlich beginnt er, völlig anders zu denken. In den Versen 18 bis 28 stimmt Asaf sozusagen ein neues Lied an. Er lobt Gott.

Das Interessante ist: Es verändert sich bei ihm nicht die Situation. Seine Nierenschmerzen hat er noch, genauso wenig Gehalt wie vorher. Er wohnt immer noch in dem kleinen Apartment, und die Zuschauer sind immer noch genauso dick.

Aber er hat auf einmal einen neuen Blick. Er merkt, das Eigentliche kommt danach. Und darum geht es.

Wir müssen uns dann auch fragen: Was erwartet uns in der Zukunft? Wofür können wir danken?

Es ist erstaunlich, wie sich in diesem Psalm plötzlich sein Herz verändert.

Das Fazit – Gott zu nahen ist mein Glück

Und dann setzt er in Vers 28 zum Schlussakkord an: „Ich aber.“ Merkt er, er sagt das gleiche Wort wie in Vers 2. Er hatte die Überschrift gesagt: „Gott ist Israel gut, denen, die reinen Herzens sind.“ Ich aber war auf dem absteigenden Ast.

Jetzt schaut er aus der Perspektive Gottes und sagt: „Ich aber, Gott zu nahen, ist mir gut.“ Oder nach der Luther-Übersetzung: „Gott nah zu sein ist mein Glück.“

Ich habe meine Zuversicht auf den Herrn gesetzt, um alle seine Taten zu erzählen. Dazwischen sagt er auch: Wen habe ich im Himmel? An nichts habe ich sonst Lust auf der Erde.

Vorher hat er gefragt: Was habe ich davon, dass ich fromm bin? Hier, aus der Gegenwart Gottes, wird deutlich: Gott ist mein Alles.

Wir merken, es ist wichtig für uns, sobald ich merke, dass in meinem Herzen Neid kommt, dass ich mich mit anderen vergleiche, dass ich zu Gott gehe und sage: Zeige mir deinen Blick. Zeig mir, wie du die Situation siehst.

Ich habe, nachdem ich den Psalm so durchgegangen bin, diesen Psalm mal optisch anders aufbereitet. Dabei ist mir etwas aufgefallen. Ich habe den Psalm bis Vers 15 geschrieben und einige Worte fett gemacht. Merkt ihr, welche Worte vorkommen? Sie, Sie, Sie, Ihnen, Ihnen und auch ich. Er vergleicht sich mit den anderen.

Deswegen habe ich den Pfeiler dran: Das zieht mich runter. Und ich habe gesagt, Vers 16 ist die Wende, und ab Vers 16 geht es nach oben.

Deshalb habe ich die Verse jetzt mal von unten nach oben lesend gemacht. Dabei stellst du fest: Was sind da die Wörter? Du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du, du.

Wir merken: Im ersten Teil bis Vers 15 schaut Asaf auf die Menschen um sich herum und auf sich selbst. Das zieht ihn runter. Ab Vers 16 schaut er auf Gott, und das zieht ihn hoch.

Vielleicht hilft euch das dabei: Macht euch einen fetten Strich zwischen Vers 15 und 16. An diesem Punkt macht Asaf seinen Gedankenstopp. Nein, ich will nicht weiter negativ denken. Das ist eine Willensentscheidung.

Über Gott nachzudenken kommt nicht von alleine, sondern nur, wenn ich es will. Vielleicht hilft es uns, sich das vor Augen zu halten. Wir werden heute Abend merken: Das Gleiche ist noch einmal in Psalm 77 zu finden.

Das macht deutlich, Asaf hatte mit diesem Problem immer wieder zu tun. Und in unserem Leben merken wir das auch. Wenn du einmal verstanden hast, dass du Gedanken stoppen musst, dass du nicht weiter grübeln darfst, dann ist das nicht wie bei einer Bekehrung. Du musst es immer wieder einüben, damit es zu deinem Lebensmotto wird.

Bei Asaf merken wir das sehr deutlich. Nehmt das so mit: „Gott zu nahen ist mir gut“ oder „Gott nah zu sein ist mein Glück.“ Amen.

© Autor, Referent: Eberhard Platte

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