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Die 7 Sendschreiben und ihre Bedeutung für die Endzeit - Teil 1/3

Einleitung
Offenbarung 227.10.2019
SerieTeil 1 / 3Die 7 Sendschreiben und ihre Bedeutung für die Endzeit
Warum wirkt die Gemeinde heute so kraftlos? Die sieben Sendschreiben zeigen schonungslos, woran Liebe, Wahrheit und Mut im Glauben zerbrechen – und warum genau das jetzt zählt.
Guten Morgen, ich begrüße alle ganz herzlich.
Wir wollen uns heute ganz intensiv mit Offenbarung 2 und 3 beschäftigen, unter dem Titel: Die sieben Sendschreiben und ihre Bedeutung für die Endzeit.
Zu Beginn möchte ich ein paar Verse lesen aus Offenbarung 1, ab Vers 1. Denn im ersten Kapitel finden wir die Grundlagen, um dann Kapitel 2 und 3 zu verstehen, und übrigens auch alle weiteren Kapitel.
Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. Und durch seinen Engel gesandt, hat er es seinem Knecht Johannes gezeigt, der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi, alles, was er sah.
Glückselig, der da liest, und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
Johannes, den sieben Gemeinden, die in Asia sind: Gnade euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher der treue Zeuge ist, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde.
Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern, seinem Gott und Vater, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!
Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die ihn durchstochen haben. Und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme des Landes. Ja, Amen!
Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.
Das war bis Vers 8.

Der Schlüssel zum Verständnis der Offenbarung

Um die Siebzehn Schreiben gut verstehen zu können, möchte ich zu Beginn überhaupt eine kurze Einführung in das Buch der Offenbarung geben. Und da ist eben, wie gesagt, Offenbarung 1 ganz, ganz wichtig.
Im ersten Vers haben wir nämlich verstanden, oder wenigstens gehört. Und jetzt müssen wir noch verstehen: Dieses Buch ist kein verschlossenes Buch, wie viele meinen. Man kann es eh nicht verstehen. Nein, es heißt nicht das verborgene Jesu Christi, sondern Offenbarung Jesu Christi. Auf Griechisch heißt das Apokalypse, Apokalypsis. Apo heißt weg, Kalypse, Decke, also: Decke weg.
Hier wird also etwas klargemacht, was vorher verborgen war, aber gerade durch die Offenbarung enthüllt wird. Und damit ist schon ein wichtiger Grundsatz da: Es lohnt sich, die Offenbarung zu studieren, denn Gott möchte uns damit Dinge klar machen.
Aber man muss natürlich gut beachten, dass es heißt: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. Einmal, das war noch auf dem Gymnasium, also einige Jahre her, da kam ein Kollege zu mir und sagte, er hätte begonnen, in der Bibel zu lesen, aber er verstehe überhaupt nicht, was da steht. Ich habe gefragt: Was liest du? Die Offenbarung. Ich habe ihm gesagt: Ja, das ist gar nicht für dich geschrieben, das ist nur für Leute, die gehorchen.
Es heißt nämlich Offenbarung Jesu Christi, um seinen Knechten zu zeigen, also solchen, die Jesus Christus dienen und seinem Wort gehorsam sind. Nur für die ist es eine Enthüllung, für die anderen nicht. Jetzt versteht man einfach, warum es vielen so völlig unklar ist. Das hat damit zu tun. Ich habe eben gesagt: Lies das Johannesevangelium, denn in Johannes 20 steht ja am Schluss: Diese Dinge sind geschrieben worden, damit ihr glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist und damit ihr durch den Glauben an ihn ewiges Leben habt.
Also das Johannesevangelium ist für Menschen geschrieben, die eben noch geschlossene Augen haben, damit ihnen die Augen für den Sohn Gottes geöffnet werden. Aber die Offenbarung ist nicht einmal einfach an die Gläubigen geschrieben, sondern an die Knechte. Nicht wahr, jeder Gläubige, jeder wahrhaftige an Jesus Christus Gläubige, sollte ein Knecht sein. Aber ob das in der Praxis auch so ist, das ist eben die Frage. Und an die ist es gerichtet.
Und dann noch etwas Wichtiges: Vers 3: Glückselig, der da liest, und die da hören die Worte der Weissagung. Also hier gibt es ein Versprechen, dass man überglücklich wird, wenn man sich mit diesem Buch beschäftigt. Alle Menschen möchten glücklich sein, das ist normal. Aber die Frage ist: Wie? Und ein Rezept, das uns die Bibel gibt, ist eben gleich hergegeben: Beschäftige dich mit der Offenbarung.
Und so merken wir: Der heutige Tag soll ein überglücklicher Tag werden.

Die Gemeinden in Kleinasien und der Ort der Verbannung

Weiter haben wir in Vers 4 schon gelesen: Die Adressaten sind sieben Gemeinden. Johannes schreibt an die sieben Gemeinden, die in Asia sind. Asia meint also nicht den Kontinent Asien. Das musste ich auch schon einmal in Thailand den Thais erklären, als ich über die Offenbarung gesprochen hatte. Mit Asien oder Asia ist hier nicht Thailand gemeint, sondern eine Provinz in Asien.
Aber ganz auf der anderen Seite, eben im Westen von Asien, im heutigen Gebiet der Türkei, lag ein Gebiet, das etwa so groß wie die Schweiz war. Es war eine Provinz im Römischen Reich mit diesem Namen: Asia. Dort lagen diese Gemeinden: Pergamos, ich beginne in der Reihenfolge, Ephesus, Smyrna, Pergamos, Thyatira, Sardis, Philadelphia, Laodizea. Aber da war auch Hierapolis und noch mehr, was im Neuen Testament erwähnt wird. Dieses Gebiet war bekannt als Asia. Und diesen Gemeinden hat Johannes seine Offenbarung geschrieben.
Und zwar war er, wenn wir weiterlesen in Vers 9, zu der Zeit in der Verbannung auf Patmos. „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und dem Königtum und dem Ausharren in Jesus, war auf der Insel, genannt Patmos, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“
Der Kaiser Domitian hatte Johannes, der in den letzten Jahren seines Lebens noch am Wirken war, in Ephesus, also in dieser ganz wichtigen Stadt von Asia, und hat diesen alten Mann verbannt auf die Insel Patmos. Da war er.
Ich war vorhin auf der Karte, wir haben es noch gesehen: Patmos ist im Mittelmeer, gerade vorgelagert vor der Provinz Asia. Dort war er gewissermaßen isoliert. Aber am Tag des Herrn, das ist ein Ausdruck im Neuen Testament, Kyriake Hemera, wörtlich der dem Herrn gehörige Tag, das ist die Bezeichnung für den ersten Tag der Woche, den Auferstehungstag.
Und da konnte er nicht zusammenkommen wie gewohnt mit den Gläubigen. Aber dafür wurde ihm der Himmel in besonderer Weise offenbart. Mitteilungen.

Das Bild des Hohenpriesters inmitten der Leuchter

Und er sah Jesus Christus, und zwar mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand. Interessant ist, dass das griechische Wort für das lange Gewand dort ein Ausdruck ist, der im Alten Testament in der griechischen Übersetzung, in der Septuaginta, oft im Neuen Testament von den Aposteln zitiert wurde. Es ist ein Ausdruck, der im Alten Testament die lange Kleidung des Hohenpriesters bezeichnet, 2. Mose 28. So sah Johannes den Herrn Jesus wirklich als Hohepriester, wie er da erschien, und zwar wandelnd inmitten von sieben goldenen Leuchtern.
Nun, das sind also sieben siebenarmige Leuchter, die er gesehen hat. Und was bedeutet das? In der Stiftshütte gab es doch nur einen siebenarmigen Leuchter, ja, dort. Aber später im Salomonstempel gab es deren elf, nämlich den originalen Leuchter von Mose, und Salomo hat gleich noch zehn weitere Menorot hinzugefügt. Menorot ist auf Hebräisch die Mehrzahl von Menorah, also Leuchter. Und nun sieht Johannes in Offenbarung 1 den Herrn Jesus inmitten von sieben goldenen Leuchtern. Später wird erklärt, dass jeder dieser Leuchter eine örtliche Gemeinde bedeutet, an die die Offenbarung gerichtet ist, an die die sieben Sendschreiben gerichtet sind. Und der Herr Jesus als Hoherpriester wandelt inmitten dieser sieben Leuchter.
Übrigens wird auch gesagt, dass er umgürtet war mit einem goldenen Gürtel um die Brust. Sehen Sie, wenn ich einen Gürtel trage, dann trage ich ihn da unten, nicht da oben. Das geht gar nicht, oder? Wer trägt einen Gürtel um die Brust? Das waren die Priester. Die Priester in Jerusalem, im Tempel, trugen den Gürtel ganz eng geschnürt um die Brust, und zwar, um durch den Druck des Gürtels immer in ihrer Arbeit daran erinnert zu werden, dass sie mit voller Konzentration, voller Spannung den Dienst in der Gegenwart Gottes, in der Gegenwart eines heiligen Gottes, ausüben müssen.
Aber warum ein goldener Gürtel? Nun, die Kleider des Hohenpriesters nach 2. Mose 28 bestanden aus sieben Bestandteilen, und da war auch viel Gold mit dabei. Deshalb wird in der rabbinischen Literatur im Talmud die Kleidung des Hohenpriesters genannt „bigdey sahaw“, Kleider von Gold. Aber da war nicht ganz viel anderes, wie man hier auf dem Bild sieht, mit dabei, und trotzdem wurden sie genannt: goldene Kleider. Und Offenbarung 1 sagt: goldener Gürtel.
Nun, der Gürtel war aus vier Farben hergestellt, so nach der Vorschrift in 2. Mose, nämlich weißes Leinen, blauer Purpur, roter Purpur und Karmesin, aber dann waren Goldfäden eingearbeitet. Darum bezeichnet der Begriff „goldener Gürtel“ speziell eben den Gürtel des Hohenpriesters.
Und weiter wird gesagt, dass sein Haupt und seine Haare weiß waren. Haare, das ist klar. Damit entspricht er genau dieser Beschreibung von dem ewigen Gott in Daniel 7, dem Alten an Tagen. Dort wird er beschrieben mit weißen Haaren, in dieser Gotteserscheinung in Daniel 7. Hier wird der Herr Jesus so beschrieben. Dann heißt es aber: Sein Haupt weiß. Nun, Kephale heißt „Haupt“ oder auch „Kopfbedeckung“. Dieser Ausdruck meint hier die hohepriesterliche Bedeckung, die eben aus weißem Leinen war.
Es wird weiter gesagt, er war barfuß. Seine Füße, heißt es, sind wie Kupfer, als glühten sie im Ofen. Und das war immer so. Priester, der Hohepriester und alle Priester, übrigens alle Tempelbesucher, mussten barfuß gehen auf dem Tempelplatz. Das war heiliger Boden. Und so mussten sie die Schuhe ausziehen, so wie damals Mose, als er den brennenden Dornbusch gesehen hatte.
So wird also klar: Der Herr Jesus wird hier beschrieben als Hohepriester, aber gleichzeitig auch als Richter. Denn in Offenbarung 1 sagen die weiteren Verse, dass seine Augen waren wie eine Feuerflamme, also ein Blick, der durch nichts zu bestechen ist, der alles durchdringt. Und Johannes sagt, als er den Herrn Jesus sah, da in dieser ersten Erscheinung: Er war wie eines Menschen Sohn. Und das ist genau der Ausdruck aus Daniel 7, wo der Messias beschrieben wird, wie er auf den Wolken des Himmels kommt, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Da wird gesagt, da kommt einer wie eines Menschen Sohn. Und der Begriff Menschen Sohn ist im Alten Testament schon ein spezieller Titel für den Messias. Und zwar eben der Messias, der einmal kommen wird als Richter und König der Welt.
Jetzt verstehen wir: In Offenbarung 1 erscheint also der Herr Jesus als Hohepriester und als Richter der Welt. Er wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter, so wie der Hohepriester im Salomonstempel immer prüfen musste, ob die Leuchter alle in Ordnung waren und richtig brannten. Und wenn da irgendein Hindernis war, dass eine Lampe nicht brannte, musste es korrigiert werden. Das nimmt schon ein bisschen vorweg, was wir dann in den Sendschreiben finden.
Der Jesus betrachtet mit unbestechlichem Blick wie eine Feuerflamme den Zustand der sieben Gemeinden. Er sagt zwar immer zuerst, was positiv ist, und dann sagt er aber, was nicht stimmt. Er deckt alles auf. Wir können davon lernen, dass wir zuerst das Gute anerkennen sollen, einen Blick haben für das Gute. Aber der Blick für das Gute bedeutet nicht, dass man die Augen verschließt vor dem, was nicht stimmt. Da ist der Herr Jesus unser Vorbild, und er deckt alles auf, was nicht stimmt.

Gericht beginnt beim Haus Gottes

Nun, das passt genau zum Thema der Offenbarung, denn in der Offenbarung wird Jesus als der Richter der Welt vorgestellt. Aber warum werden zuerst die sieben Sendschreiben in der Offenbarung geschrieben, und erst danach kommt das Gericht über die Welt?
Das ist ein wichtiger Grundsatz aus 1. Petrus 4. Ich zitiere: Petrus schreibt in 1. Petrus 4,17: Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium nicht gehorchen? Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?
Ein Grundsatz lautet also: Das Gericht fängt zuerst beim Haus Gottes an, und dann kommt die Welt dran. Warum? Weil die Gemeinde viel verantwortlicher ist als die Menschheit im Allgemeinen. Denn die Gemeinde wird ständig in den Zusammenkünften mit Gottes Wort konfrontiert. Sie haben die Gelegenheit, wirklich zu wissen, was Gottes Wille ist und was Gottes Gedanken sind, und zu wissen, wer Gott ist. Darum sind Gläubige viel verantwortlicher.
Und deshalb gilt dieser Grundsatz: Zuerst beginnt das Gericht Gottes beim Haus Gottes, und nachher kommt die Welt. Und wenn es schon so feierlich, ernst und zuweilen auch dramatisch ist, wenn es um das Gericht des Hauses Gottes geht, sagt Petrus: Wo wird dann der Gottlose einmal erscheinen?
Und nun fällt Johannes vor dem Herrn Jesus auf die Knie, und er wird daran nicht gehindert. Später in der Offenbarung fällt er, oder will er fallen, auf die Knie vor einem Engel, und der Engel sagt sofort: Tu das nicht, ich bin dein Mitknecht. Engelverehrung geht überhaupt nicht, das ist Götzendienst. Aber Jesus hindert Johannes nicht daran, vor ihm niederzufallen, weil er Gott und Mensch in einer Person ist. Und er ist Hohepriester und Richter.
Der Hohepriester ist ja im Alten Testament derjenige, der das Opfer darbringt, das Menschen mit Gott versöhnt und Sündenvergebung möglich macht. Wenn der Herr hier also als Hohepriester vorgestellt wird, dann geht es um ihn als Erlöser, als Retter, als Heiland der Welt.
Aber die Offenbarung zeigt uns: Der Richter der Welt, der kommen wird, ist dieselbe Person wie der Retter der Welt. Und wer ihn eben nicht kennenlernen will als den Heiland der Welt, den Retter der Welt, der wird ihn zwangsläufig einmal als den Richter der Welt kennenlernen.

Die Dreiteilung der Offenbarung und die Stellung der Sendschreiben

In Offenbarung 1,19 sagt der Herr Jesus zu Johannes: Schreibe nun auf, was du gesehen hast und was ist und was geschehen wird nach diesem.
Dieser Vers ist der Schlüsselvers, um die Offenbarung zu verstehen. Warum? Er gibt die richtige Einteilung. Es gibt drei Teile. Was du gesehen hast, das ist klar: Das ist Kapitel 1. Johannes hat den Herrn Jesus gesehen als den Hohenpriester und Richter der Welt. Das ist das große Thema der Offenbarung. Der Erlöser ist dieselbe Person wie der kommende Richter.
Aber was umfasst Teil zwei, was ist? Und was geschehen wird nach diesem? Schlagen wir dazu Kapitel 4, Vers 1 auf. Nach dem Sendschreiben heißt es dort: Nach diesem sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel. Und die erste Stimme, die ich gehört hatte, wie die einer Posaune mit mir redete, sprach: Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.
Hier haben wir genau denselben Ausdruck: was nach diesem geschehen muss. Damit wird klar: Teil drei beginnt in Kapitel 4, Vers 1.
Und jetzt bleibt noch die Frage: Wo ist Teil zwei, was ist? Ganz einfach: Es ist nicht Kapitel 1, und es ist nicht Kapitel 4 und folgende. Also bleiben noch Kapitel 2 und 3. Damit wird jetzt klar, dass unser Thema heute, die sieben Sendschreiben, der zweite Teil der Offenbarung von drei Teilen ist. Und das zeigt uns, dass diese sieben Sendschreiben doch eine ganz besondere Bedeutung haben müssen. Es wird gesagt, sie stellen das dar, was ist, im Kontrast zu dem, was dann nachher geschehen wird.
Ab Kapitel 4 wird uns dann gezeigt, wie das zukünftige Gericht über diese Welt kommen wird, schonungslos. Aber wir können ganz klar sagen: Von diesen zukünftigen Gerichten in der Offenbarung ist bis heute noch gar nichts erfüllt worden. Das ist alles zukünftig.
Könnte ja einer sagen: Sie halten doch ständig Vorträge da und dort über Endzeit und über Prophetie, und Sie sagen, was da alles schon erfüllt worden ist. Ja, ich habe nicht gesagt, wir leben nicht in der Endzeit. Ich habe nur gesagt, dass diese Gerichte in Offenbarung 4 und folgende alle noch zukünftig sind.
Aber bestimmt leben wir heute in der Endzeit. Das ist nämlich nach der biblischen Prophetie die Zeit, in der das jüdische Volk aus aller Welt wieder heimkehrt, und zwar in Wellen, in zahlreichen Wellen. Das können wir heute sehr schön überschauen. Ab 1882 begann die erste große Einwanderungswelle von Juden wieder zurück ins Land. Dann kam die zweite, die dritte, die vierte und so weiter bis heute.
Drei Millionen Juden sind aus aller Welt heimgekehrt ins Land der Vorfahren, haben den Staat Israel wieder gegründet, Hebräisch wurde wieder eine lebendige Sprache, und und und. Ich habe ein Buch geschrieben: Leben wir wirklich in der Endzeit? 180 erfüllte Prophezeiungen. Das kann man so zeigen, Punkt für Punkt. Seit 1882 bis heute sind circa 180 Einzelprophezeiungen über Endzeiten in Erfüllung gegangen.
Aber noch nichts von Offenbarung 4 und folgende. Das ist der Punkt.

Die prophetische Bedeutung der sieben Gemeinden

Ja, wo stehen wir denn? Und überhaupt hatten wir nicht in Offenbarung 1,3 gelesen: Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
Ja, aber wenn Kapitel 4 und die folgenden bis heute gar nicht in Erfüllung gegangen sind, und das wären ja schon bald 2000 Jahre, wie kann man dann sagen, die Zeit ist nahe?
Nun, der Schlüssel liegt offenbar in den Kapiteln 2 und 3. Wie wir gleich sehen werden, beurteilt der Herr Jesus in diesen sieben Sendschreiben sieben Gemeinden, die es damals gab, als Johannes von Domitian um das Jahr 95 nach Christus auf Patmos verbannt worden war. Diese sieben Gemeinden bestanden, und der Herr Jesus beurteilt sie alle und deckt alles schonungslos auf.
Das hat also eine konkrete, wörtliche Bedeutung für diese sieben Gemeinden gehabt. Aber das ist nicht die einzige Bedeutung, denn die Offenbarung ist eben grundsätzlich ein prophetisches Buch. Auch diese sieben Sendschreiben haben eine prophetische Bedeutung, und diese Bedeutung hat sich bereits begonnen zu erfüllen, seit der Zeit des Johannes. Darum konnte er schreiben, was bald geschehen muss, denn die Zeit ist nahe. Und schon vorher in Vers 1 heißt es: was bald geschehen muss.
Das sind sieben Briefe, die gleichzeitig in bildlicher, gleichnishafter Sprache eine prophetische Bedeutung haben. Und warum sage ich bildlich, gleichnishaft? In Offenbarung 1 haben wir ja bereits gelesen: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und durch seinen Engel sendend, hat er es seinem Knecht Johannes gezeigt.
Und das Wort zeigen hier, die Alte Elberfelder erklärt das sehr gut in der Fußnote, da wird klargemacht, dass dieses Wort bedeutet: durch Zeichen kundtun. Das heißt also, durch bildliche Sprache wird hier etwas vermittelt.
Es gibt Prophezeiungen, die sind in direkter Sprache, zum Beispiel Hesekiel 36,24: Ich werde euch aus den Nationen holen und aus allen Völkern sammeln und euch in euer Land bringen. Das ist nicht symbolisch, das ist klare, direkte Sprache in der Prophetie. Gott will das jüdische Volk sammeln aus aller Welt und heimführen ins Land. Die Erfüllung sehen wir heute: Drei Millionen aus allen fünf Kontinenten aus circa 130 Ländern sind heimgekehrt. Und in diesem Vers wird gleich noch gesagt, wem das Land gehört: in euer Land bringen.
Aber es gibt eben auch Prophezeiungen, wo Gott Bilder benutzt. Diese Bilder sind sehr wertvoll. Warum? Weil ein Bild, ein Symbol, eigentlich die Zusammenfassung von weit ausgedehnten Gedanken in eine ganz kurze, prägnante Form ist.
Zum Beispiel werden alle diese Gemeinden mit sieben goldenen Leuchtern verglichen. Das heißt also in Symbolsprache: Jede Gemeinde ist eine goldene Menorah. Nun, die Menorah ist nicht irgendeine Lampe gewesen, sondern die gab es nur im Heiligtum, im Haus Gottes. Man muss daran denken: im Heiligen der Stiftshütte, im Heiligen später des Salomonstempels und auch des zweiten Tempels zur Zeit des Herrn Jesus.
Da gab es keine Fenster. Die Lichtquelle war die Menorah. Also verbreitet die Menorah göttliches Licht in der Gegenwart Gottes. Das will auch klar machen: Gott braucht nicht das Licht der Philosophie gottloser Menschen; darum keine Fenster in der Stiftshütte. Aber es geht um das göttliche Licht. Die Zahl sieben ist die Zahl der Vollkommenheit.
Und so hat eigentlich jede Gemeinde den Auftrag, wenn sie zusammenkommt, das zu sein, was der Tempel ist, nämlich Haus Gottes, wo man nicht das Licht der Psychologie dieser Welt hineinbringt, und Philosophie und so weiter, sondern das Licht des Wortes Gottes.
Sieben Lampen: Es konnte sein, dass da plötzlich eine aufhörte zu brennen, und da musste der Hohepriester sie eben wieder zum Brennen bringen. Und so sehen wir dieses Symbol des goldenen Leuchters. Es drückt sehr, sehr viele Gedanken in ganz begrenzter Form aus: was die Aufgabe der Gemeinde ist, wo die Gefahren liegen, wie Gefahren wieder behoben werden müssen, nämlich der Docht muss abgeschnitten werden, die Asche muss vom Docht entfernt und gesäubert werden, und es muss eben wieder möglich werden, dass das Öl, ein Bild des Heiligen Geistes, wieder den Docht befeuchtet, so dass Licht möglich ist.
Das sind zahlreiche Gedanken, die da in einem Symbol ganz knapp vereinigt sind. Wenn wir das anschauen, werden wir sehen, dass das gleich eine Prophetie ist über die gesamte Kirchengeschichte bis zur Entrückung der Gemeinde. Also in der Reihenfolge, wie diese sieben Sendschreiben aufgelistet sind: Ephesus, Smyrna und so weiter bis Laodizea, das stellt die ganze Kirchengeschichte bildlich dar. Und dann die Entrückung.

Der Blick in den Himmel und die Entrückung der Gemeinde

Nun, ich habe bereits Kapitel 4, Vers 1, den Beginn des dritten Teiles gelesen. Und was ist das Erste dort? Ich lese nochmals:
Nach diesem sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel. Und die erste Stimme, die ich gehört hatte, wie die einer Posaune, die mit mir redete, sprach: Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Alsbald war ich im Geist, und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron sass einer.
Johannes wurde in den Himmel entrückt, und zwar bis zum Thron Gottes im Allerheiligsten des himmlischen Tempels. In bildlicher Sprache wird eben durch Zeichen kundgetan, dass die Entrückung der Gemeinde dargestellt ist. Und ich werde gleich noch den Beweis liefern. Ja, jetzt einfach eine Behauptung. Ja, ganz genau, das ist ein Hinweis auf die Entrückung der Gemeinde. Dieser letzte, damals noch lebende Apostel, entrückt in den Himmel, stellt die Entrückung der Gemeinde dar.
Und nur mal als Übersicht: Diese sieben Sendschreiben bedeuten folgende sieben Abschnitte der Kirchengeschichte.
In Ephesus werden wir sehen: die nicht verfolgte Gemeinde am Ende der apostolischen Zeit. Ephesus hatte keine Verfolgung zu erleiden, aber das Problem war, dass die Gläubigen die wirklich brennende Liebe zum Herrn verloren hatten. Diese Gemeinde steht repräsentativ für alle anderen Gemeinden damals, bei denen das auch so geschehen ist. Aber es gab andere Gemeinden in der gleichen Epoche, um 95 nach Christus. Sie wurden verfolgt und hatten unter Verfolgung zu leiden. Das wird in Smyrna dargestellt, und dort geht es um Christenverfolgung. Das war ein Kennzeichen der frühen Kirchengeschichte bis ins Jahr 311. Dort kam die Wende mit Kaiser Konstantin. Aber in dieser ganzen Zeit, vom ersten Jahrhundert bis ins frühe vierte Jahrhundert, wurden die Gemeinden immer wieder verfolgt. Eben oft lokal, nicht alle, aber das konnte auch dann, wie zum Beispiel unter der Verfolgung von Diokletian, ganz grosse, umfassende Gebiete des Römischen Reiches bedeuten. Und viele haben ihr Leben lassen müssen.
Dann aber werden wir mit Pergamos prophetisch einen Hinweis auf die Kirche ab der Zeit der konstantinischen Wende sehen, 311, 312, 313. Das ist die Zeit, in der das Christentum zuerst erlaubte Religion und dann Staatsreligion wurde. Eine ganz einschneidende Wende, aber genau das wird in diesem Sendschreiben dargestellt. Diese Wende hat jedoch zu einer Entwicklung geführt, die sehr, sehr schlecht war.
In Thyatira werden wir dann die Papstkirche von Rom ab 440 nach Christus sehen. Wirklich umwerfend, wie das in dieser Bildersprache dargestellt ist.
Und schliesslich Sardes: Das hat nun sehr viel mit unserer Feier heute, dem Reformationstag in Bern, zu tun. Die Reformation begann am 31. Oktober 1517, und in dem Sendschreiben an Sardes werden unsere Blicke genau auf diese Epoche der Reformation gelenkt. Aber das Traurige ist: Es gab sehr bald in dieser von Gott gewirkten Erweckung und Rückkehr zum Wort Gottes einen traurigen Niedergang. Und das wird alles in dem Sendschreiben von Sardes dargestellt.
Aber weiter: Das sechste Sendschreiben an Philadelphia stellt die Erweckungsbewegung dar. Nachdem die Reformation in ihrer Geschichte einen Niedergang erlebte, gab Gott Gnade. Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert kam es nochmals zu einer ganz gewaltigen Erweckung. Aus dieser Erweckung heraus entstanden die Freikirchen in grosser Zahl, und zwar indem sie sich auf das Erbe der Reformation beriefen. Sie haben die Reformation nicht abgelegt, sondern: allein die Schrift, allein durch Glauben, allein durch Gnade, allein Jesus Christus. Aber wir werden sehen, dass in dieser Zeit auch mehr und mehr entdeckt wurde, was eigentlich Kirche, Gemeinde nach Gottes Gedanken ist. Und Philadelphia heisst übrigens Bruderliebe. Da hat man erkannt, was es bedeutet, auch diese Gemeinschaft der Gläubigen auszuleben.
Und das Interessante ist: Bei Philadelphia gibt es keinen Tadel. Das gilt zwar auch für Smyrna, aber sonst haben wir in allen anderen Sendschreiben Tadel. Bei Philadelphia nicht. Aber wir werden dann sehen: Laodizea stellt den Niedergang dieser Erweckungsbewegung aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert dar, im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert. Das ist der geistliche Zerfall der Freikirchen. Und darum ist eben der Titel unserer heutigen Tage, die sieben Sendschreiben und die Endzeit, sehr treffend.
Wir werden also unseren Fokus ganz besonders auf die letzten zwei Sendschreiben richten, aber wir werden alle Sendschreiben durchgehen.
In Offenbarung 1,20 erklärte der Herr Jesus noch, nachdem er die Einteilung klargemacht hatte: Die Offenbarung besteht aus drei Teilen, und der zweite Teil ist eben, was ist. Das heisst: die gegenwärtige Zeit der Gnade, die Zeit der Gemeinde, in der die Gemeinde hier auf Erden das Zeugnis trägt, nicht Israel.
Im Alten Testament hat Israel das Zeugnis getragen. Aber weil die Masse in Israel den Messias verworfen hatte, wurde dieser Auftrag des Zeugnisses weggenommen und der Gemeinde gegeben, die zum grössten Teil aus Erlösten aus allen Völkern besteht, auch aus den Juden und zum grössten Teil zahlenmässig aus den Völkern. Aber dieses Zeugnis sollte nicht für immer sein. Das ist eben der fundamentale Irrtum der Ersatztheologie, die vollkommen falsch ist. Die Ersatztheologie behauptet, die Gemeinde, die Kirche, hätte Israel ersetzt. Und das stimmt überhaupt nicht.
 Römer 9–11 erklärt: Hat Gott Israel verworfen? Niemals, sagt der Apostel Paulus. Aber er macht in diesen Kapiteln klar, dass Israel als Volk, als Nation, auf die Wartebank gestellt ist. Es gibt auch heute einen Überrest aus Israel, der gläubig ist, und zusammen mit den Gläubigen aus den Nationen trägt dieser Überrest heute das Zeugnis. Das Zeugnis der Gemeinde. Aber Römer 11 macht klar, dass, sobald die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird, Römer 11,25, dann wird ganz Israel gerettet werden. Und so ist klar: Israel als Nation hat immer noch eine Zukunft.
Aber eben die Vollzahl der Nationen, das ist eine bestimmte Zahl, die nur Gott weiss. Menschen aus allen Völkern und auch aus Israel kommen zum Glauben und gehören zur Gemeinde, zur Kirche, die am Pfingsttag entstanden ist. Und wenn diese Zahl voll ist, wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen ist, dann wird die Entrückung kommen. Und dann wird Gott mit Israel wieder anfangen, so dass Israel als Nation dieses Zeugnisses wieder haben wird.
Und jetzt verstehen Sie auch, warum die Offenbarung erst in Kapitel 7 über die 144 Tausend aus allen zwölf Stämmen Israels spricht. Das ist nicht die Gemeinde und schon gar nicht die Zeugen Jehovas. Aber gut, das ist ja nicht unser Thema. Aber ich sage: Dort kommt Israel vor. Die 144 Versiegelten werden das Zeugnis, das die Gemeinde bis zum heutigen Tag hat und bis zur Entrückung haben wird, übernehmen.
Und darum ist eben Offenbarung 2 und 3 die gegenwärtige Zeit, in der die Gemeinde, die Kirche, das Zeugnis hat. Aber dann kommt die Entrückung.
Und ich muss noch erklären: In Offenbarung 1,20 sagt der Herr Jesus, dass eben diese Gemeinden sieben Leuchtern entsprechen. Jede Gemeinde hat den Auftrag, in den Zusammenkünften das Wort Gottes in aller Klarheit, in göttlicher Klarheit, zu verkündigen. Aber die Gemeinde wird dort auch in Offenbarung 1,20 mit sieben Sternen verglichen. Und das ist interessant: Das ist wieder ein anderes Symbol. Sterne verbreiten auch Licht, aber nicht im Heiligtum, sondern in dieser Welt. Aber es sind himmlische Lichter, nicht wahr? Und so hat die Gemeinde den Auftrag, in einer dunklen, orientierungslosen Welt göttliches Licht zu verbreiten.
Also: In den Leuchtern haben wir den Auftrag, Licht zu verbreiten für die Gläubigen in den Zusammenkünften. Das ist das Licht im Heiligtum. Und die Sterne zeigen, wie wir auch als Gemeinden gemeinsam einen Auftrag haben, das Evangelium zu verbreiten und anhand des Wortes Gottes Klarheit und Richtlinie zu geben.
Darum sind diese zwei Symbole, Sterne und Leuchter, ganz wichtig. Aber es ist nicht dasselbe. Es ist die Aufgabe nach innen: Leuchter. Aufgabe nach aussen: die Sterne.

Der himmlische Tempel und die Gerichte der Zukunft

Nun gehen wir in der Übersicht weiter: Offenbarung 4 und 5. Wir haben bereits in Kapitel 4, Vers 1 gelesen, dass Johannes „entrückt in den Himmel“ wird. Und zwar nicht irgendwohin, nicht wahr?
In Hebräer 11 liest man von den Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, dass sie Fremdlinge auf dieser Erde waren. Sie wohnten nur vorübergehend hier und erwarteten ein himmlisches Vaterland. Und dieses Vaterland war nicht das Land, aus dem sie ausgegangen waren, Ur in Chaldäa, heute im Irak. Der Hebräerbrief sagt ja sonst hätten sie Zeit gehabt, wieder dorthin zurückzukehren. Nein, sie erwarteten ein himmlisches Vaterland. Also gibt es im Himmel ein Vaterland.
Im selben Kapitel, Hebräer 11, und auch in Kapitel 12 wird davon gesprochen, dass es im Himmel eine Stadt gibt, die Gott gebaut hat. Das ist das himmlische Jerusalem, eine wirkliche, unfasslich herrliche Stadt im Himmel.
Aber die Offenbarung sagt noch mehr: Es gibt im Himmel auch einen originalen Tempel. In Offenbarung 11,19 heißt es: Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines Bundes wurde gesehen. Damit ist klar: Es gibt einen Tempel im Himmel.
Und in diesem Tempel wird Johannes entrückt. Aber nicht irgendwohin, nicht in einen Vorhof, nicht zum Altar, auch nicht einfach ins Heilige, sondern ins Allerheiligste. Er sieht den Thron Gottes, und er sieht die vier lebendigen Wesen. Das sind die vier Cherubim im Allerheiligsten, wie es sie auch im Salomonstempel gab. Also wird er wirklich ins Herz des Himmels entrückt, ins Allerheiligste.
Aber dieses Allerheiligste ist gewaltig. Im Salomonstempel war das ein Raum von zwanzig auf zwanzig Ellen, so steht es im 1. Könige. Das sind etwa zehn Meter fünfzig auf zehn Meter fünfzig. Der Hebräerbrief sagt in Kapitel 8, dass dieser Tempel auf Erden nur ein Schattenbild des Originals war. Und wenn Johannes in den Himmel entrückt wird, dann sieht er eben den Thron Gottes. Er sieht diese vier Cherubim, Engel um den Thron her. Dann sieht er, wir kommen gleich noch darauf, 24 Throne, auf denen 24 Älteste sitzen. Und im äußeren Kreis sieht er Hunderte von Millionen Engeln. Sie sind alle da im Allerheiligsten. Das Original ist also ein wenig größer als das Schattenbild.
Und dort wurde Johannes entrückt, und er hat ganz viele Details des Himmels gesehen. Er schreibt dann über den goldenen Altar in Kapitel 8, eben die Bundeslade, die ja auch ausdrücklich in Kapitel 11,19 erwähnt wird, und erwähnt diese sieben Feuerfackeln, die vor dem Thron Gottes brennen. Das ist der siebenarmige Leuchter. Er sieht auch jemanden am goldenen Altar stehen mit dem goldenen Räucherfass. Das ist dieses Tempelgerät hier. Er sieht aber auch das gläserne Meer, das ist dieses gigantische Waschbecken, das schon im Salomonstempel vor dem Tempelhaus stand. Und er sieht auch den Altar, dort sieht er die Märtyrer am Fuß des Altars, des Brandopferaltars. Nicht zu verwechseln mit dem Goldaltar.
Dann sieht er Engel, die sieben Posaunen haben. Das sind die sieben silbernen Posaunen, die man damals schon im Tempel zur Zeit des Herrn Jesus jeden Tag im Zusammenhang mit den täglichen Opfern geblasen hat. Diese sieben Posaunen kannte man damals schon als Teil des Gottesdienstes. Er sieht diese sieben Posaunen, er sieht aber auch Engel mit sieben goldenen Schalen. Das nennt man auf Hebräisch Misrach. Dabei handelt es sich um eine Sprengschale, in der man das Blut der Opfer auffing und dann am Altar wieder ausgoss. Die goldenen Schalen in der Offenbarung sind solche Sprengschalen.
Und er hört auch ein Schofarhorn, eine Posaune. Das muss man wieder unterscheiden von der silbernen Posaune. Er sieht auch Menschen im Himmel, die auf Harfen spielen. Hier sieht man die zwei Harfen, die man im Alten Testament benutzte, die Kinnor und die Nevel. Und so sieht er also ganz, ganz viele Details und viele Tempelschätze im Himmel.
Und was nun die große Botschaft der Offenbarung ist: Dieser Tempel mit Altar und allem, was ich jetzt erwähnt habe, Bundeslade und so weiter, spricht eigentlich von der Gnade Gottes im Zusammenhang mit dem stellvertretenden Opfer. Der Tempel vermittelt uns die Botschaft: Es gibt einen Weg zurück zu Gott, und dieser Weg geht über das stellvertretende Opfer. Das Blut muss fließen, aber es gibt einen Weg zurück zu Gott. Es gibt Vergebung.
Nun spielt in der Offenbarung das Thema Tempel eine ganz, ganz wesentliche Rolle. Aber da wird alles der Welt zum Verhängnis. Das kommende Gericht Gottes geht nämlich von dem himmlischen Tempel aus über die Erde. Also so wie hier dargestellt: eine Welt, die das Opfer des Herrn Jesus Christus, des Hohenpriesters, der in Kapitel 1 vorgestellt wird, ablehnt. Für sie bleibt nur noch Gericht, und dieses Gericht geht aus vom Tempel, vom Thron Gottes, das ist die Bundeslade, wo das Blut des Erlösers gesprengt ist. Aber wenn man dieses Blut ablehnt, dann bleibt nur noch Gericht. Dann wird das sogar zur Quelle des Gerichts.
Die sieben Posaunen sprechen von Gnade in Verbindung mit dem täglichen Brandopfer, aber sie werden zu Gerichtswerkzeugen. So auch die Schalen: Sie sprechen von Vergebung durch das Blut, aber wer das ablehnt, für den wird das eben eine Katastrophe. Und so sieht Johannes: Der Ort der Gnade wird zum Ort des Gerichts. Der Hohepriester wird zum Richter für die Welt.
Er sieht den Thron Gottes, eben die Bundeslade, und Gott wird verglichen mit einem Jaspis, heißt es in Kapitel 4, Vers 3. Er sieht jemanden auf dem Thron sitzen, gleich einem Jaspisstein. Und da muss man wissen: In der Zeit des Neuen Testaments ist der Jaspis nicht dieser undurchsichtige Halbedelstein, den man heute als Jaspis bezeichnet, sondern es ist der Diamant. Einer der herrlichsten Edelsteine, aber auch der härteste. Denn das zeigt: Gott ist der Höchste.
Natürlich gibt es Menschen, die Gott anklagen: Warum? Warum handelt Gott nicht? Warum greift er nicht ein? Warum war Auschwitz möglich? Wo war Gott? Aber Sie wissen: Diamant kann man mit nichts schleifen. Auch härtester Stahl kann keinen Diamanten schleifen. Man kann Diamanten nur mit Diamanten schleifen. Es ist das Härteste, was wir als Material auf der Erde kennen. Und so bedeutet das: Gott ist der Höchste. Er sagt, was recht und was unrecht ist.
Darum sagt Hiob, auf tausend wirst du ihm nicht eines antworten können. Ja, Menschen haben Fragen an Gott, und zwar nicht nur gute Fragen. Es gibt Menschen, die Fragen an Gott haben, aber in einer herausfordernden, frechen Art. Aber Gott wird einmal die letzten Fragen an uns stellen, und wir können sie nicht beantworten.
Aber es wird dort auch gesagt, Gott ist gleich einem Sardis. Sie sehen, das ist der Sardisstein, und der hat genau die Farbe des Blutes. Derselbe höchste Gott, der absolut unbestechlich ist und sagt, was Gerechtigkeit ist und was nicht, war bereit, Mensch zu werden und sein Blut zu geben, damit Menschen mit einem heiligen Gott versöhnt werden könnten.
Und um den Thron her sieht er eben vier Cherubim. Die Gesichter sind so beschrieben: wie ein Löwe, wie ein Ochs, wie ein Adler, wie ein Mensch. Der Löwe spricht von Majestät, königlicher Majestät, und das kündigt schon an: In der Offenbarung sind alle Gerichte majestätisch. Der Ochs, der zum Dreschen eingesetzt wird, spricht von Kraft und Ausdauer. Das heißt, Gott wird all diese Gerichte durchziehen und nicht auf halbem Weg stoppen, sondern bis zum Ende durchführen. Und der Adler spricht von Geschwindigkeit. Es war ein Adler, der sich von oben herabstürzt auf eine Beute. Diese Gerichte werden auch in einer sehr kurzen und schnellen Zeit in Erfüllung gehen, nämlich im Wesentlichen während sieben Jahren, die in der Offenbarung eine ganz wichtige Rolle spielen. Das meiste dann sogar während der letzten dreieinhalb Jahre.
Und ein Engelsgesicht ist wie ein Mensch, und das spricht von Intelligenz. All diese Gerichte Gottes sprechen von Intelligenz. Es ist nicht etwas Mutwilliges, so wie in dem Roman von Kafka, Der Prozess: Josef K. bekommt mitgeteilt, er ist verurteilt, aber er weiß nicht warum. Er möchte es gerne wissen. Was ist denn? Man sagt es ihm nicht, er ist einfach schuldig. Schrecklich, nicht wahr? Mutwilligkeit im Rechtswesen ist etwas ganz Schreckliches. Aber Gott ist eben nicht so, sondern er begründet es auch in seinem Wort. Und all sein Handeln ist von Weisheit und Intelligenz gekennzeichnet.
Dann sieht Johannes rund um den Thron Gottes die Bundeslade, 24 Throne, und darauf sitzen Älteste mit weißen Priestergewändern und goldenen Kronen. Wer sind sie? Nun, es sind keine Engel. Denn diese 24 Ältesten beten in Offenbarung 5,9 das Lamm Gottes, den Herrn Jesus, an, und sie sagen: Du hast uns erkauft durch dein Blut aus jeder Nation und Völkern und Stämmen und Sprachen. Das sind erlöste Menschen.
Aber welche erlösten Menschen? Das können wir herausfinden: Könige und Priester. Das hatten wir doch schon in dem grundlegenden Kapitel 1. Wir haben doch Offenbarung 1,5b gelesen: Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern, seinem Gott und Vater, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen! Die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Das wurde zu den Gemeinden gesagt. Also sind sie Könige und Priester. Das ist also ein Hinweis auf die Gemeinde im Himmel.
Aber jetzt die Frage: Vielleicht sind das einfach die verstorbenen Gläubigen, die schon beim Herrn sind? Man kann sagen: Nein, es ist die ganze Gemeinde. Warum? Nun, Johannes kannte den Tempel in Jerusalem gut. Und er war so organisiert: König David hat das schon so eingerichtet, 1. Chronik 24. Er hat die ganze Priesterschaft von Tausenden von Priestern in 24 Abteilungen eingeteilt. Immer eine Abteilung hatte Dienst von Schabbat bis Schabbat, dann kam die nächste. So konnte man 24 Wochen abdecken. Aber die mussten alle noch einmal im Jahr antreten, im Verlauf des Jahres, und da hat man 48 Wochen abgedeckt. Das reicht noch nicht ganz für ein Jahr.
Aber eben an den großen obligatorischen Festen der Tora, des Gesetzes Mose, Pfingsten, Passa, das Fest der Wochen und Laubhütten, Sukkot, da mussten alle Israeliten nach Jerusalem kommen. Das war obligatorisch: Alle müssen nach Jerusalem. Und da brauchte es so viele Priester, dass immer alle 24 Klassen da waren, an der Spitze immer ein Ältester.
So, jetzt haben wir es: Johannes kommt in den Himmel, er sieht die 24 Ältesten, sie sind alle da. Das heißt, das ganze Volk von Königen und Priestern ist oben versammelt. Das heißt, die Gemeinde ist also schon entrückt. Offenbarung 4,1: Johannes wurde entrückt in den Himmel. Das symbolisiert die Entrückung der Gemeinde, und dann sieht er, symbolisch dargestellt, eben durch Zeichen kundgetan, die 24 Ältesten im Himmel.
Und dann nimmt Jesus Christus das Lamm Gottes, das Buch mit den sieben Siegeln, und er öffnet ein Siegel nach dem anderen. Dann kommen die Gerichte Gottes über die Erde. Jetzt verstehen Sie auch, warum noch nichts erfüllt sein darf aus Offenbarung 4 und später, weil die Gemeinde eben noch da ist. Die Entrückung hat noch nicht stattgefunden, das darf gar noch nicht geschehen. Vieles ist schon in Erfüllung gegangen über die Endzeit, aber diese Dinge kommen erst nach der Entrückung der Gemeinde. Und dann wird der Überrest in Israel das Zeugnis übernehmen, die 144...

Das Lamm, die Siegel und der Ablauf der Endgerichte

So ist das. Und Johannes sieht also noch viele weitere Details da im Himmel. Aber was uns besonders jetzt noch beschäftigen muss, ist das Buch mit den sieben Siegeln.
Ich habe vor der Pause erklärt: Der Jesus nimmt in Offenbarung 5 das Buch mit den sieben Siegeln in die Hand. Niemand ist würdig, im ganzen Universum, auch im Jenseits, außer er, dieses Buch zu öffnen. Und zwar wird eben erklärt: Er, der Löwe aus dem Stamm Juda, hat überwunden. Und als Johannes sich umdreht im Himmel und den Löwen sehen will, sieht er ein Lämmlein mit sieben Hörnern, wie geschlachtet, also mit Schächtungsbunde.
Daraus wird klar: Der Jesus ist sowohl der Löwe aus dem Stamm Juda, der am Kreuz den großen Sieg der Erlösung und den Sieg über Satan, die Sünde und die Welt vollbracht hat, aber das hat er getan in Schwachheit als Lämmlein. Die Menschen haben gedacht, jetzt ist er einfach in Schwachheit gekreuzigt, er kann sich nicht wehren, er kann nichts dagegen tun. Dabei war das genau der Weg der Erlösung, das war genau der große Sieg.
Nun, man ist erstaunt, wenn man in der Offenbarung ein Lamm mit sieben Hörnern liest. Man muss wissen: Eine typische Art von Schafen zu biblischen Zeiten, im Alten Testament, war die sogenannte Schafart, Jakobsschaf genannt. Jakobsschafe haben je nachdem vier Hörner oder sogar sechs Hörner. Hier sehen Sie ein Beispiel mit vier Hörnern, aber es gibt sie auch mit sechs Hörnern. Und übrigens, Männchen und Weibchen, sehr speziell, nicht wahr? Aber das Besondere ist in der Offenbarung: sieben Hörner.
Nun, Hörner sind ein Bild von Kraft und Macht. Die Zahl sieben ist die Zahl der Vollkommenheit. Das heißt also: Das Lamm mit den sieben Hörnern, das bedeutet Jesus Christus, der als Auferstandener gesagt hat: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Matthäus 28. Das hat er gesagt als Auferstandener, mit den Zeichen seines Todes immer noch sichtbar in Händen und Füßen und in der Seite. Aber er ist der, der überwunden hat, und darum als Mensch alle Macht hat im Himmel und auf der Erde. Und er ist der einzige, der würdig ist, dieses Buch mit den sieben Siegeln zu nehmen und zu öffnen.
Das heißt, wir werden gleich sehen: Siegel öffnen bedeutet, dass das Gericht, das in diesem Buch aufgeschrieben ist, dann umgesetzt wird. Weil er der Erlöser war von Golgatha, hat er das Recht, der Richter der Welt zu sein. Und nun, was in diesem Buch mit den sieben Siegeln aufgeschrieben ist, das ist das Gericht Gottes nach der Entrückung bis hin zur Wiederkunft von Jesus Christus als König der Welt.
Ich habe hier so symbolisch den Ölberg angedeutet. Sieht man das hier? Die Wiederkunft Jesu als König der Welt, um dann das tausendjährige Friedensreich aufzurichten. Und dieses ganze Gericht zwischen Entrückung und Wiederkunft ist in diesem Buch aufgeschrieben.
Es ist so: Diese Zeit nach der Entrückung kann man einteilen in zwei Epochen. Die erste wird genannt die Stunde der Versuchung, die zweite die große Drangsal. Die Stunde der Versuchung, das ist die Zeit, wenn der Antichrist kommen wird, der größte und schlimmste Verführer der ganzen Menschheitsgeschichte. Und er wird die Massen nur so hinter sich herziehen. Und er wird auch der größte Okkultist sein aller Zeiten. Er kann zum Beispiel Blitze vom Himmel herabfahren lassen. Das kann Greta nicht. Und trotzdem konnte sie so viele Leute hinter sich herziehen, ja. Aber wie erst, wenn einer kommt, der solche Zeichen tut? Man kann sich das nicht vorstellen. Und er wird auch ein Götzenbild machen, das sprechen kann.
Nicht wahr, alle Götzenbilder, die ich je gesehen habe, auch mit Mund: Der Mund bewegt sich nie. Sie haben Ohren, sie hören nichts. Sie haben Beine, sie können nicht mal gehen. Aber dieses Götzenbild wird sprechen können. Also das wird eben stattfinden in dieser Zeit, der Stunde der Versuchung.
Es hat schon viele Stunden der Versuchung gegeben, ab dem Garten Eden. Aber die Stunde der Versuchung, das ist die schrecklichste Verführungszeit der Geschichte. Und die wird kommen nach der Entrückung. Und es ist so, dass die sechs Siegel, die sechs ersten Siegel, dann stattfinden werden während der Stunde der Versuchung. Dieser Ausdruck kommt vor in Offenbarung 3,10. Da kommen wir noch drauf im Zusammenhang mit Philadelphia. Das ist ja unser Thema, nicht die Übersicht der Offenbarung. Ich habe das nicht vergessen. Aber die Übersicht ist eben wichtig, um die Sendschreiben zu verstehen.
Das siebte Siegel, das ist der Höhepunkt, und das wird die große Drangsal eröffnen. Der letzte Weltkrieg und schrecklichste Weltkrieg von dreieinhalb Jahren. Und dann kommt Jesus Christus wieder. Also in dieser Zeit wird die noch ausstehende siebzigste Jahrwoche von Daniel aus Daniel 9 erst dann in Erfüllung gehen.
Der kommende Diktator von Europa wird einen Bund schließen mit dem Antichristen, dem Herrscher in Israel, für sieben Jahre. Und das ist diese noch ausstehende siebzigste Jahrwoche Daniels. Aber die ist in der Bibel aufgeteilt in dreieinhalb und dreieinhalb Jahren, wobei die zweiten dreieinhalb Jahre eben diese schrecklichsten Jahre der großen Drangsal sind.
Aber um etwas genauer zu sein: Nirgends in der Bibel wird gesagt, dass dieser Bundesschluss für sieben Jahre mit Israel exakt auf den Tag der Entrückung fallen würde. Und darum habe ich hier hingeschrieben x bloß dreieinhalb Jahre. Aber die Bibel macht ganz klar: Sobald die Entrückung geschehen ist und der Heilige Geist mit der Gemeinde weggehen wird, als Umkehrung von Pfingsten, wird Gott nach 2. Thessalonicher 2 eine wirksame Kraft des Irrwahns schicken, die nicht mehr zurückgehalten wird durch den Heiligen Geist, wie jetzt. Und darum wird die Stunde der Versuchung sofort losgehen. Und das heißt, die Dinge werden sich überstürzen. Denken Sie nicht zu groß über x, aber einfach, um genau zu sein: dreieinhalb Jahre und nochmals dreieinhalb Jahre.
In Daniel 9 gibt es 69 Jahrwochen, aber die haben sich erfüllt bis auf das erste Kommen von Jesus Christus. Vor seinem ersten Kommen als leidender Messias gab es 69 Jahrwochen, und vor seinem zweiten Kommen als herrschender Messias wird es noch die siebzigste Jahrwoche geben. Aber Daniel 9 macht klar, dass dazwischen, zwischen der 69. Jahrwoche, die übrigens auf den Tag genau berechnet werden kann und am Palmsonntag 32 nach Christus endete, da kam er als Messiasfürst. Und dann hat Gott die Zeit gestoppt mit den Jahrwochen, und die wird erst wieder ticken, diese Uhr der Prophetie, nach der Entrückung der Gemeinde.
Aber Daniel 9 macht klar, dass dazwischen eine lange, lange Epoche liegt. Der Messias wird getötet werden, das geschah fünf Tage nach Palmsonntag, und dann sollten Jerusalem und der Tempel zerstört werden und dann eine Kette von Krieg und Verwüstung über Jerusalem kommen bis in die Endzeit. Das ist diese Zwischenzeit zwischen der 69. und 70. Jahrwoche.
Das Neue Testament zeigt uns: Gott hatte einen ganz besonderen Plan, um in diese Zeitlücke eingeschoben zu werden, die Gemeinde. Die Gemeinde war ein Geheimnis im Alten Testament, sagt Epheser 3. Gott hat die Gemeinde geplant von jeher, von Ewigkeit her. Das war für ihn das Höchste in seinem Ratschluss mit der Schöpfung. Die Gemeinde, aber er hat das verborgen gehalten. Paulus sagt: Es war verborgen in Gott. Also auch die Engel wussten nichts davon, kein Prophet im Alten Testament wusste davon, und erst mit dem Kommen des Herrn Jesus und ganz besonders seit Pfingsten durch das Kommen des Heiligen Geistes wurde das enthüllt.
Und Gott hat das umgesetzt in dieser Zwischenzeit, in der die Gemeinde eben das Zeugnis von Israel für eine Zeit übernehmen sollte. Und man sieht: Ein paar Wochen nachdem die 69 Jahrwochen gestoppt hatten, begann die Gemeinde. Der Heilige Geist kam an Pfingsten, Apostelgeschichte 2, und bildete den Leib Christi. Alle Gläubigen wurden zu einem Leib getauft. Also jeder, der wiedergeboren ist, jeder, der sich bekehrt hat, ist mit dem Heiligen Geist getauft zu einem Leib. Da müssen Sie nicht mehr auf ein zweites Erlebnis warten. Schon geschehen!
Und das bedeutet eben, dass man eingefügt wird in den Leib Christi, 1. Korinther 12,13. Jetzt ist der Heilige Geist hier auf Erden, in der Gemeinde. Aber der Tag wird kommen, der Jesus kommt zur Entrückung, und der Geist und die Braut, die rufen: Komm! Sie werden weggehen. Das ist die Entrückung der Gemeinde, und dann kommt die 70. Jahrwoche und diese Gerichte der Offenbarung.
Aber in dieser Zwischenzeit ist die Gemeinde quasi der Leuchter, Offenbarung 2 und 3. Und wenn man das verstanden hat, dann bekommt man eine noch viel größere Wertschätzung für die Bedeutung von Offenbarung 2 und 3, die sieben Sendschreiben.

Siegel, Posaunen und Schalen als aufeinanderfolgende Gerichtsreihen

ist es so: Ich habe erklärt, dass zwischen der Entrückung und der Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit hier auf Erden die Gerichte der sieben Siegel liegen. Aber es ist so: Bei jedem Siegel, wenn der Herr Jesus es öffnet, kommt ein Gericht über die Erde. Beim siebten Siegel geschieht zunächst jedoch nichts. Sie können das nachlesen auf Wagen acht.
Aber gleich danach beschreibt Johannes, wie sieben Engel sich mit sieben Posaunen bereitmachen. Und jedes Mal, wenn einer posaunt, kommt dann ein noch schrecklicheres Gericht über die Erde, oder ein ganz besonders schreckliches Gericht. Aber bei der siebten Posaune geschieht zunächst ebenfalls noch nichts. Später in der Offenbarung werden dann sieben Engel beschrieben, die sieben Schalen auf die Erde ausgießen. Und dann kommt Jesus Christus wieder.
Jetzt wird klar: Ach so, die siebte Posaune besteht inhaltlich aus sieben Schalengerichten. Das können wir so darstellen: also sieben Siegel, aber das siebte Siegel besteht aus sieben Posaunengerichten, die ganz besonders schrecklich sein werden. Aber die siebte Posaune selbst besteht aus noch schrecklicheren sieben Schalen, die die Welt so auf das Kommen von Jesus Christus als Richter der Welt vorbereiten, um das letzte Wort zu sprechen.
Wenn Sie verstanden haben, dann ist das der genaue zeitliche Ablauf in der Offenbarung: sieben Siegel, sieben Posaunen, sieben Schalen. Aber wenn Sie die Offenbarung lesen, dann ist es doch ein bisschen komplizierter. Und zwar wird eben dieser zeitliche Ablauf immer wieder unterbrochen durch Einschübe. Einschübe, die den Hintergrund erklären und die auch zurückblicken oder vorausblicken. Und so ist das aufgebaut.
Vor dem ersten Siegel gibt es einen solchen Einschub, und zwischen dem sechsten und dem siebten Siegel. Dann gibt es wieder vor der ersten Posaune einen Einschub und zwischen der sechsten und der siebten Posaune. Und wieder vor der ersten Schale und zwischen der sechsten und der siebten Schale. Und dann, wie immer nach sieben, nochmals einen Einschub. Und jetzt sehen Sie: Es gibt sieben Einschübe auf diese Art. Die Offenbarung ist wunderbar harmonisch aufgebaut, komponiert.
Eben, wir haben sieben Sendschreiben, unser Thema, und dann kommen die sieben Siegel, die sieben Posaunen, die sieben Schalen. Und das ist alles eingewebt zusammen mit sieben Einschüben. Diese Einschübe sind aber ganz wichtig, denn sie zeigen die Hintergründe und erläutern diese.
Aber dann geschieht auch das, was man vielleicht aus dem Film kennt. Im Dokumentarfilm zum Beispiel ist es manchmal wichtig, dass man plötzlich zurückblendet in eine frühere Zeit, und das nennt man mit dem Fachwort Flashback. Und manchmal muss man in einem Film, es gibt dann so Mittel, wie man klarmachen kann, dass die Zuschauer das sofort verstehen, ohne dass man schreiben muss: Jetzt machen wir übrigens noch eine Vorausschau. Man baut das so ein, und man merkt dann: Ach so, das ist jetzt ein Flashforward, ein Ausblick.
Und genau dasselbe geschieht hier bei diesen Einschüben. So wird gezeigt, wie nach diesen Gerichten, die den Weg bereiten, damit Jesus Christus kommen kann als König, um das tausendjährige Friedensreich aufzurichten. Die Offenbarung geht aber noch weiter. Sie zeigt dann, dass nach den tausend Jahren diese ganze Schöpfung aufgelöst werden wird und Gott einen neuen Himmel, eine neue Erde, also eine neue Schöpfung erschaffen wird.
Und die Bibel schließt ab, in 22,18-19, mit der Bemerkung: Wer jetzt noch zu dieser Prophetie etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen aus dem Buch zufügen. Und wer etwas wegnimmt, dem wird Gott seinen Anteil am Segen wegnehmen. Die Bibel ist abgeschlossen. Das Buch der Offenbarung schließt die ganze biblische Offenbarung ab.
Und natürlich heißt es: Wer zu diesem Buch der Offenbarung etwas hinzufügt. Aber weil dieses Buch eben das letzte Buch der Bibel ist, ist jede neuprophetische Hinzufügung zur Bibel eine Hinzufügung zur Offenbarung und zur Bibel im Allgemeinen. Davor wird gewarnt. Wir haben die volle Bibel, aber die müssen wir studieren, und wir müssen die ganze Botschaft davon immer besser kennenlernen.
Es gibt Leute, die wollen neue Prophetie. Wenn man sie fragt: Ja, und was hältst du von Zephanja? Zephanja, wo ist der? Dann kommt das große Blättern. Man will neue Prophetie, und man kennt nicht die Prophetie der Bibel. Und dabei hat jedes Prophetenbuch eine ganz bestimmte herrliche Botschaft, die ist das ganze Leben hindurch nicht auszuloten.
Also, wir müssen die vollendete Bibel studieren, und ich möchte noch anfügen: Der letzte Vers der Bibel überhaupt, der letzte Vers der Offenbarung, 22,21, lautet: Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen. Amen.
Das bleibt uns. Das ist ein besonderer Wunsch, gerade für die Gemeinde, die heute in dieser wichtigen Zwischenzeit der vergangenen 2000 Jahre den Auftrag hatte, eben ein Zeugnis zu sein anstelle Israels, um es dann eben bald Israel wieder abzugeben.

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