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Bedeutung der Taufe und Sieg über die Sünde

Kolosser 2,11-13
Kolosser 2,11-1330.04.2022
SerieTeil 8 / 13Christus in euch: Der Brief an die Kolosser
Der Apostel Paulus erklärte den Kolossern die Bedeutung der Taufe. Er erläuterte damit, wie vollständig und umfassend das Erlösungswerk des HERRN Jesus ist. Das Problem der Sünden wurde ein für alle Mal vollständig gelöst vor Gott. Der Sieg am Kreuz von Golgatha war ein Triumph über Satan und alle seine Engelmächte. Damit wurde klar, dass all die Versprechungen der Irrlehrer nach «noch mehr» nichts anderes waren als betrügerischer Schall und Rauch. Auch ihre Lehre, dass der Sabbath von den Gläubigen der Gemeinde beobachtet werden sollte, erfuhr eine gründliche und massive Widerlegung.

Einordnung in den Brief und die große Linie der Auslegung

In unserer Serie über den Kolosserbrief kommen wir heute zu Kolosser 2, ab Vers 11. Des Zusammenhangs wegen lese ich nochmals ab Vers 8 und gehe dann weiter bis Kapitel 3, Vers 4.
 Kolosser 2,8. Gebt Acht, dass nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht nach Christus.
Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid vollendet in ihm, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist. Indem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, seid ihr mit ihm begraben in der Taufe. Ebenso seid ihr mit auferweckt worden durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.
Und euch, als ihr tot wart in den Vergehungen und der Vorhaut eures Fleisches, hat er mit ihm mitlebendig gemacht, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat. Als er die uns entgegenstehende Handschrift in Satzungen ausgetilgt hat, die gegen uns war, hat er sie auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie an das Kreuz nagelte. Als er die Fürstentümer und die Gewalten ausgezogen hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er durch dasselbe über sie einen Triumph hielt.
So richte euch nun niemand wegen Speise oder wegen Trank oder hinsichtlich eines Festes oder Neumondes oder von Sabbaten, die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind; der Körper aber ist des Christus. Niemand bringe euch um den Kampfpreis, der seinen eigenen Willen tut, in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat, grundlos aufgebläht von dem Sinn seines Fleisches und nicht festhaltend das Haupt, aus dem der ganze Leib durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengefügt wird und das Wachstum Gottes wächst.
Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebt ihr noch in der Welt? „Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!“ Dinge, die alle zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt sind. Nach den Geboten und Lehren der Menschen, die zwar einen Schein von Weisheit haben, im eigenwilligen Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, und doch nicht in einer gewissen Ehre zur Befriedigung des Fleisches.
Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.

Die Nahtstelle zwischen Lehre und Leben

Wir haben hier einen Abschnitt gelesen, der genau an der Nahtstelle des Briefes liegt.
Wir haben ja in dem Skript, übrigens: Diejenigen im Livestream, die kein Skript haben, können sich dort unter meinem Tisch anklicken und das Skript herunterladen. Da habe ich am Anfang die Struktur des Kolosserbriefes noch einmal aufgeführt. Und ganz grob zerfallen diese vier Kapitel des Briefes in zwei Teile.
Also erstens Kapitel 1 und 2: Da geht es um die Lehre von der Erhabenheit des Sohnes Gottes. Da wird die Größe, Herrlichkeit, Schönheit und Majestät des Sohnes Gottes vorgestellt. Er wird vorgestellt als der ewige Gott, der alles erschaffen hat, der über allem steht und auch alles erhält. Er ist auch das Haupt der Gemeinde. Alle Autorität gehört ihm.
Und ab Kapitel 3, im zweiten Teil, da geht es um die praktischen Konsequenzen aus der Lehre. Und ganz wichtig ist das kleine Wort nun in Kapitel 3, Vers 1: Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid. Dieses Wort nun deutet an, dass jetzt aus der Belehrung in Kapitel 1 und 2 geschlussfolgert wird. Und dieser ganze zweite Teil bis zum Schluss des Briefes ist dazu da zu zeigen: Diese Lehre ist nicht einfach Theorie, sondern sie ist die Basis, damit das auch ins konkrete Leben übertragen werden kann und dort gute Früchte und Auswirkungen hat.
Und das ist sehr typisch für die Lehre des Neuen Testaments: Zuerst die grundsätzliche Belehrung und dann die Schlussfolgerung für die Praxis. Zum Beispiel ist auch der Römerbrief so aufgebaut. Viele haben Angst vor dem Römerbrief, weil er so kompliziert ist. Aber die Einteilung ist einfach: Kapitel 1 bis 11, die Lehre; und Kapitel 12 bis 16, die Praxis.
Und schauen wir uns einmal die Nahtstelle an, Kapitel 12, Vers 1. Nachdem Paulus die Lehre über die Rettung durch Jesus Christus, durch Glauben allein, vorgestellt hat, sagt er in Kapitel 12, Vers 1: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer.“
Also die Schlussfolgerung aus allen elf Kapiteln ist diese: Wenn Gott so viel für uns getan hat, dann ist es doch völlig logisch, dass wir uns und unser Leben, alles, was wir sind und haben, ganz ihm geben. Und da ist wieder das Wort nun so wichtig. Das deutet an: Jetzt wird gezeigt, was das konkret für unser Leben zu bedeuten hat.

Weitere biblische Beispiele für denselben Aufbau

Ein anderes Beispiel ist der Epheserbrief. Gerade vor dem Kolosserbrief, vor dem Philipperbrief, steht der Epheserbrief. Und auch da denken viele: Oh, der Epheserbrief ist so kompliziert.
Wenn dort über die Segnungen in den himmlischen Örtern gesprochen wird und über alles, was wir in Christus haben, dann wird uns das in den Kapiteln 1 bis 3 vorgestellt. Im zweiten Teil, in den Kapiteln 4 bis 6, wird gezeigt, was das konkret für unser Leben bedeutet.
Schauen wir uns Kapitel 4, Vers 1 an, die Nahtstelle: „Ich ermahne euch nun, ich, der Gefangene im Herrn, dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.“ Diese gewaltige Berufung, die im Ratschluss Gottes von Ewigkeit her begründet ist, wird in den Versen und Kapiteln 1 bis 3 vorgestellt. Und dann sagt der Apostel: Nun ermahne ich euch, dass ihr auch so lebt, dass ihr dieser Berufung entspricht.
Also ist es nichts anderes als das Prinzip noblesse oblige: Würde verpflichtet. Ja, das ist sehr wichtig. Die Praxis, das konkrete Christenleben, ist nicht einfach so wie diese „How-to“-Bücher. Es gibt ja im englischsprachigen Raum in den Buchläden solche Abteilungen, da findet man Bücher wie „How to make friends“, also wie macht man Freunde, oder „How to make money“, also wie macht man Geld. Das sind praktische Lebensberatungen, aber auf welcher Basis das alles beruht, wird meistens nicht verraten.
Aber es ist immer so: Hinter jeder Theorie, hinter jeder Praxis gibt es eine Theorie. Das ist ganz wichtig. Und so ist es eben auch beim christlichen Leben. Es ist nicht einfach nur eine Lebensberatung, und auch Predigten sollen nicht einfach Lebensberatung sein, sondern zuerst zeigen: Was haben wir in Christus? Was hat Jesus Christus für uns getan? Und dann stellt sich die Frage: Und was ist unsere Antwort darauf?
Dann ist das praktische Christenleben eben nicht einfach ein Krampf. Man sollte eigentlich fragen: Aber wieso? Ja, eben: weil Jesus das alles für uns getan hat, weil Gott der Vater diesen Plan von Ewigkeit her im Blick auf uns gefasst hat. Dann ist das die logische Konsequenz. Dann wollen wir nicht mehr für uns selbst leben, sondern ganz für ihn.

Die Antwort des Kolosserbriefs auf falsche Lehren

Also, wir haben gelesen: Kolosser 2, ab Vers 8. Da sind wir noch in diesen Belehrungen drin, wobei auch da zwischendurch schon Übertragungen und praktische Anwendungen gemacht werden. Aber ab Kapitel 3, Vers 1, dann ganz grundsätzlich: Es wird sehr konkret für das Alltagsleben, aber eben aus der Lehre, aus der Belehrung heraus. Und zwar auch nicht einfach aus einer Theorie, sondern wir sehen: Der Inhalt dieser Lehre ist eine Person, der ewige Sohn Gottes, der von Ewigkeit her die Freude des Vaters war.
Er wird genannt in 2. Korinther 9,15: die unaussprechliche Gabe. Gott hat ihn uns gegeben. Und eben diese ganze Lehre ist begründet in seiner Person, in seiner Herrlichkeit. Das wird im Kolosserbrief ganz besonders gezeigt. Und das Wort Kolosser hängt ja zusammen mit unserem Wort kolossal, das heißt riesengroß. Und ausgerechnet in diesem Kolosserbrief wird diese unfasslich große Herrlichkeit und Majestät des Sohnes Gottes vorgestellt.
Und das alles als Antwort auf Besucher, die nach Kolossä gekommen sind. Paulus sagt, dass Epaphras, ein guter Freund von Paulus und treuer Mitarbeiter, die Gemeinde in Kolossä gegründet hat. Und er hat auch die gesunde Lehre der Apostel weitergegeben. Dann kamen Besucher, und die wollten auf diesem begonnenen Fundament weiterarbeiten. Ich sage es jetzt mit meinen Worten: Die haben gesagt, toll, was ihr da alles gehört habt. Das stimmt zwar nicht alles, und wir können euch da noch ein bisschen Nachkorrektur machen. Es ist übrigens so: Ihr müsst auch die Gebote vom Gesetz vom Sinai, die solltet ihr eigentlich auch als Gemeinde ausleben. Ihr solltet den Sabbat halten und auch Neumondfeste feiern und all diese Feste, die im Alten Testament vorgestellt werden, das müsst ihr umsetzen. Und wir zeigen euch: Ihr seid halt noch ganz unten. Aber es gibt da ein Wachstum über Stufen, immer höher. Und wir zeigen euch, wie ihr mit höherer Erkenntnis, und zwar mystischer Erkenntnis, da höher kommt.
Und so ist der Kolosserbrief eine Antwort auf diese Irrlehre, die sich da in Kolossä eingeschlichen hat. Und der Apostel Paulus nennt das, was sie gelehrt haben, diese Mischung also von jüdischer Gesetzlichkeit mit griechischer Mystik, Philosophie. Und es war Philosophie. Kolosser 2,8: Gebt Acht, dass nicht jemand sei, der euch als Beute wegführt durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht nach Christus.
Also er warnt die Kolosser vor diesen Irrlehren und zeigt ihnen dann auch die schlagende Antwort auf diese Lehre von geistlicher, mystischer Höherentwicklung. Er sagt: In Christus, Kolosser 2,9, wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Also in dem Menschen Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes wurde Mensch, in dem Menschen Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Das heißt: in seinem menschlichen Leib der dreieine Gott, der ewige Vater, der ewige Sohn und der ewige Geist.
 Kolosser 2,10: Seid vollendet in ihm. Jesus Christus hat alles am Kreuz abgeschlossen. Er konnte sagen in Johannes 19,30: Es ist vollbracht. Auf Griechisch ist das ein Wort, das noch eindrücklicher ist als auf Deutsch: Tetelestai. Und natürlich hat der Herr Jesus am Kreuz nicht griechisch gesprochen. Auf Hebräisch wäre das: Nicht schlamm. Ein Wort: Nicht schlamm, es ist vollbracht. Und wir müssen und können diesem Werk am Kreuz nichts hinzufügen.
Und wer das, was der Herr Jesus am Kreuz getan hat, im Glauben erfasst, dem wird das ganze Werk Christi und auch die Herrlichkeit Christi zugerechnet. Gratis, ohne Leistung. Und darum sagt er: Ihr seid vollendet. Also nichts von einer allmählichen geistigen Evolution. Und darum ist es eben dem Apostel Paulus so wichtig gewesen, in diesen zwei Kapiteln zu zeigen, wer Jesus Christus ist und was wir in ihm haben. Ohne eigene Leistung, um ihren Blick von diesen erbärmlichen Lehren der Besucher da in Kolossä wegzuwenden.

Das Original kennen, um Fälschungen zu erkennen

Ich habe das schon einmal gesagt, aber ich wiederhole es noch einmal: Wenn man mit kleinen Kindern zu tun hat und plötzlich feststellt, dass sie etwas ganz Gefährliches in den Händen haben oder, wie meine Enkelin gerade eben, etwas ganz Gefährliches im Mund haben, wie muss man reagieren? Nicht überstürzt, nicht mit Panik und nicht mit allem Möglichen, sondern ganz ruhig. Und man muss einem Kind, das etwas Gefährliches in der Hand hat, etwas Schöneres geben. Dann lässt es das Gefährliche fallen.
Genau das ist die Vorgehensweise hier. Paulus geht zwar auf diese Irrlehre ein, aber er geht hauptsächlich auf die Wahrheit ein. Ganz so, wie wenn es darum geht, Falschgeld zu entlarven: Man muss nicht alle Fälschungen kennen, die es gibt. Es gibt so viele verschiedene Fälschungen, und vielleicht ist vor zwei Stunden schon wieder eine neue Fälschung auf den Markt gekommen. Aber man muss das Original kennen. Und dann kann man eigentlich alle Fälschungen entlarven. Das Original, das Richtige, muss man kennen.
Und so wird die Betonung eben darauf gelegt: Wer ist Jesus Christus? Was hat er vollbracht? Und das hilft zu erkennen, dass das alles Unsinn, Verführung und Betrug war, was diese Leute, die als Besucher gekommen sind, um auf dem Grund, den Epaphras gelegt hat, aufzubauen und sich Ruhm zu holen. Ja, das ist die Vorgehensweise des Apostels, um die Kolosser von dieser Gefahr wegzubringen.

Die Verbindung von Beschneidung und Taufe

Und jetzt gehen wir Vers für Vers durch. Wir sind letztes Mal bis Vers 10 gekommen, und nun beginnt der Apostel in Vers 11 über die Taufe zu sprechen. Dabei macht er eine Verbindung zwischen Taufe und Beschneidung im Alten Testament.
Er sagt: „indem, also in Christus, indem ihr auch beschnitten worden seid, mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe.“
Was ist der Zusammenhang zwischen Taufe und Beschneidung?
Die Beschneidung war im Gesetz festgelegt, und zwar zuerst im Bund mit Abraham. In 1. Mose 17 können wir kurz aufschlagen. Dort wird der Abrahamsbund, der in Kapitel 12 in Sechem bei der Therabinthe Mores geschlossen wurde, in Kapitel 13 ein erstes Mal bestätigt, dann in Kapitel 15 noch einmal bestätigt und in Kapitel 17 nochmals bestätigt und mit der Beschneidung erweitert.
Und ich lese da 1. Mose 17, Vers 1: Und Abraham war neunundneunzig Jahre alt, da erschien der Herr Abraham und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Ich bin El Shaddai. Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Und ich will meinen Bund setzen zwischen mir und dir und will dich sehr, sehr mehren.
Und dann erklärt Gott in den weiteren Versen, dass alle Nachkommen beschnitten werden sollen, alle Nachkommen Abrahams.
Vers 9: Und Gott sprach zu Abraham: Und du sollst meinen Bund halten, du und deine Nachkommen nach dir, nach ihren Generationen. Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir. Alles Männliche werde bei euch beschnitten, und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. Und das soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch. Und acht Tage alt soll alles Männliche bei euch beschnitten werden, nach euren Generationen.
Und das wird dann im Bund am Sinai, in dem Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat, nochmals bestätigt, als absolut notwendig für alle, die unter diesem Bund stehen und ihn einhalten müssen.
In 3. Mose 12 wird dieses Element aus dem Abrahamsbund im Gesetz von Sinai fest verankert. Dort steht in Vers 3: Und am achten Tag soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden.
Das ist also festgehalten und gehört zum Gesetz von Sinai.

Der tiefere Sinn der alttestamentlichen Beschneidung

Es geht da um Jungs, übrigens nicht um Mädchen. Die Mädchenbeschneidung ist eine Verstümmelung, aber die Beschneidung von Jungs hat gewisse Vorteile. Sie kann nämlich auch gewisse Krankheiten vermeiden und hat also nützliche Eigenschaften.
Man kann allerdings auch sagen, dass es auch gewisse Vorteile bei der Nichtbeschneidung gibt. Dann ist allerdings Hygiene notwendig, und das braucht mehr Aufwand. Aber beides hat Vorteile, und das ist eigentlich ganz logisch. Gott hat ja in der Erschaffung des Menschen keinen Fehler gemacht, der dann quasi in der Beschneidung korrigiert werden müsste.
Aber indem Gott das Gesetz der Beschneidung gegeben hat, ist es eben so wie bei anderen Vorschriften, etwa den Koschergesetzen beim Essen und so weiter. Diese haben positive und in dem Fall auch wieder gesundheitliche Vorteile. So ist also die Beschneidung nicht eine Verstümmelung, sondern hat wieder Vorteile. Aber beides ist von Gott gegeben, und darum hat auch beides gewisse Vorteile.
Es ist auch so, dass Gott nie die Beschneidung für alle Völker angeordnet hat, sondern für die Nachkommen Abrahams über die Linie von Isaak und dann über die Linie von Jakob, also das Volk Israel. Darum muss es ja auch einen Sinn haben, dass die anderen Völker nicht beschnitten wurden, und einen Sinn haben, warum das Volk Israel sehr wohl beschnitten worden ist.
Und was ja auch gewaltig ist, ist die Anweisung, dass die Beschneidung am achten Tag erfolgen sollte. Als kleine Operation, ja. Der Mohel, das ist einer, der speziell geschult ist auf diese Operation, muss das eben am achten Tag vollziehen. Und man könnte sagen: Warum am achten Tag? Wir können es doch am zweiten Tag nach der Geburt machen oder, wie im Islam, irgendwann, wenn der Junge mal zehn ist. So habe ich das in Tadschikistan gelernt. Da kann es sein, dass dann die Grossmutter denkt: So, jetzt ist mal Zeit. Es ist nicht vorgeschrieben, wann, aber jetzt wäre mal Zeit. Sie kommt mit dem Küchenmesser und erledigt das.
Also, wenn man da nachher ein Trauma hat vor Küchenmessern, ich kann diese Jungs alle verstehen. Aber beim acht Tage alten Baby ist das ganz anders. Das ist schnell verschwunden aus dem Gedächtnis. Und der achte Tag ist der idealste Tag, weil dieser spezielle Stoff im Blut, der die Blutgerinnung möglich macht, ab der Geburt zu einer Kurve führt. Der Peak wird am achten Tag erreicht, und dann geht es runter auf den normalen Stand. Der achte Tag ist der idealste Tag, um die Beschneidung durchzuführen. Es gibt eine schnelle Wundheilung, und würde man das eben am Tag nach der Geburt machen, ist das gefährlich für das Baby, weil es dann verbluten könnte.
Ja, es ist eine kleine Operation, aber es fliesst Blut. Und so hat das Gott angerichtet, am achten Tag. Und die Menschen damals wussten nicht warum, sie mussten einfach gehorchen und wissen: Wenn Gott etwas sagt, dann ist es auf jeden Fall richtig.
Und das sehen wir heute auch bei all diesen Koschergesetzen, welche Tiere gegessen werden dürfen von Israel und welche nicht. Das sehen wir überall. Das kann man alles mit moderner Medizin und moderner Biologie wunderbar erklären, warum das eben optimal ist für die Ernährung. Aber auch nicht so, dass man sagen müsste: Wehe, wer nicht koscher isst, der hat immer Nachteile.
Zum Beispiel ist Schweinefleisch nach 3. Mose 11 im Gesetz von Sinai für Israel verboten. Auch anderes Fleisch wird dort erwähnt, aber sagen wir mal Schweinefleisch. Heute verstehen wir natürlich, dass Schweine anfälliger auf diverse Krankheiten sind als Rinder, die koscher sind, und Schafe und Ziegen. Aber heute ist es so: Wenn man die Schweine eben sehr gesund ernährt und auf Hygiene achtet, und da haben wir heute einen sehr, sehr hohen Stand erreicht. Von meiner Mutter lernte ich immer noch: Schweinefleisch muss ganz gut durchgebraten sein, und nicht nur ein bisschen. Beim Rindfleisch ist das anders, ja. Aber heute ist das auch nicht mehr einfach so, weil eben die Qualität der Hygiene, wenn die erreicht ist, dann kann man nicht sagen, das sei jetzt einfach völlig ungesund.
Ja, also Gott hat schon den Grund gehabt, warum er eben Israel diese Gebote so gab, aber den anderen Völkern gab er die Freiheit. Das ist wichtig. Die anderen Völker haben nicht gesündigt, wenn sie Schweinefleisch gegessen haben, aber Israel durfte es nicht, und es brachte ihnen auch wirklich gesundheitliche Vorteile.
Und nun eben auch diese Vorschrift: Beschneidung am achten Tag. Man muss einfach Gott gehorchen und wissen, er weiss, was gut ist für uns.

Abraham, Hagar und die Bedeutung des Bundes

Und was ist nun die Bedeutung der Beschneidung? Wir wollen ja jetzt die Brücke herstellen von der Beschneidung im Alten Testament zur christlichen Taufe im Neuen Testament. Denn Kolosser 2,11 sagt uns, dass es da einen Zusammenhang gibt. Aber auf den ersten Blick sehen wir keinen Zusammenhang zwischen einer kleinen Operation und der Taufe.
Schauen wir uns einmal an, wie das kam, als der Bund mit Abraham ergänzt wurde durch die Beschneidung. In Kapitel 16, Vers 1 heißt es: Und Sarai, Abrahams Frau, gebar ihm nicht. Das ist eine Feststellung, und sie war eine riesige Last für Abraham. Abraham wurde von Gott in Ur in Chaldäa berufen. 1. Mose 12 spricht davon: Gott hat ihm gesagt, ich werde dich zu einer großen Nation machen. Aber damals in Ur in Chaldäa, das schreibt Mose am Schluss von 1. Mose 11, da war Sarai unfruchtbar. Die beiden waren schon längere Zeit verheiratet, und Sarai bekam kein Kind.
Obwohl sie ja in Ur lebten, und in Ur hat man den Mondgott Nanna verehrt, von dem man gesagt hat, Nanna mache Menschen und Tiere zahlreich. Aber der Mondgott hatte vollkommen versagt. Was auch verständlich ist: Es ist, wie die Amerikaner spätestens im Juli 1969 festgestellt hatten, bei ihrem ersten bemannten Besuch ein toter Stein, und dann erst noch bedeckt von ganz viel Staub. Natürlich kann er kein Baby geben.
Aber Josua sagt ja in seiner Ansprache in Sichem, dass Abraham und auch sein Vater Terach damals in Ur in Chaldäa Götzendiener waren. Dann erschien der wahre Gott, und er sagte ihm in 1. Mose 12,1-3: „Ich werde dich zu einer großen Nation machen.“ Da muss er wenigstens mal ein Baby bekommen. Und er hat geglaubt, ist ausgezogen ins verheißene Land, und dort wartet er Jahre, Jahrzehnte, es kommt kein Baby.
Und jetzt wird hier gesagt: Und Sarai, Abrahams Frau, gebar ihm nicht. Und sie hatte eine ägyptische Magd, und ihr Name war Hagar. Und Sarai sprach zu Abraham: Sieh doch, der Herr hat mich verschlossen, dass ich nicht gebäre. Geh doch ein zu meiner Magd, vielleicht werde ich aus ihr erbaut werden. Und Abraham hörte auf die Stimme Sarais. Da hätte der Mann nicht hören sollen. Man muss nicht immer auf die Frau hören. Aber später wird Gott Abraham in einer anderen Situation sagen: Höre auf die Stimme deiner Frau Sarai.
Wann muss man auf die Frau hören und wann nicht? Immer wenn sie recht hat. Ja, so einfach klingt das.
Nun, es gab ein heidnisches Gesetz, das wir durch die Archäologie kennen, damals im Nahen Osten. Das besagte: Wenn eine Herrin unfruchtbar war, so konnte der Herr die Magd heiraten, als Zweitfrau, und das Kind der Magd wurde der Herrin zugerechnet. Also Sarai kam nach Jahrzehnten auf die Idee: Wir müssen wahrscheinlich Gottes Wort nicht so nehmen, wie es gesagt worden ist, sondern wir müssen es umdeuten. Eben: Schon, Abraham wird ein Kind bekommen, aber sie sind nicht auf dem Weg, Abraham und Sarai, die ein Ehepaar waren. Und Abraham lässt sich da überreden.
Und aus dieser Verbindung entsteht dann Ismael, und seine Nachkommen werden zu Todfeinden Israels. Unglaublich, wenn man sich das überlegt. Aber was man noch beachten muss, ist Folgendes: In 1. Mose 16,15 heißt es: Und Hagar gebar Abram einen Sohn, und Abram gab seinem Sohn, den Hagar geboren hatte, den Namen Ismael. Und Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als Hagar dem Abram Ismael gebar.
Und Abram war neunundneunzig Jahre alt, da erschien der Herr Abram und sprach zu ihm. Merken wir: Zwischen Kapitel 16, Vers 16, und 17,1 liegen dreizehn Jahre. Gott sprach nicht mehr mit Abraham. Unglaublich! Das entspricht, wie wenn einer die Bibel liest am Morgen und sich nachher sagt: Ich habe nichts gehabt davon, von dieser Andacht. Das kennen wahrscheinlich alle, so etwas. Aber wenn man am nächsten Tag wieder die Bibel liest am Morgen: Ich habe nichts gehabt. Ganze Woche, Monat, ganzes Jahr, fünf Jahre! Und feststellt: Gott spricht nicht durch sein Wort zu mir. Das ist schon schrecklich.
Aber das hat Abraham erlebt, und nicht fünf Jahre, sondern ja, eigentlich nicht nur dreizehn Jahre, nämlich auch während der Schwangerschaft von Hagar spricht Gott nicht zu ihm. Vierzehn Jahre spricht Gott nicht mehr. Schrecklich! Und dann erscheint Gott ihm. Und Abram war neunundneunzig Jahre alt, da erschien der Herr Abram und sprach zu ihm: Ich bin El Shaddai, Gott der Allmächtige.
Warum sagt er das? Ich bin der Allmächtige, ich brauche keine heidnischen Tricks. Und eben, Polygamie ist ein Bruch mit dem Bund, den Gott mit Adam geschlossen hat. Da hat Gott die Einehe von einem Mann und einer Frau eingesetzt, als Grundsatz, der gilt für alle Zeiten. Und Abraham hat wie dieser gottlose Mann vor der Sintflut, Lamech, der auch als polygam beschrieben wird, der eine zweite Frau genommen hat. Und das nächste Beispiel ist Abraham, der macht das Gleiche wie der gottlose Lamech. Und Gott spricht nicht mehr mit ihm. Und Gott sagt: Ich brauche diese Tricks nicht, ich bin Gott der Allmächtige.
Gott hat nämlich gewartet und gewartet, bis Abraham schließlich hundertjährig war. Und Sarah neunzigjährig, um klarzumachen: Israel ist ein unmögliches Volk. Also wenn es nach Wissenschaft geht, nach reiner Wissenschaft, ohne Gott, dann dürfte es Israel gar nicht geben. Aber wir wissen: Am Yisrael Chai. Das wird immer wieder wiederholt in Israel. Das Volk Israel lebt, es existiert, es ist real da. Aber es dürfte eigentlich gar nicht sein, denn biologisch ist das gar nicht möglich. Also eine Frau mit neunzig Jahren ein Baby und ein Mann mit hundert Jahren einen Sohn, wie soll das gehen?
Aber es ist Gott der Allmächtige. El ist übrigens Gott mit dem Nebensinn der Starke, und Shaddai der Allmächtige, der Starke, der Allmächtige. Und er sagt: Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Was du getan hast, das war ein sündiger Weg mit Hagar, und das sollte auch Konsequenzen haben in der Geschichte bis heute. Aus dieser Linie von Ismael ist auch die Plage des ganzen islamischen Terrorismus entstanden. Das kam aus dieser Linie. Muhammad war ein Ismaeliter, das sagt er auch selber im Koran. Ja, also unglaublich, was da geschehen ist.
Und Gott sagt jetzt Abraham: Wandle vor meinem Angesicht, das heißt in Gemeinschaft mit mir, geh nicht mehr eigene Wege, sei vollkommen. Und dann setzt er den Bund der Beschneidung ein.

Der Mensch nach dem Sündenfall und die Linie bis zur Taufe

Und wie gesagt, es ist eine kleine Operation. Aber was ist der tiefere Sinn?
Es ist ja so: Gott hat den Menschen vollkommen geschaffen, in seinem Bild, nach seinem Gleichnis. 1. Mose 1,27. Aber nach dem Sündenfall lesen wir in 1. Mose 5 Folgendes: 1. Mose 5,3: Und Adam lebte hundertdreißig Jahre und zeugte einen Sohn in seinem Gleichnis, nach seinem Bild, und gab ihm den Namen Seth.
Ja, das war nach dem Sündenfall. Und da heißt es eben nicht, dass Seth im Gleichnis Gottes und im Bild Gottes gezeugt wurde, sondern im Gleichnis und im Bild von Adam. Und Adam war ein Sünder. Römer 5,12 sagt, dass durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist. Und diese Sünde wurde von Generation zu Generation als böse Natur im Menschen weitergegeben. Und so ging das auch durch die Zeugung auf die nächste Generation über.
Und so ist es eine Tatsache: Ein Mann kann immer nur Sünder zeugen. Die Natur des Menschen seit dem Sündenfall ist böse. Und das sagt das Alte Testament zum Beispiel in 1. Mose 6, dass sich das Böse nach dem Sündenfall so deutlich entfaltet hat, dass die Gedanken des Herzens des Menschen nur böse sind den ganzen Tag. 1. Mose 6,5: Und der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.
Ja, so ist diese sündige Natur von Generation zu Generation weitergegeben worden, und es braucht ein gerechtes Gericht Gottes über die sündige Natur des Menschen. Und das wird mit der Beschneidung, in der Blut fließt, ausgedrückt. Also: Der Mensch ist von Grund auf böse und verdorben, und er hat Gottes Gericht verdient. Jeder Israelit sollte das nach seiner natürlichen Geburt am achten Tag als Zeichen mitnehmen. Wir sind von Natur aus Sünder, und wir haben Gottes Gericht verdient.
Und nun sehen wir im Kolosserbrief: Die Taufe behandelt auch das Thema, dass wir von Natur aus verdorben sind. Und wenn wir kurz aufschlagen Römer 6, eine andere Stelle, wo der Apostel Paulus über die Taufe lehrt, dann sagt er Folgendes, Römer 6, ab Vers 1: Was sollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch darin leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod.
Also, die Taufe symbolisiert ein Begräbnis, die Taufe auf den Tod. Und das kann man so gut veranschaulichen, wenn man früher mit dem Schiff von Europa nach Amerika ging und auf dieser langen Schiffsreise über den Atlantik jemand starb. Da konnte man ihn nicht tiefkühlen bis zur Beerdigung. Man musste ihn sofort beerdigen, und das bedeutete: Die Leiche musste über Bord geworfen werden. Und so wurde der Atlantik zum Grab für unzählige Menschen.
Und in der Taufe wird genau das symbolisiert: Dass Untertauchen bedeutet sterben, begraben werden. Aber es ist ja eine Taufe auf den Tod von Jesus Christus. Das heißt also, der Täufling drückt aus: Jesus Christus ist am Kreuz unschuldig gestorben und von Gott gerichtet worden für meine Sünden. Sein Tod ist mein Tod, das, was ich verdient habe.
Und wenn jemand sich bekehrt und seine Schuld Gott bekennt, dann drückt er damit eigentlich aus: Der Herr Jesus hat das ganze Gericht, das ich verdient habe in Ewigkeit, am Kreuz in den drei Stunden der Finsternis getragen, wo Gott ihn verlassen hat. Darum hat er geschrien: Eli, Eli, lama sabachtani? Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wegen unserer Sünden, weil er damals der Sündenträger war, wie 1. Petrus 2 am Schluss das sagt: Er hat unsere Sünden an seinem Leib getragen.
Und so war sein Tod mein Tod. Und in dem Moment, wo jemand sich bekehrt und das im Glauben für sich in Anspruch nimmt, dass der Herr Jesus nicht einfach so allgemein gestorben ist für die Menschheit, sondern für mich gestorben ist, dann rechnet Gott das Opfer, das Jesus am Kreuz gebracht hat, diesem Menschen zu, wie wenn er selber am Kreuz gehangen hätte und das Gericht getragen hätte.
In der Taufe nach der Bekehrung drückt man aus: Jesus Christus ist für mich gestorben, und damit bin ich gestorben. Mein altes Leben ist vorbei, und darum ein Begräbnis. Aber genauso: Wir werden noch von der Auferstehung hören in Kolosser 3, wie der Herr Jesus eben am dritten Tag dann auferstanden ist. So wird in diesem symbolischen Begräbnis nicht erst nach drei Tagen, natürlich nicht, sondern sogleich der Täufling wieder heraufgeholt.
Und das spricht davon: Die Auferstehung von Jesus Christus ist auch meine Auferstehung, der Beginn für ein ganz neues Leben.

Die Taufe als Beschneidung des Messias

Und jetzt sieht man: Aha, da geht es um das Gericht Gottes über die sündige Natur bei der Beschneidung. Und da geht es genau um dasselbe Thema bei der Taufe, die eben ausdrückt: Gottes Gericht ist erfolgt über das alte Leben und alle Sünden, und ein neues Leben hat begonnen.
Jetzt haben manche gedacht: Ja, seht ihr, die Taufe sollte man so früh wie möglich machen, nämlich gleich nach der Geburt. Denn die Beschneidung, die haben sie auch gerade nach der Geburt gemacht. Ja, aber die Frage ist: Nach welcher Geburt?
Zum irdischen Volk Gottes gehört man durch natürliche Abstammung. Wenn die Frage gestellt wird: Wer ist ein Jude? Da gibt es viele Antworten, nicht wahr? Politisch sagt man in Israel: Jemand, der eine jüdische Mutter hat, der ist sofort als Jude anerkannt. Wenn er einen Vater hat, dann wollen wir mehr sehen als nur Abstammung. Auch noch Praktizieren des Judentums, ja, aber das ist eine politisch-rabbinische Definition. Jemand hat mal gesagt: Jude ist, wer sich als Jude fühlt. Okay, das ist auch ein bisschen gefährlich, nicht wahr? Dann würden nämlich manche nach Israel einwandern, weil sie denken, dort gibt es ein besseres Leben als im eigenen Ursprungsland.
Ja, aber was man sagen kann, was eindeutig ist: Wenn jemand von Abraham, Isaak und Jakob abstammt, dann ist er Jude. Also Jude wird man durch natürliche Abstammung, durch natürliche Geburt.
Und wie gehört man zum himmlischen Volk Gottes? Denn die Gemeinde im Neuen Testament wird vorgestellt als das himmlische Volk Gottes. Wie wird man Teil dieses Volkes? Durch Wiedergeburt, also durch Bekehrung, und dann wirkt Gott die Wiedergeburt. Und dann kommt die Taufe, ja, nach der Geburt die Taufe. Aber die Frage ist: Welche Taufe, welche Geburt? Für das irdische Volk gleich nach der natürlichen Geburt, für das himmlische Volk gleich nach der Wiedergeburt, der geistlichen Geburt. Und wenn ich sage gleich, ich meine: Manche haben das verzögert, aus ganz verschiedenen Gründen. Und die müssen sich da nicht ständig hinterfragen, sondern wenn sie sehen, jetzt ist der Zeitpunkt, dann müssen sie es jetzt machen. Also lieber jetzt als nie. Aber ich will nur sagen: Grundsätzlich eben nach der Bekehrung.
Und darum muss man sagen: Die Bibel lehnt die Kindertaufe vollständig ab. Und es gibt auch kein Beispiel von Säuglingstaufe. Und die Beispiele, die immer gebracht werden, wie zum Beispiel der Kämmerer, wo sage ich Kämmerer, der Gefängniswärter von Philippi, Apostelgeschichte 16, der ist ja zusammengebrochen, hätte fast Selbstmord begangen, und dann hat er sich bekehrt. Aber schauen wir mal, was nachher geschieht.
Paulus sagt in Apostelgeschichte 16,31 als prophetisches Wort an diesen Gefängniswärter: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus. Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. Also alle haben das Wort gehört, das Paulus ausdrücklich an sie alle gerichtet hatte.
Nicht klar, wenn man Babys da in der Gemeinde hat und es wird da eine Predigt gehalten, dann sind sie ruhig, schauen herum, machen manchmal Lärm usw. Aber das Wort richtet sich nicht an sie. Aber sie nehmen viel wahr. Es ist ganz wichtig, dass sie da sind, auch wenn sie nichts verstehen. Sie nehmen sehr viel mehr wahr, als man denkt. Aber man kann nicht sagen, dass das Wort so an sie gerichtet wird, wie Paulus das an alle gerichtet hat.
Und dann lesen wir weiter: Und er nahm sie, also der Gefängniswärter, und er nahm sie in jener Stunde der Nacht zu sich und wusch ihnen die Striemen ab. Und er wurde getauft, er und alle, die seinen sogleich. Die sind alle zum Glauben gekommen. Und das wusste Paulus als Prophet. Darum hat er gesagt: Du wirst errettet werden, du und dein Haus. Diese Verheißung kann man nicht auf alle Familien anwenden.
Und er führte sie ins Haus hinauf, setzte ihnen einen Tisch vor und frohlockte an Gott gläubig geworden mit seinem ganzen Haus. Also alle freuen sich über die Errettung durch Glauben. Und darum konnten die alle getauft werden. Also wer das nimmt, um eine Säuglingstaufe zu rechtfertigen, unmöglich, geht gar nicht. Und so ist es mit all diesen Argumenten.
Biblisch gibt es keine Kindertaufe. Und vielleicht noch eine Hilfe zusätzlich in 1. Petrus 3, da spricht Petrus über die Taufe und sagt Folgendes, mit dem Sintflutgeschehen, der Arche, Noah, und er sagt in Kapitel 3, Vers 21: welches Gegenbild auch uns jetzt errettet. Das ist die Taufe, nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott.
Das sagt er von der Taufe. Die Taufe bedeutet nicht, dass man die Unreinheit des Fleisches, Fleisch oder auch in der Einzahl die Sünde, wird ja besonders im Römer- und im Galaterbrief verwendet, um die sündige Natur, die wir von Adam her durch all die Generationen hindurch geerbt haben, zu beschreiben. Also das Fleisch, das böse Fleisch, das ist nicht unser Körper, sondern das ist diese böse Natur, die aber unseren Körper, unsere Hände, unsere Augen, unsere Ohren, unsere Füße und so weiter missbrauchen will, um Sünden zu produzieren. Darum wird das genannt das Fleisch, weil es eigentlich nicht Sünde umsetzen kann, ohne den Körper zu verwenden.
Ja, und da sagt er: Bei der Taufe verschwindet das nicht plötzlich. Das spricht der Apostel Paulus in Römer 7 als Gläubiger immer noch über die in mir wohnende Sünde. Also die sündige Natur ist immer noch da, und die wird auch durch die Taufe nicht weggemacht. Die werden wir erst verlieren beim Tod beziehungsweise bei der Entrückung, dann ist der Schluss damit. Aber jetzt haben wir das noch, und darum sagt er nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott.
Und der griechische Ausdruck Eperothema bedeutet Begehren, Verpflichtung, Abmachung. Die Taufe ist eine Abmachung mit Gott für ein gutes Gewissen. Ja, wie geht das? Es ist eine Abmachung, indem man eigentlich bei der Taufe ausdrückt: Mein altes Leben ist vorbei, es ist begraben, abgelegt. Und jetzt stehe ich vor einem neuen Weg, und ich möchte diesen Weg gehen, und zwar so, dass ich dabei ein gutes Gewissen bewahren kann. Das ist eine Abmachung. Und es ist das Begehren, auch die Verpflichtung: Herr, ich möchte nicht mehr einen Weg gehen, wo ich ein schlechtes Gewissen haben muss.
Und darum ist die Taufe dann für das weitere Leben sehr praktisch von Bedeutung. Denn wir kommen alle immer wieder an Weggabelungen, beruflich, familiär und und und. Und wenn wir sehen: Wie soll ich mich entscheiden, so oder so? Und man merkt: Wenn ich diesen Weg gehen würde, dann verliere ich das gute Gewissen. Das würde mich eigentlich wieder in Dinge hineinbringen, wie ich sie in meinem alten Leben hatte. Aber das ist vorbei, habe ich in der Taufe ausgedrückt. Also entscheide ich mich für diesen Weg.
Und so hilft die Taufe vor falschen Wegen. Und darum sagt hier Paulus in Vers 21: welches Gegenbild auch uns jetzt errettet, das ist die Taufe. Was, die Taufe rettet? Dann haben die Irrlehrer recht, die sagen, man wird nur gerettet, indem man sich bekehrt und getauft wird, und wer nicht getauft wird, geht verloren. Nein, es ist eine Irrlehre, aber da steht es ja.
Was macht man in einem solchen Moment? Ganz genau lesen. Zum Beispiel: Welches Gegenbild auch uns jetzt errettet. Was ist das für eine Zeitform? Präsens, Gegenwart, nicht: welches Gegenbild uns errettet hat. Aber in 1. Petrus 1,18 sagt Petrus ganz klar den Leuten, denen er schreibt: Indem ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, also eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken.
Da sagt er: Ihr seid erlöst worden, Vergangenheit, Aorist, abgeschlossene Handlung. Also er sagt: Die Adressaten, die Leute, die den ersten Petrusbrief bekommen haben, das waren errettete Menschen, erlöst durch das Blut Christi. Und jetzt sagt er: Die Taufe rettet uns, in der Gegenwart. Wie geht das? Ganz einfach. Retten bedeutet eben auch retten aus Versuchung und gefährlichen Situationen.
Man muss noch einmal mit einer Konkordanz das Wort retten studieren im Neuen Testament. Dann sieht man: Retten wird benutzt in der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Zukunft. In der Vergangenheit gerettet vor dem Zorn Gottes in der Verdammnis, abgeschlossen. In der Gegenwart gerettet werden aus momentanen Gefahren und Versuchungen, das gleiche Wort. Und in der Zukunft gerettet werden vor dem kommenden Zorn, zum Beispiel 1. Thessalonicher 1,9-10. Da heißt es: Die Thessalonicher haben sich bekehrt und dienen dem lebendigen Gott, indem sie Jesus Christus erwarten, Jesus, der uns rettet vor dem kommenden Zorn. Und das meint eine zukünftige Rettung bei der Entrückung, so dass die Erlösten der Gemeinde nicht in die große Trübsal und in den letzten, wirklich katastrophal schrecklichsten Weltkrieg hineinkommen.
Ja, so muss man studieren, wie das Wort retten verwendet wird. Und hier ist es also Gegenwartsform. Die Taufe ist wirklich eine praktische Hilfe. Ich sage mir: Ich habe das mit dem Herrn, mit Gott abgemacht in diesem symbolischen Begräbnis und in der symbolischen Auferstehung der Taufe. Ich möchte einen Weg gehen, wo ich ein gutes Gewissen bewahren kann. Und so ist die Taufe ganz praktisch eine Hilfe für das Leben als Christ.
Aber was will man mit jemandem, der als Baby getauft worden ist? Übrigens: Taufen, das griechische Wort baptizomai, getauft werden, das bedeutet untergetaucht werden. Das bedeutet nicht besprengt werden, das wäre ein anderes Wort. Also wenn jemand sagt: Ja, aber kann ich mich noch ein zweites Mal taufen lassen? Ich bin schon als Säugling getauft worden. Wieso, du musst ja gar nicht ein zweites Mal getauft werden. Damals wurdest du besprengt und jetzt wirst du getauft. Kein Problem. Alles in Ordnung. Wir machen eine Taufe, nicht eine Besprengung. Und die Besprengung drückt ja auch nicht aus, dass begraben werden. Das wird ja gar nicht ausgedrückt.
Ja, und ein Kind, ein Säugling, wenn der später zum Glauben kommt, dann kann ich ihn, wenn er an einer Weggabelung ist und ich sehe, jetzt will er sich für einen falschen Weg entscheiden, dann kann ich ihm nicht lieb sagen: Du! Aber dann kannst du nicht mehr ein gutes Gewissen haben, und du hast dich doch in der Taufe dazu verpflichtet. Was, in der Taufe verpflichtet? Niemand hat mich gefragt. Ja, natürlich, die Kindertaufe oder besser gesagt die Kinderbesprengung ist nicht ein Engagement von dem Kind, aber die Taufe nach der Bibel ist ein Engagement, also eine Verpflichtung, eben ein Begehren, eine Verpflichtung, eine Abmachung eines guten Gewissens vor Gott.

Rückkehr zum Text und die messianische Beschneidung

Jetzt gehen wir zurück zu Kolosser 2. Nach all diesen Exkursen, die wir gemacht haben, wird das jetzt viel einfacher.
Wenn er da sagt, von den Kolossern, 2,11: Indem ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, also er sagt: Ihr habt eine Beschneidung erlebt, aber nicht eine Beschneidung wie das der Mohel, so nennt man den Beschneider. Der Mohel wacht am achten Tag nach der natürlichen Geburt. Sondern nach der Bekehrung seid ihr da eben beschnitten worden, und er nennt das die Beschneidung des Christus.
Was heisst Christus auf Hebräisch? Messias, Maschiach, Messias. Also, es ist die Beschneidung des Messias. Und da sagt er: Mit ihm begraben in der Taufe. Da macht er also klar: Die christliche Taufe nach der Bekehrung, das ist die Beschneidung des Messias.
Wir haben im Alten Testament die Beschneidung im Abrahamsbund und im Sinai-Bund. Dann aber später sollte der Messias kommen. Der Messias ist gekommen, und jetzt erleben wir in der Taufe die Beschneidung des Messias. Und das bedeutet: mit ihm begraben in der Taufe, indem ihr auch mit auferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes.
Ah, jetzt haben wir hier auch noch die Erklärung: Das Untertauchen, das ist das Begräbnis. Das Auftauchen ist ein Symbol der Auferstehung. So wie Jesus Christus auferweckt ist, kann ich sagen, hat für mich als Wiedergeborener jetzt ein ganz neues Leben, ein Auferstehungsleben, begonnen.
Jetzt haben wir da noch einen ganz schwierigen Ausdruck: in dem Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches. Also bei der Beschneidung des Babys macht der Mohel so, dass er einen speziellen Operationskamm hat. Und dann fügt er eben die Vorhaut in den Kamm ein, und dann kann er gut schneiden. Ja, und dann ist das Stück Fleisch weg.
Und das wird jetzt übertragen in das Ausziehen des Leibes, des Körpers, der Sünden des Fleisches. Vielleicht steht in der Übersetzung nur „des Leibes des Fleisches“. Aber der Mehrheitstext, also die Masse der Handschriften, ist da völlig übereinstimmend. Der korrekte Text sagt: Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches.
Was bedeutet das? Wir haben doch gerade eben gesagt, Römer 7: Da spricht Paulus als Gläubiger immer noch davon, die in mir wohnende Sünde. Und hier heisst es: Ausziehen! Ja, dann haben wir die Sünde ja nicht mehr. Es ist ganz wichtig, dass man die Begriffe genau erklärt.
Ich habe auf einem Skript geschrieben: Die Erlösten der Gemeinde haben die Erfüllung der alttestamentlichen Beschneidung erlebt. Sie haben den alten Menschen ausgezogen. Epheser 4,22, Kolosser 3,9. Und hier eben in dem Ausdruck: Das Ausziehen des Leibes der Sünden des Fleisches.
Der alte Mensch bedeutet das alte Leben und das Sein vor der Bekehrung. Und das ist nicht das Gleiche wie der Ausdruck „die Sünde“ im Römerbrief oder „das Fleisch“. Das bezeichnet die böse, von Adam geerbte Natur, die immer noch in uns ist. Also: Der alte Mensch ist nicht das Gleiche wie die Sünde oder das Fleisch.
Ja, wir müssen dazu mal lesen aus Epheser 4, Vers 22. Da sagt Paulus den Erlösten in Ephesus, dass ihr, was den früheren Lebenswandel betrifft, abgelegt habt den alten Menschen, der nach den betrügerischen Begierden verdorben wird. Also er sagt hier: Ihr habt den alten Menschen abgelegt, wie ein Kleid ausgezogen.
Dann müssen wir noch lesen, Kolosser 3, Vers 9: „Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt.“ Das wird also hier als Tatsache vorgestellt. Alle Gläubigen haben den alten Menschen ausgezogen und abgetan. Also: altes Kleid weg, neues Kleid angezogen.
Das Gleiche passiert ja bei der Taufe auch. Man geht mit Kleidern rein und dann zieht man sich um. Die alten Kleider ausgezogen, das ist der alte Mensch. Das heisst: Das, was ich war vor meiner Bekehrung, das ist der alte Mensch.
Leider haben viele die Begriffe verwischt und sprechen, wenn sie meinen, die Sünde in uns, die sündige Natur, die man jeden Tag als böse Gedanken ungewollt bekommt. Das ist normal, das haben alle. Die Frage ist nur, was wir damit machen. Aber diese böse Natur haben wir immer noch in uns. Aber wir können sagen: Das alte Leben ist vergangen.
Aber manche sagen: Diese sündige Natur in uns, das ist der alte Mensch. Ja, hallo, da ist der alte Mensch immer noch da, jeden Tag. Und Luther hat einmal gesagt: Ja, eben, der alte Mensch kann schwimmen. Und wollte damit sagen: Ja, die Probleme aus dem alten Leben, die kommen immer wieder. Aber eigentlich sind die Ausdrücke nicht richtig benutzt. Man muss von der Bibel her klar unterscheiden.
Der alte Mensch, den wir ausgezogen haben, das ist unser altes Leben. Aber wir müssen anerkennen: Die Sünde, die sündige Natur, die haben wir jetzt noch in uns. Es gibt auch Leute, die leugnen das. Nein, das haben wir nicht mehr. Ach wo? 1. Johannes 1 sagt, was wir sind, wenn wir das abstreiten.
Es gibt dann sogar Leute, die sagen: Ja, wir können einen Zustand erreichen hier auf der Erde von Sündlosigkeit. Ha, und dann muss man sie ansprechen auf gewisse Handlungen, und dann sagen sie: Ja, aber das war ein Fehler. Oh, das ist Inflation. Wenn Sünde zu Fehlern gemacht werden, wenn Sünden zu Fehlern gemacht werden, das ist Inflation. Dann sagt man dem Bösen nicht mehr böse. Das ist ganz, ganz gefährlich. So betrügt man sich selbst.
Schauen wir, was da steht in 1. Johannes 1,10: Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, also haben wir nur Fehler gemacht, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Absolut unmöglich.
Aber vorher in Vers 8 sagt Johannes: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, in der Einzahl, das ist eben nicht die Tatsünde, sondern die sündige Natur, die wir von Adam her geerbt haben, wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Also, das ist ein No-Go.
Aber eben darum ist es wichtig, klar zu unterscheiden von dem alten Menschen, von dem alten Leben. Das haben wir abgelegt, das ist vorbei. Aber die Sünde, das Fleisch, das haben wir noch in uns.
Und auf dem Livestream gibt es einen Stream nur über das Thema die vier Versuchungen des Gläubigen. Und da gehe ich dann eben konkret ein, um zu erklären, wie man umgehen muss mit diesen Versuchungen, die jeden Tag kommen, und auch mit schlechten Gedanken, die aus unserer sündigen Natur hervorkommen. Da sind wir eben nicht mehr einfach ausgeliefert.
Und das möchte ich jetzt nicht erklären, weil wir jetzt im Kolosserbrief weitergehen möchten. Aber das wäre an dieser Stelle jetzt ganz wichtig: Praktisch, wie sieht das aus, wie muss man damit umgehen? Aber das erkläre ich dort ganz ausführlich.
Es gibt sogar zwei Streams, eine Kurzversion und eine längere Version. Einer hat einen Kommentar geschrieben: Also eineinhalb Stunden kann keiner zuhören, mehr als zwanzig Minuten geht nicht. Na gut, für die ist dann die Kurzversion. Aber übrigens kann man auch selber Portionen von zehn Minuten machen. Sagt ja jemand, man müsse sich eineinhalb Stunden in einem Zug anhören. Da kann man ja selber bestimmen. Das ist wie beim E-Learning, da kann man das Tempo selber bestimmen.

Das neue Leben aus der Auferstehung

Ja, also, wir gehen zurück zu Kolosser 2. Wir haben also gesehen: Das Ausziehen des Leibes, das ist der alte Mensch, das ist vorbei. Und das ist so wichtig, dass wir eben nicht zurückschauen auf unsere Vergangenheit vor der Bekehrung. Alles gut, alles vorbei. Wir schauen nicht mehr zurück und leben nicht in der Vergangenheit und sind nicht gefangen in der Vergangenheit.
Nein, wir schauen nach vorn. Das ist die Ausrichtung durch die Taufe. Das ist eine Ausrichtung nach vorne, die Mut macht und Hoffnung gibt. Das Alte ist vergangen, eben durch die Beschneidung des Messias, mit ihm begraben in der Taufe, in der ihr auch mit auferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.
Und da erklärt Paulus: Wir sind auferstanden zu einem neuen Leben. Ihr müsst nicht in Stufen immer mehr mystisch-geistig aufsteigen. Nein, wir haben alles. Jetzt müssen wir einfach auf diesem Weg vorangehen.
Und dann sagt er: Und ihr habt das nicht selber bewirkt, das ist geschehen durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn, Jesus Christus, aus den Toten auferweckt hat.

Vergebung, Identifikation und die befreiende Wirkung des Evangeliums

Und jetzt kommt etwas ganz Gewaltiges, Vers 13. Das kann für manche eine Befreiung sein, sogar aus Depressionen, nur schon dieser Vers:
Und euch, als ihr tot wart in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.
Hm, also er sagt: In eurem alten Leben wart ihr tot in den Vergehungen, da wart ihr quasi unbeschnittene Menschen. Jetzt seid ihr durch die messianische Beschneidung als Beschnittene erklärt. Aber früher wart ihr unbeschnitten, und da habt ihr irgendwie gelebt. Eben, geleitet durch die böse Natur, die genannt wird das Fleisch. Und er sagt: Ihr wart tot in euren Vergehungen.
Merkt man, das ist eine Aufnahme von dem, was Paulus ausführlicher beschreibt im Epheserbrief: Tod in euren Vergehungen. Ja, es ist so. In Epheser 2 beschreibt Paulus unser Leben vor der Bekehrung als ein Leben als wandelnde Leichen, wenn man das krass ausdrücken will.
 Epheser 2,1: Und euch, er spricht da jetzt die ursprünglich heidnischen Epheser an, er sagt nicht: Wir Juden, euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, in denen ihr einst wandeltet, nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams.
Dann fügte er hinzu: Unter denen auch wir einst alle unseren Wandel führten in den Begierden unseres Fleisches. Und mit wir meinte nun: wir bekehrten Juden. Wir waren auch da drin. Nicht nur ihr Heiden, und wir hatten genau dasselbe Böse in uns, nicht nur die Heiden, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten.
Also, den Willen des Fleisches, das ist alles, was aus unserer sündigen Natur hervorkommt, das haben wir auch gemacht, umgesetzt. Und der Gedanken, das sind Einflüsterungen Satans. Ja, den Willen des Fleisches und der Gedanken, die eben eingeflüstert sind.
Ja, wir haben gelesen, Vers 2: Ihr habt gelebt nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams. Das ist der Teufel. Es gibt eben die Versuchung aus dem Fleisch, es gibt die Versuchung von Satan. In diesem eben genannten Video über die vier verschiedenen Versuchungen wird ein Unterschied zwischen der Versuchung aus dem Fleisch, der Versuchung von Satan und dann eben noch drei, vier weiteren gemacht, aber das ist nicht unser Thema jetzt.
Also hier wird das vorgestellt: Ihr wart tot in euren Sündenvergehungen, und ihr habt gelebt unter dem Einfluss von Satan, und ihr habt gelebt nach dem Zeitgeist. Der Ausdruck „nach dem Zeitlauf dieser Welt“ in Vers 2, Welt, Aion im Griechischen, bezeichnet den Zeitgeist. Etwa jede Epoche hat so ihren bestimmten Zeitgeist.
Zum Beispiel, als ich ein Kind war und jugendlich war, da sagte niemand etwas von Gender-Ideologie. Und wenn man dort klar unterschieden hätte, es gibt Männer und es gibt Frauen, war das kein Problem. Ja, auch auf den Hochschulen war das kein Problem. Heute ist das ein Riesenproblem, wirklich. Also echt, die machen Druck, wenn du nicht so schreibst in deiner Arbeit, gibt es Abzug. Ja, der Zeitgeist hat sich ein bisschen geändert. Aber die gleichen Grundsätze waren schon da, im Ansatz.
Aber eben, der Zeitgeist wandelt sich. Und es ist unglaublich, wie die Leute, wenn der Wind so weht, geht die Fahne so und so. Und plötzlich ist das, was Überzeugung war, gestern zum Beispiel: Es ist möglich, Frieden zu erlangen, wir müssen einfach alle Armeen abschaffen. Und jetzt weht der Wind anders, plötzlich sagen die gleichen Leute, die Armee abschaffen, die sagen: Millionen in die Modernisierung der Armee. Wie geht das? Im Zeitgeist. Und dem passt man sich an.
Und das gehört eben zum alten Leben, dass man sich nach dem momentanen Zeitgeist ausrichtet und sich auch so kleidet und so gibt und sich das anhört und sich das anschaut an Filmen, was gerade zum Zeitgeist gehört. Das war so früher. Aber er sagt: Ihr wart tot in euren Vergehungen, in denen ihr einst wandeltet. Und darum habe ich gesagt: Das sind wandelnde Leichen.
Das heißt, wir waren vor unserer Bekehrung für Gott tot, in dem Sinn, dass alles, was wir taten, sogar wenn wir gute Dinge taten, dann haben wir das irgendwie letztlich, wenn man sich ganz ehrlich überlegt, eben zum Beispiel für uns selber gemacht. Das Motiv war nicht einfach rein, und alles, was wir taten, konnte vor Gott keine Punkte sammeln. Also wie jemand, der eine Mikrokarte hat oder Kurbkarte, und es kommen einfach nie Punkte drauf. Geht nicht. Man kann machen, was man will, es gibt keine Punkte.
Ja, aber das wird auch im Kontrast im Römerbrief beschrieben. Da werden ab Kapitel 1, Vers 18 die Menschen beschrieben in ihrem von Gott entfernten Zustand, und da werden sie aber sehr lebendig vorgestellt, und zwar sehr aktiv, nämlich in der Sünde. Und darum sagt dann der Römerbrief: Und darum mussten wir sterben. Wir waren einmal ganz quicklebendig in der Sünde, und wir mussten sterben und das Sterben des Herrn Jesus für uns in Anspruch nehmen.
Und der Epheserbrief macht hier klar: Wir waren tot in den Sünden, in Bezug auf Gott hat nichts gezählt. Und dann heißt es: Aber er hat uns mitlebendig gemacht, in den weiteren Versen. Also, durch die Bekehrung sind wir aus diesem Tod zum Leben gekommen, und der Kolosserbrief kombiniert beides zusammen.
Also, ich sage das jetzt mal so: Man muss das vielleicht noch mal in Ruhe sich überlegen und noch mal durchgehen, dann sieht man das. Also der Römerbrief nochmals, der sagt: Wir waren quicklebendig in der Sünde, und darum mussten wir sterben. Und der Epheserbrief sagt: Wir waren tot in unseren Sünden, darum mussten wir lebendig gemacht werden. Und der Kolosserbrief beschreibt gerade beides, wie wir einerseits tot waren in der Vergehung und andererseits eben, wie wir sterben mussten, weil wir lebendig waren in der Sünde. Das sind so zwei verschiedene Gesichtspunkte, nicht wahr?
Und manchmal wird das eben in einem Brief nur von einer Seite beleuchtet, in einem anderen Brief von der anderen Seite, und ein anderer Brief macht die Synthese und bringt beides zusammen. Das ist im Kolosserbrief so. Darum ist die Kolosserstelle noch ein bisschen schwieriger, weil beides kombiniert ist. Aber jetzt sehen wir doch in Kolosser 2,13, da sagt Paulus eben genau das, was wir aus dem Epheserbrief jetzt gesehen haben:
„Und euch, als ihr tot wart in den Vergehungen und der Vorhaut eures Fleisches, hat er mitlebendig gemacht mit ihm“ – genau das Gleiche wie im Epheserbrief – „indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.“
Und wenn man sich dieses Wort „alle“ einmal vergegenwärtigt: alle Sünden vergeben, welche in der Vergangenheit, bis zur Bekehrung, von der Bekehrung bis heute, von heute bis in die Zukunft. Ja, weil der Herr Jesus hat ja vor zweitausend Jahren unsere Sünden getragen, als wir noch keine einzige getan hatten, vor unserer Bekehrung, und er hat sie schon getragen. Das ist ja unglaublich. Gott hat sie bereits in seiner Allwissenheit auf ihn gelegt. Und als wir uns bekehrt haben, wurde das ganze Werk, nicht nur ein Teil des Werkes des Herrn Jesus, auf uns angewendet. Und darum ist die Bekehrung so grundlegend.
Bei der Bekehrung macht man sich mit Jesus Christus eins. Es ist wie beim Opfer im Alten Testament: Der Sünder musste die Hände auf das Opfer stützen, die Smicha. Das ist nicht einfach ein bisschen Hände auflegen, sondern aufstützen, das ganze Gewicht der Person. Und das unschuldige Tier wurde so symbolisch mit der Schuld beladen, es musste sterben und der Sünder durfte leben. Also Identifikation: Der Sünder macht sich mit dem Opfer eins. Das Opfer erleidet das, was ich verdient habe.
Und bei der Bekehrung, auch wenn das vielleicht nicht ganz so bewusst ist, geschieht genau das. Man akzeptiert: Der Herr Jesus hat für mich gelitten und sein Werk gilt für mich. Und zwar alles. Sein ganzes Werk wird auf mich angewendet, und der Herr Jesus hat die Sünden damals getragen, bis zur Bekehrung, bis heute und sogar was in der Zukunft ist. Alle Vergehungen vergeben hat. Und es ist ein Aorist, eine Handlung in der Vergangenheit, abgeschlossen.
Merkt man, wie kann jemand noch depressiv sein? Und ich kriege so viele Mails von Gläubigen, die depressiv sind und irgendwie mit Schuld und Angst haben: Es wird doch nicht vergeben, es kann nicht mehr gutkommen, und ich bin abgelehnt. Unglaublich! Und mit Corona habe ich gemerkt, das ist raufgegangen. Ich weiß nicht, ich sehe ja nur subjektiv, was bei mir reinkommt. Man müsste das ja weitergehend untersuchen, ob das damit zusammenhängt. Auf jeden Fall ist mir aufgefallen, so angestiegen.
Und dann kann man so eine gute Botschaft weitergeben: Es wird alles vergeben. Und das kann wirklich Leute aus einer Depression, die dadurch bedingt ist, es gibt auch Depressionen, die sind durch ganz andere Dinge bedingt, da muss man anders angehen, aber man kann Leute wirklich, letztlich werden sie ganz glücklich. Die haben mir ein Riesenpaket geschickt, mit allen möglichen Dingen drin, und er wollte einfach sagen: Danke, danke, dass er da aus diesem Loch herausgekommen ist. Ich brauche kein solches Paket, also gar nicht. Nein, es ist einfach schön, wenn man sieht, Menschen können durch das Wort Gottes, das so klar ist, herausgeholt werden und wieder richtig glücklich werden.
Ja, es ist Zeit für Pause, eine halbe Stunde bis fünf ab.

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