Einleitung
Kürzlich sandte mir ein Freud einen Tipp. Ich soll unbedingt ein
Programm im Internet herunterladen und auf meinem Computer installieren.
Ich würde staunen, was das Programm bewirken wird. Nun, ich habe mir das
Programm runtergeladen, wusste aber nicht recht, wie ich damit umgehen
soll, geschweige, was das Programm wirklich macht. So fragte ich ihn
bezüglich den verschiedenen Schritten, die ich zu tun hatte. Es war ein
Programm, das Probleme im Computer löst. Er schrieb mir dann, Du musst
nur den Knopf drücken und die Probleme werden gelöst, wie im richtigen
Leben.
Ja, schön wär's dachte ich, im richtigen Leben gibt es nicht einfach
einen Knopf, den man drücken kann und die Probleme sind gelöst.
Doch auch bei diesem Programm, konnte man nicht einfach einen Knopf
drücken und die Probleme wurden gelöst. Zuerst musste ich einen Knopf
drücken, dass es die Probleme überhaupt fand. Erst als es sie gefunden
hatte, fragte mich dieses Programm, ob ich die Probleme, die alle einen
Namen bekamen, beseitigen möchte. Natürlich wollte ich das.
Wenn wir von Problemen sprechen, die wir beseitigen wollen, müssen wir
das Problem zuerst einmal kennen. Natürlich wusste ich, dass mein
Computer Probleme hatte, aber ich kannte nur die Auswirkungen dieses
Problems, nicht das eigentliche Problem.
So ist es auch mit meinem VW Bus. Er war eine günstige Occassion und
wir sind schon zig tausend Kilometer damit gefahren. Er läuft und läuft,
aber ein unangenehmes Problem hatten wir mitgekauft. Wenn ich auf eine
Kreuzung zufahre und abbremse oder nur schon, wenn ich das Gaspedal
loslasse, stellt der Motor ab und zu ab. Manchmal kommt es öfters vor,
manchmal hat man den Eindruck, das Problem sei beseitigt. Nun, ich
brachte das Auto in die Werkstatt, d.h. in verschiedene Werkstätten, doch
ich habe es aufgegeben, bis jetzt hat niemand das tatsächliche Problem
erkannt. Man hatte Vermutungen angestellt und Teile ausgewechselt, aber
das half nichts, weil niemand herausgefunden hatte, wo das Problem liegt.
Wenn ein Problem gelöst werden muss, dann muss man, wie das mein
Computerprogramm macht, zuerst die Probleme erkennen, sie klar benennen
und dann kann man sich an die Behebung des Problems machen. Wenn ein
Automechaniker das Problem meines Autos wirklich erkennt, wird er wissen,
welche Reparatur er zu machen hat, damit das Problem behoben wird.
Deshalb müssen wir uns zuerst einmal Gedanken machen, wie wir Probleme
erkennen. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Wir können nämlich für
unsere Probleme blind sein. Denn wer für eine Sache blind ist, weiss auch
nicht, dass er sie nicht sieht. So wurde ich völlig überrascht, als ich
meine erste Brille beim Optiker abholte…
Ein anschauliches Beispiel hörten wir eben, von dem Pharisäer und dem
Zolleinnehmer.
Der Pharisäer war ein frommer und religiöser Mensch. Wunderbar, was er
alles geleistet hatte, er sagte:
Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von allen meinen
Einkünften. Lukas 18, 12.
Weil er so viel für seine Glaubensüberzeugung tat, stellte er sich
selbstbewusst hin und bete:
Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen –
ich bin kein Räuber, kein Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin
auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort. Lukas 18, 11.
Gott, wie stolz kann Du auf mich sein. Wie viele Opfer bringe ich doch
täglich für Dich. Du kannst Dich freuen einen solchen Menschen zu haben,
der Dich verehrt. Schau dir nur mal diesen Zolleinnehmer da hinten an,
was für ein Abschaum.
Der Zolleinnehmer trat in den Tempel, wagte sich nicht einmal
aufzublicken, so beschämt war er über sich selbst. Er weiss keine klugen
Worte zu machen. Er hat nichts, womit er sich rühmen konnte. Er kann nur
seufzen und zu Gott flehen:
Er schlug sich an die Brust und sagte: Gott, vergibt mir sündigem
Menschen meine Schuld!" Lukas 18, 13.
Jesus sagte dann zu diesen Leuten, die meinten so gut wie der Pharisäer
zu sein:
Der Zolleinnehmer war in Gottes Augen gerechtfertigt, als er nach Hause
ging, der Pharisäer jedoch nicht. Lukas 18, 14.
Das war für diese eingebildeten und blinden Menschen wie ein Schlag ins
Gesicht.
Wir haben hier zwei Menschen. Der eine erkennt sein Problem und gesteht
seine Schuld ein. Der andere ist blind für seine eigenen Probleme. Er
weiss nicht einmal wie schlecht er in Wirklichkeit dran ist. Das kann
auch Christen so gehen. Jesus sagte zur Gemeinde in Laodizea:
Du sagst: Ich bin reich und habe alles im Überfluss, es fehlt mir an
nichts", und dabei merkst du nicht, in was für einem jämmerlichen und
erbärmlichen Zustand du bist – arm, blind und nackt.
Offenbarung 3, 17.
Wir sehen, es kann sehr wichtig sein, dass wir unsere Probleme
erkennen. Aber wie macht man das?
Bibelstellen zum nachschlagen: Offenbarung 3, 17
I. Wie erkenne ich meine Probleme
Indem ich auf andere höre
Es gibt Leute, die hören auf nichts und niemanden. Sie leben in einer
eigenen Welt, wie jener Mann, der in einem Park voller Statuen sich
plötzlich auszog und sich neben die verschiedenen Statuen stellte, um sie
zu imitieren. Da kam ein Aufseher und sagte dem Mann, dass könne er hier
nicht machen. Bald würden Schulklassen kommen. Er soll sich anziehen und
sofort verschwinden. Der Mann fragte dann, was das Problem sei, die
Statuen hätten auch keine Kleider, sie seien auch nackt. Der Aufseher
verzweifelt ob dieser Sichtweise und antwortet: Schon, aber die Statuen
sind doch aus Sandstein. Der Mann guckt ihn etwas verdutzt an: Ja und?
Ich bin aus Kufstein.
Ich muss lernen auf andere zu hören. Manchmal haben wir den Eindruck
unsere Probleme seien so gross und wir sind damit so beschäftigt, dass
wir gar keine Zeit mehr nehmen, um uns Gedanken zu machen. Geschweige auf
jemanden zu hören. Es geht uns dann wie jenem Mann, der ein paar Klafter
Holz zersägte. Er strengte sich mächtig an, kam aber mit seiner Arbeit
nicht recht vom Fleck. Der Grund lag darin, dass seine Säge schon ganz
stumpf geworden war. Als er gefragt wurde, warum er denn nicht zuerst
seine Säge scharf mache, antwortete er: "Dazu habe ich jetzt keine Zeit,
die Arbeit eilt!"
Er hatte nicht einmal Zeit sich über das Problem seiner Säge Gedanken
zu machen. Der Mann, der ihn ansprach hatte ihm einen guten Hinweis
gegeben, aber er hörte nicht auf ihn. Hätte er ihn ernst genommen, wäre
er mit seiner Arbeit schneller fertig geworden.
Gott schuf uns bewusst so, dass wir Ergänzung brauchen. So heisst es in
den Sprüchen:
Eisen wird mit Eisen geschärft, und ein Mensch bekommt seinen Schliff
durch Umgang mit anderen. (Sprüche 27, 17) Es ist wichtig, dass wir Menschen um uns haben, die in unser Leben
hineinsprechen dürfen. Man muss sich ja nicht von jedem etwas sagen
lassen.
Aber Du kannst einmal überlegen, ob Du es überhaupt zulässt, dass Dir
jemand etwas sagt. Frage doch jemanden, der Dich gern hat, ob er Dir
nicht sagen würde, wenn ihm etwas bei Dir auffällt.
Bibelstellen zum nachschlagen: Sprüche 9, 8-9; Sprüche 18, 17; Sprüche
29, 1
Indem ich auf mich höre
Es gibt ein interessantes Phänomen bei uns Menschen. Wir meinen bei
Anderen die Probleme zu erkennen, die wir selber haben. Manchmal wird man
unfreiwillig damit konfrontiert, wie die Frau, die der Polizei anrief:
"In unserer Strasse wird viel zu schnell gefahren", beklagte sie sich.
"Die Leute gefährden ja die Kinder auf dem Schulweg." Anderntags wurde
sie selbst wegen Schnellfahrens gestoppt. "Aber Herr Wachtmeister",
beschwor sie den Beamten, "ich habe doch gestern wegen der Verkehrsrowdys
angerufen." "Na schön", gab der zurück, während er den Strafzettel
ausfüllte, "dann müssen Sie ja froh sein, dass wir mal einen erwischt
haben." B.C. Das Beste 3/95, S.44.
So kann das gehen. Nehmen wir noch ein anderes Beispiel. Nehmen mir
einmal an, ich bin misstrauisch. Das kann daher kommen, dass mich schon
viele Menschen enttäuscht haben. Es kann aber auch daher kommen, dass ich
selber nie so richtig zu erkennen gebe, was ich denke. Ich gehe dann wie
selbstverständlich davon aus, dass die anderen das auch so machen und
deshalb kann ich dem, was sie mir sagen nie richtig trauen.
Jesus kannte dieses Prinzip der Projektion. Deshalb sagte er:
Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber
den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst? Matthäus 7, 3.
Wir können tatsächlich Probleme bei jemanden entdecken und der tiefen
Überzeugung sein, dieses Problem nicht zu haben. Das kann viele Bereiche
in unserem Leben betreffen z.B. Eifersucht, Neid usw. Beziehungen werden
dadurch sehr belastet und es kann mich einsam machen, wenn ich nicht
erkenne, dass das Problem eigentlich bei mir liegt. Jesus fordert
unmissverständlich zur Korrektur auf:
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst
du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders
ziehen. Matthäus 7, 4.
Werde ehrlich mit Dir selbst. Überlege doch, welche Dinge Dich bei
anderen regelmässig stören und prüfe, ob es nicht Dein eigenes Problem
ist.
Bibelstellen zum nachschlagen: Matthäus 7, 1-5;
Römer 2, 1;
Indem ich auf Gott höre
Probleme erkenne ich, wenn ich auf Gott höre und wenn ich ihn überhaupt
ernst nehme.
Den HERRN ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn
missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit. (Sprüche 1, 7) Wer Gott nicht ernst nimmt, der wird blind für das Leben und blind für
das, was das Leben lebenswert macht.
Die Beziehung zu Gott gibt mir Klarheit darüber wer ich bin. Es gibt
mir Orientierung im Leben. Jesus sagte von sich:
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der
Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Johannes 8, 12.
Doch Jesus weiss, dass das nicht alle möchten, denn nicht alle Menschen
möchten sich der Wirklichkeit des Lebens stellen. Denn das Licht von
Jesus gibt nicht nur Orientierung für das Leben, sondern öffnet auch den
Blick über uns. Im Johannesevangelium steht:
Das Licht ist in die Welt gekommen, und die Menschen liebten die
Finsternis mehr als das Licht, weil ihr Tun böse war. / Denn jeder, der
Schlechtes tut, hasst das Licht; er tritt nicht ans Licht, damit sein
Tun nicht aufgedeckt wird. Johannes 3, 19-20.
Es kann schmerzen, wenn plötzlich sichtbar wird, wer ich bin. Wir
verhalten uns deshalb oft wie kleine Kinder, die verstecken spielen. Sie
halten sich die Augen zu und meinen, man würde sie nicht mehr sehen.
Petrus erlebte, wie ihn das Licht traf, als er auf Anweisung von Jesus,
aller Erfahrung zum trotz, die Netze auswarf. Er sah wie sich die Netze
füllten und plötzlich wusste er, wer mit ihm in diesem Boot stand. Das
Licht Gottes hatte ihn getroffen.
Petrus warf sich vor Jesus auf die Knie und sagte: Herr, geh fort von
mir! Ich bin ein sündiger Mensch." Lukas 5, 8.
Doch wer sich diesem Licht aussetzt, der erfährt, dass Gott gnädig und
barmherzig ist. Jesus sagte ihm nicht: Ich weiss du bist böse und
schlecht und du bist für immer verloren." Nein:
Du brauchst dich nicht zu fürchten. Von jetzt an wirst du ein
Menschenfischer sein. Lukas 5, 10.
In der Gegenwart Gottes wird unser Leben und auch unsere Probleme
offenbar, aber sie werden auch geheilt.
Deshalb ist es das Wichtigste, dass wir unser Leben vor Gott öffnen.
Dass wir uns immer wieder ganz bewusst auf Jesus ausrichten. Das möchten
wir nun mit einem wunderbaren Lied tun: Jesus wir sehen auf Dich
(Nr.285).
Bibelstellen zum nachschlagen: Sprüche 1, 7; Johannes 3, 16-21; Lukas
5, 1-11
II. Warum Probleme einen Namen brauchen
Noch ein ganz kurzer Gedanke. Es kann sehr hilfreich sein, wenn wir
einem Problem einen Namen geben. Menschen die krank sind und nicht so
recht wissen, was es ist, kein Arzt weiss welche Diagnose gestellt werden
soll, sind mit dieser Situation sehr unglücklich. Es ist unangenehm
bedrohlich und unheimlich.
Sie erleben es oft als eine grosse Erleichterung, wenn ihr Leiden einen
Namen bekommt. Die Krankheit ist deswegen nicht besiegt, aber endlich
weiss man, was es ist. Ob man dann etwas dagegen tun kann, ist eine
andere Frage, aber die Krankheit hat einen Namen und wird fassbar.
So ist es sehr hilfreich, wenn wir ein Problem haben und uns die Zeit
nehmen, diesem Problem einen Namen zu geben. Dadurch gewinnen wir etwas
Distanz und können die Problemlösung besser anpacken.
Übrigens fragte Jesus einmal einen Blinden, der Jesus um sein Erbarmen
anflehte:
Was möchtest du von mir? Markus 10, 51a.
Wie das nicht klar wäre, was ein Blinder von Jesus möchte, aber Jesus
möchte wissen, was in seinem Leben das Problem ist, das er beseitigt
haben wollte. So antwortete der Blinde:
Ich möchte sehen können! Markus 10, 51b.
Jesus heilte ihn.
Manchmal scheuen wir uns dem Problem einen Namen zu geben, weil wir
dann keine Ausrede mehr haben. Wenn ich nämlich sage: ich esse zuviel,
dann kenne ich die Lösung: weniger essen. Aber das will ich vielleicht
nicht.
In der Suchtarbeit weiss man, dass es erst wirklich möglich ist
jemandem zu helfen, wenn er seinem Problem den Namen gibt. Wenn er ein
Alkoholproblem hat, dann muss er einmal an den Punkt kommen, an dem er
sagt: Ich bin Alkoholiker oder ich habe ein Alkoholproblem. Erst dann,
kann man das Problem wirklich anpacken.
Vielleicht hast Du auch ein Problem, dem Du lieber keinen Namen gibst.
Bibelstellen zum nachschlagen: Markus 10, 46-52
Schluss
Wenn ich meine Probleme erkenne und dazu stehe und bereit bin ihnen
Namen zu geben, habe ich die besten Voraussetzungen eine Lösung zu
finden. Wer überheblich ist, und etwas auf sich einbildet, der wird sein
Leben nicht wirklich meistern. In den Sprüchen steht:
Auf Stolz folgt Sturz, nach Übermut kommt Untergang. (Sprüche 16, 18) Aber wer sich den Problemen stellt und ehrlich ist mit den Menschen,
mit sich selbst und mit Gott, der wird in seinem Leben seinen Weg gehen.
Der Pharisäer und der Zolleinnehmer, die Gott im Tempel aufsuchten
zeigen das sehr anschaulich. Jesus Urteil ist klar:
Der Zolleinnehmer war in Gottes Augen gerechtfertigt, als er nach Hause
ging, der Pharisäer jedoch nicht. Lukas 18, 14.
Amen

