
Begegnung mit dem Löwen – Jesus als König und Herausforderung
Einen wunderschönen guten Morgen! Ich freue mich sehr, heute Morgen bei euch zu sein. Es ist mir eine große Freude, euch hier auf der Jumiko Gottes Wort weiterzugeben.
Ich habe gleich zu Beginn eine Frage. Ihr dürft euch kurz outen, das ist nichts Peinliches. Wer von euch hat schon einmal einen Löwen in echt gesehen? Es ist okay, wenn eine Plexiglasscheibe dazwischen war.
Oh ja, jetzt gehen noch mehr Hände hoch! Ja, okay, alle anderen waren also nicht so richtig nah dran. Sehr schön, vielen Dank, sehr, sehr viele!
Das heißt, ihr könnt euch Folgendes sehr gut vorstellen: Letztes Jahr waren wir als Familie zum ersten Mal mit unseren zwei Kindern im Zoo in der Nähe von Behämer. Wir haben dort die Löwenfütterung mitbekommen. Natürlich war eine Wand zwischen uns und den Löwen. Sie haben gebrüllt – das war etwas ganz Besonderes. Unsere Kinder kannten Löwen eigentlich nur aus „König der Löwen“. Und dann sieht man sie mal in echt – das ist schon ziemlich imposant.
Wenn in der Bibel vom Löwen die Rede ist, hat man so ein Gefühl dafür, warum das ein besonderes Tier ist.
Stellt euch jetzt mal kurz vor: Die meisten von euch haben Löwen schon mal gesehen. Ihr geht als Gruppe in den Zoo, beobachtet die Löwenfütterung und bekommt auch einen Brüller ab. Ihr findet das ziemlich stark – das ist das Highlight des ganzen Behämer-Tages oder da, wo ihr herkommt.
Aber zwischen euch und dem Löwen ist die ganze Zeit eine Plexiglaswand. Ihr feiert diesen Löwen aus dieser Distanz und Sicherheit heraus.
Dann geht der Tag zu Ende, ihr geht nach Hause, seid müde und betretet eure stille Wohnung. Ihr geht ins Wohnzimmer und auf eurem Sofa sitzt derselbe Löwe, den ihr gerade noch im Zoo gesehen habt – der gleiche Löwe. Ganz anderes Setting, keine Wand mehr dazwischen.
Und plötzlich bekommt ihr Angst.
Jedes Mal, wenn Kinder Gottes so wie heute Morgen bei der Jumiko zusammenkommen, jedes Mal, wenn ihr im Gottesdienst mit anderen Christen seid, auf Veranstaltungen oder im Jugendkreis – schaut euch diesen Löwen an, diesen Jesus-Löwen.
Was kann passieren? So ticken wir: Wir können eine innere Plexiglaswand zwischen diesen Löwen und unser Leben bauen und ihn feiern.
Aber was passiert, wenn der gleiche Löwe bei dir zu Hause auf dem Sofa sitzt und in dein Leben eingreifen will? Auf einmal wird er gefährlich.
Auf der Jumiko war er noch nicht so gefährlich. Es ist leicht, Lieder zu seiner Ehre zu singen – das ist alles wichtig. Aber du kannst es machen, als wäre eine Wand dazwischen.
Doch Jesus – und es steht ja über dem Tag „committed“ – committed zu leben bedeutet, dass dieser Jesus nicht nur der Löwe ist, den du aus einer gewissen Distanz feierst und der sehr schön ist.
Er darf richtig gefährlich werden – auf eine gute Art und Weise gefährlich. Zum Beispiel für mein Ego. Mein Ego wird angegriffen in der Gegenwart von Jesus, weil wir vorhin gesungen haben: „Würdig ist das Lamm.“ Nicht Simon ist würdig, sondern er ist würdig.
Auf einmal wird es gefährlich.
Aber er ist ein Löwe, der nicht nur gefährlich ist, sondern auch gut. Und das ist der entscheidende Faktor.
Natürlich ist Jesus gefährlich, aber er ist gut.
Und committed heißt jetzt, dass dieser Löwe Einfluss auf dein Leben haben darf, gefährlich werden darf, gut werden darf, um dich zu verändern – komplett zu verändern.
Die Macht der Worte – Tod und Leben durch die Zunge
Und das betrifft auch das, was du jeden Tag tust. Darum geht es heute Morgen in dieser Session. Es geht um das, was wir alle tun – und zwar relativ viel, wenn auch unterschiedlich viel. Manche hier sind ziemlich extrovertiert, andere eher introvertiert.
Aber wir alle reden im Durchschnitt sechzehntausend Worte am Tag. Jeden Tag sprichst du also etwa sechzehntausend Worte.
Ich habe das mal hochgerechnet. Ich bin kein Mathematiker wie Felix, deshalb brauchte ich einen Taschenrechner. Ich habe die Zahl auf ein Jahr ausgerichtet und es waren etwa acht Millionen Worte. Dann habe ich geschaut, wie viele Worte eigentlich in meiner Bibel stehen. Ich habe gemerkt: Acht Millionen Worte sind sieben Bibeln voll.
Das heißt, jedes Jahr füllst du die Bibel siebenmal nur mit deinen Worten. Die große Frage, die sich für mich dabei gestellt hat, war: Simon, was für eine Geschichte erzählst du mit den Büchern, die du füllst? Wer ist der Held deiner Geschichte? Wer ist würdig in dieser Geschichte?
Denn jedes Wort, das du sprichst, ist Wordship – Wordship. Wir beten immer jemanden an mit den Geschichten, die wir erzählen, mit den Worten, die wir gebrauchen. Und die Frage ist: Welche Geschichte erzählst du? Darf dieser Löwe in diesen Bereich deines Lebens rein?
Ich möchte heute Morgen einen Bibelvers über diesen Morgen und über die Session stellen. Er steht in Sprüche 18, Vers 21. Sprüche 18,21 wird über dieser Session stehen.
Da schreibt Salomo Folgendes: „Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge.“ Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge.
Salomo benutzt die zwei krassesten Extreme, um zu zeigen, wie stark die Zunge ist: Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge.
Ein ganz verrücktes Bild: Stell dir ganz kurz vor, du bist Papa oder Mama von 650 Kindern. 650 Kinder, okay? Das ist total utopisch, aber stell es dir kurz vor. Von diesen 650 Kindern kennst du natürlich alle beim Namen.
Und da ist ein Kind dabei, das brutal anstrengend ist. Es braucht die meiste Erziehung, die Nachbarn beschweren sich am meisten über dieses Kind, und du zerrst dich echt mit diesem einen Kind.
Dein Körper wurde von Gott geschaffen mit etwa 650 Muskeln. Salomo schreibt jetzt: Deine Zunge ist dieses eine Kind. Deine Zunge ist dieses eine von 650 Kindern, dieser Muskel, den du ganz besonders im Griff haben musst, der ausreißt.
Wenn sich Menschen bei mir über irgendwas beschweren, ist es meistens wegen etwas, was ich gesagt habe. Deswegen gibt er der Zunge so ein Gewicht mit.
Ich will in drei Schritten mit euch durch diese Session gehen: Todesworte, Lebensworte und Herzensworte. Todesworte, Lebensworte, Herzensworte.
Todesworte – Die zerstörerische Kraft der Sprache
Todesworte Nummer eins: Tod steht in der Gewalt der Zunge. Es gibt Menschen auf dieser Welt, die sterben, weil jemand anderes spricht. Jemand hat einmal geschrieben, Worte können zu Massenvernichtungswaffen werden. Sie können Holocaust und Kriege auslösen. Worte können Ehen, Familien, Freundschaften, Gemeinden, Karrieren, Hoffnungen, Ruf, Missionsarbeit und Regierungen zerstören. Ich glaube, jeder von uns weiß aus einem dieser Bereiche, dass das zutrifft.
Nicht nur gesprochene Worte, auch geschriebene Worte können Schaden anrichten. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass das Internet, Social Media und Kommentarspalten zu Arenen geworden sind, in denen täglich Menschen von anderen zerfleischt werden – von Menschen, die keine Profilbilder haben. Auf Social Media wird mehr abgerissen als aufgebaut, und überall wird getötet. Für manche gilt das physisch, aber für viele trifft es vor allem das Innerste, ganz tief hier drin.
Ich möchte euch eine der eindrücklichsten Stellen der Bibel zum Thema Worte und deren Wirkung vorlesen – wie Worte etwas anrichten können, nämlich Tod bringen können. Diese Stelle finden wir in Jakobus 3. Ich lese euch die Verse 5 und 6 vor.
Der Kontext ist: Die Worte bestimmen dein Leben, deine Entscheidungen. Ein kleines Ruder kann ein ganzes Schiff lenken – genauso ist es mit der Zunge. Sie ist nur ein kleines Organ unseres Körpers, kann sich aber damit rühmen, große Dinge zu vollbringen. Wie ist das beim Feuer? Ein Funke genügt, um einen ganzen Wald in Brand zu setzen. Auch die Zunge ist ein Feuer. Sie ist mehr als alle anderen Teile des Körpers ein Mikrokosmos unserer unheilvollen Welt. Unser ganzes Wesen wird von ihr vergiftet. Sie setzt die gesamte menschliche Existenz in Brand – mit einem Feuer, das die Hölle selbst in ihr entzündet.
Die Hölle selbst kann die Worte so zum Bösen gebrauchen in dieser Welt, so zur Zerstörung. Ein unvorsichtiger Camper kann einen Wald in Brand setzen, ein unvorsichtiges Wort kann ein Leben in einer Minute zerstören.
Ich will euch drei kurze Beispiele für Todesworte geben – drei ganz praktische Beispiele: lästern, schmeicheln, runterreden. Es gibt noch mehr, aber ich konzentriere mich auf diese drei.
Was ist lästern? Lästern hat etwas mit Macht zu tun, aber es beginnt mit Machtlosigkeit. Du fühlst dich machtlos gegenüber jemandem – im Studium, in der Klasse, gegenüber dem Professor, dem Politiker, dem Gemeindeleiter oder dem Nachbarn. Du kannst nichts tun, aber du hasst diesen Menschen. Was du tun kannst, ist eine Machtkarte auszuspielen: Du kannst den Ruf dieses Menschen zerstören.
Wir müssen auch in christlichen Kreisen so gefeit sein, so sicher davor. Es ist so viel leichter, mit Christen zusammen über die Sünden anderer zu sprechen als über unsere eigenen. Denn in dem Moment, in dem ich über die Sünde anderer spreche, muss ich nicht über meine nachdenken. Es geht so schnell.
Schmeicheln ist gefühlt das Gegenteil. Lästern bedeutet, hinter dem Rücken eines Menschen etwas zu sagen, was du nicht vor ihm sagen würdest. Schmeicheln bedeutet, vor dem Menschen etwas zu sagen, was du nicht hinter seinem Rücken sagen würdest, weil es nicht wirklich echt war, nicht real. Aber du willst, dass der Mensch dich mag, also sagst du Dinge, um ihn zu gewinnen – dabei war es nicht die Wahrheit.
Die Gefahr kann auch in den besten Freundschaften vorkommen, weil dein wahrer Gott eine Freundschaft geworden ist und du diese Freundschaft nicht verlieren willst. In dem Moment, in dem du weißt, dass du deinem Freund oder deiner Freundin etwas sagen müsstest, was wichtig wäre und weh tun wird, tust du es nicht. Du sehnst die Liebe dieses Menschen mehr als den Menschen selbst, der die Wahrheit bräuchte. Versteht ihr? Du spielst die Karte aus, die am besten passt, um diesen Menschen nicht zu verlieren, und dabei ziehst du an der Wahrheit vorbei – das ist Schmeicheln.
Das dritte Beispiel ist Runterreden. Runterreden beginnt immer mit Überheben. Wenn ich mich überhebe und stolz in dein Leben gehe, werde ich andere runterreden. Jesus erzählt das Gleichnis in Lukas 18 mit dem Pharisäer und dem Zolleinnehmer. Der Pharisäer stellt sich auf einen Aufzug und fährt hoch in den Sachgeschoss, indem er den Zolleinnehmer in den Keller schickt: „Guck, wie schlecht er ist, ich bin so viel besser vor Gott als du.“ Jesus sagt am Ende: Dem Zolleinnehmer wird vergeben, dem Pharisäer nicht.
Runterreden ist zerstörerisch – drei kurze Beispiele. Das Krasse daran ist das mit den Funken und dem Feuer: Wir können den Funken aus unserem Mund hören, den wir sprechen. Aber es kann sein, dass du nie den Waldbrand siehst, der im Herzen des anderen entsteht.
Lebensworte – Worte, die Heilung und Hoffnung bringen
Ich möchte einen Übergang zum zweiten Punkt schaffen, den Lebensworten. Dabei will ich diejenigen unter uns abholen, die mit Schuld und Sünde zu kämpfen haben – und auch jene, die vielleicht unter den Worten anderer leiden.
Vor drei Jahren, im Jahr 2023, hat die Firma OceanGate eine kleine Kapsel Richtung Titanic geschickt. Wer von euch hat damals davon gehört? Relativ viele, schön, dann seid ihr schon gut informiert. Eine kleine Gruppe von Menschen, die es sich leisten konnten und bereit waren, das Risiko einzugehen, stieg in diese Kapsel und fuhr hinunter zur Titanic.
Es war eigentlich klar, dass der Druck in dieser Tiefe viel zu hoch ist. Trotzdem haben es manche gewagt. Nach ein paar Tagen hörte man nichts mehr von ihnen. Es war klar, dass die Insassen einen brutalen Tod erlitten hatten. Die Kapsel war implodiert, weil sie dem Druck nicht standhalten konnte.
Ich kann sagen: Selbst wenn ich das Geld hätte – was ich nicht habe – würde ich es niemals machen, egal wie romantisch es bei der Titanic da unten sein könnte. Es wäre mir viel zu riskant.
In meinem Leben ist es so, und vielleicht geht es manchen von euch ähnlich: Ich treffe eine Entscheidung nach der anderen und denke mir, so schlimm wird es schon nicht sein. Ich kann mir das noch anschauen, den Kontakt noch halten. Die App lade ich mir runter, das Video schaue ich mir an. Und irgendwann gerate ich in Gewässer, in denen ich dem Druck nicht mehr standhalten kann. Dann falle ich und versündige mich an meinen Mitmenschen und an meinem lebendigen Gott.
Was passiert dann? Ich implodiere.
Und weißt du, was brutal ist? Das kann sein, dass es keiner sieht. Eine Explosion sieht man, eine Implosion nicht. Vielleicht bist du heute Morgen hier und leidest darunter, dass Worte dich in tiefe Abgründe gestoßen haben, weil du den Druck irgendwann nicht mehr ausgehalten hast.
Die Selbstzweifel überfallen dich – Zweifel an deiner Identität, an dem, wer du bist und was du wert bist – und du implodierst.
Und weißt du, was das Schlimmste ist? Ein Gottesdienstraum kann voller implodierter Menschen sein. Hier in diesem Raum sitzen unzählige implodierte Herzen – und keiner sieht es.
Wenn wir gleich noch einmal über „Speak Life“, über Lebensworte sprechen, dann gilt Folgendes: Die Botschaft, die diesen Tag prägt, ist die Botschaft von Jesus Christus.
Jesus ist auf die Welt gekommen und hat ein perfektes Leben in Beziehung zu seinem Vater gelebt. Als er ans Kreuz ging – das haben wir ja auch gesungen – hat er sich dem gerechten, heiligen Druck Gottes ausgesetzt und ist implodiert.
Nicht, weil er sich durch eigenes Fehlverhalten in die Tiefen gebracht hat, sondern weil er dein Fehlverhalten, dein Hinabsteigen und auch das, worunter du leidest, auf sich genommen hat. Stellvertretend für uns ist er implodiert.
Und jetzt geht es um Lebensworte. Das sind Worte, die in implodierte Herzkapseln hineingesprochen werden. Sie sprechen von dem, der stellvertretend für dich implodiert ist, um dich wieder an die Oberfläche zu bringen.
Die Kraft der Lebensworte in Jesus
Und so komme ich zum zweiten Punkt: Lebensworte.
Genauso wie Worte töten können, können sie auch Leben schenken. Worte können Menschen wieder zusammenfügen, deine Ehe versüßen, Familien stärken und Gemeinden gesund machen. Worte können hoffnungslosen Menschen Hoffnung geben.
Aber es können nur Worte sein, wenn wir von Speak live sprechen, die in Verbindung stehen mit dem, von dem Petrus in Johannes 6 sagt: „Wohin sollte ich gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Das heißt, es gibt nur einen, der Worte des ewigen Lebens hat – Qualitätsworte, die implodierte Herzen an die Oberfläche bringen, weil er sich an diesen Ort gesetzt hat.
Das heißt, nur in Jesus, nur durch Jesu Worte können wir etwas weitergeben, das mit Leben zu tun hat.
In Sprüche 10,11 steht: „Der Mund des Gerechten ist eine Quelle des Lebens.“ Der Mund, der einem Menschen gehört, der in Verbindung mit Jesus steht, der Worte des ewigen Lebens hat – dessen Worte, dessen Mund sind eine Quelle, aus der nur Leben hervorkommen kann.
Deshalb will ich dir heute Morgen ganz viel Mut machen. Du bist genau an der Stelle, an der du jetzt gerade bist, dort, wo du sein sollst, um Leben zu sprechen.
Ich höre so oft die Frage, gerade von jungen Menschen: „Ich weiß nicht, wo Gott mich haben will, was mein Platz ist, wo er mich sieht, was meine Berufung ist.“ Dann will ich dir sagen: Vielleicht geht es für dich in bestimmte Richtungen, und dafür ist Yumiko ja super, um sich zu informieren. Aber ich will dir sagen: Dort, wo du jetzt bist, ist schon ein Ort, an dem du sein sollst.
Ostginnes hat geschrieben: „Das Problem vieler Christen ist nicht, dass sie nicht dort sind, wo sie sein sollen, sondern dass sie dort, wo sie sind, nicht das sind, was sie sein sollen.“
Verstehst du? Du bist schon da, wo du sein sollst. Aber die Frage ist: Bist du dort, wer du sein sollst? Bist du dort, wer du bist in Jesus?
Du bist dort, wo du bist. Aber bist du dort auch der, der du bist, wenn du Jesus persönlich kennst? Kannst du das sagen? Kannst du sagen: „Da, wo ich bin, hat Gott etwas mit mir vor. Da sind Menschen, die Gott mir aufs Herz gelegt hat, für die ich vielleicht sogar verantwortlich bin“?
Gesandte in der Welt – Die Aufgabe der Christen
Ich möchte euch in dieses Thema mit hineinnehmen, weil ich glaube, dass es sehr persönlich wird und weil es um deine Umgebung und die Menschen geht, die dich betreffen.
Ich lese euch aus 2. Korinther 5, Vers 20 vor. Paulus schreibt in diesem Kapitel darüber, wer er als Christ in dieser Welt ist und welche Aufgabe er hat. Hört gut zu: 2. Korinther 5, Vers 20. Dort sagt Paulus: „Und deshalb treten wir im Auftrag von Christus – er ist der Auftraggeber – als seine Gesandten, als seine Botschafter auf.“
Dann heißt es weiter: „Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns zur Umkehr ruft.“ Das ist eine interessante Wortwahl. Gott ist also der, der zur Umkehr ruft, er ist der Auftraggeber, aber er tut es durch uns, durch dich.
Weiter schreibt Paulus: „Wir bitten im Namen von Christus.“ Und das ist die Botschaft: Lasst euch versöhnen mit Gott, lasst euch versöhnen mit Gott.
Gesandte, Botschafter sind Menschen, die für ihr Heimatland in einem anderen Land unterwegs sind. Dieses andere Land ist ihnen fremd. Diese Welt ist für Christen im tiefsten Kern fremd, weil ihre wahre Heimat ein Ort ist, an dem sie noch nicht waren, aber dorthin gehen werden.
Wenn Jesus sagt: „Du bist mein Gesandter, mein Auftragnehmer, du bist der, der den Auftrag ausführt“, dann bedeutet das – und ich weiß, jetzt kommt der Angriff, jetzt kommt der gefährliche Löwe – dass du keine Botschaft hast, die von dir selbst kommt. Du hast keine eigene Nachricht in dieser Welt, weil es nicht um dich geht. Das heißt: Mein Auftraggeber ist der König, der mich in diese Welt gesandt hat und dich auch in das Umfeld, in dem du bist.
Das Schöne am Christsein ist aber, dass Jesus nicht nur unser Auftraggeber ist, sondern auch unser größter Schatz geworden ist. Jesus will nicht, dass du einfach nur einen Auftrag ausführst, er will, dass du eine tiefe Freude an diesem Auftrag hast.
Deshalb möchte ich dich ermutigen, über das soziale Gefüge nachzudenken, in das du gestellt worden bist, über die Beziehungsnetze, in denen du stehst. Sieh sie als von Gott gegebene soziale Beziehungsgefüge.
Wenn wir einen souveränen Gott haben, dann gibt es in deinem Leben keine sozialen Unfälle. Es gibt keinen sozialen Unfall in deinem Leben – weder in deiner biologischen Familie, die dir ganz nah ist, noch in der Gemeinde, auch nicht in deiner Nachbarschaft, geographisch um dich herum, bei der Arbeit mit Arbeitskollegen oder Studenten, und auch nicht in der Freizeit mit deinen Vereinskollegen. Kein Mensch ist ohne Grund in dein Leben gesetzt worden, wenn wir einen souveränen Gott haben.
Die Frage ist nun, wie wir diesen Menschen begegnen und wie wir ihnen Jesus weitergeben und Leben zusprechen können.
Mir ist in den letzten Wochen etwas bewusst geworden, das mich selbst überführt hat: Es ist viel leichter, für Erweckung in Deutschland zu beten, als meiner ganzen Nachbarschaft zu zeigen, dass ich selbst erweckt worden bin. Wissen alle Menschen um mich herum, dass ich Jesus kenne?
Ich glaube, die großen Glaubenserfahrungen, nach denen wir uns sehnen, sind oft die, die wir bei großen Veranstaltungen suchen. Solche Veranstaltungen sind wichtig, um uns auszurichten. Aber ich glaube, die Erfahrungen, die wirklich Freude machen, sind die, in denen wir im ganz alltäglichen Leben das Evangelium in das Leben anderer Menschen sprechen. Wir bezeugen, wem wir gehören, dass wir einem Gott gehören, der größer ist, der uns liebt und für uns gekommen ist, um stellvertretend für uns zu sterben.
Und das ist letztlich, was „speak live“ bedeutet: Wir reden Leben in zerbrochene Herzen hinein, unter den Menschen, die Gott uns gestellt hat.
An dieser Stelle will ich dir wirklich Mut machen. Es kann sein, dass dein Kopf noch voller Fragen ist und du dich fragst, wie du das Evangelium weitergeben kannst. Es gibt viele gute Tipps und tolle Bücher dazu. Aber ich will dir sagen: Wenn du Jesus persönlich kennst, dann besitzt du alle Herzqualifikationen, um ihn weiterzugeben.
Denn dann hast du den Heiligen Geist, du hast eine Bibel und du hast einen Auftrag. Dein Kopf kann noch voller Fragen sein – und ich glaube, es ist gut, wenn die Menschen um uns herum merken, dass wir noch Fragen haben und dass die Bibel unerschöpflich ist.
Ich will dir auch Mut machen, weil wir uns oft nach großen Glaubenserfahrungen sehnen. Verwechsle Evangelisation nicht mit der Frucht der Evangelisation. Jesus sagt an keiner Stelle: „Wenn du deinen Dienst getan hast, kommst du nach Hause und ich sage: Herzlich willkommen, mein erfolgreicher Knecht.“ Was sagt er? „Willkommen, mein treuer Knecht.“ Treue geht vor Erfolg.
Wir versagen nicht, wenn wir das Evangelium treu weitergeben und sich niemand bekehrt. Wir versagen erst, wenn wir das Evangelium gar nicht mehr weitergeben.
Wir haben einen Redeauftrag. Psalm 96, Vers 3 sagt: „Erzählt unter den Nationen von seinen Wundern, erzählt, gebraucht eure Worte, redet darüber.“ Gott wird geben, was er geben will, aber er will dich gebrauchen.
Tim Keller vergleicht das mit Elija auf dem Berg Kamel. Dort sagt Gott: Das Feuer der Bekehrung muss ich schenken. Aber was macht Elija? Er bereitet den Altar vor. Das ist Evangelisation.
Evangelisation bedeutet, eine Botschaft weiterzugeben. Es bedeutet, für Menschen da zu sein, ihnen zuzuhören, Fragen zu stellen. Jesus hat in den Evangelien über zweihundert Fragen gestellt. Es bedeutet, Menschen zu lieben, ihnen das Evangelium weiterzugeben und dann zu sagen: Jesus, Treue geht vor Erfolg.
Ich will Leben sprechen – das ist der Altar. Das Feuer musst du schenken.
Das befreit auch von dem Druck, etwas leisten zu müssen. Wir haben eine klare Aufgabe. Das zeigt sich auch in den Worten, die wir gebrauchen: Sie sollen nicht tödlich sein, sondern gut und Leben schenken.
Zum Schluss dieses Punktes möchte ich einen Vers nennen, der mich schon länger begleitet: Sprüche 15, Vers 4. Dort steht: „Ein freundliches Wort, also ein Wort, das mit Gnade gewürzt ist, ist ein Baum des Lebens.“
Im ganzen Alten Testament kommt der Baum des Lebens nur zweimal vor. Das erste Mal kennen wir aus Genesis, das zweite Mal hier in Sprüche 15, Vers 4.
Salomo sagt also: Durch ein freundliches Wort, das mit Gnade gewürzt ist – ein Lebenswort, das du in zerbrochene Herzen sprichst – ist wie wenn du einem Menschen eine kleine Ecke Garten Eden schenkst.
Was war Garten Eden für ein Ort? Garten Eden war der Ort, an dem Himmel und Erde zusammenkamen. Und wir wissen alle, dass sich das am stärksten in der Person von Jesus Christus erfüllt hat.
Wir geben den Baum des Lebens, Jesus, weiter und schenken durch unsere Worte eine kleine Ecke Garten Eden.
So möge dein Gebet morgens hoffentlich Psalm 141, Vers 3 sein: „Herr, stelle eine Wache an meine Lippen, stelle einen Soldaten an meinen Mund, der aufpasst, was da herauskommt.“
Lasst uns Lebenssprecher sein, weil wir Jesus kennen.
Herzensworte – Die Quelle unserer Worte und die Pflege des Herzens
Und so komme ich zum dritten und letzten Punkt: Es geht um Herzensworte. Wovon reden wir denn gerne? Womit müssen wir uns füllen, damit wir so reden?
Ich habe als Kind sehr schnell gelernt, dass es in unserer westlichen Welt – und ich glaube, fast überall sonst – brutal unhöflich ist, bei der Begrüßung die Zunge herauszustrecken. Ich habe gehört, dass es in irgendeiner Region auf der Welt einen Ort gibt, an dem man das zur Begrüßung macht, um zu zeigen: „Ich bin ein guter Mensch.“ Keine Ahnung, ob das stimmt. Ich habe jedenfalls gelernt, dass man das nicht macht. Man macht das nur an einem Ort, wenn man dazu aufgefordert wird: beim Arzt. Der Arzt sagt: „Zunge raus!“
Warum macht der Arzt das? Um zu sehen, ob da vielleicht etwas Tieferes drinsteckt, ob eine Infektion am Gange ist. Er schaut sich die Zunge und die Rachenhöhle an, um zu prüfen, ob unter der Oberfläche ein Problem ist. Die Bibel macht genau das Gleiche. Sie sagt: Deine Zunge zeigt das, was darunter ist. Deine Zunge zeigt, was vielleicht nicht in Ordnung ist in deinem Leben.
Ein sehr bekannter Vers, der uns ganz tief gehen muss, steht in Sprüche 4,23: „Mehr als alles, Simon, mehr als deine Frau, deine Kinder, mehr als dein Dienst, mehr als das, was du liebst, mehr als deine Hobbys, mehr als ein Haus, mehr als Geld, mehr als alles – beschütze dein Herz! Denn von deinem Herzen geht das Leben aus.“ Von deinem Herzen aus triffst du Entscheidungen, die dein Leben bestimmen. Pass auf dein Herz auf!
Christsein ist eine Herzensangelegenheit. In dem Moment, in dem du Christ wirst, findet eine Herztransplantation statt. Dann beginnt das Abenteuer, auf dieses Herz aufzupassen. Und ich verspreche dir: Wenn du auf dein Herz aufpasst, werden deine Füße folgen. Wenn du auf dein Herz aufpasst, werden deine Hände folgen. Wenn du auf dein Herz aufpasst, wird dein Mund folgen.
Es ist sehr wichtig, dem, was in dein Herz kommt, die oberste Priorität zu geben. Die Wahl deiner Worte hängt damit zusammen, was du in dein Herz hineinlässt. Wenn du mehr darauf achten willst, was du sprichst, musst du umso mehr darauf achten, was du reinlässt.
Wenn du heute hier bist, weil dir das, worüber ich rede, wichtig ist, dann gibt es einen Schlüssel: Wenn du aufpassen willst, was du sagst, musst du schauen, was in dein Herz reinkommt. Und da sind wir sehr schludrig geworden, habe ich den Eindruck.
Stellt euch mal etwas richtig Ekliges vor: Ich komme zu dir nach Hause mit einem gelben Müllsack, der nicht gewaschen ist, super eklig stinkt, mit Resten und Schimmel. Ich gehe in dein Schlafzimmer und schütte diesen Sack auf dein Bett aus – oder noch schlimmer: auf den Boden deines super sauberen schwäbischen Gemeindehauses. Das wäre richtig eklig und verständlich, dass du dich aufregen würdest.
Es ist aber verrückt, dass wir mit unserem Herzen viel lockerer umgehen. In dein Herz kommen Dinge hinein, die oft noch viel ekliger sind als das, was auf dem Bett landen könnte. Manche Menschen aus eurer Generation haben mehr Mord- und Sexszenen gesehen, als unsere Großväter in Büchern gelesen haben. Da kommt so viel Mühe rein.
Es gibt vier Schnellstraßen zu deinem Herzen: deine zwei Augen und deine zwei Ohren. Wenn du wissen willst, wie du auf deine Wortwahl achtest, musst du aufpassen, was über diese Schnellstraßen in dein Herz reinkommt.
Ich will dir ganz praktisch vier Beispiele geben, wie du dein Herz mit Jesus füllen kannst.
Erstens: Verbringe viel Zeit mit anderen Jesusmenschen und füllt euch gemeinsam mit dem Wort Gottes. Das klingt erst mal bekannt, und das ist es auch. Es ist einer der größten Schlüssel, die Gott uns gegeben hat. Lest die Bibel – zum Beispiel Römer 8, Römer 12, Philipper 2, Offenbarung, ja, auch das dritte Buch Mose. Denkt über die Psalmen nach, sprecht darüber, redet darüber, wo es euch schwerfällt und worüber ihr Freude habt. Betet und ringt mit diesen Texten – aber tut es gemeinsam.
Zweitens: Achte ganz besonders auf die Musik, die du hörst. Es ist ein Fakt: Wir können Lieder oft besser auswendig als Bibelverse. Achte auf die Texte, die geschrieben wurden. Erstelle dir eine Playlist mit Liedern, deren Texte dich auf das Kreuz ausrichten und dich über Gott staunen lassen. Singe sie von Herzen mit – im Gottesdienst und auch alleine. Höre solche Musik.
Drittens: Geh mehr in die Natur und lerne zu staunen, wenn du es verlernt hast. Ich glaube, wir haben das stark verlernt. Uns fehlt es heute nicht an Wundern, sondern am Staunen über diese Wunder. Davon bin ich zutiefst überzeugt – und das sage ich auch im Spiegelblick auf mich selbst.
Es ist verrückt, dass es als Wunder gelten würde, wenn alle tausend Jahre die Sterne am Nachthimmel kurz aufleuchten würden. Das wäre ein Wunder. Aber es juckt eigentlich niemanden, dass sie jede Nacht da oben leuchten. Das Wunder der Natur ist, dass Gott gerade alles erhält. Wenn er sich ein bisschen zurückzieht, würde alles zusammenfallen – implodieren! Die Natur ist voller Wunder. Fülle dich mit den Wundern, die Gott dort hineingelegt hat.
Sprüche 8 sagt: Die Welt ist mit Weisheit geschaffen worden. Jedes Detail trägt die Handschrift Gottes. Du kannst viel in der Natur sein und trotzdem nicht staunen.
Viertens: Denke viel über den Himmel nach. Fülle dich mit dem Ort, an dem du am längsten sein wirst. Bete, dass Gott dir Heimweh schenkt nach dem Himmel. Lies die Offenbarung mit dieser Brille. Fülle dich mit dem Ort, an dem du am längsten sein wirst. Das ist dein Lebensziel – und Lebensziel prägt immer den Lebensstil, auch deine Worte.
Fülle dich mit dem Evangelium, fülle dich mit Jesus. Wenn du wissen willst, was in deinem Herzen abgeht, achte auf die Worte, die dein Herz produziert. Das hängt immer zusammen. Das ist die Botschaft.
Deine Zunge ist ein Fluss, und dieser Fluss fließt aus dem See deines Herzens, aus dem See deiner Identität in Jesus. Daraus fließt die Zunge.
Ich glaube, wenn Jesus sagt in Lukas 6,45: „Aus dem vollen Herzen sprudeln die Worte, wessen das Herz voll ist, davon geht der Mund über“, dann will er sagen: Jeder Mensch auf der Welt ist ein Evangelist. Jeder – selbst die, die Jesus gar nicht glauben. Jeder in diesem Raum ist ein Evangelist.
Für was? Für die Menschen und die Dinge, die du am meisten liebst. Ich kenne viele VfB-Evangelisten, es gibt sie, vielleicht sitzen sogar manche unter uns. Ich habe auch andere Dinge, die mir richtig Freude machen.
Evangel heißt ja „gute Nachricht“. Die Frage ist: Was ist eine gute Nachricht? Das heißt, das, was dich packt, davon redest du.
Wir können auch so einen Test machen, eine rhetorische Frage: Worüber könntest du jetzt eine Stunde reden? Wenn ich dich frage: „Worüber könntest du jetzt eine Stunde reden?“ – wir wollen alle gefragt werden. Was ist das Evangelium im Evangelisten?
Du bist sicher ein Evangelist. Die Frage ist: Was packt dich? Woran hast du Freude? Wenn Jesus sagt, davon redest du, davon geht dir der Mund über.
Und wenn ich einen Mangel an Worten über Jesus habe, dann liegt das vielleicht eher an einem Mangel an Liebe für Jesus. Meine Liebe zu Jesus wächst immer dann, wenn ich mir seiner Liebe zu mir immer mehr bewusst werde. Wenn ich mir anschaue, was es Jesus gekostet hat, diesen Weg zu gehen, um für mich zu sterben, dann wächst meine Liebe.
Weil er mich zuerst geliebt hat. Und ich checke immer mehr: Simon, das Einzige, was du beigetragen hast, damit er dich lieben kann – das ist jetzt ziemlich ernüchternd –, ist die Sünde, die dir vergeben werden musste. Ganz toll! Und deswegen ist alles Gnade. Deswegen ist es nur Gnade, die uns rettet.
Sich damit zu füllen, darüber nachzudenken, darüber zu beten und darüber zu reden, hilft enorm, das zu lernen und zu staunen. Das ist der Punkt.
Da greift es ein Herz an. Und dann dürfen wir darüber sprechen. Ich glaube, das ist dieser Löwe, das ist dieses Commitment, das ist die Frage: Darf der Löwe richtig gefährlich werden, weil er so gut für mein Leben ist? Darf er meine Wortwahl umkrempeln? Darf er bestimmen, wovon ich rede, wie ich rede und wie sehr meine Worte mit Gnade gewürzt sind? Darf dieser Löwe da rein?
Freude am Forschen und an Gottes Taten
Wem ich will abschließen, mit Psalm 111, Vers 2. Dort steht: „Gewaltig sind die Taten Gottes; wer sie erforscht, hat Freude daran.“
Gewaltig sind die Taten Gottes – nicht zuerst, wer über sie nachdenkt, nicht zuerst, wer diese Taten liebt, sondern wer sie erforscht, hat Freude daran. Der Schreiber sagt also: Du wirst Freude gewinnen an Gott und an seinen Taten, wenn du dieses Buch nimmst und seine Taten erforschst.
Die größte Tat ist und bleibt die Tat von Golgatha, als Jesus stellvertretend für unsere Schuld gestorben ist, um dich vor Gott gerecht zu machen, dem die glauben. Das heißt, du wirst durch das Forschen, durch das Ergründen seines Wesens erfahren, wie er ist: seine Heiligkeit, seine Güte, seine Barmherzigkeit, sein gerechter Zorn – all das, was du in der Bibel kennenlernst.
„Da wird sich eine Freude entfachen“, sagt der Schreiber, „durch das Erforschen“. Und das wird Gott ehren. Es wird eine echte, tiefe, authentische Freude an ihm geben, die du gerne weitergibst, weil du über das sprichst, worüber du dich freust.
Dann bist du eher wie eine Champagnerflasche, die unter Druck steht und die man nur ein bisschen antrennen muss – und schon fliegt der Korken heraus. Du bist nicht wie eine Zahnpastatube in einem schwäbischen Badezimmer, bei der man noch den letzten Rest herausdrücken muss und keine Freude hat, etwas zu erzählen.
Der Schreiber sagt: Champagnerflasche, Champagnerflasche für die, die erforschen, wie Gott ist.
Schau dich mal kurz um. Ich würde euch mit großer Leidenschaft von einer ganz tiefen Liebe und Tränen in den Augen meiner Frau Tamara erzählen. Ich würde sie beschreiben als eine wunderschöne blonde Kolumbianerin. Doch die, die uns kennen, wissen jetzt, dass ich lüge, wenn ich das sage.
Wenn ich sie so oberflächlich beschreibe, ehre ich sie nicht wirklich, und es wäre keine echte Freude, weil es nicht die Wahrheit ist. Sie ist eine braunhaarige Brasilianerin, und sie ist so viel mehr als das.
Je mehr ich sie studiere, je mehr ich sie kennenlerne, mit ihr lebe und sie liebe, desto mehr werde ich von Freude an ihr sprechen. Das wird sie wirklich ehren, weil das tatsächlich sie ist. Sie ist so viel mehr als die Oberfläche. Gleichzeitig werde ich eine echte Freude daran haben, weil ich niemanden kenne wie sie.
Jetzt höre ich auf mit dem Vergleich, denn hier geht es um Gott und Psalm 111.
Verstehst du: Je mehr du ihn erforschst und kennenlernst – ganz einsam, zu zweit mit ihm und auch in der Gemeinschaft, an Orten wie diesen, in einer Gemeinde, die das Evangelium weitergibt – desto mehr wirst du ihn wirklich kennenlernen.
Wenn du jemanden kennenlernst wie Gott, durch Jesus, und seine Gnade siehst, und erkennst, dass allein in Christus alles vollbracht wurde und du durch Glauben und Vertrauen an ihn ihn sehen darfst, dann wird dich das mit Freude erfüllen.
Wenn du von ihm redest, wird das Gott ehren, und du wirst Freude haben. Du wirst gerne davon sprechen.
So beten wir um Vergebung für die Todesworte, die wir gesprochen und geschrieben haben. Wir beten, dass Gott uns Lebensworte schenkt, seine Worte, die wir weitergeben – Worte, die Leben sprechen.
Wir bitten, dass er eine Wache an unseren Mund stellt.
Ich wünsche dir, dass du zugreifst, dass du packst – pack das Wort Gottes, bis es dich packt. Pack das Evangelium, bis es deine Wortwahl bestimmt. Pack diesen Löwen, diesen gefährlichen, guten Löwen, bis du nicht mehr aufhören kannst, über ihn nachzudenken und von ihm zu reden – ihm zur Ehre und dir und anderen zum wahren Leben und zur ewigen Freude.
Zum Schluss bete ich: Jesus, du bist würdig, du bist allein würdig, du bist König. Wenn du auf diese Welt schaust, hast du allen Grund, uns dahinfahren zu lassen – Tod überall.
Selbst in meinem Mund, Jesus, steckt so viel Tod, so viel Vernichtung – immer dann, wenn ich falsch geliebt habe, nämlich mich mehr als dich und mein Ego wichtiger war.
Jesus, wir beten um Vergebung, wo Tod in unserem Mund steckte, wo Funken Waldbrände entfacht haben, die wir vielleicht selbst gar nicht mehr wahrgenommen haben.
Ich danke dir auch sehr, dass du ein Gott bist, der ganz tief sieht. Du siehst all die implodierten Herzen hier drin.
Ich danke dir, dass du gleichzeitig ein Gott bist, der ganz nah wurde und in seiner Gnade gekommen ist, um vor uns zu implodieren und sich dem Zorn Gottes auszusetzen, obwohl du es nicht verdient hast.
Jesus, steck uns an mit dieser Botschaft. Zünde unsere Zungen mit diesem Feuer an – nicht mit einem zerstörerischen, sondern mit einem wärmenden, lichtgebenden Feuer, das Menschen zusammenführt in die Gemeinschaft und nicht auseinandertreibt.
Jesus, danke, dass du das Wort des Lebens bist, dass du selbst in Person das Wort Gottes, das Wort des Lebens bist und dass du in unserem Leben sprichst.
Wir dürfen es lesen, studieren und lieben lernen, weil du bist, den wir lieben. Du bist das!
Führe uns vor Augen, dass du nicht nur unser Auftraggeber bist, sondern auch unser König, den wir lieben. Du bist unser größter Schatz.
Ich bete für die Menschen, die hier sitzen. Ich bete, dass du ihre Herzen in Brand steckst, dass wir alle lernen, auf unsere Herzen aufzupassen – darauf, dass kein Müll hineinkommt, sondern dass du hineinkommst.
Danke, Herr, dass du so viel Geduld mit uns hast und dass wir uns freuen dürfen, eines Tages in deiner Gegenwart zu stehen. Dann wird das Leben uns umgeben wie nie zuvor.
Wir freuen uns darauf. Amen.