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Commitment Ewigkeit

Jumiko 26, Teil 21/24
11.01.2026
EVENT - Teil 21 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026

Ein unerwartetes Zelterlebnis als Bild für das Leben

Ich war vor einigen Jahren spontan zelten. Ich hatte mich sehr kurzfristig zum Christiwell in Karlsruhe angemeldet. Da ich spät dran war, konnte ich nicht mit dem Recht meines Jugendkreises in der Turnhalle unterkommen. Zum Glück gab es aber noch Plätze auf dem Zeltplatz.

Also packte ich schnell das alte Zelt von meinem Vater ein, fuhr nach Karlsruhe auf den Zeltplatz und baute das Zelt rasch auf. Dann passierte etwas sehr Dummes: Aus irgendeinem Grund hatte mein Vater die Heringe nicht beim Zelt gelagert. So stand ich da mit einem aufgebauten Zelt ohne Heringe – und das ist keine schöne Situation, vor allem wenn es noch regnet.

Wenn die Zeltschnüre nicht mit Heringen nach außen festgepflockt sind, steht das Zelt nicht sicher. Das Außenzelt liegt dann auf dem Innenzelt auf. Es soll eigentlich das Wasser abweisen, aber da es aufliegt, dringt das Wasser durch. Weil das Außenzelt nicht festgepflockt war, wurde es in der ersten Nacht gleich zweimal weggeweht.

Das war keine schöne Erfahrung für mich, aber völlig logisch. Bei uns im Schwabenland haben wir eine sehr ausgeprägte Zeltlagerkultur, und ich denke, das weiß jedes Kind in unseren Gemeinden: Wenn man zelten geht, muss man das Zelt außerhalb seiner selbst festmachen. Sonst kann es nicht stehen.

Die Schnüre müssen nach außen geführt werden, denn man kann ein Zelt nicht in sich selbst festpflocken. Die Heringe müssen vom Zelt weg in den Boden geschlagen werden – möglichst fest. Vielleicht merkt ihr schon, dass es mit unserem Lebenszelt ähnlich ist.

Wenn du nur im Hier und Jetzt lebst und keinen Anker hast außerhalb deiner selbst, außerhalb dieser Welt, dann mag dein Zelt zwar ganz nett aussehen. Aber sobald der erste Regen kommt, tropft es irgendwo rein. Und wenn der erste Sturm weht, wird dir das Außenzelt weggefegt.

Gerade in diesen stürmischen Zeiten, in denen wir leben – sei es persönlich, in der Gemeinde oder in der Welt – brauchen wir Heringe. Wir brauchen Dinge, die uns festhalten, damit unser Lebenszelt stabil steht und Wind und Wetter trotzt.

Die Bedeutung innerer Festigkeit für den Glauben

Ich bin fest davon überzeugt: In einem voll getropften Zelt, in dem immer wieder das Außenzelt wegweht, wo es kalt und nass ist, wird das Sprechen über den eigenen Glauben relativ schnell schwierig.

Wo mein Lebenszelt nicht fest ist, fällt es mir schwer, über meinen Glauben zu reden. Ohne innere Festigkeit bin ich nicht bereit, von Jesus zu erzählen. Glaubensgespräche erlebe ich dann oft als unangenehm oder peinlich, und ich tue mich irgendwie schwer damit.

Ohne innere Festigkeit fühle ich mich schnell unsicher. Ich fange an, herumzueiern, wenn es um meinen Glauben geht. Von Jesus zu reden löst dann weitaus mehr Stress als Freude aus. Ich denke, der ein oder andere von euch kennt das.

Zu allem Übel habe ich festgestellt, dass das gar nicht daran liegt, dass ich nicht committed wäre. Ich würde ja super gern überzeugend und fröhlich von Jesus reden, rhetorisch versiert einen guten Eindruck machen und so weiter. Aber ich merke: Das reicht nicht.

Wenn ich es mir umso fester vornehme, wird es schnell krampfig. Dann versuche ich, Argumente auswendig zu lernen oder bewusst in solche Situationen hineinzukommen. Aber ihr könnt euch vorstellen: Das wird relativ schnell eng und manchmal auch toxisch.

Es hilft nichts, committed zu sein, wenn das an unserem Commitment nicht in Ordnung ist. Es hilft nichts, möglichst schnell loszulaufen, wenn die Richtung falsch ist.

So habe ich in den letzten Jahren noch einmal ganz bewusst über mein Commitment nachgedacht. Dabei habe ich etwas entdeckt, das mir die Augen noch einmal ganz neu geöffnet hat – auch für meinen Glauben. Ein Commitment, das wie Zeltheringe die Schnüre meines Lebenszeltes straff hält, weil es außerhalb von mir selbst liegt.

Die Ewigkeit als verankerndes Commitment

Ich glaube, die Ewigkeit, also Gottes Zukunft, stellt ein Commitment dar, das unsere Gegenwart radikal verändern und umgestalten kann. Ein Commitment, das uns hilft, engagiert zu bleiben, weil die Ewigkeit etwas ist, das außerhalb von uns selbst liegt.

Dorthin gelangen wir nicht von allein. Es ist nicht etwas, das in uns selbst verankert ist, sondern etwas, das uns fest außerhalb unserer selbst verankert.

Ich bin überzeugt, dass dieses Commitment nichts damit zu tun hat, wie stark ich bin, wie gut ich reden kann oder ob es im Leben gerade gut läuft oder nicht. Innere Festigkeit kann sowohl in Schwäche als auch in Stärke bestehen.

Wenn das Zelt festgespannt ist, bleibt es auch im größten Sturm stabil stehen. Um innerlich fest zu sein, braucht man einfach eine Verankerung, die außerhalb von einem selbst liegt.

Paulus’ Ermutigung in der Bedrängnis

Wir werden jetzt gleich einen Text von Paulus anschauen. Spannend daran ist, dass es Paulus, rein menschlich betrachtet, überhaupt nicht gut geht, als er diesen Text verfasst.

Er schreibt in einer Zeit an die Korinther, in der sehr viel auf ihn einprasselt. Er leidet an einer schweren Krankheit, über die er sich beklagt. Vor kurzem wurde er wegen seiner Predigten heftig angegriffen und sogar verfolgt. Er wurde körperlich angegriffen. Außerdem nehmen ihn die Korinther als schwach wahr. In der Gemeinde gibt es andere, die er ganz ironisch „Superapostel“ nennt. Diese machen einen viel besseren Eindruck als er und laufen ihm den Rang ab.

Kurz gesagt: Sein Leben ist gerade kein Sonnenschein. Er taugt nicht zum Vorzeigechristen. Deshalb seufzt er auch und schreibt den Satz: „Wir sind von allen Seiten bedrängt.“

In dieser großen Bedrängnis gibt er den Korinthern vier Pflöcke mit, praktisch vier Heringe. Diese Heringe können das Leben festigen. Deshalb lohnt es sich, dass wir uns jetzt diesen Bibeltext und diese Heringe gemeinsam anschauen.

Die Verheißung der Auferstehung als erster Halt

Wer eine Bibel dabei hat, kann in 2. Korinther 4,14-18 nachlesen. Ich lese den Text vor:

Denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, uns auch mit Jesus auferwecken und vor sich stellen wird, zusammen mit euch.

Denn es geschieht alles um eureretwillen, damit die Gnade durch viele wachse und die Danksagung zur Ehre Gottes noch reicher werde. Darum werden wir nicht müde.

Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maße gewichtige Herrlichkeit für uns, die wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare.

Denn was sichtbar ist, ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, ist ewig.

Das ist der erste Hinweis, die Auferstehung, der erste wichtige Punkt, den Paulus hier festmacht.

Denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, uns auch mit Jesus auferwecken und vor sich stellen wird, zusammen mit euch. Das ist das Erste, was Paulus zu sagen hat.

Ganz simpel: Wir alle kennen die Botschaft, dass Jesus auferstanden ist. Und auch wir werden auferstehen.

Im 1. Korintherbrief steht ein Satz, von dem viele Forscher und Theologen denken, dass es das älteste Glaubensbekenntnis der Christenheit ist. Es wurde nur wenige Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung formuliert, und Paulus zitiert es bereits in diesem Brief.

Er schreibt: „Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was auch ich empfangen habe“, und dann folgt das Zitat: „Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, dass er begraben worden ist und dass er am dritten Tag auferweckt worden ist nach der Schrift.“

Die Botschaft von Jesus bedeutet: Der Mensch ist nicht für den Tod und den Untergang in dieses Leben gerufen, sondern für die Auferstehung. Das ist die erste Botschaft, die wir als Christen haben.

Christentum ist Auferstehungsglaube.

Und wenn du einmal in ein Glaubensgespräch kommst und nicht weiterweißt, ist das immer ein sinnvoller und kurzer Punkt, einfach zu sagen: „Ich glaube, wir werden auferstehen. Mit dem Tod ist nicht alles aus.“ Dann hat man auf jeden Fall ein Gespräch.

Die Ostertradition als lebendige Hoffnung

An Ostern wird mir das immer besonders eindrücklich bewusst. Ich komme aus einem Dorf am Fuß der Schwäbischen Alb, wo es eine alte Tradition gibt. Am Ostersonntag, vor dem Gottesdienst, versammelt sich die Gemeinde auf dem Friedhof. Jeder steht an dem Grab der Menschen, die er verloren hat.

Es ist wirklich sehr still, die Kühle des Morgens liegt noch über dem Friedhof. Dann spielt plötzlich der Posaunenchor in der Mitte des Friedhofs den alten Choral „Christ ist erstanden von der Marter alle“. Die Worte lauten: „Das sollen wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein, Kyrie leis, der Herr ist auferstanden.“

Danach strömt die Gemeinde in die Mitte des Friedhofs, und der Posaunenchor spielt Osterchoräle. Spätestens wenn es dann über den Friedhof schallt: „Er ist erstanden, Halleluja“, ist das für mich dieser eine Moment im Jahr, in dem diese Botschaft kurz ein Stück weit in mein Herz einsickert. Wir werden auferstehen, der Tod hat nicht das letzte Wort.

Wir werden die Toten wiedersehen, wir werden auch auferstehen. Das ist ein Perspektivwechsel für uns.

Die Perspektive vom Ende her denken

Ich habe kürzlich ein spannendes Buch gelesen, das vom Journalisten Peter Seewald verfasst wurde. Von ihm möchte ich kurz erzählen. Früher war er Atheist, später wurde er Christ. Er hat den früheren Papst Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., sehr eng begleitet.

In seinem Buch bringt er einen sehr interessanten Gedanken vor. Er schreibt: Als Christen haben wir eine andere Perspektive. Für uns kann es klug sein, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Das bedeutet, wir können die Dinge vom Ende her denken.

Mit dem Bild „das Pferd von hinten aufzuzäumen“ meint er Folgendes: Die Waage von Tod und Auferstehung schenkt uns, wenn wir unser Leben abwägen, einen unbestechlichen Blick dafür, welche Dinge wirklich Gewicht haben und welche nicht.

Paulus verwendet im 1. Korinther 3,10-15 ein sehr drastisches Bild dazu. Er schreibt: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher Jesus Christus ist. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu oder Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen, denn mit Feuer wird es sich offenbaren, und von welcher Art jedes Werk ist, wird das Feuer erweisen.“

Das ist ein ziemlich harter Satz, aber genau das meint es: Das Pferd von hinten aufzuzäumen heißt, zu überlegen, was im Angesicht von Tod, Auferstehung und Gericht wirklich Relevanz hat und was möglicherweise nur Holz, Stroh oder Heu ist und deshalb weg muss.

Das soll keine Angst machen. Paulus schreibt das nicht, um zu erschrecken, sondern um heilsam zu sein. Es soll etwas Läuterndes bei uns bewirken.

Ich glaube, die Spielstunden auf Steam, die Minuten, die der Bildschirmtracker auf dem Smartphone anzeigt, oder die Netflix-Zeit sind an sich nicht schlecht. Aber jeder von uns kennt das Gefühl, dass es vielleicht manchmal ein bisschen zu viel davon ist.

Gezielt Dinge zu tun, die im Angesicht von Tod und Auferstehung Relevanz haben, kann ein ganzes Mindset verändern.

Drei Gründe, warum die Auferstehung Glaubensgespräche prägt

Und es kann auch in Glaubensgesprächen sehr spannend sein – und zwar aus drei Gründen.

Erstens: Wenn ich von Tod und Auferstehung her denke, ist das für mich zunächst eine heilsame Selbstrelativierung. Mir hat es enorm geholfen, sei es in peinlichen Gesprächssituationen, sei es, wenn ich dumme Sprüche für meinen Glauben abbekomme oder wenn ich keine Antworten parat habe. Von Tod und Auferstehung her betrachtet, verliert das Ganze viel von dem Schmerz und der Relevanz, die es in der Situation vielleicht hat.

Mir hat es sehr geholfen, für mich den Druck aus solchen Situationen herauszunehmen. Auch im Blick auf Jesu Tod und Auferstehung wissen wir ja: Gott wirkt oft genug in der Ohnmacht seiner Zeugen. Das darf einen erst einmal gelassen machen.

Zweitens: Die Auferstehung – die wirkt Gott. Da können wir buchstäblich nichts zu beitragen. Keiner von uns kann selbst von den Toten auferstehen; da sind wir ganz von Gott abhängig. Genauso ist es bei der Frage, wie eigentlich Glauben entsteht. Keiner von uns kann den Glauben in den anderen „einpflanzen“. Das ist ein Teil, den hat nur Gott in seiner Hand.

Das heißt für uns: Wir dürfen Zeugnis geben, das dürfen wir in aller Gelassenheit tun. Am Ende entscheidet Gott, ob etwas hängen bleibt oder nicht. Martin Luther hat mal den schönen Satz gesagt: „Abends nach der Arbeit nehme ich mir ein krugkühles Bier und schaue dem Reich Gottes beim Wachsen zu.“ Ich finde das sehr schön. Es zeigt, dass wir einfach darauf vertrauen dürfen, dass Gott sein Reich baut. Wir dürfen beitragen, Zeugnis geben, uns aber auch zurücklehnen und beobachten, was er daraus macht.

Der dritte Punkt: Wenn es um Tod und Auferstehung geht, dann ist man so richtig beim Eingemachten. Als Paulus das erste Mal in Athen zu Besuch war, ging er zu einer Gruppe von Philosophen, begann ein Gespräch mit ihnen, und sie hörten ihm zunächst ganz interessiert zu – bis er von der Auferstehung redete.

Ich lese kurz, was dann in der Apostelgeschichte geschrieben steht: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten, die anderen aber sprachen: Wir wollen nicht darüber ein andermal weiterhören.“ (Apostelgeschichte 17,32)

Wenn man von Tod und Auferstehung redet, dann ist man direkt beim Eingemachten. Da kommen auf jeden Fall Reaktionen zurück. Und man hat ein Thema angesprochen, über das heute so selten gesprochen wird. Schon das ist ein Wert an sich.

Die Kraft der Auferstehung in der anglikanischen Tradition

Ich habe ein Jahr lang in England studiert. Dort gibt es in der anglikanischen Kirche eine sehr schöne Tradition: Bei jeder Beerdigung wird 1. Korinther 15 vorgelesen.

Das gesamte Kapitel umfasst 58 Verse und dauert etwa zwölf Minuten, wenn man es am Stück laut vorliest. Doch bei jeder Beerdigung ist es zu hören – zwölf Minuten Hoffnung, zwölf Minuten Ewigkeit. Diese zwölf Minuten pflanzen die Gemeinde wie Heringe fest ein. Sie festigen das Lebenszelt der Christen, relativieren vieles und helfen, die Prioritäten klarzusetzen.

Das ist das Erste, was Paulus zu sagen hat: Wie Jesus als Erster auferstanden ist, so werden auch wir auferstehen – wir alle. Wir sind diejenigen, deren Seele in der Ewigkeit fest verankert ist, damit unser Lebenszelt fest wird.

Die Ehre Gottes als zweite Verankerung

Der zweite Hering oder der zweite Pflock, den Paulus parat hat, ist die Ehre Gottes, das Gotteslob. Paulus schreibt weiter in Vers 15: „Denn es geschieht alles um euretwillen, auf dass die Gnade durch viele wachse und so die Danksagung noch reicher werde zur Ehre Gottes.“ Das ganze Ziel von Paulus in seinem Wirken ist es, dass möglichst viele Menschen zu Gott kommen, ihm die Ehre geben und ihn loben.

Das ist ein Vlog, der uns dreifach festmachen kann: Zum Ersten, weil er uns unsere Berufung zeigt, zum Zweiten, weil er uns eine Kraftquelle ist, und zum Dritten, weil Gotteslob ansteckendes Potenzial hat.

Zunächst einmal zeigt uns Gotteslob unsere eigene Berufung. Ich bin überzeugt, wir sind in erster Linie dazu da, um Gott zu loben. Wenn wir Gott loben, dann sind wir ganz in unserem Element.

Ich möchte einmal illustrieren, was ich damit meine. Vor ein paar Jahren war ich in Südafrika, in der Nähe von Kapstadt, und wir haben die größte afrikanische Pinguinkolonie besucht, die es gibt. Es war phänomenal. Man läuft dort über einen Holzsteg, und wirklich auf beiden Seiten sind Hunderte Pinguine, die so vor sich hinwatscheln. Ihr kennt das ja auch aus dem Zoberscheich – sie sehen enorm drollig und lustig aus.

Das Beeindruckendste war, als ein paar Dutzend dieser Tiere Richtung Meer watschelten. Es sah aus wie eine kleine, trödelige Völkerwanderung. Doch bis sie im Wasser waren, passierte etwas ganz Spannendes: Sie warfen sich mit einem Hechtsprung in die Wellen und schossen auf einmal mit Höchstgeschwindigkeit durch das Wasser. Das war sehr beeindruckend.

Von einem Moment auf den anderen wird aus einem unbeholfenen Watscheler ein pfeilschneller und agiler Jäger. Die zu kurz geratenen Flügel sind plötzlich perfekte Flossen, um im Wasser Geschwindigkeit aufzunehmen. Ich habe dann gelernt, dass sie zwanzig Kilometer weit aufs offene Meer herausschwimmen und hundertfünfzig Meter tief tauchen können. Kurz gesagt: Im Wasser sind sie voll in ihrem Element.

Und ich glaube, bei uns Menschen ist das manchmal ähnlich. Wir kämpfen uns oft unbeholfen durch den Alltag und watscheln ein bisschen durch unser Leben. Aber ich glaube, wenn wir Gott loben, dann sind wir ganz in unserem Element. Wir sind auf Gott hingeschaffen, und Gott zu loben ist für den Menschen wie ein Sprung ins Wasser.

Wenn jemand zum ersten Mal wirklich Gott im Lob begegnet, fühlt er sich wie ein Pinguin, der gerade ins Wasser gehüpft ist. Wo wir Gott loben, da blühen wir auf. Und wenn wir damit anfangen, dann drehen wir uns nicht mehr um uns selbst, sondern wir verankern uns fest außerhalb unserer selbst.

Gotteslob als Kraftquelle und Zeugnis

Zweiter Punkt: Gott loben ist eine Kraftquelle. Wir loben Gott gerade aus diesem Grund, weil wir seine Kraft erlebt haben, weil wir auf seine Kraft hoffen und weil wir davon ausgehen, dass seine Kraft in unserer Schwachheit wirken kann.

Wenn wir Gott loben, geht es also nicht um unsere Kraft, sondern um Gotteskraft. Es geht nicht darum, ob wir glaubensfest, rhetorisch versiert oder gut im Auftreten sind, sondern darum, was Gott alles wirken kann.

Mir ist deshalb eine Sache sehr wichtig geworden: Wenn ich Glaubensgesprächssituationen habe, versuche ich möglichst schnell danach irgendwie ins Gotteslob zu kommen – sei es, indem ich Loblieder höre oder auf der Gitarre herumklimpere. Ich merke, wenn es ein gutes Gespräch war und ich den Eindruck habe: „Boah, das lief ja richtig“, dann weiß ich trotzdem, dass Gott am Ende den Glauben wirkt. Das ist nicht meine Fähigkeit.

Wenn es ein richtig schlechtes Gespräch war, zieht es umso mehr. Dann weiß ich: Auch wenn mir all die klugen Sätze nicht eingefallen sind und ich möglicherweise eine jämmerliche Figur abgegeben habe, darf ich darauf vertrauen, dass Gott in Schwachheit wirkt.

Wie Schwachheit und Gotteslob zusammenhängen können, habe ich an einer Person richtig verstanden, die vor ungefähr 300 Jahren gelebt hat. Das war der schwäbische Pfarrer und Dichter Philipp Friedrich Hiller. Vielleicht hat der eine oder andere schon mal von ihm gehört. Er lebte von 1699 bis 1769 und wirkte in dieser Zeit.

Er hatte das traurige Schicksal, Pfarrer zu einer Zeit zu sein, in der viel passiert ist. Viele Menschen kamen zum Glauben, aber meistens nicht dort, wo er war. Er hat in seiner Gemeinde nicht viel davon mitbekommen.

Ab 1748 war er Pfarrer in Steinheim an der Brenz, das liegt bei Heidenheim. Dort passierte etwas, das für ihn eine Vollkatastrophe war: Er verlor seine Stimme und konnte nicht mehr laut sprechen. Ein Pfarrer, der nicht verkündigen kann – das war für Hiller furchtbar. Für seine Gemeinde war das auch sehr schwierig. Sie versuchten schnell, ihn irgendwie wegzukriegen.

In diesen schweren Jahren verbrachte Hiller seine Zeit gezwungenermaßen vor allem mit Bibelstudium und dem Dichten von Liedern. Im Jahr 1755 schrieb er ein Lied, das es in sich hatte: „Jesus Christus herrscht als König“.

Ich glaube, zumindest die Älteren oder die, die ab und zu im evangelischen Gottesdienst sind, kennen dieses Lied. Es wird bis heute häufig gesungen. Es ist eine Lobeshymne auf Jesus und die Ewigkeit, insgesamt 26 Strophen lang. Es wurde eines der meistgesungenen deutschen Kirchenlieder und ist bis heute im evangelischen Gesangbuch enthalten.

Ich möchte nur ein paar Zeilen daraus lesen:
„Gebt ihr Sünder ihm die Herzen,
klagt ihr Kranken ihm die Schmerzen,
Sagt ihr Armen ihm die Not.
Wunden müssen Wunden heilen,
Heilsöl weiß auszuteilen,
Reichtum schenkt er nach dem Tod.
Jesus Christus herrscht als König,
alles sei ihm untertänig,
ehret, liebet, lobet ihn.“

Dieses Lied ist auch deshalb eines meiner Lieblingslieder, weil mich die Geschichte dahinter berührt: Der stimmlose Pfarrer von Steinheim schrieb ein Lied, das jahrhundertelang von zig Millionen Menschen gesungen wird.

Gotteskraft ist in den Schwachen mächtig, und Gotteslob wirkt gerade auch in Schwachheit.

Die ansteckende Freude des Gotteslobes

Der dritte Punkt im Gotteslob ist ansteckende Freude. Ich bin mir sicher, dass ihr das im Laufe des Tages beim Singen schon ein Stück weit selbst gespürt habt.

Von Luther stammt der schöne Satz, der in sehr altertümlichen Worten lautet: „Musik ist das beste Labsal einem betrübten Herzen, da durch das Herze wieder zufrieden, erfrischt und erquickt wird.“ Zufrieden, erfrischt und erquickt – das ist das Potenzial des Gotteslobes, und es wirkt sehr ansteckend.

Letztes Jahr hatte ich beim Olympiagucken einen sehr unverhofften Glaubensmoment. Ich weiß nicht, ob ihr das mitbekommen habt: Beim Kugelstoßen war eine deutsche Athletin, Jemisi Ogunleje, am Start. Es war ein richtiger Krimi dieses Wettkampfs. Beim allerersten Stoß ist sie schwer gestürzt, voll auf ihr Knie, das sie schon einige Male verletzt hatte.

Aber sie wurde nicht nervös. Stattdessen begann sie zu beten. Das konnte man im Fernsehen vor Millionen Zuschauern sehen. Der Kommentator ordnete das auch gleich ein und sagte, dass sie sehr gläubig sei. Auf einmal startete sie gut in den Wettkampf, stieß richtig weit und lag auf Rang zwei.

Bis zum Ende blieb das so. Dann hatte sie den letzten Stoß. Die Atmosphäre knisterte, als sie mit unglaublicher Ruhe und einem Lächeln, das nicht von dieser Welt schien, in den Ring stieg. Sie stieß die Kugel auf zwanzig Meter, ihre persönliche Bestweite, und übernahm die Führung – Olympiasieg.

Das Erste, was diese Frau machte, war, dass sie zu ihrer Sporttasche rannte und einen Zettel holte, auf dem stand: Johannes 3,16 – „Du bist geliebt“. Der Kommentator war sichtlich bewegt und sagte: „Mit dem Glauben und der Liebe gewinnt sie bei den Olympischen Spielen Gold.“

Bei der Pressekonferenz fragte ein Journalist sie, was sie in dem Moment gedacht habe, als sie gestoßen hat. Sie begann einfach, einen Gospelsong anzustimmen. Die Clips davon gingen durchs Internet, und die Menschen waren wirklich begeistert von dieser jungen Frau, ihrem Glauben und der Freude, die sie ausstrahlte. Das findet man auf YouTube – es lohnt sich, das mal anzuschauen.

Vielleicht denkt ihr jetzt – oder ich dachte es mir zumindest – die Sportart, in der ich olympisches Gold hole, müsste erst noch erfunden werden. Ja, logisch, die wenigsten von uns werden jemals in so krasse Lebenssituationen kommen.

Aber mich hat das Ereignis deshalb bewegt, weil es etwas generell Wahres aussagt: Wo Glaubensfreude da ist, wo Gotteslob, weil Gott so gut ist, zum Tragen kommt, da wirkt es ansteckend. Und das ist nicht nur bei Olympiasiegern so, sondern auch bei Kollegen, Kommilitonen, Freunden oder in der eigenen Familie. Gotteslob steckt an und macht etwas mit den anderen Menschen, die es hören.

Im Gotteslob sind wir ganz in unserem Element. Gotteslob vertraut in der eigenen Schwachheit auf Gotteskraft, und Gotteslob wirkt ansteckend. Deshalb ist es wie ein weiterer Pflock, der uns außerhalb unserer selbst festmachen kann.

Austausch über Gotteslob und Glaubensleben

Ich dachte, an dieser Stelle machen wir eine kurze Pause und kommen mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch. Die Frage lautet: Wo kommen bei euch Gottloben und Glaubensleben, also das Reden über den Glauben, zusammen?

Wo habt ihr das schon einmal erlebt? Vielleicht in der eigenen Gemeinde oder ganz unverhofft auf einer Konfi-Freizeit. Redet einfach mal ein, zwei, drei Minuten mit euren Nebenmännern und -frauen.

Ich mache jetzt einfach weiter im Text und komme zum dritten Pflock, zum dritten Hering, den Paulus für uns bereithält: Unser innerer Mensch wird Tag für Tag erneuert.

Die Erneuerung des inneren Menschen trotz Vergänglichkeit

Paulus schreibt weiter in Vers sechzehn: „Darum werden wir nicht müde, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird auch der innere von Tag zu Tag erneuert.“

Unser äußerer Mensch zerfällt. Auch ich stelle das sehr schmerzlich fest. Ich bin gerade erst dreißig geworden, aber ich fange schon an auszukrauen, hält mir meine Frau immer wieder vor. Ab dem achtzehnten Lebensjahr sterben mehr Zellen in unserem Körper, als neue entstehen. Pro Sekunde verliert jeder von uns mehrere Millionen davon. Ab dreißig, also in dem Alter, in dem ich gerade bin, fängt der Knochenabbau an, den Aufbau zu überwiegen. Es geht also bergabwärts.

Die Uhr des Lebens wird nur einmal aufgezogen, und niemand hat die Macht, die Zeiger irgendwie vor- oder zurückzustellen. In der gesamten Lebenswelt kann man feststellen: Alles ist vergänglich, alles vergeht.

Ich war vor kurzem mal wieder im Bengelhaus, wo ich studiert habe, in meiner alten Studenten-WG, und stand da am Kühlschrank. Es gibt ja kaum bessere Orte als studentische Kühlschränke, um sich der Vergänglichkeit allen Seins so richtig bewusst zu werden. Ich habe da reingeguckt, sah den Joghurt, habe ihn aufgemacht und all die Grün- und Brauntöne gesehen, in denen er vor sich hingeschimmelt hat. Das Beste war: Ganz hinten im Kühlschrank war noch dieses eine Olivenglas, das schon da war, als ich 2020 dort eingezogen bin.

„Himmel und Erde werden vergehen“, hat schon Jesus gesagt, und das sieht man einfach, wo man hinschaut – mal offensichtlicher, mal verborgener. Mich erschreckt es immer wieder, wenn das Semester schon wieder halb vorbei ist, wenn schon irgendwie Sommer ist, obwohl doch gerade erst Weihnachten war, oder wenn Leute älter werden, wenn Verwandte sterben, wenn einfach alles so weiterläuft.

C. S. Lewis, der Schöpfer der Narnia-Chroniken, hat mal einen klugen Satz gesagt. Er meinte: Es ist völlig absurd, dass der Mensch über die eigene Vergänglichkeit erschrickt. Das ist so, als würde sich ein Goldfisch andauernd erschrecken, dass es um ihn herum nass ist. Das wäre eigentlich nur dann sinnvoll, wenn dieser Goldfisch gar nicht für das Wasserglas gemacht wäre.

Ich glaube, Vergänglichkeit ist für uns Menschen auch deshalb ein Problem, weil wir tief in uns drin wissen, dass wir eigentlich für etwas anderes hingemacht sind. Oder wie es der Prediger in der Bibel formuliert: „Du, Herr, hast die Ewigkeit in unser Herz gelegt.“ (Prediger 3,11)

Aber nicht nur das: Gott verspricht uns auch, dass unser innerer Mensch von Tag zu Tag erneuert wird. Jesus hat ja Gott sei Dank noch einen weiteren Satz angehängt. Er hat nicht nur gesagt, „Himmel und Erde werden vergehen“, sondern auch: „Meine Worte aber werden nicht vergehen.“ (Matthäus 24,35)

Der Erlanger Theologe Manfred Seitz hat es mal so formuliert: Glauben ist ein Wort des Herrn im Herzen haben und danach leben. Jesu Worte sind ewig, und wenn sie in unserem Herzen sind, dann haben sie das Potenzial, unseren inneren Menschen Tag für Tag zu erneuern.

Das ist übrigens der Grund, weshalb Auswendiglernen früher in den Kirchen mal so hoch im Kurs stand. Das macht das Herz frisch. Und in vielen Situationen kommen einem diese Worte dann ins Herz, wenn man mal nicht mehr weiterweiß.

In der alten Kirche war es übrigens eine Zeitlang Voraussetzung, um ein geistliches Amt zu begleiten, dass man das ganze Buch der Psalmen auswendig konnte. Schon kaum vorstellbar, aber früher, um hauptamtlich zu werden – so im dritten, vierten Jahrhundert – musste man den Psalter komplett auswendig können.

Wenn man in einem Glaubensgespräch ist, ist das außerdem manchmal wie ein Joker. Wenn man im passenden Moment einfach mal ein Jesuswort zitiert oder eine Jesusgeschichte erzählen kann, dann ist es manchmal wirklich verblüffend, was das beim anderen auslösen kann. Das bewegt oft viel mehr in Menschen als viele Argumente. Wenn man bei der richtigen Situation eine Bibelgeschichte zum Besten gibt, hat das eine große Wirkung.

Menschen tun ja alles Mögliche, um im Alter fit zu bleiben: spazieren gehen, regelmäßig Sudokus lösen, Physiotherapie und so weiter. Aber viel entscheidender ist es eigentlich, dass wir geistlich fit bleiben. Man kann nicht früh genug damit anfangen, ein Wort Jesu in seinem Herzen zu bewegen und sich davon Tag für Tag erneuern zu lassen.

Das ist wohltuend, und es ist wie ein Pflock, der einen festmacht und der das Lebenszelt straffen kann.

Die Ausrichtung auf das Unsichtbare als letzter Halt

Der vierte und letzte Hering schaut auf das Unsichtbare, auf das, was noch kommt. In Vers 18 schreibt Paulus uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sehen. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Worauf ich schaue, das orientiert mich, und worauf einer hinzielt, das wird ihm auch werden. Jetzt sagt Paulus: Was sichtbar ist, vergeht. Auf das Sichtbare zu sehen heißt, sich am Vergänglichen zu orientieren.

Ich mache es konkret: Wenn ich den ganzen Tag Nachrichten gucke, wenn mein Blick die ganze Zeit auf meine Aktien-App geht, wenn ich alles darauf ausrichte, meinen Freunden, meinen Kollegen oder der Umgebung zu gefallen, dann orientiere ich mich an Dingen, die es in bereits kurzer Zeit so nicht mehr geben wird. Das sind deshalb nicht automatisch schlechte Dinge, aber sie zerrinnen einem in den Händen wie Sand.

Paulus ruft uns auf: Orientiert euch an dem, was ewig ist, an dem, was bleibt. Habt die Ewigkeit vor Augen.

Aus meiner Gegend gibt es eine alte Erzählung. Früher haben die Bauern, wenn sie aufs Feld gegangen sind, ihren Mantel und ihr Mittagessen immer auf der Ostseite des Feldes abgelegt. Könnt ihr euch denken, warum? Wenn der Herr Jesus wiederkommt in Jerusalem, dann wollte man auf dem Weg dorthin direkt sein Jäckchen und sein Vesper mitnehmen, keine Sekunde verlieren und einfach losziehen.

Der Pfarrer und Theologe Johann Christoph Blumhardt hatte zeit seines Lebens aus exakt demselben Grund immer eine gespannte Kutsche bei sich im Stall stehen. Er wusste zwar nicht, ob er es erleben würde, aber falls dieser Moment kommen würde, wollte er keine Sekunde verlieren und einfach direkt losziehen. Er wollte bereit sein.

Das sind beides alte Geschichten, aber die faszinieren mich sehr. Das sind Leute, die hatten noch Ewigkeitshoffnung. Und sie haben deshalb nicht aufgehört zu arbeiten, jeden Tag das Feld zu bestellen. Aber die Arbeit und das tägliche Brot waren nicht das, was sie orientiert hat, sondern das Unsichtbare, das Ewige hat ihren Takt vorgegeben.

Und das ist ein Takt, der Hoffnung und Zuversicht gibt in allen Lebensbereichen.

Der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann hat es mal gut auf den Punkt gebracht, was christliche Hoffnung eigentlich bedeutet. Er hat gesagt: Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt.

Hoffnung, der Blick aufs Ewige, das ist ein Pflock, der mich in der Ewigkeit verankert, wie ein Zelthering, der mein Lebenszelt festmacht.

Zeugnis in unerwarteter Situation

Zum Schluss zurück zum Anfang, nach Karlsruhe aufs Christiwöl vor einigen Jahren. Es war eine sehr erfüllende Zeit mit vielen Bibelarbeiten, Lobpreis, guten Momenten und tollen Begegnungen.

Aber es war auch der zweitletzte Bundesligaspieltag der Saison 2015-16. Der VfB Stuttgart stand mal wieder ganz weit unten, war akut vom Abstieg bedroht. Gegen Mainz musste der VfB gewinnen, sonst war der Abstieg besiegelt.

So sind wir also vom Christiwöl in eine Karlsruher Kneipe gegangen – ein Kumpel und ich. Wer etwas von Fußball versteht, weiß, weshalb Karlsruhe vielleicht ein denkbar schlechter Ort ist, um als VfB-Fan mitzufiebern.

Wir setzten uns zu zwei älteren Karlsruher Herren, verstanden uns gut und unterhielten uns. Dann machte Stuttgart das 1:0, wir jubelten, und auf einmal merkten alle in der Bar: „Oh, da sind Stuttgarter!“

Zuerst bekamen wir ein paar deftige Sprüche ab. Dann fragten sie uns natürlich, was wir als Schwaben in Karlsruhe verloren hätten. Wir erzählten einfach, dass wir auf dem Christival sind, an Jesus glauben und was wir dort erlebt haben. Was es auch in uns verändert hat.

Plötzlich fing einer von beiden an, uns ganz interessiert zuzuhören. Er erzählte seine Lebensgeschichte und stellte die Frage, wo Gott in all den schweren Situationen seines Lebens gewesen sei.

Der VfB kassierte das erste Gegentor – aber das spielte überhaupt keine Rolle mehr. Wir hörten zu, fragten nach, wurden dann selbst gefragt. Am Ende redeten wir fast anderthalb Stunden mit diesem Mann und durften für ihn beten.

Stuttgart war da zwar schon abgestiegen, aber das spielte keine Rolle mehr. Als wir zurück zum Christival aufs Messegelände liefen, waren wir einfach geflasht von diesem Gespräch. Wie Gott uns in dieser Situation gebraucht hat, um Zeugnis zu geben.

Das hat einfach aus uns herausgesprudelt, weil wir innerlich fest waren. Da war etwas in uns, das einfach raus musste. Wenn das der Fall ist, sind die Umstände völlig egal. Da kann der Lieblingsverein absteigen oder sonst was passieren. In dieser Situation hat man Festigkeit im Herzen.

Zusammenfassung der vier Heringe für das Lebenszelt

Wenn wir Heringe haben, die die Zellschnüre unseres Lebens spannen, dann, glaube ich, pflügt Gottes Zukunft unsere Gegenwart um. Dies geschieht durch die Auferstehung, die uns verheißen ist, und durch das Gotteslob, das uns Kraft und eine Quelle der Freude sein darf.

Diese Erneuerung erfährt unser innerer Mensch Tag für Tag. Dabei richtet sich unser Blick auf das Unsichtbare, das ewig ist.

Amen. Ich bete noch:

Jesus, ich danke dir dafür, dass wir auf eine Ewigkeit zugehen. Ich danke dir, dass diese Welt nicht alles ist, was wir haben, sondern dass wir darüber hinausblicken dürfen.

So bitte ich dich, Herr, dass du uns immer wieder neu orientierst und neu zeigst, was es bedeutet. Stärke uns innerlich durch die Auferstehung, die uns verheißen ist, durch dein Gotteslob, durch innere Erneuerung und durch den klaren Blick auf die Ewigkeit, auf das Unsichtbare.

In deinem Namen, Herr, Amen.