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Sei kein Holzkrug! Wie man vermeidet, Gott zu verunehren

23.04.2023

Einführung: Die Herausforderung des Glaubensweges

Ja, manch einer hat den Titel gelesen und war vielleicht danach leicht verwirrt: Sei kein Holzkrug – was hat das denn mit Christentum zu tun?

Der Untertitel lautet: Wie man vermeidet, Gott zu verunehren. Spätestens wenn wir den heutigen Bibeltext lesen, wird auch ein Stück weit klar, was mit dieser Aussage „Sei kein Holzkrug“ gemeint ist.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich denke, die meisten von euch mussten sich bestimmt schon einmal mit folgendem Umstand beschäftigen: Menschen aus eurem Umfeld, vielleicht sogar aus eurer Familie, die früher wirklich brennende Christen waren. Sie waren aktiv in der Gemeinde, haben sich vielleicht als Jugendliche taufen lassen und dann gab es plötzlich irgendeinen Knick in ihrem Leben. Sie sind zurück in die Sünde gegangen, zurück in die Welt, zu dem, was sie früher ausgemacht hat.

Oder was ist mit Menschen, die sich einmal Christen nannten und ein klares Bild von Jesus und dem Weg der Rettung hatten, die dann vielleicht in irgendwelche Sekten abrutschten? Oder die plötzlich ganz verrückte Ideen über das Christentum hatten, die Schöpfung anzweifelten und auch die Autorität der Schrift infrage stellten. Sie sind auf ganz seltsame Wege gekommen und nicht nur irgendwie verführt worden, sondern wurden selbst zu denen, die diese Ideen nach außen tragen.

Gerade wenn so etwas in einem Umfeld passiert, in dem man Menschen sehr liebt, stellt sich oft die Frage: Waren solche Menschen wirklich Christen? Oder was ist mit ihnen? Sind sie einfach nur schwach? Sind das vielleicht Christen, die sich gerade verirrt haben?

Man kann sich sogar die Frage stellen – und vorweg: Das glauben wir als Gemeinde nicht –, aber wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, kann man in Zweifel geraten und fragen: Kann man vielleicht doch wieder verloren gehen? Wie kann das sein? Früher so brennend, und jetzt, sobald man über Christus und die Gemeinde redet, gehen die Rollos herunter.

Ich denke, das kann einen schon in große Nöte bringen, besonders wenn es sich um Familienmitglieder handelt.

Vor gar nicht so langer Zeit habe ich mich mit einer Frau unterhalten, die etwa zwanzig Jahre älter ist als ich. Sie ist gläubig und erzählte mir von ihrer Schwester. Diese Schwester war früher ein brennender Christ, hat sich taufen lassen, war in der Gemeinde richtig aktiv. Dann ist sie eine Ehe eingegangen, für die sich der Ehemann von seiner vorherigen Frau scheiden ließ, um sie zu heiraten.

Ihr versteht den Gedankensprung: Sie hat jemanden geheiratet, der bereits verheiratet war, und diese Person ließ sich extra scheiden, um sie zu heiraten. Seit diesem Zeitpunkt ist diese brennende Christin, wie sie es früher war, für den Glauben einfach nicht mehr zu haben. Sie geht nicht mehr in die Gemeinde, und wenn man mit ihr über Gemeinde spricht, reagiert sie ablehnend und distanziert sich.

Man stellt sich die Frage: Was ist hier passiert? Das ist eine ernste Frage, gerade wenn es um die eigene Schwester geht. War dieses aktive Christentum vorher nur gespielt? Ist sie gerettet, aber auf dem falschen Weg? Viele Fragen, die man sich stellen kann und die einem wirklich zu schaffen machen.

Die biblische Perspektive: Gottes Wissen und unser Auftrag

Und wir werden den Bibeltext gleich lesen. Doch vorab gibt uns der Text zu diesem Thema eine Wahrheit und eine Anwendung.

Die Wahrheit lautet: Gott weiß, wer die Seinen sind. Gott weiß es, und es ist seine Sache.

Die Anwendung in diesem Zusammenhang richtet sich an alle, die seinen Namen nennen. Also an alle, die sich Christen nennen. Sie sollen sich von den Dingen und Menschen abwenden, die nicht biblisch sind und einen vernichtenden Einfluss auf uns haben.

Genau das schreibt Paulus an Timotheus in diesem Kontext: Gott weiß, wer die Seinen sind, lieber Timotheus. Zuvor spricht er von denen, die irgendwie abgekommen sind. Das ist die Wahrheit.

Alle, die seinen Namen nennen – also alle, die sagen: „Ich bin ein Christ“ – sollen sich von solchen Dingen abwenden, die nicht biblisch sind und auf uns einen vernichtenden Einfluss haben.

Schlagt bitte mit mir den zweiten Timotheusbrief auf, Kapitel zwei. Dort geht es um Holzkrüge und goldene Krüge.

Wir lesen den zweiten Timotheus 2,19-22. Außerdem behandeln wir einige Verse direkt davor, die die Argumentationskette bilden. Doch das ist jetzt unser Hauptbibeltext.

Dort heißt es:
„Aber der feste Grund Gottes bleibt bestehen, und er trägt dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen.“

Das ist die Wahrheit, die ich eben schon meinte.

Nun folgt die Anwendung:
„Und jeder, der den Namen des Christus nennt, wende sich ab von der Ungerechtigkeit. In einem großen Haus gibt es aber nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und zwar die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von solchen reinigt, wird ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich, zu jedem guten Werk zubereitet. So fliehe die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.“

Kontext und Hintergrund: Timotheus und seine Herausforderungen

Wir sind im zweiten Timotheusbrief, und die letzten beiden Predigten waren Sonderpredigten. Deshalb steigen wir jetzt wieder in die Auslegung ein. Ganz kurz zur Erinnerung: Im Grunde ist das Ganze der Abschiedsbrief von Paulus. In Kapitel 4 lesen wir, dass Paulus stirbt und um seinen Timotheus ringt. Er hat Timotheus irgendwie aufgezogen und ihn in geistliche Dienste übertragen.

Timotheus ist jedoch ein wenig am Wanken. Er ist ängstlich und schwach, wie man in Kapitel 1, Vers 7 sieht. Er war eine ängstliche Person. Wir haben uns verschiedene Bilder angesehen, zum Beispiel in Kapitel 2, Vers 1-7, wo man sieht, dass er Gefahr lief, falsche Prioritäten in seinem Leben zu setzen. Er drohte, den Schwerpunkt seines geistlichen Lebens vom eigentlichen Ziel abzulenken.

In Kapitel 2, Vers 22, wird deutlich, dass Timotheus mit Listen zu kämpfen hatte. Außerdem hatte er die große Aufgabe, sich gegen Irrlehrer zu behaupten. In den letzten Predigten haben wir herausgefunden, dass Timotheus eigentlich nicht der Typ ist, der gerne in Konfrontation geht. Paulus schreibt den Korinthern sogar: Wenn Timotheus zu euch kommt, dann achtet darauf, dass er keine Furcht haben muss. Timotheus ist also nicht der Typ, der stark auftritt und den Irrlehrern Halt und Stopp sagt. Das ist eine Schwierigkeit, mit der Timotheus zu kämpfen hat.

Der Unterton ist, dass Paulus voller Liebe kämpft – um Timotheus kämpft. Er möchte ihn nach seinem eigenen Tod auf dem richtigen Weg halten, damit Timotheus seinen Dienst fortführen kann. In Kapitel 1, Vers 6, sehen wir, wie Paulus ihn liebevoll daran erinnert, seine Gnadengabe wieder anzufachen. Schon im ersten Brief hatte Paulus gesagt: Vernachlässige nicht deine Gnadengabe. Nun, kurz bevor Paulus stirbt, ist die Gnadengabe von Timotheus kurz davor, auszugehen.

Wir sehen also, dass Timotheus schwächelt, obwohl er eine große Aufgabe hat. In Vers 7 ist er kraftlos, aber aufrichtig. Paulus ist überzeugt, dass der gleiche Glaube, der in seiner Großmutter lebt, auch in Timotheus lebt – ein ungeheuchelter Glaube, jemand, der es ernst meint, auch wenn er schwächelt.

Der Ton ist wichtig: Wenn wir heute das Bild mit den Gefäßen lesen, dann ist hier keine Peitsche zu spüren. Es ist vielmehr Seelsorge und Liebe, die versucht, Timotheus auf den richtigen Weg zu bringen. „Timotheus, der Auftrag ist so groß, und du schwächelst. Aber ich peitsche dich nicht aus, weil du ein Schwächling bist. Ich sehe in dir etwas, du hast Gnadengaben bekommen und eine große Aufgabe. Jetzt mach weiter!“

Das ist der Grundton: eine liebende Motivation, die Timotheus anspornen will, nicht eine strafende Peitsche, die ihn auspeitscht, weil er ein böser, schwacher Timotheus ist. Paulus sagt nicht: „Ich habe dir so viel Verantwortung gegeben, und du schaffst es nicht, du bist verdammt.“ Das ist überhaupt nicht der Unterton.

Wir merken also, Paulus arbeitet seit Kapitel 1 an Timotheus. Jetzt bringt Paulus ein Bild, das Bild mit den Gefäßen zur Ehre und zur Unehre. Dieses Bild soll eine Anwendung für Timotheus sein.

Das Bild der Gefäße: Ehre und Unehre im Glaubensleben

Schaut mit mir in die Verse zwanzig und einundzwanzig. Dieses Bild ist eine Anwendung für Timotheus und für sein Glaubensleben. Es beschreibt einen Haushalt, in dem es verschiedene Gefäße gibt. Einige sind zur Ehre bestimmt, das sind die goldenen, schönen Gefäße. Diese werden präsentiert und vom Hausherrn genutzt, um zu zeigen, welche wertvollen Gefäße er besitzt.

Dann gibt es die Gefäße zur Unehre. Ich habe in einem Kommentar nachgelesen, wie das historisch oder früher so war. Die irdischen Gefäße, die in Vers 20 und 21 erwähnt werden, waren wohl eher Gefäße für den Hausmüll. Es waren Gefäße, in denen man seine Ausscheidungen aufbewahrte – also gewöhnliche, nicht besondere Gefäße.

Es gab also sowohl Gefäße zur Ehre als auch solche zur Unehre – letztere waren die Gefäße, die man nicht präsentierte. Der Aufruf in Vers 21 lautet: Diejenigen, die zur Ehre sein wollen, müssen sich von denen, die zur Unehre sind, absondern oder sich reinigen.

Ganz wichtig ist, was mit diesem Absondern oder Reinigen gemeint ist. Oft wird das in der Christenheit so verstanden, dass es sich um eine äußere Gesetzlichkeit handelt. Man sagt dann: Wir dürfen nicht sein wie die Welt, deshalb tragen wir Röcke, die nur bis zu den Knöcheln reichen, oder ähnliches. Man will sich äußerlich abwenden oder abgrenzen.

Doch genau das ist hier überhaupt nicht gemeint. Wir werden später noch sehen, worum es im Grunde geht. Es geht auch nicht darum, wie bei den Amish People, die keinen Strom benutzen, weil das modern ist, und Kleidung aus dem 18. Jahrhundert tragen, um anders als die Welt zu sein.

Darum geht es hier nicht. Der Zusammenhang zeigt uns etwas ganz anderes.

  1. Timotheus 2,20-21

Die Bedeutung des Hauses: Welt oder Gemeinde?

Nun müssen wir uns zunächst eine ganz entscheidende Frage stellen. Diese Frage ist der Schlüssel dafür, ob wir den Text auf uns anwenden können. Es geht darum: Was ist mit dem Haus gemeint?

Timotheus braucht eine klare Anwendung, und auch wir benötigen eine deutliche Erklärung. Was genau bedeutet das Haus?

Man könnte überlegen, ob mit dem Haus in unserem Bibeltext vielleicht die ganze Welt gemeint ist. In diesem Fall wären wir Christen automatisch Gefäße zur Ehre Gottes. Gleichzeitig gäbe es in diesem Haus, also in der weltweiten Gemeinschaft, auch Gefäße zur Unehre. Das wäre ein Prinzip, nach dem man den Text verstehen könnte.

In diesem Sinne sollen wir uns als Gefäße der Ehre von den Unehrenden absondern. Timotheus, du Gefäß zur Ehre, sollst dich von denen reinigen, die zur Unehre sind, und nichts mit der Welt zu tun haben.

Diese Möglichkeit möchte ich aber nicht weiterverfolgen. Ich wollte nur zeigen, dass es darauf ankommt, wie man den Text liest.

Die zweite Auslegungsmöglichkeit ist, dass Paulus mit dem Haus schlicht und einfach die Gemeinde meint. Unter denen, die sich Christen nennen, gibt es solche, die zur Ehre sind, und andere, die zur Unehre sind.

Ich werde gleich erläutern, wie ich zu dieser Deutung komme, aber der Kontext spricht dafür. Wenn Paulus hier von der Gemeinde redet, dann meint er die weltweite Gemeinschaft der Christen.

Dann stellt sich die Frage an uns, wenn wir Vers 20 und 21 betrachten: Bin ich ein Gefäß zur Ehre Gottes? Ein Gefäß, das dem Hausherrn nützlich ist zu jedem guten Werk? Oder bin ich ein Gefäß zur Unehre?

Es gibt also laut Vers 20 und 21 Menschen, die dazu dienen, dass Gott geehrt wird. Und es gibt Menschen, die sich Christen nennen, aber Gott verunehren.

Der Kontext des Aufrufs: Abwendung von Ungerechtigkeit

Nun, wie komme ich auf den Gedanken, dass es sich um die Gemeinde handeln soll?

Zuerst betrachten wir den ganz engen Rahmen, in dem dieses Bild steht. Dieser Rahmen umfasst Vers 19 und Vers 22. Kurz zu Vers 22: Wir werden später noch genauer darauf eingehen. Der unmittelbare Rahmen, in dem dieses Bild eingefügt ist, steht in Vers 22. Dort erfolgt die direkte Anwendung des Bildes auf einen Gläubigen.

Vers 22 lautet: „So fliehe nun, lieber Timotheus.“ Paulus hat Timotheus ein Bild gezeigt und fordert ihn nun zur Anwendung auf. Es heißt jedoch nicht: „Fliehe nun von der Welt“, denn es könnten ja auch Gefäße zur Unehre sein. Wovor soll Timotheus also fliehen? Die Anwendung richtet sich direkt an ihn: Er soll vor sich selbst fliehen, genauer gesagt vor den jugendlichen Lüsten, die in ihm sind. Diese könnten bewirken, dass er ein Gefäß zur Unehre wird.

Timotheus, der bereits Christ ist, soll sich von etwas abwenden, damit er ein Gefäß zur Ehre bleibt. Das ist ganz wichtig, besonders für die sensiblen Gewissen unter uns, zu denen ich mich selbst zähle. Wenn wir diesen Bibeltext lesen, müssen wir den Unterton von Paulus’ Liebe im Blick behalten. Es geht nicht um geistlichen Perfektionismus.

Denn es kann leicht passieren, dass wir geistlichen Perfektionismus an uns selbst anlegen. Dann lesen wir den Text und denken: „Oh ja, ich habe auch jugendliche Lüste, mit denen ich nicht zurechtkomme.“ Und schon geraten wir in einen Verdammungsmodus: „Ich bin ein Gefäß zur Unehre, ich werfe alles hin.“ Darum geht es hier nicht. Auch wenn manche Bibeltexte klar formuliert sind, sind wir immer noch eingebettet in viel Gnade, was wir später noch sehen werden.

Jetzt beschäftigen wir uns erst einmal mit diesem Text. Timotheus hatte etwas, das ihn in Gefahr brachte. Bei ihm waren es die jugendlichen Lüste. Bei dir mag es etwas anderes sein. Doch er stand in Gefahr, ein Gefäß zur Unehre zu werden, also nicht nützlich für den Hausherrn – irgendetwas in seinem Leben.

Ein weiterer Rahmen, der zeigt, dass es sich bei dem Haus um die Gemeinde handelt, ist Vers 19. Dort heißt es: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, soll sich abwenden.“ Paulus spricht hier im christlichen Kontext. Er sagt nicht „jeder, der Christ ist“ oder „jeder, der wirklich gläubig ist“, sondern „jeder, der den Namen des Herrn nennt“. Es geht also um Menschen, die sich Christen nennen, nicht unbedingt Christen sind, sondern sich so nennen.

Warum betone ich das? Weil der Zusammenhang genau davon spricht. Wenn man nur zwei Verse zurückgeht, sieht man die Argumentationskette. In 2. Timotheus 2,17-18 kommt Paulus gedanklich von Hymenäus und Philetos. Vers 17 sagt: „Ihr Wort frisst um sich wie ein Krebsgeschwür.“ Zu ihnen gehören Hymenäus und Philetos.

Was steht in Vers 18? Sie sind von der Wahrheit abgeirrt. Das bedeutet: Sie waren einmal bei der Wahrheit. Hier sind Menschen, die sich einst bei der Wahrheit befanden, aber dann abgewichen sind. Sie wurden zu Ehelehrern und haben dadurch vielleicht den Glauben vieler umgestürzt und sogar Scham mit sich gebracht.

Im Kontext geht es also um Leute, die sich einmal Christen nannten und durch falsche Lehre schlechten Einfluss ausübten. Der Punkt ist: Sie waren einmal bei der Wahrheit. Das ist der gedankliche Ausgangspunkt von Paulus. Zwei Personen sind abgewichen und haben viele mitgezogen.

Paulus schreibt in Vers 19: „Aber dieser feste Grund besteht.“ Timotheus, wir wissen nicht, wo diese Menschen genau stehen, aber wir wissen, dass Gott es weiß. Er trägt sogar sein Siegel: Gott weiß, wer zu ihm gehört. Er weiß es, du weißt es nicht, ich weiß es nicht, aber Gott weiß es.

In diesem gemeindlichen Kontext gibt es Gefäße zur Ehre und Gefäße zur Unehre. Gott kennt die Seinen. Und im gleichen Atemzug schreibt Paulus in Vers 19: „Jeder“ – ein ganz starkes Wort – „der den Namen Jesu Christi nennt“, der sich zu Christus bekennt und bezeugt, dass er Christ ist, soll sich abwenden.

Wovon soll er sich abwenden? Von der Ungerechtigkeit, von allem, was gegen Christus ist. Das ist der Zusammenhang: In der Gemeinde gibt es Gefäße zur Ehre und Gefäße zur Unehre. Es gibt Menschen, die sagen, sie seien Christen, wie Hymenäus und Philetos. Gott allein weiß, wer sein ist.

Doch der Aufruf geht an alle, die sich Christen nennen: Wendet euch ab von dem, was euch auf schlechte Wege führt. Wendet euch ab von Ungerechtigkeit und Sündhaftigkeit! Und wir reden hier nicht von geistlichem Perfektionismus. Das ist ganz wichtig.

Persönliche Reflexion: Bin ich ein Gefäß zur Ehre?

Wir befinden uns also im Kontext der Gemeinde und lesen Verse, die an Timotheus gerichtet sind. Diese Verse sollen ihm auch eine Ausrichtung geben.

Wir lassen das Bild auf uns wirken: In einem großen Haus gibt es nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene. Die einen sind zur Ehre, die anderen zur Unehre bestimmt. Dieses Bild spricht in seiner Aufrichtigkeit zu uns. Wir fragen uns: Bin ich ein Gefäß zur Ehre? So wie es in Vers 21 heißt: Bin ich dem Herrn nützlich? Bin ich jemand, der zu jedem guten Werk zubereitet ist?

Gleichzeitig lesen wir Vers 21 und verspüren einen brennenden Wunsch. Ja, ich habe diesen Wunsch. Gleichzeitig sehe ich mein Versagen, doch dieser Wunsch bleibt bestehen, irgendwie auch ein Gefäß zur Ehre zu sein, ein Gefäß, das nützlich ist. Ich möchte dem Hausherrn nützlich sein. Ist das nicht auch dein Wunsch? Ich möchte dem Hausherrn nützlich sein.

Wenn das dein Wunsch ist, dann ist die Anwendung klar: Du musst dich von diesen Dingen und auch von Menschen wie Hymenäus und seinem Partner abwenden. Du musst dich von diesen Einflüssen distanzieren, die mit der Zeit wachsen und dich wegbringen von dem einen Ziel, ihm nachzufolgen.

Es ist ganz interessant, ob ihr den Gegensatz in Vers 19 und Vers 22 seht. In Vers 19 heißt es: Jeder, der den Namen des Christus nennt, soll sich von der Ungerechtigkeit abwenden. Und in Vers 22 schreibt Paulus: Wende dich von der Ungerechtigkeit ab und jage der Gerechtigkeit nach.

Wir sehen also, wie Paulus um Timotheus kämpft. Das ist eigentlich der Unterton. Er kämpft um seinen lieben geistlichen Sohn. Paulus wird bald sterben, er liebt Timotheus, er liebt die Gemeinde, und er arbeitet an Timotheus, um ihn zurechtzubringen und ihn in seinen von Gott gegebenen Dienst zu führen.

Wir sehen hier einen Aufruf der Liebe. Das ist Liebe. Timotheus ist in Gefahr. Es gibt Irrlehren und Menschen, die sich Christen nennen, aber komplett falsche Lebenswege gehen. Es kann sein, dass diese falsche Freiheit mancher Christen dich dazu bringt, dieser Freiheit zu folgen und das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren.

Das ist der Grund, der Punkt: Paulus sagt, du musst Abstand nehmen und diesem einen Ziel nachfolgen.

Timotheus’ persönliche Kämpfe und der Aufruf zur Gemeinschaft

Vers 22: Timotheus hatte offenbar persönliche Probleme mit seinen jugendlichen Lüsten. Es gab eine Spannung, in der Timotheus stand – auch im ersten Timotheusbrief wird erwähnt, dass man ihn nicht wegen seiner Jugend verachten soll. Er war von Gott berufen und eingesetzt, aber aufgrund seines jungen Alters wurde ihm wahrscheinlich nicht so viel Vertrauen entgegengebracht, wie es eigentlich gebührt hätte.

Timotheus befand sich in der Spannung, zu zeigen, dass er trotz seiner Jugend ein Vorbild im Glauben und in all den Dingen sein kann, die im ersten Timotheusbrief genannt werden. Er war noch jung, galt als jung und kämpfte mit jugendlichen Lüsten. Gleichzeitig war er ein Leiter. Wir sehen also, dass Timotheus zu kämpfen hatte. Er kämpfte, doch in Kapitel 1 wird deutlich, dass er aufrichtig war. Er hatte einen ungeheuchelten Glauben, meinte es ernst und wollte es gut machen. Dennoch lasteten die Schwierigkeiten seiner Jugend noch an ihm. Paulus musste aus Liebe genau dort ansetzen.

Es ist schwer zu sagen, was genau mit „jugendlichen Lüsten“ gemeint ist. Hier zitiere ich John MacArthur, was uns helfen kann, weiter zu denken. Denn „jugendliche Lüste“ sind sehr breit gefächert und jeder hat dazu eigene Vorstellungen. John MacArthur schreibt: Aus Sicht des Apostels war Timotheus noch relativ jung. In seinem Alter stand er durchaus in Gefahr, von seinen jugendlichen Lüsten übermannt zu werden – eine Versuchung, die typisch für junge Menschen ist.

Diese Lüste beziehen sich nicht nur auf sexuelle Begierden, sondern umfassen auch Stolz, Streben nach Macht und Reichtum, unbeherrschte Ambitionen, Eifersucht, Neid, einen streitsüchtigen Geist, der sich selbst gerne reden hört, und viele andere Lüste. Zitat Ende.

Was John MacArthur hier aufzählt, sind Dinge, bei denen Christen, die bereits reifer sind, oft schon viel mehr durch eine Charakterschule gegangen sind. Wenn man jung im Glauben ist, hat man oft noch Ecken und Kanten. Tag für Tag wird man verwandelt in das Ebenbild Christi. Wenn man jung ist, hat man vielleicht noch das eine oder andere an sich selbst zu bearbeiten – sei es in Bezug auf Lüste oder andere Schwierigkeiten, die jeder Einzelne hat. Bei Timotheus waren es eben die jugendlichen Lüste. Vielleicht ist es bei dir ein ganz anderes Kampfgebiet – etwas, das dich stolpern lässt und deine Lebensziele beeinflusst.

Was sollte Timotheus tun? Das finde ich ganz interessant. Er sollte sich reinigen von den Gefäßen der Unehre – das bedeutet auch von sich selbst (Vers 22). Aber auch von schlechtem Umgang. Und was soll er außerdem tun? Vers 22 sagt: Er soll sich Vorbilder suchen, Menschen, die einen guten Einfluss auf ihn haben.

Denn er sagt: Fliehe diese Dinge und jage dem Glauben und der Gerechtigkeit nach, mit wem? Mit Leuten, die ein reines Herz haben und Christus aufrichtig folgen. Er sagt: Häng dich an diese Leute. Vielleicht ist das genau das, was in Hauskreisen passiert. Umgib dich mit Menschen, die denselben Wunsch wie du haben, denn das wirkt positiv auf dich. Es hat einen positiven Einfluss, man ermutigt sich gegenseitig und hilft sich, wo Schwächen sind. Dieser Appell an Gemeinschaft ist genau das, was Timotheus braucht.

Weg von den Menschen, die dich schlecht beeinflussen – Menschen, die sich zwar Christen nennen, aber in ihrem Leben Ziele verfolgen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht wie Sünde wirken, die aber deinen Eifer dämpfen. Du fühlst dich vielleicht wie ein Extremist in ihrer Gegenwart und machst es etwas ruhiger. Und plötzlich bist du mit Leuten unterwegs, die auch brennen, und das ermutigt dich einfach.

Das sind ziemlich klare Anwendungen für uns, die uns auch prüfen lassen. Ich möchte aber, und das ist mir sehr wichtig, langsam zum Schluss kommen und trotzdem den weiteren Kontext betrachten, um uns zu ermutigen. Das ist nämlich sehr wichtig.

Paulus meint es ernst, weil er auf Timotheus schaut und ihn unterstützen will, seine große Berufung zu erfüllen. Es ist also sehr ernst, was wir hier gelesen haben. Aber wir wollen den weiteren Kontext nicht auslassen, der ermutigend ist.

Es ist durchaus möglich, dass du mit deinen Lüsten, Schwachheiten oder Lebenseinstellungen kämpfst, die nicht auf Gottes Ehre ausgerichtet sind. Gleichzeitig möchtest du ein nützliches Gefäß sein – so wie Timotheus kämpfst du vielleicht und bist verzweifelt, wenn du auf dich selbst schaust.

Vielleicht willst du es wirklich und siehst deine jugendlichen Lüste oder andere Schwierigkeiten, die dich verzweifeln lassen. Dann hörst du diese klaren, kompromisslosen Aussagen von Paulus, die sagen: Wenn du dich nicht reinigst, bist du ein Gefäß zur Unehre – gerettet, aber unbrauchbar.

Diese Wahrheit kann erdrücken. Es erdrückt uns, wenn uns der Spiegel vorgehalten wird und gesagt wird: Ändere dich jetzt, sonst bist du ein Gefäß zur Unehre. Diejenigen, die ihre Sünde gut kennen, fühlen sich erdrückt, weil sie es eigentlich wollen, es aber nicht in den Griff bekommen.

Ermutigung im Prozess: Gnade und Ausdauer im Glauben

Der weitere Zusammenhang zeigt deutlich, dass Timotheus trotz all seiner Kämpfe und Schwächen weitermachen soll. Er wird ermutigt, nicht aufzugeben. Wir werden gleich noch etwas näher darauf eingehen, aber zunächst sehen wir klar: Timotheus soll weitergehen.

Timotheus war ein junger Christ, vermutlich zwischen dreißig und vierzig Jahren alt. Er befand sich in einem Prozess. Dieser Prozess bedeutete, sich vom perfektionistischen und erdrückenden Christentum zu lösen. Stattdessen sollten wir uns von einem Timotheus ermutigen lassen, der noch nicht perfekt ist, bei dem vieles noch nicht passt und der durchaus an seinen Baustellen arbeiten muss.

Auf der einen Seite gibt es also die Herausforderungen, auf der anderen Seite steht Paulus, der ihn antreibt und sagt: Mach weiter! Mach weiter, auch wenn vieles noch nicht gut ist. In 2. Timotheus 1,6 heißt es: „Fache deine Gabe an.“ Timotheus wird als ein nützliches Werkzeug bezeichnet, auch wenn er noch mit seinen jugendlichen Lüsten kämpft. Paulus fordert ihn auf, die Gabe nicht erlöschen zu lassen, sondern sie anzufachen und weiterzumachen.

Das ist die Ermutigung: Fache deine Gabe an! Doch Timotheus könnte antworten: „Aber ich bin doch so schwach und ängstlich, und ich bekomme meine Lüste nicht in den Griff.“ Genau das macht Timotheus aus. Paulus entgegnet in Vers 7: „Gott hat dir doch einen Geist der Kraft gegeben.“ Gott will ihm helfen. Timotheus befindet sich in einem Prozess, aber Gott ist stark in ihm.

Diese Antwort passt auch zu unserem heutigen Bild: Gott ist stark in dir. Klammer dich an ihn, Timotheus. Bitte ihn, dich zu stärken (2. Timotheus 1,7). So wirst du ein Überwinder. Und nicht nur das – das leitet auch Kapitel 2, Vers 1 ein.

Kapitel 2 beginnt mit einem wichtigen Aufruf: „Werde stark in der Gnade!“ Bevor Paulus Timotheus auf seine Fehler hinweist, ermutigt er ihn zuerst, in der Gnade stark zu werden. Das ist die Grundlage für alles, was jetzt kommt.

Timotheus, und auch wir heute, müssen wissen: Wenn du dein Leben betrachtest und deine Seele bedrückt und betrübt ist, dann musst du wissen, dass es genug Gnade für dich und deine Schwäche gibt. Werde stark in der Gnade! Male dir vor Augen, wie viel Gnade es gibt, wie freundlich Christus ist und wie er dich trotzdem ermutigt, weiterzumachen.

Diese Wahrheit wollen wir im Gebet vor Gott erbitten. Wenn uns der Blick fehlt, dann lass uns daran festhalten, dass wir durch Christus vor Gott völlig genügen. Wirklich, wir genügen erst einmal völlig. So werden wir für den Alltag eingesetzt. Gleichzeitig stellt Gott uns, wie bei Timotheus, in einen Prozess. Aber zunächst einmal genügen wir.

Das macht uns frei und froh: Herr, ich genüge erst einmal. Wir wollen stark in der Gnade werden, indem wir uns immer wieder Jesu Freundlichkeit vor Augen malen. Zum Beispiel das Bild, dass er sagt: „Ich vergebe dir sieben mal siebenundsiebzig mal.“ Wie oft müssen wir uns diese Wahrheit immer wieder vor Augen halten. Jesus hat es Petrus gesagt, um zu zeigen, wie oft und wie bereitwillig er vergibt – immer wieder.

Gleichzeitig kommt die Ermutigung aus 2. Timotheus 1,6: Fache deine Gabe wieder an! Sei ein Gefäß zur Ehre, sei nützlich für den Herrn. Manchmal müssen wir in unserem Leben, wie es das Bild heute zeigt, Dinge auch loslassen. Vielleicht sogar Menschen meiden. Aber gleichzeitig wollen wir Gewinner für Menschen sein.

Wenn uns der Einfluss von Menschen zu sehr belastet, müssen wir vorsichtig sein. So können wir unser Leben im Glauben gestalten: Ermutigt, im Prozess, stark in der Gnade und mit der Gabe, die Gott uns gegeben hat.

Abschluss: Sehnsucht, von Gott gebraucht zu werden

Ich schließe mit einem Zitat aus einem Lied, das ich irgendwo entnommen habe. Es ist eine Übersetzung aus dem Englischen und bezieht sich auf folgende Aussage:

„Wenn nun jemand sich von Seuchen reinigt, wird ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich zu jedem guten Werk zubereitet.“

Dieses Lied drückt Folgendes aus: Von Gott gebraucht zu werden – im Gesang, im Reden, im Beten. Von Gott gebraucht zu werden, jemandem den Weg zu weisen.

Ich sehne mich so sehr nach der Berührung seines verzehrenden Feuers. Von Gott gebraucht zu werden, ist mein brennendster Wunsch.

Von Gott gebraucht zu werden – im Gesang, im Reden, im Beten. Von Gott gebraucht zu werden, jemandem den Weg zu weisen. Ich sehne mich so sehr nach der Berührung seines verzehrenden Feuers. Von Gott gebraucht zu werden, ist mein brennendster Wunsch.

„Wenn nun jemand sich von Seuchen reinigt, wird ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und dem Hausherrn nützlich zu jedem guten Werk zubereitet.“