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Gott stellt (gute) Fragen- Du auch?

15.06.2025

Einführung in das Thema Heiligung und persönliche Veränderung

Gemeinsam Glauben Leben

Sie hören den Predigt-Podcast der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde The Rock Christus Kirche aus Berlin-Spandau. Ich habe eine Predigt für euch vorbereitet, die thematisch in den Bereich der persönlichen Heiligung gehört. Man muss sagen, das ist ein Thema, das man leicht übersehen kann, weil es kein direktes Gebot dazu gibt.

Also, was ist Heiligung? Heiligung bedeutet, dass ich mich im Laufe meines Lebens, wenn ich mit Jesus lebe, Stück für Stück charakterlich verändere. Natürlich betrifft das nicht nur meinen Charakter tief innen drin, sondern auch mein Verhalten. Denn nur etwas zu wissen reicht nicht aus; wir müssen es auch tun. Wissen ohne Tun ist in der Bibel nicht besonders gut bewertet. Es wird entweder als Unreife oder als Heuchelei angesehen, und das sollten wir vermeiden.

Als Christen sind wir dazu aufgerufen, der Heiligung nachzujagen. Das heißt, wir sollen immer ein kleines Stück mehr so werden wie Jesus. Wir haben Zeit, ein ganzes Leben lang, um das zu tun. Das ist nicht der Punkt, aber wir sollen uns stetig weiterentwickeln.

Wenn wir uns verändern wollen, durchlaufen wir eine Entwicklung. Früher haben wir vielleicht geklaut, heute machen wir das nicht mehr. Früher haben andere etwas weggenommen, heute arbeiten wir fleißig, um anderen Dinge geben zu können. Früher haben wir schlecht über Leute geredet, heute tun wir das nicht mehr. Heute loben wir, ermutigen und freuen uns über Geschwister, die sogar begabter sind.

Deswegen können wir so eine Jenny feiern. Wir freuen uns alle, und niemand muss denken: „Das ist doof, ich hätte auch gerne so einen.“ Häng dich rein, in zehn Jahren bekommst du auch so einen Korb. Wir sind ganz offen für jeden. Früher waren wir nicht so nett, heute werden wir einfach immer ein Stück netter. Das ist Heiligung. Es ist nicht kompliziert und sollte sich im Leben eines Gläubigen abspielen.

Die Frage ist: Woher weiß ich, wohin ich mich verändern soll? Bei Themen wie nicht mehr klauen, sondern fleißig arbeiten, oder nicht mehr lästern, sondern nett über Leute reden und loben, ist das relativ einfach. Denn dazu gibt es klare Gebote in der Bibel.

Vor kurzem bin ich jedoch auf einen Aspekt zum Thema Heiligung gestoßen, zu dem es kein direktes Gebot gibt. Also etwas, wo ich von hier vorne nicht einfach sagen kann: „Ändere dich!“ Die Predigt ist dazu da, dass du dich änderst, und vielleicht fragst du dich: „Wo steht das in der Bibel?“ Ich kann dir zeigen, an welcher Stelle ich auf das Thema gestoßen bin, aber ein direktes Gebot gibt es dazu eigentlich nicht.

Was es in der Bibel gibt, ist eine Beschreibung, dass die Sache für Gott typisch ist. Immer wenn etwas für Gott typisch ist, macht es Sinn, dass wir es imitieren. Der Herr Jesus sagt einmal in der Bergpredigt: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Matthäus 5,48).

Wenn Gott uns etwas im positiven Sinne als Vorbild vormacht, sollten wir das vielleicht nachahmen.

Die Geschichte von Paulus und das Prinzip guter Fragen

Ich zeige euch mal, an welcher Stelle mir das über den Weg gelaufen ist. In der Apostelgeschichte gibt es eine Szene, in der ein Mob den Apostel Paulus lynchen will. Römische Soldaten retten ihn. An dieser Stelle steigen wir jetzt ein: Apostelgeschichte 22, Vers 23.

Dort heißt es: „Als sie aber schrien und die Kleider abwarfen und Staub in die Luft schleuderten, befahl der Oberste, ihn – das ist Paulus – ins Lager zu bringen. Er sagte, man solle ihn mit Geißelhieben ausforschen, damit man erfahre, aus welchem Grund sie so gegen ihn schrien.“

Als sie ihn aber für die Riemen ausgestreckt hatten, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der da stand: „Ist es euch erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, zu geißeln, und zwar unverurteilt?“ Als der Hauptmann das hörte, ging er hin und meldete dem Obersten und sprach: „Was hast du vor zu tun? Denn dieser Mensch ist ein Römer.“

Der Oberste aber kam herbei und sprach zu Paulus: „Sage mir, bist du ein Römer?“ Paulus antwortete: „Ja.“ Darauf sagte der Oberste: „Ich habe für eine große Summe dieses Bürgerrecht erworben.“ Paulus entgegnete: „Ich aber bin sogar darin geboren.“

Sogleich ließen die, welche ihn ausforschen sollten, von ihm ab. Auch der Oberste fürchtete sich, als er erfuhr, dass Paulus ein Römer war und weil er ihn gebunden hatte.

Die Geschichte ist nicht super kompliziert: Paulus verteidigt sich vor dem Mob auf Hebräisch, dringt aber leider nicht zu den Leuten durch. Sie wollen ihn weiterhin umbringen. In Vers 22 lesen wir: „Sie hörten ihm aber bis zu diesem Wort zu und erhoben ihre Stimme und sagten: Weg von der Erde mit einem solchen, denn es darf nicht sein, dass er lebt.“

Das ist der Moment, in dem es dem römischen Obersten in der Garnison in Jerusalem zu brenzlig wird. Er denkt: „Was geht hier ab? Haben wir es gleich mit einem großen Aufstand zu tun?“ Deshalb schnappte er sich eine ordentliche Portion Soldaten und führte Paulus ins römische Lager.

Der Oberste weiß nicht genau, worum es hier eigentlich geht. Er merkt nur, dass die Sache irgendwie brenzlig ist. Also möchte er wissen, was Sache ist. Paulus ist ein ihm unbekannter Jude. Was macht man, wenn man wissen will, worum es geht? Man könnte fragen, aber geißeln tut es auch.

Gesagt, getan. Man fesselt Paulus und will schon mit dem Geißeln anfangen. Geißeln bedeutet, mit einer bösen Peitsche auf jemanden einzuschlagen. Paulus macht jetzt Folgendes: Er beruft sich auf sein römisches Bürgerrecht.

Damit wir verstehen, was das bedeutet – wir sind ja heute nicht mehr in dieser Zeit –, damals war es so, dass Beamte, die gegen einen römischen Bürger vorgingen, bestraft werden konnten. Wenn du kein römischer Bürger warst, galt das alles nicht. Dann konnte man mit dir so ziemlich machen, was man wollte.

Aber in dem Moment, wo du römischer Bürger warst, standest du unter dem Schutz des römischen Rechts. Das war sehr streng. Wenn man gegen einen römischen Bürger einfach so vorging, ohne dass ein Gerichtsverfahren stattfand, konnte man als Beamter strafrechtlich belangt werden. Die Strafen reichten von Amtsverlust bis Verbannung, und es wurde auch das gesamte Vermögen eingezogen.

Hier an dieser Stelle passiert genau das: Körperliche Gewalt gegen einen römischen Bürger ohne vorheriges ordentliches Gerichtsverfahren ist ein schweres Delikt. Das hat gravierende persönliche und rechtliche Konsequenzen für den, der das veranlasst.

Jetzt versteht ihr vielleicht, warum im Text steht, dass dieser Oberste sich fürchtete. Aber wovor fürchtet er sich? Eigentlich war er schon zu weit gegangen. Der Moment, in dem er Paulus fesseln ließ, war bereits eine Freiheitsberaubung. Das war bei einem römischen Bürger ohne vorheriges Urteil rechtswidrig.

Der Moment, in dem wir im Text lesen, dass Paulus für die Riemen ausgestreckt wird – das heißt, man hat ihn mit Lederriemen fixiert, um ihn zu geißeln –, ist der erste Akt der Bestrafung. In diesem Moment überschreitet der Beamte seine Befugnis. Paulus hätte Anklage erheben können, und das hätte ganz übel für den Obersten ausgehen können.

Das hängt natürlich auch davon ab, wer wen kennt. Da spielt sicherlich auch Vitamin B eine Rolle, aber das wusste der Oberste nicht.

So viel zur Vorgeschichte. In diesem Text gibt es einen Wendepunkt. Und nur um diesen Vers geht es mir: Apostelgeschichte 22, Vers 25. Dort heißt es: „Ist es euch erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, zu geißeln, und zwar unverurteilt?“

Diese eine Frage versetzt den Beamten und nicht nur ihn, sondern auch die Soldaten, die dabei stehen, in Aufregung und Angst. „Ist es euch erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, zu geißeln und zwar unverurteilt?“

Mit dieser einen Frage konfrontiert Paulus alle, die da herumstehen, mit ihrem Unrecht. Diese eine, zugegebenermaßen scharfe Frage demaskiert das, was hier passiert: nämlich ein illegales Vorgehen der römischen Soldaten.

Die Kraft und Bedeutung guter Fragen in der Bibel

Da sind wir jetzt beim Thema. Ich möchte mit euch über das Thema „gute Fragen stellen“ sprechen. Warum? Nun, wir haben es gerade gesehen: Eine gute Frage, zur richtigen Zeit eingesetzt, kann ein ganzes Denksystem in seinen Grundfesten erschüttern. Eine gute Frage hat wirklich Kraft.

Wenn man das an einem Beispiel sieht und ein wenig auf der Metaebene darüber nachdenkt, stellt man fest: Das ist total interessant. Gute Fragen finden sich von Anfang an in der Bibel. Schaut mal direkt nach dem Sündenfall, in 1. Mose 3, Verse 8 und 9. Wir haben gerade den Sündenfall betrachtet, da heißt es: „Und sie, also Adam und Eva, hörten die Stimme des Herrn Gottes, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht des Herrn Gottes mitten zwischen den Bäumen des Gartens. Und der Herrgott rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?“

Denkst du dir beim Lesen: Wusste Gott nicht, wo Adam und Eva waren? Die Antwort lautet natürlich: Er wusste es. Gott hätte auch sagen können: „Adam und Eva, ihr seid dort hinten hinter den drei Mammutbäumen.“ Natürlich wusste er, wo die beiden waren. Aber stattdessen stellt er eine Frage.

Lesen wir ein Stück weiter in der Bibel und schauen uns an, was Jesus macht, dann stellen wir fest: Allein in den Evangelien finden sich über dreihundert Fragen. Wenn man diese Fragen liest – das solltet ihr mal machen, mit der Predigt heute im Kopf –, dann fällt auf, wie oft der Herr Jesus Fragen stellt. Es ist eine Frage nach der anderen. Und das nicht, weil er immer Informationen brauchte. Er stellt Fragen aus einem ganz anderen Grund. Da steckt viel mehr dahinter. In diesen Fragen steckt Kraft.

Ich habe ein paar Beispiele mitgebracht, damit wir sehen können, wie oft der Herr Jesus Fragen stellt und was diese Fragen bewirken. Ich könnte diese Beispiele fast beliebig fortsetzen, aber hier einige ausgewählte:

Eine Frage kann jemanden aus der Neutralität zu einer Entscheidung führen. In Johannes 6, Verse 66 und 67 heißt es: „Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?“ Ich hätte mich nie getraut, diese Frage zu stellen, aber das ist eine wirklich relevante Frage. Wie sieht es mit euch aus? Willst du dich heute bekehren? Willst du heute durchstarten? Willst du heute ganz neue Dinge mit Gott machen? Das ist doch mal eine gute Frage.

Oder eine Frage kann einen Denkprozess auslösen. In Lukas 10, Vers 25 heißt es: „Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn und sprach: Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?“ Jesus antwortete: „Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?“ Spannend, fast ein bisschen fies, oder? Nicht direkt zu sagen, was du tun sollst, sondern erst einmal zu fragen, was du selbst weißt und wie du es verstehst.

Eine Frage kann auch Versöhnung und Wiedergutmachung einleiten. In Johannes 21 wird Petrus, der den Herrn Jesus dreimal verleugnet hat, dreimal gefragt. In den Versen 15, 16 und 17 heißt es: „Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“, dann wiederholt er die Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Und zum dritten Mal: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“

Oder du kannst eine Frage stellen, um versteckte Absichten zu offenbaren. Zum Beispiel in Markus 12, Vers 14: „Und sie kommen und sagen zu ihm: Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemand kümmerst. Denn du siehst nicht auf die Person der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht?“ Da er aber ihre Heuchelei kannte, sprach er zu ihnen: „Was versucht ihr mich?“

Fünftens kann eine Frage zur Buße und Umkehr einladen. In Lukas 13 antwortete Jesus: „Meint ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder waren, weil sie dies erlitten? Da ist jemand umgebracht worden während eines religiösen Festes. Glaubt ihr, dass die schlimmer dran waren als ihr? Ehrlich, ist das euer Denken? Die haben es verdient, aber wir nicht? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“

Vielleicht noch ein letztes Beispiel aus Matthäus 9: Natürlich kann eine Frage auch zum Glauben einladen. In Matthäus 9, Vers 28 heißt es: „Als er aber in das Haus gekommen war, traten die Blinden zu ihm, und Jesus spricht zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann?“ Und du denkst dir förmlich: Ja, warum kommen die sonst? Und trotzdem stellt er die Frage noch einmal.

Wie gesagt, ich könnte an dieser Stelle fast beliebig weitermachen. Schnappt euch ein Evangelium, lest es nächste Woche in Ruhe durch und streicht einfach mal alle Fragen an, die der Herr Jesus stellt.

Die Bedeutung von Fragen im Leben von Paulus und im Dialog mit Gott

Weil wir bei Paulus angefangen haben, müssen wir uns nur die Frage stellen: Wie war das denn bei Paulus, als er sich bekehrt hat? Wie ist das abgelaufen? Wer die Geschichte kennt, findet sie in Apostelgeschichte 22. Dort beschreibt Paulus, wie er Jesus vor Damaskus begegnet ist.

Ich lese euch das noch einmal vor, Apostelgeschichte 22, Vers 6: „Es geschah mir aber, als ich reiste und mich Damaskus näherte, dass um die Mittagszeit plötzlich aus dem Himmel ein helles Licht mich umstrahlte. Ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sprach.“ Hier begegnet Paulus also dem Auferstandenen.

Was passiert als Erstes? Was ist das Erste, was geschieht? Paulus stellt ihm eine Frage: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Das ist das Allererste, was passiert. Ist das nicht merkwürdig? Unser Gott ist ein Gott, der Fragen stellt.

Da bringt Kain seinen Bruder Abel um, und Gott fragt ihn: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Obwohl Gott genau weiß, dass Kain ihn verscharrt hat, stellt er die Frage trotzdem.

Dann kommt Hiob für ein Streitgespräch mit Gott, und was sagt Gott? „Wo warst du, als die Erde gegründet wurde?“ Oder Elija, völlig frustriert am Berg Horeb. Gott begegnet ihm mit einer Frage: „Was tust du hier, Elija?“ Eine coole Frage, oder? Warum bist du hier?

Oder Jona in seiner Selbstgerechtigkeit. Gott fragt ihn: „Ist es recht, dass du zornig bist?“ Fragen über Fragen. Unser Gott ist ein Gott, der Fragen stellt.

Warum eigentlich? Habt ihr euch das mal gefragt? Warum stellt Gott so viele Fragen, wenn er die Antworten doch eigentlich schon kennt? Gott ist ja allwissend. Warum stellt Gott also Fragen, wenn er die Antwort schon weiß – und dann auch noch so viele?

Die Antwort auf diese Frage lautet etwa so: Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. Er hat ihn so geschaffen, dass er antworten kann und auch antworten soll. Der Mensch ist im Ebenbild Gottes geschaffen, und das bedeutet: Wir sind auf Beziehung hin angelegt.

Das ist der Clou: Wir sind auf Beziehung hin angelegt. Gott ist ein redender Gott, und er hat uns so geschaffen, dass wir mitreden können. Das unterscheidet uns von den Tieren und den Dingen. Wir können hören, verstehen und antworten.

Das heißt: Der Mensch ist zum Dialog geschaffen. Und deshalb, weil Gott den Menschen ernst nimmt, stellt er ihm Fragen. So eine Frage kann auf die Verantwortlichkeit des Menschen abzielen. Sie kann das Gewissen, den Intellekt und den Willen aktivieren.

Versteht ihr, was ich meine? Versteht ihr wirklich, was ich meine? Fragen sind häufig dazu da, uns mit in die Geschichte hineinzunehmen. Fragen schaffen einen Raum für Buße, für eigene Entscheidungen, für Aha-Momente und für Selbsterkenntnis.

All das schaffen Fragen.

Die praktische Bedeutung guter Fragen für die Heiligung

Kommen wir nun zum Thema Heiligung. Noch einmal: In der Bibel gibt es kein Gebot dazu. Nirgendwo steht zum Beispiel „Jürgen Kapitel drei Vers vier stellt gute Fragen“. Diese Stelle existiert nicht. Ebenso findet sich kein Vers, der sagt: „Lasst euer Zusammenkommen von guten Fragen geprägt sein.“ Hätte ich das gerne zitiert, aber es gibt es nicht.

Und trotzdem, obwohl solche Gebote nicht vorhanden sind, stehe ich hier vorne und sage: Wir müssen lernen, mehr und bessere Fragen zu stellen, wenn wir Gott ähnlicher werden wollen. Gott ist ein Gott, der gute Fragen stellt. Wenn du also sagst, Heiligung bedeutet, Gott ähnlicher zu werden, Jesus ähnlicher zu werden, dann gehört dazu ganz praktisch auch, dass ich es lerne, gute Fragen zu stellen.

Das ist eine tolle Aussage, oder? Ich empfinde sie als großartig. Gottes Ebenbildlichkeit entsteht dadurch, dass ich es lerne, gute Fragen zu stellen. Während ich mich auf diese Stelle vorbereitete, dachte ich mir: Toll, Jürgen, richtig toll! Gut, dass du anfängst, über eine Sache zu predigen, bei der du selbst noch viel lernen musst.

Denn man denkt natürlich, wenn man so etwas formuliert und sagt: „Das ist jetzt eine logische Ableitung aus dem Text, da ist kein logischer Bruch in meiner Argumentation, also müssten wir alle es lernen, gute Fragen zu stellen“, dann darf man sich auch selbst mal fragen: „Sag mal, Jürgen, was machst du eigentlich?“ Dabei stellte ich erstaunt fest, dass ich gar nicht so viele Fragen stelle.

Dann habe ich mir die Fragen angeschaut, die ich so stelle. Die fand ich auch nicht sonderlich gelungen. Das war dann schon ein wenig erschreckend. Es ist interessant, dass ich dieses Thema all die Jahre kaum beachtet habe.

Das kann passieren. Das Schöne im geistlichen Leben ist, dass Gott uns begleitet. Auch wenn wir schon ein paar Jahrzehnte mit ihm unterwegs sind, lässt er uns manchmal auf ein Thema stoßen, bei dem wir denken: „Oh, du bist aber niedlich.“ Und wenn wir genauer hinschauen, merken wir: „Oh, du bist gar nicht so niedlich, du bist eigentlich ziemlich herausfordernd.“

Was tun? Was tun, damit wir bessere Fragen stellen? Ich habe vier Punkte dazu.

Vier Schritte zu besseren Fragen

Erstens – und dieser Punkt klingt völlig banal: Du musst es wollen.

Was meine ich damit? Jetzt wird es etwas unangenehm. Du musst es wirklich wollen. Das bedeutet: Wenn ich eine Frage stelle, dann beende ich meinen eigenen Redebeitrag. Das heißt, wenn ich mich selbst gerne reden höre, werde ich wenig Fragen stellen. Versteht ihr, was ich meine? Wer Fragen stellt, rückt mit der Frage den anderen plötzlich in den Mittelpunkt des Gesprächs – außer bei rhetorischen Fragen, bei denen man keine Antwort erwartet.

Es ist immer so: Ich stelle eine Frage und höre dann auf zu reden. Also ich frage und schweige. Als ich das vor Augen hatte, wusste ich, warum ich so wenig Fragen stelle. Einfach deshalb, weil ich mich selbst so gerne reden höre. Das ist wirklich so. Ich erkläre auch gerne Dinge, und das will ich jetzt nicht schlechtreden. Trotzdem: Du musst es wirklich wollen. Das ist der erste Punkt. Du musst sagen: Ich will auch wirklich eine gute Frage stellen, damit der andere mal etwas sagen darf. Das heißt, ich muss aufhören, selbst zu reden.

Zweitens – und das ist noch unangenehmer: Wer gute Fragen stellen will, der muss vorher gut zuhören.

Ich muss also ein bisschen verstehen, wo der andere eigentlich steht, wie es ihm gerade geht und was er so macht. Denn wenn ich den anderen gar nicht kenne, kann ich keine vernünftige Frage stellen. Und da dachte ich mir: Okay, dann geht es ja eigentlich ums Thema Liebe. Liebe heißt: Ich schaue von mir weg auf den anderen. Liebe bedeutet, ich will nicht immer nur nehmen, ich will geben. Dazu wird uns Aaron demnächst noch viel mehr in der Predigt erzählen – darauf könnt ihr euch schon freuen.

Heute geht es um gute Fragen stellen. Ich habe euch mal die vier fiesesten Zuhörer mitgebracht. Da sind sie: schlechte Zuhörer. Vielleicht erkennst du dich ja wieder. Es gibt Leute, mit denen unterhältst du dich, und du hast keine Lust, ein zweites Gespräch zu führen. Warum?

Da gibt es den Typ Verharmloser. Kennt ihr das? Du hast ein großes Problem, und das Einzige, was er darauf antwortet, geht etwa so: „Ja, so schlimm ist das ja gar nicht. Wenn du mal erlebt hättest, was ich erlebt habe!“ Oder: „Da kenne ich jemanden, dem geht es noch viel schlechter.“

Oder es gibt den Typ Besserwisser. Den finde ich persönlich auch cool. Der hat schon alles erlebt und weiß über alles Bescheid. Du bist gerade dabei, ihm zu erklären, wie es dir geht, und bevor du zu Ende bist, hat er schon eine Lösung parat. Eine Lösung für dich, damit du weißt, was du jetzt tun sollst.

Dann gibt es den Abschweifer. Das ist der, dem du etwas erzählst, und der dann etwas über sich erzählt. Das hat eigentlich nicht viel mit dem zu tun, was du gerade gesagt hast. Da gibt es so einen marginalen Punkt: Ich erzähle zum Beispiel von meinem Ehewochenende, und er sagt: „Ja, ich war auch mal im Hotel frühstücken.“ Okay, schön, dass du zugehört hast, freut mich.

Und dann gibt es den übelsten Typ: den Unterbrecher. Das ist der Typ, bei dem du nicht wagst zu atmen im Gespräch, geschweige denn einen Gedanken vorher vorzubereiten, bevor du ihn aussprichst. Denn du weißt: Wenn ich atme oder ihm auch nur eine Millisekunde zu viel gebe, springt er rein. Er lässt keine Pause zu, ohne sie zu nutzen, um das Gespräch zu übernehmen.

Wenn du so ein Typ bist, kann ich dir jetzt schon sagen: Es wird schwierig, ein guter Fragensteller zu sein, weil du kein guter Zuhörer bist.

Also: Das eine ist, ich muss es wollen. Das zweite ist, ich muss lernen, gut zuzuhören.

Drittens lernen wir, gute Fragen zu stellen, wenn wir uns mit den Fragen in der Bibel beschäftigen.

Deshalb mein Tipp: Studiere doch mal die Fragen in der Bibel. Lies die Evangelien nicht nur, um die Antworten zu sehen, sondern achte auf die Fragen. Ich weiß, wie schwer das ist. Mir geht es ja auch so: Man fliegt über die Frage hinweg, weil man ja die Antwort will. Die Antwort ist das Spannende, die Frage ist doof – da macht man sich keine Gedanken. Schön, dass es die Frage gibt, aber die Antwort ist doch eigentlich relevant.

Mein Tipp: Mach es mal andersherum. Studiere die Fragen und frage dich dabei: Warum stellt der Herr Jesus diese Frage in den Evangelien? Du wirst ein guter Fragensteller, wenn du dich damit beschäftigst, wie ein anderer das macht.

Viertens: Schau dir an, wie du mit den Fragen umgehst, die Jesus dir stellt.

Wir kommen jetzt in den Bereich der persönlichen Anwendung. Ich setze etwas voraus. Wenn das für dich nicht gilt, musst du es ändern. Ich setze voraus, dass du am besten jeden Tag genug Zeit mit der Bibel verbringst, um zu hören, was Gott dir sagen will. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich dir nicht helfen, denn dann hast du nicht hingehört und auch die Fragen nicht wahrgenommen.

Wenn ich aber voraussetze, dass wir alle einen regelmäßigen persönlichen Umgang mit der Bibel haben, dann wird Folgendes passieren: Wir lesen Texte, und diese Texte sprechen uns an, berühren uns. Es sind Texte, bei denen wir den Eindruck haben, Gott möchte in unser Leben hineinsprechen.

Die Frage ist jetzt: Wie gehst du damit um? Lässt du dich überhaupt noch von einer Frage berühren?

Ganz persönlich gesagt, weil ich ein großer Freund von Heiligung bin: Wo hat Gott dich in der letzten Woche durch sein Wort berührt? Genauer gesagt ist es der Heilige Geist, der durch das Schwert des Geistes, also das Wort Gottes, wirkt. Wo war das? Wenn dir nichts einfällt, dann überlege auf einer Metaebene, warum dir nichts einfällt. Gott möchte in dein Leben sprechen, er möchte dir Fragen stellen, die dich herausfordern.

Wenn wir vor den Fragen, die Gott uns stellen will, davonlaufen, dann wird das etwas mit unserer Liebe zu Fragen machen. Dann werden wir keine guten Fragensteller sein. Das wird nicht funktionieren.

Also vier Punkte, die mir wichtig geworden sind:

Erstens: Will ich überhaupt gute Fragen stellen oder gefalle ich mir als der große Schweiger, der ständig quatscht und sich nicht wirklich einbringt?

Zweitens: Kann ich gut zuhören? Oder bin ich einer von denen, die schon genervt sind, wenn der andere nur den Mund aufmacht, weil es mir eigentlich völlig egal ist, was du mir zu sagen hast? Weil du mich sowieso nicht interessierst. Ich bin hier der Mittelpunkt, nicht Jesus. Gib mir Raum, über mich zu reden, aber halt die Klappe. Ist das bei dir auch nur ein bisschen so?

Drittens: Bin ich jemand, der offen ist, sich anzuschauen, wie der Herr Jesus Fragen einsetzt? Wenn wir das lernen wollen, müssen wir uns anschauen, wie er es macht. Nimm dir doch mal nächste Woche Zeit. Liest du immer noch zehn Kapitel pro Tag? Das ist zwar ein bisschen viel, aber ein cooler Bibelleseplan. Lies ein paar Kapitel pro Tag, fang mit den Evangelien an, und schau, ob da Fragen drin sind. Wenn du die Fragen findest, denke darüber nach: Warum stellt der Herr Jesus diese Frage? Was bewirkt er damit? Wie könnte ich von ihm lernen?

Viertens: Lass ich mich selbst noch hinterfragen? Gibt es das eigentlich noch, dass Gott mich hinterfragen darf? Oder bin ich so selbstgerecht, so hochmütig und dumm, dass ich denke: Ich bin eigentlich fertig, bei mir muss ich jetzt nichts mehr tun?

Abschluss: Was macht eine gute Frage aus und persönliche Ermutigung

Wie gesagt, das Thema „gute Fragen stellen“ kam ganz harmlos über eine andere Geschichte vorbei. Und plötzlich denkst du dir: Da hätte ich auch schon vor zwanzig Jahren mal drüber nachdenken können.

Damit kommen wir zum Schluss: Was macht eine gute Frage aus? So eine „Jesusfrage“, sagen wir es einfach mal so, ist einerseits mutig. Das ist keine banale Sache wie: „Sag mal, wie warm ist es draußen?“ oder „Warst du schon schwimmen dieses Jahr?“ Das ist jetzt nicht so mutig.

Eine gute Frage ist liebevoll, hat den anderen im Blick und ist irgendwie herausfordernd. Sie öffnet den Raum für Begegnung – entweder mit der Wahrheit, mit sich selbst oder mit Gott.

Und das Coole ist: Wir feiern ja heute das Zehnjährige von Jenny. Wisst ihr, was ihr von ihr lernen könnt? Außer Treue? Wie man Fragen stellt. Viele von euch treffen sich mit ihr, und sie ist so jemand, der wirklich ein Herz für Menschen hat. Ihr müsst mal zuhören, wie sie euch Fragen stellt.

Wenn du dir die Frage stellst, warum du so gerne bereit bist, ihr dein Herz zu offenbaren – das passiert ja –, du quatschst und plötzlich stellst du fest, sie weiß alles von dir. Wie kommt das? Ganz einfach: Sie stellt die richtigen Fragen. Lernt das von ihr!

Machen wir ein Seminar dazu, das wäre wirklich cool.

Also, was macht eine gute Frage nach Jesusart aus? Sie ist mutig, liebevoll, herausfordernd und öffnet den Raum für Begegnung – und zwar mit der Wahrheit, mit mir selbst und mit Gott.

So, ich wollte euch heute zwei Dinge sagen. Erstens: Heiligung ist nicht immer eine Sache von Geboten und Verboten. Sehr oft ist es das, aber manchmal ist es auch so, dass ich mir anschaue, wie Gott tickt, was Gott tut, wie Gott ist – und dann versuche ich, ihn in seinem Umgang mit Menschen zu imitieren.

Zweitens: Wenn wir Jesus ähnlicher werden wollen, wenn wir in der Heiligung vorankommen wollen, dann müssen wir lernen, gute Fragen zu stellen. Fragen, die mutig sind, liebevoll, herausfordernd und weiterführend.

Und wenn du jetzt sagst: „Was soll ich denn jetzt tun?“ – keine Ahnung, woher soll ich wissen, was du jetzt tun sollst? Ich kann dir sagen, was ich getan habe.

Wenn ich einem Thema begegne, bei dem ich denke: „Jürgen, da stehst du noch ganz am Anfang“, dann nehme ich dieses Thema und setze es auf eine Gebetsliste. Ich habe das auf meine Freitagsgebetsliste gesetzt. Also jeden Freitag kommt jetzt das Thema „Lerne, gute Fragen zu stellen“ dran. Und immer freitags werde ich dafür beten, dass ich lerne, gute Fragen zu stellen.

Das bedeutet: Einmal in der Woche denke ich über das Thema nach. Und ich bin sicher, wenn ich in den nächsten Wochen und Monaten immer freitags dafür bete, dass ich es lerne, dann wird irgendwann der Geist Gottes kommen und sagen: „Hey, wir könnten mal was probieren.“

Oder er wird mich vielleicht, während ich mich mit einem von euch unterhalte und mal wieder meinen Monolog starte, von hinten auf die Schulter tippen und sagen: „Jürgen, beten wir eigentlich immer noch dafür, dass du das mit den guten Fragen machst? Oder stand da, ich will gute Monologe halten?“

Ich bin mir sicher, der Geist Gottes wird mir helfen, dass ich mich da verändere. Und ich bin mir ganz sicher, wenn ihr bereit seid, euch ändern zu lassen, wird er das auch tun.

Amen. Vielen Dank fürs Zuhören.

Alle Informationen zu unserer Gemeinde finden Sie im Internet auf www.weil-gott-dich-liebt. Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen. Bis zum nächsten Mal.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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