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Gestärkt durch Gewissheit

Ich brauche Verstärkung, Teil 2/4
12.05.2024Kolosser 2,1-3
SERIE - Teil 2 / 4Ich brauche Verstärkung
Glaubst du, dein Glaube hält auch den größten Stürmen stand? Wie kannst du in unsicheren Zeiten echte Gewissheit finden? Drei Wege führen dorthin: Gebet als geistlicher Kampf, Liebe als Kraftquelle in Gemeinschaft und vor allem Jesus Christus selbst – die Quelle aller Weisheit und Erkenntnis. Warum stärkt der Blick auf Jesus mehr als der auf uns selbst? Entdecke, wie dieser Fokus deinen Glauben festigt und Hoffnung schenkt.

Diese wunderbare Zeit geht zu Ende. In diesem Gottesdienst haben wir das bereits durch die Wortbeiträge und Gebete gespürt und gehört.

Wir werden auseinandergehen, jeder an seinen Ort, an seinen Arbeitsplatz, in seine Familie. Was nehmen wir mit? In dieser Reihe „Hilfe, ich brauche Verstärkung“ haben wir verschiedene Themen durchgegangen. Wir sind gestärkt durch den Glauben, gestärkt durch den Mittler, gestärkt durch den König, gestärkt durch das Wort und gestärkt durch den Geist.

Heute enden wir mit dem Thema „gestärkt durch Gewissheit“. Ich glaube, diese Gewissheit brauchen wir gerade in ungewissen Zeiten.

Der Text, der dieser Predigt zugrunde liegt, findet sich im Kolosserbrief, Kapitel 2, Verse 1-3. Paulus schreibt: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters und des Christus, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.“

Dieser letzte Vers ist uns allen so bekannt: In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Halleluja!

Herausforderungen und Ermutigung im Glauben

Letztes Jahr im März war ich auf einer Missionsreise in Brasilien. Wir, als Arche Missionswerk, unterstützen dort schon seit Jahrzehnten verschiedene Gemeinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Kleinstadt Lajeado im Bundesstaat Rio Grande do Sul.

Dort gibt es eine wunderbare Gemeinde, mit der wir seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden sind. Diese Gemeinde leistet sehr gute Arbeit in den Favelas, besonders unter armen Menschen, und verkündet das Evangelium klar und deutlich. Ein wunderschöner Gemeindesaal gehört ebenfalls dazu.

Kaum waren wir zurückgekehrt, erhielten wir wenige Wochen später die Nachricht, dass dort eine Überschwemmung stattgefunden hatte. Die Gemeinde liegt nicht weit von einem Fluss entfernt. Der langjährige Missionar, der dort seit Jahrzehnten im Dienst ist, berichtete uns, dass er eine solche Flut noch nie erlebt habe. Das Wasser stand im Gemeindesaal etwa bis zur horizontalen Linie des Kabelkanals. Alle Sachen waren verschlammt, wie wir es von solchen Situationen kennen.

Wir haben gebetet, ihnen Hilfe zukommen lassen, doch leider sind auch Menschen zu Schaden gekommen. Einige wurden in ihren Holzhütten weggeschwemmt. Ein paar Wochen später bekamen wir erneut die Nachricht, dass es wieder eine Flut gab – diesmal sogar etwas höher. Wieder haben wir gebetet und gespendet, und die Gemeinde hat den Schlamm entfernt.

Kurz darauf erhielten wir die Nachricht, dass ein Zyklon über das Kinderdorf gezogen war, das Kinderheim beschädigte und die Dächer abgedeckt hatte. Vor kurzem kam Pastor Daniel Fisch zu Besuch bei uns in der Arche. Nun ist er zurückgekehrt und wieder ist der Fluss über die Ufer getreten. Dieses Mal stand das gesamte Kirchengebäude vier bis fünf Meter hoch unter Wasser. Die Stühle, die sie auf der Empore zu retten versucht hatten, waren ebenfalls verschlammt.

Dieser starke Mann, ein gestandener Pastor, stand da mit Tränen in den Augen und sagte: „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr.“ In der Region sind über hundert Menschen ums Leben gekommen. Vielleicht habt ihr es auch in den Nachrichten gehört. Wasserfluten sind sehr gefährlich.

Wir haben solche Ereignisse auch im letzten Jahr in Deutschland erlebt. Ihr, die ihr im Einsatz für die öffentliche Sicherheit, die Feuerwehr und bei Notfällen tätig seid, wisst, wie unbändig die Gewalt des Wassers sein kann. Manchmal drückt der Wasserdruck auf ein Haus, und es hält stand. Doch wenn die nächste Flut kommt, und noch eine danach, kann irgendwann auch das stabilste Haus diesem Druck nicht mehr widerstehen.

Ähnlich verhält es sich mit unserem Glaubenshaus. Jesus hat gesagt: Wer sein Leben auf Sand baut, dessen Haus wird fallen, wenn Regen und Sturm kommen. Aber wer sein Haus auf den Felsen gründet – und damit meint er sich selbst, denn er ist der Fels – der wird Bestand haben.

Auch geistlich gesehen haben wir ein Haus, das Angriffen und Stürmen ausgesetzt ist. Ich kann mir vorstellen, dass wir gestärkt aus der Gemeinschaft und dem Wort Gottes hervorgehen, voller Zuversicht. Doch wenn wir zurückkehren, kommen wieder Sturm, Regen und Flut. Die Flut steigt vielleicht langsam, wird aber zu einem reißenden Strom, der unseren Glauben ins Wanken bringen will.

Heute Morgen wollen wir uns durch eine Gewissheit stärken lassen, die Gott uns gibt. In dem gelesenen Text finden wir diesen wunderbaren Abschlussvers: „In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“

Das ist eine überwältigende Wahrheit, wenn wir sie auf uns wirken lassen. In ihm ist alles, er ist alles in allem. Alle Schätze der Weisheit und alle Erkenntnis finden wir in ihm. Diesen Schatz wollen wir gerne heben.

Der Kontext des Kolosserbriefes und Paulus’ Fürsorge

Doch um diesen Vers besser zu verstehen, wollen wir uns den Kontext anschauen. Das ist immer wichtig: Kontext, Kontext, Kontext. Man sollte Verse nicht aus dem Zusammenhang reißen.

Hier lesen wir von der großen Fürsorge, die der Apostel Paulus für die Gläubigen in Kolossä hat. Sein Anliegen ist, dass die Christen in dieser Gegend – die er übrigens persönlich nie besucht hatte, da es eine Gemeindegründung von Ephesus aus war – mehr ins Landesinnere hinein gestärkt werden.

Er wünscht sich, dass diese Gläubigen eine völlige Gewissheit haben. In Vers 2 sagt er, dass er sich wünscht, dass sie mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden. Mit anderen Worten: Er möchte, dass sie standhaft und fest im Glauben sind, sodass ihr geistliches Haus weder bei Wind noch bei Sturm Schaden nimmt.

Wir fragen uns: Wie können die Christen in Kolossä, und wie können wir, wie kannst du zu einer solchen Glaubensgewissheit gelangen? Drei Punkte sind dabei wichtig.

Erstens: Gewissheit durch Gebet.

Gewissheit durch Gebet

Der Apostel ringt so sehr um die Menschen in Kolossä, dass er eine Last auf seinem Herzen spürt. Er schreibt in Vers 1: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch.“

Er hat einen großen inneren Kampf um seine Geschwister im Glauben. Er fühlt sich, als sei er in einem Gefecht, in einer Schlacht. Er ringt um die Festigkeit seiner Glaubensgeschwister. Diese Festigkeit empfindet er als äußerst notwendig, denn in Kolossä versuchen Irrlehrer, die Gemeinde zu unterwandern. Sie wollen die Christen für heidnisch-gnostisches Gedankengut gewinnen. Das ist eine große Gefahr für den Apostel.

Es ist wie mit einem Sturm: Er drückt leicht gegen das Haus. Wenn nichts unternommen wird und die Gefahr nicht unterbunden wird, wird das Haus letzten Endes weggerissen.

Wir wissen, dass der Apostel, wenn er hier schreibt „Ich möchte, dass ihr wisst, welchen großen Kampf ich habe“, nicht nur hier einen Kampf kämpft. Sein Leben ist von lauter Kämpfen geprägt. Er war im Gefängnis um des Evangeliums willen, wurde geschlagen und gepeitscht. Er litt körperliche Leiden, wäre mehrfach beinahe getötet worden, war schiffbrüchig und gesteinigt. Vielfach war er am Rand des Todes.

Doch nicht nur körperlich, auch psychisch stand er unter großem Druck. Zu den Korinthern kam er, wie er schreibt, in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern – ein Ausdruck seiner Ermattung. Nach all den Verfolgungen an den einzelnen Stationen, die er zuvor besucht hatte, sagt er: „Ich kam zu euch, ich war fertig, fertig mit der Welt.“

Über all dem lastet eine Bürde auf seinem Apostel- und Hirtenamt. Diese belastet mehr seine Seele als seinen Körper. Er kämpft gegen falsche Lehrer. Er zieht buchstäblich in die Schlacht. Das können wir uns heute kaum noch vorstellen, mit welcher Entschlossenheit er sich gegen falsche Lehren engagiert, die die Kinder Gottes vom Evangelium Jesu Christi wegziehen wollen.

Er kann nicht tatenlos zusehen, wie seinen Geschwistern ihre Heilsgewissheit durch Zweifel oder schwierige Lebensumstände abhandenkommt. Aber nicht, weil er sich als Gelehrter einen Namen machen will, sondern weil ihm diese Seelen, die ihm anvertraut sind, so sehr auf dem Herzen liegen. Er gibt sich selbst für sie hin.

So ringt er mit Gott um die Festigkeit seiner Glaubensgeschwister. Es ist ein geistlicher Kampf, wie er sagt: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich kämpfe um euch.“ Es geht hier nicht um Nebensächlichkeiten, sondern um Leben und Tod.

Eine große Bürde, eine hohe Priorität erringt darum, dass in Vers 2 ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden. Er kämpft dafür, dass sie gewiss in ihrem Glauben sind.

Wie führt er diesen Kampf? Vor allem im Gebet. Denn bereits in Kapitel 1, einige Verse vorher, schreibt er: „Deshalb hören wir auch seit dem Tag, da wir es vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, damit ihr des Herrn würdig wandelt und ihm in allem wohlgefällig seid.“

Wesentlicher Bestandteil seines Kampfes ist also das Gebet für die Kolosser. Es ist, als ob er sagt: „Ich will aber, dass ihr wisst, welchen großen Kampf ich im Gebet um euch habe.“

Deshalb fand ich es wunderbar ermutigend, die Brüder hier vorne beten zu sehen. Das Gebet ist unser Kampffeld. Jesus ruft uns nicht zu den Waffen, er ruft niemanden zur Gewalt auf, sondern in einen geistlichen Kampf.

Dieser geistliche Kampf wird mit den Waffen des Gebetes geführt. Deswegen erlangen wir Festigkeit, indem wir beten, indem wir den Herrn bitten, dass er eingreift. Wir beten für unsere Polizeikolleginnen und -kollegen, für die Feuerwehr. Wir beten, dass der Herr sie zum Thron Gottes führt, dass sie Jesus Christus erkennen und Hoffnung in dieser Welt haben.

Wir beten für unsere Familienangehörigen, für unsere Kinder, dass der Herr sie retten möge. Wir beten für unsere Enkelkinder, für unsere Gemeinden. Wir beten dafür, dass das Evangelium von Jesus Christus wieder auf den Leuchter gestellt wird.

Wir wollen uns mit dem Apostel Paulus eins machen und sagen: Nein, es ist nicht egal, welche Botschaften von den Kanzeln verkündigt werden. Es ist nicht egal, welche liberalen Lehren in die Gemeinden hineinschwappen. Das darf uns nicht gleichgültig sein.

„Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch.“ Mein Gebet ist, dass Gott unser Land erweckt, wieder ganz neu erweckt.

Wir haben riesige Probleme, große Herausforderungen. Heute Morgen beim Frühstück und in Gesprächen mit euch kam immer wieder die Frage auf: Was machen wir mit der großen Zuwanderung und den damit entstehenden Problemen? Was wollen wir tun?

Wollen wir den Kopf in den Sand stecken? Nein. Die Antwort ist Jesus Christus allein.

Ich erinnere mich daran, dass in unserer Gemeinde in Hamburg Menschen aus über 50 verschiedenen Nationen zusammenkommen. Wenn man an einem Sonntagmorgen in unseren Gottesdienst kommt, sieht man, wie Menschen aus allen Völkern gemeinsam Gott anbeten.

Das zeigt, welche Kraft das Evangelium von Jesus Christus hat. Diese Menschen sind in ihrem Herzen verändert, sie leben in Frieden miteinander. Das schafft keine Politik, keine Regierung – das schafft nur Gott.

Dafür wollen wir beten. Wir wollen nicht die Arme verschränken und den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Oh, unser Land geht unter.“ Nein, die Antwort ist Jesus Christus, die Liebe Gottes in Jesus.

Ihn wollen wir verkündigen und in den Mittelpunkt stellen. Das ist ein Kampf – ein Kampf, aber nicht mit Waffen, sondern ein Kampf im Gebet.

Je mehr wir dafür beten, desto völliger wird unsere Gewissheit: Jawohl, da ist Hoffnung.

Das wünsche ich mir persönlich als Pastor, als Familienvater, als Ehemann. Aber das wünsche ich auch euch allen, den Christen in Deutschland, dass wir mit Freude und Zuversicht auf unseren Herrn Jesus Christus blicken, denn er hat die Antwort für die Nöte dieser Welt.

„Ich will aber, dass ihr wisst, welchen großen Kampf ich habe“, sagt er. Aber dieser Kampf wird geführt im Gebet.

Gewissheit durch Liebe

Zweitens gibt es Gewissheit durch Liebe, nach der ersten Gewissheit durch Gebet. Paulus schreibt dazu noch einmal, wie wir im Text in Vers 1 und 2 lesen: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich um euch und um die in Laodizea habe, die mich nicht von Angesicht gesehen haben.“

In Vers 2 fährt er fort: „Damit ihre Herzen ermutigt werden, wie denn in Liebe zusammengeschlossen.“ Durch Ermutigung und Zusammenschluss erhalten wir Gewissheit im Glauben. Wenn wir also auseinandergehen, in den Alltag zurückkehren und vielleicht Zweifel oder Nöte auftreten, hat uns Gott neben dem Gebet auch die Liebe als Mittel zur Ermutigung gegeben. Darüber schreibt Paulus hier.

Er möchte, dass die Herzen der Kolosser ermutigt werden, indem sie in Liebe zusammengeschlossen sind. Doch was bedeutet Ermutigung? Ermutigung ist nicht nur ein einfaches Schulterklopfen oder eine Floskel wie „Das wird schon wieder“ oder „Du schaffst das“. Solche Worte sagen wir oft, wenn uns selbst die Worte fehlen.

Biblische Ermutigung geht jedoch viel tiefer. Sie bedeutet, bewusst mit jemandem den Weg gemeinsam zu gehen und ihn auf der Pilgerschaft zu stärken. Ermutigung heißt, einem Durstigen einen Schluck Wasser zu reichen, einem Schwachen das Brot des Lebens zu geben, jemandem zu helfen, den schweren Rucksack zu tragen, wenn er strauchelt, und ihn wieder aufzurichten. Diese Hilfe brauchen wir alle.

Viele von uns kämpfen hier und da mit fehlender Glaubensgewissheit, mit Zweifeln oder auch mit Gewohnheitssünden. Wir stolpern und fragen uns: Warum komme ich nicht darüber hinweg? Warum stehe ich nicht fest in der Gewissheit des Glaubens? Warum fehlt mir diese Gewissheit?

Häufig übersehen wir, dass ein Teil der Lösung darin besteht, ein Leben in Gemeinschaft zu führen. In der Gemeinde, in der Zusammenkunft der Gläubigen, sind unsere Herzen in Liebe zusammengebunden. Hier finden wir die Ermutigung, die wir brauchen. Den Kampf mit unserem alten Ich, den täglichen Kampf mit Zweifeln und geistlicher Ungewissheit können wir nicht allein gewinnen.

Wir werden ermutigt, wenn unsere Herzen in Liebe zusammengeschlossen sind. Das bedeutet: Wenn wir hier auseinandergehen, kehren wir zurück in unsere Gemeinde. Wenn du keine Gemeinde hast, suche dir eine! Suche dir Geschwister, mit denen du gemeinsam den Weg zu Gott pilgerst. Allein bist du ein Schaf, das den Löwen und Wölfen ausgeliefert ist. In der Gemeinschaft, unter dem Schutz von Hirten, bist du in einem sicheren Raum.

Der Feind wird nicht aufhören, uns anzugreifen. Er will, dass unser Glaubenshaus zerstört wird. Paulus sagt: „Ich ringe, ich kämpfe, ich habe einen riesigen Kampf um euch.“ Ein Teil der Lösung ist neben dem Gebet, dass ihr in Liebe zusammengeschlossen seid und euch gegenseitig ermutigt.

Wie kann ich aber in Liebe zusammengeschlossen sein und andere ermutigen, wenn ich ein Einzelkämpfer bin? Ähnliche Gedanken verwendet Paulus einige Verse später, wenn er die Gemeinde mit einem Leib vergleicht. Der Leib mit Christus als dem Haupt wird, wie er schreibt, durch Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengehalten. Wir stehen eng beieinander und haben eine enge Bindung.

Wenn wir also die Gemeinde vernachlässigen, nicht oder nur unregelmäßig kommen und teilnehmen, vernachlässigen wir uns selbst. Die Ermutigung, die wir im täglichen Glaubenskampf brauchen, ist vorhanden und da. Deshalb sollten wir uns einbringen, uns hingeben, andere ermutigen und in der Liebe aufbauen – und gleichzeitig diese Ermutigung und den Aufbau auch selbst empfangen.

Gewissheit durch Jesus Christus

Also: Gewissheit durch Gebet, Gewissheit durch Liebe und drittens – und das ist der Hauptpunkt – Gewissheit durch Jesus Christus. Paulus ringt noch einmal darum, dass in Vers 1 und Vers 2 ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen sind und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden. Es geht um die Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, nämlich dass Christus ist, und jetzt in Vers 3, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.

Lieber Bruder, liebe Schwester, Glaubensgewissheit, Festigkeit und Standhaftigkeit in den Stürmen dieser Zeit werden ohne Frage in einer Gemeinde gefördert, die in Liebe zusammensteht und die betet. Aber die Quelle der Stabilität ist allein unser Herr Jesus Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.

Ich glaube, das hat sich durch diese Tage wie ein roter Faden hindurchgezogen. Wir haben am Donnerstagabend begonnen – ich sagte es gestern schon – mit diesem wunderbaren Vers: „Blicke zu mir, all die Enden der Erde, so werdet ihr gerettet, denn ich bin Gott und keiner sonst.“ Der schottische Prediger Robert Murray McCheyne hat ein bekanntes Zitat hinterlassen, und das möchte ich eigentlich so als Schlusswort geben, falls du auch alles vergisst, was ich hier die ganze Zeit geredet habe. Und ich bin mir ziemlich sicher, 99,9 Prozent der Sachen, die ich gesagt habe, werdet ihr vergessen. Das ist ganz klar, man kann sich das nicht alles merken. Aber wenn du einen „Take away“ hast, einen Satz, dann nimm diesen mit: Zitat Robert Murray McCheyne: „Für jeden Blick auf dich selbst wirf zehn Blicke auf Christus.“

Okay, merkst du das? Für jeden Blick auf dich selbst wirf zehn Blicke auf Jesus. Das kann man sich leicht merken. Ein kurzer, prägnanter Satz, der uns hilft, die Prioritäten richtig zu setzen und der uns in eine Gewissheit hineinführt. Schaue zu Jesus, statt dich zu sehr mit dir selbst zu beschäftigen. Denn wenn wir auf uns schauen, dann werden wir wanken, dann wird unser Glaube ungewiss. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wenn du dich um dich selbst drehst, wird dein Glaubenshaus wanken. Dann geht es dir wie Petrus auf dem Wasser: Dann sehen wir Versagen, dann sehen wir unseren Stolz, unsere Selbstgerechtigkeit, unsere Überheblichkeit, unsere Selbstverdammnis. Dann sehen wir unsere schweren Lebenslagen, unsere Enttäuschungen, unsere Krankheiten, unsere Niederlagen – all das entmutigt uns. Dann kommt die Frage auf: Sieht Gott mich überhaupt? Ist er wirklich voller Liebe? Zweifel machen sich breit.

Dann kommen noch falsche Lehren, die über uns kommen und uns vom Weg abbringen wollen. Dann werden Angebote gemacht: „Versucht doch mal dies und versucht doch mal das.“ Wir werden unsicher, dann fragen wir: Bin ich überhaupt im Glauben? Stehe ich überhaupt fest?

Paulus ringt und kämpft für völlige Gewissheit, und wie sagt er? Das kann erfolgen durch Gebet, durch Gemeinschaft. Aber das alles ist gar nichts wert, wenn wir nicht auf den schauen, in dem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Wenn wir auf uns schauen, werden wir untergehen. Deswegen: Ein Blick auf mich, oh Herr, ich will zehnmal zu dir schauen, ich will zehnmal zu dir blicken.

Die Frage jetzt ist: Warum ist der Blick zu Jesus denn überhaupt so hilfreich? Die Antwort des Textes: Weil in ihm alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Mit anderen Worten: In Jesus, dem Sohn Gottes, finden wir alles Wissen, alle Gelehrtheit, jede Offenbarung und Erkenntnis Gottes. Das ist die Aussage des Textes, der Bibel.

Mit anderen Worten: Er weiß mehr als jeder andere – das ist wahr in Bezug auf alle Menschen. Jesus weiß mehr als alle anderen. Er weiß auch in Bezug auf die Menschen mehr, als du es je wissen kannst. Er weiß um ihre Herzen, er weiß sogar um ihre Gedanken.

In Johannes 2, Vers 24 heißt es: „Er kannte sie alle.“ In Apostelgeschichte 1, Vers 24 heißt es: „Herr, du aller Herzen kennst.“ Das war das Gebet der ersten Christen, als sie für Judas einen Apostelnachfolger suchten und sagten: „Herr, leite du uns, du bist der, der aller Herzen kennt.“

In Matthäus 9 heißt es: „Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er zu den Schriftgelehrten: Warum denkt ihr Böses in euren Herzen?“ Sehen wir, in ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis, hier bezogen auf den Menschen. Niemand hat eine Erkenntnis wie er. Er sieht uns und erkennt uns. Er sieht uns und weiß, was wir denken. Er sieht uns und weiß, was uns bedrückt. Er sieht uns und weiß, was uns freut.

Niemand kennt dich so wie Jesus Christus. Niemand – selbst nicht deine Frau, auch nicht dein Mann. Niemand kann ihm etwas vormachen. Es gibt keinen Gedanken, der für ihn unverständlich ist, es gibt keine Fassade, die er nicht durchdringt. Er weiß, was du morgen denkst und tust, denn er kennt alle Dinge, die geschehen werden.

 Johannes 18, Vers 4: Jesus, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging hinaus und sprach zu ihnen: „Wen sucht ihr?“ Weil er alles wusste, sagte er auch alle Dinge voraus.

 Johannes 6: „Aber es sind etliche unter euch“, sagte er, „die nicht glauben.“ Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glauben würden, und wer ihn verraten würde. Er wusste alles.

Die Frage ist jetzt: Warum ließ er hier und da dieses Wissen, das er hatte, und diese Erkenntnis, die er hatte, durchscheinen? Warum lesen wir an verschiedenen Stellen in der Bibel, dass er diese Erkenntnis über den Menschen und über die Zukunft und über sein Leben immer wieder mal hervorbrachte?

Die Antwort finden wir in Johannes 3, Vers 19, da sagt er: „Ich sage es euch, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschehen ist, dass ich es bin.“ Verstehen wir? Jesus hat immer wieder Dinge gesagt, weil er es wusste. Warum? Damit, wenn er weg ist und es dann tatsächlich geschieht, die Jünger wissen: Ah, er wusste es doch schon. Mit anderen Worten: eine Riesenermutigung für die Jünger für die Zeit seiner Abwesenheit.

Alles, was dann geschah, hatte er ihnen schon gesagt. Das heißt, die Schätze seiner Erkenntnis und seiner Weisheit vermittelte er hier und da punktuell, um sie gewiss zu machen im Glauben für die Zeit, wenn er weg ist und die Feinde aufstehen und seine Jünger verfolgen wollen. Er hat gesagt: „Ich werde euch daran erinnern, was ich gesagt habe.“ Das heißt, die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Jesu Christi setzt er ein, um seine Jünger zu stärken für den Moment der Bedrängnis.

Dann sagt Petrus zu Johannes: „Hat er das nicht gesagt?“ Und Andreas zu Jakobus: „Weißt du noch, als er gesagt hat…?“ Ja, aber es ist so schwer jetzt, so habe ich es nicht erwartet: so viel Widerstand, so viel Schmerz, so viel Verfolgung, so viel Tod, so viel Leid, so viel Ungerechtigkeit. Ist es wirklich wahr, was er gelehrt hat? Ja, aber Bruder, er hat es uns doch gesagt. Er hat uns doch Einblick gegeben in die Schätze seiner Weisheit und Erkenntnis.

Sehen wir: Die Ermutigung und Festigkeit im Glauben in den Stürmen unserer Zeit finden wir in dem, der die Schätze aller Weisheit und Erkenntnis hat.

Aber jetzt wird es noch besser, denn er kennt nicht nur den Menschen durch und durch. Sondern Jesus – und das ist so fantastisch – erkennt auch Gott, den Vater, durch und durch.

Niemand kennt den Menschen so wie Jesus, haben wir eben gesehen. Aber niemand kennt den Vater so wie der Sohn. Wir kennen den Vater nur in Teilen und unvollkommen, stimmt’s? Aber Jesus sagt in Matthäus 11,27: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater. Und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“

Niemand kennt den Vater unmittelbar außer Jesus. Und das ist ja diese phantastische Wahrheit der Dreieinigkeit. Vor Ewigkeiten her existierte Gott schon als dreieiniger Gott: Gott, Gottvater, Gottsohn und Gottheiliger Geist. Sie hatten eine wunderbare, herrliche, innige, intime, liebevolle, vollkommene, erfüllende Gemeinschaft.

Deswegen betet Jesus im hohenpriesterlichen Gebet: „Vater, nun verherrliche du mich mit der Herrlichkeit, die ich hatte, als ich bei dir war.“ Das war Herrlichkeit pur.

Jesus Christus, gesandt vom Vater auf diese Erde, um uns zu retten, erniedrigte sich selbst, wurde gehorsam bis zum Tod, nahm Knechtsgestalt an, kam von dort, wo der Vater ist. Niemand kennt den Vater so wie der Sohn.

Das bedeutet ja, wenn wir uns das vor Augen halten: Wir wissen, Gott ist unendlich. Jesus hat Einblick in die Unendlichkeit Gottes, in die Ewigkeit Gottes. Wir wissen, Gott ist groß, er ist heilig, er ist majestätisch. Die Schöpfung ist nur ein kleiner Abglanz seiner Herrlichkeit. Seine Tiefe und seine Komplexität kann niemand erforschen. Die Wissenschaft kratzt lediglich an der Oberfläche der Schöpfung, aber Jesus durchdringt die tiefsten Tiefen.

Gott ist unendlich. Wenn Jesus also den Vater kennt wie niemand sonst und der Vater unendlich ist, dann bedeutet das, dass Jesus unendliches Wissen hat.

Wenn es nun schon für die Jünger glaubensstärkend war, dass Jesus die Herzen der Menschen kennt und durch dieses hier und da Aufflackern, wie Jesus sie ermutigt und vorbereitet hat, wie viel mehr festigt die Tatsache, dass er auch den Vater durch und durch kennt, unseren Glauben, der viel größer ist als wir.

Wenn die Jünger schon Gewissheit in den Kämpfen des Lebens hatten allein durch die Tatsache, dass Jesus die Herzen der Menschen kennt und auch die Zukunft weiß, wie viel mehr dürfen wir gestärkt aus dieser Freizeit herausgehen in dem Wissen, unser Herr und Heiland Jesus Christus kennt den Vater in all seiner Tiefe, in all seiner Ewigkeit.

Und deswegen: Ein Blick auf mich, zehn Blicke zu dem, der alles weiß.

Wollen wir uns wirklich von den Menschen mit ihren Theorien vom Glauben abbringen lassen, die uns weismachen wollen, dass es keinen Gott gibt, abbringen lassen? Obgleich wir wissen, dass nur bei Jesus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis zu finden sind, wollen wir vor diesem Hintergrund zweifeln, weil wir meinen, wir wüssten es besser als Gott, was uns am besten dient, obgleich Jesus Christus alles weiß und alles besser weiß?

Nein! Stattdessen wollen wir niederknien, Jesus anbeten, denn er allein ist unserer Anbetung würdig. Und wir wollen gestärkt aus diesen Tagen nach Hause gehen, gestärkt durch Gewissheit, die zu uns kommt durch Gebet, durch Liebe und vor allen Dingen durch Jesus Christus.

Ein Blick auf uns, zehn zu ihm. Kommen Zweifel, kommen Sündenverdammnis, predige deiner Seele: Christus ist gekommen und hat bezahlt für meine Schuld. Kommen Anfechtungen, Glaubenskrisen: Christus ist da. Er weiß, was Wahrheit ist, und er will sie uns offenbaren und stärken.

Abschluss und Segenswunsch

Ich wünsche euch von Herzen ein gesegnetes Heimkehren an die Orte, an denen ihr seid. Lasst das Licht Jesu leuchten und seid gestärkt für eure Arbeit. Wir beten, dass Gott uns behüten und begleiten möge. Amen.

Vater im Himmel, wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus, den du uns als Herrn und Heiland gesandt hast. Wir bekennen, dass wir schwach sind. Die Nöte der Welt wollen uns erdrücken, und auch unsere persönlichen Niederlagen wollen uns herunterziehen. Doch nein, wir wollen immer wieder neu zu dir schauen.

Wir wollen zu dem blicken, in dem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. So bete ich für meine Geschwister, dass du sie segnest, wenn sie auseinandergehen. Herr, lass uns alle dort, wo du uns hingestellt hast, ein Licht sein in dieser dunklen Welt und den Menschen Hoffnung bringen durch den Glauben an Jesus Christus.

Wir befehlen uns dir an und erbitten deinen Segen. Amen.