Zum Inhalt

Warum Gemeinden wachsen

04.06.2004Apostelgeschichte 5,12-42

Gebet um Erneuerung und Zeugnis

Du, Herr, musst selbst deine Gemeinde sammeln, und wir bitten dich, dass du deine tote Christenheit erneuerst. Dabei musst du bei uns beginnen, indem du uns dein neues Leben gibst, damit wir deine vom Geist erfüllten Zeugen sind.

Wir möchten dir danken für dein Wort, für die Beispiele der Apostel und für alle Ermutigungen, die uns dein Wort schenkt. Außerdem bitten wir für unsere Heimatgemeinden, aus denen wir kommen, dass du mächtig wirkst in diesen Tagen und das Feuer auch bei uns anzündest. Amen!

Die Geschichte von Christian Gottlobath, ich glaube, die steht in einem unserer beiden Liederbücher. Dort habe ich sie natürlich ohne die Pfeife erzählt, sonst hätten manche Gläubige das ganze Buch verbrannt.

Aber schön ist die Lebensgeschichte von Otto Riedmüller, der sich so eingesetzt hat. Das waren doch unsere lieben Leute aus Esslingen. Sie sind schon wieder abgereist. Sie sind in der Gemeinde, in der Südgemeinde, wo früher Otto Riedmüller gewirkt hat.

Beginn der Apostelgeschichte 5: Zeichen, Wunder und Verfolgung

Aber jetzt machen wir weiter bei der Apostelgeschichte 5. Wir lesen nicht alles, sondern beginnen im Vers 12. Dazwischen steht die Geschichte von Ananias und Saphira.

Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch die Hände der Apostel, und sie waren alle einmütig in der Halle Salomos beieinander. Von den anderen aber wagte keiner, ihnen zu nahe zu kommen, da das Volk viel von ihnen hielt.

Desto mehr aber wuchs die Zahl derer, die an den Herrn glaubten. Das ist interessant, denn es stellt sich die Frage, warum überhaupt eine Gemeinde wächst – eine Menge Männer und Frauen –, so dass sie die Kranken sogar auf die Straßen hinaustrugen und sie auf Betten und Bahren legten. Sie taten dies, damit, wenn Petrus käme, wenigstens sein Schatten auf einige von ihnen fiele.

Es kamen auch viele aus den Städten rings um Jerusalem und brachten Kranke und solche, die von unreinen Geistern geplagt waren. Und alle wurden gesund.

Verfolgung und göttliche Befreiung der Apostel

Es erhoben sich jedoch der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, nämlich die Partei der Sadduzäer. Von Eifersucht erfüllt, legten sie Hand an die Apostel und warfen sie in das öffentliche Gefängnis.

In der Nacht öffnete der Engel des Herrn die Türen des Gefängnisses, führte sie heraus und sprach: „Geht hin, tretet auf zum Tempel und redet zum Volk alle Worte des Lebens.“

Als sie das hörten, gingen sie frühmorgens in den Tempel und lehrten dort.

Der Hohepriester aber und die mit ihm waren, kamen zusammen, riefen den Hohen Rat und alle Ältesten Israels zusammen und sandten zum Gefängnis, um sie zu holen.

Das war ein Schreck: Das Gefängnis war leer. Die Knechte gingen hin, fanden sie nicht im Gefängnis, kamen zurück und berichteten: „Das Gefängnis fanden wir fest verschlossen vor, und die Wächter standen an den Türen. Aber als wir öffneten, fanden wir niemand darin.“

Als der Hauptmann des Tempels und die Hohenpriester diese Worte hörten, wurden sie betreten und wussten nicht, was daraus werden sollte.

Da kam jemand und berichtete ihm: „Siehe, die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.“

Daraufhin ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte sie. Doch nicht mit Gewalt, denn sie fürchteten sich vor dem Volk, dass sie gesteinigt würden.

Sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat.

Verteidigung der Apostel und der Rat des Gamaljel

Der Hohepriester fragte sie und sprach: Habt ihr nicht streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren? Und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.

Petrus aber und die Apostel antworteten und sagten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und getötet habt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.

Wir sind Zeugen dieses Geschehens, und mit uns ist der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen. Als sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sie wollten sie töten.

Nun folgt die Geschichte von Gamaljen, die wir jetzt nicht lesen. Gamaljen sitzt im Hohen Rat und gibt den guten Rat, man solle einfach nichts unternehmen. Wenn die Sache von Gott ist, wird sie sich durchsetzen. Wenn sie nicht von Gott ist, wird sie sich von selbst auflösen und am Ende nichts bewirken können.

Man weiß nicht genau, ob dies bis heute eine Frage der Auslegung und Einschätzung bleibt. Es ist unklar, ob der Rat des Gamaljen nur ein menschlicher Trick war oder ob er vom Heiligen Geist gewirkt wurde. Jedenfalls war er für die Gemeinde nicht schlecht.

Den Rat des Gamaljen kann man nicht immer befolgen. Im Kirchenkampf des Dritten Reichs gab es viele, die sagten, man solle es so machen wie bei Gamaljen: Wenn das, was Hitler tat, von Gott sei, dann sei es gut; wenn nicht, dann habe es keinen Wert, dagegen zu sein. Das ist ein schlechter Rat. Man muss sich auch gegen das Böse wehren.

Darum will ich jetzt nichts Weiteres zum Rat des Gamaljen sagen. Es bleibt immer umstritten, wie weit er für uns ein Vorbild sein kann.

Zum Schluss, in Vers 40, lese ich noch: Sie riefen die Apostel herein, ließen sie geißeln und geboten ihnen, nicht mehr im Namen Jesu zu reden, und ließen sie gehen.

Sie gingen aber fröhlich vom Hohen Rat fort, weil sie es würdig gehalten hatten, um seines Namens willen Schmach zu leiden. Und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und das Evangelium von Jesus Christus zu predigen.

Wesentliche Faktoren für Gemeindewachstum

Wenn wir uns heute darüber unterhalten, wie wir unsere Gemeinden und Gottesdienste so gestalten können, dass die Menschen gerne kommen, werden viele Vorschläge gemacht. Doch keiner dieser Vorschläge findet sich in der Apostelgeschichte.

Die einen sagen, wir brauchen bunte Talare, die anderen meinen, wir brauchen neue Lieder – auch das steht nicht dort. Es ist schön, wenn man neue Lieder singt, und ich freue mich sehr darüber, aber es ist nicht biblisch vorgeschrieben. Wieder andere sagen, unser Raum müsse besser dekoriert und gefälliger gestaltet werden. Man kann vieles sagen, und diese Ideen sind nicht schlecht. Es ist gut, wenn man sich darüber Gedanken macht.

Das Entscheidende, ob Gemeinden wachsen, haben wir die ganze Zeit erlebt: Es hängt davon ab, ob Menschen vom Heiligen Geist erfüllt sind. Interessanterweise sind es ganz natürliche, einfache und ungelehrte Leute, die nichts Besonderes tun müssen. Ich möchte Ihnen Mut machen, so wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist, ein Zeuge von Jesus zu sein.

In meinem Leben habe ich viel entdeckt und auch in der Geschichte gesehen, wie Gott viele Christen in ihrer ganzen Natürlichkeit gebraucht hat. Das Entscheidende war immer der Anziehungspunkt, dass diese Menschen Jesus groß gemacht haben. Und genau das zieht die Menschen an, wenn wir von Jesus reden.

In der Jugendarbeit gibt es nichts so Anziehendes wie von Jesus zu sprechen. Natürlich gibt es auch Widerstand, aber das sollte uns nicht irritieren. Letztlich zieht es die Menschen an. Wie Ludwig Hofengel sagte: „Das ziehen die Geister.“ Von Jesus zu reden, zieht die Menschen in unserer Zeit mehr denn je an.

Ich habe es Ihnen gesagt: Aus der ganzen Entwicklung in allen Teilen der Welt, auf allen Kontinenten – bis hin nach China, Indonesien, in den Vorderen Orient, in den Persischen Golf, nach Afrika – überall ist es der Name Jesus, der zieht. In Lateinamerika ist es so wunderbar, dass Fußballspieler bei uns den Namen auf ihr Trikot geschrieben haben, bis der Deutsche Fußballbund das verboten hat. Keine Werbung darf auf dem Trikot sein, doch wenn sie „Jesus allein“ oder Ähnliches schreiben, gerät der ganze Fußballbund durcheinander.

Das ist nicht nur bei den Brasilianern so, sondern genauso bei den Nigerianern und den Koreanern. Als die Brasilianer die Weltmeisterschaft gewannen, knieten sie auf dem Rasen nieder. Ein Reporter im deutschen Fernsehen sagte daraufhin, sie würden ein brasilianisches, okkultes Macumba-Ritual vollziehen, weil er nicht mehr wusste, wie es ist, wenn Christen beten, Gott danken und ihm die Ehre geben.

Das sind alles Menschen, die brennen dafür, uns von Jesus zu erzählen. Sie sagen, das sei das Allerwichtigste, was wir verkünden können. Ich kann Sie nur immer wieder bitten: Setzen Sie sich dafür ein, dass unsere Predigten einfacher und schlichter werden.

Bei Krankenbeten sollten wir nicht viel sagen, sondern dass Menschen Zuspruch erfahren. Dass sie erleben, dass Jesus Schuld vergeben will, dass er uns Gewissheit im Sterben schenkt, dass uns der Tod nicht von ihm trennen kann und dass Jesus die Liebe des Vaters bringt.

Alles, was wir den Menschen sagen dürfen, ist klar und verständlich: Es gibt keine Rätsel mehr. Du bist von Gott gesucht, er braucht dich, und dein Leben hat einen Sinn. Das kann dir nur Jesus eröffnen.

Die Apostel waren voll davon und haben überall davon erzählt.

Die Bedeutung von Wahrheit und Aufrichtigkeit in der Gemeinde

Und was steckt hinter dem Bau der Gemeinde, wenn man sich anschaut, was bei Ananias und Saphira passiert ist? Wenn man noch einmal zurückblickt: Was haben die beiden eigentlich Schlimmes getan? Sie haben ihren Acker verkauft, das Geld zu den Aposteln gebracht und hingelegt. Sie sagten, man könne das Geld nehmen, um die Armen zu versorgen. Was soll daran schlecht sein?

Dass sie gelogen haben! Sie haben einen Teil des Geldes für sich behalten, obwohl sie behaupteten, alles gegeben zu haben. Das hätten sie ja gern tun dürfen. Man muss ja nicht sein ganzes Vermögen opfern. In der Bibel gibt es keinen Satz, der das fordert. Aber vorher hatte Barnabas es so gemacht. Offenbar war das in der Gemeinde eine so tolle Situation, dass es Eindruck gemacht hat. Nun kamen Ananias und Saphira und wollten es genauso machen. Doch sie entschieden sich, einen Teil des Geldes zurückzubehalten, und sie logen darüber.

Liebe Freunde, ich könnte schon lange nicht mehr hier stehen, wenn Gott in meinem Leben genauso hart durchgegriffen hätte. Gott nimmt es sehr genau – zum Glück war er barmherzig in unserem Leben. Das ist ganz wichtig. Er hat uns vieles durchgehen lassen.

Aber ganz wichtig ist: Der schlimmste Schaden entsteht immer dann, wenn es in der Gemeinde nicht stimmt. Das müssen Sie wissen. In der Gemeinde soll es stimmen. Oft wird gesagt, Jesus hätte das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erzählt, und deshalb müsse man in der Gemeinde auch das Unkraut wachsen lassen. Das ist natürlich Unsinn.

Wenn Sie das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen noch einmal lesen, stimmt das teilweise. Jesus sagte, man solle das Unkraut nicht vor der Ernte herausreißen. Aber Jesus hat das Gleichnis selbst erklärt. In den erklärenden Versen sagt er: „Der Acker ist die Welt. In der Welt wachsen Unkraut und Weizen durcheinander.“ Wir können in dieser Welt nicht alles Böse herausreißen, so sehr es uns auch ärgert. Wir müssen es bis zur Ernte Gottes lassen.

In der Gemeinde aber darf das Unkraut keinen Platz haben. Das ist ganz wichtig. In der Gemeinde darf das Böse keinen Platz haben. Dort müssen Missstände angeprangert werden. Das ist oft schwierig, weil wir dabei auch die Liebe verletzen. Ich weiß, welche Probleme wir damit auch in unseren Volkskirchen ansprechen.

Darum war es den Vätern im Pietismus so wichtig, Gemeinschaften zu bilden, in denen man wirklich aufeinander achtet und in der Nachfolge Jesu steht. Gerade in den großen Volkskirchen, in denen vieles untergeht, sollten sich die treffen, die mit Ernst Christen sein wollen. Das muss auch heute unser Anliegen sein.

Hoffentlich ertragen Sie es, wenn andere Sie zurechtweisen. Manchmal brauchen wir das. Wenn jemand sagt: „Du, wie du in der Gemeinde auftrittst, das ist nicht recht. Das widerspricht dem Wort Gottes.“ Wir müssen aufeinander achten, damit nicht das Böse in der Gemeinde Einzug hält. Dass sogar die Gebote Gottes mit Füßen getreten werden.

Es ist ganz wichtig, am Anfang festzuhalten: Wir suchen keine große Wachstumsgemeinde, sondern eine Gemeinde, die Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit ist. Die Gemeinde ist der Leib Christi. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch auf die Menschen achten, die in die Gemeinde kommen. Nicht auf Menschen, die Heuchelei zeigen – das war bei Ananias und Saphira so schlimm, dass sie nur Theater spielten.

Sondern wir sollen Menschen treffen, die gebeugt sind, offen von ihrer Schuld sprechen, die anderen mit einem sanftmütigen Geist zurechtweisen und auch selbst ihre Schuld eingestehen. Wir haben viel Schuld, solange wir leben. Ich habe ja am Anfang gesagt: Keine halbe Stunde vergeht, in der wir nicht schuldig werden, sündigen.

Wir brauchen die Gnade. Darum soll das auch unser Thema sein. Nicht als Besserwisser oder als Vollkommene auftreten – das ist ganz schlimm, weil es Menschen abschreckt. Sondern wenn wir sagen: „Schau, wir erleben es doch ständig, wie Jesus unser Leben reinigt.“ Und wir laden andere ein, es genauso zu tun. Es soll uns bedrücken, wenn wir Mängel in unserem eigenen Leben sehen.

Gefahren magischer Heilpraktiken und wahres Zeugnis

Jetzt treten ganz gefährliche Erscheinungen in der Gemeinde auf. In Vers 15 und 16 wird erzählt, dass die Leute die Matratzen mit den Kranken auf die Straßen gelegt haben, in der Hoffnung, dass der Schatten der Apostel auf die Kranken falle und sie dadurch gesund würden.

Es gibt immer wieder Bibelausleger unter uns, die sagen, wir müssten das heute genauso machen. Sie holen die Kranken herbei. Ein bekannter Evangelist hat schon vor vielen Jahren prophezeit, dass große Karawanen von Krankenwagen zu seinen Evangelisationsveranstaltungen fahren würden und die Kranken danach alle gesund zurückkehren würden. Doch das ist nicht eingetreten, obwohl der Mann weiterhin von millionenfachem Zulauf spricht.

Das ist eine große Gefahr. Wir kennen ähnliche Praktiken auch aus anderen Kulturen. In Brasilien zum Beispiel gibt es viele, die damit viel Geld verdienen. Wenn Bruder Russisch in den Slums auftaucht, heißt es: „Geben Sie zehn Mark, und Sie werden gesund.“ Solche seltsamen Sekten gibt es immer wieder.

Was hier geschieht, ist uns nicht zum Vorbild geschrieben. Wir merken auch, dass die Apostel daraus keinen Brauch gemacht haben. Es ist nur einmal passiert, und sie haben es schnell abgestellt. Stattdessen verkündeten sie die Botschaft vom Leben und von der Bekehrung.

Das heißt nicht, dass keine Wunder geschehen sollten, aber nicht durch magische Schattenbilder.

Ein zweiter Fall, in dem Ähnliches geschah, wird in Apostelgeschichte 19 erzählt. In Ephesus war die Erweckung so groß, dass die Leute sich an den Apostel Paulus wandten. Sie zogen ihm das Taschentuch aus der Tasche und legten es auf die Kranken. Diese wurden tatsächlich gesund.

Was sagt man dazu? Machen Textilien gesund? Bringen Textilien Heilung? Dann müssten wir an den Heiligen Rock in Trier und ähnliche Reliquien glauben.

Nein, es ist interessant: Gott hat am Anfang bei diesen heidnischen Menschen solche Zeichen gebraucht, um ihnen ein erstes Zeichen zu geben. Aber als sie gläubig wurden, brauchten sie keine Taschentücher mehr. Es gibt nichts Größeres, als zu Jesus beten zu können. Was wollen sie mehr? Sie brauchen keine Taschentücher mehr.

Auch diesen Brauch gibt es noch. Ich habe es in einem Videoband gesehen: Ein Evangelist aus dem württembergischen Raum hielt eine Evangelisation in Riga. Er ließ von allen Leuten die Taschentücher einsammeln, betete über die Taschentücher, und die Leute gingen heim mit dem Auftrag, diese den Kranken aufzulegen. Das war Quatsch!

Wir wollen den Kranken den Namen Jesus auflegen und über sie beten. Das ist viel größer, als ihnen Textilien mitzugeben oder geweihte Textilien herumzutragen – wie es vielleicht in schlimmen Zeiten der Reliquienverehrung geschah.

So war es auch hier: Der Schatten von Jesus ist es nicht. Es gibt keine Bekehrungen im magischen Verständnis des Heidentums. Es ist immer so, dass man meint, da gehe eine Kraft aus, und Gott wirkt durch sein Wort. Das haben wir schon so oft erlebt und gehört.

Darum war das eine große Gefährdung, so etwas mitzumachen.

Vielleicht haben Sie es schon einmal erlebt, wenn Sie mit ungläubigen Menschen zusammen waren, dass diese sagten: „Oh, es war so gut, wie Sie mich besucht haben, Ihre Nähe, Ihre Hilfe.“ Aber sie brauchen nicht unsere Nähe, sondern die Nähe von Jesus. Wenn sie im Licht von Jesus sind, müssen sie ihr Leben neu ordnen und umkehren.

Wir wollen den Leuten immer helfen, dass sie nicht nur irgendwelche Eindrücke von uns mitnehmen. Das, was die Apostel hier tun, ist, dass sie das Wort predigen. Das hören wir, wenn sie das Wort verkünden. Darum hat der Herr sie auch aus dem Gefängnis befreit, damit das Wort gepredigt wird.

Wir wollen uns gegen solche seltsamen Praktiken wehren, als ob man über den Kranken spiritistische Dinge tun sollte. Wir wollen über den Kranken beten, und das ist Ihr Recht. Das dürfen Sie auch tun.

Wenn Sie Jakobus 5 noch einmal lesen, sehen Sie, was der Apostel Jakobus befiehlt: Älteste der Gemeinde kommen zusammen. Sie dürfen auch gläubige Christen bitten, über einen Kranken zu beten. Dieses Gebet soll mit einer Beichte verbunden sein. Der Kranke soll seine Schuld bekennen, und es wird besser mit ihm werden.

Es steht nicht da, dass er gesund wird. Im Jakobusbrief steht: Es wird besser mit ihm werden. Wie diese Besserung erfolgt, ist offen.

Auf jeden Fall ist das eine herrliche Sache, so wie es auch unser Bruder Scheuermann gestern getan hat, als er nach Ulm gefahren ist. Dort ist eine Mutter von vier Kindern, die von den Mitarbeitern in großer Not betreut wird. Sie ist sterbenskrank.

Das Abendmahl wurde gefeiert – das ist herrlich. Sünden wurden vergeben, und dann wurde gebetet, dass Jesus verherrlicht wird. Wie das geschehen kann, auch im Sterben, das geben wir ihm die Freiheit.

Aber es ist nicht die Krankheit, die entscheidet, sondern der Herr, der über allem steht. Das wollen wir so tun.

Darum machen wir keine Schattenspiele über den Kranken. Das wollen wir einmal klarstellen. Das war eine große Gefährdung.

Die Bedeutung des Namens Jesu und Brüderlichkeit in der Gemeinde

Das Volk hielt viel von den Aposteln. Es war gefährlich, dass sie die Apostel bewunderten, denn es waren doch einfache Leute. Wir wollen nie die Verkündiger des Evangeliums hochhalten, sondern den Herrn Jesus. Wir anderen sind Schwestern und Brüder. Das hat Jesus schon wunderbar geordnet.

Das Bruderwort ist ein großes Wort, weil Jesus sich nicht schämt, uns seine Brüder zu nennen. Wir haben viele Attacken bekommen wegen unseres Hilfswerks „Hilfe für Brüder“. Da sind die ganzen Feministinnen zu Felde gezogen und haben gefragt, wo denn die Schwestern bleiben. Sie sind im Brüderbegriff immer mit eingeschlossen, denn es geht in der Woche der Brüderlichkeit natürlich auch um die Schwestern.

Es geht in der Bundesärztekammer auch um die Ärztinnen, natürlich. Verstehen Sie, in unserer Sprache wird nicht nach Geschlechtern unterschieden. Doch heute wird alles durch diesen feministischen Wahn umgedreht. Jesus hat gesagt: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40). Jesus hat sich neben die Ärmsten der Christen gestellt und gesagt: Das ist mein Bruder.

Wenn wir zueinander dieses Bruderwort sagen, dann gibt es keinen Titel und nichts, was dem gleichkommen kann, wie dieses Ehrenwort, Bruder und Schwester zu sein.

Dass Sie viel von den Aposteln gehalten haben, ist wieder heidnisch gewesen, magisches Heidentum, magisches Heidentum. Deshalb wollen wir auch als Pfarrer natürlich Brüder sein. Wir wollen nicht, wie es in der katholischen Kirche ein ganz schrecklicher Irrtum ist, dass man sie anders einordnet. Ob hauptamtlich oder nebenamtlich – Schwestern und Brüder sind das.

Das Wichtigste beim Zeugnis der Apostel ist doch, das Wort des Lebens zu verkündigen.

Das Wort des Lebens als Grundlage des Glaubens

 Johannes 5,24: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.

Das Hören auf das Wort Jesu ist die höchste Stufe der Gotteserkenntnis. Es gibt nichts anderes, keine magischen Erlebnisse, keine Ekstasen oder wunderbaren Versenkungen, die für die Gefühlswelt angeboten werden. Das Hören des Wortes, der Gehorsam gegenüber diesem Wort und der Glaube daran sind das ewige Leben.

Jesus sagt auch in Johannes 8,12: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.

Darum brauchen wir nichts anderes. Das Wort ist das Instrument, durch das Gott spricht. Heute, in der Losung, haben wir dieses Wort, das gültig und wirksam ist und sich durchsetzt. Es ist kein bloßes Gerede oder Geschwätz.

Das Wort Gottes, so wie wir es in der Bibel haben, das Evangelium, ist so mächtig, dass man nichts daran ändern kann. Wer etwas davon wegnimmt, dem wird Gott etwas vom Erbteil in der Ewigkeit wegnehmen. Wer etwas hinzufügt, wird von Gott verdammt werden.

Das Wort Gottes ist gültig und das einzige, durch das wir zu Gott kommen können. Darum brauchen wir nichts anderes.

So predigen die Apostel heute, und es ist wunderbar: Der Herr kann die Kerkertüren öffnen.

Zeugnis und Ermutigung in Verfolgung

Ich erinnere mich noch genau, wie die Nachricht kam, dass Georgi Wiens plötzlich die Ausreisegenehmigung erhielt. Während Korntal auf der Missionskonferenz und später in der Stiftskirche sprach, war die Freude darüber sehr groß.

Als Kinder haben wir immer für Herrn Niemöller und Herrn Leickam gebetet, die im Buchenwald inhaftiert waren. Es ist wunderbar, wenn unsere Kinder schon wissen, dass wir für diejenigen beten dürfen, die um Jesu willen gefangen sind. Es ist ein echtes Wunder, wenn die Regime gezwungen sind, jene freizulassen, die sie bedrängen und quälen.

Welch ein Schreck muss das für die Verantwortlichen in der Tempelverwaltung gewesen sein, als sie plötzlich hörten, dass diese Gefangenen predigen! Es ist wichtig, dass das Evangelium verkündet und weitergetragen wird.

Ich weiß nicht, ob ich Ihnen in den letzten Tagen schon einmal gesagt habe: Neun Zehntel aller, die zum Glauben kommen, finden durch das persönliche Zeugnis ganz normaler Christen zum Glauben. Wir überschätzen oft den Dienst der Theologen, auch der Evangelisten und der großen Evangelisation. Trotzdem führen wir diese durch, und das ist gut. Große Evangelisation hat mir persönlich immer wieder geholfen.

Neulich bei Pro Christ habe ich für mich selbst so viel neu begonnen vor dem Herrn Jesus. Aber ich weiß auch, dass das Beste ist, wenn Sie in Ihrem Umfeld wirksam Zeugnis für Jesus geben. Sie sind das wirksamste Zeugnis.

Ich möchte Ihnen immer wieder wichtig machen, dass Sie diese Möglichkeit nutzen – bei Krankenbesuchen etwa. Dabei braucht es gar nicht viel: Ein schlichtes Jesuszeugnis, das Wort des Lebens. Einem Menschen zu sagen: „Ich habe dir ein Bibelwort mitgebracht, ein Wort von Jesus, und ich möchte mit dir beten.“ Dann können wir gemeinsam die Sorgen einfach vor Jesus ausschütten.

Priorität des Gehorsams gegenüber Gott

Und jetzt kommt dieses schöne Wort: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Sie haben sicher zu Hause auch eine Pinnwand. Wissen Sie, was das ist? Das ist so ein Korkbrett, an dem man wichtige Dinge befestigt – Zettel, die man nicht vergessen darf. Zum Beispiel: Das Auto muss zum TÜV, und man muss daran denken, dass etwas bezahlt werden muss – all das hängt an der Pinnwand.

Eigentlich sollten wir mitten in unsere Pinnwand einen großen Zettel hängen mit der Aufschrift: Vorfahrt für Gott. Es kommt so oft vor, dass wir einfach in den Tag hineinrennen, ohne Stille im Gebet oder Zeit zum Bibellesen. Dann stehen wir plötzlich mittendrin in den Tagesereignissen oder lesen all die schrecklichen Nachrichten in der Zeitung, bevor wir uns überhaupt das Herz im Evangelium festmachen.

Vorfahrt für Gott heißt doch, man muss Gott gehorchen. Gott hat Vorfahrt in unserem Leben. Darum sagen Petrus und Johannes: Ihr könnt uns gar nichts befehlen.

Warum ist das so wichtig? Weil viele Menschen etwas von Ihnen wollen. Sie sind alle Leute, die viel gefordert werden. Gerade in Ihrem Amt wird sehr viel von Ihnen verlangt. Viele reden auf Sie ein und wollen etwas von Ihnen. Und dann müssen Sie immer sagen: Stopp, ich gehöre zunächst Gott. Ich muss zuerst wissen, was Gott heute von mir will.

Das macht Sie nicht untüchtig fürs Leben, sondern im Gegenteil – es macht Sie sehr tüchtig, auch für Ihre Berufsaufgaben. Wenn Sie alles prüfen, fragen Sie sich: Hat das wirklich einen Auftrag von Gott, was ich da tue? Sie sind nicht der Knecht der Menschen. Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Knechte der Menschen.

Darum sagen Petrus und Johannes – und das ist für unser ganzes Leben wichtig: Gott hat Vorfahrt. Die Menschen können sagen, was sie wollen, sie können mir drohen, was sie wollen – mir egal. Ich tue, was Gott von mir will.

Und jetzt merken Sie plötzlich, wie das in Ihrem Leben Ruhe und Frieden bringt, wenn eine Gemeinde das Motto hat: Zunächst, was will Gott? Was will Gott von uns?

Das Schlimme heute ist, dass so viele Theorien aufkommen, was man alles machen muss, weil man sagt: Das muss man heute tun, weil die Zeit das verlangt, weil der Stil der Leute es will, weil die Außenstehenden es erwarten. Aber wir sind zunächst Kirche und Gemeinde für Gott. Auch mit unserem Leben stehen wir vor Gott, und eine Gemeinde sollte immer fragen: Was will Gott für uns?

Wenn wir genau hinhören, was Gott für uns will, dann werden wir vielleicht auch manches für die Menschen tun. Aber es muss durch den Filter gehen, dass wir nicht auf alle Stimmen hören, die etwas von uns fordern. Sonst wissen wir am Ende nicht mehr, wo uns der Kopf steht.

Eine Gemeinde muss heute wieder ganz für Gott da sein und sich konzentrieren. Ich habe neulich bei der Hofacker-Vereinigungstagung der Vertrauensleute in Konthal gesprochen und versucht zu sagen, dass mein Eindruck von allen Gebieten der Welt, wo man heute wachsende Gemeinden erlebt, folgender ist: Die Leute waren gar nicht wild darauf, allen Leuten nachzulaufen. Stattdessen haben sie zuerst ihr Leben an der Bibel gereinigt, sich Gott ganz zur Verfügung gestellt – und dann kamen die Menschen.

Die Menschen merken plötzlich, dass ihre Probleme dort verhandelt werden. Die Leute waren ganz nah bei der Sache, weil sie ganz gottgegeben waren.

Vor Jahren hat unsere Kirche Plakate herausgegeben mit dem Motto: Kirche für den Menschen, für die Menschen. Da fühlte sich die Kirche richtig den Menschen zugewandt, weltlich orientiert. Mir hat es großen Eindruck gemacht, wie Klaus Vollmer gesagt hat: Das ist die völlig falsche Parole. Die Kirche muss zunächst für Gott da sein, ganz für Gott, vom Wort Gottes geprägt und auf Gottes Stimme hörend.

Wenn sie das tut, dann kommen auf einmal die Menschen, weil sie genau das finden, was Gott ihnen geben will. Weil eine Gemeinde ganz für Gott da ist, wird sie auch für die Menschen da sein. Aber nicht so, dass sie alles nachäfft, allen nachläuft und es allen recht machen will.

Wachsende Gemeinde entsteht aus einer neuen Heiligung, aus einer neuen Hingabe. So war es schon bei unseren Vätern, wenn Erweckung geschah – dass man sich ganz zur Verfügung gestellt hat.

Ich habe Ihnen schon einmal erzählt, wie unser Ludwig Hofer nie nach der Menschenkunst geschielt hat. Lesen Sie seine Predigten: Sie sind durch und durch biblisches Wort. Die Menschen kamen gerade deshalb, weil sie das gesucht haben.

Ich habe oft den Eindruck, die Welt sucht bei den Christen, dass sie anders sind. Nicht, dass sie alles genauso machen wie sonst in der Welt, sondern dass sie anders sind und ihnen das Leben bieten können – das Wort des Lebens, in dem man wirklich spürt, dass der Tod durchbrochen ist und es Hoffnung und Zuversicht gibt.

In der Apostelgeschichte kommt immer wieder das Wort Gehorsam vor. Hier steht: Man muss Gott mehr gehorchen. Und das ist in unserer Zeit gar nicht mehr populär. Wir leben in einer antiautoritären Zeit.

Was wollen wir denn sagen? Das kann man eben nicht ändern. Sonst müsste man die Bibel neu schreiben, und wer die Bibel neu schreibt, macht natürlich alles kaputt. Sondern es ist nötig: Wenn jemand zum Glauben kommen will, muss er Gott gehorsam werden.

In Römer 6,5 heißt es sogar: den Gehorsam des Glaubens aufzurichten. Wer zum Glauben kommen will, der muss Gott gehorsam sein.

Nun sagen wir das einem Menschen ja nicht gleich. Wir laden ihn ein und erzählen ihm. Aber irgendwann müssen wir bei der engen Pforte sagen: Du musst merken, dass das die Befreiung deines Lebens bringt. Du bist plötzlich nicht mehr den Menschen verpflichtet, sondern nur noch deinem liebevollen Herrn, der dich geschaffen hat und der dich kennt.

Das ist doch eine große Befreiung, wenn wir ganz zum Eigentlichen wieder durchstoßen.

Und Römer 15,18 sagt Paulus: Die Herzen zum Gehorsam des Glaubens zu bringen – das war ihm wichtig, die Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu bringen.

Wir lesen es auch in Hebräer 11, dass Abraham gehorsam wurde. Und das ist in unserem Leben nicht irgendetwas Schwieriges, sondern etwas Hilfreiches.

Ich muss mir das nicht alles selbst ausdenken. Gott hat mir schon Weisung gegeben, wie ich glücklich werden kann. Es ist in der Schrift beschrieben.

Wenn wir diesen Weg des Gehorsams und des Glaubens nicht mehr gehen, kommen wir in furchtbares Unglück.

Und wir können es nur weitergeben und sagen: Bei uns war es immer ganz schrecklich, wo wir den Weg des Gehorsams verlassen haben.

Vielleicht finden das andere sehr eng, aber für uns ist es die Freude des Lebens. Wir können an nichts anderes mehr Freude haben als am Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes und seiner Weisung.

Beispiele für Gehorsam und Zivilcourage

Weise mir, Herr, deinen Weg, damit ich in deiner Wahrheit wandle. Herr, gib mir Klarheit, was ich tun kann.

In seelsorgerlichen Gesprächen, wenn Menschen erzählen, wie sie in schreckliche Not und Sünde geraten sind, haben wir natürlich immer Mitleid. Wir können es verstehen, denn wir wissen aus unserem eigenen Leben, wie leicht man abirren kann. Doch es bleibt dabei: Keine Sünde wird deshalb geduldet werden können, und keine Sünde wird richtig, auch nicht dadurch, dass viele sie begehen.

Gott hat uns den Weg zum Leben gezeigt. Es ist so wunderbar, dass man sich nicht irren kann, wenn man diesen Weg geht. Darum ist Gehorsam so wichtig.

Erinnern Sie sich an König Saul? Er wartete damals auf Samuel, doch Samuel kam nicht. Die Philister rückten bereits vor, und Saul ließ schließlich das Opfer bringen. Dabei war es eigentlich ein Opferdienst, den Gott nicht wollte. Gott sagt in 1. Samuel 15, und das sollten Sie noch einmal nachlesen, eine klassische Formulierung, die man auswendig lernen sollte: „Gehorsam ist besser als Opfer und Aufmerken besser als das Fett von Widdern. Ungehorsam ist Sünde wie Zauberei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst.“

Der Gehorsam macht unser Leben frei. Wir sollten keine Angst haben, auch anderen Christen zu sagen: Du musst nicht alles selbst überlegen. Es ist heute merkwürdig, wie auch unter Gläubigen plötzlich schwere Nöte auftauchen. Zum Beispiel die Frage, ob man ohne Trauung zusammenleben kann, oder viele andere Fragen. Ein Führer aus dem Pietismus sagte kürzlich: „Komisch, diese Fragen gab es vor zwanzig Jahren nicht, als wir ärmer waren. Sie kommen erst mit dem Reichtum – ob man gleich seinen Lebenspartner haben kann, eine Witwenrente und so weiter.“

Im Wort Gottes ist alles so klar gewesen, und ich darf Sie immer bitten: Gehen Sie die klaren Wege. Es gibt viele Dinge, die zu mir sprechen: Ordne dein Leben! Gehorsam ist ein Geschenk. Darum müssen wir Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das macht uns frei. Es ist kein Joch, das uns einspannt, sondern das uns zum Leben bringt.

Schöne Beispiele von Christen brauchen wir gar nicht mehr zu erzählen. Vor ein paar Jahren haben wir auf dem Hohenwil eine Gedenkplatte zusammen mit der Stadtverwaltung eingesetzt. Sie erinnert an Johann Jakob Moser, der fünf Jahre auf dem Hohenwil inhaftiert war. Er war ein großer Staatsgelehrter zur Zeit des Herzogs Karl Eugen. Während dieser Zeit ist seine Frau gestorben, doch er durfte das Gefängnis nicht verlassen. Warum? Weil er in seinem Berufsleben das Unrecht beim Namen genannt hatte und das schreckliche Unrecht des Herzogs nicht gutheißen konnte.

Er blieb treu, unverzagt und ohne Grauen. Solange Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Er wollte gottgehorsam sein. Dieser Mann, der etwa 70 große Bücher schrieb und damals der bedeutendste Staatsrechtler Europas war, blieb Gott treu. Er ist ein Beispiel für uns und zeigt, was Leben bedeutet.

Für alle ist es wichtig, Zivilcourage zu zeigen und nicht vor Menschen zurückzuweichen. Wir können nicht in unrechte Dinge einwilligen, sondern müssen klar sagen: Mit mir geht das nicht. Mir war es immer hilfreich, wenn Soldaten erzählten, wie sie eingeteilt wurden zur Judenerschiessung und den Befehl verweigerten, weil sie es nicht konnten. Ich habe nie von einem gehört, der deshalb erschossen wurde, obwohl das möglich gewesen wäre. Wer Gott dient, macht Eindruck.

Walter Tlach erzählte, wie er nach dem 20. Juli vor seiner Kompanie sagen sollte, dass die Offiziere Verbrecher gewesen seien. Er sagte: „Das sind keine Verbrecher, das waren mutige Leute.“ Daraufhin riss man ihm die Schulterstücke ab, degradierte ihn und versetzte ihn in eine Strafkompanie. Er berichtete, er sei der einzige seiner Kompanie gewesen, der überlebt habe, weil er in der Strafkompanie war. Alle anderen Kollegen sind bei einem Angriff gefallen.

Man kann es nicht immer berechnen, aber es ist nicht so, dass man deshalb unter die Räder kommt, wenn man keine Kompromisse auf dem klar gewiesenen Weg der Wahrheit eingeht. Es ist schlimm, wenn wir meinen, wir müssten taktisch die Sache Gottes verteidigen oder gar eine Notlüge machen oder mit krummen Dingen die Sache Gottes retten. Das braucht unser Herr nicht.

Dieses Zeugnis hat großen Eindruck gemacht. Es ging ihm durchs Herz. Es war wunderbar, dass die Apostel nicht korrupt waren. Am Ende ließen sie sich sogar geißeln. Das war furchtbar. Dann wurde ihnen gesagt, sie sollten nicht mehr im Namen von Jesus reden. Doch davor hat die Welt Angst, und die Gottlosen haben Angst, wenn Christen im Namen von Jesus reden.

Die Apostel predigten vollmächtig. Sie sprachen den Menschen zu: „Jesus, mach dein Leben neu! Jesus, vergib dir deine Schuld!“ Ich darf Ihnen im Namen von Jesus auch zusprechen, dass er Ihnen heute Abend seinen ganzen Frieden geben will.

Die Apostel gingen fröhlich vom Hohen Rat weg, weil sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden. Sie wussten, sie sind in der Nachfolge von Jesus auf dem Kreuzesweg. Das hat sie sicher gemacht, und sie waren fröhlich. Das war das Geheimnis der wachsenden Gemeinde: Gehorsam, Treue und Jesus ergeben sein.

Schlussgebet und Lobgesang

Wir wollen beten. Herr, es bedrückt uns, und heute Abend wird uns bewusst, wo wir faule Kompromisse gemacht haben. Du hättest uns viel mehr treffen können als Ananias und Saphira, denn in unserem Leben finden sich viele falsche Dinge. Auch im Dienst für dich hat sich viel Eigenes eingemischt.

Wir möchten dich von Herzen um Verzeihung bitten. Gleichzeitig bitten wir dich, uns zu erneuern. Lass uns mithelfen, dass deine Gemeinde auf diesem Grund erneuert wird. Du bist der Grundstein; einen anderen Grund kann niemand mehr legen.

Wir möchten das auch vielen Menschen zurufen und ihnen bezeugen: Herr, hilf uns, dass wir den Druck und die Feindschaft nicht ernst nehmen. Lass uns uns nicht erschüttern, sondern dir mehr gehorsam sein als allen Menschen, die auf uns einreden. Amen!

Nun singen wir noch das Lied "Hirte deiner Schafe" (660). Es stammt von Benjamin Schmolk, der in Schlesien lebte. Dort gab es damals nur sehr wenige Pfarrer, denn die meisten waren im Untergrund abgetaucht. Benjamin Schmolk betreute diese wenigen Gnadenkirchen und schenkte ihnen in einer schweren Verfolgungszeit durch die katholischen Habsburger viele wunderbare Lieder.

Auch dieses Lied ist wunderbar. Wir singen alle sechs Verse, nachdem wir eine herrliche Begleitung gehört haben – vielen Dank, das ist professionell.

Hirte deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag,
deine Wundergüte war mein Schild und Hüte den vergangenen Tag,
sei die Nacht auch wie sie war.