Unromantische Weihnachten
Herzlich willkommen zum Podcast der EFH Stuttgart mit Jörg Lackmann und Thomas Povilein.
Unser Podcast möchte dazu anregen, das Christsein praktisch zu leben und sich zugleich mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen.
Weihnachtsromantik und biblische Realität
Welche Gedanken kommen dir bei Weihnachten in den Sinn? Gemütlichkeit, Familienzeit, Romantik? Ich glaube, die meisten von uns würden solche oder ähnliche Begriffe nennen. Dabei war das erste Weihnachten in Bethlehem eigentlich gar nicht so romantisch.
Thomas, warum verbinden wir mit Weihnachten eigentlich so viel Romantik, obwohl der biblische Tatsachenbericht ziemlich unromantisch ist?
Ja, ich denke, das liegt daran, dass wir selbst an Weihnachten sehr viel Romantik erleben. Wer schon einmal in einem Käthe-Wohlfahrt-Laden unterwegs war, hat dort sicher die Endstufe von Weihnachtsromantik oder vielleicht sogar Weihnachtskitsch erlebt. Man erinnert sich auch an Weihnachtsfilme oder an die Weihnachtswerbung von Coca-Cola. Das sind Bilder, die ich jedenfalls im Kopf habe und die mich noch aus meiner Kindheit prägen. Ich denke, dass es nicht nur bei mir so ist.
Deshalb schauen wir wahrscheinlich mit einer rosaroten Romantikbrille auf die geschichtlichen Ereignisse um Weihnachten. Dabei fällt uns gar nicht auf, dass es bei den biblischen Berichten kein gemütliches Wohnzimmer gibt, keinen Entenbraten, keine leise stille Nacht und auch keine Geschenke. Ich denke, ich projiziere in dieses geschichtliche Ereignis das hinein, was ich selbst erlebt habe. Das heißt aber nicht, dass ich Weihnachten nicht romantisch feiern darf.
Es hilft nur, sich bewusst zu machen, dass das erste Weihnachten ganz sicher nicht romantisch war. Unsere Kultur und unsere eigenen Erlebnisse im Alltag prägen die Brille, durch die wir auch an die Bibel herangehen. Selbst wenn man nicht bewusst darüber nachdenkt, verändern diese immer wiederkehrenden Erlebnisse die Wahrnehmung auch in Bereichen, wo eigentlich keine Grundlage im Glauben vorhanden ist.
Die Bedeutung von Weihnachten und die Hoffnung auf den Retter
Nun ja, Weihnachten ist auf jeden Fall ein großartiges Fest. Oder gehörst du etwa zu den Weihnachtsverweigerern? Die gibt es ja auch. Weihnachtsverweigerer? Nein, Weihnachten ist ein großartiges Fest, unbedingt.
Ich bin sehr dafür, dass wir Weihnachten feiern, denn wir haben wirklich Grund dazu. An Weihnachten denken wir daran, dass Gott Mensch wird. Das ist der eigentliche Grund von Weihnachten. Das beginnt schon in 1. Mose 3, wo Gott sagt: „Ich schicke euch einen Retter, der zu euch kommt und jeden, der will, zu mir bringt.“ Das ist dieser große Hoffnungsstrahl, der durch das Alte Testament leuchtet.
Dieser Strahl wird immer heller und klarer, wenn man so will. Es wird immer deutlicher, was diesen Retter ausmacht. Zum Beispiel ist er ein Mensch, wie wir in 1. Mose 3 lesen. Er ist ein Jude, kommt aus dem Stamm Juda, ist ein Nachfahre Abrahams und auch ein direkter Nachkomme des Königs David. Er wird in Bethlehem geboren werden. Er kommt, um meine Schuld auf sich zu nehmen, wie wir es beim Propheten Jesaja lesen.
Er nimmt meine Schuld auf sich, damit ich Gott als Vater erleben darf und nicht als Strafrichter. Manchmal gibt es Veranstaltungen, bei denen man auf eine berühmte Person wartet. Stundenlang hält man Ausschau und will sich nicht ablenken lassen. Wenn jemand sagt: „Geh doch mal auf die Toilette“, antwortet man: „Nein, ich muss hier stehen und gucken.“ Man will den Auftritt dieser Person nicht verpassen. Und dann taucht sie plötzlich auf – der Präsident, der Fußballstar oder die Schauspielerin, auf die man so lange gewartet hat.
Das Alte Testament ist im Grunde so ein erwartungsvolles Warten. Im Laufe der Jahre bekommt man immer mehr Hinweise, um diesen Retter sicher zu erkennen. Die Gläubigen im Alten Testament halten Ausschau: Wann kommt dieser Retter endlich? Und dann ist er plötzlich da.
Jesus Christus ist Gott, er ist da. Er wird als Mensch geboren und kommt, um uns weggelaufene Menschen zu Gott zurückzubringen. Damit haben wir wieder Zukunft und Hoffnung. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, dann weiß ich auch nicht.
Es ist nicht so entscheidend, ob Jesus wirklich Ende Dezember geboren wurde. Wahrscheinlich passt das historisch nicht genau. Aber was zählt, ist: Jesus ist geboren worden, auch wenn wir den genauen Tag nicht kennen. Das sollten wir auf jeden Fall feiern – dass Jesus tatsächlich geboren ist. Weihnachten ist kein Märchen, sondern Tatsache.
Wie ich schon sagte: Mit Weihnachten kommt Hoffnung in mein Leben, und das ist ein Grund, es zu feiern.
Die Reise nach Bethlehem und die Herausforderungen des jungen Paares
Ein bisschen in die Zeit damals hineinzugehen, in die Begebenheiten vor der Geburt, ist hilfreich. Bethlehem war ja nicht der Ort, an dem Joseph und Maria gewohnt haben. Zwar kam Joseph ursprünglich von dort, seinem Geburtsort, aber eigentlich lebten sie in Nazareth. Dann waren sie in Bethlehem, und später ging es noch weiter – also ziemlich verschiedene Stationen.
Es ist manchmal hilfreich, sich in die damalige Zeit hineinzudenken. Vor Bethlehem haben Josef und Maria in Nazareth gewohnt. Das müsste wohl die erste Station auf unserer Reise in die Vergangenheit sein. Das ist ein guter Ansatz.
Es war ein Skandal in der damaligen Zeit, dass Maria schwanger war, ohne verheiratet zu sein. Die beiden waren zwar verlobt, was damals schon eine feste Zusage bedeutete, dass sie heiraten wollten. Fakt ist aber, sie waren definitiv noch nicht offiziell verheiratet.
Im Gegensatz zu den damaligen Bewohnern von Nazareth wissen wir als Bibelleser natürlich mehr. Die Bibel gibt uns Hintergrundwissen: Der Heilige Geist sorgte dafür, dass sich eine Eizelle Marias mit einem weiteren Chromosomensatz verband und ein Kind entstand. Das, was in Maria geschah, gab es nur einmal in der Menschheitsgeschichte – nur bei Jesus. Er war ganz Mensch und ganz Gott.
Doch das wussten die Mitbürger in Nazareth nicht, auch Josef wusste es zunächst nicht. Ich finde es spannend, was Gott dem jungen Paar zumutet. Jesus selbst trug diesen Makel, ein uneheliches Kind zu sein, sein Leben lang. Die Pharisäer sagten später zu ihm: "Wir sind nicht unehelich geboren." Damit wollten sie sagen, sie seien besser als er, weil bei ihm die Eltern schon gesündigt hätten.
Ich denke, die Schwangerschaft von Maria war für sie und Josef eine sehr herausfordernde Zeit, weil ihr Umfeld sie sicher verachtet hat. Das muss man erst einmal aushalten, vor allem wenn man weiß, dass es ganz anders ist, als es aussieht.
Aber wie sollte man das den Leuten erklären? Das konnte man nicht. Josef wusste es ja selbst nicht. Das sieht man daran, dass er zwischendurch Maria verlassen wollte, um sie zu schützen und die Schuld für das uneheliche Kind auf sich zu nehmen. Dann erschien Josef im Traum ein Engel und sagte: "Nimm Maria zu dir. Das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist."
Ich finde es schon seltsam, was Gott Josef und Maria zumutet. Gott klärt diesen wahren Sachverhalt zunächst auch nicht auf, obwohl das ein schlechtes Licht auf seinen Sohn wirft und natürlich auch auf die Familie, in die Jesus menschlich hineingeboren wird. Kein sehr glorreicher Auftritt, wenn man es so sieht, aber irgendwo doch sehr passend für diese Menschheit, dass Jesus gleich mit so einem Makel anfängt.
Wir sind in Nazareth, es ist klar, dass ein Kind kommen wird. Jetzt gibt es eine Volkszählung, und sie müssen aus dem vertrauten Nazareth, wo schon alles vorbereitet ist – Joseph, der Zimmermann, hat schon ein kleines Bettchen gezimmert und das Zimmer für das Kind hergerichtet –, nach Bethlehem reisen.
Das ist eine ziemlich trubelige Zeit. Die Volkszählung ist der Grund, warum sie nach Bethlehem gehen müssen. Es geht um Steuern. Aber die Voraussetzung dafür war, dass sie unter einer fremden Militärherrschaft standen. Die Römer waren als Besatzer da. Sie hatten die Griechen besiegt, die Nachfahren der Griechen, und im Zuge dieser Eroberungen Israel besetzt.
Herodes der Große wurde als Vasallenkönig eingesetzt, um das Gebiet für die Römer zu verwalten. Die Menschen lebten nicht in Freiheit, sondern unter Fremdherrschaft. Israel musste tun, was der Kaiser in Rom wollte. Augustus wollte wissen, über wie viele Leute er in Israel herrschte.
Wie findet man das heraus? Man zählt die Leute. Dazu brauchte man ein System: Alle sollten in die Stadt gehen, in der sie geboren wurden. Dort meldeten sie sich beim Standesamt an, das die Listen führte. Man musste sich eintragen mit Angaben wie: "Ich lebe hier, ich bin verheiratet, und ich habe diese und jene Kinder." Das ist der Hintergrund der Weihnachtsgeschichte.
Deshalb zieht Josef mit seiner schwangeren Verlobten los. Von Nazareth nach Bethlehem sind es etwa 110 Kilometer. Heute fährt man das mit dem Auto in zwei bis drei Stunden. Früher war man viele Tage unterwegs. Das war sehr anstrengend, besonders für Maria, denn das Kind konnte jederzeit kommen.
Für mich sitzt Maria gedanklich immer auf einem Esel. Das ist nicht bequem, aber besser als zu laufen. Steht der Esel wirklich in der Bibel? Nein, ich habe ihn nirgendwo im Bibeltext gefunden. Das kann kaum wahr sein. Vielleicht haben die beiden tatsächlich einen Fußmarsch gemacht, weil der Kaiser diesen Eintrag wollte.
In meiner Kinderbibel war immer ein Esel dabei. Wahrscheinlich auch in anderen Kinderbibeln. Ich hatte keine Kinderbibel, da ich nicht christlich aufgewachsen bin, aber später. Man müsste das mal genauer anschauen. In der Krippe ist natürlich oft ein Esel dargestellt, obwohl in den Texten kein Esel erwähnt wird.
Das ist alles kulturell überlagert. Ich habe es selbst angeschaut. Jedenfalls habe ich in einem Evangelium keinen Esel gefunden. Die Hörer können ja mal nachsehen, ob sie einen Esel in den Texten finden. Vielleicht war er ja auch dabei, vielleicht aber auch nicht.
Gott mutet diesem jungen verlobten Paar Umstände zu, auf die man gut verzichten könnte. Vor allem: Man erkennt auf den ersten Blick überhaupt nicht, wozu es gut sein soll, dass sie sich auf den Weg nach Bethlehem machen.
Ich denke, das ist auch für uns immer wieder eine Herausforderung – Gott gerade dann zu vertrauen, wenn wir sagen: "Da gibt es jetzt Umstände in meinem Leben, auf die ich gut verzichten könnte, und ich weiß nicht, wozu das gut sein soll." Das macht in meinen Augen gar keinen Sinn.
Ich grüble parallel über die Bürokratie von damals nach und frage mich, welchen Sinn es hat, das ganze Land in Aufruhr zu versetzen. Das Einzige, was für mich stimmig wäre, ist, dass die Listen nur in den Geburtsorten geführt wurden und nicht anderswo. Sonst würde man ja das ganze Land aufscheuchen – das wäre Wahnsinnsarbeit und unnötig.
Auf jeden Fall war es für das Paar eine schlechte Zeit. Unromantisch, gerade in der Schwangerschaft, wenn so viele unterwegs sind. Gott mutet ihnen wirklich einiges zu.
Interessanterweise wird der Herrscher, der Schöpfer dieser Welt, nicht im Königspalast geboren, sondern an einem ganz anderen Ort.
Die Geburt in Bethlehem und die Bedeutung des Ortes
Das stimmt. Also, das ist ja alles andere als romantisch. Du ziehst nach Bethlehem, kommst dort nach einem langen Fußmarsch an und suchst irgendwo einen Platz in der Herberge. Dann fragst du bei den Leuten: Haben Sie einen Platz? – Nein, aber ich habe eine schwangere Frau. Trotzdem nicht. Und das erlebst du dann immer wieder. Du hörst immer wieder das Nein: Kein Platz.
Das heißt, wenn ich mit Gott unterwegs bin, dann heißt das nicht, dass alles glattläuft. Joseph und Maria, die Menschen, waren sicher enttäuscht. Sie wussten überhaupt nicht, wo sie jetzt schlafen sollten. Ich glaube, ihnen war auch gar nicht bewusst, warum sie gerade in Bethlehem von Tür zu Tür gehen mussten. Natürlich, weil sie hingelaufen sind, aber Gottes Plan war größer.
Als Nachkomme Davids sollte Jesus in der Stadt geboren werden, in der auch David geboren wurde und in der er zumindest seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Außerdem hatte der Prophet Micha schon vorausgesagt, dass der Retter der Welt in Bethlehem geboren werden würde. Deshalb mussten Maria und Joseph nach Bethlehem.
Bethlehem heißt übersetzt „Haus des Brotes“. Hier wird also das Brot der Welt, das Licht der Welt, erblicken – so könnte man es sagen. Jesus wird in Bethlehem geboren, wahrscheinlich – das ist eine Vermutung – unter freiem Himmel. In der Herberge gab es oft einen Innenhof, den man heute noch in Israel sehen kann. Die Zimmer waren drumherum angeordnet. Das heißt, du konntest deine Tiere mitten hinein stellen. Die konnte dann auch niemand stehlen. Dort gab es entsprechende Krippen, in denen die Tiere fraßen.
Wenn du aus deinem Zimmer in den Innenhof geschaut hast, hast du deine Tiere gesehen, die noch da waren, damit du am nächsten Tag mit ihnen weiterreisen konntest. Wahrscheinlich ist Jesus dort geboren worden. Oder in Höhlen, die auch in Diskussion sind. Es gibt Höhlen um Bethlehem herum, die touristisch angepriesen werden. Das könnte auch eine Möglichkeit gewesen sein. Genau weiß man es nicht.
Auf jeden Fall wurde Jesus in der Krippe, also in einem Futtertrog, geboren. Das ist sicher, denn das steht im Text. Wir wollen ja nach dem gehen, was im Text steht. Das heißt aber auch: Für Gottes Sohn gab es keinen Platz. Als Jesus auf diese Welt kam, musste man ihn in diese Futterkrippe legen. Das wünscht sich keine Mutter, ihr Kind in eine Krippe zu legen, aus der Tiere fressen.
Jesus wird wahrscheinlich, so stelle ich es mir vor, zwischen diesen Tieren geboren. Da stehen keine Großeltern, die schon die Erstausstattung haben, und das Bobbycar ist auch nicht mit dabei, wenn das Kind dann einigermaßen laufen und fahren kann. Paulus wird später sagen: Gott wurde arm für uns. Und es stimmt!
Auf der anderen Seite sagt Paulus, dass Jesus den Himmel für uns verlassen hat. Er war in der Gestalt Gottes, entäußerte sich selbst und nahm die Gestalt von uns Menschen an. Dazu hat ihn niemand gezwungen. Das hätte ihn auch niemand zwingen können. Das hat er selbst freiwillig gemacht. Jesus wurde ein Mensch, so wie ich, obwohl er Gott blieb.
Das war in der frühen Kirche ganz wichtig, diese Spannung immer wieder deutlich zu machen. Aber es gab auch Momente, in denen dieses Gottsein durchgeleuchtet hat. Man hat gesehen, Jesus ist tatsächlich nicht von dieser Welt. Zum Beispiel, als er über das Wasser ging – das ist nicht normal – oder als er mit wenigen Broten so viele Leute speiste, oder als Gott selbst akustisch bezeugte: „Dies ist mein geliebter Sohn, den sollt ihr hören.“ Die, die das damals gehört haben, werden es ihr Leben lang nicht vergessen.
Gott kommt mit Jesus wirklich in unsere Armut hinein, um uns reich zu machen. Dass Josef und Maria arm waren, sieht man auch daran, dass im Alten Testament vorgeschrieben ist: Wenn ein Kind geboren ist, gilt die Frau zunächst sieben Tage als unrein. Dann wird das Kind beschnitten, und danach muss die Frau weitere 33 Tage einhalten, bis sie wieder rein ist – bei Jungs genau so.
Wir sind jetzt gerade an dieser Stelle. Dann bringt sie ein Lamm und eine Taube als Opfer. Es gibt sogar eine Einschränkung: Wenn die Familie nicht genug Geld hat, um ein Lamm zu bringen, kann sie auch zwei Tauben bringen, weil diese preisgünstiger sind. Statt dem Lamm eine Taube, und dann noch eine weitere Taube.
In Lukas 2 lesen wir, dass genau das Maria gemacht hat: zwei Tauben. Das zeigt, sie waren arm und fielen unter diese Ausnahmeregel. Ich finde es krass, wie arm Jesus für uns geworden ist. Die Familie hat nicht beim Edeka eingekauft, sondern im Tafelladen. Jesus versteht jeden, der in Armut groß geworden ist.
Gott stattet seinen Sohn nicht mit irdischen Reichtümern aus. Der Vater hat zwar voll gearbeitet, es war also kein Bettler, aber er konnte einfach von seinem Job nicht leben – was mir heute leider immer mehr auffällt, dass man von einem Gehalt kaum noch leben kann.
Jesus kommt in diese Armut hinein und zeigt gleichzeitig, was es bedeutet, reich in Gott zu sein. Das motiviert mich auch, so zu leben. Ich weiß dann: Wenn ich nur Gott habe, habe ich alles. Ja, das sagen wir manchmal, aber Jesus hat es wirklich gelebt. Das war für ihn wichtig.
Die Hirten als erste Zeugen der Geburt
Ja, so romantisch ist das bisher nicht, was wir gehört haben. Jesus wird zwischen den Tieren geboren – ja, wo auch immer: ob unter freiem Himmel, im Stall oder in einer Höhle. Auf jeden Fall lag er dort in diesem Futtertrog, als die Hirten hinsehen wollten. Komischerweise hatten sie irgendwie Wind davon bekommen und kamen dann vorbei.
Da blitzt schon das Göttliche hinein. Sie haben natürlich „Wind bekommen“ in Anführungsstrichen, weil ein Engel und die Menge der himmlischen Heerscharen Gott gelobt haben. Sie sagten den Hirten auch, wo sie diesen Retter finden können.
Die Hirten sind für uns sehr wichtige Figuren in der Weihnachtsgeschichte. Sie gehören einfach dazu. Aber auch hier wird es wieder unromantisch: Für die damalige Zeit waren die Hirten eine gesellschaftliche Randgruppe. Das war lange so, sogar bis ins letzte Jahrhundert hinein.
Also, auf jeden Fall ist es so: Es war nicht etwa so, dass jemand sagt, „Oh, das ist jetzt ein Hirte!“ Und ich finde, das ist wieder typisch Gott. Er sagt den Hirten zuerst, dass das jahrtausendelange Warten ein Ende hat – und nicht irgendwelchen Regierungskreisen.
Die Hirten sind diejenigen, die es zuerst erfahren, dass der Retter kommt. Das ist heute Abend wahr geworden. Wie ich schon sagte, verkündet eben diese unzählbare Schar von Engeln ihnen, dass der Himmel sich mitfreut, weil Jesus geboren wird.
Dann kommen sie tatsächlich zu dieser Krippe irgendwo in Bethlehem. Ich finde das stark: Wir reden hier nicht vom Märchen, sondern von Tatsachen. Mir geht es so, wenn ich in Bethlehem bin, dass ich dann auch sagen kann: „Hey, hier irgendwo hat der Himmel die Erde berührt.“ Irgendwo ist Jesus unterwegs gewesen, sein Fuß hat diese Erde berührt.
Das ist wirklich Tatsache, und darüber dürfen wir uns von ganzem Herzen freuen. Es wurde gesagt, es heißt eben „Haus des Brotes“. Jesus, der meinen Hunger stillt, wird hier geboren – meinen geistlichen Hunger. Und er kann ihn wirklich stillen.
Die Weisen aus dem Morgenland und ihre Suche nach Jesus
Jetzt kamen die Hirten dazu. Wir haben ja auch noch die Weisen aus dem Morgenland, die später kamen, um Jesus als König zu suchen. Das ist eine ganz andere Perspektive. Sie haben eine Weile gebraucht, bis sie angekommen sind.
Richtig. Die Hirten haben es von den Engeln erfahren, aber die Weisen – das ist etwas obskur. Genau, die Weisen sind Sterndeuter, eigentlich Magier oder Esoteriker. Da fragt man sich, warum Gott solche Leute benutzt. Ich würde das nicht machen. Aber gut, sie haben einen langen Weg zurückgelegt, um Jesus zu sehen.
Waren es vielleicht gläubige Magier? Ich weiß nicht, ob es so etwas gibt.
Gläubige Magier? Ja, das ist die Frage, die ich mir stelle. Aber benutzt Gott auch Ungläubige? Das wäre die Gegenfrage, wenn es sie nicht gäbe.
Ja, aber Gott hat sie auf jeden Fall benutzt. Gott benutzt durchaus Ungläubige, wie zum Beispiel den König Kyros. Abraham war ja auch Götzenanbeter, bevor er berufen wurde. Das kann auch der Anfang einer Berufung sein, vielleicht auch bei den Magiern, was ich annehme.
Ich finde es spannend, wie Gott die Geschichte lenkt und wie er es liebt, durch geschichtliche Ereignisse Botschaften zu vermitteln. Ich glaube, dass da eine Botschaft mit drinsteckt bei den Magiern. Denn klar ist: Das sind nicht nur die Juden, die das mitbekommen. Die wenigsten Juden bekommen es sogar mit.
Gott hat jetzt seine Verheißung wahrgemacht: Ein Nachkomme des Königs David ist geboren. Und das sagt er Menschen, die aus dem krassen Heidentum kommen. Diese Menschen sind auf der Suche nach Jesus, weil auch sie Jesus brauchen. Hier sehen wir also Juden auf der einen Seite und Heiden auf der anderen, die sich an Jesus orientieren und in ihm den Retter finden, der sie in Gottes Gegenwart hineinrettet.
Wichtig ist für mich auch zu verstehen, dass die Magier sich an Jesus orientieren und in ihm den Retter finden. Sie kamen nicht gleichzeitig mit den Hirten. Das habe ich lange so gedacht. Die Hirten gehen gerade durch die eine Tür, und durch die andere Tür kommen dann die Magier.
Bei Weihnachtsspielen kommen die Magier immer gleich danach.
Genau, auf jeden Fall. Man hat ja nicht so viel Zeit. Die Magier erzählen König Herodes auch, dass sie vor zwei Jahren den Stern gesehen haben.
Sagen sie zwei Jahre oder schließt du das indirekt daraus, weil Herodes alle Kinder unter zwei Jahren töten lässt?
Ich schließe es indirekt daraus, weil es heißt „nach der Zeit, die die Weisen ihm gesagt hatten“. Das steht deutlich drin. Sie sagen, vor zwei Jahren haben sie das erlebt und kommen deswegen jetzt.
Wenn man den Text genau liest, dann treffen sie Maria und Josef auch nicht mehr im sogenannten Stall oder unter dem Himmel, sondern in Matthäus 2,11 lesen wir, dass sie in ein Haus kommen. Das heißt, sie haben sich damals bei Verwandten niedergelassen oder ein Haus bezogen, vielleicht gemietet, und sind nicht gleich nach Nazareth zurückgekehrt.
Die Magier kamen also in ein Haus und nicht in den Stall. Das Bild mit der Krippe ist schlicht und einfach falsch vom biblischen Text her. Da sieht man, wie die Tradition oft viel stärker wirkt als der biblische Text.
Diese Familie lebte wahrscheinlich immer noch in ärmlichen Verhältnissen, denn Josef hatte in der Zwischenzeit kein großes Geld bekommen und war nicht viel reicher geworden. Die Magier hatten Geld von den Geschenken her, was ein krasser Gegensatz zu den jüdischen Hirten ist. Diese Hirten hatten am Ende sogar die Schafe für den Tempel geweidet, weil sie aus der Gegend kamen.
Die heidnischen Magier hingegen hatten richtig Geld. Nach bis zu zwei Jahren kamen sie in dieses Haus. Zuvor gingen sie aber erst nach Jerusalem zum Palast, was ich spannend finde. Sie wussten nicht genau, wohin sie sollten. Sie folgten dem Stern, aber wenn man vom Morgenland kommt, muss man an Jerusalem vorbei, wenn man nach Bethlehem will. Also gingen sie erst einmal zum Palast von Herodes und klopften dort an.
Sie sind dem Stern gefolgt, sozusagen dem göttlichen GPS, und suchten einen König. Das war ihnen klar. Deshalb gingen sie auch zu Herodes. Es war spannend, wie er ihnen eine klare Wegführung zeigte. Doch auf dem Weg gibt es manchmal Irrwege. Selbst wenn Gott dich führt, kann es sein, dass du zwischendurch falsche Annahmen hast und eine kleine Sackgasse erlebst.
Das ist so, als wenn dein Navi plötzlich kein Netz hat. Du bist unterwegs, bleibst stehen und überlegst, wie es weitergeht. Die Magier zogen die logische Schlussfolgerung: Wir suchen einen König, also gehen wir zum König.
Dort trafen sie auf Herodes den Großen, den Machtpolitiker schlechthin. Wenn er nur den Verdacht hatte, dass jemand seinen Thron übernehmen könnte, ließ er ihn töten.
Er schickte seine Todeskommandos los und ließ im Laufe der Zeit sogar Frau und Familie töten. Das war ihm egal.
Jetzt kommen die Magier und sagen: „Da ist jemand Neues geboren.“ Der Text sagt auch, dass Jerusalem mit ihm erschrak. Das kann ich mir vorstellen, weil sie seine Eskapaden kannten.
Herodes war neidisch oder besser gesagt eifersüchtig. Was dann in Jerusalem abging, war heftig. Die Magier sagten, es gäbe einen Thronnachfolger für Herodes. So hat er es gehört.
Dann ließ er die Theologen einbestellen, was ich spannend finde. Er fragte, wo der neue König geboren werden würde. Die Theologen antworteten klar: in Bethlehem.
Ich finde es stark, dass Gott diesen Geburtsort schon Hunderte von Jahren vorher in seinem Wort festgeschrieben hat.
Diese Geschichte endet leider dramatisch: Herodes lässt in Bethlehem alle Kinder töten, die zwei Jahre und jünger sind.
Er wollte sicher gehen, dass er alle potenziellen Thronfolger ausschaltet, mehr als zwei Jahre alt waren die Kinder nicht, weil die Weisen es ihm deutlich gesagt hatten.
Ich habe mal eine Schätzung gehört, dass bei der Bevölkerungsgröße von Bethlehem etwa zwei Dutzend Kinder betroffen waren.
Das ist gut, dass du das sagst. Bethlehem war keine große Stadt.
Zwei Dutzend Kinder sind genug, um eine Vorstellung zu bekommen.
Wenn man auf den Friedhof in Bethlehem geht, sieht man viele Namen, die alle am gleichen Tag gestorben sind, weil dieses Massaker stattfand.
Ich glaube, Bethlehem hat sich viele Jahre nicht davon erholt.
Solche einschneidenden Erlebnisse gibt es auch heute noch. Wenn in einer Stadt ein Massaker stattfindet, verbindet man die Stadt damit, zum Beispiel Srebrenica.
Oder wenn man auf einem Grabstein zwei Personen sieht, die am selben Tag gestorben sind, denkt man darüber nach.
Gott hat diese Katastrophe vorhergesehen und sie sogar in seinem Wort festgeschrieben.
Maria wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit diesen Kindern.
Gott sagt dann, dass er seinen Sohn aus Ägypten gerufen hat.
Durch diesen Kindermord wurden Josef und Maria zu Flüchtlingen. Sie flohen Hals über Kopf nach Ägypten, weil ein Engel sie vorher gewarnt und ihnen den Befehl gegeben hatte: „Flieht!“
So war Jesus vor dem Zugriff von Herodes geschützt.
Aber dramatisch war es dennoch – sie wurden zu Flüchtlingen.
Die Flucht nach Ägypten und die Rückkehr nach Nazareth
Das ist wirklich spannend. Gerade hast du unheimlich viel Geld bekommen – also Gold, Myrrhe und Weihrauch. Myrrhe und Weihrauch waren damals sehr wertvoll, Gold sowieso. Das kann man gut nachvollziehen.
Ich hätte mir schon vorgestellt, wie ich jetzt das Haus schön einrichte, anstelle von Maria, und was für ein tolles Holz ich einkaufe, an Josefs Stelle. Dann würde ich daraus etwas als Zimmermann machen – ja, kein Problem. So ein schönes Furnier, etwas Besonderes, das man sich jetzt endlich leisten kann.
Doch dann kommt der Engel und sagt: „Nein, jetzt müsst ihr alles aufgeben.“ Gerade jetzt, wo ihr so viel Geld habt wie nie, geht es um euer Leben, und ihr müsst jetzt weg.
Andere Fragen sind auch: Warum mussten so viele Menschen sterben? Aber ich glaube, das ist die allgemeine Menschheitsgeschichte. Wenn Gott immer sofort eingreifen würde, würde keiner leben. Das hat er selbst gesagt. Das ist die Konsequenz: Gott richtet nicht jede böse Tat sofort, auch bei mir nicht.
Aber jetzt hast du gesagt, Jesus wird aus Ägypten gerufen und in Bethlehem geboren. Im Alten Testament wird aber auch gesagt, dass Sebulon und Naftali gesegnet werden – also die Gegend um Nazaret. Wie bringt man das alles zusammen?
Wir haben ja schon ein bisschen gesagt: Jesus hat in Nazareth gelebt, war in Ägypten und wurde in Bethlehem geboren. Bethlehem ist erst einmal eine abgeschlossene Phase. Ich finde das spannend. Das kann man im Nachhinein sehen, wie sich das zusammensetzt. Aber vorher, genau vorher, das zusammenzupuzzeln, das bekommt man nicht hin.
Am Ende passt es dann doch: geboren in Bethlehem, geflohen nach Ägypten, dann aus dem Exil zurückgekehrt und nach Nazareth gekommen. Wenn du mal darüber nachdenkst: Die biblischen Texte und die Theologen konnten Herodes genau sagen, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Sie kannten aber auch die anderen Texte. Da gab es bestimmt viele Theorien: Warum wurde er aus Ägypten gerufen, wenn er in Bethlehem geboren wurde? Und warum ist er in Nazareth aufgewachsen? Widersprechen sich diese Angaben?
Eigentlich geht nur das eine oder das andere. Über diese Frage wurden bestimmt dicke Bücher geschrieben, wie das vereinbar ist. Am Ende hat man es dann gesehen. Für mich ist das ein starkes Indiz, denn so etwas würde ich, wenn ich rein menschlich etwas vorhersagen müsste, als Wahnsinn empfinden. So etwas vorherzusagen ist vollkommen wirr und unglaubwürdig – glaubt ja eh keiner.
Und dann so eine Kombination, die eigentlich gar nicht möglich ist. Für mich ist das ein Indiz, dass das wirklich von Gott kommt. Dass es wirklich von Gott kommt und am Ende Gott eben das Puzzle zusammensetzt – nach Jahrhunderten.
Man muss auch sagen: Es ist nicht so, dass die Leute im Neuen Testament sich das im Nachhinein ausgedacht haben und das dann in den neutestamentlichen Schriften festgehalten wurde. Es gibt alttestamentarische Schriften, die wir schon lange vor der Zeit Jesu haben, die Jahrhunderte vorher aufgeschrieben wurden. Das finde ich spannend daran.
Sonst könnte man ja sagen: „Na ja, die haben das halt im Nachhinein zusammengebastelt.“ Aber die Schriften gab es schon lange. Auch archäologisch kann man belegen, dass sie lange vorher existierten.
Wir haben es heute auch so, dass es Bibelstellen gibt, zum Beispiel in der Offenbarung, bei denen man merkt: Das kriegen wir nicht so einfach zusammen.
Mir hilft es, wenn ich die Weihnachtsgeschichte anschaue, und sage: Herr, ich will dir vertrauen, auch wenn ich die verschiedenen Puzzleteile nicht zusammenbekomme. Hier würde ich sie nie zusammenbekommen haben. Dennoch hat Gott sie am Ende zusammengesetzt.
Ich glaube, das darf ich wissen: Ich darf ihm vertrauen. Er hat den Überblick. Am Schluss muss ich auch sagen: Die Weihnachtsgeschichte zeigt mir, dass ihm die Dinge nicht aus der Hand fallen.
Er musste nicht immer schnell etwas Neues machen, sondern wusste, wie es kommt. Er hat den Leuten den nächsten Schritt in der jeweiligen Situation gezeigt. Gott war immer in Kontrolle des Ganzen.
Die Gegensätze der Weihnachtsgeschichte und der Grund zum Feiern
Das freut mich sehr, auch wenn Weihnachten nicht immer so romantisch ist, wie man es sich vorstellt. Dennoch zeigt es Gottes Größe.
Es gibt diese Gegensätze: Ausgrenzung und Armut, Leid, ermordete Kinder, Flüchtlingseelend – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht die Freude der Engel, die jubeln. Maria war innerlich ebenfalls bewegt über Jesus, den Retter, der geboren wird.
Diese Freude wünschen wir auch euch als Hörern, selbst in schwierigen Situationen. Wir wünschen euch, Jesus kennenzulernen, mit ihm zu leben und zu erkennen, dass ein Retter da ist. Das ist ein Grund, warum wir Weihnachten feiern.
Das war der Podcast der evangelischen Freikirche Evangelium für alle in Stuttgart. Wir hoffen, dass ihr in diesem Jahr Weihnachten so richtig feiern könnt. Vielleicht ist euch neu bewusst geworden: Gott wurde arm für mich, damit ich durch seine Armut reich werden kann.
Wenn ihr Fragen habt, über die wir sprechen sollen, oder Anmerkungen zum Podcast, schreibt uns gerne unter podcast@efa-stuttgart.de.
Wir wünschen euch gesegnete Weihnachten.