Ich versuchte, eine Vogelschau der neutestamentlichen Bücher zu geben. Es
war mir wichtig, ohne von irgendwelchen
Einleitungsfragen abgelenkt zu werden, einfach prägnant die Botschaft jedes einzelnen Buches
des Neuen Testaments zu erfassen. Das entspricht so im Kleinen dem Stil der
Synopsis von Darby. Da geht es auch nicht um Einleitungsfragen, sondern es
geht um die Botschaft jedes einzelnen Kapitels und dann jedes einzelnen
Buches der ganzen Bibel.
Aber heute möchte ich jetzt mehr auf
Einleitungsfragen eingehen. Damit meint man: Wer hat das Buch geschrieben, wann
wurde es geschrieben, an wen wurde es gerichtet, was war der unmittelbare
Anlass dazu? In dem Skript stehen dann auch gewisse Dinge, die ich letztes
Mal schon gesagt habe, als Supplement zu dem, was im Skript vom letzten Mal
stand und darum werde ich das dann nicht unbedingt heute wiederholen, aber
es steht dann schon mal schriftlich da zum Nachlesen.
Das Thema heute
umfasst die vier Evangelien in einem ersten Block, dann gehen wir zur
Apostelgeschichte über und anhand der Apostelgeschichte wollen wir dann die
Paulusbriefe zeitlich einordnen und eben näher angehen. Im letzten Teil,
der mir dann noch bleibt, werde ich dann die allgemeinen Briefe behandeln
und die Offenbarung.
Also nun zu den vier Evangelien. Das Wort Evangelium kommt aus dem
Griechischen eyaggelion und heißt auf gut Deutsch frohe oder gute
Botschaft. Das kommt so in Markus 1,1 vor. Von daher kann man das also
begründen, dass das Markusbuch ein Evangelium ist und die ihm
gleichgearteten Bücher Matthäus, Lukas und Johannes ebenso.
Es geht darin
um vier geschichtliche Biographien oder Beschreibungen des Menschen Jesus
Christus auf der Erde.
Frage: Warum haben wir vier Evangelien und nicht nur
eines? Es gibt ja solche, die bemühen sich um eine Synopsis und sie denken,
eine Zusammenschau der Evangelien wäre doch das Ideale. Aber Gott hat uns
nicht eine synoptische Beschreibung gegeben, sondern vier Evangelien.
Warum? Es gibt einen wichtigen juristischen Grundsatz im Alten Testament,
5. Mose 19,15. Vor Gericht musste eine Aussage durch mindestens zwei
Zeugen belegt sein, um als glaubwürdig akzeptiert werden zu können. Gott
wollte über den Höhepunkt der Heilsgeschichte - Gottes Sohn ist Mensch
geworden und hat am Kreuz das Heil im Blick auf die ganze Welt vollbracht - besonders glaubwürdig bezeugt haben. Und darum hat er uns nicht zwei Zeugen
gegeben, sondern zweimal zwei Zeugen. Das entspricht den vier Evangelien.
Wenn wir die Evangelien untersuchen, stellen wir fest, dass wir sie immer
wieder in Zweiergruppen einteilen können.
Zwei Schreiber waren Apostel, Matthäus und Johannes. Die beiden anderen
waren keine Apostel, jedoch neutestamentliche Propheten, Markus und Lukas.
Neutestamentlicher Prophet heißt, jemand der in neutestamentlicher Zeit
unter der Inspiration des Heiligen Geistes schreibt. Die Gemeinde ist ja
nach Epheser 2,20 aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten.
Das ist das Fundament. Also wir haben zwei Apostel und zwei Propheten.
Dann
zwei Augenzeugen, die Apostel. Und zwei Zeugen durch Nachforschung, Markus
und Lukas. Lukas schreibt ja in seinem ersten Kapitel des Evangeliums, er
sei den verschiedenen Zeugnissen nachgegangen und hat so das
Quellenmaterial gesammelt. Markus hatte eine Mutter, in deren Haus die
Gemeinde in Jerusalem war, Apostelgeschichte 12, und dort gingen die
Augenzeugen ein und aus und so hatte Markus eben auch Zugang zu einer
Großzahl der Augenzeugen. Aber sein Bericht ist also eine Zusammenstellung
von Nachforschungen.
Zwei haben Wert auf eine strenge Chronologie gelegt,
Markus und Johannes, und zwei haben ihre Berichte zum Teil nach anderen
Kriterien geordnet, Matthäus und Lukas. Natürlich ist im Grundansatz bei
allen die Chronologie durchgehalten, die Geburt kommt nirgends am Schluss.
Dann kommt bei allen das Leben Jesu und sein öffentlicher Dienst und darauf
dann erst die Passion, die Leiden am Kreuz, und danach dann erst die
Auferstehung. Aber in diesem chronologischen Gerüst gibt es dann eben
Freiheit bei Matthäus und Lukas.
Zwei zeigen eine amtliche Herrlichkeit des Herrn Jesus, Matthäus und
Markus und zwei zeigen eine persönliche Herrlichkeit. Wir werden noch sehen
und ich habe das letztes Mal schon angetönt, Matthäus beschreibt den Herrn
Jesus als König und Markus als Knecht. Das sind Dienste. Aber zwei zeigen
persönliche Herrlichkeiten. Lukas legt den Akzent bei seiner Beschreibung
darauf, dass Jesus ein wirklicher Mensch ist. Das ist nicht eine Funktion,
ein Amt. Und Johannes betont, der Herr Jesus ist der wahre Gott. Auch das
ist kein Amt, das ist sein Wesen. Und merken wir noch? König, ganz erhaben
– Knecht, Erniedrigung. Gott, die höchste Stellung, die es überhaupt gibt –
Mensch, das ist die Erniedrigung des ewigen Gottes, der Mensch geworden
ist. Also auch da sehen wir eine Parallele in dieser zweimal zwei
Darstellungen.
Zwei beschreiben ferner Christi Erhabenheit. Das hängt nun
eben damit zusammen. Matthäus beschreibt den König und ich könnte mir keine
höhere Karriere vorstellen als König zu werden. Und Johannes zeigt, was
absolut am höchsten ist: Jesus Christus ist der wahrhaftige Gott. Und zwei
beschreiben eben seine Erniedrigung, Knecht und Mensch. Zwei, Matthäus und
Johannes, beschreiben eine Herrlichkeit, die Jesus Christus schon vor der
Menschwerdung hatte. Der Herr Jesus ist nämlich nach Jeremia 10 der ewige
König. Also der Herr Jesus war schon König, bevor er in die Welt kam. Und
Johannes beschreibt ihn als Gott, der von Ewigkeit her Gott ist. Und zwei
beschreiben eine Herrlichkeit, die Christus durch seine Menschwerdung
erhielt. Der Herr Jesus wurde Knecht durch seine Menschwerdung. Er war
nicht von Ewigkeit her Knecht. Er ist Knecht geworden und er ist Mensch
geworden.
Wenn man sich das mal so aufzeichnet, stellt man fest, dass alle
möglichen Zweierkombinationen da sind. Also alle sind mal als Zweiergruppe
verknüpft und das zeigt, wie die vier zusammen eine unzertrennliche
literarische Einheit bilden, die vom Geist Gottes so gewollt ist. Das ist
also nichts Zufälliges, dass wir nicht fünf Evangelien haben oder drei,
sondern genau die vier.
Dann noch etwas zu der Bedeutung der Unterschiede in den Zeugnissen.
Durch die Unterschiede in den Aussagen der Evangelien ergibt sich eine
zusätzliche Glaubwürdigkeit. Es sind nämlich Berichte, die aus
verschiedenen, sich ergänzenden Perspektiven verfasst worden sind. Ein
Beispiel vom Autounfall. Vier haben es gesehen und sie erzählen vier
verschiedene Dinge. Und wenn man die Berichte zusammen nimmt, im Moment ist
es vielleicht schwierig, aber am Schluss sieht man, dass es sich zusammen
reimt. Das erhöht die Glaubwürdigkeit der Zeugen. Aber wenn Zeugen vor
Gericht so erstaunlich einstimmig sind, dann könnte man den Verdacht auf
Kollusion haben, dass die sich miteinander abgesprochen haben. Darum muss
man ja manchmal Leute in Untersuchungshaft halten wegen der
Kollusionsgefahr, das heißt, dass sie sich mit den Kollegen absprechen
könnten. Also gerade die Unterschiedlichkeit macht die Darstellung
glaubwürdig. Im Matthäusevangelium lästern beide Mitgekreuzigten und im
Lukasevangelium ermahnt der eine den anderen und sagt: Wir sind zu Recht in
diesem Gericht. Ein Widerspruch? Nein, am Anfang haben beide gelästert und
im Laufe der Zeit am Kreuz ist einer zur Umkehr gekommen und das beschreibt
uns Lukas. Also hat man da nicht versucht, das aus Angst irgendwie
abzugleichen. Es ist auch gar nicht nötig, denn wenn man die Wahrheit sagt,
dann kann man auch so Unterschiedliches beschreiben.
Wie gesagt, wir haben vier verschiedene Aspekte in den Evangelien.
Matthäus beschreibt den König, das habe ich letztes Mal erklärt. Sacharja
kündigt ihn an, Sacharja 9,9: Siehe, dein König kommt. Das ist ein
wunderbarer Titel für Matthäus.
Markus beschreibt den Diener und in
Sacharja 3,8 sagt Gott vom Messias: denn siehe, ich will meinen Knecht,
Spross genannt, kommen lassen. Sacharja 3,8 ist der Titel für das
Markusevangelium.
Lukas beschreibt den Menschen, wie letztes Mal erklärt,
Sacharja 6,12 spricht über den Messias: Siehe, ein Mann, sein Name ist
Spross. Das ist ein wunderbarer Titel für Lukas. Nebenbei gesagt, Spross
ist ein schöner Deckname für Nazarener, weil Nazareth auf Deutsch
Sprosslingen heißt. Nezer heißt Spross und Nazareth ist demzufolge
Sprosslingen. Also wenn man über Jesus den Nazaräer spricht, dann ist das
Jesus, der Spross. Mein Knecht, Spross genannt, kommt. Siehe, ein Mann,
Spross genannt.
Dann haben wir das Johannesevangelium und da spricht Jesaja
35,4 von dem Messias und sagt: Sieh, euer Gott kommt. Eindrücklich, siehe,
euer Gott kommt, das ist das Johannesevangelium.
Man kann dann auch die vier Gesichter der Cherubimengel im Alten
Testament damit in Verbindung bringen. Hesekiel 1,10: das Gesicht eines
Löwen passt zu Matthäus. Das Gesicht eines Ochsen, der ja als Diener zum
Dreschen eingesetzt wurde, passt zu Markus. Das Gesicht eines Menschen
passt wunderbar zu Lukas und das Gesicht eines Adlers trifft sich perfekt
mit dem Johannesevangelium, der Sohn Gottes, der vom Himmel her gekommen
ist.
Es gibt im Alten Testament vier verschiedene Blutopfer, die auch schön
mit den vier Evangelien übereinstimmen.
Ich beginne mit Johannes, das
Brandopfer in 3. Mose 1, das Opfer zur Verherrlichung Gottes. Und das
Johannesevangelium betont immer und immer wieder, der Herr Jesus ist
gekommen, um Gott hier zu verherrlichen. Die Finsternis am Kreuz wird dort
auch gar nicht genannt. Wir gehen rückwärts.
Das Lukasevangelium beschreibt
das Friedensopfer. Das Friedensopfer ist das Gemeinschaftsopfer, wo man
einen Teil selber essen durfte und ein anderer Teil für Gott verbrannt
wurde. So hat man mit Gott Gemeinschaft und genießt den Frieden mit Gott.
Das Lukasevangelium zeigt wie kein anderes, wie oft der Herr Jesus zu
Menschen auf Besuch geht. Das ist geradezu frappant. Zum Beispiel die
Geschichte von Zachäus kommt nur hier vor, und noch viele andere
Geschichten, die man nur im Lukasevangelium findet, das Friedensopfer. Und
da haben wir auch die Weihnachtsgeschichte mit dem: Friede auf Erden. Das
ist das Friedensopfer. Und nur im Lukasevangelium haben wir den
Mitgekreuzigten, der zum Glauben kommt. Und der Herr Jesus sagt: "Heute
wirst du mit mir im Paradiese sein."
Markus beschreibt das Sündopfer, 3. Mose 4.
Und Matthäus das Schuldopfer, 3. Mose 5.
Der Unterschied ist der.
Beim Schuldopfer ging es darum: Wenn jemand gestohlen hatte, dann musste er
das Gestohlene zurückgeben und zwanzig Prozent dazu. Das Schuldopfer bedeutete,
dass meine Sünde Schaden angerichtet hat.
Und so betont das Schuldopfer,
dass durch das Opfer des Messias auch der Schaden der Sünde wieder gut
gemacht werden sollte. Und das ist das Thema im Matthäusevangelium. Nur
dort schreit das Volk vor Pilatus: "Sein Blut komme über uns und unsere
Kinder!" Das heißt: Wir nehmen die Folgen, die Konsequenzen unseres Tuns auf
uns. Das kann niemand tragen.
Und wenn dann Matthäus die Passion
beschreibt, zeigt er, wie der Herr Jesus gerade für die Folgen der Sünde,
den Schaden, gestorben ist.
Das Markusevangelium zeigt den treuen Diener,
der nur gekommen ist, um Gutes zu tun. Und trotzdem wurde er getötet. Das
zeigt die Boshaftigkeit der Sünde, das Sündopfer betont viel mehr die
Quelle, woher das Böse kommt, nämlich aus der Boshaftigkeit der
menschlichen Natur.
Und wenn Markus die Passion beschreibt, ist das die
Antwort: Jesus Christus ist auch für die Boshaftigkeit meines Herzens
gestorben.
Ein weiterer Punkt. Matthäus, Markus und Lukas haben viele gemeinsame
Berichte. Deshalb werden sie die synoptischen Evangelien genannt. Das heißt
auf gut Deutsch: Die Evangelien mit dem gleichen Gesichtswinkel. Also so
kann man die Evangelien auch einteilen in drei plus eins. 5. Mose 19,15sagt ja, es sollen mindestens zwei oder drei Zeugen für eine Sache sein. Da
haben wir eine Dreiergruppe beieinander. Und dann kommt noch Johannes dazu
als Supplement. Drei ist zwar schon eine starke Bezeugung, aber Gott gibt
noch eins dazu.
Nun, die synoptischen Evangelien haben schon Lessing
beschäftigt. Er hat diesen Spruch vom synoptischen Problem aufgebracht.
Wieso sind die so ähnlich? Wieso haben die so viel gemeinsamen Stoff? Und
er hat dann die Lüge in die Welt gesetzt, die hätten einfach voneinander
abgeschrieben. Und das ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die spätere
Bibelkritik, für die liberale Theologie, geworden. Ich spreche nicht vom
synoptischen Problem, denn es ist kein Problem, sondern von der
synoptischen Frage.
Das Matthäusevangelium hat 1068 Verse, Markus hat 666
Verse, Lukas 1149 Verse, Johannes 879 Verse. Nun, 606 Verse von Markus
finden sich inhaltlich bei Matthäus und 350 haben bei Lukas eine Parallele.
Das heißt, nur 31 Verse sind absolut ohne Parallele. Und das nennt man das
Sondergut eines Evangelisten. Aber diese Ähnlichkeit darf uns nicht zu
ähnlich vorkommen, denn wenn man die Parallelen wirklich gut vergleicht,
stellt man fest, wie oft gerade die Wortwahl unterschiedlich ist. Oder wie
Texte von Markus dann eine Parallele haben in den anderen Evangelien, aber
trotzdem Details dort erwähnt werden, die man in den anderen Evangelien
nicht findet. Und wenn in der liberalen Theologie dauernd behauptet wird,
die hätten alle von Markus, oder von einem Urmarkus, abgeschrieben, dann
können sie uns aber nicht erklären, woher all diese Überhänge kommen, die
man eben in den beiden anderen Evangelien nicht findet.
Also der Begriff
des Sondergutes ist etwas Nützliches, aber es darf uns nicht dazu
verleiten, dass wir denken, dass das Gemeinsame auch das Gleiche wäre, so
dass wir uns darüber keine Gedanken zu machen brauchen. Das soll eben nicht
sein, denn jedes Evangelium ist in sich ein Original, inspiriert durch den
Heiligen Geist. Ja, das zur synoptischen Frage.
Das Evangelium nach Matthäus
Der Autor ist Matthäus, der Zöllner. Er
beschreibt seine Bekehrung in Matthäus 9,9-13. Dort wird er als Zöllner
vom Herrn in die Nachfolge berufen. Er macht darauf ein Fest und lädt seine
ehemaligen Freude dazu ein, damit sie den Erlöser kennenlernen. Und er
wird später Apostel, also einer der Zwölf, Matthäus 10,3.
Nun, wenn wir
jemandem begegnen, der sagt dann plötzlich: Ja, das stimmt ja überhaupt
nicht. Wer sagt mir, dass Matthäus der Autor ist? Das hat doch die
Wissenschaft schon längst widerlegt. Wo kann man die Beweise und Argumente
finden? Ich habe ganz am Schluss im Literaturverzeichnis Bücher angegeben.
Zuerst zu den Evangelien im Allgemeinen, dann Einleitungen zu allen
biblischen Büchern des Neuen Testaments. Und da verweise ich speziell auf
Mauerhofer, Erich: Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments, 2
Bände, 1995. Und da findet ihr eine Zusammenstellung von dem
Quellenmaterial. Also wo man außerbiblisch aus der frühesten Zeit Quellen
findet, mit denen wir beweisen können, dass Matthäus der Autor ist. In
diesem Buch findet man solches Material und kann dann Bibelkritiker mundtot
machen, auf freundliche Art und Weise, meine ich natürlich. Es geht ja
darum, haltbare Argumente vorzubringen.
Übrigens, Matthäus war offensichtlich ein Jude, der einem großen König
dienen wollte, sonst wäre er nicht Zöllner geworden. Ein Diener des Kaisers
und ein Verräter seines Volkes. Aber dann kam plötzlich der König der
Könige auf den Plan und sagt zu ihm: "Folge du mir nach." Und so hat er den
Dienst für den Kaiser quittiert und ist dem wahren König nachgefolgt. Gott
hat ihn ausgewählt, um das Evangelium über den König Jesus zu schreiben.
Dann habe ich verschiedene charakteristische Merkmale schon letztes Mal
erklärt. Die sind jetzt hier auf dem Blatt.
Zum Datum. Matthäus hat sein
Evangelium vor 65 n. Chr. geschrieben. Das können wir aus den Quellen
erkennen, aber wir können nicht genau sagen, in welchem Jahr. Das « vor»
könnte also auch bedeuten, es war das Jahr 36. Das wissen wir nicht, es war
aber auf jeden Fall vor dem Jahr 65. Das ist wichtig, weil es eindeutig vor dem Jahr 70 liegt, als Jerusalem zerstört wurde. Und das macht
deutlich, dass die Prophezeiungen, die der Herr Jesus zum Beispiel in
Matthäus 24 über den Fall Jerusalems und des Tempels gesagt hat, echte
Prophetie war, und keine Prophetie im Nachhinein.
Warum hat man das
Matthäusevangelium als Heilige Schrift aufnehmen müssen? Matthäus war einer
der zwölf Apostel. Und ich habe zu der Einleitung der Fragen zur Entstehung
der Bibel und der Bildung des Kanons bereits erklärt, ein
neutestamentlicher Schreiber musste einer der Apostel Jesu Christi gewesen
sein, also einer der Zwölf oder Paulus, oder ein Prophet, der von den
Aposteln Jesu Christi anerkannt war.
Etwas noch zur Grobstruktur. Wir können das Matthäusevangelium grob in
zwei Teile gliedern.
I. Der König für Israel.
Er bietet sein Königreich an,
aber Israel verwirft ihn, Kapitel 1-12. Der Höhepunkt ist Kapitel 12, wo
Pharisäer sagen, er treibe die Dämonen durch Satan aus. Da ist ein Vollmaß
erreicht. Und das führt über zum nächsten Teil,
II. Der verworfene König und sein Königreich in geheimnisvoller Form.
Ab Kapitel 13 spricht der Herr
Jesus über die Geheimnisse des Reiches Gottes. Ein Geheimnis ist in der
Bibel eine Offenbarung, die im Alten Testament nicht bekannt ist, jetzt
aber neu geoffenbart wird. Das heißt, das Königreich, wie es im Alten
Testament angekündigt war (der Messias herrscht über die ganze Erde),
bekommt eine neue Form, die nicht prophezeit war, und zwar in der Weise,
dass der König ins Exil geht, in den Himmel. Und er hat hier seine Knechte
und es kommt zu einer totalen Vermischung hier auf Erden. Das wird in
diesen Königreichsgleichnissen dargestellt.
Das Wort soll jetzt zu den
Völkern gehen. Der Herr Jesus erwähnt erst in diesem zweiten Teil die
Gemeinde Gottes als etwas völlig Neues. Hier spricht er über die Zukunft
des Königs, Matthäus 24, dann kommt sein vollendetes Werk und das ist die
Grundlage für das zukünftige Königreich in Herrlichkeit, das der Herr Jesus
in Matthäus 24 ankündigt. Er wird erst am Ende der Zeit kommen als König
über alle Könige, Matthäus 13-28.
Das Evangelium nach Markus
Jetzt gehen wir zum Markusevangelium über.
Der Autor ist Johannes Markus,
so wird er in Apostelgeschichte 12,12 genannt. Johannes war sein jüdischer
und Markus sein römischer Name. Oft hatten Juden damals eben zwei Namen,
einen jüdischen und einen nichtjüdischen Namen.
Petrus nennt ihn in 1. Petrus 5,13 mein Sohn. Das heißt also, dass er zu Petrus eine besondere Beziehung hatte und wohl durch ihn zum Glauben gekommen war.
Petrus nennt ihn in 1. Petrus 5,13 mein Sohn. Das heißt also, dass er zu Petrus eine besondere Beziehung hatte und wohl durch ihn zum Glauben gekommen war.
Er war Diener
des Apostel Paulus auf dessen ersten Missionsreise, Apostelgeschichte 13,5. Aber es wurde ihm dann in den unwirtlichen Gegenden der Türkei zu
ungemütlich und so hat er seinen Dienst aufgegeben, Apostelgeschichte 13,13. Er hat im Dienst versagt und deshalb wollte Paulus ihn auf die zweite
Reise nicht mehr mitnehmen, Apostelgeschichte 15,37f. Also jemand, der im
Dienst versagt hatte, schreibt das Evangelium über den vollkommenen Diener.
Es ist interessant, wie das Biographische des Autors sich mit dem Inhalt
des Evangeliums verbindet. Aber er wird völlig wieder hergestellt. Jahre
später sehen wir ihn, in Philemon 24, Kolosser 4,10-11 und 2. Timotheus 4,11 als Mitarbeiter von Paulus. Und er wird sogar in 2. Timotheus 4,11 so
gelobt: "Nimm Markus mit, denn er ist mir nützlich zum Dienst."
Er war ein Verwandter des Leviten Barnabas, Kolosser 4,10. Barnabas war ein Levit, also ein Tempeldiener und das könnte bedeuten, dass auch Markus levitisches Blut hatte. Also ein Levit schreibt über den vollkommenen Diener.
Er war ein Verwandter des Leviten Barnabas, Kolosser 4,10. Barnabas war ein Levit, also ein Tempeldiener und das könnte bedeuten, dass auch Markus levitisches Blut hatte. Also ein Levit schreibt über den vollkommenen Diener.
Zu den charakteristischen Merkmalen habe ich letztes Mal schon einiges
gesagt. Das wiederhole ich nicht mehr. Aber ich möchte noch betonen, es ist
das Bibelbuch, das im Neuen Testament mit der höchsten Dichte im Gebrauch
des Wortes kai, und. Das kann man statistisch mit dem Computer berechnen
und in keinem Buch kommt das so häufig vor, so dicht, wie hier, 1094 Mal in
den sechzehn Kapiteln. So soll man keine deutschen Aufsätze schreiben, aber
Markus hat nicht deutsch geschrieben, sondern Griechisch, und zwar ein
hebräisch geprägtes Griechisch. Dieses und, und, und, zeigt den
unermüdlichen Diener.
Häufig kommt das Wort eytheos oder eythys, alsbald, vor, ca. 40 Mal. Das betont den Eifer Christi. Er hat nicht nur unermüdlich gedient, sondern alsbald, sogleich. Das übrige habe ich letztes Mal erklärt und so gehen wir zu Datum und Kanonizität.
Häufig kommt das Wort eytheos oder eythys, alsbald, vor, ca. 40 Mal. Das betont den Eifer Christi. Er hat nicht nur unermüdlich gedient, sondern alsbald, sogleich. Das übrige habe ich letztes Mal erklärt und so gehen wir zu Datum und Kanonizität.
Er hatte also eine besondere
Beziehung zum Apostel Petrus, wie wir bereits gesehen haben. Und
frühchristliche Schreiber, wie Papias, Irenäus, Clemens von Alexandria,
machen deutlich, dass Markus dieses Evangelium geschrieben hat und dass
dies in Übereinstimmung mit Petrus geschah. Da haben wir das apostolische
Ja dazu. Er schrieb sein Evangelium um 64-67 n. Chr. Es ist also
nicht das älteste Evangelium, wie die Bibelkritiker das wollen. Das
Matthäusevangelium ist davor geschrieben worden.
Die Grobstruktur:
I.) Der Diener Gottes handelt in Güte gegenüber Israel. Dennoch beschließt die Führerschaft ihn zu töten, Kapitel 1,1-3,6.
II.) Der verworfene Diener.
Nach diesem Höhepunkt ist er der verworfene Diener. Er weist andere Diener im Dienst an, denn gleich darauf kommt seine Berufung der Apostel. Er ist treu bis in den Tod, also bis Kapitel 15,47. Mit der Passion endet dieser Teil.
Nach diesem Höhepunkt ist er der verworfene Diener. Er weist andere Diener im Dienst an, denn gleich darauf kommt seine Berufung der Apostel. Er ist treu bis in den Tod, also bis Kapitel 15,47. Mit der Passion endet dieser Teil.
III.) Die Erhöhung und Verherrlichung des Dieners, Kapitel 16.
Das Evangelium des Dieners zeigt, wie Jesus Christus schließlich auf dem Thron Gottes sitzt, was ohne Parallele zu den anderen Evangelien ist.
Das Evangelium des Dieners zeigt, wie Jesus Christus schließlich auf dem Thron Gottes sitzt, was ohne Parallele zu den anderen Evangelien ist.
Das Evangelium nach Lukas
Autor ist der Arzt Lukas, Kolosser 4,14. Er
hat Menschenkenntnis, Mitgefühl für die Kranken und Armen und das macht
deutlich, warum gerade im Lukasevangelium so besonders viele Beschreibungen
über Kranke und Arme, also solche, die am Rand der Gesellschaft waren,
enthält.
Er ist der einzige Bibelschreiber, von dem wir wissen, dass er
kein Jude war. In Kolosser 14,14 werden drei und drei Grüße weiter
gegeben. Von der einen Dreiergruppe wird gesagt, dass sie aus der
Beschneidung sind, das sind Juden. Und dann kommt noch mal eine
Dreiergruppe, das sind demnach keine Juden, und da ist Lukas drin. Und es
gibt auch eine frühchristliche Überlieferung, die das auch bestätigt. Also
schon etwas ganz Besonderes, der einzige nichtjüdische Autor, oder einzige
nichtisraelitische Autor eines Bibelbuches. Das erklärt auch, warum im
Lukasevangelium die Gnade für alle Völker so wichtig ist. Und nur Lukas
bringt das Geschlechtsregister, das bis auf Adam zurück geht, eben um zu
zeigen, dass der Erlöser mit der ganzen Menschheit verwandt ist und nicht
nur mit Israel.
Lukas ist ein Historiker. In den ersten fünf Versen
beschreibt er, wie er den verschiedenen Zeugnissen nachgegangen ist und wie
ein Historiker die Quellen gesammelt und zusammengeführt hat. Und gerade
diese Sorgfalt ist eine menschliche Garantie für eine glaubwürdige
Überlieferung. Und gerade die moderne Archäologie hat Lukas als Historiker
darstellen in einer ganz umwerfenden Art und Weise können. Zu diesem Thema
gibt es gute Literatur. Besonders durch die Grabungen in Griechenland und
der Türkei hat man zeigen können, wie Lukas in der Apostelgeschichte in
kleinsten Details so verblüffend exakt ist, menschlich gesehen, so dass man
zum Urteil kommen musste, er steht als Historiker wirklich auf der höchsten
Linie.
Einige charakteristische Merkmale.
Begriffe wie Freude, sich freuen etc. kommen am häufigsten im Lukasevangelium vor. In Matthäus 13, in Markus 3, in Lukas 33 und in Johannes 20 Mal. Übrigens wird beim Friedensopfer im Alten Testament betont, dass man sich dort freuen muss, 5. Mose 27. Das ist das Evangelium der Freude, das Evangelium des Friedensopfers.
Begriffe wie Freude, sich freuen etc. kommen am häufigsten im Lukasevangelium vor. In Matthäus 13, in Markus 3, in Lukas 33 und in Johannes 20 Mal. Übrigens wird beim Friedensopfer im Alten Testament betont, dass man sich dort freuen muss, 5. Mose 27. Das ist das Evangelium der Freude, das Evangelium des Friedensopfers.
Friede ist
ein charakteristischer Begriff. Er kommt bei Matthäus 3, bei Markus 2, bei
Lukas 14 und bei Johannes 6 Mal vor. Es geht hier eben um das
Friedensopfer.
Dann sind in diesem Evangelium die Wörter Rettung, Heil
vorherrschend, auch Wörter wie Lob oder loben. Und das Friedensopfer
konnte auch speziell als Lobopfer gebrachte werden.
Gnade, Barmherzigkeit
sind auch eindeutig charakteristische Begriffe hier. Es geht um die Gnade
Gottes, die die Grenzen Israels sprengt.
Gemeinschaft steht hier im
Vordergrund, viele Besuche, persönliche Unterredungen. In Lukas 1,78heißt es, dass Gott die Menschen besucht hat, und auch in Lukas 7,16. Gott
kommt zu uns Menschen auf Besuch. Dieser Ausdruck ist einzigartig.
Es geht
hier um den abhängigen Menschen im Gebet. Ich habe hier alle 11 Stellen aus
dem Lukasevangelium aufgeführt, wo der Herr Jesus betet. Was ist der
wahre Mensch? Der wahre Mensch ist der, der sich von Gott abhängig weiß.
Und so hat der Herr Jesus uns das Beispiel gegeben. Kein Evangelium hat so
viel über das Gebetsleben Jesu zu berichten.
Datum und Kanonizität. Lukas schrieb sein Evangelium vor der
Apostelgeschichte. Das ist logisch, denn sie ist ja die Fortsetzung, wie
wir gleich sehen werden. Und die Apostelgeschichte wurde 62 n. Chr.
geschrieben. Also wurde das Lukasevangelium noch vor 62 n. Chr.
geschrieben. In 1. Timotheus 5,18 zitiert der Apostel Paulus Lukas 10 als
die Schrift, die heilige Schrift. Dies Evangelium ist also bereits durch
einen Apostel Jesu Christi voll anerkannt.
Zur Grobstruktur:
Es gibt eine Einführung, Verse 1-5.
Und dann folgt der erste Teil,
I. Das Kommen Jesu
Christi.
Jesus Christus kommt in diese Welt. Und dort, bei Lukas 9,50,
kommt es zu einer Wende. Dort sehen wir, wie der Herr Jesus nun sich
festsetzt, nach Jerusalem zu gehen, um dort zu leiden und dann in die
Herrlichkeit zu gehen. Also dort haben wir den Wendepunkt. Und so können
wir sagen, der erste Teil zeigt das Kommen Jesu Christi und der zweite
Teil,
II. Das Weggehen Jesu Christi.
Und alles weitere wird beschrieben als
eine Reise des Herr Jesus, bis er nach Jerusalem hinaufgeht, dort leidet
und schließlich aufersteht und dann ganz am Schluss in den Himmel auffährt.
Das Evangelium nach Johannes
Jetzt gehen wir noch zum Johannesevangelium. Der Autor ist Johannes, der
Fischer, der in Matthäus 1,24 sein Netz flickte, als der Herr Jesus ihn in
die Nachfolge berief.
Das Johannesevangelium wurde am Ende des 1.
Jahrhunderts geschrieben, wie wir gleich sehen werden, als die Irrlehre der
Gnostiker eine unwahrscheinliche Bedrohung für die Christen war. Eine
Irrlehre, die die Person Jesu Christi angriff, seine wahre Menschwerdung
und auch seine Gottheit. Und Johannes muss die Gläubigen wieder
zu den Fundamenten des Glaubens zurückführen. Er muss also das Netz
flicken, kann man sagen, das kaputt geht. Er ist ein wirklicher
Netzflicker.
Und in Markus 3,17 hat er zusammen mit seinem Bruder Jakobus
den Beinamen Boanerges bekommen, Donnersöhne. Das war von Natur kein
sanfter Mensch, sondern ein explosiver und er hat ja auch den Wunsch, einen
besonderen Platz zu haben, Matthäus 20,20-28. Das ist auch das Problem des
Hochmuts. Aber Johannes ist es, der zum Beispiel in Johannes 3 so
wunderbar über die Neugeburt schreibt.
Die Neugeburt verändert einen Menschen von innen heraus gründlich und vollständig.
Und darum kommt uns
aus seinen Schriften nicht das Bild eines hochmütigen Explosiven entgegen,
sondern das eines Menschen, der durch die Neugeburt wirklich ins Bild des
Sohnes Gottes umgewandelt worden ist.
Er war der Jünger, von dem es heißt:
den Jesus liebte. Ich habe hier die Stellen aufgeführt aus dem
Johannesevangelium. Er war der Jünger, der beim letzten
Passah im Schoß Jesu lag.
Übrigens, wie geht das, ein Erwachsener im Schoß Jesu? Also ich
weiß, wie man kleine Kinder so auf den Schoß nimmt. Hier geht es um die
Sitzordnung beim Abendmahl, beim letzten Passah. Man saß an einem
Triklinum, das ist ein Tisch, der aus drei Teilen besteht und rund um diese
Dreiteilung waren die Polster, worauf man beim Essen nach römischer
Sitte lag. Und da konnte Johannes grad neben dem Herrn auf Platz 2 so auf dem
Polster liegen, dass er, was sage ich, auf Platz 1, der Herr war auf Platz
2, das war immer der Ehrenplatz. Auf Platz 1 konnte Johannes so liegen,
dass er mit dem Kopf an die Brust des Herrn kam. Ganz natürlich. Er hatte
also den Herzschlag des Herrn so erlebt und er schreibt über Jesus
Christus, den Sohn Gottes, im Schoß des Vaters, Johannes 1,18. Das drückt
diese ewige Gemeinschaft der Liebe zwischen dem ewigen Vater und dem ewigen
Sohn aus.

