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Bereitschaft für Christus

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 3/33
26.01.2025Römer 1,8-15
SERIE - Teil 3 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Bist du bereit, das Evangelium weiterzugeben, statt es für dich zu behalten? Paulus nennt sich „Schuldner“ aller Menschen, weil er das kostbare Geschenk des Glaubens nicht für sich behalten kann. Wie sieht es mit deiner Bereitschaft aus, für Jesus loszugehen – auch wenn’s unbequem wird? Die Predigt zeigt, warum echte Überzeugung und der Heilige Geist uns stark machen, das Evangelium mutig zu leben und zu teilen. Bist du bereit, dein Leben für Jesus einzusetzen?

Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite!

Wir sind alle gut vorbereitet auf unseren Römerbrief. Wir gehen gemeinsam durch dieses Buch der Bibel hindurch und lassen die Wahrheiten, die dort der Reihe nach vor unseren Augen und Herzen aufleuchten, zu uns sprechen.

Da bereits angekündigt wurde, dass euer Sitzen nur von kurzer Dauer sein wird, stehen wir nun wieder auf und lesen miteinander das kostbare Wort des Herrn. Unser Gott redet zu uns durch diesen Text: Römer 1,8-15.

Dankbarkeit und Sehnsucht nach Gemeinschaft im Glauben

Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller Willen, weil euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird.

Denn Gott, dem ich in meinem Geist diene am Evangelium seines Sohnes, ist mein Zeuge, wie unablässig ich euer gedenke. Ich flehe allezeit in meinen Gebeten, ob es mir nicht endlich einmal durch den Willen Gottes gelingen möchte, zu euch zu kommen.

Ich sehne mich danach, euch zu sehen, um euch eine geistliche Gnadengabe mitzuteilen, damit ihr gestärkt werdet. Das bedeutet aber auch, dass ich unter euch mitgetröstet werde durch den gemeinsamen Glauben, den euren und den meinen.

Ich will euch aber nicht verschweigen, meine Brüder, dass ich mir schon oftmals vorgenommen habe, zu euch zu kommen. Ich wurde aber bis jetzt verhindert, um auch unter euch etwas Frucht zu wirken, wie unter den übrigen Heiden.

Denn ich bin ein Schuldner sowohl den Griechen als auch den Nichtgriechen, sowohl den Weisen als auch den Unverständigen. Darum bin ich bereit, so viel an mir liegt, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen. Amen!

Setzt euch gerne hin, ihr Lieben!

Thema der Predigt: Bereitschaft für Christus

Ich würde am liebsten jeden einzelnen Vers hier und jedes Wort mit euch besprechen, denn in jenem Satz steckt eine ganze Predigtreihe. Aber so viel Zeit haben wir dann doch nicht, und wir müssen auch ein bisschen vorankommen.

Deshalb denke ich, die Überschrift über diesen Abschnitt lautet: Ich bin ein Schuldner, ich bin aber bereit. Mein Thema lautet daher Bereitschaft für Christus. Es könnte auch heißen: Wie wir Christen Veruntreuung begehen.

John Stott erklärt uns in seiner Auslegung zum Römerbrief, was andere Männer Gottes zu all diesen Texten gesagt haben. Er zeigt, wie wir in zweierlei Hinsicht Schuldner sein können.

Beispielsweise werde ich Schuldner, wenn ich mir von Björn tausend Euro leihe. Er sagt dann: „Das stimmt, ich will das von dir zurückhaben.“ Wirklich, Björn? Ja! Dann schulde ich ihm tausend Euro. Ich bin also ein Schuldner gegenüber Björn.

Aber wenn er mir sagt, dass ich die tausend Euro einem anderen Pastor auf dem Missionsfeld weitergeben soll, wem schulde ich dann die tausend Euro? Nicht Björn, sondern dem armen Pastor.

Geistliche Verantwortung und Veruntreuung des Evangeliums

Denn ich bin lediglich ein Bote und schuldig, das Geld, das Björn mir anvertraut hat, an anderer Stelle abzugeben. Wenn ich das nicht tue, nennt man das Veruntreuung.

Ebenso gibt es eine geistliche Veruntreuung. Wir behalten das Gut, das Evangelium, das mehr wert ist als alle Millionen dieser Erde und uns anvertraut wurde, für uns selbst. Dabei enthalten wir es denen vor, für die es bestimmt ist.

Paulus schreibt in Vers 14 deshalb nicht, dass er ein Schuldner Gottes sei – obwohl das auch richtig wäre. Er sagt vielmehr, dass er ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen ist, also aller Menschen.

Paulus hatte von Gott nicht tausend Euro erhalten, die er weitergeben sollte, sondern wir können sagen, er hatte Gold empfangen: Juwelen und Brillanten, nämlich die Kostbarkeit des Evangeliums. Wehe dem, der diese unterschlägt!

Gott hatte ihm die Heilsbotschaft anvertraut und ihn dadurch zum Schuldner der Menschen gemacht. Wenn er das Evangelium nicht weitergibt – wie wir schon gesagt haben – dann ist das Veruntreuung.

Das heißt, liebe Gemeinde: Wenn wir schweigen, veruntreuen wir. Wir geben nicht ab, was anderen zusteht.

Die unerretteten Menschen sah Paulus als seine Gläubigen an. Deshalb bezeichnete er sich als deren Schuldner. Ich bin ein Schuldner.

Die Verantwortung des Christen für das Evangelium

Dazu gibt es einen erschütternden Satz, den Gott durch den Propheten Hesekiel spricht: „Wenn ich zu dem Gottlosen sage: ‚Du musst gewisslich sterben‘, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, so wird der Gottlose um seiner Missetat willen sterben. Aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern.“

Diesen Satz hat Gott nicht in die Bibel geschrieben, damit wir daran zerbrechen sollen. Er will auch nicht, dass heute jemand mit unglaublichen Schuldgefühlen hier sitzt – ja, einerseits schon mit Schuldgefühlen, aber nicht mit Verdammnisängsten.

Wir gehen nicht verloren, weil wir versäumt haben, anderen Menschen Zeugnis abzulegen, denn wir leben aus der Gnade und der Vergebung. Aber wir haben, auf dem Grund des herrlichen Evangeliums, wie Paulus sagt, nicht Gold, Silber und edle Steine gebaut, sondern nur Holz, Heu und Stroh. Diese werden an jenem Tag vor Gott im Feuer verbrennen.

Deshalb werden wir Schaden erleiden, aber wir selbst werden gerettet werden – doch so, als würden wir durchs Feuer hindurchgehen. Die Bibel lehrt uns also, dass wir Verantwortung haben, als Christen das uns anvertraute Gut auch abzugeben.

Auf der anderen Seite dürfen wir uns freuen, denn wir müssen Mission nicht aus eigener Kraft betreiben, sondern aus der Retterliebe des Heiligen Geistes, der in uns wirkt.

Der Heilige Geist als Quelle der Zeugenschaft

In der Wiedergeburt haben wir den Heiligen Geist des Zeugnisses empfangen. Die Bibel nennt den Heiligen Geist auch gern den Geist des Zeugnisses. Wer diesen Geist in der Wiedergeburt empfangen hat, kann gar nicht schweigen.

Deshalb gibt es keinen wiedergeborenen Christen, der nicht auch Zeugnis von Jesus ablegt. Es kann nicht sein – und das gibt es auch nicht –, dass jemand mit dem Heiligen Geist erfüllt ist und schweigt. Stattdessen redet er. Das liegt in der Natur der Erneuerung, die Gott uns durch den Heiligen Geist gegeben hat.

So können wir es auch nicht lassen, wie Petrus, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. Es ist also Gott selbst, durch den wir begleichen können, was wir anderen Menschen schuldig sind. Einerseits ist unsere menschliche Verantwortung da, andererseits dürfen wir auch ausruhen in der Kraft Gottes, die durch uns das wirkt, was wir nicht schaffen.

Aber es liegt und bleibt eine große Verpflichtung, Zeugnis abzulegen und von Jesus zu sprechen.

Die weltweite Verpflichtung der Christen

Liebe Gemeinde, lasst uns einmal unseren Globus betrachten. Von den aktuell 8,2 Milliarden Menschen auf der Welt gibt es mindestens zwei Milliarden, die vom Evangelium noch nie gehört haben. Mehr als vier Milliarden haben zwar schon den Namen Jesus Christus gehört, wissen aber nicht, was er bedeutet.

Es soll siebentausend verschiedene Sprachen auf der Welt geben. Doch nur bei etwa siebenhundert Sprachen sind zehn Prozent der Bevölkerung mit der Bibel in ihrer Sprache versorgt. Nur rund tausendfünfhundert Sprachen verfügen über das Neue Testament.

Obwohl die Bibel das am weitesten verbreitete Buch der Erde ist, haben nur ein Bruchteil der Menschen Zugang zu ihr oder können sie verstehen.

Wir Christen sind Schuldner. Wir haben eine Verpflichtung, auch in unserem Land, in Deutschland, in unserer Stadt. In unserer Nachbarschaft gibt es unzählige Menschen, denen wir die gute Botschaft schuldig sind. Wenn wir sie ihnen verschweigen, veruntreuen wir die Gabe, die Gott uns für sie anvertraut hat.

Die Gründung eines Missionswerks als Ausdruck der Verpflichtung

Diese biblische Verpflichtung, die wir in der Schrift erkannt haben, war vor vielen Jahren der Grund dafür, dass wir als Arche auch ein Missionswerk gegründet haben. Deshalb unterhalten wir bis heute eine sich weltweit ausbreitende Missionsarbeit.

Was wir tun, ist eine Schuldverpflichtung. Das geschieht nicht, weil wir Lust dazu haben oder weil wir bekannt werden wollen. Es geht auch nicht darum, gelobt zu werden. Vielmehr sind wir den Menschen das schuldig. Andernfalls würden wir das Gut des Heils veruntreuen.

Wir haben mit den Radiosendungen über Radio Luxemburg in die damalige DDR begonnen und auch in andere Ostblockstaaten hinein ausgestrahlt. Später kamen Fernsehsendungen über Satelliten hinzu, die ganz Europa und Asien erreichen.

Es ist ein Wunder vor unseren Augen, dass wir die Fernsehkanzel noch heute von Sankt Petersburg aus in ganz Russland ausstrahlen können. Ihr könnt euch das auf YouTube anhören, dort predigt Christian auf Russisch – wunderbar!

Diese Sendungen erreichen den russischen Teil Europas, aber auch die Weiten Sibiriens bis hin nach Wladiwostok, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan. Auch bis nach Israel, wo viele Juden russisch sprechen. Und...

Ermutigende Rückmeldungen aus der Missionsarbeit

Ich habe mich riesig gefreut, als ich die Nachricht von unserem Team in Sankt Petersburg erhielt. Sie bearbeiten unsere Post, da wir auf Russisch nicht korrespondieren können. Allein im letzten halben Jahr haben wir 18.316 Zuschriften aus russischen Städten und Dörfern erhalten.

Das geht in unserer Missionsarbeit fast unter, weil wir nicht so oft darüber berichten. Doch diese Zahl hat mein Herz tief berührt. Fast alle berichten von dem großen Segen, von der inneren Hilfe und von der Heilsfreude, die sie durch die Fernsehpredigten aus der Arche empfangen haben.

Ist es nicht herrlich, ihr Lieben, dass wir hier jetzt wieder miteinander den Römerbrief betrachten? Wir gehen Text für Text durch. Das geschieht nicht nur live auf Deutsch, sondern bald auch zeitversetzt auf Russisch. Der Römerbrief aus der Arche wird nach Russland gesendet.

Wir beten dafür, dass wir unsere Schuld in aller Welt begleichen, wo immer wir sind und stehen.

Das Vorbild des Apostels Paulus: Ein Mann voller Bereitschaft

Und all das lernen wir von wem? Von dem leidenschaftlichen Paulus, dem ehemaligen Christenverfolger Saulus von Tarsus. Er schrieb den Römern: „Ich bin ein Schuldner.“

Weil er das ist, sagt er in Vers 15: „Darum bin ich bereit, so viel an mir liegt, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen.“ Er war ein Mann voller Bereitschaft, bereit, das ihm von Gott anvertraute Gut zu den Menschen zu bringen.

Es ist atemberaubend, in der Bibel von ihm zu lesen. Kaum bekehrt, war er nur wenige Tage bei den Jüngern in Damaskus, da verkündete er schon zum Erstaunen der Menschen das Evangelium in den Synagogen – dass Christus der Sohn Gottes ist.

Bekehrt, eben noch im Staub niedergeworfen durch die Erscheinung Christi, aufgehoben, drei Tage blind, mit heiligem Geist erfüllt – und sofort war er in der nächsten Synagoge, um Jesus Christus zu bezeugen. Das ist der Geist des Zeugnisses, der Evangelisation.

Alsbald ließ er sich von Antiochien aussenden und reiste nach Kleinasien. Wir wissen, dass er in Galatien, Mazedonien und Achaia wirkte. Er setzte nach Europa über, nach Griechenland, nach Philippi, Thessaloniki, Beröa und Korinth.

Paulus’ Missionsmethode und sein Ziel Rom

Er ging fast immer nach demselben einfachen Schema vor. Er besuchte die Synagogen, ließ sich Rederecht geben und sprach an mehreren Sabbaten zu den Juden. Eine Kerngruppe bekehrte sich. Dann besorgte er sich irgendwo ein Haus von einem Neubekehrten und lud die neu bekehrte kleine Judengruppe zum Hauskreis ein. Dort predigte er weiter, sie wurden unterwiesen und wuchsen im Glauben.

So zog er weiter in die nächste Stadt, ging wieder in die Synagoge, und eine weitere Gruppe bekehrte sich. Es gab Unruhe und sogar eine Revolution. Er nahm die Gruppe heraus, brachte sie in ein Haus und sprach mit ihnen in Ruhe über Jesus. Ein ganz einfaches Schema.

Doch Kleinasien und Griechenland reichten ihm nicht. Er wollte weiter in die Hauptstadt des Weltreiches, Rom, und anschließend auch nach Spanien. Mit seinem Gemeindegründungsprogramm wollte er den ganzen Erdkreis auf den Kopf stellen.

Als er hörte, dass bereits vor ihm in Rom eine Gemeinde entstanden war, überkam ihn große Freude. Das lesen wir hier in diesem Text. Er konnte sich kaum halten, denn er wollte seine Brüder und Schwestern in Rom sehen, für die er unablässig gebetet hatte.

Wichtig ist festzustellen: Wo Gott ihn haben wollte, da ging er hin. Kein Ort war dem Mann zu weit, keiner zu fremd, keiner zu klein und keiner zu groß. Kein Fluss hielt ihn auf, keine wilden Tiere konnten ihn stoppen, kein Meer war zu stürmisch. Wo der Herr ihn haben wollte, war er bereit hinzugehen.

Herausforderung an die Gemeinde: Bereitschaft zum Dienst

Da fragen wir uns: Wie sieht das mit uns aus, wir festgelegten Menschen? Was machst du, wenn Gott möchte, dass du in einer anderen Stadt Zeugnis von Jesus ablegst, in ein anderes Land gehst oder auf einen anderen Kontinent? Oder fühlst du dich dem Herrn nur zuhause in deinem bekannten und bequemen Umfeld verpflichtet?

Mögen wir alle auf Zehenspitzen bereitstehen für Jesus und nicht zögern, wenn die göttliche Wolke sich erhebt und weiterzieht – und wir ihr doch folgen wollen. Herr, wo willst du mich gebrauchen? Ich bin ein Schuldner, ich bin bereit, und mich hält nichts zurück.

Manchmal denke ich, wir haben den falschen Namen für uns, für unsere Gemeinde, gewählt. "Arche" klingt so sehr nach Sammelstelle, während der Name "Antiochien" mehr Sendestelle bedeutet. Von dort sind die Missionare ausgesandt worden. Dort wurden Menschen nicht gesammelt, sondern ausgesandt, um Christus in der ganzen Welt zu bezeugen.

Loslassen und Senden als Gemeindewachstum

Ich kann mich erinnern: Früher haben wir Menschen hier in Hamburg gerne festgehalten. Wir wollten größer werden, aber dabei niemanden verlieren.

Ich weiß noch, wenn junge Menschen gingen, um woanders Gott zu dienen, habe ich manchmal zu ihnen gesagt: Hamburg ist doch ein so großes Missionsfeld. Doch tief in meinem Herzen wollte ich, dass meine Gemeinde nicht kleiner wird.

Ich bin mal ganz ehrlich, ausnahmsweise: Ihr Lieben, inzwischen habe ich verstanden, dass das ein großer Fehler war. Heute machen wir die Erfahrung: Je mehr wir loslassen, je mehr von uns gehen, desto mehr kommen hinzu. Wenn wir zwei senden, bekommen wir vier dazu.

Deshalb denke ich: Lass uns hundert senden, dann haben wir zweihundert. Gott möge uns helfen, von dem zu lernen, was Paulus sagt: "Ich bin ein Schuldner, ich muss gehen, ich bin bereit."

Darum bitten wir junge Menschen – und auch jeden Menschen anderen Alters: Haltet euch bereit zu gehen!

Paulus’ Bereitschaft bis zum Tod

Es gibt ein Lied, das wir früher gesungen haben: „Steht auf, steht auf für Jesus.“ Doch der Apostel war nicht nur bereit, das Evangelium überall in der ganzen Welt zu predigen. Er war auch bereit, dafür zu sterben.

Eines Tages erhielt er die Nachricht, dass er um des Evangeliums willen in Jerusalem gefangen genommen und den Heiden ausgeliefert werden würde. Viele begannen daraufhin, um ihn zu weinen, und baten ihn, besser nicht nach Jerusalem zurückzukehren.

Doch Paulus antwortete: „Was tut ihr da, dass ihr weint und mir das Herz bricht? Ich bin bereit, mich in Jerusalem nicht nur binden zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen des Herrn.“

Hier haben wir wieder dieses Wort. Man müsste es eigentlich lesen, doch es wäre heute Morgen zu lang geworden. Am liebsten hätte ich mit euch sämtliche Bibelstellen und Passagen durchgegangen, in denen Paulus seinen Briefempfängern geschrieben hat: „Ich bin bereit, ich bin bereit, ich bin bereit.“ Wir könnten uns eine ganze Woche mit diesem kleinen Satz beschäftigen: „Ich bin bereit.“

Hier sagt er erneut: „Ich bin bereit, mich in Jerusalem nicht nur binden zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen Jesu.“ Kurz vorher hatte er den Ältesten von Ephesus, die von Paulus Abschied nahmen, gesagt, dass Fesseln und Drangsal auf ihn warten würden. Doch er fügte hinzu: „Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht. Mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst zu erfüllen.“

Hier habt ihr es wieder: den Dienst, den Paulus vom Herrn Jesus empfangen hatte, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. Wie auch immer sein Leben mit Jesus verlaufen würde – er war bereit für das, was sein Meister für ihn vorgesehen hatte.

Die Herausforderung an uns: Treue im Glauben trotz Widerstand

Wieder stellt sich die Frage: Wie sieht es mit uns aus? Das ist eine Herausforderung. Was tun wir, wenn die Leute über unseren Glauben lachen, wenn sie uns ausgrenzen und uns für steinzeitliche Fossilien halten?

„Ihr kommt doch aus dem überletzten Jahrhundert!“ sagen sie zu uns. Und wenn wir um Jesu willen Freunde verlieren und auch Ansehen, schweigen wir dann lieber, wenn unser Glaube uns zum Nachteil wird? Folgen wir Jesus und halten wir fest am Glauben, auch wenn es uns den Tod kosten sollte?

Ja, ich lege meine Hand für mich selbst nicht ins Feuer. Aber ich bitte Gott, mir etwas von dem Geist des Apostels zu schenken, damit wir unser Leben nicht für wertvoller halten als das Evangelium, das wir den Menschen schuldig sind.

Sind wir bereit, um Jesu Willen erhoben oder erniedrigt zu werden, gesund oder krank, arm oder reich? Was immer das Evangelium uns beschert, sind wir bereit, es freudig anzunehmen und es an die erste Stelle in unserem Leben zu setzen?

Paulus’ Erfahrungen in Rom und seine Mission unter Hausarrest

Paulus war bereit, für das Evangeliumswillen bis nach Rom zu reisen. Was er dort jedoch erlebte, ist das, was wir von ihm lernen können. Wenn ich an seiner Stelle nach Rom gefahren wäre, hätte ich auf eine große Evangelisation gehofft – am besten im Kolosseum oder im Stadion, so wie Billy Graham. Doch Paulus erwartete kein Stadion und auch kein großes Missionsfeld.

Kaum war er in der Stadt angekommen, wurde er als Gefangener in eine Mietwohnung gebracht. Dort verblieb er zwei Jahre unter Hausarrest. Das war seine Mission in Rom: Hausarrest. Na, Paulus, das ist aber eine schöne Evangelisation.

Während dieser Zeit durfte er glücklicherweise Besucher empfangen. Was machte er mit seinen Besuchern? Er gab ihnen sofort Einzelunterricht. Er predigte ihnen das Evangelium. Auf diesem Weg erreichte er sogar den römischen Kaiser und dessen Hausgemeinschaft.

Aus dieser Gefangenschaft heraus schrieb er weiterhin Briefe an verschiedene Gemeinden, darunter die Briefe an die Philipper, Kolosser und Philemon. Diese Briefe sind, wie wir heute wissen, Teil der Bibel. Den Römerbrief hat er in dieser Zeit allerdings nicht geschrieben. Aber die anderen Briefe, die heute zur Bibel gehören, stammen aus seiner Zeit in Rom, aus der Zeit seiner Gefangenschaft.

Und was geschah am Ende der zwei Jahre? Ging es dann endlich mit der großen Evangelisation los? Nein. Nach dem Zeugnis geschichtlicher Aufzeichnungen wurde Paulus während der weitergehenden Christenverfolgung im Jahr 64 oder 65 nach Christus von Kaiser Nero als Märtyrer hingerichtet.

Das war es, was er erlebte. Er wollte nach Rom, und das war sein Tod. Doch das spielte für ihn keine Rolle. Dieser Mann Gottes war zu jeder Zeit und unter allen Umständen bereit für seinen Herrn.

Paulus als unermüdlicher Zeuge des Evangeliums

Er sah sich als Schuldner aller Menschen. Die edle Gabe des Heils, die er aus der Hand seines Erretters erhalten hatte, musste er weitergeben. Er konnte keinem Menschen begegnen, ohne dass dieser von Jesus hörte.

Diesen stets bereiten Mann konnte auch der Tod am Ende nicht zum Schweigen bringen. Obwohl man ihm durch Enthauptung den Mund für immer verschloss, sprach er weiter. Und wie wir wissen, spricht dieser Mann bis heute. Obwohl er schon lange nicht mehr unter uns ist, gehört er zu den größten Zeugen, die die Erde je gesehen hat – Zeugen Jesu, seines Erlösers. Welch ein unglaubliches Vorbild, liebe Freunde, dieser Mann!

Nun solltet ihr den Text noch einmal insgesamt durchlesen und dabei auf die Inbrunst, die Liebe, die Leidenschaft und die Sehnsucht achten, mit der er diesen Brief an die Römer schreibt. Er sagt ihnen: Ich kann nicht anders, ich muss zu euch. Ich muss das Evangelium mit euch teilen, ich kann mich nicht aufhalten lassen. Euch und der ganzen Welt gehört das Evangelium.

Am Ende des Römerbriefes, zu dem wir noch kommen werden, schreibt er von seinen Reiseplänen. Er sagt: Ich muss auch nach Spanien. Dort ist er allerdings nicht mehr hingekommen.

Die Quelle von Paulus’ unerschütterlicher Bereitschaft

Da fragen wir uns natürlich: Wo kam nun diese unerschütterliche und unbeugsame Bereitschaft des Apostels her?

In Vers 9 unseres Abschnitts finden wir einen interessanten Hinweis. Dort heißt es: „Denn Gott, dem ich in meinem Geist diene, am Evangelium seines Sohnes.“

Wir hatten es eingangs schon gesagt: Gott hatte das Evangelium seinem Diener nicht nur intellektuell beigebracht, sondern es tief in seinen Geist hineingebrannt, in sein Herz eingepflanzt. So war Paulus in seiner Überzeugung nicht zu erschüttern. Wenn jemand allgemein nur annimmt, dass das, was er sagt, wahr ist, wird er sich, wenn der Wind sich dreht, um sein Gesagtes kaum kümmern.

Der alte Adenauer hat einmal gesagt: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ So schnell ändern Politiker ihre Meinung – und andere auch. Aber nicht Paulus. Paulus hätte seine Überzeugung nie geändert, auch nicht, wenn er tausend Jahre alt geworden wäre. Was er in seiner Jugend verkündete, hat er auch im Alter noch genauso gesagt.

Spurgeon hat einmal gesagt: „Wer schon in seiner Jugend die Lehren der Gnade ins Herz bekommen hat, der lässt sein Leben nicht davon.“ Paulus hätte niemals vom Evangelium abgelassen. Er hatte eine feste Überzeugung.

Er schrieb dem Timotheus, dem er das Gleiche auf sein Herz gelegt hatte, und sagte: „Mein Sohn, ich weiß, an wen ich glaube.“ Da ändert sich nichts mehr. „Das habe ich nicht von Menschen empfangen, sondern von Gott. Durch den Heiligen Geist bezeuge ich es in meinem Geist“, wie er den Römern hier schreibt.

Liebe Gemeinde, was wir heutzutage brauchen, sind stabile Überzeugungsprediger, die wissen, an wen sie glauben. Die nicht bei jedem neuen Wind der Lehre klein beigeben, sondern couragiert und bereit sind, am geschriebenen Evangelium festzuhalten.

Sagt doch mal Amen, wenn ihr dieser Meinung seid. Das ist es.

Die Folgen fehlender Überzeugung und die Bedeutung der Bekehrung

Ich habe gestern in der Zeitung gelesen, dass in Hamburg jetzt jede zweite Kirche umgewidmet werden soll. Das hätte nicht nötig sein müssen, wenn wir bei Paulus in die Schule gegangen wären. Wenn wir Christus, den Gekreuzigten, predigen würden, dann müssten wir keine Kirchen abreißen, sondern neue bauen.

Aber wir haben keine Überzeugung mehr. Was wir predigen, ist nur noch relativ. Das haben wir letzten Sonntag gehört, und das zerstört unsere Kraft. Doch die Wahrheit bleibt und ändert sich nicht.

Die Quelle der Bereitschaft des Paulus lag darin, dass er eine echte Bekehrung erlebt hatte und mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Darum konnte er den Römern schreiben, dass er Gott in seinem Geist und nicht nur mit seinem Intellekt diente.

Daraus erwuchs eine weitere Komponente seiner Bereitschaft, nämlich seine Entschlossenheit. Er war nicht nur vom Herzen her vom Evangelium überzeugt, sondern auch bereit, dafür alles auf eine Karte zu setzen und alles andere hintenanzustellen. Er ließ sich von nichts anderem binden als allein vom Evangelium.

Während des gesamten Textes redet er nicht von seinem Honorar, das man in Rom bereitstellen möge. Auch von der Reisekostenabrechnung spricht er nicht. Er erzählt nichts von seinem letzten Golfspiel oder seinem Hobby.

Sondern er spricht in seinem gesamten Brief und auch in unserem Abschnitt nur eine einzige Sache.

Die Gefahr, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren

Wir lassen uns so oft von den Angelegenheiten unseres täglichen Lebens gefangen nehmen, liebe Geschwister – ich auch. Wir verwickeln uns in Nebensachen und vergessen dabei, was die Hauptsache ist. Die Sorgen des Alltags beschäftigen uns so sehr, dass wir unsere Bereitschaft für das Evangelium verlieren.

Die Bereitschaft, im Hauskreis zu dienen und treu zu sein, schwindet. Auch die Bereitschaft, in der Sonntagsschule zu helfen, im Gemeindehaus Dienst zu tun, im Café oder bei der Reinigung mitzuarbeiten, lässt nach. Ebenso die Gemeinschaft und die Bereitschaft, Seelsorge zu leisten oder Kranke und Schwache zu besuchen – ihr wisst schon.

Oft sagen wir: „Oh, ich habe noch dies und das zu tun, und das andere auch noch, heute kann ich nicht.“

Als Colin Campbell gefragt wurde, wie lange er brauche, um nach Indien auszureisen, antwortete er: „24 Stunden.“ Tatsächlich bestieg er 24 Stunden später das Schiff. Mehr brauchte er nicht, um dem Ruf Gottes nach Indien zu folgen.

Die Herrnhuter Brüder suchten einen Missionar. Zinzendorf fragte einen neuen Bewerber: „Bist du bereit, nach Grönland zu gehen?“ Obwohl dieser von diesem Land noch nie gehört hatte – und auch nicht wusste, wo es auf der Welt lag –, sagte er: „Ja, ich bin bereit.“ Auf die Frage, wann er aufbrechen könne, antwortete er prompt: „Wenn meine Stiefel vom Schuster zurück sind.“ Mehr als seine besohlten Schuhe brauchte er nicht. Und er ging. Nichts lag im Weg, nichts hielt ihn auf.

Heute brauchen wir so viel, um bereit zu sein. Erst passt das nicht, dann das andere auch nicht. Und oft sagen wir: „Das ist nicht mein Bereich, dafür bin ich nicht zuständig.“

Das Gleichnis der eingeladenen Gäste und die Priorität der Bereitschaft

Das erinnert an jene geladenen Gäste, von denen Jesus erzählt. Einer wollte zuerst den neu gekauften Acker besichtigen, ein anderer wollte die zuvor gekauften fünf Joch Ochsen überprüfen. Ihr kennt dieses Gleichnis, das Jesus uns erzählt.

Der Dritte konnte nicht kommen, weil er gerade eine Frau genommen hatte. Alle haben sich der Reihe nach entschuldigt, keiner war bereit. Warum nicht? Weil ihr Herz an so viel anderem hing, an so vielen anderen scheinbar wichtigen Dingen.

Es ist wie mit einem kleinen Steinchen im Schuh. Kennst du dieses Gefühl, wenn du eine lange Wanderung vorhast? Da piekst und drückt ein winziger Gegenstand in deinem Schuh. Nach kurzer Zeit ist der Fuß entzündet, du hast Schmerzen und kannst nur noch humpeln.

Ich rate dir: Halte sofort an und entferne das kleine Ding! Du denkst vielleicht: In meinem Leben ist alles in Ordnung mit Gott, das ist doch nur eine Kleinigkeit, das spielt keine Rolle. Aber ich sage dir, genau dieses kleine Ding in deinem Leben lähmt dich. Es setzt dich außer Gefecht, macht dich krank und raubt dir die Freude an Gott sowie die Bereitschaft zum Dienst.

Hier ist heute der Tag: Zieh deinen Schuh aus, such den Stein, wirf ihn weg, zieh den Stiefel wieder an und sag: Ich bin bereit!

Es sind die kleinen Füchse, die den ganzen Weinberg verderben.

Die Gefahr politischer Verstrickung und der klare Auftrag der Christen

Was wir heutzutage sehen, liebe Gemeinde, ist, dass weite Teile der Christenheit und auch der Pastorenschaft, selbst in den evangelikalen Bereichen, so politisch geworden sind. Sie folgen politischen Leitfiguren, die selbst nicht an Jesus Christus glauben.

Unser Auftrag ist nicht, diese Erde zu politisieren. Unser Auftrag ist nicht Gesellschaftspolitik. Unser Auftrag ist die Bereitschaft, das Evangelium der Errettung durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, zu predigen. Kein anderes Thema haben wir in Jesu Namen zu verkündigen. Amen!

Ja, Gott helfe uns dazu, Gott helfe uns dazu!

Wir sehen an keiner Stelle, dass Paulus sich mit irgendwelchen Regierungsgeschichten des Kaisers auseinandergesetzt hat oder mit politischen Fragen. Auch Jesus hat das nicht getan. Stattdessen haben sie gepredigt und sich von allen Dingen losgemacht, die sie fesseln.

Warnung vor kleinen Sünden und Aufruf zur völligen Bereitschaft

Gideon hatte siebzig Söhne, seine eigenen legitimen Söhne. Doch er hatte auch einen Sohn, der das Kind einer Hure war: Abimelech. Dieser ging später hin und tötete alle siebzig Söhne seines Vaters.

So kann auch jemand ein vorzüglicher Mensch sein und siebzig gute Eigenschaften haben, aber eine einzige falsche Sache in seinem Leben tolerieren. Genau diese kann ihm alles rauben, was ihn glücklich macht.

Deshalb, mein christlicher Freund, halte nichts fest. Junger Mensch, lass los, was dich hindert, Jesus zu dienen. Verleugne dich selbst und sei völlig bereit für das Evangelium deines Gottes.

Lasst uns frei von allem sein, damit wir jederzeit bereit sind, für Gott sein Evangelium zu leben. Trachtet am ehesten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Dann wird euch alles andere obendrein geschenkt werden.

In Jesu Namen, und alles Volk, wenn ihr wollt, sagt Amen.

Einladung zur Bereitschaft und Gebet

Wir stehen gemeinsam hier. Vater im Himmel, wir treten vor dich, vor dein heiliges Wort und vor das Zeugnis eines Mannes, der gesagt hat: „Ich bin ein Schuldner“ und „Ich bin bereit.“

So möchte ich auch in die Versammlung hineinfragen: Gibt es liebe Menschen, die von diesem Römerbrieftext berührt wurden und die gerne neu bereit sein möchten für Jesus? Unabhängig von allen Dingen dieser Welt frei für deinen Heiland, damit er der Erste in deinem Leben sei? Dann strecke einfach deine Hand zum Himmel und zum Herrn und gib kund: Ich möchte bereit sein, bereit für Jesus.

Darf ich eure Hände sehen? Dankeschön. Es sind viele Hände hier unten oder oben auf dem Podium. Auch ich möchte meine Hände und mein Herz zu Jesus ausstrecken und ein Gebet für euch sprechen.

Ihr könnt danach gerne zum Gebetstisch hinten links im Saal gehen und dort mit lieben Geschwistern und Freunden weiter über diese Fragen sprechen. Möge dieser Gottesdienst eine Begegnung mit dem Herrn sein, bei der wir bereit sind, Jesus zu folgen.

Jesus, ich danke dir für die Weihe so vieler Menschen. Es gibt auch andere, die ihre Hände nicht erhoben haben, die aber in ihrem Herzen dennoch sagen: Mein Gott, hier bin ich, sende mich, mein Herr! Löse mich, lass mich nichts mehr festhalten, sondern lass mich dir folgen.

Ich danke dir, Herr, für die Gnade und die Hilfe, die du uns allen heute schenkst.