Einleitende Gedanken
Was wir hier von Nehemia hören ist uns etwas fremd. Unweigerlich kommt dem
einen oder anderen die Redensart Eigenlob stinkt" in den Sinn.
Andere denken vielleicht an das Wort, das Jesus bezüglich des Almosengebens
sagte:
Wenn du zum Beispiel den Armen etwas gibst, lass es nicht vor dir her
mit Posaunen ankündigen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf
den Gassen tun, um von den Leuten geehrt zu werden. Ich sage euch: Sie
haben ihren Lohn damit schon erhalten." Matthäus 6, 2.
Wenn Du den Armen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was
die rechte tut." Matthäus 6, 3.
Was du gibst, soll verborgen bleiben. Dann wird dein Vater, der ins
Verborgene sieht, dich belohnen." Matthäus 6, 4.
Nehemia sprach hingegen ungeniert über seinen selbstlosen Einsatz, was er
Gutes für das Volk und somit auch für seinen Herrn getan hatte.
Ist das ein unreifes und ungeistlichen Verhalten von Nehemia? War das
sozusagen seine Macke? Hatte er, um es etwas deftiger auszudrücken, eine
Ecke ab, einen dunklen Fleck auf seiner weissen Weste?
Ich glaube nicht. Mir gefällt es, dass Nehemia so offen über diese Dinge
spricht. Damit bringt er uns auf ein Thema, dem wir in unserem
Glaubensleben kaum Beachtung schenken, das aber in der Bibel einen
wichtigen Platz einnimMatthäus
Nehemia kämpfte nicht nur für den Mauerbau und somit für das Volk Gottes.
Nehemia kämpfte genauso für den Lohn und zwar für den Lohn, den er von
Gott erwartete.
Das wollen wir heute einmal genauer betrachten.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Matthäus 6, 2-4
Bitte keine falsche Bescheidenheit
Wenig Christen wagen es, etwas Positives über sich zu sagen. Was ich gut
kann, behalte ich lieber für mich. Würde ich es sagen, dächten die Leute,
ich sei stolz und eingebildet. Das ist eigentlich eine gute und gesunde
Haltung. Wir sollen uns nicht ständig selber rühmen, sondern wir sollen
uns von andern rühmen lassen.
Aber das ist bei unserer schweizer Mentalität schwierig, denn wir passen
sehr gut auf, dass es niemandem in den Kopf steig. So sind wir mit
Anerkennung, Lob und Dank eher zurückhaltend. Kürzlich begegnete mir
jemand, der sagte, er hätte eben gehört wie ich in den höchsten Tönen
gerühmt worden sei, aber er wolle es mir jetzt nicht sagen, denn dann
bestünde die Gefahr, dass es mir in den Kopf steigt, sprich, dass ich
stolz und eingebildet werde.
So sprechen wir auch lieber von meiner Wenigkeit und betonen, was wir nicht
so gut können, vielleicht mit der stillen Hoffnung, dass jemand sagt,
nein Du kannst es perfekt.
Ich würde das alles unter den Begriff falsche Bescheidenheit tun. Es ist
sozusagen Heuchelei in die andere Richtung. Ich bin dann nicht stolz über
das was ich kann, sondern ich bin stolz auf meine Bescheidenheit.
So sagte ein Prediger einem bekannten christlichen Musiker, dass er ihn
bewundern würde, wie bescheiden und demütig er trotz seines Erfolgs
geblieben sei. Der Musiker antwortete ihm augenzwinkernd: Darauf bin ich
auch schön stolz.
Mit diesem Hintergrund ist das, was Nehemia hier macht, für uns schon etwas
befremdend. Er erzählte, was er alles Gutes und Aufopferndes gemacht
hatte.
Klar, er sagte das im Zusammenhang mit den Ungerechtigkeiten, die die
wohlhabenden Juden den armen Juden angetan hatten. Er rechtfertigt sich
in gewisser Weise und zeigt ihnen, dass er sich anders verhalten hatte.
Er wollte ihnen klar machen, dass er sich für den Mauerbau nicht deshalb
engagierte, damit er sich bereichern könnte.
Er sagte jedoch ohne Umschweife, ohne sich zur rechtfertigen warum er das
jetzt sagt:
Ich selbst verzichtete für mich und meine Verwandtschaft von Anfang an
auf die Unterhaltskosten, die mir als Statthalter der Provinz Juda
zustanden, die ganzen zwölf Jahre lang, vom 20. bis zum 32.
Regierungsjahr des Königs Artaxerxes. (Nehemia 5, 14)Er arbeitete praktisch ohne Lohn. Er musste aber nicht nur für sich und
seine Familie aufkommen, sondern hatte noch hundertfünfzig Beamte zu
verpflegen und vieles mehr. Trotzdem hatte er, das ihm zustehende Gehalt,
nicht bezogen.
Offensichtlich war Nehemia sehr reich, denn sonst hätte er sich das nicht
leisten können. Doch ist es nicht selbstverständlich, dass er das alles
tat. Er verzichtete 12 Jahre lang auf den ihm zustehende Lohn als
Statthalter.
Warum sollte er das nicht einmal sagen? Es entsprach der Wahrheit. Er tat
es nicht, um sich bewundern zu lassen, er tat es, um dem Volk zu helfen.
Er lief nicht ständig umher und sagte den Leuten, seht wie gut ich bin
und auf was ich alles verzichte, jetzt müsst ihr mich bewundern und
ehren.
So machten es die, von denen Jesus sprach, die den Bedürftigen etwas gaben
und dann ihre guten Tat propagierten, so dass sie von den Menschen
bewundert wurden. Jesus sagte über sie, sie hätten den Lohn schon
erhalten. Nämlich die Bewunderung von Menschen, denn diese Bewunderung
suchten sie.
Nehemia suchte nicht die Bewunderung von Menschen. Sondern er gab damit der
Ernsthaftigkeit der Situation Ausdruck und zeigte den Leuten, dass er mit
seinem ganzen Leben für die Sache Gottes kämpft.
Gott hat nichts dagegen, wenn wir ihm sagen, was wir für den Auftrag, den
er uns gegeben hat, investieren. Petrus fragte Jesus einmal:
Du weisst, wir haben alles zurückgelassen und sind dir nachgefolgt.
Was werden wir dafür bekommen?" Matthäus 19, 27.
Jesus lehnte diese Frage nicht ab, sondern er erklärte den Jüngern, was sie
dafür bekommen werden.
Als Jesaja dem König Hiskia mitteilte, dass er bald sterben werde, wandte
sich Hiskia an Gott und flehte:
»Ach, HERR, denk doch daran, dass ich dir immer treu war! Ich habe dir
mit ganzem Herzen gehorcht und stets getan, was dir gefällt.« Hiskija
brach in Tränen aus und weinte laut. (2. Könige 20, 3)Gott ging auf dieses Argument ein. Er berücksichtigte offensichtlich das,
was Hiskija für ihn all die Jahre getan hatte, denn Gott verlängerte sein
Leben um 15 Jahre.
Auch Paulus hielt sich nicht zurück, wenn es darum ging den Leuten klar zu
machen, dass er für die Verbreitung des Evangeliums Opfer brachte, den
Korinthern schrieb er.
Wir leisten harte körperliche Arbeit, um selbst für unseren Unterhalt
aufzukommen. 1. Korinther 4, 12.
Und im Bezug auf die Leute, die ihn verleumdeten schrieb er:
Ich habe härter für Christus gearbeitet. (2. Korinther 11, 23)Selbst vor einem Vergleich mit den anderen Apostel schreckte Paulus nicht
zurück.
Und dass Gott mir seine Gnade erwiesen hat, ist nicht vergeblich
gewesen. Keiner von allen anderen Aposteln hat so viel gearbeitet wie
ich. Aber wie ich schon sagte: Nicht mir verdanke ich das Erreichte,
sondern der Gnade Gottes, die mit mir war. 1. Korinther 15, 10.
Wenn es um Rechtfertigung geht, wenn es darum geht, aufzuzeigen, dass man
sich nachweislich mit aller Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit für den
Auftrag Gottes einsetzt, dann darf man, ja es muss sogar ausgesprochen
werden. Das hat mit Eigenlob und Selbstbeweihräucherung überhaupt nichts
zu tun.
Vielleicht scheuen wir uns davor, weil wir zutiefst Angst haben, wir
könnten nichts anführen. Aber vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn
wir uns einmal Gedanken darüber machen, was wir für Jesus investiert
haben und was wir noch investieren.
Beachten wir dabei: Nehemia zählt nicht seine Erfolge auf. Auch Paulus
spricht nicht von seinen Erfolgen. Sie sprechen von dem, was sie geopfert
hatten.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Köinge 20, 3; Matthäus 19, 27; 1.
Korinther 4, 12+16; 1. Korinther 11, 1; 1. Korinther 15, 10; 2.
Korinther 11, 23; Philipper 3, 17; Philipper 4, 9; 1. Thessalonicher 2,
9-10; 2. Thessalonicher 3, 7-9
## Bitte keine falsche Selbstlosigkeit
Nehemia erzählte nicht nur was er Vorbildliches tat, sondern er wandte sich
zu Gott und bat:
Denk doch an mich, mein Gott, und lass mir zugute kommen, was ich für
dieses Volk getan habe! (Nehemia 5, 19)Er möchte von Gott einen Lohn für seinen Einsatz erhalten. Er war offenbar
nicht bereit, umsonst zu arbeiten. Das Buch Nehemia schliesst sogar mit
der eindringlichen Bitte:
Denk doch an mich, mein Gott, und lass mir all das zugute kommen!
(Nehemia 13, 31)Nehemia kämpfte also nicht nur für das Volk und den Bau der Mauer, er
kämpfte auch für seinen Lohn. Er wollte von Gott unbedingt belohnt
werden. Er wusste worauf es ankam. Er hatte schon damals begriffen, was
Jesus später lehrte:
Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde, wo Motten und Rost
sie zerfressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen." Matthäus 6,
19.
Sammelt euch stattdessen Reichtümer im Himmel, wo weder Motten noch
Rost sie zerfressen und wo auch keine Diebe einbrechen und sie
stehlen." Matthäus 6, 20.
Gott verspricht uns tatsächlich einen grossen Lohn. Er erwartet nicht, dass
wir ihm vollkommen selbstlos nachfolgen, sondern er verspricht uns, dass
er uns reichlich belohnen wird, wenn wir seinen Auftrag erfüllen. Zu
Abram sagte Gott:
»Hab keine Angst, Abram, ich bin dein Schutz! Du sollst reich belohnt
werden.« (1. Mose 15, 1)Wer für Gott etwas tut, der bekommt seinen Lohn dafür. Gott lässt sich
nichts schenken. Deshalb sagte Jesus:
Ja, wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr
Christus angehört, der wird – das versichere ich euch – ganz gewiss
nicht ohne Lohn bleiben." Markus 9, 41.
Es ist eine falsche Selbstlosigkeit, wenn wir so tun, als wollten wir
nichts von Gott. Wenn wir alles für ihn tun, ohne darauf zu hoffen, dass
uns Gott das belohnen wird. Gott freut sich sogar, wenn wir uns dessen
bewusst sind, dass er uns belohnt. Im Hebräerbrief steht:
Ohne Glaube ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen
will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn
aufrichtig suchen. Hebräer 11, 6.
Deshalb lohnt es sich – im wahrsten Sinn des Wortes – Gott zu dienen und
Opfer zu bringen. Es lohnt sich, wenn wir verspottet werden weil wir
Jesus treu bleiben wollen. Jesus sagte in den Seligpreisungen:
Glücklich zu preisen seid ihr, wenn man euch um meinetwillen
beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge
nachsagt." Matthäus 5, 11.
Freut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine grosse Belohnung auf
euch." Matthäus 5, 12.
Seinen Jünger versprach Jesus:
Jeder, der um meines Namens willen Häuser, Brüder, Schwestern, Vater,
Mutter, Kinder oder Äcker zurücklässt, wird alles hundertfach
wiederbekommen und wird das ewige Leben erhalten." Matthäus 19, 29.
Warum erachten wir es als niederträchtige Haltung, wenn wir etwas für den
Herrn tun und darauf hoffen, dass er uns das belohnen wird?
Vermutlich würden wir uns sogar freudiger, aufrichtiger und mutiger am Bau
des Reiches Gottes beteiligen. Unser Herz würde dann eher an den rechten
Fleck gerückt, denn Jesus sagte selbst:
Denn wo dein Reichtum ist, da wird auch dein Herz sein." Matthäus 6,
21.
Wenn wir uns mit dem Reichtum beschäftigen, den wir im Himmel anlegen
können, dann ist unser Herz am richtigen Fleck – im Himmel.
Mit dem Wissen, dass Gott uns alles belohnen wird, würden wir unser Geld,
unsere Zeit und unsere Kraft eifriger einsetzten. Gott ist nicht
beleidigt, wenn wir wie Nehemia sagen:
Denk an mich, mein Gott, und rechne es mir an! Streiche die guten Taten
nicht aus deinem Buch, die ich für dein Haus und die Ordnung seines
Dienstes getan habe! (Nehemia 13, 14)
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Mose 15,1; Nehemia 5, 19; Nehemia 6,
14; Nehemia 13, 14+31; Matthäus 6, 19-21; Matthäus 19, 28; Markus 9,
41; Lukas 6, 23; Lukas 12, 33; 1. Timotheus 6, 12; 2. Timotheus 4, 7-8;
2. Johannes 8; Hebräer 11, 6-7
Schlussgedanke
Nehemia lebte im Bewusstsein, dass das, was er hier für den Herrn tut, ihm
einmal belohnt werden wird. Er wollte seine Gaben, sein Geld, alles was
er hatte nicht in löchrige Beutel legen, sondern er wollte Schätze im
Himmel sammeln.
Durch unsere Opfer bekommen wir das ewige Leben nicht. Ewiges Leben
bekommen wir nur durch den Glauben an Jesus Christus. Er ist für unsere
Schuld am Kreuz gestorben und hat uns dadurch den Weg zum ewigen Leben
geöffnet.
Aber wenn wir gerettet sind und das ewige Leben haben, können wir mit
diesem Geschenk besser oder schlechter umgehen. Wer das noch genauer
wissen möchte sollte den Abschnitt im 1. Korinther 3, 11-15 lesen.
Es ist keine schlechte geistliche Gesinnung, wenn wir den Herrn bitten,
dass er das, was wir für ihn tun, nicht unbesehen lassen soll.
Paulus ermutigte die Korinther in der Nachfolge nicht nachzulassen, weil
das einen grossen Lohn einbringen wird.
Haltet unbeirrt am Glauben fest, meine lieben Freunde und Geschwister,
und lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen. Setzt euch
unaufhörlich und mit ganzer Kraft für die Sache des Herrn ein! Ihr
wisst ja, dass das, was ihr für den Herrn tut, nicht vergeblich ist. 1.
Korinther 15, 58.
Schliesslich steht im letzten Kapitel der Bibel eine Aussage von Jesus, die
uns ermutigen soll, für Jesus das Beste zu geben, um den Lohn zu kämpfen.
Jesus sagt:
Ja, ich komme bald und bringe jedem den Lohn mit, den er für sein Tun
verdient hat." Offenbarung 22, 12.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Korinther 3, 11-15!; 1. Korinther 15,
58; Offenbarung 22, 12
Amen
