Einleitung
Wir haben heute als Predigttext die Erzählung vom Pfingstfest in der
Apostelgeschichte zwei. Apostelgeschichte zwei Vers 1-21.
Und als der Pfingstentag gekommen war, das ist das Fest der Ernte Schawuot
in der jüdischen Gemeinde, waren sie alle an einem Ort beieinander. Die
jüdische Tradition ist an diesem Pfingstentag die Erinnerung an die Thora,
an die Übergabe auf dem Sinai in den Mittelpunkt gestellt. Und das hat nun
eine große Bedeutung für uns, dass wir einen anderen Mittelpunkt für diesen
Festtag haben, nämlich die Ausgießung des Geistes Gottes. Und es geschah
plötzlich ein Brausen vom Himmel, wie von einem gewaltigen Wind, und
erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen,
zerteilt, wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeden von ihnen. Ich
muss immer wieder unterbrechen, weil beim Bibellesen sind kleine
Beobachtungen wichtig, es wird immer in der Bibel, wenn vom Geist Gottes
gesprochen wird, deutlich gesagt, das ist nicht irgendeine Kraft, oder ein
Fluidum, sondern Gott in Person. Darum auch hier: er. Er kommt. Er will
etwas. Er tut etwas, er plant etwas, er ist eine Persönlichkeit, Gottes
Person kommt zu uns. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und
fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab
auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren
gottesfürchtige Männer, aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses
Brausen geschah, kam die Menge zusammen, und wurde bestürzt, denn jeder
hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber und
verwunderten sich und sprachen: siehe, sind nicht diese alle, die da reden
aus Galiläa, wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther,
und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa,
Kappadozien, Ponthus und Provinz Asien, Phrygien, Ägypten und in der Gegend
von Cyrene, Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, das
sind also Heiden, die Juden geworden sind, durch Übertritt. Kreter und
Araber, wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes
reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer
zu dem anderen: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und
sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf,
erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und lieben Männer, und
alle die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine
Worte zu euren Ohren eingehen, denn diese sind nicht betrunken, wie ihr
meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage, sondern das ist das, was
durch den Propheten Joel gesagt worden ist: und es soll geschehen in den
letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf
alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen und eure
Jünglinge sollen Gesichte sehen und eure Alten sollen Träume haben und auf
meine Knechte und meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist
ausgießen. Und sie sollen weissagen.
Es ist immer wieder auch heute eine Diskussion, wann erfüllt Gott die
Verheißung? Petrus sagt: die ist am Pfingstmontag damals erfüllt, und
seitdem stehen wir in der Zeit, wo Gott seinen Geist ausgießt, das ist
nicht eine Erscheinung, die noch bevorsteht. Ich will Wunder tun oben am
Himmel und unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf, die Sonne soll
finster, und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der
Offenbarung des Herrn kommt. Und es soll geschehen, wer den Namen des Herrn
anruft, der soll gerettet werden.
Junge Leute haben heute immer ein Thema: das gefällt mir, junge Leute, die
reden viel davon, wie man diese Welt verändern kann. Ja, da ist allerhand
zu tun, wenn man dann die Nachrichten hört von Kriegen und Kriegsgeschrei.
Auch wir, die wir schon älter sind, wir wollen ja auch gerne einmal etwas
tun, damit es endlich aufhört mit dem Morden und Krieg. Oder? Mit der
Vergiftung der Umwelt und mit dem Missbrauch der guten Schöpfung, man muss
doch etwas tun, junge Leute werden ungeduldig, man muss doch die Welt
verändern. Seitdem es Menschen gibt, wurden Pläne geschmiedet, das Übel in
der Welt zu bekämpfen, und zwar radikal an der Wurzel. Das war die Ursache
vieler Revolutionen, vieler Kriege, und am Ende standen neues Unrecht,
neues Leid, neue Ausbeutung und neue Ungerechtigkeiten. Und was macht
eigentlich Gott? Gott startet mit einer großen Weltrevolution. Aber ganz
anders, als die Könige und Herren dieser Welt. In der Bibel heißt es immer
wieder: das problematischste in der ganzen Welt ist das böse Menschenherz.
Das muss verändert werden. Das muss revolutioniert werden. Das muss neu
werden. Und Gott hat angefangen, dieses Herz umzuändern. Und das geht nur
dadurch, dass Gott durch seinen Geist dieses Herz umwandelt und neu macht.
Und verändert. Da sagen wir: wer hört schon die Botschaft, wer lässt das
schon mit sich geschehen, das bleibt doch eine kleine Gruppe. Nun, ich weiß
nicht, ob das so wenige sind! Durch diese Weltgeschichte zieht sich eine
wunderbare Spur, wo der Geist Gottes Menschen verändert hat. Und wo man das
spüren und sehen kann und mit den Händen sogar greifen kann. Da ist Liebe
entstanden, da wurden Menschen, die vorher im Streit lebten plötzlich
hingebungsvoll dienend, andere die lebten Versöhnung mitten in den
Spannungen, weil der Geist Gottes mächtig in ihnen gewirkt hat. Also heute,
am Fenster, müssen wir eigentlich alle sagen, ich möchte mehr von diesen
Geist Gottes haben. Ich habe Sehnsucht danach. Komm, Herr, wohne in mir.
Nimm Besitz von mir. Ich weiß, wir sind alle bescheidene Leute, höfliche
Leute, vornehme Leute, es gehört ja zum guten Umgang, zum Knigge, dass man,
wenn sie bei einer Kaffeetafel eingeladen sind, und jemand sagt, möchtest
du noch ein Stück Kuchen, dass sie sagen: Danke, ich bin schon satt. Dabei
hört man das Knurren ihres Magens bis hinunter auf die Straße. Das ist
höflich, dass man sich bescheiden zurückhält und sagt, ich will doch nicht
so viel nehmen. Bei dem Geist Gottes können sie gar nicht begierig genug
sein. Jesus sprach in diesem Zusammenhang von hungernden Babys. Also, das
sehe ich, wie das ist, wenn die mampfen. Meine Enkel, das ist wunderbar,
wenn die mampfen, da soll man sich ein Beispiel nehmen. Jesus sagt Johannes
sieben, als er vom Geist Gottes sprach, vom Durst haben. Sind Sie auch
schon einmal nach einer langen Strecke an einen Brunnen gekommen und haben
so richtig getrunken, Wasser, Wasser, Wasser. Ich habe Durst. So sollen wir
vom Geist Gottes nehmen. Er wird uns frei und umsonst angeboten. Wir
brauchen mur zu nehmen, denn das steht in der Pfingstengeschichte, dafür
ist sie da. Die haben gar keine Vorbedingungen erfüllt, sie mussten nur
warten, bis Gott diese Zeit endlich anbrechen ließ, diese Zeit, als sein
Geist gratis denen gegeben wird, die ihnen wollen. Und Gottes Geist will
rastlos ohne Unterlass auch in ihrem Leben wirken, sie müssen ihm bloß die
Schleusen aufmachen, wir müssen ihn einlassen in unser Leben, ihn wirken
lassen. Nun will ich an dieser Pfingst-Geschichte zeigen, was der Geist
Gottes tut. Denn das sind ja auch Fragen da. Es ist nicht einfach unser
Menschengeist, und nicht einfach der Weltgeist, der hier kommt. Der Geist
der deutschen Literatur, und der Geist Beethovens sind etwas ganz anderes,
als der Geist Gottes. Wie erkennt man denn? Und an was sieht man denn die
Wirkung des Geistes Gottes?
Er schafft neues Leben
Mein erster Punkt: Er schafft neues Leben.
Es gab damals in der Stadt große Unruhe. In Jerusalem. Die vielen
umstehenden Menschen, die waren plötzlich erregt, und sagten: was ist denn
da passiert? Was ist denn passiert? Das sind ein paar Leute, und die reden,
und die reden, und die reden. Sie waren bestürzt, sie fragten, was soll
denn das noch sein? Man hat ja die Jünger Jesu vorher gekannt. Aber so hat
man sie nicht gekannt. Der Unterschied war, sie waren plötzlich voll
sprühender Aktivität. Vorher waren sie ängstlich, sie haben sich
eingeschlossen. Sie hatten keinen Mut, und jetzt auf einmal, da sind sie
voll einer großen Begeisterung, und sie reden, und sie reden. Wenn sie
wissen wollen, woran man den Heiligen Geist erkennen kann: Da drängt es
Sie, von Jesus zu reden. Und das macht ihnen gar nichts mehr aus, ob die
Leute sie verstehen oder nicht verstehen, sie sind so erfüllt, sie müssen
das einfach weiter sagen. Das ist das Kennzeichen des Geistes Gottes. Er
macht uns zu mutigen Bekennern. Und natürlich auch in Situationen, in denen
es sogar gefährlich werden kann. Wir haben ja viele Beispiele, die sie alle
kennen, aus der Zeit der Kirchengeschichte, wo dann Christen so mutig und
unerschrocken waren, selbst dass sogar im dritten Reich vor dem
Volksgerichtshof vor dem Präsidenten Freisler, als der Graf Moltke damals
unerschrocken gesagt hat: ich stehe bloß noch als ein Christ da und bekenne
die Wahrheit. Mutig und unerschrocken, das ist Wirkung des Heiligen
Geistes. Ja, aber steht nicht da, haben Sie nicht viel mehr den Eindruck
von betrunken gemacht"? Das hat schon manche dazu verführt, dass sie
meinen, das, was Christen reden, müsste albern sein. Ich habe nicht den
Eindruck. Sondern, es wirkt auf die normalen Mitbeobachter der Welt immer
lustig, wenn Christen reden. Wahrscheinlich jetzt, wenn jemand hereinkäme,
der so gar nichts mit dem christlichen Glauben am Hut hat, der würde sagen,
Mensch, was reden die da heute Morgen, was erfüllt die so? Das kommt davon
her, dass der normale Mensch betrunken ist. Besoffen vom Weltgeist.
Betrunken von der Einbildung, dass der Mensch der Mittelpunkt ist, und das
Maß aller Dinge, und wenn er dann plötzlich auf Menschen trifft, die sagen,
Nein, das ist der große Irrtum, diese Welt ist ja gar nicht so fest und
beständig, wie wir immer glauben, sondern diese Welt ist ja zerbrechlich
und die vergeht und was eigentlich nur bleibt, ist Gott, und dann erzählen
Sie das anderen. Dann müssen Sie für die anderen wie verrückt erscheinen,
weil wir ein anderes Denken haben, eine andere Meinung. Der Geist Gottes,
der gibt uns ja hier plötzlich einen Durchblick, und eine Klarheit, dass
wird das so weiter sagen können und weiter sagen müssen. Für die anderen
war das bestürzend. Aber ich möchte ihnen das an dieser Stelle noch einmal
sagen, die Kraft der Gemeinde Jesu, die kommt davon her, dass einzelne
Christen durch Gottes Geist den Mut haben, die frohe Botschaft des
Evangeliums weiter zu sagen, und das ist die gute Nachricht am Pfingstfest.
Gott will uns mobil machen, er will uns befähigen. Wir fragen heute viel zu
viel nach der Eignung, nach den Prüfungen, die wir durchlaufen haben. Ja
wer wird denn da reden dürfen? Auch Frauen reden. Ja auch Frauen müssen
reden, sollen das Evangelium weiter sagen. Auch Männer, die berufen sind,
Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, wie man auf seine Weise, in seinem
Platz das Evangelium weiter sagt. Und das ist ja eine Erfahrung durch die
letzten 2000 Jahre der Kirchengeschichte, dass das immer wieder geschehen
ist, selbst da, wo von den Kanzeln falsche unbiblische Lehre verbreitet
wurde. Dann ist es in Bibelgruppen wieder aufgebrochen, und dann sind so
und so viele Leute aufgestanden: Wir konnten es gar nicht lassen! Die
mussten reden von dem, was sie erfahren haben, und was sie entdeckt haben,
und sie kamen in Bewegung. Jetzt möchte ich noch weiter gehen, als das, was
in diesem ersten Pfingstbericht geschrieben ist. Es kommt ja wenig später,
dass das nicht bloß ein Plappern mit dem Munde war, sondern in dieser
ersten Jerusalemer Gemeinde war es ganz wunderbar, dass der Geist Gottes
auch die Persönlichkeit dieser Christen neu geformt hat. Es war ein Wort
und Werk und von allen diesen sichtbar abzulesen, was da der Geist Gottes
initiiert hat. Sie kamen liebevoll zusammen, sie hatten miteinander eine
herzliche Gemeinschaft, sie kümmerten sich umeinander. Und jetzt sollen Sie
das nicht hören und wehmütig denken, ach, das wäre mal schön, wenn ich auch
in einer solchen Gemeinde wäre! Sondern der Geist Gottes will sie benützen,
dass dort, wo sie sind, solche Gemeinschaft entsteht. Und dass sie Mission
treiben und evangelisieren, weil Gottes Geist sie dazu befähigt. Er
benützte die ganz schlichten Worte, die ganz schlichten Worte dieser
Männer, die doch gar nicht dafür ausgebildet waren, benützte er, dass es
eine große Bewegung war und an diesem Tag einige tausend Menschen zum
Glauben an Jesus kamen. Es gibt Leben, der Geist Gottes schafft Leben
Der Geist Gottes schafft klaren Durchblick
Es bewegt heute manche, die sagen ja, da hör mal, da steht doch einiges
davon äußeren Erscheinungen, die das Pfingstgeschehen, die Ausgießung des
Geistes begleiteten. Aber je näher man das ansieht, muss man sagen, es
bleibt merkwürdig offen. Das ist mit allen äußeren Zeichen, die Gott
gegeben hat. Wie der Engel am Grab bei der Auferstehung, oder als die
Engelchöre auf dem Hirtenfeld bei der Geburt Jesu singen, Gott gibt
Zeichen. Ich wundere mich aber, wenn Leute heute sagen, sie wollen den
Geist Gottes nur dort am Werk sehen, wo sie gewisse äußere Zeichen erfüllt
wissen. Davon steht hier gar nichts da. Das Brausen vom Himmel, nicht
nachmachen. Interessant, was das auch bedeutet: Im Hebräischen bedeutet das
Wort für Geist gleichzeitig Wind. Das hat eine Doppelbedeutung, was ist
Wind? Das ist die Luft, die hier im Raum steht, die sich plötzlich bewegt,
das ist das Kennzeichen des Geistes Gottes. Ein tolles Bild! Dass das, was
vorher da war, die Persönlichkeit der Apostel, plötzlich vom Geist Gottes
in eine gewisse Bewegung gebracht wird, ihre Zunge, ihre Gedanken ihr Leben
wird von Gott benützt, und eingesetzt und in die richtige Richtung
getrieben. Ja, das hat eine Bedeutung. Dass der Geist Gottes als ein Wind
beschrieben wird, auch von Jesus so bezeichnet, im Gespräch mit Nikodemus.
Genauso gibt Jesus dort auch die Erklärung, das ist wie ein Wind, man weiß
nicht, wo er herkommt, aber es geschieht etwas, und es wird in eine
Richtung getrieben. Die feurigen Zungen, wie kann man das heute nachmachen?
Also, es bleibt erstaunlich leer, da bleibt nur noch eins übrig: Die
Zungenrede oder die Sprachenrede. Auch das ist schwierig, weil im
Griechischen das gleiche griechische Wort Zunge und Sprache meint,
Glossolalie oder Sprache. Ha, dann ist doch der Geist Gottes nur dort
wirksam, wo man die Zungenrede übt, wie sie heute in gewissen Gruppen
gelehrt wird. Aber jetzt gucken sie doch noch einmal genau hin, die
Zungenrede vom Pfingstfest wird nirgendswo geübt, Nein, nirgendwo, denn da
hat nicht einer irgendwelche unverständlichen Laute gelallt, sondern, dort
hatte man regelrechte Sprachen gehört. Die haben nicht irgendwelche Laute
gehört, und ein Dolmetscher war nötig, sondern sie haben in ihrer Sprache
voll eine Evangeliumspredigt gehört. Nun wäre das ja wunderbar, wenn wir
heute in der Mission die Sprachschulen vermeiden könnten, und einfach
sagen, die Missionare, die müssen nur sich dem Geist Gottes hingeben, da
bräuchte man keine Übersetzer mehr. So töricht war noch niemand, dass er
das behauptet hat. Ich habe einmal in Bangladesch so eine jungen Spinner
getroffen, der mit der englischen Bibel an der Straßenecke stand und den
Bengalen vorgelesen hat aus der Bibel, und gemeint hat, die können das
verstehen. Ich habe gesagt: Du Narr, geh nach Hause, und lass dich einmal
unterweisen von Menschen, was der Geist Gottes in deinem Leben in Bewegung
bringen will. Da muss man sich auf den Hosenboden setzen, da muss man
arbeiten, und wuchern mit den Pfunden muss man. Es ist ja ganz merkwürdig,
dass dieses Phänomen dreimal in der Apostelgeschichte vorgekommen ist. Dass
geredet wird, und alle verstehen das in ihrer Sprache. Das kommt das
nächste Mal beim Hauptmann Cornelius, einem römischen Legionär, und das
kommt noch einmal in Philippi vor. In Europa, als das Evangelium herüber
kam, warum denn? Es gibt eine ganz einfache Erklärung dafür. Juden sind bis
heute der Meinung, dass man Gott nur in Hebräisch anbeten kann. Gehen sie
an die Klagemauer, nur Hebräisch. Im Synagogengottesdienst nur Hebräisch,
für die ersten Christen war das ja sicher selbstverständlich, man kann Gott
nur in Hebräisch anbeten. Wir müssen heute alle in Hebräisch unsere Lieder
singen, Hebräisch beten, wenn Gott es damals am Pfingstfest nicht deutlich
gemacht hätte, dass alle Sprachen der Welt Kisuaheli und Mongolisch und
Chinesisch, für ihn heilige Sprachen sind, und dem jüdischen gleichwertig.
Gott will in allen Zungen und Sprachen gepriesen sein. Das ist eine
wichtige Sache, Gott will zu den Völkern hin. Und jetzt prüfen sie noch
einmal diesen Text, um was geht es denn bei dieser Predigt? Dass verstanden
wird! Gerade nicht, dass wir unverständliche Laute lallen. Ich begreife
nicht, wie manche sagen, wir machen ja gar nicht das Sprachengebet, sondern
wir machen den Sprachengesang, davon steht doch überhaupt nichts da. Ich
bleibe in der Bibel. Sondern das ist wichtig, dass wir uns heute bemühen,
wie kann ich das übersetzen. Ich bin tagelang da gesessen, und habe
überlegt, wie kann ich es in ihr Verständnis übersetzen, dass sie das
begreifen, was der Geist Gottes tut, und dennoch muss der Heilige Geist den
Riegel wegtun, das er den Durchblick schenkt. Und dann steht da, die Leute
haben plötzlich begriffen, was da geredet werden soll. Das wirkt der Geist
Gottes, und Menschen sagen aha, das ist für mich. Und sie können plötzlich
an Jesus glauben. Es ist ja mit dem Glauben immer so, dass da plötzlich wie
eine Mauer weggeräumt werden muss, und Paulus sagt, es hängt eine Decke vor
unseren Augen, die hindert unseren klaren Blick. Martin Luther hat es im
Katechismus ganz eindrücklich gesagt: im Werk des Heiligen Geistes, und wir
sollten immer wieder auf die Katechismuserklärungen zurückgreifen, auch
wenn wir heute in solche Gespräche verwickelt sind, was heißt Heilige
Geist? Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus
Christus meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann. Aus eigener Vernunft
und Kraft, mit allen Denkübungen, Grübeln, sondern der Heilige Geist hat
mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet. Und da kann
man nur beten, Herr, jetzt wirke du dieses Wunder. Ich habe den Eindruck,
bei den evangelischen Aktionen oder was wir auch sonst machen, um
ungläubige Menschen zu erreichen, da setzen wir viel zu viel auf die
Verfremdung des Evangeliums. Ich will das ja auch, dass wir es nicht in
traditionellen Formen nachsprechen, sondern dass wir es in neuen Formen
sagen. Aber das entscheidende wird immer wieder sein, dass der Geist Gottes
wirkt. Und wenn Sie das überlegen, oder bei sich proben, es ist merkwürdig,
wie der Geist Gottes oft sogar ein Plakat der goldenen Worte benützt hat
oder ein Losungsbüchlein, oder im Zugabteil war jemand, und das war für Sie
der Schlüssel zum Glauben. Da hat irgendeiner was gesagt, und Gottes Geist
hat gewirkt. Er schenkt Durchblick, und der Durchblick, so steht es hier
der Pfingstgeschichte, verständlich von Jesus reden, so dass man es
begreifen kann, es war immer eine Jesus-Predigt. Der Geist Gottes redet
nicht von sich. Irrtum! Dem Heiligen Geistes ist gar nicht wichtig, ob wir
viel von ihm reden, sondern er will immer Jesus groß machen. So hat Jesus
schon in seinen Abschiedsreden verdeutlicht. Und darum ist in dieser
Predigt des Petrus, wo der Geist Gottes so viel wirkt, das ganz ähnlich, er
spricht von Jesus, jeder soll wissen, wer den Namen Jesu anruft, der wird
gerettet. Das ist geistgewirkt gepredigt! Das ist geistgewirkt gepredigt!
Und das Schöne ist, dass das auch die Christen eint, das führt uns
zusammen, wo wir alle Jesus allein als unseren Herrn und Erlöser suchen. Es
geht doch nicht hier, ich kann das kaum hören, vom Geburtstag der Kirche!
Da denken wir an unsere zerrissene Kirche mit ihren vielen Konfessionen,
und ihren viele Menschenmeinungen, sondern das geschieht: Wo der Heilige
Geist wirkt, dass er Menschen den Blick öffnet: da ist Jesus. Und wir
fühlen uns verbunden mit jedem Christen, der Jesus als seinen Herren und
Erlöser bekennt. Das eint die Christen. Und die Not, die damals bei dem
Turmbau von Babel war, dass die Menschheit zerfällt in so viele Meinungen
und Denkungsweisen und Sprachen, das soll doch in der Gemeinde Jesu
überwunden sein, aber es ist tatsächlich auch dort in der Gemeinde Jesu
nicht überwunden, wir haben ja alles so Querköpfe! Sondern es ist nur dort
überwunden, wo wir alle vor Jesu stehen, und das Evangelium hören. Auch das
ist deutlich, dass der Geist Gottes zu Pfingsten, am ersten Pfingstfest
durch das Bibelwort gewirkt hat. Das war ja eine Erfahrung der großen
Kirchenlehrer über viele Jahrhunderte hinweg, dass sie immer gesagt haben,
es gibt Verheerungen und Verkehrung des Heiligen Geistes, wenn er nicht
ganz eng an das Wort der Schrift gekoppelt ist. Gott hat sich gebunden an
sein Wort, und die Schrift hat den Geist Gottes und ist vom Geist Gottes
geschaffen. Petrus hält eine Schriftpredigt, beruft sich auf das Alte
Testament, und durch das zeigt er, wer Christus war. Und das ist
interessant, dass der Geist Gottes dann wirken kann, wenn wir die Bibel
auslegen. Wenn wir das Wort Gottes weitersagen. Und wenig später wird in
der Apostelgeschichte auch erzählt, wie die ersten Flüchtlinge nach der
großen Verfolgung, die dann der Tötung von Stefanus folgte, geflohen waren.
Die kamen in die große Welt, Weltstadt Antiochien am Orontes, und was haben
die Christen dort gemacht? Sie haben immer nur ein Thema, wo sie hin kamen,
sie redeten von Jesus, nichts anderes. Das ist ein Werk des Geistes Gottes.
Darin erkennt man ihn. Er schafft klaren Durchblick, unterweist auf Jesus
hin. Wenn Sie wissen, woran erkennt man ihn? Nicht an äußerlichen Zeichen,
ich glaube da hängen wir jetzt an der falschen Stelle, sondern an den
klaren Hinweisen: Jesus ist der Herr, Jesus ist der Erlöser. Und noch das
letzte:
Er macht gewiss
Wir bleiben immer in Fragen in der Unsicherheit. Ich kann nicht wirklich
glauben? Jetzt würden ein paar von Ihnen lachen, wenn ich sage ich habe
immer Schwierigkeiten, Komplizierte physikalische Vorgänge zu verstehen. Da
kommt mein Geist nicht hinein, oder technische Dinge, oder Computersprache
zu verstehen, die jungen Burschen mit 12 oder 14, die können das schon, die
sind da drin. Und es ist ja genauso mit der Welt Gottes, den göttlichen
Gedanken, da sind wir alle fern davon. Wir sind da nicht drin, das ist
etwas ganz anderes. Wie kann ich da hineinkommen? Nur, indem uns Gott
seinen Geist gibt. Man kann Gottes Welt nur erforschen durch seinen Geist,
den er uns gibt. Und nun war das damals interessant, dass Gott gewirkt hat.
Auf diesen Geist. Und Petrus schließt seine Predigt dann, ich habe es nicht
mehr ganz verlesen: Jeder soll ganz gewiss werden im Glauben. Wie soll man,
wie kann man denn ganz gewiss werden? Man kann grübeln und forschen, das
ist tatsächlich ein Augenblick, wenn man sich bewusst macht, aha, meine
Schuld trennt mich von Gott. Da ist auch eine Pfingstgeschichte drin. Dass
der Geist Gottes überführt mich meiner Sünde. Die Menschen waren damals
richtig betroffen und schockiert, als sie hörten, sie haben Jesus ermordet.
Wir? Und dann begriffen sie es plötzlich: doch, wir, wir haben die
ausgestreckte Hand Gottes zurückgeschlagen! Sehen Sie, der Geist Gottes
wirkt im Gewissen. Das könne nicht Menschen manipulieren. Er bohrt ein Loch
ins Gewissen. Es geht nicht um das Pathos einer Predigt. Das kann manchmal
irgendwo eine Tatsache sein, ein schlichtes Zeugnis, das trifft uns ins
Gewissen. Wir lesen irgendein Buch, etwas, das trifft uns ins Gewissen. Die
Wirkungsweise des Geistes Gottes, wie er uns gewiss macht, indem er uns vor
Gott Schuld aufdeckt, und vorher kann der Geist Gottes in unserem Leben
auch nicht wirken, bevor wir uns reinigen, Schuld bekennen, und Vergebung
empfangen. Bevor das geschieht, da erkennen wir erst Jesus in seiner
unendlichen Liebe. Wie er für mich diesen Weg geht ans Kreuz, und sich
hinnageln lässt. Der Heilige Geist möchte das am liebsten anstrahlen und
uns wichtig und lieb machen. Das ist der Punkt, wo ich meines Glaubens
gewiss werden muss: Ich bin gewiss, Jesus hat mir vergeben, alle meine
Schuld ist in des Meeres Tiefe versenkt. Niemand kann mich mehr aus der
Hand Jesu reißen. Ich bin ganz gewiss, es mögen viele Fragen noch in meinem
Leben übrig bleiben, die ich nicht beantworten kann, ich bin gewiss, Jesus
ist mein Herr. Er ist mein Erretter, und er wird den Tod zerbrechen, und
ich darf bei ihm geborgen sein. Mir fällt es oft schwer, an Menschen
Seelsorge zu tun, wenn sie durch schweres Leiden gehen. Und das betrifft
uns alle irgendwann einmal, in dieser Pfingstgeschichte steht nirgendwo
drin, dass Glaubende nicht krank werden. Es ist schwer, das viele unter uns
schwer leiden. Und auch jetzt in dieser Stunde hören unsere Kranken mit.
Und als junge Menschen, die nicht mehr gesund werden, und schwer krank
sind. Und dann steht man oft daneben, und denkt, wie kann man denen das
Evangelium sagen? Ist er nicht ein leidiger Tröster mit seinen Sprüchen?
Und da war auch einer, der hat auch gesagt, das ist so schlimm, ich weiß
auch gar nicht, ob ich durchhalte. Ich hatte vor dem nächsten Besuch so
Angst gehabt, und gedacht, was soll ich denn machen, ich komme, und ich
gehe, und ich rede, und dann habe ich gedacht: Herr, dein Geist kann gewiss
machen. Als ich das nächste Mal kam, hat er so fröhlich mitgebetet, so
laut, Ja und Amen gesagt- Das kann der Geist Gottes, Menschen gewiss und
fest machen, auch wenn es ganz traurig ist, auch wenn man ganz verzweifelt
und mutlos ist. Er kann uns verwandeln, weil er uns den Blick auf Jesus
freigemacht, und wir Menschen sind nur das äußere Instrument, das der Geist
Gottes benützt. Ach, das ist so schön, dass Gottes Geist bei uns einkehren
will. Dass sich Gott selber einlädt, und sagt, ich möchte doch zu dir, und
wir dürfen die Türen aufmachen, die Schleusen aufmachen, und sagen: komm,
Herr, mit deinem Geist, du musst mir diese Freude schenken, den klaren
Durchblick, das mutige Bekenntnis, und dann bin ich überzeugt, dass von
ihrem Leib Ströme lebendigen Wassers ausfließen, auch wenn Sie es nicht
sehen, werden sie staunen, was Gott aus ihrem Leben wirken kann. Amen.
