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Lazarus und der reiche Mann – Teil 1

Jesu Leben und Lehre, Teil 590/692
13.07.2025Lukas 16,18-23
SERIE - Teil 590 / 692Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 589: Lazarus und der reiche Mann.

Die Haltung der Pharisäer und ihre Heuchelei in Ehefragen

Wir sind stehen geblieben bei den Pharisäern und wie sie mit Gewalt ins Reich Gottes hineindringen. Sie passen Gottes Maßstab ihren eigenen Wünschen an, um auf diese Weise als vermeintlich fromme Leute so leben zu können, wie es ihnen passt.

Ein Bereich, in dem diese falsche Haltung besonders schnell sichtbar wird, ist der Bereich Ehe und Sexualität. Deshalb formuliert Lukas hier beispielhaft: Lukas 16,18: „Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und jeder, der die von einem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.“

Es geht Lukas hier nicht darum, alles über Ehe oder Ehescheidung zu sagen, was man sagen kann. Vielmehr möchte er ein Beispiel anfügen, das Jesus verwendet hat, um die Heuchelei seiner Gegner aufzudecken. Diese dachten nämlich, dass vor allem Männer ein Recht auf Scheidung haben, solange die Scheidung formal korrekt mittels eines Scheidebriefs durchgeführt wird.

Wie falsch dieses Denken ist, werden wir noch sehen.

Die Geschichte vom reichen Mann und Lazarus als Warnung

Jetzt aber erst einmal eine Warnung, eine Geschichte: Der reiche Mann und der arme Lazarus (Lukas 16,19).

Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk.

Zuerst fällt auf, dass wir es hier wieder mit einem reichen Mann zu tun haben, ähnlich wie in Lukas 16,1, wo es heißt: Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte. Aufgrund der sprachlichen Nähe könnte man sich fragen, ob die beiden Beispielgeschichten thematisch zusammengehören.

Mir scheint, dass es zwischen beiden eine deutliche Verbindung gibt. Diese Verbindung ist die Frage: Wie geht es mit mir nach dem Tod weiter? Der kluge Verwalter steht für den, der sich vorbereitet. Wir erinnern uns an den Auftrag Jesu: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.

Aber was wird aus denen, die sich nicht vorbereiten? Vor allem, was wird aus Menschen, die in diesem Leben scheinbar alles haben, aber ihren Reichtum gerade nicht als Chance sehen, sich Freunde zu machen? Was wird aus denen?

So einen haben wir hier vor uns. Lukas 16,19: Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk.

Designerklamotten, Satan-Unterwäsche und jeden Tag Party – das ist das Leben des reichen Mannes.

Lazarus – der namenlose Arme mit Bedeutung

 Lukas 16, Verse 20 und 21: Ein armer Mann namens Lazarus lag am Tor des Reichen, voller Geschwüre. Er sehnte sich danach, sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen. Auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.

Beginnen wir mit dem Namen. Lazarus ist eine Kurzform von Eleazar, und Eleazar bedeutet „Gott hilft“. Da Lazarus die einzige Figur in einer Jesusgleichnis-Geschichte ist, die einen Namen trägt, muss dieser Name eine besondere Bedeutung haben.

Erstens zeigt der Name, dass Gott jeden Menschen mit Namen kennt. Auch derjenige, der ganz am Rand der Gesellschaft steht, ist für Gott kein Niemand, sondern ein Jemand mit Namen.

Zweitens werden wir noch sehen, dass der reiche Mann genau diesen Lazarus mit Namen kannte. Die Frage bleibt, warum er ihn zwar namentlich kennt und womöglich täglich an ihm vorbeigeht, ihm aber nicht hilft.

Drittens ist der Name selbst bereits eine kleine Predigt, voller Trost, aber auch voller Spannung. Ein Mann mit dem Namen „Gott hilft“ liegt kraftlos und voller Geschwüre am Tor eines reichen Mannes und wünscht sich nicht mehr als die Abfälle. Das sieht nicht gerade so aus, als ob Gott hilft – stimmt, bis er stirbt, bis sich sein Schicksal wandelt und bis Gott tatsächlich eingreift.

Kontraste zwischen Reichtum und Armut im Leben und nach dem Tod

Nun kennen wir die beiden Protagonisten: den Reichen, der in Saus und Braus lebt, und den armen Lazarus. Lazarus ist hungrig, möglicherweise verkrüppelt, auf jeden Fall krank und voller Geschwüre. Er liegt draußen vor der Eingangspforte zum Anwesen, wird von wilden Hunden bedrängt und wünscht sich nichts sehnlicher, als die Abfälle zu bekommen, um irgendwie satt zu werden (Lukas 16,22).

Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoss getragen wurde. Mit dem Tod ist die Lebensgeschichte des Armen nicht vorbei. Nach dem Sterben geht es weiter: Engel tragen ihn in Abrahams Schoss. Abrahams Schoss ist der Ort, an den die Treuen kommen – diejenigen, die bis zum Schluss an Gott festhalten, egal, was das Schicksal für sie bereithält.

Was für ein Umschwung! Aus dem kranken, einsam leidenden und von allen vergessenen Menschen wird ein von Engeln Getragener, der in die ewige Gemeinschaft mit Abraham, dem Vater des Glaubens, aufgenommen wird.

Auch der Reiche stirbt (Lukas 16,22-23). Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sah er Abraham von Weitem und Lazarus in seinem Schoss.

Mit dem Tod ist der Reichtum, aber nicht das Leben des Reichen vorbei. Er wird begraben und öffnet wie Lazarus seine Augen im Hades, das heißt im Totenreich. Allerdings landet er nicht in Abrahams Schoss, sondern an einem Ort der Qual.

Und nicht nur das: Er sieht Abraham und Lazarus, aber nur von weitem. Dieses Sehen erinnert an einen anderen Text, den wir schon kennen: Lukas 13,28. Dort heißt es: „Da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sehen werdet, euch aber draußen hinausgeworfen.“

Wieder begegnet uns der Gedanke, dass die Gestorbenen sich ihrer selbst und ihres Schicksals bewusst sind. Sowohl der reiche Mann als auch Lazarus bleiben nach dem Tod als Personen erhalten. Sie wissen genau, wo sie sind, nämlich im Totenreich – dem Hades oder, wie es im Alten Testament heißt, dem Scheol.

Die Bedeutung des Totenreichs und die Konsequenzen für das Leben

Ich hatte am Anfang gesagt, dass das Gleichnis vom klugen Verwalter und diese Beispielgeschichte inhaltlich miteinander verbunden sind. In beiden Fällen geht es um die Frage, was nach dem Tod kommt.

Eine erste Antwort können wir jetzt geben: Nach dem Tod geht es weiter – und zwar ins Totenreich. Dabei ist der Hades kein Ort, an dem wir schlafen oder gemeinsam darauf warten, irgendwann einmal gerichtet zu werden.

Bereits das Totenreich trennt die Guten von den Bösen. Es trennt diejenigen, die zum Reich Gottes gehören, von denen, die in diesem Leben auf Kosten anderer gelebt und nicht geliebt haben.

Einladung zur persönlichen Reflexion und Ausblick

Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, welche Vorstellung du aktuell vom Jenseits hast. Wo kommen deiner Meinung nach die Toten hin?

Das war's für heute.

Du möchtest dich berufsbegleitend theologisch weiterbilden und hast keine Probleme damit, dafür auch mal ins schöne Erzgebirge zu fahren? Dann höre zu, wenn ich dir diese Woche die BTA Dual Ost vorstelle.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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