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Der Herr behütet Dich

31.12.1986Psalm 121,1-8

Beginn und Einstimmung auf den Jahreswechsel

Nun bricht die letzte Nacht dieses Jahres an. Es ist schön, dass wir hier zusammenkommen, um unseren Herrn anzubeten im Flug der Zeiten. Wir bekennen: Meine Zeit steht in deinen Händen. Es ist großartig, dass unser Leben unter der Führung des lebendigen Gottes steht.

Ich habe gedacht, wenn wir diesen Gottesdienst miteinander beginnen, sollten wir mit dem Loben und Danken anfangen. Dabei passt nur ein Wort: "Bis hierher hat der Herr geholfen." Wir wollen gemeinsam das Lied singen: "Womit soll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Zebaoth" (484). Wir singen dort die Verse 1, 4, 5 und 7.

Hey, ahh, wir wollen beten. Du Herr der Welt und Herr unseres Lebens, in dieser Nacht wollen wir dir danken. Danke, dass du in deiner großen Treue, Liebe und Fürsorge jedem von uns in den zurückliegenden Tagen dieses Jahres nachgegangen bist und uns betreut hast.

Es tut uns leid, Herr, dass wir so viele Gelegenheiten versäumt haben. Uns wird bewusst, dass wir viel gegen dich gesündigt haben. Verzeih uns unseren Unglauben, alles Unrecht, das wir geredet und getan haben, und allen Ungehorsam.

Am Ausklang dieses Jahres suchen wir deine Liebe, dein Geleit und deine Führung. Wir sind so froh, wenn du uns ganz frei machst von aller Schuld. Vielen Dank, dass du uns rein machst von aller Sünde. Alles, was uns jetzt leid tut, nimmst du weg. Dafür hast du dein Leben gelassen.

Mach es uns ganz gewiss, auch das, was wir dir jetzt in der Stille bekennen. Danke, dass, wenn du frei machst, der ganz frei ist. Amen.

Gemeinschaft und Verantwortung in der Gemeinde

Ich habe diesen Gottesdienst am Ende des Jahres gerne genutzt, um auch einmal ein paar Worte zu sagen, die mich als Verantwortlicher für diese Gemeinde bewegen.

Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass Sie es sicher nicht wissen, aber es bedeutet mir immer wieder sehr viel, mit Ihnen zusammen die Wegstrecke zu gehen, die uns in dieser Gemeinschaft zusammengestellt hat. Wenn ich auf Reisen im Ausland unterwegs bin, wird mir erst richtig bewusst – noch mehr, als ich es jetzt ausdrücken kann –, wie sehr diese Gemeinschaft für mich auch eine Heimat ist.

Ich wollte Ihnen das einmal sagen: Neben der Verkündigung des Wortes Gottes in unseren Gottesdiensten ist die Gemeinschaft so wichtig. Sie haben es oft erlebt, wie ich Sie angesprochen habe und Ihnen den Tipp gegeben habe, doch nach rechts und links zu grüßen. Ich weiß nicht, ob Sie das heute getan haben, und ich lasse es auch nicht gelten, wenn Sie sagen, Sie seien so schüchtern. Ich will Ihnen sagen: Sie sind schuldig, wenn Sie nicht nach dem Schauen, der neben Ihnen sitzt.

Ich war ganz frisch in der Gemeinde hinter Ludwig Hofer. Da vorne saß eine liebe Frau, ich weiß es noch. Zwei Tage später hat sie sich das Leben genommen. Kümmern Sie sich umeinander! Wir wissen nicht, welche Belastungen morgen auf uns zukommen. Wir brauchen einander, und Sie dürfen die Lasten Ihres Nächsten – das ist der, der neben Ihnen sitzt – mittragen. Sagen Sie: „Ich bete für Sie, ich habe Zeit für Sie, ich rufe Sie an.“

Ich habe erfahren, dass es oft erst vier Wochen später bemerkt wird, wenn jemand ins Krankenhaus muss, obwohl ich Sie gebeten habe, doch selbst den Zettel aufzuhängen, wenn Sie Gebet brauchen. Wenn Gott Wunder wirkt, auch in Krankheitsnöten, dann tut er das durch das Gebet des Glaubens.

Ich bin so froh, dass wir diese Gemeinschaft haben und dass so viele sie nutzen. Ich freue mich auch immer wieder, wenn neue Freunde zu uns stoßen. Ich möchte Ihnen einfach sagen, dass es mir eine Last ist, die mich ganz beschwert. Ob Sie das auch verstehen und mir jetzt abnehmen, dass Sie doch suchen müssen, wie Sie Gemeinschaft mit anderen finden. Und dass Sie auf andere zugehen.

Wir haben hinten ein Blatt ausgelegt, auf dem viele Gruppen und Kreise stehen. Ich freue mich, dass viele von Ihnen aus den landeskirchlichen Gemeinschaften kommen oder aus anderen Hauskreisen. Das suchen wir. Dann dürfen Sie auch so dabei sein. Aber Sie sollen eine feste Gemeinschaft haben mit Menschen, die mit Ihnen beten, die mit Ihnen das Wort auslegen und wo Sie auch Korrekturen und Hilfe erfahren können. Wo Sie wissen: Da ist jemand, der an mich denkt. Und ich habe Leute, für die ich bete.

Glaube und Leben im Einklang mit Gottes Wort

Und das zweite, was mich bewegt, auch am Ausgang dieses Jahres, ist Folgendes: Das Jahr in unserem Volk war, so meine ich, ein großes Suchen nach Gott.

Wir sind immer wieder überrascht, wenn wir bei unseren Verkündigungen auf der Straße erleben, wie Menschen stehen bleiben und zuhören. Es sind Leute, die sonst nie den Weg in eine Kirche finden.

Doch darf uns das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Zeit des großen Abfalls von Gott leben. Da frage ich mich oft, ob Sie das mitnehmen aus dem Gottesdienst. Nicht bloß das Wort, das Sie hören, sondern dass Ihr ganzes Leben mit dem Wort Gottes übereinstimmen muss.

Es kann keinen Segen auf Ihrem Leben liegen, wenn Sie nicht ganz mit Gottes Wort im Einklang leben. Wenn nicht der Geist Gottes Sie in allen Ihren Aufgaben des Tages erfüllt, ist es mir wichtig, Ihnen das ganz direkt auf den Kopf zuzusagen – als eine Bitte.

Nur wenn das Wort Gottes reichlich unter uns wohnt, haben wir auch die Geborgenheit, die Gott schenken will. Das bedeutet doch: Stille Zeit morgens, Hausandacht in den Familien. Wenn Sie allein sind, beginnen Sie keinen Tag ohne Gebet, ohne stille Zeit – wenigstens 15 Minuten mit Gottes Wort. Die Losung allein ist zu wenig.

Sie brauchen Gemeinschaft mit anderen, auch hier, die Ihnen das Wort erklären. Leben Sie das Wort Gottes? Bleiben Sie fern von allem, wo das Wort Gottes menschlicher Kritik unterworfen wird und wo Menschen über Gottes Wort zu Gericht sitzen.

Gottes Wort bleibt in Ewigkeit. Bleiben Sie treu beim Wort Gottes, sonst werden Sie in den großen Abfall mit hineingerissen.

Das bewegt uns immer wieder, auch in der Sorge um unsere Gemeinden und um die Christenheit, dass sie doch beim Wort bleibt. Wo dein Wort nicht mehr gelten soll, worauf soll der Glaube ruhen? Wenn es um Menschen, Gedanken oder um Menschenvernunft geht, dann hat es doch keinen Wert mehr.

Woran soll ich mich dann halten, wenn sein Wort nicht gilt? Das ist das, was zu uns redet, das ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte werden nicht vergehen, das sagt Jesus.

Daran halten wir uns in den stürmischen Zeiten, wenn unter unseren Füßen alle Fundamente wackeln. Dann danken wir, dass wir Gottes Wort haben.

Evangelisation und Zeugnis im Alltag

Und ein drittes bewegt mich, gerade wenn wir an unsere Stadt und an unser Volk denken: Wie erreichen wir sie?

In diesen Tagen möchten wir gerne mehr evangelisieren. Es ist schade, dass so wenige Evangelisationen stattfinden. Dabei hat das Wort doch keinen schlechten Klang. Vielmehr schieben Menschen es von sich weg, weil es ihr Gewissen trifft. Wir wollen den Ruf zur Entscheidung weitergeben.

Es ist jedoch gut, einmal darauf hinzuweisen, dass die meiste Frucht nicht durch Großversammlungen entsteht. Ich hoffe, dass wir solche Veranstaltungen auch in Stuttgart wieder haben. Zum Beispiel die Jugend-Evangelisation in der Schleyerhalle, die viele junge Menschen erreicht hat.

Dennoch erzielen sie ihre größte Wirkung dort, wo die Menschen leben, durch das Wort und das Zeugnis des Glaubens. Dieses wird unterstrichen durch den gelebten Glauben in ihren Familien und Häusern.

Lassen Sie sich nicht verunsichern, auch wenn Ihnen Feindschaft und Widerstand ins Gesicht blasen. Hier können Sie viel sagen, und die Worte werden weiterhallen. Sie wissen gar nicht, wann das Samenkorn, das ausgestreut ist, aufgeht.

Ich möchte Ihnen Mut machen, an Ihrem Platz, dort wo Sie leben, von Jesus zu reden. Nicht mit großen Sprüchen, sondern ganz schlicht mit Ihren eigenen Worten und Ihrer Sprache zu erzählen, was Ihnen Jesus bedeutet.

Wenn ich daran denke, wie wir heute Abend zusammen sind, aus allen Teilen der Stadt, was wäre es, wenn Sie das in Ihren Wohnblocks in Cannstatt, im Boden, wo Sie herkommen, oder auf den Fildern weitergeben? Wenn Sie sich einen Platz suchen, an dem Sie ab und zu Besuche machen und nach den Kranken sehen.

Oft habe ich gedacht, ob nicht hier und da vielleicht jemand von unseren Gottesdiensten hört und dann anfängt, eine Kinderstunde zu machen. Dort, wo viele Kinder leben und oft wenig in den Gemeinden geschieht, könnten Sie einfach die Kinder einladen, mit viel Kakao und Kuchen, und ihnen dann die Jesus-Geschichten erzählen. Das können Sie.

Denn Jesus segnet den, der ihm treu dient. Ich will Ihnen Mut machen, dass Sie ein Zeuge Jesu an Ihrem Platz sind.

Dankbarkeit und Rückblick auf das Gemeindeleben

Und wenn ich hier einen Rückblick halte, merken Sie schnell, dass es kein gewöhnlicher Rückblick ist. Ich möchte nicht über alles sprechen, was geschehen ist, und keine Bilanz ziehen.

Stattdessen will ich allen danken, die Mitverantwortung getragen haben – in den Hauskreisen, in den Jugendgruppen, in den Kühleren, in den Dienstgruppen im Nähe-Kreis, im Gemeindedienst, im Kirchengemeinderat, beim Kopieren der Kassetten, beim Helfen bei den äußeren Arbeiten, beim Kochen und an vielen anderen Stellen. Es ist schön, dass unser Blick als Gemeinde immer wieder auch nach außen geht.

Heute habe ich auf Ihre Plätze viel Papier legen lassen, weil mir all das wichtig war. Ich wollte Ihnen diese Dinge einmal in die Hand geben. Auch die Dankbriefe von denen, die wir mit der Arbeit „Hilfe für Brüder“ erreichen, sind nur ein kleiner Auszug aus den vielen Briefen, die uns täglich erreichen.

Es ist für uns eine große Freude, dass wir auch in diesem Jahr wieder eine so große Fülle von Projekten durchführen konnten. Dieses Jahr waren es etwa 140 Projekte, die wir neu in Angriff nehmen konnten – dank der großen Unterstützung. Darunter waren große Aufgaben, die viel für die Kirchen und Gemeinden in der Dritten Welt bedeuten.

Sie haben auch mitgetragen bei den großen Schwierigkeiten, die wir mit dem neuen Werk „Christliche Fachkräfte international“ hatten. Darüber haben wir hier wenig gesprochen, aber Sie konnten es oft in den Zeitungen und Kirchenblättern lesen. Auch hier haben wir erlebt, wie Gott uns Türen öffnet, wie er der beste Anwalt ist und wie er uns in diese Arbeit ruft.

Im Rückblick möchten wir vielleicht sagen, dass es uns sehr gut getan hat, zu wachen, zu beten und den Herrn zu fragen, wie es weitergehen soll. Und wir freuen uns, dass wir nun schon zu Beginn des neuen Jahres neue Mitarbeiter aussenden können – nach Uganda, den Philippinen, Benin und bald auch Krankenpfleger und eine Krankenschwester nach Mali, das in der Sahara liegt.

Beten Sie für diesen Dienst, dass Gott Frucht daraus schenkt.

Ich danke Ihnen für Ihr Mittragen, das es möglich macht, dass eine Gemeinde sich so an der weltweiten Christenheit und ihren Nöten beteiligt. Ich danke Ihnen, dass Sie mitgeholfen haben, dass wir an einem Strang ziehen können.

Wir wollen Gott danken, dass er uns den äußeren Frieden geschenkt hat, aber auch den inneren Frieden in der Gemeinde. Dass kein Streit unter uns war, sondern dass uns die Einigkeit im Geist geschenkt wurde. Dafür wollen wir beten, dass der Herr auch dieses Miteinander im neuen Jahr segnet.

Nun wollen wir miteinander singen: Lied 42, „Nun lasst uns gehen und treten“ – die Verse 1 bis 7.

Psalm 121 als Zuspruch und Hoffnung

An einem solchen Abend bewegen einen viele Gedanken. Man wollte reden von der Vergänglichkeit unseres Lebens und vom Flug der Zeiten. Für heute Abend habe ich den ausgewählten Psalm 121 gewählt.

 Psalm 121 – Der treue Menschenhüter.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen. Und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der Herr behütet dich.

Daher ist dein Schatten über deiner rechten Hand, damit dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit.

In diesem Jahr wurde viel geredet. Ach, man kann gar nicht zählen, wie viele Worte es waren. Es gab auch Modeworte, die eigentlich erst in diesem Jahr häufig gebraucht wurden. Mir fiel auf, dass in diesem Jahr häufig von einer Sache gesprochen wurde, wie eigentlich früher nie. Nämlich, ob es eine absolute Sicherheit gebe – eine absolute Sicherheit.

Man konnte das immer wieder in den Zeitungen lesen. Auch bei Begegnungen, wenn gerade aufregende Tagesereignisse diskutiert wurden, fragte man: Gibt es eigentlich eine absolute Sicherheit? Die erfahrenen Techniker sind dabei so bescheiden und sagen: Eine absolute Sicherheit kann es gar nicht geben. Irgendwo bricht eine Gasleitung, irgendwo funktioniert ein Sicherheitsventil nicht. Man kann nur so gut wie möglich versuchen, das Risiko herunterzuschrauben.

Aber das lassen viele gar nicht mehr gelten. Sie sind ganz aufgeregt, und ich verstehe das gut. Sie sagen: Also, wenn es keine absolute Sicherheit gibt, dann – dann kommt die Panik. Was machen wir dann?

Es ist gut, wenn man wach wird und Verantwortung wahrnimmt. Dagegen will niemand etwas sagen. Aber die fehlende Sicherheit kommt ja nicht aus der Technik.

Wissen Sie, warum es keine absolute Sicherheit gibt? Weil eine große Fehlerquelle überall drin ist: das ist der Mensch – das Unsicherste. Wir sagen ja immer: Irren ist menschlich. Und kein Wunder, dass da irgendwo einmal der Kopf nicht bei der Sache ist. Dann kann eben so etwas passieren.

Solange Menschen leben, gibt es das – dass Fehler gemacht werden. Und es gibt deshalb auch keine absolute Sicherheit. Das ist gut, wenn man sich am Jahreswechsel daran erinnert: Wir wanken.

Ich finde es jetzt ganz wichtig, dass wir nicht von großen Dingen reden, die uns bewegen und von außen unsicher machen. Ich bin doch unsicher. Ich weiß ja nicht, was das neue Jahr mir bringt. Ich habe ja gar keine Sicherheit.

Und selbst wenn ich es wüsste, dann wäre ich sehr fragend, ob ich überhaupt meine Vorsätze durchhalten kann. Ich bin doch sehr, sehr fehlsam, untreu, unsicher, verzagt, unzuverlässig. Und das macht mir dann den Übergang ins neue Jahr so unsicher – absolut unsicher.

Und wenn dann noch etwas passiert – da kann ja immer etwas sein: ein Unfall, eine Schreckensnachricht, eine Krankheit, die einen trifft, oder auch Enttäuschung mit Menschen. Soll ich denn das alles jetzt aufzählen? Das ist nicht nötig. Wir brauchen heute nicht darüber zu reden.

Wir haben eine absolute Sicherheit. Es gibt doch eine: den ewigen Gott, den lebendigen Gott, der uns eine feste und verlässliche Garantie gibt.

Gottes Treue als feste Grundlage

Zuerst mein erster Punkt: Im Kalender wird einfach festgestellt, dass die Hilfe kommt. Es wird eine Tatsache genannt. Es heißt: Die Hilfe kommt. Punkt. Sie kommt. Das ist eine Tatsache.

Er behütet dich. Wir sagen das oft ganz anders. Wir sagen: „Er behüte dich“ oder „steht er behütet dich“. „Er lässt deinen Fuß nicht gleiten.“ Wenn ich mit Christen spreche oder auch meinen eigenen Sprachgebrauch kritisch überprüfe, fällt mir auf, dass wir immer in einer anderen Form sprechen. Wir sagen: „Möge doch Gott dich behüten, möge er dich doch geleiten.“ Dann hören wir Gebete: „Ach, lieber Gott, sei doch so freundlich und geh doch du bitte mit.“ Dabei steht hier doch fest: Das ist eine Tatsache, auf die man sich absolut verlassen kann.

Ich brauche nicht darum bitten, ich brauche nicht zu schreien, ich brauche nichts zu flehen. Von dem darf ich einmal ausgehen an der Jahreswende, dass der ewige Gott mich behütet, meinen Fuß nicht gleiten lässt, die Hand über mir hält und seine Hilfe sendet. Ist das nicht eine Freude? Das ist der Grund zum Danken.

Natürlich sind wir Menschen, die auch Fehler machen, aber der Herr ist treu. Der Herr ist treu, darum gehen wir fröhlich ins neue Jahr. Das war ja ein Lied, das die Pilger gesungen haben auf ihrem Weg, wenn sie nach Jerusalem gingen.

Man kann sich vielleicht nicht so gut vorstellen, wie gefährlich so ein Weg war. Es dauerte einige Tage, bis man unterwegs war, und man hatte kein richtiges Quartier. Diese Leute waren arm, sie hatten keine richtige Verpflegung. Man wusste nicht, ob das Wasser, das man trank, gesund war und ob es einem bekam. Was sollte man tun, wenn man plötzlich Hilfe brauchte?

Man ging ja auch durch feindliches Land, zum Beispiel durch das Land der Samariter. Dann kamen die Berge. Die Älteren unter uns wissen, wie man immer wieder zu solch einem Berg hinschaut. Das Land Israel ist ein bergiges Land. Man musste nochmals einen Berg hoch, und es war furchtbar heiß. Da hatte man keinen Mut mehr und fragte sich: Schaffe ich das noch?

Dann blickten die Pilger hinauf und sagten: „Ach, hebe meine Augen auf zu den Bergen.“ Vielleicht dachten sie: Wenn ich oben bin, sehe ich endlich das Ziel meiner Pilgerreise.

Und da haben sie sich selbst vorgesungen: „Du musst höher blicken als auf die Berge, ganz hoch auf den lebendigen Gott.“ Nehmen Sie das mit in das neue Jahr: Ich will auf den lebendigen Gott, meinen Herrn, schauen und mich freuen, dass das wahr ist.

Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat – meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ein mächtiger Gott, der über diesem Jahr 1987 steht. Ich lege meine Sorgen in seine starken Hände.

Auch meine sehr kurz bemessene Zeit steht in seinen Händen. Er weiß sogar meine Todesstunde. Das kann mich ganz ruhig machen. Er hat die Umstände meines Sterbens schon geordnet, weil er herrscht.

Zweifel und die Kraft des Evangeliums

Jetzt frage ich nur, wo das mit den Zweifeln hinauswill. Wenn wir dann immer wieder fragen, sind wir alle gleich krank.

Das beginnt dann im neuen Jahr mit den vielen Anfechtungen, die uns bekümmern. Wir schreien zum Herrn und sagen: „Aber ich glaube doch! Jetzt ist doch so, dass du mich vergessen hast. Warum muss ich denn durch diese schweren Zeiten hindurch? Warum ist es bei mir so dunkel, und warum fühle ich gar nichts?“ Muss ich das heute am Silvesterabend fragen? Glauben Sie das während der Erste? Glauben Sie, dass Gott bei Ihnen sein Wort bricht?

Sie dürfen wissen, dass Gott treu bleibt, selbst dann, wenn wir untreu sind. Das sind Tatsachen, die hier festgestellt werden. Aber wir kommen ja in unseren Zweifeln dann immer viel tiefer ins Fragen und sagen: „Aber Herr, da gibt es doch echte Fragen und Zweifel, die begründet sind. Es kann doch sein, dass ich wegen der Schuld meines Lebens jetzt gar nicht mehr auf deine Hilfe hoffen kann. Hast du dein Gesicht nicht vor mir verborgen? Stehe ich nicht unter dem Fluch? Bin ich nicht den Mächten ausgeliefert? Ist es nicht so, dass andere Mächte mit mir spielen und mich besetzt halten?“

Das sind ja echte Fragen, und da genügen nicht mehr einfache Antworten. Da gibt es wirklich nur die Antwort, die uns das Evangelium bietet: Dass es wahr ist, dass Lügenmächte in dieser Welt triumphieren und dass auch dieses Jahr 1987 uns durch schwere Kämpfe und Anfechtungen führen kann. Dass wir manchmal verzagen, verzweifeln und stöhnen. Aber dann blicken wir auf.

Der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat, hat seinen eigenen Sohn dahingegeben für mich, damit meine Schuld gesühnt ist. Und ich sollte es wissen, auch in allen dunklen Stunden: Gott ist für mich. Er hat sich in Jesus so klar erklärt, und das Kreuz Jesu steht und garantiert mir als Tatsache, dass ich mich daran halten darf – Jesu Gnade, weil ich dir nicht.

Auf dass wir Frieden hätten, auch wenn wir durch dunkle Täler gehen. Und Sie müssen wissen, dass das bei Gott feststand, schon lange bevor Sie zu glauben begannen. Hat Gott Sie gesucht? Hat er Sie gerufen? Ihm war das wichtig, in Ihr Leben einzugreifen und Ihnen diesen großen Gottesfrieden zu schenken.

Jetzt ist nur die Frage: Wollen Sie weiter die Melodie singen, die Sie gedichtet haben von Ihrem Klagen und Ihren Nöten? Oder stimmen Sie mit ein in dieses Lob, wie wir es eben gesungen haben: „Ach, kann nur loben und danken, wie wunderbar du uns führst.“

Und ich freue mich auch auf das neue Jahr, weil ich weiß, es wird ein Jahr sein, in dem Gottes Wunder nur noch größer wird. Und ich sage: Liebe, noch viel tiefer erkenne ich, der mich lieb hat, obwohl ich ihm nicht liebenswert bin. Er hat mich lieb.

Und das sind Tatsachen, die feststehen, absolut sicher. Es gibt absolute Sicherheit bei uns, bei Gott. Daran darf ich mich halten.

Gottes Wertschätzung und Schutz

Das zweite: So wertvoll bist du. So wertvoll bist du.

Man muss einmal bei der Landeszentralbank zuschauen, wenn der große Schwerlaster mit dem Bargeld hinausfährt. Die Polizei fährt entweder vorneweg oder dahinter, denn da ist wieder ein Millionenschatz unterwegs zu den Regionalbanken. Da versteht man, dass Schutz notwendig ist.

Aber dass der heilige Gott sich aufmacht und mein Hüter sein will – das haben wir gar nicht begriffen. Es steht nicht einmal da, dass er nur seine Engel sendet, sondern er hat sich selbst dieses Wort gegeben, dieses Amt, Menschen Hüter zu sein, der Hüter Israels.

Wir wissen, wie gerne Jesus sich als den guten Hirten bezeichnet hat. Das war ein Lieblingswort von ihm. Dieses Amt will Jesus bei uns heute wiederfinden: als der Hüter und Beschirmer, der sein Leben für die Schafe wagt und alle anderen gerne lässt. Nur das eine tut er, und dieses Amt erfüllt unser Herr mit großer Treue.

So wie ein Kaufmann seine Waren verkauft und jeder in seinem Amt die Kinder unterrichtet, so ist Gottes Amt, Hüter Ihres Lebens zu sein – Hüter Ihres Lebens.

Muss ich noch einmal sagen, wie empfindlich wir doch alle sind? Das fällt ja immer nur auf, wenn uns andere verletzen. Wenn wir ein wenig klagen über unsere Empfindsamkeit, dann hat uns jemand wehgetan oder übersehen. Das sind immer Zeichen, dass in unserem Leben etwas Sensibles reagiert.

Woher kommt das? Weil wir uns unseres Wertes nicht bewusst sind. Oft fühlen wir uns auch unwert. Wenn dann noch jemand ein wenig hart mit uns umgeht, versinken wir gleich in Traurigkeit und sagen: Jetzt habe ich gar kein Zutrauen mehr. Dabei hatten wir es von vornherein gar nicht.

Wir brauchen Lob wie die Kinder. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir nicht wissen, welchen Wert wir eigentlich haben. Ich halte auch nichts davon, wenn man sagt, du musst dich eben noch mehr selbst verwirklichen. Heute erleben wir eine unheimliche Selbstverwirklichung, bei der jeder mit Ellbogen und Selbstbehauptung seinen Raum erkämpft, ohne auf den anderen zu achten.

Ich meine nicht, dass das der Weg des Glaubens ist. Der größte Trost, auch für die Zaghaften und Unsicheren, ist doch, dass Gott mich annimmt. Dass er mich behütet und dass ich wertvoll für ihn bin, auch wenn ich Fehler mache.

Ja, ich mache so viele Fehler. Jeder Tag ist voll von Versäumnissen und Schuld. Aber er hat mich dennoch lieb und beschützt mich, weil ich ihm so wertvoll bin. Er ist der Hüter der Menschen für mich, der mich bewahren will und sich um mich kümmert.

Ach, was für eine Freude ist das, wenn ich weiß, dass er in all dem, was mich bedrückt – auch im neuen Jahr – alles weiß. Er ist mein Kindvater, und er ist da. Und ich darf ihm all das sagen.

Die Sorge um den Glauben und die Bewahrung der Seele

Mein dritter Punkt ist: Bleibt nur noch eine Sorge. Unsere Zweifel haben kein Recht. Immer wieder grübeln einige, ob das Wort Gottes wirklich wahr ist. Doch es ist wahr, und sie werden es erfahren. Sie haben es schon so oft entdeckt, o Gott, der wirklich zu seinem Wort steht. Sie brauchen nicht so zu tun, als ob Gott ein windiger Geselle wäre, dessen Wort man nicht vertrauen könnte.

Gottes Wort gilt. Es sind Tatsachen: Er schläft und schlummert nicht. Der Herr behüte dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand – das sollen sie mitnehmen in dieses neue Jahr. Das steht fest.

Aber sagen wir, es gibt es jetzt trotzdem: Millionen und Abermillionen, die diesen Frieden Gottes nicht finden. Das ist etwas anderes. Manche Menschen sagen: Ich will doch diese Behütung Gottes gar nicht. Ich möchte meine eigenen Gedanken und Pläne tun und treiben, wie ich will. Es ist schwer. Keiner von uns sitzt hier, der das in seinem Leben nicht schon mehrfach gegen Gottes Wort getan hat, weil er meinte, ihm würde etwas verloren gehen.

Dann hat er sich aufgelehnt. Er hat gesagt: Ich will das doch nicht haben. Ich will selbst jetzt einmal meinen Kopf durchsetzen. Dann schlägt man die Behütung Gottes aus und läuft ihm davon. Sehen Sie, die Sorge bleibt. Das wäre furchtbar: Dass sie im neuen Jahr sagen: Ich brauche das nicht, ich will das nicht. Dass sie die Bibel zuschlagen, keine Zeit nehmen zum Reden mit Gott, die Gemeinschaft verlassen, wo gläubige Christen sind, und sagen: Ich brauche das alles nicht, ich komme schon selbst zurecht.

Doch man kommt nicht zurecht in einer Welt, in der wirklich die Höllenmächte los sind, in einer Welt, in der uns von allen Seiten Gefahren bedrohen. Das einzig Unsichere ist, so habe ich am Anfang gesagt, das einzig Wankende bin ja ich. Dann gibt es doch keine absolute Sicherheit, weil immer wieder mein Glaube ein so flackerndes Flämmchen ist.

Doch auch dies ist in dieses schöne Psalmlied mit hineingenommen. Da heißt es: Der Herr behüte deine Seele. Ach Herr, meine Seele, meine Seele, die so schreckliche Bilder gesehen hat, die sogar im Unbewussten jene schrecklichen Bilder noch hat, die ich so gerne verdrängen wollte. Diese schrecklichen Bilder auch der Sünde.

Herr, bewahre du meine Seele! Wenn dieser Abgrund sich auftut, dann falle ich wirklich in Depressionen. Herr, du musst meine Seele bewahren. Du bist doch starker Herr und Heiland. Bewahre meine Seele und behüte mich, und bewahre du meinen Glauben.

Es kann keiner hinstellen und sagen: So, das will ich festmachen. Wir können nur Gott bieten und sagen: Herr, sprichst du darauf deinen Armen, ich will, aber halte du mich fest bei dir. Und Herr, lass mich mein Leben vollenden, einmal bei dir in der Herrlichkeit, dass ich das nicht verliere. Und bewahre mein Herz und meine Sinne bei dir.

Wir kennen die Versuchungen, und davor haben wir Angst. Wir haben Angst vor der Sünde, vor den Tücken des Teufels, im neuen Jahr, vor der Stimme des Versuchers, vor unserem eigenen kleinen Glauben. Wir haben Angst vor den Zweifeln, die immer wieder in mir hochkommen.

Herr, bewahre meine Seele und behüte mich! Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang. Ach, das ist ein Gebet, und Gott freut sich über dieses Gebet. Ich kann sagen, dass im Himmel ein großes Amen kommt, wo sie so rufen: Ja, das ist gewiss wahr!

Wir dürfen uns freuen, dass der Herr uns behütet und bewahrt und dass es absolute Sicherheit gibt unter seinen ewigen Armen.

Armin.

Abschlusslied, Gebet und Segenswunsch

Nun wollen wir miteinander das Lied Jesu singen: „Geh voran auf der Lebensbahn“ Nr. 274.

Wir sind... Ah, nein. UA. Wir wollen beten.

Du treuer Hüter unseres Lebens, es ist so überwältigend, wie du uns am Ende dieses Jahres keine Strafpredigt hältst, sondern uns nur Erbarmen schenkst. Erbarmen, dem wir in deiner väterlichen Güte und Liebe begegnen.

Ach Herr, da wird uns erst recht leid, wo wir immer wieder deine Hand ausgeschlagen haben. Wir möchten dich jetzt bitten, unseren Glauben festzumachen.

Wir wollen uns lossagen von all den schlechten, bösen und gottwidrigen Einflüssen in unserem Leben. Bitte erfülle uns mit deinem guten, heiligen Geist, damit in Wort, Werk und allem Wesen Jesus und sonst nichts zu sehen sei.

Wir wollen dich auch bitten für die Kranken, die so schwer hindurchmüssen im Zerbrechen ihrer Kraft, für die Sterbenden, für die, die in großer Not und Versuchung leben, und für die heranwachsende Generation der jungen Menschen, dass sie dich erkennen und dein Wort gehört werde.

In unserer Welt sollen Menschen zum Glauben kommen. Wir möchten dich auch für die ganze Christenheit auf Erden bitten, für alle Dienste, die von hier ausgehen, und für alle Mitarbeiter, die wir ausgesandt haben. Lass Frucht wachsen aus all dem, was sie im Glauben begonnen haben.

Herr, lass in diesen Tagen bis an die Enden der Welt dein Reich gebaut werden. So gehen wir mit dir in diese Nacht.

Wir wollen alles, was uns bewegt, auf dich legen und miteinander beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Nehmen Sie bitte noch einmal Platz.

Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie diesen frühen Gottesdienst gleich beim ersten Mal so angenommen haben. Ich hörte auf dem Weg, dass diese Zeit für viele sehr angenehm war. Aber ich hörte auch, wenn man am Telefon nur ab und zu etwas hört, dass einige sagten, es wäre ihnen auch lieb, wenn im Anschluss – das können wir heute nicht mehr machen, nur im nächsten Jahr – auch das Abendmahl angeboten würde.

Darf ich Sie mal um ein Handzeichen bitten? Wer von Ihnen würde dies im nächsten Jahr erbitten? Einfach ein Handzeichen, wunderbar. Das ist schön so. Dann sehen wir uns gleich. Danke.

Sagen Sie bitte alles Mögliche, auch wenn Sie Wünsche haben. Denn das können wir dann entsprechend umsetzen.

Sie haben den neuen Notizenzettel. Er gilt ab dem 18. Januar. Auf den Plätzen liegen noch die alten. Unsere erfahrenen Hasen der Gemeinde geben den neuen vielleicht weiter. Sie wissen ja, wo sie hinten mitnehmen können. Dort liegt er auch noch aus. Es ist mir wichtig, dass Sie ihn heute schon mitnehmen.

Für die letzten Sonntage, die wir noch auf dem alten Zettel haben, liegt der weiße Notizzettel hinten aus.

Ich muss Ihnen aber sagen: Am 4. Januar steht noch nicht drin, wer predigt. Der Prediger ist Missionsleiter Klapproth. Er sitzt immer sonntags im Gottesdienst und leitet die Vereinigte Deutsche Missionshilfe in Gerlingen, ein wunderbares Missionswerk, in dem auch bekannte Missionare mitarbeiten, mit denen wir verbunden sind.

Er war viele Jahre auf den Philippinen. Ein Sohn ist Konfirmand und er ist ein ganz treuer Mann in unserem Gottesdienst. Er ist ein Prediger des Evangeliums, und es ist schön, dass er am 4. Januar predigen wird.

Dann gibt es einen kleinen Tausch beim Notizenzettel, der aber nur die Namen der Prediger betrifft: Rolf Hille predigt am 6. Januar erscheinungsfest, und wie Kaiser am Sonntag, 11. Januar. Das sind ja dann wieder zwei Gottesdienste.

Am Ausgang können Sie eine Losung mitnehmen, ein Bibelwort. Wir sind ja nicht abergläubisch, aber wir glauben, dass Gott auch durch dieses Bibelwort zu uns spricht. Darum bitten wir Gott, dass er uns eine Weisung gibt, auch für unser Leben im neuen Jahr.

Das Opfer heute wollen wir zum Abschluss noch einmal für die Arbeit Christlicher Fachkräfte International erbitten. Sie haben das gelbe Blatt auf Ihren Plätzen.

Es ist groß, was Sie hier getan haben, auch durch Ihre Opfer, dass wir dieses Programm durchführen konnten. Neun Leute sind heute Abend in aller Welt im Einsatz, fünf weitere folgen.

Es ist ganz wichtig, dass wir für sie beten, dass der Herr sie bewahre, dass sie keinen Schaden nehmen und den Glauben nicht verlieren in ihrem spannungsreichen Einsatz. Das ist oft schwer, wenn sie ganz allein draußen stehen, Heimweh sie plagt und sie viele gesundheitliche Nöte durchstehen müssen.

Zum Schluss wollte ich Ihnen nicht nur etwas zum Opfer sagen, sondern auch noch ein Lied vorlesen, bevor wir um den Segen Gottes bitten.

Ich möchte es Ihnen lesen, weil ich an die von Ihnen denke, die sehr bewegt in dieses neue Jahr hineingehen, oft mit Angst und Zittern.

Das Lied ist von Friedrich Traub, einem Korntaler Missionar, der mit 33 Jahren in China 1906 starb. Er war gerade ein Jahr verheiratet. Er hat das Lied gedichtet, auch in den Wirren seines Dienstes damals, als er den Boxeraufstand durchlebte.

Und dennoch:

Wenn es auch tobt und stürmt, wenn dunkel mich umhüllt, wenn Woge sich auf Woge türmt und fast mein Schifflein füllt, ja, dennoch will ich stille sein, nicht sagen: in Gefahr will ich flüchten, mich in Gott hinein und ruhen da immerdar. Gleich wie ein neugeborenes Kind liegt still im Mutterschoß und trotzt allerstärkstem Wind ist froh und sorgenlos.

So will auch ich mein treues Herz mich dir fest anvertrauen und stille auf dein göttliches Wort in Nacht und Stürmen bauen.

So wütet nun du wildes Meer und droht du Felsenriff, es ist der allgewaltigen Herrin mein kleines Schiff.

Er ist der Mann, er führt hinaus, obwohl ich Staub nur bin. Er bringt mich durch des Meeres Braus zum Friedenshafen hin.

Drum dennoch, wenn’s auch tobt und stürmt und dunkel mich umhüllt, vertraue ich still, dass Gott mich schirmt und Sturm und Wetter stillt.

Daher gebe ich Ihnen seinen Segen. Wir erheben uns.

Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden. Amen.