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Mut zum Glauben

01.01.1959Psalm 97,1
"Der Herr ist König." steht in Psalm 97. Einer, der am Kreuz gestorben ist, soll als König regieren? Diese paradoxe Königsherrschaft von Jesus, der keine Macht wollte, ist ein Geheimnis, das nur die Gläubigen verstehen. Aber was genau bedeutet es, dass Jesus ein König ohne irdische Macht ist, und warum gibt das Mut zum Glauben?

Wir hören ein Wort aus dem 97. Psalm, einen kurzen Satz: „Doch der Herr ist König, des freue sich das Erdreich.“

Herr, heilige uns in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Mut finden in der Nachfolge Jesu

Kürzlich hörte ich eine kleine, gute Geschichte. Ich habe sie irgendwo gehört oder gelesen, und ich hoffe, ich erzähle sie richtig.

Da ist ein junges Mädchen, das Christin geworden ist. Sie hat sich entschlossen, dem Herrn zu gehören. Nun steht sie ganz allein in einer völlig ungläubigen und gottlosen Umgebung. Eines Tages klagt sie einem alten Christen ihr Leid. Es sei nicht so einfach, wenn man so allein stehe und so verachtet werde, nur weil man Jesus angehört.

Der alte Christ antwortet ihr: „Es hat mir Freude gemacht.“ Das kann manch einer jetzt auf sich beziehen, der in derselben Lage ist wie dieses Mädchen. Er sagt: „Oh, du weißt ja gar nicht, wie wichtig du bist. Mädchen, du bist eine Partisanin Gottes im Feindesland. Du bist ein vorgeschobener Brückenkopf Gottes. Du bist, und das war eigentlich fast an der Grenze, vielleicht mitten im Feindesland ein Landeplatz für den Heiligen Geist.“

Dieser Ausdruck „ein Landeplatz für den Heiligen Geist“ gefiel dem Mädchen sehr. Daraufhin bekam sie Mut. Wie sollte man nicht Mut bekommen, wenn man begreift, dass Gott mit einem einzelnen Menschen die Vorhut hat?

Nun, wir haben alle nötig, meine Freunde, Mut zum Glauben zu bekommen. Es geht uns wie jenem Papua, von dem ich hier nach Nommensen erzähle. Er sagte: „Am Sonntag im Gottesdienst ist mein Glaube so groß wie eine Hütte, und am Montag ist mein Glaube so klein wie ein Reiskorn.“ So ähnlich geht es uns oft auch. Wir haben nötig, dass wir Mut bekommen zum Glauben.

Mut bekommt man, wenn man sich klar macht, dass Gott uns brauchen will und wozu er uns brauchen will. Aber, meine Freunde, noch mehr Mut zum Glauben – das ist meine Erfahrung – bekommen wir, wenn wir, jetzt rede ich mit den Worten des Hebräerbriefs, aufschauen auf Jesus, der sich gesetzt hat zur Rechten Gottes.

Das macht Mut zum Glauben: auch Jesus sehen, den Gott erhöht hat über alles. Zu diesem mutmachenden Aufblick will uns unser Textwort aufrufen: „Doch der Herr ist König, das freue sich das Erdreich.“

Was Mut zum Glauben macht

Die Bedeutung der Königsherrschaft Jesu

Ich beschreibe diesen kurzen Text und die Predigt, die Mut macht zum Glauben.

Erstens: Doch, der Herr ist König. Wenn ich so in die Welt hinausschreien würde: „Der Herr ist König!“, dann würden mich die Leute fragen, welcher Herr denn gemeint sei. Dann würde ich sagen: Komm mit mir im Geist nach dem Hügel Golgatha, vor den Toren Jerusalems. Dort stehen drei schreckliche, gräuliche, blutige Kreuze, an denen Männer sterben. Und der in der Mitte – den meinen wir, wenn wir sagen: Der Herr ist König.

Ich gebe zu, das ist unwahrscheinlich. Ein Gehängter ist unwahrscheinlich. Das Evangelium ist eine unwahrscheinliche Sache. Den meinen wir, wenn wir sagen: Der Herr ist König. Da hängt er, ausgestoßen von jedermann – von seinem Volk und von den Heiden, von seiner Kirche und von der Justiz, von den klugen Leuten und vom blinden Pöbel! Ein Prophet sagt von diesem gekreuzigten Jesus, er war der allerverachtetste und unwerteste. Die Bibel übertreibt nicht. Wie viele Menschen sind verachtet worden? Und Jesus war der allerverachtetste und unwerteste.

Da hängt er, und das Schrecklichste: ausgestoßen vom lebendigen Gott. Da hängt er, beladen mit unserem Schmutz und unserer Sünde und dem Schmutz und der Sünde aller Welt, ausgestoßen von Gott und Menschen, geächtet, gerichtet von Gott und Menschen. „Ihr Herr ist König“ – das ist gemeint, das Evangelium.

Der Arbeiterdichter Fritz Woike hat einmal so das Ineinander von Jesu Niedrigkeit und seiner Herrlichkeit, seinem Kreuz und seiner Krone, in einem schönen Vers zusammengefasst. Der heißt „Ave Christus, Gnadenreich!“:

„Wer ist dir, o König, gleich?
Könn, lass mich deine Hände küssen,
die den Schuldbrief einst zerrissen.
Hingezahlt mein Lösegeld,
sei gegrüßt, du herber Welt,
doch Herr ist König.“

Leute würden mich fragen: Wer ist König? Nur einmal fragen wir so: Wer ist gemeint, wer, welcher Herr, welcher Herr ist König? Und darauf müssen wir merkwürdigerweise die Antwort geben: Der ist König, der gar kein bisschen Macht hatte und gar kein bisschen Macht wollte.

Liebe Freunde, je älter ich werde – und ich werde uralt – desto mehr kommen mir die Menschen vor wie Wettläufer. Sie rennen mit keuchendem Atem um den vordersten Platz, um Einfluss, um Macht. Das ist an jeder kleinen Schule so: Wer wird Rektor, nicht? Und in jedem kleinen Betrieb. Das ist ein Rennen um die Macht ganz vorne. Und das ist in Bonn so, du liebe Zeit, wenn man einmal so die Emeriti durchschauen könnte, dieses Rennen um die Macht. Hoffentlich vergessen sie dabei nicht, dass wir auch noch da sind.

Und das ist in allen Hauptstädten der Welt so, das ist überall so, das ist in der Kirche sogar so – ein atemberaubendes Geräusch des Wettrennens, wer vorne ist. Und da ist einer, der stehen geblieben ist. Der ist nicht mitgelaufen, er hat sogar umgedreht und ging in die andere Richtung. Das ist Jesus. Er ging in die Niedrigkeit.

Lesen Sie mal die Geschichten von Jesus: Nichts von Macht. Er entäußerte sich selbst, er legte sie weg. Und da lacht die Welt. Was meinen Sie, sagen Sie das mal einem, der rennt: „Das ist Jesus, der hat gar keine Macht gewollt!“ Da lacht die Welt und sagt: „Ja, nein, so kann man nichts werden. So kann man nichts werden.“ Da sage ich: Arme Welt, der Herr ist König!

Verstehen Sie, das ist die Antwort Gottes: Der Herr ist König, der nach der anderen Richtung ging – unerhört.

Die Himmelfahrt als Zeichen der Königsherrschaft

Ich habe die Himmelfahrtsgeschichte sehr gern. Sie werden mir sicher schon bemerkt haben, dass diese Predigt dem Himmelfahrtsfest ein wenig ins Gehege kommt. Ich muss offen gestehen, dass ich mich nur schwer von diesem so lieben Himmelfahrtsfest trennen kann.

Ich habe einfach den Sonntag noch so billig dazu geschlagen. Ich habe die Himmelfahrtsgeschichte so gern, wie Jesus seine Jünger auf den Ölberg führt und ihnen etwas eröffnet. Denken Sie an den Mann aus Nazaret, der mit den Nägeln gemalt wurde, den kein Mensch anerkennt. Er sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Und dann nimmt eine Wolke ihn vor ihren Augen weg.

Ich sage es noch einmal: Die Bibel lässt uns hinter die Wolke sehen. Hinter der Wolke ist der starke Gott, der seinem Sohn sagt: „Komm, setz dich zu meiner Rechten, bis dass ich alle deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.“ Doch der Herr ist König.

Liebe Freunde, wenn der Glaube müde werden will, dann darf man aufschauen auf den, der sich gesetzt hat zu Rechten des Vaters. Man darf dem nicht alles zutrauen, sondern auch die Sache meiner Seele an ihn empfehlen. Der Herr ist König.

Die Herausforderung und Verwirrung durch das Königtum Jesu

Nun muss ich allerdings ein kleines Geständnis ablegen: Diese atemberaubende Botschaft, dass über alle Welt nicht nur die Kirche herrscht, sondern dass Jesus über alle Welt König ist, ist eine solche Botschaft, dass sie mich oft wirklich verwirrt.

Sehen Sie, da gibt es tapfere Männer, ich denke an Männer wie Niemöller, die es ganz ernst meinen und sagen: Der Herr ist König. Sie gehen in die Welt hinaus und rufen: Hört mal, der Herr ist König! Hört auf mit den verfluchten Kriegen, hört auf mit euren elenden Atombomben, nieder mit den Waffen! Der Herr ist König, und er will das nicht.

Ist das richtig? Ist das die richtige Konsequenz? Liebe Leute, ich bitte Sie, seien Sie nicht in der politischen Versammlung, wo sofort, wenn man ein Wort hört, ein Schluss entsteht, und man nicht mehr denken kann. Denken Sie mit! Christen sind keine Menschen, die einfach zustimmen.

Es gibt tapfere Männer in der Welt, die zu den Mächtigen der Erde gehen und sagen: Macht Schluss mit eurer Korruption, eurer Ungerechtigkeit, euren falschen Justizurteilen, eurer Unterdrückung! Ich denke an Freunde und Bruder Casalis in Straßburg, der zu den Franzosen sagt: Macht Schluss mit Algerien, hört auf! Der Herr ist König, er will das nicht.

Und wenn ich so etwas höre, dann denke ich: Wenn wir alle den Mut hätten, die Königsherrschaft Jesu so ernst zu nehmen und so auszurufen, in die Welt hineinzuschreien, nicht damit die Welt es nur hört, sondern dass der Herr König ist und sein Wille gilt – und nicht eure Furcht, Angst und euer Egoismus. An die Mächtigen der Erde sagt der Herr: Ihr sollt dienen und nicht herrschen.

Und zur gleichen Zeit, meine Freunde, weiß ich ganz genau: Die Bibel sagt es, dass das Königtum Jesu ein großes Geheimnis ist, das nur diejenigen kennen, die Jesus gefunden haben. Die Welt versteht das Königtum Jesu nicht, sie kann es nicht begreifen.

Und das ist etwas anderes, als wenn man nun sagen möchte: Dann lasst die Welt ihre törichten Wege laufen. Sehen wir zu, dass König Jesus in seiner Gemeinde Herr wird.

Sehen Sie, ich sage: Die Botschaft „Der Herr ist König“ ist so atemberaubend, dass sie mich oft verwirrt und ich oft hin- und hergerissen bin. Ich lege ein Bekenntnis ab: Wer dieses Hin- und Hergereißensein nicht kennt, hat, glaube ich, noch nicht viel vom Königtum Jesu begriffen.

Ich lasse es hier offen, da muss jeder seinen Weg gehen. Aber eins weiß ich: Jesus wird wiederkommen, und dann wird sein Königtum über der ganzen Welt offenbart. Wenn Jesus wiederkommt, muss die ganze Erde sehen und bekennen, ob sie es will oder nicht: Er ist König. Dann beginnt ein Regiment, bei dem man sagen kann: Das Erdreich freue sich.

Ich bin froh, dass all die Probleme, die damit verbunden sind, dass Jesu Königtum so verborgen ist, gelöst werden, wenn er wiederkommt. Und ich muss sagen: Die Weltgeschichte eilt mit Riesenschritten auf die Offenbarung der Königsherrschaft Jesu zu. Wir sind bald am Ende.

Die Herrschaft Jesu als Grund zur Freude

Die Fähigkeit Jesu zu regieren

Und nun zum Zweiten: Was Mut macht zum Glauben – der Herr ist König.

Zweitens: Er kann gut regieren. Hier steht: „Der Herr ist König, darum freue sich das Erdreich.“ Das bedeutet, Jesus kann wohl regieren. Unser Text sagt, der Herr ist König, und es gibt keinen anderen, der so wundervoll regieren kann. Darum kann sich das Erdreich freuen, dass es solch einen König bekommen hat. „Der Herr ist König, des freue sich das Erdreich.“

Sehen Sie, es geschieht ja permanent in dieser Welt, dass Präsidenten, Diktatoren und Könige zur Macht kommen. Gerade jetzt ist die Türkei wieder einmal so richtig dran, nicht? In den Ländern der Erde geht es immer wieder um Macht. Und jedes Mal, wenn jemand zur Macht kommt, gibt es einen großen Aufbruch: Volksjubel, Fahnen schwenken, Böller schießen. Wer jedoch ein bisschen durchschaut, denkt oft: Man möchte lieber weinen und klagen – armes Volk, armes Volk.

Das Beispiel für die Türkei bezog sich auf die Erinnerung an das Jahr 1930. Man möchte all den Jubel auf zwei Worte bringen: „armes Volk“. Anders ist es bei Jesus. Doch der Herr ist König, der wahre Geist Gottes, des freue sich das Erdreich. Hier ist einer, der wirklich regieren kann.

Das kann man erfahren, meine Freunde, das kann man einfach erfahren. Ich habe meinen Jungs oft von dem norwegischen Missionar Lars Olsen erzählt. Er hat mich sehr beschäftigt. In seiner Jugend war er am Hardanger Fjord ein wilder Schläger, eine Gefahr für seine Umgebung, bis er im Gefängnis landete. Dort kam das Neue Testament in seine Hände, und Jesus begegnete ihm. Er sah den Mann mit der Dornenkrone und den, der auffährt gen Himmel, und er wurde sein Eigentum.

Nur, meine Freunde, geschah eine große Änderung: Nun regiert Jesus diesen starken jungen Mann. Und wie regiert Jesus? So, dass dieses verkorkste Leben ein Segen wird – ein gewaltiger Segen. Es reizt mich jetzt, von Skrebsko zu erzählen, aber das ist eine Nebenlinie. Ein gewaltiger Segen!

An einem Mann wird deutlich, dass Jesus regieren kann. Kommt ein Mensch unter das Regiment Jesu, dann wird an diesem Menschen sichtbar, wie fein Jesus regieren kann. Das zeigt sich auch in Familien. Ich denke im Augenblick bei diesem Thema immer an eine bestimmte Familie, die so viel Krach hatte, dass sie völlig auseinanderbrach. Junge, prächtige Leute, aber beide profitieren.

Dann kommt Jesus ganz merkwürdig und will durch einen gewaltigen Angriff zum Glauben führen. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen, und ein Jahr später ist sie Jesu Eigentum. Nun fangen sie miteinander neu an. Sie waren auseinandergelaufen, so wie Hundchen auseinanderlaufen – nicht so wie heute, wo Paare oft auseinanderlaufen und sich kaum noch versöhnen. Nun fangen sie neu an, unter dem Regiment Jesu Christi.

Und nun wird es neu. Es ist nicht immer einfach, oft gibt es Probleme. Aber unter Jesu Regiment wird es schön und neu. Jesus kann regieren, liebe Freunde. Er kann gut regieren.

Sehen Sie einfach, dass er anders regiert als alle Regierungen der Welt. Eine Regierung dieser Welt kann gar nicht anders, als mit Polizei zu beginnen. Als im Jahr 1945 alles kaputt war, wurde als Erstes die Polizei aufgestellt. Ich habe mich damals richtig gefreut, dass die Polizei da war. Und wenn die Polizei steht, kommen die Finanzämter.

Natürlich halte ich hier keine politische Rede, das verstehen Sie hoffentlich. Jesus regiert ernsthaft anders. Er fängt damit an, einem Menschen innerlich das Herz durch seine Liebe zu gewinnen. Ein Mensch entdeckt: „Ich bin elendarm verloren, und er liebt mich bis zum Tode.“ Dem Anderen sollte ich mich ergeben.

Dann nimmt er sich um uns an wie ein guter Hirte. Er bringt unser Leben in Ordnung – durch sein Blut, das reinigt und vergibt, durch seinen Geist, der ordnet und uns ganz innerlich regiert. Durch seinen Geist und sein Wort. In seinem Reich gibt es eigentlich nur ein Gesetz: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt.“

Das ist wohl regiert, nicht? Das ist gut regiert. Dieser Herr ist König. Ich verstehe, dass der Psalmist ausruft: „Das freue sich das Erdreich.“

Die Ablehnung der Königsherrschaft durch die Welt

Und nun muss ich das Entsetzliche aussprechen, das alle wissen und das jetzt doch am Tisch gelegt werden muss. Doch der Herr ist König, des freue sich das Erdreich. Das Erdreich denkt ganz und gar nicht daran, sich zu freuen.

Das Erdreich lehnt Jesus und seine Regierungskunst ab. Er ist der Stein, den die Bauleute verworfen haben. Die Herzen hängen sich lieber an jeden machtgierigen Scharlatan, ehe sie Jesus etwas zutrauen als König.

Das Zeichen seiner Liebe, sein Kreuz, wird kultisch und liturgisch eingekapselt, und man kreuzt sich täglich neu. Der Tag seiner Thronbesteigung wird zum allerschönsten und makabernsten aller Feste – zum Vatertag, zum Dach der Strohhütchen und der Herrenpatine, zum Tag der Thronbesteigung Jesu. Armes Erdreich!

Es ist kein Wunder, dass das Erdreich sich nicht freuen kann, sondern dass Elend, Jammer, Streit, Angst und Furcht einkehrt. Wer lebt in Furcht? Ist Jesus gescheitert? Oh nein! So bleibt da seine Verheißung: Das kommt, wenn er wiederkommt.

Doch der Herr ist König, des freue sich das Erdreich. Das wird kommen, wenn er in Herrlichkeit wiederkommt. So ist das Wort einer Verheißung auch sein Wiederkommen.

Die persönliche Freude am Königtum Jesu

Aber lassen Sie mich noch kurz und zum Schluss etwas sagen: Wenn die Welt heute das nicht hören will, dann wollen wir anfangen, uns zu freuen. Die Bibel, Gottes Wort und die Welt sind voller Probleme. Deshalb flüchte ich mich immer wieder zu einem Wort, das ich für mich übersetze: „Doch der Herr ist König.“ Deswegen freut sich mein Herz, und ich bin überzeugt, dass mein Herr und Heiland damit einverstanden ist.

Ich möchte Sie bitten: Im dritten Teil wollen wir anfangen, uns zu freuen, dass der Herr König ist. Das bedeutet nämlich sehr viel und macht Mut zum Glauben. Ich will das nur kurz skizzieren.

Sehen Sie, wenn ich morgens die Zeitung aufschlage, wird einem doch Angst. Nicht wahr? Wieder tobt der Krieg – Russisch auch wieder –, und Eisenhauer, Adenhauer, Bollhauer und all die „Hauer“ sind dabei. Da wird einem Angst: Wohin steuern wir alle miteinander? In einer großen Zeitung stand in diesen Tagen ein Artikel, dass all die Kriege entstanden sind, weil die Männer, die verantwortlich waren, die Dinge nicht mehr in der Hand halten konnten.

Die Zeitung aufschlagen – da bekomme ich Angst. Schlagen Sie sie einfach gar nicht mehr auf, hat auch etwas für sich. Aber das ist ein ganz kleines bisschen Vogel-Strauß-Politik, oder? Dann darf ich mir sagen: „Doch, der Herr ist König, keine Bange.“ Wilhelm Busch sagt: Die Machtfrage ist gelöst, ich kann lachen über alle Ängste hinweg. Doch er ist König. Er wird wiederkommen. Er treibt alles so oder so.

Letztlich sehen wir nicht mehr bloß dunkle Wolken, sondern wie dunkle Wolken vorüberziehen vor der hellen Sonne. „Doch der Herr ist mein König, des freut sich mein Herz.“ Das bedeutet: Nun bin ich nicht mehr Spielball von Modeerscheinungen. Denken Sie mal, was ein richtiger Deutscher etwa um die sechzig in den letzten sechzig Jahren alles glauben musste! Wenn ich sagen darf: „Der Herr ist mein König“, bin ich nicht mehr Spielball von Modeerscheinungen.

Auch nicht mehr Spielball der dämonischen Mächte aus dem Abgrund. Wir wissen, wie der Teufel mit uns spielen kann. Wenn ich sagen kann: „Doch der Herr, der in der Dornenkrone ist, der mich mit seinem Blut erkauft hat, der mich teuer genug erkauft hat, der ist mein König“, dann bin ich daraus entnommen.

„Doch der Herr ist König, mein König, des freut sich mein Herz.“ Das bedeutet: Nun wird er auch mit mir fertig werden. Seien wir mal ganz ehrlich, Freunde: Werden Sie mit sich fertig? Ich nicht. Wer wird mit sich fertig? Es ist keiner hier, der nicht gern den Willen Gottes tun möchte. Und wer tut es? Es ist so viel Heidentum, Rebellion, Unglaube, Zweifel und Gottlosigkeit hier drin, in unser aller Herz, und wir werden nicht fertig damit.

„Doch der Herr ist König, mein König, der mich am Kreuz mit seinem Blut erkauft hat.“ Jetzt darf ich glauben: Er wird fertig werden mit mir. Er wird sich unterwerfen, was ich gegen ihn erhebe und was mich dem Teufel unterwerfen will.

Das Geheimnis einer christlichen Heiligung besteht im Glauben, dass ich glaube: „Der Herr ist mein König, des freut sich mein Herz.“ Der Vater hat ihm gesagt: „Ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße“, auch die Feinde, die hier drin sich gegen ihn erheben.

Sehen Sie, das ist eine große Sache, zu wissen, dass er mein König ist. Da sieht man die Welt und die Nöte und Probleme seines Herzens auf einmal im Glauben anders. So möchte ich Sie bitten: Warten wir, bis der Herr wiederkommt. Dann wird das Wort ganz wahr werden.

Und inzwischen soll es unter uns gelten: „Der Herr ist mein König, des freut sich mein Herz.“ Wem anders sollte ich mich ergeben? O König, der am Kreuz verblutet ist! Hier opfere ich dir mein Gut und Leben, mein ganzes Herz ergießt sich. Dir schwöre ich zu, der Kreuzeswahn als Streiter und als Untertan.

Lassen Sie uns beten: Herr, öffne du blinde Augen in dieser blinden und dunklen Welt, dass wir es fassen, sehen und froh werden, dass du König bist. Nun darf ich mich freuen. Amen.